pax christi - internat. kath. Friedensbewegung
deutsche Sektion
News der deutschen Sektion
pax christi international

News der deutschen Sektion

Einspruch der pax christi-Kommission Friedenspolitik zum Jahrestag des Bombenangriffs am Kunduz-Fluss

Einspruch gegen die Kriegspolitik von Bundesregierung und Bundestag erhebt die pax christi-Kommission Friedenspolitik anlässlich des Jahrestages des Luftangriffs auf zwei von Taliban gekaperte Tanklastzüge im Kunduz-Fluss in Afghanistan auf Befehl des deutschen Kommandeurs Oberst Klein, bei dem in der Nacht zum 4. September 2009 rund 140 Personen, darunter zahlreiche Zivilisten, auch Kinder und Jugendliche, ums Leben kamen.

Dass dieses erste Massaker der Bundeswehr von der Generalbundesanwaltschaft am 19. April 2010 als völkerrechtlich zulässig bewertet wurde und die Vorermittlungen eingestellt wurden, erwecke den Eindruck der Strafvereitelung im Amt und zeige, dass für eine unabhängige Untersuchung eine weisungsunabhängige Instanz notwendig sei, betont die Kommission. Die Bundesanwaltschaft folge der rechtlichen Neubewertung durch den Bundesverteidigungs- und den Außenminister, dass es sich um einen nicht-internationalen bewaffneten Konflikt handle. Im Unterschied zu einem „Stabilisierungseinsatz“ nach dem Friedensvölkerrecht würden dadurch die Handlungsspielräume der Soldaten entsprechend dem Kriegsvölkerrecht erweitert, um die Bundeswehr kriegsführungsfähiger zu machen.

Scharf kritisiert die Kommission Äußerungen von Außenminister Westerwelle, der unter Bezug auf die Veröffentlichung geheimer Dokumente im Internet erklärte, gezielte Tötungen Aufständischer seien legal und mit dem Völkerrecht vereinbar. Damit erscheine die Bundeswehr als “Taliban-Abschussdienst der US-Armee“ und das rechtsstaatliche Prinzip, dass Beschuldigte das Recht auf einen fairen Prozess zuspricht, werde so ausgehöhlt. Auch für das Handeln des Staates im Ausland gelten Grundgesetz und Grundnormen wie Menschenwürde, Recht auf Leben und Folterverbot sowie Artikel 25 GG, nach dem die Regeln des Völkerrechts Bestandteil des Bundesrechts sind und den Gesetzen vorgehen.

Die Kommission fordert die Bevölkerung auf, sich der damit verfügbaren Rechtsmacht gegenüber den Regierenden wie gegenüber den Bundestagsabgeordneten bewusst zu werden und diese Rechtsmacht wo immer möglich zur Wahrung der demokratischen Grundordnung zu nutzen. Befremdet äußert sich die pax christi-Kommission Friedenspolitik über eine Resakralisierung des Militärischen und die Vereinnahmung Gottes für Zwecke des Nato-Militärs beim Umgang mit toten Soldaten und im Bereich der Militärseelsorge.

Sie warnt Soldat/innen vor der Illusion, richtig im Falschen handeln zu können und fordert die Kirchenleitungen auf, sich der militärischen Gewaltanwendung gegen Menschenrechte, der Militarisierung der Außenpolitik und einer systematischen „Nachrüstung der Seelen“ zu widersetzen.

Heute jährt sich der Beginn des 2. Weltkrieges zum 71. Mal, dieser Tag wird als Weltfriedenstag oder auch Anti-Kriegstag begangen.

Vizepräsident Johannes Schnettler betont im Gespräch mit Domradio die Bedeutung dieses Gedenktages und die Vorbildrolle Europas.

Das von der deutschen Sektion von pax christi mitgetragene Ökumenische Netz Zentralafrika (ÖNZ) fordert die Einrichtung einer unabhängigen Wahrheits- und Versöhnungskommission für die Region um die großen Seen in Afrika.

Die pax christi-Kommission "Solidarität mit Zentralafrika" unterstützt diese Forderung voll. Dies muss die Schlussfolgerung aus dem am vergangenen Freitag bekannt gewordenen bisher unveröffentlichten UN-Bericht über Kriegsverbrechen in der DR Kongo 1993-2003 sein, der bereits vorab an die Medien gelangte und auch dem ÖNZ vorliegt. Der Bericht beschreibt ein bislang in diesem Umfang undokumentiertes Ausmaß von Gewaltverbrechen in der DR Kongo (ehemals Zaire).

In den Jahren nach dem Völkermord in Ruanda 1994 und nach der Flucht von bis zu zwei Millionen ruandischer Bürger in die Ostprovinzen des Kongo haben eine Vielzahl von kongolesischen Milizen, aber auch Armeen aus den Nachbarstaaten blutige Kämpfe um die Macht und die reichen Bodenschätze geführt. Millionen Zivilisten wurden zu Opfern brutaler Gewalt. Sie wurden ermordet, vergewaltigt, vertrieben oder versklavt. Hintergrund der Kämpfe ist vor allem die Frage des Zugriffs auf die reichen Bodenschätze des Kongo.

Seit Jahren fordert pax christi die Neuregelung von Rohstoffabbau und -export aus der DR Kongo. Den kürzlich in den USA beschlossenen "Conflict Minerals Trades Act", der die Deklarierung des Herkommens von Rohstoffen für den Endverbraucher vorschreibt, sieht pax christi als einen Weg an, die strukturellen Ursachen von Rohstoffkriegen in den Griff zu bekommen. Ein solches Gesetz sollte es auch im EU-Raum geben. Die Verbrechen, die die ruandische Armee während der Besatzung (ab 1996), aber auch die Hutu-Milizen FDLR, die kongolesischen Milizen und die Truppen aus Uganda, Angola, Simbabwe und Burundi begangen haben, müssen untersucht werden, um die Täter zur verurteilen, die Vergangenheit aufzuarbeiten und erste Ansätze zur Versöhnung zu ermöglichen.

Das ÖNZ ist ein Netzwerk der christlichen Hilfswerke in Deutschland für Frieden und Menschenrechte in Ruanda, Burundi und der DR Kongo. Mitglieder des ÖNZ sind u.a. Misereor, Brot für die Welt, pax christi, Diakonie und die Vereinte Evangelische Mission. Die Mitgliedsorganisationen unterstützen Projekte und Partnerorganisationen in Zentralafrika.

Zum 65. Mal jähren sich am 6. und 9. August 2010 die atomaren Angriffe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Die Erinnerung an den Tod Hundertausender ist bis heute Mahnung an uns, jeden weiteren Einsatz von Atomwaffen zu verhindern.

Gemeinsame Erklärung des Präsidenten der deutschen Sektion von pax christi, Bischof Heinz Josef Algermissen und des Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms

Gerade in diesem Jahr hat die Vision einer Welt ohne Atomwaffen neue politische Bedeutung erlangt. Dazu beigetragen hat nicht nur US-Präsident Obama mit seiner Prager Rede sondern auch ungezählte Menschen, die sich im Vorfeld der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag (=Nichtverbreitungsvertrag) im Mai 2010 für die Abschaffung aller Atomwaffen eingesetzt haben. Millionen Unterschriften aus aller Welt - darunter allein 14 Millionen aus Japan und aus Deutschland 25 000 unter dem Appell „Für eine Zukunft ohne Atomwaffen“ - sind Ausdruck des weltweit gemeinsamen Traums einer neuen Wirklichkeit ohne Atomwaffen. Denn eine Welt ohne diese furchtbaren Waffen ist keine Utopie, sondern eine konkrete Verpflichtung der Unterzeichner des Nichtverbreitungsvertrages.

Solange Atomwaffen existieren, bestehen Gefahr und Anreiz zu ihrer weiteren Verbreitung. Jede zivile Nutzung von Atomkraft birgt das Risiko, dass für zivile Zwecke hergestelltes Material in waffenfähiges Material umgewandelt wird. Militärstrategien, die Atomwaffen mit dem Ziel der Sicherheit und Verteidigung oder als Machtfaktor einplanen, bremsen den Prozess der internationalen nuklearen Abrüstung und Nichtverbreitung. Nur die Überwindung der nuklearen Abschreckung durch die Ächtung aller Massenvernichtungsmittel und ihre vollständige Abrüstung kann die Gefahr bannen, die von der Existenz dieser Waffen ausgeht.

Frieden braucht Ehrlichkeit, und Glaubwürdigkeit kann einzig erreicht werden, wenn internationale Vereinbarungen streng eingehalten werden. Das ist auch die Basis für vertrauensbildende Maßnahmen zugunsten globaler Sicherheit und weltweiter Nichtverbreitungspolitik. Dem werden die Ergebnisse der diesjährigen Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag nicht gerecht. Denn das Versprechen zur Abrüstung wurde wieder nicht eingelöst. Der Erfolg, dass wieder ein gemeinsames Abschlussdokument zustande gekommen ist, bedeutet vor allem die Rettung des Nichtverbreitungsvertrages an sich, aber noch keinen Fortschritt für die in Artikel VI des Vertrages vor 42 Jahren vereinbarte Abrüstung. Das Fehlen eines Zeitplanes für die Umsetzung der Aktionen, die das Abschlussdokument beschreibt, ist das falsche Signal der Atomstaaten gegenüber der Mehrheit der Staaten, die sich im Nichtverbreitungsvertrag auf den Verzicht auf Atomwaffen verpflichtet haben. Um die Staaten, die technisch sofort zur nuklearen Rüstung in der Lage wären, weiterhin von Atomwaffenprogrammen abzuhalten, müssten die Atomstaaten ihre Abrüstungsabsicht endlich mit konkreten Zusagen untermauern. Zur Verhinderung von nuklearer Aufrüstung und der Verbreitung von Atomwaffen reicht es nicht aus, längst vereinbartes erneut zu bekräftigen.

Wichtige Zwischenschritte wie die Aufforderung zur Verringerung der Rolle und Bedeutung von Atomwaffen in Sicherheitskonzepten und Strategien bleiben im Abschlussdokument der Überprüfungskonferenz unverbindlich. Besonders enttäuschend ist, dass eine Vereinbarung über den kurzfristigen Abzug amerikanischer Atomwaffen aus nichtnuklear gerüsteten europäischen Staaten wie Deutschland ebenso fehlt wie die Verpflichtung der Atomstaaten, die Modernisierung ihrer Arsenale zu beenden, die Produktion militärisch nutzbaren Spaltmaterials einzustellen und die vorhandenen Vorräte internationaler Kontrolle zu unterstellen.

Die internationale Staatengemeinschaft steht jetzt vor der Herausforderung, für den Weg zur tatsächlichen Abschaffung der Atomwaffen einen neuen Rahmen zu schaffen. Mit diesem Ziel haben sich 118 der 190 Staaten bei der Überprüfungskonferenz im Mai in New York für die Aufnahme von Verhandlungen über eine Atomwaffenkonvention ausgesprochen. Vorbild dafür sind die Chemiewaffenkonvention und der Vertrag von Ottawa zum Verbot von Antipersonenminen.

Die Bundesregierung sollte diesen Weg unterstützen und sich dafür einsetzen, sobald wie möglich mit multilateralen Verhandlungen über einen Vertrag zu beginnen, der die überprüfbare Abschaffung der Atomwaffen transparent und konkret in einem festen Zeitrahmen regelt. Denn im Beginn internationaler Verhandlungen über eine Atomwaffenkonvention liegt eine neue Chance, die Gefahren, die von der Existenz nuklearer Massenvernichtungsmittel ausgehen, zu bannen und diese Waffen vollständig abzuschaffen.

Im Vorfeld der Präsidentenwahl am 9.8.2010 bekommen die politische Opposition, die Presse und Menschenrechtsorganisationen die zunehmende Repression zu spüren. Dabei ist die Wiederwahl von Präsident Kagame ohnehin sicher. pax-christi-Vertreter machen im Vorfeld der Präsidentenwahl (9.8.) auf einer Veranstaltung des Ökumenischen Netzes Zentralafrika in Berlin Sorge um die Zukunft in Ruanda über den Wahltermin hinaus deutlich.

Bei der gut besuchten Veranstaltung unter dem Titel „Ruanda – Zwischen Demokratie und Diktatur? Expertendiskussion zu den Präsidentschaftswahlen“ diskutierten Joel Sengi und Heinz Werner Wessler für pax christi mit Gerd Hankel (Hamburger Institut für Sozialforschung) und der ruandischen Botschafterin Christine Nkulikiyinka. Moderiert wurde die Veranstaltung in der Katholischen Akademie von Ilona Auer-Frege, der Koordinatorin des Ökumenischen Netzes Zentralafrika.

Trotz der international vielfach gelobten positiven Entwicklungsindikatoren greifen Nahrungsmangel, Armut, Arbeitslosigkeit und Entfremdung der Menschen vom Staat um sich, wie Joel Sengi deutlich machte. Gleichzeitig sind viele Politikbereiche tabuisiert, Anfragen an den regierungsamtlich betriebenen Versöhnungsdiskurs, wie er etwa durch die Ingando-Camps verbreitet wird, werden unterdrückt (Gerd Hankel). Die aktuelle Zunahme der Repression ist vielleicht aus internen Machtkämpfen zu erklären, die seit einigen Monaten Aufsehen erregen. Doch schon seit Jahren stehen Abweichungen von der vorherrschenden Meinung unter Generalverdacht, der Verdacht des „Divisionismus“ ist ein Totschlagargument (Heinz Werner Wessler).

Die Botschafterin Nkuliyinka bestätigte, dass in der Tat Angst im Lande herrscht. Die Angst gehe aber auf die Traumatisierung durch den Genozid von 1994 zurück. Die Menschen wollten vor allem Frieden und Sicherheit. Auch in Deutschland habe es Jahrzehnte gedauert, bis der Holocaust öffentlich wirklich thematisiert worden sei. In Ruanda müssten Täter und Opfer zusammen leben.

Auch auf offizieller Seite wird anerkannt, dass genozidales Denken in Ruanda auch heute noch verbreitet ist. Die Frage ist nur, wie damit umzugehen ist. Wie lange lassen sich die politisch instrumentalisierten Geschichts- und Versöhnungsdiskurse durchhalten? Solange die Wirtschaft boomt, vor allem in Kigali, herrscht Ruhe, aber die Einseitigkeit der Politikdiskurse könnte sich langfristig rächen. Gerd Hankel sieht die Politik in Ruanda als ein selbstreferentielles System, in dem Loyalitätserklärungen kritische Politikdiskurse ersetzen. Entwicklungsdiktaturen hätten sich nicht nur in Afrika, sondern auch in Südamerika immer langfristig als Misserfolg herausgestellt. Joel Sengi verglich die aktuelle Lage in Ruanda in diesem Zusammenhang mit dem Turmbau zu Babel. Die Botschafterin stimmte zu, dass mehr politische Partizipation im Lande erreicht werden müsse, gab sich aber zuversichtlich, dass dies durch die laufende Dezentralisierung auf gutem Weg ist.

pax christi-Generalsekretärin fordert Klarstellung des Investitionsverbots im Kriegswaffenkontrollgesetz

Anlässlich des Inkrafttretens der Konvention über Streumunition am 1. August 2010, die bislang von 107 Staaten unterzeichnet wurde, betont pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann:

„Dieser Verbotsvertrag ist der wichtigste Beitrag zur humanitären Rüstungskontrolle der letzten 10 Jahre!

Die neue Herausforderung in Deutschland besteht jetzt in der Durchsetzung des Verbots jeglicher Förderung der Herstellung von Streumunition. Alle Banken und Finanzdienstleister sind aufgefordert, jede Beteiligung, Kreditvergabe, Anleihen oder andere finanziellen Dienstleistungen für Hersteller von Streumunition oder deren Komponenten zu unterlassen. Belgien und Luxemburg haben bereits Gesetze erlassen, die den Geist des Vertrages im Sinne ethischen Investments präzisieren. Als kritische Konsumentin fordere ich den Deutschen Bundestag auf solche Klarstellungen auch im Kriegswaffenkontrollgesetz auf den Weg zu bringen.

Die völkerrechtlich verbindliche Konvention über Streumunition verbietet alle bislang eingesetzten Streumunitionen und schreibt umfassende humanitäre Verpflichtungen in Bezug auf Opferhilfe und die Räumung von Blindgängern fest. Aber Streumunition und ihr Einsatz sind damit leider noch nicht abgeschafft. Neben Russland gehören die USA, mit denen Deutschland militärisch eng kooperiert, zu den Staaten, die die Konvention nicht unterzeichnet und in der Vergangenheit immer wieder Streumunition eingesetzt haben.“

pax christi ist Mitglied im Aktionsbündnis Landmine.de

pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann gehörte zu den Gästen der Einweihungsfeier am 25. Juli am Hiroshimaplatz in Potsdam

Hiroshimaplatz in Potsdam nun Ort der Erinnerung gegenüber der Truman-Villa

Veranstaltet vom Hiroshima-Platz Potsdam e.V. mit Unterstützung der Stadt Potsdam ist gegenüber der Truman-Villa nun ein Mahnmal entstanden, das an den Befehl zum Abwurf der Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki erinnert. Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Harry S Truman, hielt sich am 25. Juli 1945, als er diesen Befehl unterschrieb, zur Potsdamer Konferenz in Potsdam auf und wohnte in dem Gebäude, das heute als Truman-Villa bekannt ist.

Prominente Redner bei der Eröffnung waren der Zeitzeuge und Hiroshima-Überlebende Prof. Dr. Hideto Sotobayashi, der Künstler Makoto Fujiwara, der den Gedenkstein geschaffen hat. In das Mahnmal sind zwei Steine aus Hiroshima und Nagasaki integriert.

 Eröffnet wurde die feierliche Einweihung des Mahnmals von Uwe Fröhlich, dem Vorsitzenden des Hiroshima-Platz-Potsdam e.V. und Elona Müller, der Dezernentin für Gesundheit, Soziales, Jugend, Ordnung und Umwelt.

Hohe Anerkennung für maßgeblichen Beitrag für die demokratische Kultur

Im Grußwort der pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann, zum 60 jährigen Bestehen des Zentralrates der Juden in Deutschland heißt es:

„Zum 60 jährigen Bestehen des Zentralrates der Juden in Deutschland gratuliere ich im Namen der deutschen Sektion von pax christi. Die Arbeit des Zentralrates verdient unsere höchste Anerkennung, weil er einen maßgeblichen Beitrag für die demokratische Kultur unserer Gesellschaft geleistet hat. Er hat einen festen Platz in unserer Gesellschaft inne. Der Zentralrat weist seit Jahrzehnten mit Nachdruck auf die Gefahren des Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit in unserem Lande hin. Dabei ist er oft einsamer Mahner, manchmal alleingelassen von Parteien, Kirchen, gesellschaftlichen Organisationen. Das Jubiläum muss für die demokratischen Kräfte in unserem Land Anlass sein, dass die Sorge um die Menschen, die von Diskriminierung, Ausgrenzung und physischer wie körperlicher Gewalt bedroht sind, die Sorge aller Menschen sein muss.

In diesem Sinne wünschen wir dem Zentralrat alles Gute für die Zukunft.“

Die pax-christi-Kommission fordert die Bundesregierung auf, ihren Einfluss auf die ruandische Führung geltend zu machen, um die anhaltende Repression im Land zu beenden.

In den Wochen und Monaten vor den Präsidentschaftswahlen in Ruanda am 9. August 2010 gerät das Recht auf Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit für Medien und Opposition in dem zentralafrikanischen Land weiter in Bedrängnis. Juristische und bürokratische Schikanen, gewaltsame Übergriffe und eine Reihe von Morden und Verhaftungen schüchtern die Vertreter von unabhängigen Medien und Parteien mehr denn je ein.

Eine ganze Reihe von Vorfällen lassen darauf schließen, dass im Vorfeld der geplanten Präsidentenwahlen im August kritische Stimmen in Ruanda mehr denn je systematisch von staatlichen Autoritäten unter Druck gesetzt werden, um ihren Einfluss auf die politische Debatte auszuschalten.

Mehr denn je droht die Wahl zu einer reinen Bestätigungswahl für den amtierenden Präsidenten Paul Kagame zu werden. Zu dem Thema hatte auch das europäische Zentralafrika-Netzwerk EurAC am 3. Juli schon eine Erklärung herausgegeben, die pax christi und das ÖNZ ausdrücklich unterstützen.

Zu den Opfern der gegenwärtig laufenden weiteren Verschärfung der politischen Repression gehört auch die Unterbindung der Arbeit von Human Right Watch, die die Kommission "Solidarität mit Zentralafrika" schon vor einigen Wochen in einer Erklärung bedauert hatte.

"Zum Umgang mit der gewaltbelasteten Vergangenheit von Auschwitz"

bei einem Seminar in Oswiecim zum Thema

In Oswiecim in Polen wird vom 10. bis 15. August unter der Überschrift: „Zum Umgang mit der gewaltbelasteten Vergangenheit von Auschwitz“ eine internationale Begegnung stattfinden, die von der Maximilian-Kolbe-Stiftung getragen wird. Veronika Hüning, die Geistliche Beirätin der Bistumsstelle Münster und Georg Hörnschemeyer aus dem pax christi-Präsidium werden daran teilnehmen. Die veranstaltende Maximilian-Kolbe-Stiftung hat alle Teilnehmenden darum gebeten, Gruppen und Einzelpersonen zu suchen, die das Anliegen des Workshops im Gebet begleiten. Auf diesem Wege wenden wir uns an Sie und Euch mit der Bitte, für ein gutes Gelingen unserer Gespräche und unserer Bemühungen um Versöhnung zu beten. Aus dem Programm könnt ihr entnehmen, zu welchen Zeiten ihr Euch unter welcher Themenstellung spirituell mit uns verbinden könnt.


Aktuelle Bewertung des pax christi-Präsidiums zur Aktion

Die deutsche Sektion von pax christi hat zusammen mit zahlreichen Nichtregierungs- organisationen aus 38 Nationen eine Aktion mitgetragen, die im internationalen Sprachgebrauch unter dem Begriff „FreeGaza-Flottilla“ am 21. Mai 2010 gestartet wurde. Als mitverantwortliche Organisation haben die deutsche Sektion von pax christi seit dem Aufbringen der Mavi Marmara durch die israelische Marine zahlreiche kritische Stellungnahmen erreicht. Während bei einem Teil der Rückmeldungen der öffentliche Protest gegen das Unrecht der Blockade des Gazastreifens ausdrücklich begrüßt wird, sehen andere pax christi mitverantwortlich für Gewalteskalation oder fragen an, wie die Aktion mit unserer Sorge um das Existenzrecht Israels in Einklang gebracht werden kann.

Ziel der Aktion „FreeGaza“ war es, Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu bringen und gleichzeitig auf das Unrecht der Blockade aufmerksam zu machen. Gemessen an der außerordentlichen, weltweiten Aufmerksamkeit kann gesagt werden, dass das zweite Ziel voll erreicht wurde. Weltweit haben Regierungen einschließlich der Bundesregierung und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die Blockade kritisiert und von Israel das Ende der Blockade gefordert. Unmittelbar nach Aufbringen der Mavi Marmara hat sich der Weltsicherheitsrat mit dem Vorgang befasst. Inzwischen hat die israelische Regierung die Einfuhrbestimmungen in den Gazastreifen für Güter des alltäglichen Gebrauchs gelockert.

Die Blockade hat ihre stillschweigende Akzeptanz der Weltöffentlichkeit verloren, alternative Konzepte zur Kontrolle von Waffenlieferungen oder Bauteilen für Waffen in den Gazastreifen werden diskutiert. Ein Ende der Blockade steht auf der politischen Tagesordnung.

Nach wie vor ist die Frage ungeklärt, wie es zur Gewalteskalation auf dem Schiff kommen konnte, in deren Folge neun Menschen starben. Die Aktion „FreeGaza“ arbeitet gewaltfrei. Die Zielsetzung der Entsendung der Schiffsflotte erlaubte keine andere Vorgehensweise. Nur unter dieser Voraussetzung konnte pax christi der Mitträgerschaft der Aktion zustimmen. Der Tod der neun Aktivisten verpflichtet uns, in aller Offenheit und auch mit der nötigen Selbstkritik nach den Ursachen der Gewalteskalation auf der Mavi Marmara zu fragen.

Hierzu gehören Fragen wie: Gab es tatsächlich Beteiligungen rechtsnationalistischer, gewalttätiger Gruppen? Wenn ja, wie konnten sie an Bord der Mavi Marmara gelangen? Welche Handlungen gingen von einzelnen Passagieren gegenüber den israelischen Soldaten aus? Aber auch diese Frage ist zu stellen: Warum hat die israelische Armee so unverhältnismäßig agiert? Und wie ist es zu den tödlichen Schüssen gekommen ist? pax christi hat von Anfang an eine unabhängige Untersuchungskommission zur Aufklärung dieser Vorgänge gefordert. Nicht um einseitige Schuldzuweisungen kann es dabei gehen, sondern um eine transparente Aufarbeitung der Vorkommnisse, auch wenn dabei eigenes Fehlverhalten offen gelegt werden sollte.

Trotz dieser Erfahrung bekräftigt pax christi die Entscheidung zur Mitträgerschaft dieser Aktion und die Kooperation mit der sie tragenden internationalen Organisation „FreeGaza“. Und sie war und ist dem Grundsatz der Gewaltfreiheit verpflichtet. Unsere Forderung nach Aufhebung der Blockade war und ist bis heute eingebettet in unsere besondere Verantwortung angesichts der Shoa. Unser Ziel ist es, dass die Menschen in Israel, im Westjordanland und in Gaza in Frieden und Freiheit leben können.

Fulda, den 26.06.2010

pax christi-Präsidium unterstützt interfraktionellen Antrag zur Gaza-Flottilla

Freiheit für Gaza ist Sicherheit für Israel
pax christi-Präsidium unterstützt interfraktionellen Antrag zur Gaza-Flotte

Das Präsidium der deutschen Sektion von pax christi begrüßt den interfraktionellen Antrag zur Gaza-Flottilla, der in dieser Woche im Deutschen Bundestag beraten wird und erklärt zur Gaza- und Hamas-Isolation:

pax christi verurteilt jede Gewalt und alle Feindseligkeiten, die sich gegen Zivilpersonen richten, sowie alle terroristischen Handlungen . Sowohl die palästinensischen Milizen wie auch die israelische Armee müssen das humanitäre Völkerrecht einhalten, welches Eigentum, Bewegungsfreiheit und Gesundheit von Zivilisten in besetzten Gebieten schützt.

Die Abriegelung des Gazastreifens ist eine Kollektivstrafe, die insbesondere die dort lebenden Kinder und Jugendlichen trifft. 50 Prozent der 1,5 Millionen Einwohner Gazas sind unter 18 Jahren. Die Blockade raubt ihnen Freiheit und Entwicklungschancen. Freiheit für die Menschen in Gaza bedeutet u. a., dass sie Zugang zum Westjordanland und zu Jerusalem erhalten.

Auf das Unrecht der Blockade hat die internationale FreeGaza-Bewegung unter Beteiligung von pax christi innerhalb des deutschen Bündnisses „Ein Schiff für Gaza“ mit ihrer Flotte hingewiesen und weltweiten Protest gegen die Blockade bewirkt, dem sich Bundesregierung, Parlament und UN-Sicherheitsrat angeschlossen haben.

Um die Aufhebung der Blockade zu erreichen, muss die Bundesregierung Maßnahmen gegenüber der israelischen Regierung ergreifen. So darf Deutschland keine Rüstungsgüter nach Israel sowie in andere Staaten des Nahen Ostens liefern. Denn Aufrüstung verschärft den militärischen Konflikt und blockiert die Suche nach politischen Lösungen. Innerhalb der EU muss sich die Bundesregierung für die Aussetzung des Assoziationsvertrages mit Israel bis zum Ende der Besatzung einsetzen, um eine glaubwürdige Menschenrechtspolitik zu verfolgen.

Um Sicherheit für Israel zu gewährleisten, muss die Aufhebung der Blockade mit der Einstellung des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen verbunden werden. Dies kann vor allem dadurch erreicht werden, dass die im Gazastreifen de facto regierende Hamas in Gespräche einbezogen wird. Wiederholt hat die Hamas Israel einen Waffenstillstand angeboten. 2008 hat die Hamas bewiesen, dass sie eine Feuerpause durchsetzen kann. Gespräche mit der Hamas sind auch notwendig, um die Freilassung des israelischen Soldaten Gilat Schalit zu erreichen und um die im UN-Goldstone-Bericht benannten Kriegsverbrechen während des Gazakriegs aufarbeiten zu können.

Nicht mit der Hamas zu reden, hat in eine Sackgasse geführt. Die Anerkennung Israels, der Gewaltverzicht, sowie die Anerkennung aller bisherigen Friedensvereinbarungen müssen das Ziel von Gesprächen sein. Sie dürfen nicht, wie vom Nahostquartett verlangt, zur Vorbedingung für Gespräche mit der Hamas gemacht werden.

Oberstes nahostpolitisches Ziel der Bundesregierung muss eine politische Lösung des Israel-Palästina Konflikts auf der Grundlage des internationalen Rechts sein. Sicherheit und Freiheit Israels schließen die Sicherheit und Freiheit für die Menschen in Gaza und in der Westbank ein.

Fulda, 26.06.2010

Eine gemeinsame Unterschriftenaktion der Friedensbewegung wurde heute in Berlin gestartet

Johano Strasser, Präsident der Schriftstellervereinigung P.E.N. Deutschland, unterzeichnete heute in Berlin als erster den Appell der Friedensbewegung

Der Appell im Wortlaut:

Wir fordern von Bundestag und Bundesregierung

- den Stopp aller Kampfhandlungen,

- den sofortigen Beginn des Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan,

- den Einsatz der frei werdenden Gelder zur Verbesserung der Lebensbedingungen der afghanischen Bevölkerung nach deren  Bedürfnissen.

So haben ein selbstbestimmter Friedensprozess und der zivile Aufbau in Afghanistan eine Chance.

Nachdem der Gesundheitsminister aus dem Gazastreifen, Basem Naim, dessen geplante Mitwirkung im Vorfeld der Tagung zu öffentlichen Kontroversen geführt hatte, keine Einreisegenehmigung erhielt und so nicht an der Tagung teilnehmen konnte, stand die Frage mit wem geredet werden darf im Mittelpunkt der Tagungsdiskussionen. Eindeutiges Ergebnis: an Gesprächen mit der Hamas führt kein Weg vorbei.

Die gemeinsame Tagung von pax christi und Ev. Akademie zum Nahostkonflikt konnte mit ca. 200 Teilnehmenden erfolgreich durchgeführt werden.

Weitere Informationen zur Tagung:

Friedenspreis für Zentralafrika an kongolesischen Menschrechtsaktivisten verliehen

Der Ökumenische Friedenspreis für Zentralafrika wurde am 10.06.2010 an den kongolesische Menschenrechtsaktivist Raphael Wakenge verliehen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzt sich Wakenge für ein Ende der bewaffneten Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo und für grundlegende Menschen- und Bürgerrechte in seinem Land ein. Wakenge ist Gründer und Koordinator der "Initiative Congolaise pour la Justice et la Paix" (ICJP), deren zentrales Thema der Kampf gegen die Straflosigkeit im Lande ist.

Die Verleihung fand im Rahmen einer internationalen Expertenkonferenz zu Lösungsansätzen für die Konflikte in der DR Kongo statt. Am 30. Juni 2010 feiert das Land den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Auch die Wahlen von 2006 haben dem Land keinen stabilen Frieden gebracht: Im Osten und Nordwesten des Landes sind Tausende Menschen auf der Flucht vor bewaffneten Auseinandersetzungen. Sexuelle Übergriffe, Korruption und Straflosigkeit sind nach wie vor fester Bestandteil des kongolesischen Alltags.

Forderung des Koordinationskreises Palästina Israel nach einer unabhängigen, internationalen Untersuchung der Todesfälle und Vorgänge auf der “Mavi Marmara” !

Mit Nachdruck fordert das deutsche Freegaza-Bündnis eine unabhängige, internationale Untersuchung des militärischen Überfalls der israelischen Armee auf das türkische Passagierschiff “Mavi Marmara”. Nur so kann geklärt werden, weshalb diese Menschen sterben mussten und welche Handlungen es von Seiten der Friedensaktivisten auf dem Schiff gab.
Wer sich einer solchen Untersuchung widersetzt, hat kein wirkliches Interesse an der Aufklärung. Die EU muss eine solche Untersuchung, die Zeugenbefragung zulässt, von der israelischen Regierung fordern. Ihr Druckmittel ist ihr Assoziationsvertrag mit Israel, der die Aussetzung von Zollvergünstigungen für israelische Waren in die EU ermöglicht sowie die Rüstungslieferungen.
Neun Passagiere, acht türkische Staatsangehörige und ein US-Bürger sind bei dem Überfall auf das Schiff am 31. Mai durch Schüsse getötet worden. Auf der Mavi Marmara befand sich auch die fünfköpfige deutsche Gruppe, die den Überfall unverletzt überstand.
Das deutsche Freegaza-Bündnis ( http://www.freegaza.de ) ist affiliiertes Mitglied der internationalen Freegaza-Bewegung. Affiliierte Mitglieder gibt es in vielen europäischen Ländern sowie in Neuseeland und in den USA. Der aus diesen Kreisen gewählte Vorstand berät und entscheidet über die einzelnen Schritte, um die Gewaltfreiheit der Aktion und die Erreichung des Ziels zu gewährleisten. Ziel ist, durch Druck auf die Regierungen das Ende der Blockade zu erreichen und gleichzeitig der unter der Blockade leidenden Bevölkerung durch Hilfsgüter Linderung zu verschaffen, den Wiederaufbau zu ermöglichen und sie in die Weltgemeinschaft zurück zu holen.
Im Juli 2009 hatte die internationale Freegaza-Bewegung ein Schiff nach Gaza geschickt, die Dignity of Humanity, die von der israelischen Armee in internationalen Gewässern aufgebracht wurde. Dieses Schiff wurde bis heute nicht an die Organisation zurück gegeben. Für die Freedom Flotte hat die Freegaza Bewegung eine Koalition gebildet, zu der auch der türkische Hilfsverein IHH gehört, der die Mavi Marmara organisierte. Freegaza weist darauf hin, dass die IHH eine von weltweit 3000 Nichtregierungsorganisationen ist, die beim UN-Wirtschafts- und Sozialrat beratenden Status haben.( http://www.un.org/esa/coordination/ngo ).
Dazu muss eine Organisation nachweisen, dass sie eine demokratisch angenommene Satzung hat, die Befugnis hat, für ihre Mitglieder zu sprechen, eine Satzung mit Vertretungsrecht, und sie muss angemessene Mechanismen von Rechenschaftspflicht und demokratischen und transparenten Entscheidungsprozess nachweisen. Alle sieben Schiffe der Freedom-Flotte sind ebenfalls in den israelischen Hafen Ashdod gebracht worden. Wir fordern die sofortige Herausgabe der Schiffe.
Die deutsche Delegation war zunächst auf den Challenger-Booten, I und II. Challenger II setzte die Passagiere, darunter der Frankfurter Arzt Matthias Jochheim, IPPNW, bei der Mavi Marmara auf hoher See über. Später brachte die Challenger I die übrigen vier Mitglieder der deutschen Gruppe, die beiden Bundestagsabgeordneten Annette Groth, Pforzheim, und Inge Höger, Herford, sowie den Hamburger Völkerrechtler Norman Paech und den Kaufmann Nader El-Sakka von der palästinensischen Gemeinde Deutschland, ebenfalls Hamburg, auch auf die Mavi Marmara. Insgesamt nahmen an der Freedom Flotte 663 Menschen aus 37 Ländern teil.
Die Vorwürfe, in die Free Gaza Bewegung seien Parteien mit rechten Tendenzen einbezogen, sind haltlos und scheinen tendenziös. Die türkische Hilfsorganisation IHH ist wie andere mit der Freegaza Bewegung eine Koalition zur Durchführung der Fahrt der Flottille eingegangen. Gemeinsame Basis war stets und ist weiterhin der Aufruf an die Weltgemeinschaft, einschließlich der Regierungen, zur gewaltfreien Beendigung der Blockade und die Hilfe für die Bevölkerung durch Auslieferung von Hilfsgütern, wobei die Verteilung durch Nichtregierungsorganisationen in Gaza vorgenommen wird.
Die Freegaza - Bewegung und wir als ihr deutsches Mitglied verfolgen keine parteipolitischen Ziele, geschweige die der Missionierung oder Gewaltausübung. Es lässt sich nicht ausschließen, dass einzelne Mitglieder oder Randgruppen andere Ziele verfolgen. Diese finden auf keinen Fall unsere Unterstützung oder die von Freegaza insgesamt.
Zur Klarstellung der Vorfälle, aber auch der sich nun häufenden unüberprüften Vorwürfe radikaler Tendenzen, fordern wir mit Nachdruck die Einsetzung einer internationalen Untersuchungskommission.

Der Deutsche Koordinationskreis Palästina Israel/KOPI besteht aus folgenden Trägern:

  • pax christi deutsche Sektion
  • IPPNW Deutschland (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung),
  • Deutsch-Palästinensische Gesellschaft,
  • Palästinensische Gemeinde Deutschland,
  • Deutsch-Palästinensische Medizinische Gesellschaft

Frachtschiff "Rachel Corrie" der "Freedom Flotilla" geentert und nach Aschdod verbracht

Das letzte Schif der "Freedom Flotilla" ist gestern (5.6.10) auf dem Weg nach Gaza von der der israelischen Marine zunächst eskortiert und dann in internationalen Gewässern geentert worden. Nach Mitteiliung des Dt. Koordinationskreises Palästina - Israel (KOPI) ist es dabei nicht zu Verletzten oder Toten gekommen. Das unter irischer Flagge fahrende Schiff transportiert u.a. medizinische Hilfsgütert aus Deutschland. Es wurde in den israelischen Hafen Aschdod verbracht, wo es unter israelischer Kontrolle entladen werden soll.
Der deutsche Koordinierungskreis Palästina - Israel verurteilt den erneuten Angriff des israelischen Militärs als einen völkerrechtswidrigen Akt der Piraterie, da er sich in internationalen Gewässern und nicht im israelischen Hoheitsbereich ereignet habe.

Medienberichte:
Mit einem Augenzeugenbericht des Reporters Mario Damolin berichtet ausserdem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung / Netzausgabe FAZ.net über den Ablauf der Erstürmung eines der Schiffe aus dem ersten Konvoi der "Freedom Flotilla" durch die israelische Marine.
Matthias Jocheim, Mitglied der  IPPNW, die am KOPI beteiligt ist, berichtet als Augenzeuge in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger / Netzausgabe 2.6.2010 von der Erstürmung der "Mavi Marmara".

Frachtschiff „Rachel Corrie“ auf dem Weg nach Gaza: mit Hilfsgütern aus Deutschland

Am 01.06.2010 ist unsere fünfköpfige Delegation von der Freedom-Flotilla der internationalen Free-Gaza-Bewegung zurückgekehrt: Matthias Jochheim, Frankfurt, Norman Paech, Hamburg, Nader el Sakka, Hamburg, Inge Höger, Herford, und Annette Groth, Stuttgart. Unsere Trauer gilt den Menschenrechtsaktivisten, die bei dem Angriff der israelischen Armee auf die Flotilla getötet wurden, unser Beileid den Familien und Freunden der Aktivisten.

Ein weiteres Schiff der Flotte, ein nach der in Gaza getöteten US-Menschenrechtsaktivistin Rachel Corrie benannter Frachter, ist noch auf dem Weg nach Gaza. Es wird jedoch zunächst einen Hafen anlaufen, um weitere bekannte Persönlichkeiten für die Mitfahrt zu gewinnen und eine Begleitung durch Journalisten aus aller Welt sicher zu stellen. Auf diesem Schiff unter irischer Flagge und mit Unterstützung der irischen Regierung befinden sich auch fünf Tonnen Hilfsgüter aus Deutschland: Medikamente, Verbandmaterial und medizinische Geräte.

Wie mit den bisherigen Schiffen auch, will die internationale Free-Gaza-Bewegung mit diesem Schiff die Blockade von Gaza überwinden. Es ist eine weitere Demonstration für ein Ende dieser Blockade, für freie Ein- und Ausreise der Menschen im Gazastreifen und für freien Warenverkehr sowie gegen die von Israel reglementierte und strangulierende Versorgung von Gaza.

Wir fordern die deutsche Regierung und die EU auf, sich mit aller Deutlichkeit und mit spürbaren Druck auf Israel dafür einzusetzen, dass die Blockade von Gaza beendet wird und dass die „Rachel Corrie“ Gaza erreicht. Alle Waffenlieferungen an Israel müssen gestoppt werden und die militärische Zusammenarbeit ausgesetzt werden.

Wir verweisen dazu auch auf den entsprechenden Appell aus der israelischen Friedensbewegung: „Gaza and MV Rachel Corrie need your Backing now“ und auf den Aufruf von zahlreichen Organisationen der palästinensischen Zivilgesellschaft: „Call from Gaza for Global Response to Killings on the Freedom Flotilla“. Mit aller Entschiedenheit weisen wir die Vorwürfe zurück, die das friedliche Ansinnen der Freiheits- Flotte in Frage stellen und eine Verbindung zu „islamistischen Terroristen“ unterstellen. Diese Vorwürfe dienen allein dem Zweck, von dem israelischen Verbrechen beim Angriff auf die Schiffe und von der völkerrechtswidrigen Blockade von Gaza abzulenken.

 

 

Floribert war ein alter Bekannter von pax christi, sowohl in der deutschen Sektion als auch bei Pax Christi International. Mehrfach war er zu Besuch, mehrfach hat die Kommission “Solidarität mit Zentralafrika” gegen seine Verhaftung protestiert.

Einer der prominentesten Menschenrechtsverteidiger in der DR Kongo wurde am heutigen Mittwoch im Ortsteil Matadi am Rande von Kinshasa in seinem Auto ermordet aufgefunden

Der 47-jährige Floribert Chebeya war seit zwei Jahrzehnten als Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation “Stimme der Stimmlosen” (Voix des Sans Voix) rastlos für den Schutz der Menschenrechte aktiv. Mehrfach wurde er verhaftet, gefoltert und erst auf internationalen Druck hin freigelassen, so zuletzt im März 2009.

Zuletzt habe ich ihn im März diesen Jahres in seinem Büro in Kinshasa getroffen, wo er unserer kleinen Delegation aus dem Ökumenischen Netz Zentralafrika stolz die zukünftigen erweiterten Büroräume seiner Organisation vorführte. Dass Floribert Feinde hatte, die ihm nach dem Leben trachteten, wussten wir. Im März haben wir in Gesprächen mit Vertretern von Armee und Polizei ungeheuerliche Wut auf Menschenrechtsorganisationen im allgemeinen und auf Floribert im besonderen herausgehört, die uns deutlich machten, dass sich das Klima für Menschenrechtsverteidiger verschlechtert.

Noch ist über die Täter nichts bekannt. Am 1. Juni wollte sich Floribert mit Général Numbi treffen, den Generalinspektor der kongolesischen Polizei. Telefonisch hat Floribert seiner Frau mitgeteilt, dass das Treffen nicht zustande gekommen ist. Danach blieb unser Freund verschollen. Nun stellt sich heraus, dass Floribert selbst auf verbrecherische Weise stimmlos gemacht worden ist. Schlimmer noch: Der Kongo hat eine Stimme seines Gewissens verloren.

Er möge ruhen in Frieden.

Heinz Werner Wessler, für die Kommission “Solidarität mit Zentralafrika”

Die vom pax christi-Präsidenten mit unterstützte Aktion "Ein Schiff für Gaza" ist in den zurückliegenden Tagen gemeinsam mit dem internationalen "Free-Gaza-Movement" durchgeführt worden. Die Schiffe wurden von Israel nicht nur gestoppt, sondern das größte von Soldaten geentert. Bei diesem massiven Angriff wurden mindestens zehn Passagiere erschossen. In seiner Erklärung bewertet der pax christi-Deutschland Präsident die Geschehnisse.

Erklärung des Präsidenten der pax christi-Sektion Bischof Heinz Josef Algermissen, Fulda, zum Angriff der israelischen Armee auf die Schiffe von Free Gaza

Mit Trauer und Bestürzung müssen wir den Tod von vermutlich 19 Menschen beklagen. Sie waren zusammen mit 600 weiteren Aktivisten in friedlicher Absicht mit vier Schiffen auf dem Weg nach Gaza. In den Morgenstunden des 31. Mai 2010 wurde das größte Schiff, die „Mavi Marmara“, von israelischen Marinesoldaten aufgebracht. Daraufhin ist es zu den tödlichen Schüssen und Verletzten gekommen. Unsere Anteilnahme gilt den Familien der getöteten Passagiere.

Die fünf Passagiere aus der deutschen Delegation sind heute wohlbehalten in Berlin am Flughafen angekommen, nachdem sie unmittelbar durch Israel abgeschoben und ihnen alle persönliche Habe abgenommen wurde. Angesichts der Tragödie um die Beendigung des Hilfskonvois und vor dem Hintergrund der bisher vorliegenden Informationen und der Zielsetzung der Aktion „Free Gaza“ erklärt pax christi grundsätzlich: Die Aktion „Free Gaza“ war eine gewaltfreie Aktion, die die öffentliche Kritik an der völkerrechtswidrigen Blockade des Gazastreifens durch Israel verstärken und humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung des Gazastreifens leisten wollte. Sie geht zurück auf die unmittelbare Zeit nach Beendigung des Gazakrieges im Januar 2009.

Zur Unterstützung der Zivilbevölkerung sollte ein Schiff mit Hilfsgütern nach Gaza entsandt werden. pax christi hat sich gemeinsam mit anderen Organisationen wie IPPNW, Jüdische Stimme, Palästinensische Gemeinde, Deutsch-Palästinensische Gesellschaft für diese Aktion eingesetzt. Vor wenigen Tagen, am 21. Mai 2010, konnten schließlich vier Schiffe eines internationalen Bündnisses von Zypern aus nach Gaza mit einer Fracht von 5000 Tonnen aus insgesamt 20 Ländern ablegen. 5 Tonnen der Fracht, bestehend aus Medikamenten, Verbandstoffen und Medizinischen Geräten, stammten aus Deutschland.

Im Mai vergangenen Jahres hat Papst Benedikt XVI bei seinem Besuch in Israel und in den palästinensischen Gebieten die Aufhebung der Blockade von Gaza gefordert. Die internationale Gemeinschaft, die EU und die deutsche Bundesregierung sollten aufgerufen werden, sich in ähnlicher Weise für das Ende der kollektiven Bestrafung der Menschen im Gazastreifen einzusetzen. Bei vermutlich 19 Toten und über 30 Verletzten auf Seiten der Schiffsbesatzung ist die Verhältnismäßigkeit in der Wahl der Mittel durch Israel nicht gewahrt. Auch wenn seitens der Verantwortlichen für die Aktion vor Ort nicht dem Angebot zugestimmt worden sein sollte, die Ladung in israelischen Häfen zu löschen und auf dem Landweg nach Gaza zu bringen, rechtfertigt dies nicht den tödlichen Angriff auf die Schiffsbesatzung der „Mavi Marmara“ . Wenn sich Israel veranlasst sah, die Schiffe zu stoppen, warum stellte sich die Marine ihnen dann nicht einfach in den Weg, statt sie zu entern? Und warum schlug Israel in internationalen Gewässern zu, lange bevor die Flotte israelisches Hoheitsgebiet erreichte?

Wenn es zu gewaltsamen Angriffen einiger Beteiligter der Aktion gegen die israelischen Soldaten gekommen ist, wie von israelischer Seite berichtet wird, ist das entschieden zu verurteilen und nicht mit den Zielsetzungen der Aktion Free Gaza zu vereinbaren. Wir wissen aber, dass alle Passagiere der Schiffe, auch der „Mavi Marmara“ sich vor Betreten des Schiffes zur Gewaltfreiheit bekannt und versprochen haben, keinerlei Waffen auf das Schiff zu bringen.
Der Vorgang muss schonungslos und unter Beteiligung internationaler Beobachter untersucht werden. Dabei müssen die Verantwortlichen für den Einsatz und für die Todesschüsse zur Rechenschaft gezogen werden. Die Herausgabe der Schiffe muss unverzüglich erfolgen. Es muss trotz dieser Tragödie darum gehen, mit Israel zusammen einen Weg aus der Krise des Nahostkonflikts zu finden. Die internationale Staatengemeinschaft ist jetzt gefordert, Israel auf den Weg des Dialogs und der Partnerschaft zurückzuführen. Hier kommt der Europäischen Union eine besondere Aufgabe zu, gegenüber der arabischen Welt alles zu tun, dass sich die Empörung dort nicht in neuer Gewalt entlädt.

Trotz dieser menschlichen Katastrophe: Unsere Aufgabe muss es bleiben, für den Frieden in der Region einzutreten.

"Es geht den Aktivisten und uns als pax christi auch um die Sicherheit Israels in der Region, diese Sicherheit ist dem Land von der internationalen Staatengemeinschaft zugestanden, aber das bedingt natürlich auch, dass es Sicherheit und Freiheit geben muss für die Palästinenser in unmittelbarer Nachbarschaft zu Israel."

Johannes Schnettler im Interview mit Radio Vatikan

Das Interview können Sie nachlesen und nachhören auf den Seiten von Radio Vatikan.

Die Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“ der deutschen Sektion schließt sich dem Protest gegen die zunehmende Behinderung der Monitoring-Arbeit der international anerkannten Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) in Zentralafrika an.

Protest gegen die Behinderung der Arbeit von Human Rights Watch in Burundi und Ruanda

Die Ausweisung der Vertreterin von HRW in Burundi gibt Anlass zu großer Besorgnis. In einem gemeinsamen Brief an die burundische Regierung protestieren europäische Nichtregierungsorganisationen unter Beteiligung von pax christi gegen die Ausweisung von Frau Neela Ghoshal, die seit drei Jahren die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in Burundi vertritt. Frau Ghoshal soll gemäß einer amtlichen Mitteilung vom 18. Mai bis zum 5. Juni Burundi verlassen.

Als Grund der Ausweisung wird der HRW-Bericht über Gewalt im Zusammenhang mit dem derzeit laufenden Wahlkampf angegeben. Der Bericht sei einseitig gegen die Regierung und die Regierungspartei CNDD-FDD gerichtet, während die laufenden Bemühungen um den Schutz der Menschenrechte nicht genügend gewürdigt seien. In einer Erklärung vom 19. Mai weist HRW diesen Vorwurf zurück und verweist auf ihre professionellen Standards der Berichterstattung, wie sie weltweit angewendet und auch weithin respektiert werden.

Die Ausweisung erfolgt kaum drei Wochen nach der faktischen Unterbindung der Arbeit von HRW im Nachbarland Ruanda, wo dem neu eingereisten HRW-Vertreter mit britischem Pass das Arbeitsvisum verweigert wird. In Ruanda, wo sich Präsident Kagame im August zur Wiederwahl stellt, erfolgte diese Maßnahme auf dem Hintergrund einer zunehmend harten Linie gegenüber allen Formen von Kritik an der Regierung.

Erst vor wenigen Tagen hat eine hochrangige Konferenz von Vertretern katholischer Medien in Goma unter Beteiligung von Melchior Edward Mombili, Generalsekretär der katholische Zentralafrikanische Bischofskonferenz (ACEAC) dringenden Anlass gesehen, Journalisten und Redaktionen zu einer fairen Berichterstattung rund um Wahlen in der Region aufzurufen. In allen drei Ländern der ACEAC laufen Wahlvorbereitungen. In Burundi wurden am 21. Mai die Stadt- und Gemeinderäte gewählt, am 28. Juni finden Präsidentschaftswahlen und am 23. und 28. Juli finden Parlamentswahlen statt. In Ruanda werden im August Präsidentschaftswahlen stattfinden, die geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der DR Kongo sollen 2011 stattfinden.

Die professionellen Berichte von HRW stellen seit vielen Jahren eine wichtige Form der Dokumentation von Menschenrechtsverbrechen in der Region dar. Pax christi sieht in diesen Maßnahmen einen Versuch, das Menschenrechts-Monitoring in den betroffenen Ländern zu unterbinden. Der ohnehin schwierige Dialog über Menschenrechte in der Region wird weiter erschwert – eine Entwicklung, die Beobachter der Region mit großer Sorge erfüllt.

Sofortige Freilassung aller durch Israel inhaftierten Personen der Freiheitsflotte gefordert

In der vergangenen Nacht hat die israelische Marine die Schiffe der Freedom-Flotilla der internationalen Free-Gaza-Bewegung eingekesselt und aufgebracht. Das israelische Fernsehen spricht von 19 Toten durch das israelische Militär, das nach Angaben der Free-Gaza-Bewegung unmittelbar beim Betreten des Schiffes begonnen hat zu schießen.

Unsere deutsche Delegation bei der Freedom-Flotilla besteht aus fünf Personen: Matthias Jochheim (stellvertretender Vorsitzender der IPPNW), Norman Paech (emeritierter Hochschullehrer und IPPNW-Beiratsmitglied), Nader el Sakka (Palästinensischen Gemeinde Deutschland e.V.) und zwei Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Inge Höger, MdB (Mitglied des Verteidigungsausschusses) und Annette Groth, MdB (Mitglied des Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe). Ein Kontakt zu den von Israel entführten Passagieren besteht nicht.

Israel hat eine weitgehende Nachrichtensperre verhängt. Bereits seit Tagen wird von offiziellen israelischen Stellen eine gezielte Desinformationskampagne mit Falschmeldungen und Halbwahrheiten betrieben.

Wir fordern:

- die sofortige Freilassung aller Passagiere der Freiheitsflotte,
- die sofortige Freigabe der beschlagnahmten Schiffe und der Hilfsgüter und die Ermöglichung der Weiterfahrt nach Gaza,
- eine internationale, unabhängige Untersuchung des israelischen Angriffs,
- die deutliche Verurteilung der israelischen Aggression durch die deutsche Bundesregierung, durch die EU und die 
   internationale Gemeinschaft,
- die Aussetzung der militärischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel bis zum Ende der Besatzung Palästinas
  durch Israel,
- das Ende der israelischen Blockade von Gaza.

Vizepräsidentin Wiltrud Rösch-Metzler im Gespräch mit Friedbert Meurer im Deutschlandfunk

pax christi verurteilt israelische Militäraktion

Wiltrud Rösch-Metzler hatte zwar damit gerechnet, dass Israel die Hilfsgüterschiffe werde stoppen lassen. Dass es dabei zu einem "Blutbad" kommen würde aber war nicht zu erwarten.

Das Interview im Wortlaut können Sie nachlesen und nachhören:

Flotille auf dem Weg nach Gaza gewaltsam gestoppt

Heute Nacht hat die israelische Armee die Schiffe der Gaza-Flotte geentert und die Passagiere nach Haifa verbracht. Dabei kam es nach unbestätigten Meldungen zu 16 toten Passagieren und zahlreichen Verletzten. Ein israelischer Armeesprecher, dass es bei der Übernahme mindestens 10 tote Passagiere gab.
Da ein Fernsehteam von al Jazeera an Bord eines der Schiffe war, auf dem türkischen Passagierschiff Mavi Marmara, konnte die Übernahme gefilmt werden. Danach haben sich maskierte israelische Soldaten aus einem Helikopter auf das türkische Schiff abgeseilt, Schüsse waren zu hören, Verwundete zu sehen, eine Frau trug eine blutgetränkte Liege.
Die deutsche Delegation mit den beiden Bundestagsabgeordneten Annette Groth und Inge Höger, dem Völkerrechtler Norman Paech, dem stellvertretenden IPPNW-Vorsitzenden und Frankfurter Arzt Matthias Jochheim und dem Mitglied der Palästinensischen Gemeinde Deutschland Nader al Sakka ist vermutlich an Bord eines kleinen Passagierschiffs mit dem Namen Challenger 1.
Bislang war es nicht möglich zu ihnen Kontakt zu bekommen. So haben wir auch keine Informationen darüber, ob die deutsche Delegation in Haft in der israelischen Hafenstadt Haifa ist. Zusammen mit IPPNW, Deutscher Koordinationskreis Palästina Israel, Deutsch-Palästinensische Gesellschaft, Palästinensische Gemeinde Deutschland sind wir in Kontakt mit dem Auswärtigen Amt. Das Auswärtigen Amt hat ebenfalls noch keine Neuigkeiten und wird bei der Bundespressekonferenz eine Stellungnahme abgeben.

Freedom-Flottille am Wochenende in den Küstengewässern vor Gaza

Die deutsche Delegation auf der „Challenger“ wird heute auf offener See im Mittelmeer auf die anderen Schiffe der Gaza-Freedom-Flottille stoßen, um dann gemeinsam die Küste von Gaza anzusteuern. Scharf verurteilen die Initiatoren der Aktion, IPPNW, pax christi, Deutsch-Palästinensische Gesellschaft, palästinensische Gemeinde Deutschland die Absicht der israelischen Marine, die Passagiere zu kidnappen und die Ladung nach Ashdod zu bringen. Das Bündnis begrüßt die zahlreichen internationalen Appelle, die freie Fahrt für die Flotte fordern. Darunter auch ein Appell der israelischen Friedensbewegung Gush Shalom.

In Gaza bereiten sich die 1,5 Millionen Einwohner auf den Empfang der insgesamt 600 internationalen Passagiere und die Entgegennahme der über 5.000 Tonnen Hilfsgüter, die die Schiffe mitführen, vor. Die von Israel verhängte Blockade des Gazastreifens trifft vor allem die Kinder und Jugendlichen, die dort die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Sie führt zu Unterernährung und Anämie und verhindert eine gesunde Entwicklung der Kinder. Sie führt auch dazu, dass sich die Wirtschaft nach dem schweren Krieg gegen den Gazastreifen nicht erholt. Obwohl in den Oslo-Verhandlungen, vereinbart, darf der kleine Fischerhafen in Gaza nicht in einen Seehafen umgebaut werden.

Der deutschen Delegation auf den Schiffen gehören Matthias Jochheim (stellvertretender Vorsitzender der IPPNW), Norman Paech (emeritierter Hochschullehrer für Völkerrecht und IPPNW-Beiratsmitglied), Nader El Sakka (Palästinensische Gemeinde Deutschland e.V.) und zwei Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Inge Höger (Verteidigungsausschuss) und Annette Groth (Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe) an.

Israel droht die Passagiere zu verhaften und sie nach Israel zu bringen. Die Armee werde auch die von der Flottille transportierten Hilfsgüter an sich nehmen. Dazu hat Israel kein Recht „Da wir israelische Hoheitsgewässer nicht berühren werden und der Gazastreifen nach Ansicht der israelischen Regierung kein besetztes Territorium ist, hat die israelische Marine kein Recht, uns an unserer Route zu hindern und den Hafen von Gaza abzusperren“, erklärt Norman Paech.

Im Team der schwedischen Organisation „Ship to Gaza“ reist auch der Schriftsteller Henning Mankell mit. Eine weitere prominente Mitreisende der Flotte ist die 85-jährige Auschwitzüberlebende Hedy Epstein. Der Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ hat ebenfalls an Israel appelliert, die Schiffe mit der humanitären Hilfe passieren zu lassen.

Die Deutsche Bank habe keine Beteiligung an Elbit Systems, erklärte der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann auf der heutigen Hauptversammlung der Deutschen Bank. Nach Mitteilung der Bank habe es sich um ggf. im Auftrag von Kunden verwaltete Anteile von eher untergeordneter Bedeutung gehandelt.

pax christi-Vizepräsidentin Wiltrud Roesch-Metzler und IPPNW-Vorstandsmitglied Dr. Sabine Farrouh hatten auf der Hauptversamlung der Deutschen Bank am 27.5.2010 nach möglichen Beteiligungen der Bank an dem Unternehmen gefragt.

Die beiden Friedensorganisationen begrüßen diese Klarstellung und das Bekenntnis zu den ethischen Standards wie denen des Global Compact Netzwerks und der OECD. Elbit Systems hat Sicherheitstechnologie für die Mauer im von Israel besetzten Westjordanland geliefert. Laut einem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag verstößt die Mauer gegen internationales Recht.

Die Deutsche Bank hat sich heute ausdrücklich zu den Prinzipien des Global Compact Netzwerks bekannt “den Schutz der internationalen Menschenrechte innerhalb ihres Einflussbereiches (zu) unterstützen und (zu) achten” und sicherzustellen, “dass sie sich nicht an Menschenrechtsverletzungen mitschuldig” macht.

pax christi und IPPNW werden die Geschäftspolitik der Deutschen Bank in Bezug auf Elbit Systems weiterhin kritisch verfolgen.

Elbit profitiert von Menschenrechts- und Völkerrechtsverstößen im israelisch besetzten Westjordanland

Deutsche Bank wird aufgefordert ihre Beteiligung an Elbit zu beenden

„Die Deutsche Bank soll ihre Beteiligung an Elbit Systems beenden, um nicht weiter von Menschenrechts- und Völkerrechtsverstößen durch den Bau der israelischen Mauer auf palästinensischem Gebiet zu profitieren.“ fordert pax christi-Vizepräsidentin Wiltrud Rösch-Metzler heute auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.

„Gemeinsam mit den Kritischen Aktionären beantragen pax christi und die Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg/IPPNW die Nichtentlastung des Deutsche Bank Vorstands, denn die Deutsche Bank kann ihre Beteiligung an Elbit Systems nicht mit ihren eigenen ethischen Standards, etwa den Prinzipien des Global Compact Netzwerks in Einklang bringen.“ betont IPPNW-Vorstandsmitglied Dr. Sabine Farrouh in Frankfurt.

Elbit Systems hat Sicherheitstechnologie für die Mauer im von Israel besetzten Westjordanland geliefert. Laut einem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag verstößt die Mauer gegen internationales Recht. Die Deutsche Bank hat sich in den Prinzipien des Global Compact Netzwerks verpflichtet “den Schutz der internationalen Menschenrechte innerhalb ihres Einflussbereiches (zu) unterstützen und (zu) achten” und sicherzustellen, “dass sie sich nicht an Menschenrechtsverletzungen mitschuldig” macht.
Weil ein Investment in Elbit Systems nicht mit ihren ethischen Richtlinien übereinstimmt, hatte in diesem Jahr bereits der größte schwedische Pensionsfonds und im vergangenen Jahr ein norwegischer Pensionsfonds, seine Beteiligung an Elbit Systems beendet.

Vizepräsidenten bleiben der Präsident von pax christi-Deutschland, Bischof Heinz Josef Algermissen und Dr. Oliver Müller, der Leiter von Caritas international (links i.Bild)

Peter Weiß, MdB (54) ist neuer Präsident des Maximilian-Kolbe-Werks. Die Mitglieder des Hilfswerks für die Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos wählten den Bundestagsabgeordneten gestern (20. Mai) einstimmig auf ihrer Jahresversammlung in Fulda. Peter Weiß übernimmt den seit November 2009 vakanten Vorsitz, nachdem Dieter Althaus, früherer Ministerpräsident von Thüringen, das Amt aus persönlichen Gründen niederlegte. Im Herbst diesen Jahres soll Weiß auch den Vorsitz der Maximilian-Kolbe-Stiftung übernehmen.

In der Gratulation der pax chruisti-Generalsekretärin an Peter Weiß heißt es:

"Sehr geehrter Herr Weiß,

zu Ihrer Wahl zum Präsidenten des Maximilian-Kolbe-Werkes gratuliere ich ganz herzlich!

Für pax christi ist die Unterstützung der Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos auch heute ein wichtiges Element der Versöhnung. Dieses Engagement wahrt das Gedenken an die zerstörerische Gewalt und den Judenhass des Nationalsozialismus.
In meinen Begegnungen mit Zeitzeug/innen durfte ich lernen, dass die Arbeit im und mit dem Maximilian-Kolbe-Werk uns auch heute noch einiges lehren und unser Handeln verändern kann. Das Lernen aus dieser Geschichte gibt Kraft für die heutige Friedensarbeit und für unseren Einsatz für gewaltfreie Konfliktlösungen zwischen Menschen und Völkern. Auch macht diese Arbeit uns aufmerksam auf Ausgrenzungen, die Menschen heute in Deutschland erfahren und damit sensibel für ausländerfeindliches rechtsextremes, rassistisches und islamophobes Gedankengut, gegen das es auch heute in der Mitte der Gesellschaft anzugehen gilt.

Ich wünsche Ihnen gute Impulse für und durch dieses neue Wirkungsfeld.

Auf gute Zusammenarbeit
und mit freundlichen Grüßen

Christine Hoffmann"

Fünf Passagiere aus Deutschland an Bord, darunter zwei Abgeordnete des Deutschen Bundestages

Free Gaza Movement startet am 21. Mai Schiffe mit Hilfsgütern nach Gaza

Die deutschen Aktivisten werden am 21. Mai 2010 von Griechenland aus in See stechen und um den 1. Juni zurück in Griechenland erwartet. Aus Deutschland stammen 5 Tonnen der Fracht: Medikamente, Verbandstoffe und Medizinische Geräte. Die Menschen im Gazastreifen mit Hilfsgütern zu versorgen und die Öffentlichkeit auf die völkerrechts¬widrige Blockade des Gaza-Streifens aufmerksam zu machen, ist Ziel der Freedom-Flottille. Sie besteht aus insgesamt drei Frachtschiffen mit etwa 5.000 Tonnen Ladung und fünf Passagierschiffen. Ca. 600 Menschen aus 20 Ländern hoffen, Gaza per Schiff zu erreichen.

Am 19. Mai 2009 hat der Präsident von Sri Lanka, Mahinda Rajapakse, den seit 1983 dauernden Bürgerkrieg offiziell für beendet erklärt. Ein Jahr danach kann von innerem Frieden und einer Aussöhnung zwischen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit leider nicht die Rede sein.

Erst Anfang Mai wurde der Ausnahmezustand um einen weiteren Monat verlängert. Aus der Tatsache, dass Sri Lanka eine multiethnische, multireligiöse und multikulturelle Gemeinschaft ist, wurden noch keine hinreichenden Konsequenzen gezogen.

Die Tamilen sehen sich immer noch als Bürger zweiter Klasse behandelt und von den allseits präsenten Sicherheitskräften gedemütigt. Immer noch sind mehr als 80.000 Binnenflüchtlinge, die durch den Krieg aus ihren Wohngebieten vertrieben wurden, in befestigten Lagern interniert, von den mittlerweile Freigelassenen konnten viele noch nicht in ihre Heimatorte zurückkehren.

Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in diesem Jahr wurden nicht genutzt, um eine demokratisch legitimierte Repräsentanz der Bevölkerung in den ehemals umkämpften Provinzen im Norden und Nordosten zu schaffen und damit den zivilen Wiederaufbau zu fördern; vielmehr dienten sie vor allem zur Zementierung der Macht des Präsidenten und seiner Familie. Eine offene Wunde ist für die Tamilen, die in den vergangenen drei Jahrzehnten fast alle Angehörige verloren haben, das ungeklärte Schicksal Tausender von Menschen in den letzten Wochen des Krieges.

Nach Schätzungen kamen allein in dieser Zeit zwischen 7.000 und 40.000 Zivilisten zu Tode. Augenzeugen berichten von einem undifferenzierten Vorgehen der Armee gegen alle Menschen in dem umkämpften Gebiet, bis zu regelrechten Massakern. Die Regierung hat bisher alle Forderungen nach Untersuchung der Kriegsverbrechen zurückgewiesen. Auch in Sri Lanka kann es aber keine Versöhnung geben ohne das Aussprechen der Wahrheit über das, was in den vorangegangenen Konflikten geschehen ist.

pax christi fordert von der Regierung Sri Lankas:

  • die Freilassung aller noch in Lagern festgehaltenen Binnenflüchtlinge und Kriegsgefangenen, die Ermöglichung der Rückkehr aller während des Bürgerkriegs Vertriebenen in ihre Heimatorte und wirksame Unterstützung bei der Wiederansiedlung und beim Wiederaufbau;
  • den Abbau der Militärpräsenz und den Aufbau ziviler Strukturen im ehemaligen Kriegsgebiet;
  • die Zulassung von (internationalen) Nichtregierungsorganisationen zur Entwicklung der Region;
  • die Unterstützung einer unabhängigen, internationalen Untersuchung aller Kriegsverbrechen.

Herzliche Einladung zum Besuch des pax christi-Standes

Gleich beim Abende der Begegnung und alle Tage auf der Agora können Sie pax christi besuchen. Während der gesamten Tage sind viele pax christi-MItglieder in Veranstaltungen und Aktionen aktiv, u.a. bei der Kampagne "Fair teilen statt sozial spalten"

In diesem Jahr wird in Deutschland der 8. Mai, der offizielle Tag der Kapitulation der Wehrmacht, erstmals als Gedenktag im Krieg begangen. Dem „Nie wieder Krieg“ des Jahres 1945 steht ein „Weiter so in Afghanistan“ gegenüber. Deutschland ist im Krieg. Das Gedenken der Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs ist überlagert vom Gedenken an die toten Bundeswehrsoldaten, die im Krieg in Afghanistan in den vergangen Wochen ihr Leben lassen mussten. Für die deutsche Bundesregierung ist das militärische Engagement in Afghanistan Ausdruck staatlicher Normalität und ohne Alternative. Demgegenüber stellt der 8. Mai die bleibende Mahnung gegen jede Art von Krieg dar.

Erklärung des Geschäftsführenden Vorstandes von pax christi zum 8. Mai 2010, dem 65. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges

Der Jahrestag des Kriegsendes in Europa erinnert an 60 Millionen Tote, die in diesem Krieg als Soldaten und Zivilisten zu seinen Opfern wurden, an die Ermordung von sechs Millionen Juden, die hinter den Frontlinien des Krieges bis zur industriellen Vernichtung perfektioniert wurde, an die Verschleppung von Zwangsarbeitern und die oftmals tödliche Gewalt gegen Kriegsgefangene vor allem aus Osteuropa, an die millionenfachen Vertreibungen, die den Menschen ihren Besitz und ihre Heimat nahmen und an die Zerstörung zahlreicher Städte und Landschaften.

Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs haben nicht verhindern können, dass seit 1945 bis in die Gegenwart hinein in über 100 Kriegen weltweit Menschen wieder millionenfach zu Opfern von Gewalt, Vertreibung und Zerstörung ihrer Lebensverhältnisse geworden sind. Zum Frieden kann es deshalb keine Alternative geben. Erst recht kann es keinen gerechten Krieg geben. Auch wenn die Bundeswehr die Legitimation für ihren Einsatz vom Deutschen Bundestag erhält, muss ihr Tun immer wieder im Lichte der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs bewertet werden. Für die konkrete Beteiligung am ISAF-Einsatz in Afghanistan heißt das: Das neunjährige Engagement der Bundeswehr in Afghanistan hat die Gewalt im Lande nicht eindämmen können. Das Ziel aller politischen Arbeit muss die Überwindung des Krieges sein. Die Erinnerung an den Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges verkommt zum ritualisierten Gedenken, wenn er nicht immer wieder neu Anstoß dafür ist, dass Krieg zu ächten ist und alle Anstrengungen zu seiner Überwindung getan werden müssen. Mit dem Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan muss die Bundesregierung hier ein deutliches Zeichen setzen.

 

Berlin, den 6. Mai 2010

pax christi-Generalsekretärin dankt Thierse für seine Beteiligung an der Sitzblockade am 1. Mai

Dokumentation der Solidaritätsadresse

Sehr geehrter Herr Bundestagsvizepräsident,

für Ihr Engagement gegen den Nazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai danke ich Ihnen sehr. Es stärkt die mündigen Bürgerinnen und Bürger, dass es Politiker wie sie gibt, die bereit sind aktiv an unserer Seite Freiheit und Demokratie zu verteidigen.

Wer aus der deutschen Geschichte gelernt hat, muss wachsam und aktiv gegen rechtsextreme Aktivitäten sein. Denn Courage und Tatkraft können verhindern, dass rechtsextreme Aufmärsche in deutschen Städten Fuß fassen. Das haben junge Menschen bereits in Köln und Dresden gezeigt und das gilt genauso für Berlin.

Es erschreckt mich, wie viele und wer sich alles sich berufen fühlt, Ihr Handeln zu kritisieren und dabei eine nicht vorhandene Straftat zu suggerieren. Die Anwürfe gegen Sie wegen der Sitzblockade sind gegenstandslos, da Sitzblockaden keine Straftat nach § 240 Strafgesetzbuch darstellen. So hat es jedenfalls das Bundesverfassungsgericht 1995 in seinem Beschluss zu den Mutlangen-Blockaden festgestellt. Auch stellen sie keine verwerfliche Nötigung und keine Gewalt dar.

Wie kann es sein, dass in der deutschen Presse der letzten Tage die Anwürfe gegen Sie so viel Platz einnehmen, die Reflexion über die drohende Vermischung von bürgerlicher Mitte und rechtsextremem Gedankengut aber fehlt?

Diese bodenlose Debatte zeigt nur einmal mehr, dass die Wahrnehmungsfähigkeit dafür, von wo aus der Demokratie Gefahr droht, arg beeinträchtigt ist. Eine erneute Aufforderung auch an pax christi, rassistischem, antisemitischem und islamophobem Denken und Handeln Einhalt zu gebieten wo immer es – ganz alltäglich – schleichenden Eingang in die deutsche Normalität sucht.

Nochmals meinen herzlichen Dank und Ausdruck meiner Freude darüber, wie sie der Wut an der richtigen Stelle öffentlich Gehör verschaffen.

Solidarisch grüßt
Christine Hoffmann
pax christi-Generalsekretärin der deutschen Sektion

pax christi trauert um Karl Föster

Karl Föster aus Arnsberg, eines der ältesten Mitglieder der deutschen Sektion von pax christi, ist in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 2010 im Alter von 95 Jahren gestorben.
Die Trauerfeier findet am Dienstag, den 11. Mai 2010 um 14.30 Uhr in der Liebfrauenkirche in Arnsberg statt. Die anschließende Einäscherung im engsten Kreis der Familie.

 

Erinnerung an Karl Föster

„Nach der Diktatur, der er sich verschließen konnte, und dem Weltkrieg, in den er eingezogen wurde, war die Position Karl Fösters unumstößlich: Nie wieder.“

                            Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg, in seiner Ansprache zur
                            Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Karl Föster

 

Nach dem Ende des im II. Weltkrieg erzwungenen Kriegsdienstes, den er als junger Pazifist innerlich stets ablehnte, stellte Karl Föster sein Leben ganz in den Dienst der Versöhnung und des Friedens. Sein Lebenswerk war eng verbunden mit der Arbeit von pax christi, dem Franz-Stock-Komitee, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, dem Arbeitskreis Steinwache“ und weiteren Gruppierungen.

Die Wurzeln seines Pazifismus reichen weit über die Anfänge von pax christi in seine Kindheit und die Zeit im katholischen Jugendbund Quickborn. Föster kämpfte Seite an Seite mit großen katholischen Persönlichkeiten des Sauerlandes wie Walter Dirks, Eugen Kogon und Reinhold Schneider gegen die deutsche Wiederbewaffnung.

Im November 2006 wurde Karl Föster mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein Lebenswerk und seine Verdienste um das „Klima des Denkens, Glaubens, Wünschens“ um die Kultur des Lebens geehrt.

 

Einen stärkeren Einsatz der Christen für globale Gerechtigkeit und ein grundlegendes Umdenken innerhalb der katholischen Kirche fordert der Präsident der deutschen pax christi-Sektion Heinz-Josef Algermissen gemeinsam mit zahlreichen katholischen Orden, Hilfswerken, Verbänden, Wissenschaftlern und Bischöfen im "Aufruf für eine prophetische Kirche".

Die Menschheit stehe vor Existenz bedrohenden Krisen biblischen Ausmaßes, heißt es in dem Appell unter dem Leitwort "Leben in Fülle für alle". Dazu zählen die Unterzeichner/innen die Klima- und Energiekrise, die Nahrungsmittel-, Finanz- und Wirtschaftskrise. Die bisher gezeigten Lösungsansätze erwiesen sich lediglich als "Symbolpolitik mit Placeboeffekt", heißt es.

Die Erstunterzeichnenden des Aufrufs verpflichten sich, in ihrem Beten, Denken und Handeln das Ziel weltweiter Gerechtigkeit voranzubringen und in der katholischen Kirche in Deutschland einen Prozess des Nachdenkens über Schritte verantwortlichen Handelns anzustoßen.

Trauerfeier für Gisela Wiese am 18. Mai in Hamburg

Am Dienstag, den 18. Mai 2010 findet um 12.30 Uhr in der Kapelle 10 des Ohlsdorfer Friedhofs, Fuhlsbüttler Straße, in Hamburg die Trauerfeier für Gisela Wiese statt. Anschließend die Beisetzung.

Danach besteht die Möglichkeit zu Begegnung und Gespräch.

Kondolenzadresse
Marlies Engel, Marei Obladen, Rosel Sobjinski
c/o: Pax Christi Regionalstelle Osnabrück/Hamburg
Lohstr. 16-18
49074 Osnabrück

Mit großer Trauer aber voller Dankbarkeit nimmt pax christi Abschied von Gisela Wiese, die am 30. April 2010 in Hamburg im Alter von 85 Jahren nach längerer Krankheit gestorben ist.

Frieden - Frucht der Begegnung

Mit Gisela Wiese verliert die deutsche Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte. Gisela Wiese prägte die pax christi Bewegung insbesondere in den Jahren zwischen 1980 und 2000 als Mitglied der Hamburger Basisgruppen, deren Gründerin sie war, als Mitglied des Präsidiums, in das sie 1983 gewählt wurde und schließlich als Vizepräsidentin von 1990 bis 2000. Darüber hinaus war sie bis zu Ihren Tod im Sprecherteam der Regionalstelle Osnabrück Hamburg der pax christi Bewegung aktiv.

Begegnung war das Schlüsselwort ihres Friedensengagements. Nur aus der tatsächlichen Begegnung mit den Anderen konnte für Gisela Wiese Frieden wachsen. Sie lebte diese Form der Begegnung im Kontakt mit den Menschen, und sie verstand es, diese Begegnung in politisches Handeln zu übersetzen. Als es in den 1960/70er Jahren in Hamburg die Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher gab, begleitete sie die Überlebenden der Shoa, die als Zeugen in den Prozessen auftraten. Sie stand ihnen bei und stützte sie besonders in dem Moment, als eine juristische Beweisaufnahme die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen und Zeugen der Shoa in Zweifel zu ziehen suchte. In gleicher Weise besuchte sie Gefangene der RAF im Gefängnis und bot ihnen und anderen Gefangenen durch Gespräch und Begegnung Hilfe an, einen Weg zurück in die Gesellschaft zu finden. Sie hielt an dieser Solidarität zu den Menschen auch dann fest, wenn Kontaktaufnahmen aus politischen Gründen erschwert wurden.

Gisela Wiese konnte so handeln, weil sie selbst Opfer von Gewalt und Krieg und Zeitzeugin des Nationalsozialismus war. Geboren 1924 und aufgewachsen in Berlin erlebte sie als Kind die Verfolgung und Verhaftung engster Familienangehöriger und wurde in den letzten Kriegsmonaten zum willfährigen Objekt kriegerischer Gewalt. Trotz dieser Kriegs- und Gewalterfahrungen fand Gisela Wiese einen Weg, Ja zum Leben zu sagen. Ihre große Hoffnung waren die Kinder, die sie als gelernte Erzieherin jahrzehntelang die Ehrfurcht vor dem Leben und die Abkehr von Gewalt lehrte.

Gelingendes Leben war für Gisela Wiese nur dort möglich, wo die Erinnerung an geschehenes Leid gegenwärtig bleibt. So prägte sie in pax christi das Gedenken an die Shoa nachhaltig. Wiederholt begleitete sie Gruppen in das Konzentrationslager Auschwitz, besuchte als Zeitzeugin Schulen und trat entschieden gegen eine falsche Versöhnungsperspektive auf, die das unabgegoltene Leid der Opfer zu relativieren drohte. Aus dieser Haltung heraus war sie schon in der 80er Jahren dem vergessenen Unrecht an den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern auf der Spur und reklamierte lange bevor es zu den späten Entschädigungen kam, den überfälligen Handlungsbedarf von Staat und Kirche.

Die Shoa war für Gisela Wiese der Zivilisationsbruch der modernen Gesellschaft, gegenüber der Sprache versagt, der Schrei aber nicht stumm bleiben darf. Aus diesem scheinbaren Dilemma führte nach ihrer Überzeugung die Begegnung mit dem Anderen. Hören, wo Zeugenschaft notwendig wird, Aufschreien dort, wo Menschen Unrecht widerfährt und Schweigen dort, wo Worte das Unfassbare der Shoa nicht zu fassen vermögen. Solche Art Begegnung prägte ihr Engagement für Frieden und Versöhnung. Gisela Wiese ging es stets um den Dienst an Menschen, die für sie immer konkrete Personen mit einem Namen und einer Geschichte waren. In politischen Debatten fragte sie, was diese Überlegungen für diesen oder jenen Menschen bedeuten, dessen Schicksal sie berührt hat und auf den hin sie sich eingelassen hat.
Die Erfahrung des Völkermordes in Srebrenica 1995 hat sie deshalb bis zu ihrem Tode besonders geschmerzt, weil der Schutz der Menschen für sie höchste Bedeutung hatte, ihr aber nur die Mittel der Gewalt blieben, die wiederum nicht in der Lage waren, das Morden zu verhindern.

Gisela Wiese ging es in ihrem Engagement für Frieden und Gerechtigkeit um die Menschen, die nach dem Abbild Gottes geschaffen sind, auch wenn sie gering geschätzt, missachtet, verfolgt, ihrer Rechte beraubt, gefoltert oder mit dem Tode bedroht werden. Jeder dieser Menschen hat bei Gott einen Namen. So sollte es auch bei uns sein. Dafür trat Gisela Wiese unermüdlich ein. So wuchs durch ihr Handeln Frieden als Frucht der Begegnung.

Wir sind dankbar für die Begegnung mit Gisela Wiese. Die Erinnerung an ihr Wirken ist uns Aufgabe und Verpflichtung zugleich, die Arbeit am Frieden in ihrem Geiste fortzusetzen. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“. Mit diesen Worten Martin Bubers hat sie sich zum Ende ihrer Vizepräsidentschaft von der Bewegung verabschiedet. Mit ihr hoffen wir auf ihre Begegnung mit Gott, dem Herrn über Leben und Tod.

 

Berlin, den 30. April 2010

pax christi-Präsident Bischof Heinz Josef Algermissen nimmt in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitschrift "Rheinischer Merkur" Stellung zu der Frage, ob nukleare Abschreckung heute noch notwendig ist.

"In einer globalen Welt wirkt es wie ein Anachronismus", schreibt Bischof Algermissen, "wenn Staaten, ob im Bündnis oder als einzelne, ihre Sicherheit im Aufbau atomarer Waffenarsenale suchen. Die Veränderungen der Erdatmosphäre mit ihren unabsehbaren Konsequenzen für das Klima machen z.B. deutlich, wie hilflos waffenstarrende Staaten angesichts solcher Herausforderung sind."

Stellungnahme des Geschäftsführenden Vorstandes von pax christi zur Kritik an der Tagung „Partner für den Frieden. Mit Hamas und Fatah reden“ vom 11.-13. Juni 2010 in der Evangelischen Akademie Bad Boll

Die deutsche Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung führt in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Bad Boll vom 11. bis 13. Juni 2010 die Tagung „Partner für den Frieden. Mit Hamas und Fatah reden“ durch. Diese Tagung steht in einer langen Tradition gemeinsamer Veranstaltungen mit der Akademie Bad Boll zum Nahostkonflikt und dessen gewaltfreier Überwindung. In der Vergangenheit sind diese Veranstaltungen immer wieder von bestimmten Gruppen als vermeintlich einseitig kritisiert worden, ohne dass diese Kritik eine größere Resonanz in der Öffentlichkeit gefunden hatte. Jetzt sorgt gerade die Einladung des Gesundheitsministers der Regierung des Gazastreifens, des Hamas-Mitgliedes Basem Naim, für massive Kritik, die bis in die israelische Öffentlichkeit hinein Widerhall findet. So zuletzt ein Artikel in der Jerusalem Post vom 28. April 2010.

Deshalb erklären wir:

Die deutsche Sektion der pax christi Bewegung, die ihre Wurzel im Versöhnungshandeln französischer Christinnen und Christen zum Ende des Zweiten Weltkriegs hat, pflegt seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu Menschen in Israel und Palästina. Im Bewusstsein um die besondere Verantwortung, die wir als Deutsche gegenüber der Geschichte des Holocaust und den Überlebenden der deutschen Konzentrationslager haben, tritt pax christi ein für das Existenzrecht Israels in den Grenzen von 1967 und einen souveränen palästinensischen Staat. Aus dieser Verbundenheit mit den Menschen im Nahen Osten suchen wir gemeinsam mit Partnern der israelischen Friedensbewegung und palästinensischen Menschenrechtsorganisationen nach gewaltfreien Wegen zur Überwindung des Konflikts. Hierzu gehört an vorderster Stelle der Dialog. Er stellt die einzige Alternative zur Überwindung der Gewalt in der Region dar.

In diesem Geist sind in den vergangen Jahren immer wieder Einladungen an Vertreter der israelischen Regierung wie des palästinensischen Volkes ergangen. Es ist deshalb nur folgerichtig, wenn auch Vertreter unterschiedlicher Parteien des palästinensischen Volkes zum Dialog eingeladen werden. Mit der Tagung „Partner für den Frieden. Mit Hamas und Fatah reden.“ leistet pax christi einen Beitrag, die Positionen von Fatah und Hamas und ihre Vorstellungen zu einer Konfliktregelung zu diskutieren. Die Evangelische Akademie Bad Boll mit ihrer jahrzehntelangen Dialogarbeit ist dafür ein sehr guter Ort.

Dialog sucht nach Wegen der Verständigung, Dialogverweigerung schürt Vorurteile und trägt letztendlich zur weiteren Verschärfung der Situation im Nahen Osten bei. Wir danken der Akademie und den Politikern verschiedener Parteien, daß sie diesen Dialog suchen und fördern und sich nicht durch die Angriffe auf die Tagung, die letztlich nur die eigene politische Perspektivlosigkeit zum Ausdruck bringen, einschüchtern lassen.

Diese Aufforderung richtet die pax christi-Nahostkommission an die Fraktionen im Deutschen Bundestag

"Bisher ist uns nicht bekannt, dass sich der Deutsche Bundestag mit den Empfehlungen des Goldstone Reports auch nur befasst, geschweige denn, wie vom Europäischen Parlament gefordert, eine Umsetzung derselben öffentlich angemahnt hat“, erklärt Hilu Barth, die Sprecherin der pax christi-Nahostkommission. 

Kommissionsmitglied Professor Georg Meggle findet "für dieses Schweigen keine einsichtige Erklärung. Insbesondere angesichts der vom Europäischen Parlament in der genannten Entschließung angerufenen "Grundwerte der Europäischen Union", der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" und der "Genfer Konvention". Meggle fragt: "Gelten diese angeführten Werte, Rechte und Konventionen nicht mehr universell?" 
Die pax christi-Nahostkommission fordert die Fraktionen im Deutschen Bundestag auf, darüber zu informieren, wie sie zu den Forderungen des Europäischen Parlaments stehen und wie sie planen, diese umzusetzen. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wurden vom Europaparlament aufgefordert, "darauf hinzuarbeiten, dass die EU einen entschiedenen gemeinsamen Standpunkt zu den Maßnahmen infolge des Berichts der von Richter Goldstone geleiteten UN-Erkundungsmission zum Konflikt von Gaza und im südlichen Israel vertritt, und öffentlich dafür einzutreten, dass die Empfehlungen des Berichts umgesetzt werden und Verantwortung für alle Verstöße gegen das Völkerrecht, auch für zur Last gelegte Kriegsverbrechen übernommen wird." So die Empfehlung des Europäischen Parlaments in einer Entschließung vom 10. März 2010 an seine Mitgliedsstaaten, nachdem es sich mit dem Bericht der Untersuchungskommission der Vereinten Nationen über den Gaza-Konflikt (Goldstone Report) befasst hatte. 

Kardinal Sterzinsky und Frank Bsirske sowie Abgeordnete des deutschen Bundestages sprachen auf einer Veranstaltung, die das Bündnis zur Vorbereitung der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrages gemeinsam mit ver.di in Berlin durchführte

Für eine Zukunft ohne Atomwaffen

Träger dieses Bündnisses, das den Appell "Für eine Zukunft ohne Atomwaffen" auf den Weg gebracht hat, arbeitet pax christi mit der Kampagne "Unsere Welt atomwaffenfrei", IALANA, IPPNW, den Bürgermeister/innen für den Frieden und der GEW zusammen.

Aktuelle Perspektiven für eine "Friedensethik in Veränderter Sicherheitslage" wurden auf der Vollversammlung des ZdK beraten. pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann kommentierte in ihrem Statement die aktuellen Herausforderungen der deutschen Afghanistanpolitik.

Hoffmann kommentierte mit ihrem Statement den Grundsatzvortrag von PD Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven. Weiterer Kommentator war General Karl-Heinz Lather.

pax christi Präsident Bischof Heinz Josef Algermissen spricht Bischof Wiktor Skworc, Tarnow die Anteilnahme der deutschen Sektion aus

"Persönlich bin ich angesichts dieser Tragödie tief betroffen, wie so viele Menschen in Deutschland" heißt es in dem Brief des pax christi Präsidenten.

Bischof Skworc hat fast auf den Tag vor zwei Jahren die Glückwünsche der polnischen Bischofskonferenz zum 60 jährigen Jubiläum der deutschen Sektion überbracht. Stellvertretend für seine polnischen Landsleute drückt Bischof Algermissen ihm gegenüber sein Beileid aus.
"Der letzte Dienst, den die Unfallopfer ihrem Land erweisen konnten, ist der, dass nun alle Welt von dem 1940 geschehen Unrecht Kenntnis erhalten hat" schreibt Bischof Algermissen.

Der u.a. vom ehemaligen Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina, Prof. Dr. Christian Schwarz-Schilling, Bundesminister a. D. initiierte Appell kritisiert die Abschiebepraxis gegenüber Roma.

Generalsekretärin Christine Hoffmann unterstützt Oster-Apell 2010

Derzeit werden routinemäßig Roma und darunter auch Alte, Kranke, Kinder und Jugendliche in den Kosovo abgeschoben, ohne dass politisch Verantwortliche gegenüber solchen Maßnahmen Einhalt gebieten und unserer Verantwortung gegenüber den Roma gerecht werden.

Die nach Deutschland geflüchteten Roma, haben sich in vielen Fällen eine Existenz aufgebaut. Die Kinder, die in Deutschland geboren oder aufgewachsen sind, sind längst integriert und sehen Deutschland als ihre Heimat an. Einige konnten von den Bleiberechtsregelungen profitieren, andere aufgrund zu restriktiver Ausschlusskriterien jedoch nicht. Für diese jungen Menschen sind diese Abschiebungen eine erste entsetzliche Vertreibung - für die älteren Generationen allerdings ein Schicksal, das sie nun zum Teil bereits mehrmals im Laufe ihres Lebens erdulden mussten.

Gefordert wird, mit aller Entschiedenheit, die Konsequenz zu ziehen und zeitgemäße und besser durchdachte Entscheidungen zu treffen, und diesen Flüchtlingsfamilien endlich einen rechtmäßigen Aufenthalt aus humanitären Gründen zu erteilen und sie so vor einer Abschiebung zu schützen und von ihrer existentiellen Angst zu befreien.

Grußwort der deutschen Sektion von pax christi zum Ostermarsch am Atomwaffenstützpunkt Büchel

Ostermarsch und weitere Aktionen der Friedensbewegung finden an vielen Orten statt, besonders am 3.April am Atomwaffenstandort Büchel (Eifel). An die TeilnehmerInnen dort richtete pax christi - Vizepräsidentin Wiltrud Rösch-Metzler dieses Grußwort:

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

Büchel ist der zentrale Ort in Deutschland für die Auseinandersetzung mit Atomwaffen.
Ihr seid hier, weil ihr nicht wollt, dass von Deutschland aus Atomwaffen eingesetzt werden.
Ihr seid hier, weil ihr gegen die 23.000 Atomraketen weltweit protestiert.
In der Essener Erklärung vom März 2010 setzt sich pax christi mit vielen anderen Friedensorganistionen dafür ein, dass alle Staaten der Erde in die Verpflichtung zur nuklearen Abrüstung eingebunden werden. Und Staaten ohne Atomwaffen müssen sicher sein können, dass ihnen kein Atomangriff mehr droht. Die Nato muss auf atomare Abschreckung verzichten und abrüsten.

Wir wollen, daß von unserem Land Vertrauen ausgeht. In diesem Jahr verstärkt die Friedensbewegung ihren Einsatz gegen den Krieg in Afghanistan.
Wir wollen nicht, daß Deutschland in Afghanistan Krieg führt und Besatzungsmacht ist. Nach den Angriffen auf deutsche und afghanische Soldaten am Karfreitag sagen wir das umso deutlicher.
Wir wollen, daß der Truppen-Abzug jetzt beginnt. Und wir wollen, dass die frei werdenden Gelder für den gesellschaftlichen Aufbau verwendet werden.
Wir wollen, daß unser Land in Afghanistan Hoffnung schafft.

Mit Sorge blicken wir auf den Nahen und Mittleren Osten. Wir fordern die iranische Regierung auf, auf alle Versuche zu verzichten, Atomwaffen zu erlangen. Von Israel, der einzigen Atommacht in der Region, fordern wir, ihr Atomprogramm zu beenden und endlich mit der Besetzung der palästinensischen Gebiete Schluss zu machen. Wir wollen, dass deutsche Politik dazu beiträgt, dass die Menschen in Gaza, in der Westbank und Ostjerusalem in Freiheit leben können.

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, Ostern ist Aufstand gegen Tod und Gewalt. Frohe Ostern!

.

Frei werden vom Tod

Wenn das lichtscheue Gesindel, auch das in mir,
den geheiligten Raum endgültig verlassen muss,
wenn ans Tageslicht kommt, auch in mir,
was verdorbene Zungen hinter den Türen mauscheln,
wenn es keine Wege mehr gibt, auch nicht mehr für mich,
die die Verräter durch das Dunkel erstasten,
wenn die Treulosen lernen, auch ich,
dass der Tod todsicher ist

dann wird es laut in der Stille des Grabes,
dann wird es hell hinter dem Stein,
dann lege doch, Gott, mit Bedacht und in aller Ruhe, Deine Leichentücher ab
Falte sie
Und atme auf.
Dann singe doch mit mir wie ein Vogel ein Sonntagslied.


Sr. Aurelia Spendel OP

Die ungebremste Steigerung deutscher Rüstungsexporte auf ein neuerliches Rekordniveau kritiseren pax christi, das Deutsche Aktionsnetz Kleinwaffen Stoppen, die Kampagne gegen Rüstungsexport bei OHNE RÜSTUNG LEBEN, das RüstungsInformationsBüro (RIB e.V.) und die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) in einer gemeinsamen Pressemeldung Pax Christi

Endlich hat die Bundesregierung hat ihren Rüstungsexportbericht 2008 veröffentlicht. Damit hinkt sie den Publikationen der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) und des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) weit hinterher. Transparenz oder gar demokratische Mitbestimmung durch den Bundestag sind de facto ausgehebelt. Der Rüstungsexportbericht 2008 bezieht sich auf die Regierungszeit der Großen Koalition unter Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier.

„Besonders eklatant ist die Steigerung der Einzelgenehmigungen für Munitionsexporte in die so genannten Drittländer“, erklärte Fabian Sieber, pax cxhristi-Experte für Rüstungsexporte. "Die Genehmigungen für Munitionslieferungen sind von 1,4 Millionen Euro 2007 auf unglaubliche 18,65 Millionen Euro 2008 gesteigert worden.“ Dieser dramatische Zuwachs beruht auf der Genehmigung einer Mehrjahresmenge an Singapur. Laut Aussagen der Menschenrechtsorganisation amnesty international und der GKKE ist die Menschenrechtslage in Singapur „sehr schlecht“.

pax christi-Präsidiumsmitglied Dr. Heinz Werner Wessler kam vor wenigen Tagen von einer Reise aus Kinshasa, Hauptstadt des Kongos, zurück. Er antwortete auf Fragen von Heinz Rothenpieler, Sprecher der pc-Kommission "Solidarität mit Zentralafrika"

Wie laufen die Wahlvorbereitungen?

Der Leiter der seit Jahren bestehenden Wahlkommission, Abbé Malu Malu, gab sich im Gespräch zuversichtlich, dass Anfang 2011 die Lokalwahlen und dann im Mai und Juni die Präsidenten-, Parlaments- und Landtagswahlen stattfinden. Andere Gesprächspartner machen darauf aufmerksam, dass der Zeitplan nicht mehr einzuhalten ist und dass darüber hinaus die internationalen Geldgeber nicht mehr bereit sind, noch einmal Hunderte von Millionen Dollar in einen Wahlprozess in den Kongo zu pumpen. In einer Aufwallung patriotischer Stimmung hat Kabila kürzlich den Rückzug der MONUC eingefordert, der mit über 20.000 Soldaten weltweit größten Blauhelmtruppe. Wie aber Wahlen ohne die Logistik der MONUC stattfinden sollen, weiß keiner. Im Augenblick zeichnet sich außerdem nicht ab, ob es einen echten Herausforderer aus einer der Oppositionsparteien gibt. In unseren Gesprächen wurde auch gelegentlich Angst vor dem Jahr 2011 deutlich. Jose Mpundu, Träger des Friedenspreises der französischen Sektion von Pax Christi, ist der Meinung, dass es ohnehin ein Fehler ist, dass der Kongo sich seine Wahlen vom Ausland finanzieren lässt.

Wie ist die Stimmung im kirchlichen Raum?

Der katholische Erzbischof und Präsident von Pax Christi International, Monseigneur Monsengwo, ist der Meinung, dass die MONUC (UNO-Blauhelme) erst nach der Durchführung der Wahlen abziehen kann. Ähnliches habe ich auch beim Gespräch mit dem Vorsitzenden des evangelischen Kirchenverbandes herausgehört, Bischof Marini. Innerhalb der Kirche gibt es natürlich ein breites Spektrum von Meinungen. Die Militär- und Polizeipfarrer geben sich sehr bedeckt, der Sekretär der katholischen Bischofskonferenz CENCO und die Vertreter der nationalen Kommission Justitia et Pax sind dagegen sehr kritisch und sprechen von einem zunehmenden Klima der Repression.

Wo sind die Zeichen des Neuaufbruchs in der Kirche?

Das Leben in den Gemeinden ist für einen deutschen Besucher immer wieder beeindruckend: Es gibt überall Kirchenchöre, fetzigen Kirchen-Rumba in Lingala mit E-Gitarre und Schlagzeug, Tanz und vierstimmigen Choral aber auch – man höre und staune – gregorianischen Choral, wie ich es in der Palmsonntagmesse in der katholischen Kathedrale erlebt habe. Es wird auch viel und aufrichtig gebetet, ohne Zweifel. Das muss alles ein Zeichen von einem wirklichen Neuaufbruch sein, der sich in der Zukunft sicherlich als solcher erweisen wird. Beeindruckend ist für einen Deutschen auch die Tatsache, dass eine nicht geringe Zahl von Gemeinden von Laien geleitet werden – auf Lingala „Bokambi“. Diese Institution wurde von dem verstorbenen und hoch verehrten Kardinal Malula schon in den 1970er Jahren eingerichtet, blüht aber auch in der Gegenwart, wie mir Jose Mpundu versichert hat, der selbst Priester in einer solchen Gemeinde ist. Schade, dass es in Deutschland keine Bokambis gibt.

Mit der ausdrucksvollen Matinee "Künstler/innen für den Frieden“ beendeten rund 1.000 Besucher/innen dieser Matinee den Kongress „Friedenskultur.2010-unsere Zukunft atomwaffenfrei“ in Essen. 40 Jahre nach dem 1970 geschlossenen Atomwaffensperrvertrag fordern sie „die vollständige Abschaffung aller Atomwaffen“.

Der Kongress „Friedenskultur.2010“ appelliert an die Bundestagsabgeordneten, sich für eine Beendigung der nuklearen Teilhabe Deutschlands einzusetzen. Die nächste Gelegenheit dazu ist die Abrüstungsdebatte des Deutschen Bundestages am kommenden Freitag. Vertreter aller fünf Bundestagsfraktionen haben sich auf der Veranstaltung zu dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt bekannt und bekräftigt, dass die US-Atomwaffen schnellstmöglich aus Deutschland abgezogen werden müssten. Namentlich waren dies Roderich Kiesewetter (CDU/CSU), Uta Zapf (SPD), Dr. Bijan Djir-Sarai (FDP), Paul Schäfer (Die Linke) sowie Agnes Malczak (Bündnis 90/Die Grünen).

Zum Abschluss des Kongresses gab es großen Applaus für Reinhard Paß, den Oberbürgermeister der Stadt Essen: Er ist der internationalen Nichtregierungsorganisation „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden) beigetreten, die sich für eine atomwaffenfreie Welt bis 2020 einsetzt.

Professor Andreas Buro, einer der renommiertesten Politikwissenschaftler Deutschlands und 2008 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet, erklärte zur Eröffnung des Kongresses: „Wir brauchen zivile und friedliche Strategien zur Konfliktlösung. Aufrüstung und atomare Bewaffnung sind kein Lösungsweg für uns Menschen – weder in Europa, noch in Afghanistan oder dem Iran.“ Entsprechend fordern die Veranstalter in der „Essener Erklärung“: „Das durch Präsident Obama formulierte Ziel einer Welt ohne Atomwaffen muss konsequent verfolgt werden.“

Dass diese Forderung nicht umsonst gerade auch aus Essen kommt, verdeutlichte Christine Hoffmann, Generalsekretärin von pax christi, den Teilnehmern ganz konkret: „Nordrhein-Westfalen ist an seiner Westflanke von Atomwaffen umzingelt. In Büchel in der Eifel lagern amerikanische atomare Sprengköpfe. Auf belgischer Seite lagern sie in Kleine Brogel und auf holländischer Seite in Volkel. Nahezu die tausendfache Zerstörungskraft der Hiroshimabombe befindet sich also ganz in der Nähe des Ruhrgebiets.“

Höhepunkte der Veranstaltung waren die Podiumsdiskussion mit Vertretern der Bundestagsfraktionen sowie die Statements von Alyn Ware, dem alternativen Nobelpreisträger 2009 aus Neuseeland, und Horst-Eberhard Richter, Psychoanalytiker und eine der Gallionsfiguren der deutschen Friedensbewegung. Bewegende Worte fand Abschlussinformation Kongress & Künstlermatinee Friedenskultur.2010 - Unsere Zukunft atomwaffenfrei! 19.-21. März 2010 in Essen 2 der Bürgermeister von Hiroshima, Tadatoshi Akiba, der per Video zugeschaltet war. Er versicherte, dass die Stadt Hiroshima sich für Abrüstung einsetzen wird, bis die letzten Atomwaffen vernichtet sein werden.

Ihm schloss sich Liedermacher Konstantin Wecker auf der Matinee „Künstlerinnen für den Frieden“ an und rief unter tosendem Applaus der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Wir werden an der Utopie einer friedlichen und gewaltfreien Welt festhalten.“ Die Friedensarbeit geht nach der Matinee direkt weiter: Zahlreiche Radtouren in ganz Deutschland unter dem Motto „next stop New York 2010“ schaffen Öffentlichkeit für atomare Abrüstung im Vorfeld der Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag im Mai in New York. Am Osterwochenende gibt es zusätzlich zu den Ostermärschen eine Aktion am Atomwaffenstandort Büchel in Rheinland-Pfalz. In New York findet eine internationale Konferenz und Demonstration unter dem Motto „Disarm now!“ statt, an der sich die Veranstalter des Projekts „Friedenskultur.2010“

Vier Träger veranstalteten die Matinee und den Kongress: Die Deutsche Friedensgesellschaft–Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), pax christi Deutsche Sektion, die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung und das Essener Friedensforum.

Am 11. März 2010 verstarb Prof. Dr. Hermann Pfister. Lange Jahre hat er durch sein unermüdlichen Einsatz für Versöhnung und Frieden das Profil der pax christi Bewegung im Westdeutschland der 1950er bis 1970er geprägt Unvergessen bleibt sein publizistisches Wirken, insbesondere durch die Schriftleitung der "info - Probleme des Friedens".

In Trauer um Hermann Pfister

Hermann Pfister wird heute in seinem Wohnort Waldkirch beigesetzt.

Im Nachruf der deutschen Sektion von pax christi heißt es "Die deutsche Sektion von pax christi ist dankbar für die Spuren des Friedens, die Hermann Pfister hinterlassen hat. Sie sind uns heute Wegzeichen im Dienst am Frieden, den Gott uns schenken wird."

Mich kann man töten, aber nicht die Stimme der Gerechtigkeit…..Ich werde im salvadorianischen Volk auferstehen.“

Am 24. März 2010 erinnern wir uns daran, dass vor 30 Jahren der Erzbischof von San Salvador Oscar Arnulfo Romero während der Abendmesse am Altar ermordet wurde. Er war ein unermüdlicher Verfechter der kleinen Bauern, der Armen und Entrechteten in seinem Land gegenüber der Herrschaft der Oligarchen und Großgrundbesitzer. Deswegen musste er sterben.

„Mich kann man töten, aber nicht die Stimme der Gerechtigkeit…..Ich werde im salvadorianischen Volk auferstehen.“ Das waren seine Worte. In einer seiner täglichen Ansprachen sagte er auch: „Wir bringen das Saatgut in die Erde, das eines Tages aufbrechen und wachsen wird. Wir begießen die Keime, die schon gepflanzt sind in der Gewissheit, dass sie eine weitere Verheißung in sich bergen.“

Pax Christi International hat aus Anlass dieses wichtigen Erinnerungstages vom 22.-24. März in San Salvador ein Austauschtreffen geplant mit Partnerorganisationen, Freunden und Mitgliedern aus Mexico, Zentralamerika und der Karibik.

Seit Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts begleitet die pax christi Kommission Solidaritätsfonds Eine Welt die Gruppen der Familienangehörigen der Verschwundenen in El Salvador. Christine Klissenbauer als Kommissionsmitglied wird mit Vertreterinnen dieser Gruppen der Mütter der Verschwundenen an dem Treffen von PCI in San Salvador teilnehmen und nach ihrer Rückkehr für die PaxZeit berichten.

Globale Herausforderung – ökumenische Perspektiven

" Missio(n) für Menschenrechte " -

soeben ist ein kurzweiliges, faktenreiches Grundlagen- und Lesebuch über den Zusammenhang von Menschenrechten und Mission erschienen. Es eignet sich bestens für Unterricht ab Klassenstufe 10 aber auch zur Lektüre für alle, die im Alltag zur Achtung der Menschenrechte beitragen und sich dafür kundig machen wollen.

Das Taschenbuch enthält die Beiträge einer ökumenischen Fachtagung, die das Internationale Katholische Missionswerk missio in München, MissionEineWelt - das Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (Neuendettelsau) - und die Deutsche Sektion der Internationalen Katholischen Friedensbewegung Pax Christi am 7./8.Mai 2009 mit dem Tagungszentrum Schmerlenbach der Diözese Würzburg als Zwischenbilanz und Positionsbestimmung im Internationalen Jahr des Menschenrechtslernens veranstaltet haben.

Expertinnen und Experten aus Asien, Europa und Lateinamerika diskutieren kritisch und in ökumenischer Perspektive positive Beispiele, aber auch noch vorhandene Defizite kirchlicher Menschenrechtsarbeit. Kollidiert der weltweite Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums mit dem universalen Geltungsanspruch der Menschenrechte? Oder passt beides zusammen? Ergeben sich Spannungen oder gar Konflikte? Gerade wegen ihrer jahrhundertelangen schweren Verletzungen der Menschenrechte tragen die Kirchen eine unverzichtbare, schon in der Bibel und im Handeln Jesu begründete Verantwortung für die Achtung von Menschenwürde und Menschenrechten durch ihre Amtsträger und Mitglieder.

Die Utrechter Professorin Anja Mihr leuchtet den Horizont der Thematik aus und benennt Erwartungen an die Kirche als Akteurin. Der philippinische Erzbischof Orlando Quevedo befasst sich mit der Rolle der katholischen Kirche für die Menschenrechte. Die Inderin Virginia Saldanha fokussiert Frauenrechte als Menschenrechte und benennt Konsequenzen für die Kirche. Michael Windfuhr und Sophia Wirsching von Brot für die Welt verdeutlichen den Zusammenhang von Klimawandel und Menschenrechten. Vor der eigenen Haustür schaut Bernd Mesovic (Pro Asyl) auf Menschenrechtsverletzungen in Deutschland am Beispiel von Flüchtlingen.

Der Ökumeniker Reinhard J. Voß erschließt die große Ökumene aller Menschen guten Willens als Ressource für die Achtung von Menschenrechten. Hans-Joachim Sander, Dogmatiker an der Universität Salzburg stellt Menschenrechte in den Zusammenhang christlicher Spiritualtät. Für den ev. Regionalbischof Christian Schmidt gehören die Menschenrechte wesentlich zur kirchlichen Verkündigung der Gerechtigkeit. Am Beipiel der lutherische Kirche Guatemalas stellt José Pilar Alvarez Cabrera Verantwortung für die Menschenrechte konkret dar. Als Konsequenz der Beiträge verortet Daniel Bogner Menschenrechte in der Mission der Kirche heute und Pater Eric Englert, Leiter des Internationale Katholischen Missionswerks missio in München, sieht das entscheidende Merkmal eines Christen in seinem Einsatz für Menschenwürde und Menschenrechte.

Damit Menschenrechte wirklich universal gelten, ist der Einsatz vieler Individuen und Institutionen weltweit notwendig. Denn tatsächlich werden Menschenrechte vielerorts und auf vielfache Weise missachtet und verletzt. Als globale Akteure können die Kirchen heute beachtliche Ressourcen zur Geltung von Menschenrechten mobilisieren. Sie müssen Menschenrechte heute als integralen Bestandteil ihrer Sendung verstehen und zu ihrer Achtung in ökumenischer Perspektive beitragen. Und jede/r Einzelne kann etwas tun. Dieses Buch bietet dazu Orientierung und ermutigende Perspektiven.

pax christi fordert die Bundesregierung auf, die bisher für die Unterstützung der VN-Blauhelmmission im Kongo (MONUC) von Deutschland eingesetzten finanziellen Mittel in Zukunft zusätzlich in der bilateralen und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit mit der DR Kongo einzusetzen. Insbesondere wichtig ist dabei die Transformation der Kriegsökonomie in eine Friedensökonomie, Aufbau von Bildungsinstitutionen, Staats-, Polizei- und Justizaufbau sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft insbesondere durch Versöhnungsarbeit.

Erklärung der pax christi-Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“

Das derzeitige Mandat für die mit rund 20.500 Personen derzeit größte VN-Blauhelmmission weltweit in der Demokratischen Republik Kongo läuft im kommenden Mai aus. Über viele Jahre hinweg wurde es immer wieder verlängert, doch diesmal besteht die kongolesische Regierung in den derzeit laufenden Verhandlungen auf einem konkreten Zeitplan für den Abzug der seit 1999 kontinuierlich aufgebauten VN-Präsenz vor allem im unruhigen Osten des Landes.

Auslöser der Abzugsforderung der Regierung Kabila war die heruntergeschraubte Zusammenarbeit der MONUC mit der offiziellen kongolesischen Armee bei den Offensiven gegen die Rebellen der FDLR in den Kivu-Provinzen im Osten. Diese Zusammenarbeit hatte zuletzt bis hin zur Bereitstellung von Essensrationen für kämpfende Einheiten geführt. Von VN-Seite aus hatte es auch Bemühungen gegeben, die Soldauszahlungen für kongolesische Armeeangehörige wegen der andauernden Unregelmäßigkeiten in internationale Verantwortung zu verlegen. Vor dem humanitären Desaster u.a. mit Hunderttausenden von neuen Flüchtlingen, die der rücksichtslose Feldzug im letzten Jahr auslöste, konnte die MONUC jedoch ihre Augen nicht mehr verschließen und fuhr die Unterstützung der Armeeoffensive zurück.

pax christi hat die Präsenz der Blauhelme zusammen mit unseren Partnerorganisationen in der Region ursprünglich begrüßt und die Stärkung ihres Mandats in mehreren Erklärungen eingefordert. In den letzten Jahren wurde aber zunehmend deutlich, dass es der MONUC nicht gelingt, die Kernprobleme insbesondere im Osten in den Griff zu bekommen. Die zunehmend enge Zusammenarbeit mit der Armee entwickelte sich zudem zum Desaster. Zusammen mit Skandalen u.a. um Prostitution und Schmuggel im Umkreis der Blauhelmeinheiten führte dies zu einem spürbaren Vertrauensverlust der Bevölkerung in die VN-Präsenz.

pax christi bedauert insbesondere, dass die großen VN-Pläne für eine durchgreifende Demobilisierung der Milizen im Kivu praktisch total gescheitert sind. Dass hier die Erfahrungen mit Demobilisierungsprogrammen in schwierigen Regionen in Westafrika oder etwa in Kambodscha nicht genutzt wurden, liegt vor allem am fehlenden politischen Willen. Die Staatengemeinschaft hat sich auf die Bereitstellung von teilweise miserabel vorbereiteten Blauhelmtruppen beschränkt und geglaubt, auf diese Weise komplexe Problemlösungen wegdelegieren zu können.

Zweifellos steckte die MONUC angesichts der komplizierten Gemengelage von Konflikten im Kivu mit seiner mafiösen Rohstoffökonomie, mit extrem skrupellosen Milizen und mit der anhaltenden Einmischung von Ruanda aus in der Sackgasse. Zu befürchten ist jetzt, dass die Brutalisierung der Politik und des Alltags nach dem absehbaren Abzug der MONUC nun noch einmal zunimmt. Es kommt jetzt alles darauf an, die zarten Keimlinge des Friedens und des gesellschaftlichen Ausgleichs, wie sie insbesondere in Süd-Kivu auf Graßwurzelniveau spürbar sind, zu pflegen und von hier aus Friedensperspektiven in einem extrem zerrütteten Umfeld aufzubauen.

Die Gesellschaft ist voller Konflikte, der Staat verfallen, die Menschen durch die andauernde kriegerische Gewalt traumatisiert. Für die Zeit nach dem MONUC-Abzug müssen unbedingt neue Formen auch der internationalen Präsenz im Ostkongo entwickelt werden, die in schwierigem Umfeld konfliktvermindernd wirken können. Dazu muss auch eine Stärkung der Zivilen Friedensdienste gehören.

Die Bundesregierung hat schon vor vielen Jahren ein exemplarisches Projekt zur Zertifizierung von Coltan-Exporten in Auftrag gegeben, das aber im Kongo derzeit noch nicht implementiert wird. pax christi hat dieses Pilotprojekt seinerzeit begrüßt, bedauert aber zunehmend, dass das Projekt politisch beschwichtigend verwendet wird. Die Initiative bei der Suche nach Auswegen aus dem unheilvollen Kreislauf von Rohstoffexporten und Waffenimporten im Kongo ist erlahmt, während die allgemeine Hoffnungslosigkeit und das Sterben in der Region weitergehen. pax christi bedauert, dass in den letzten Jahren die Bekämpfung der strukturellen Gewaltursachen wie der Rohstoffökonomie praktisch seit Jahren nicht von der Stelle kommt.

pax christi - Nahostkommission begrüßt Urteil des Europäischen Gerichtshofs

Die Nahostkommission von pax christi begrüßt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), demzufolge Waren aus israelischen Siedlungen keine EU-Zollvergünstigungen erhalten dürfen. „Das Urteil ist eine deutliche Absage an Israels Ansinnen, sich die stillschweigende Hinnahme seiner völkerrechtswidrigen Ansprüche durch die EU zu sichern“, so Hilu Barth, Sprecherin der Nahostkommission. „Nun brauchen wir Klarheit auf allen Ebenen. Dazu gehört die eindeutige Kennzeichnung von Waren aus israelischen Siedlungen.“ Die pax christi Nahostkommission fordert die zuständigen Ministerien auf, die Irreführung der Konsumenten/innen durch die Herkunftsangabe „Israel“ auf Siedlungsprodukten endlich zu beenden.

„Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind inzwischen sehr sensibel, wenn es um Waren geht, deren Herstellung mit Völkerrechtsverstößen in Verbindung steht. Wer sicher gehen möchte, keine Waren aus Siedlungen in den Einkaufskorb zu legen, muss derzeit notgedrungen auf den Kauf sämtlicher Produkte aus Israel verzichten,“ erläutert Christina Pfestroff, Mitglied der Nahostkommission. „Unabhängig von der individuellen Kaufentscheidung haben Verbraucherinnen ein Recht auf Transparenz. Deshalb fordert die Nahostkommission von pax christi eine eindeutige Kennzeichnung aller Produkte aus israelischen Siedlungen, die auf den deutschen Markt kommen.“

Dass Israel in Siedlungen hergestellte Produkte als „Made in Israel“ ausweist, wusste die EU seit dem Inkrafttreten des Assoziationsabkommens mit Israel im Jahr 2000. Aber erst auf großen öffentlichen Druck hin haben die EU-Staaten begonnen, eigene Nachforschungen zur Herkunft der Importe anzustellen. Wurden dabei Waren aus Siedlungen identifiziert, verweigerten die zuständigen Zollbehörden den ermäßigten Zollsatz. Zu Recht, wie der EuGH in seiner Entscheidung vom 25. Februar 2010 nun bestätigte.

„Siedlungen auf besetztem Gebiet wirken nach aller Erfahrung konfliktverschärfend“, so Hilu Barth. „Deshalb sind sie nach Artikel 49 der Vierten Genfer Konvention völkerrechtlich geächtet.“ Dennoch produzieren viele israelische Exportfirmen ihre Waren in Siedlungen und profitieren damit direkt von rechtswidrigen Besatzungsmaßnahmen. Diese Unternehmen zu unterstützen – dagegen hegen viele Verbraucherinnen und Verbraucher inzwischen Bedenken: Schließlich beraubt die Siedlungspolitik die palästinensische Bevölkerung nicht nur ihres Landes mit seinen Ressourcen. Sie zieht unweigerlich weiteres Unrecht nach sich: Abriegelungen, Straßensperren, Kontrollpunkte, Zäune und Mauern, die der palästinensischen Bevölkerung systematisch Lebensmöglichkeiten und Zukunftsaussichten versperren.

„Die Opfer haben unsere Erinnerung verdient“, sagte Generalsekretärin Christine Hoffmann heute im domradio Köln

pax christi mißbilligt den Verweis der Abgeordneten aus dem Plenum

„Geschäftsordnung darf nicht vor Gedenken gehen“ betonte Hoffmann im Interwiew mit domradio Köln

so der Kommenar der pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann,

Für Gefallene ist im Deutschen Bundestag kein Platz

zum Verweis aus dem Plenum für die Abgeordneten, die während der heutigen Debatte um die Verlängerung des ISAF-Mandats Plakate mit Namen der Opfer des Luftangriffs von Kunduz hoch hielten.

„Sicherheit und Atomwaffen passen nicht zusammen, wer Sicherheit will muss die atomare Bewaffnung beenden“, betont pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann.

Breite Unterstützung aus Parlament und Politik für den Aufruf aus der Zivilgesellschaft

In der ersten Woche nach der Veröffentlichung gingen nicht nur über 1000 Unterschriften aus der Gesellschaft unter den Aufruf ein, auch namhafte Politikerinnen und Politiker schlossen sich dem Aufruf an.

Zu den ErstunterzeichnerInnen aus Parlament und Politik gehören u.a.

Jan van Aken, MdB Die Linke; Gerhart Baum; Gernot Erler, MdB SPD; Sigmar Gabriel, MdB SPD; Wolfgang Gehrcke, MdB Die Linke; Burkhard Hirsch; Katja Keul, MdB Bündnis 90 / Die Grünen; Renate Künast, MdB Bündnis 90 / Die Grünen; Agnes Malczak, MdB Bündnis 90 / Die Grünen; Dr. Rolf Mützenich, MdB SPD; Paul Schäfer, MdB Die Linke; Uta Zapf, MdB SPD;
Des Weiteren konnten mit Nina Hagen, Peter Maffay, dem Schriftsteller Prof. Dr. Michael Schneider und der Schauspielerin Elenore Weisgerber neue Kulturschaffende gewonnen werden.
Reiner Braun einer der Initiatoren betonte, „dass dieser Aufruf genau zu richtigen Zeitpunkt kommt, und eine tief und vielfältig in der Gesellschaft und auch in der Politik und Parlament verankerte Stimmung zum Ausdruck bringt, dass die mörderischen Atomwaffen endlich abgeschafft werden müssen; jetzt oder vielleicht lange nicht mehr – wie es inhaltlich in dem Aufruf heißt!“. 

Die Unterschriftensammlung wird bis zum Mai fortgesetzt, die gesammelten Unterschriften werden am 3.05.2010 an den UN-Generalsekretär übergeben.

pax christi unterstützt Petition an den Deutschen Bundestag

„Die Wehrpflicht ist ein Eingriff in die Freiheitsrechte der jungen Männer, der angesichts der Sicherheitslage nicht gerechtfertigt ist. Deshalb unterstützt pax christi aktuell die Petition von Marco Penz an den Deutschen Bundestag zur Aussetzung der Wehrpflicht“, erklärte pax christi-General-sekretärin, Christine Hoffmann heute in Berlin. „Die faktische Wahlfreiheit zwischen Grundwehrdienst und Zivildienst oder anderen Freiwilligendiensten stellt die Gesellschaft vor neue Herausforderungen, die noch viel zu wenig zur Kenntnis genommen werden. Der Dienst an der Waffe hat andere ethisch-moralische Implikationen als die Pflegeunterstützung im Altersheim oder ein freiwilliges ökologisches Jahr. Das darf nicht nivelliert werden.“

Die Wehrpflicht soll ausgesetzt und stattdessen Freiwilligendienste gefördert werden. Das fordert Marco Penz in seiner Petition an den Deutschen Bundestag. Als Alternative beschreibt er die Förderung von Freiwilligendiensten. „Freiwilligendienste müssen attraktiv gestaltet werden“, erklärt der Petent und fordert: „Jugendliche, die sich für einen Freiwilligendienst entschieden haben, sollten keine Nachteile davontragen“.

Unterstützt wird der Kriegsdienstverweigerer und ehemalige Zivildienst-leistende auch vom Deutschen Bundesjugendring, der DGB-Jugend, den Jungsozialist/innen und der Zentralstelle KDV. In seiner Petition beleuchtet Marco Penz ausführlich juristische, ökonomische und gesellschafts-politische Gründe, die für die Abschaffung der Wehrpflicht sprechen. Er verweist dabei auf zahlreiche Forschungsergebnisse und stellt die Positionen der Parteien, der Kirchen, der Gewerkschaften und der Wohlfahrtsverbände dar. Außerdem geht er auf die sicherheitspolitische Lage ein, mit der die Wehrpflicht bisher legitimiert wurde. Im internationalen Vergleich zeigt sich laut Marco Penz, dass 23 von 28 Nato-Staaten die Wehrpflicht ausgesetzt haben oder sie aussetzen werden.

„Jugendverbände haben regelmäßig sehr kontrovers und dennoch gewissenhaft über Friedenspolitik diskutiert und dabei über bestimmte Aufgaben für Streitkräfte. Nach unserer Überzeugung ist die Wehrpflicht nicht mehr notwendig und auch nicht mehr zeitgemäß, damit die Streitkräfte ihre Aufgaben erfüllen können“, sagt Dirk Neumann, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings. Freiwilliges und selbstbestimmtes Engagement seien die Basis der Arbeit in den Jugendverbänden, Freiwilligendienste führen diesen Gedanken weiter.

„Der Wehrdienst, ob mit oder ohne Waffe, schränkt die Grundrechte auf Selbstbestimmung und freie Entfaltung junger Männer erheblich ein“, beschreibt Florian Haggenmiller, bei der DGB-Jugend zuständig für Bundeswehr- und Zivildienstfragen, die aktuelle Situation. Die DGB-Jugend setzt sich daher für die Abschaffung der Wehrpflicht und anderer Zwangsdienste ein. „Die Gewerkschaftsjugend fordert für den Sozialbereich sozialversicherungspflichtige, tarifvertraglich geregelte Arbeitsplätze und Freiwilligendienste zu schaffen und Zwangsdienste jeder Art abzuschaffen“, unterstreicht Florian Haggenmiller.

„Die Wehrpflicht ist ein Relikt aus vergangenen Tagen. Wir sehen in dem staatlichen Zwang einen völlig ungerechtfertigten Eingriff in die individuellen menschlichen Freiheitsrechte. Daher muss die Wehrpflicht abgeschafft werden. Kosmetische Eingriffe, wie sie nun von der Bundesregierung durchgeführt werden, werden die Situation weiter verschärfen", sagt Franziska Drohsel, Bundesvorsitzende JungsozialistInnen in der SPD. „Das Grundgesetz schützt die Gewissensfreiheit, garantiert die freie Wahl von Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte und verbietet Zwangsarbeit und Dienstverpflichtungen. Die Wehrpflicht steht dazu im Widerspruch und ist als Ausnahme von den Freiheitsgarantien der Verfassung nur dann zulässig, wenn es die sicherheitspolitische Lage zwingend erfordert. Das ist spätestens heute nicht mehr der Fall“, erklärt Stefan Philipp, stellvertretender Vorsitzender der Zentralstelle KDV, und betont: „Die Abschaffung der Wehrpflicht ist der beste Gewissensschutz für Kriegsdienstverweigerer.“

Herr Gabriel, folgen Sie den holländischen Genoss/innen! Wir stehen hier heute auf dem Bebelplatz in Berlin, um unseren Volksvertreter/innen klar zu machen, dass sie nicht das Volk vertreten, wenn sie nächste Woche wiedermehr Truppen nach Afghanistan schicken. Die Mehrheit des Volkes will das nicht! Unser Wille ist: KEIN SOLDAT MEHR!

Rede der pax christi- Generalsekretärin bei der Kundgebung auf dem Bebelplatz

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

eine beeindruckende Nachricht hat uns heute aus Holland erreicht. Die Sozialdemokraten haben dort auf dem Abzug der Truppen aus Afghanistan beharrt und daran die Regierungskoalition platzen lassen. Herr Gabriel, folgen Sie den Genossinnen aus Holland. Die SPD könnte nächste Woche gegen die Aufstockung der deutschen Truppen in Afghanistan stimmen – das muss doch auch in Deutschland möglich sein!

Wir stehen hier heute auf dem Bebelplatz in Berlin, um unseren Volksvertreter/innen klar zu machen, dass sie nicht das Volk vertreten, wenn sie nächste Woche wiedermehr Truppen nach Afghanistan schicken. Die Mehrheit des Volkes will das nicht! Unser Wille ist: KEIN SOLDAT MEHR!

Unser Protest heute ist schon der dritte friedenspolitische Höhepunkt in diesem Jahr.
Bischöfin Käßmann hat mit den Worten in ihrer Neujahrspredigt für friedliche Alternativen in Afghanistan den Aufschlag gemacht. Die Kirchen schauen nicht schweigend zu, wenn Deutschland Krieg führt.
Vorige Woche haben mutige junge Menschen in Dresden den Aufmarsch der Rechten verhindert. Wo die Politik versagt hat die Zivilgesellschaft erfolgreich gehandelt!
Heute setzen wir hier in Berlin ein Zeichen: Wir stehen hier für die Mehrheit der Bevölkerung, die Frieden und Unterstützung für Afghanistan will, aber keinen Krieg!

Spätestens seit Kunduz, ist es allen im Land klar: die Bundeswehr baut in Afghanistan kein Brunnen. Die Soldaten tun, was Soldaten tun: sie kämpfen und töten. Es ist Krieg! Entrüstet euch! Bundesregierung und Parlament, macht euch darauf gefasst: Wir werden im Laufe des Jahres noch lauter werden! Am Hindukusch wird nicht unsere Freiheit verteidigt. Am Hindukusch wird ein armes Land in noch größere Armut gebombt. Das muss ein Ende haben!

Die Bilanz von acht Jahren Truppen in Afghanistan:
Eine Wirtschaft die am Grunde liegt, mehr Opiumanbau als je zuvor, Warlords an der Macht und ein Präsident, dessen Wahl Betrug und Desaster war. Die neue Strategie, die seit London verkündet wird ist nicht neu: Wieder sollen mehr Soldaten geschickt werden. Das ist keine Exit-Strategie- das ist eine Eskalation der Gewalt.

Und wieder wird versucht uns Sand in die Augen zu streuen. Mehr ziviler Aufbau wird gesagt und mehr Ausbildung der afghanischen Armee. Mehr Präsenz in der Fläche für mehr Sicherheit im Land. Faktisch heißt das: mehr Kämpfe, noch mehr zerstörte Dörfer, mehr Leid und Armut für die Bewohner der umkämpften Gebiete. Die afghanischen Soldaten sollen das Kämpfen gleich im Ernstfall üben. Das heißt: mehr tote Soldaten und mehr tote Zivilisten. Aber jeder tote Zivilist provoziert mehr Hass auf die internationale Präsenz im Land: Das ist kein Sicherungseinsatz: das ist ein Förderprogramm für die Taliban! Dazu sagen wir: Nein- Kein Soldaten mehr – ziviler Aufbau braucht zivile Kräfte!

Und die Friedensbewegung bietet eine Alternative:

Herr zu Guttenberg: Lassen Sie ihre Soldaten die Waffen niederlegen. Wer verhandeln will schießt nicht. Handeln Sie einen Waffenstillstand in der Region Kunduz aus. Gehen sie auf die Nationale Friedens Jirga in Afghanistan zu – die Kontakte haben wir, wir stellen sie Ihnen gerne zu Verfügung!

Herr Westerwelle, jetzt wo ihr Koalitionsfreund Geißler, sie als Esel geoutet hat- machen sie sich doch zum Goldesel! Die Goldstücke Ihrer Legislaturperiode als Außenminister sollten Abzugspläne sein! Als erstes der Abzug der letzten Atomwaffen aus Deutschland. Handeln sie mit Obama bilateral den Termin aus – das geht auch ohne die Nato. Das zweite Goldstück wäre der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan! Bleiben Sie nicht stur wie ein Esel!

Bundeskanzlerin Merkel, setzen Sie sich endlich wirklich für Frauenrechte ein! Holen sie die afghanischen Frauenorganisationen an den Verhandlungstisch. Ohne die Hälfte der Bevölkerung ist kein Staat zu machen. Bestehen sie in Verhandlungen mit Taliban auf den Menschenrechten der Frauen.

Abgeordnete des Deutschen Bundestages: Sagen Sie Nein. Verweigern sie dem neuen Mandat ihre Stimme! Haben Sie Mut zur Wahrheit: Der Militäreinsatz ist gescheitert! An die SPD und die Grünen, ihr habt zu diesem Einsatz schon so oft Ja Aber gesagt. Sagt doch endlich mal ein klares Nein. Kein Soldat mehr!

„Die Anwendung von Gewalt kommt überhaupt nur als "ultima ratio" in Betracht."

Interview mit Bischof Algermissen zum Engagement in Afghanistan

"Alle anderen Mittel, den fundamentalen Rechten von Menschen einen Weg zu bahnen, müssen ausgeschöpft sein. Es ist fraglich, ob es jenseits unmittelbarer Notwehr zur Verteidigung von Leib und Leben Ziele gibt, die den Einsatz militärischer Gewalt rechtfertigen können. Papst Johannes Paul II. hat das alles im Jahr 2003 angesichts des drohenden Irak-Krieges auf den Punkt gebracht: "Nein zum Krieg! Er ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Er ist immer eine Niederlage der Menschheit.“

So Heinz Josef Algermissen ist Bischof von Fulda und Präsident der deutschen Sektion von Pax Christi im Interview mit katholisch.de

Das gesamte Interview finden Sie auf den Seiten von katholisch.de

pax christi Präsident und Zdk-Vize Kortmann Erstunterzeichner aus der katholischen Kirche

Westerwelle soll Nuklearwaffenkonvention unterstützen

Wenige Wochen vor der Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags in New York fordert ein breites gesellschaftliches Bündnis der Zivilgesellschaft mutige Schritte zu einer atomwaffenfreien Welt. „Deutschland kann bei den Abrüstungsverhandlungen eine entscheidende Rolle spielen“, erklärte Reiner Braun, Geschäftsführer von IALANA heute in Berlin. Außenminister Guido Westerwelle solle sich in New York für eine Konvention zur Abschaffung der Atomwaffen einsetzen. Bei den Verhandlungen über die neue NATO-Strategie müsse der Außenminister sich für einen Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen stark machen.

„Mit dem Bekenntnis des amerikanischen Präsident Barack Obama zu einer Welt ohne Atomwaffen gibt es die historisch einmalige Chance, die Konferenz zu einem Erfolg zu führen. Die deutsche Bundesregierung muss sich für einen Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland einsetzen“, erklärte die pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann. Die Erstunterzeichner des Appells für eine Zukunft ohne Atomwaffen fordern die Bundesregierung auf, sich in New York für einen Stopp aller Modernisierungspläne für Atomwaffen und ihre Trägermittel, ein Nein zu Atomwaffen in der neuen NATO-Strategie sowie Sicherheitsgarantieren der Atomwaffenmächte gegenüber allen Nicht-Atomwaffenstaaten einzusetzen.

„Aus Sicht evangelischer Friedensethik kann die Drohung mit Nuklearwaffen nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung betrachtet werden“, sagte Renke Brahms, Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche. Er forderte die Politiker auf, endlich ihrer Verpflichtung zur atomaren Abrüstung aus Artikel VI des Atomwaffensperrvertrages nachzukommen.

Als Vertreter der Bürgermeister für den Frieden warb Peter Schüler, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung in Potsdam, für die kommunale Friedensarbeit. Die Stadt Potsdam, in der Truman und Churchill 1945 die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vorbereiteten, ist am 11./12. Juni 2010 Gastgeber der deutschen Sektion der Mayors for Peace.

Zu den Erstunterzeichnern des Appells „Für eine Zukunft ohne Atomwaffen“ gehören drei Gewerkschaftsvorsitzende, Bischöfe beider Kirchen, zwei Nobelpreisträger, Bürgermeister, Vorsitzende der großen Umweltverbände, Fachleute der Friedensforschungsinstitute und Kulturschaffende von Günther Grass bis Konstantin Wecker.

Der Aufruf für eine Welt ohne Atomwaffen wird am 4. Mai 2010 in New York an den UN-Generalsekretär Ban Ki Moon übergeben. Zu den Erstunterzeichnern des Appells „Für eine Zukunft ohne Atomwaffen“ gehören aus der katholischen Kirche Bischof Heinz Josef Algermissen, der Präsident der deutschen Sektion von pax christi und Karin Kortmann, Vize-Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Insgesamt 98 Personen, darunter: drei Gewerkschaftsvorsitzende, Bischöfe beider Kirchen, zwei Nobelpreisträger, Bürgermeister, Vorsitzende der großen Umweltverbände, Fachleute der Friedensforschungsinstitute und Kulturschaffende von Günther Grass bis Konstantin Wecker.

Der deutsche Koordinationskreis „NPT2010“, dem pax christi, die Gerwerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Internationalen Juristinnen und Juristen gegen den Atomkrieg (IALANA), die Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), die Bürgermeister für den Frieden und die Kampagne „Unsere Zukunft atomwaffenfrei“ angehören, sammelt weitere Unterschriften unter den Appell.

Erfolgreiche Zusammenkunft in Dresden erbrachte offene inhaltliche und strukturelle Fragen, die im Lauf des kommenden Jahres geklärt werden sollen

Eine kommissarische Sprecher/innengruppe, der von katholischer Seite Christine Hoffmann angehört, wird in den kommenden Monaten das Profilpapier weiter entwickeln und die Rahmenbedingungen für die BAG konkretisieren. Im nächsten Jahr kann dann zur faktischen Gründung geschritten werden.

pax christi beteiligt sich am 12.02.2010 an der Gründung einer ökumenischen Bundesrabeitsgemeinsachaft "Kirchen für Demokratie - gegen Rechtsextremismus"

Die Initiative zur Gründung geht u.a. von Aktion Sühnezeichen aus. Im Gründungsaufruf heißt es u.a.:

An vielen Stellen engagieren sich Initiativen und demokratische Netzwerke gegen diese Entwicklung. Auch kirchliche Initiativen und Arbeitsgruppen haben sich auf der Grundlage des christlichen Menschenbilds in den vergangenen Jahren immer wieder mit rechtsextremen Erscheinungsformen sowohl innerhalb der Kirche als auch in deren Umfeld auseinander gesetzt. Damit machen sie deutlich, dass menschenverachtende, rassistische, antisemitische und demokratiefeindliche Einstellungen mit dem christlichen Glauben unvereinbar sind.

Ein gemeinsames Forum gegen Rechtsextremismus Bislang fehlt innerhalb kirchlicher Strukturen und Werke eine Vernetzungs- und Kommunikationsplattform für solche Initiativen und Arbeitsgruppen, die sich für eine demokratische Kultur gegen Rechtsextremismus einsetzen. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Aufrufes wollen mit der BAG Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus (BAGKR) ein Forum schaffen, das den Austausch und die Zusammenarbeit dieser Initiativen ermöglicht und als Basis gemeinsamer politischer Interventionen dienen kann.

Die pax christi-Kommission Friedenspolitik begrüßt die seit der Jahreswende wieder aktualisierte intensive Diskussion um die friedensethische Positionierung der Kirchen. Das EKD-Wort vom 25.01.10 zu Afghanistan allerdings ist der pax christi-Kommission Anlass, auf Relativierungen hinzuweisen und die Fortsetzung der begonnenen Diskussion anzumahnen.

pax christi-Kommission Friedenspolitik kommentiert das EKD-Papier „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“

„Wir sehen die Notwendigkeit eines möglichst breiten, innerkirchlichen und -gesellschaftlichen Dialogs über eine wirklich verantwortungsvolle Friedensethik, die sich aktuell am Fall Afghanistan bewähren kann und muss“, betont Christof Grosse, der Sprecher der pax christi-Kommission Friedenspolitik und fordert gerade in den brisanten Fragen wie der zivil-militärische Zusammenarbeit und den Kriterien für den Einsatz von Gewalt zu klarer, theologisch fundierter Debatte auf.

pax christi lädt ein, am Freitag, den 12. Februar Gottesdienste für Haiti zu gestalten

Die katholische Kirche und zwei pax christi-Mitgliedsorganisationen in Haiti, Pax Christi Port-au-Prince und die dortige Kommission Justitia et Pax, laden alle pax christi-Mitgliedsgruppen weltweit ein, am Freitag, den 12 .Februar 2010 einen internationalen Gebetstag für Haiti zu gestalten.

Pax Christi Port-au-Prince ermutigt alle nach einem Gottesdienst am 12.02.2010 für Haiti Friedenstauben fliegen zu lassen; als Zeichen für Liebe und Frieden in der Welt.

Für den Gottesdienst macht die Gemeinschaft in Taizé einen konkreten Gestaltungsvorschlag, der aufgegriffen werden kann.

„Der Atomwaffensperrvertrag muss entscheidend gestärkt werden. Deutschland kann zum Erfolg seiner Überprüfungskonferenz im Mai 2010 in New York beitragen, indem es einen konkreten Fahrplan für den im Koalitionsvertrag vereinbarten Abzug der in Büchel gefechtsbereit lagerten amerikanischen Atomwaffen vorlegt.“ erklärt pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann, heute in Berlin anlässlich des Treffens von Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Egon Bahr und Richard von Weizsäcker mit Elder-Statesman aus den USA. Beide parteiübergreifende Quartette haben im vergangenen Jahr Appelle für eine Politik der Atomaren Abrüstung veröffentlicht. Heute treffen sie sich in American Academy in Berlin zum Gespräch.

Amerikanische und deutsche Ex-Politiker unterstützen in Berlin den Weg zur Zukunft ohne Atomwaffen

„Für die Überprüfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrages 2010 wird entscheidend sein, dass die Atomwaffenstaaten endlich ihre Verpflichtung nach Artikel VI des Vertrages zur Verringerung ihrer Arsenale einlösen. Erfreulicherweise wird die Konferenz international mit hohem Engagement vorbereitet. Das zeigt den großen politischen Willen, die Konferenz zu einem Erfolg zu machen.“ betont Xanthe Hall, die Abrüstungsexpertin der IPPNW und Mitbegründerin des weltweiten Netzwerks "Abolition 2000" für die Abschaffung aller Atomwaffen.

„Die Friedensbewegung lenkt mit zahlreichen Veranstaltungen die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages. Besonders wichtig ist der internationale Kongress „Friedenskultur.2010 – Unsere Zukunft atomwaffenfrei“ in Essen.“ informiert der Landesgeschäftsführer Deutsche Friedensgesellschaft- Vereinigte Kriegsdienstgegner/innen NRW, Joachim Schramm.

Bei diesem Kongress werden zahlreiche bekannte Expert/innen die Situation der atomarer Bedrohung und Möglichkeiten zu deren Eindämmung diskutieren. Horst-Eberhard Richter, Psychoanalytiker und eine der Gallionsfiguren der deutschen Friedensbewegung, ist dabei, ebenso Alyn Ware aus Neuseeland, Träger des Alternativen Nobelpreises 2009 sowie Sergio de Queiroz Duarte aus Brasilien, Hoher Repräsentant der UN für Abrüstungsfragen. Weiterhin diskutieren mit: Mohssen Massarat von der Universität Osnabrück, Götz Neuneck vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg, Horst Schmitthenner von der IG Metall, Uta Zapf, MdB und Ko-Präsidentin der Parlamentarier für nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung.

Im Anschluss an den Kongress findet am 21. März die Matinee „Künstler/innen für den Frieden“ in der Lichtburg Essen statt. Unter anderem treten dort Konstantin Wecker, Stoppok und Bettina Wegner auf. Telefonische Kartenreservierung unter 0201-23 10 23.

Veranstaltet werden Matinee und Kongress von der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner/innen (DFG-VK), der Internationalen Katholischen Friedensbewegung pax christi, der IPPNW - Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung gemeinsam mit dem Essener Friedensforum.

„Angesichts der von Nato und Regierung Karsai angestrebten Übereinkunft mit den Taliban besteht die Gefahr, dass die Menschenrechte der afghanischen Frauen und Mädchen erneut geopfert werden.“ warnt pax christi - Generalsekretärin, Christine Hoffmann. „Es ist unbedingt erforderlich, die UN-Resolution 1325 in die Afghanistan-Strategie einzubeziehen!“

Denn: Ohne Frauen ist auch in Afghanistan kein Staat zu machen

In der völkerrechtlich verbindlichen UN-Resolution 1325 vom Oktober 2000 wird die Einbeziehung von Frauen auf allen Ebenen von Friedens- und Wiederaufbauprozessen gefordert.

Im Falle von Afghanistan bedeutet dies:

afghanische Frauen müssen im sogenannten „Versöhnungsprozess“ Sitz und Stimme bekommen,

ihre Menschenrechte müssen garantiert werden

die Sicherheitskräfte müssen Frauen und Mädchen sowie die Zivilbevölkerung insgesamt besser einbeziehen und schützen.

Auf Initiative des Frauensicherheitsrates www.frauensicherheitsrat.de haben sich in Berlin rund ein Dutzend Organisationen getroffen, um bundesweite Aktivitäten zum 10. Jahrestag der UN-Resolution 1325 zu koordinieren. „Frieden ist unmöglich, wenn die halbe Bevölkerung ausgeschlossen wird“, heißt es in einem Statement des Afghan Women´s Network und des UN-Frauenfonds Unifem in London (Unifem Press Release vom 27.1.), und die in Berlin versammelten Organisationen schließen sich dem ausdrücklich an.

"Die massive Verstärkung der militärischen Einsatzkräfte ist keine Exitstrategie", urteilte Christine Hoffmann, Generalsekretärin von Pax Christi. Damit setze die internationale Gemeinschaft den Prozess der Gewalteskalation fort. Zu begrüßen seien allerdings die Initiativen der Londoner Konferenz zur schrittweisen Übertragung der Sicherheitsaufgaben auf einheimische Kräfte und die Einberufung einer Loja Dschirga, einer großen Ratsversammlung. Pax Christi fordert mit dem Truppenabzug jetzt zu beginnen und den zivilen Aufbau und Wirtschaftshilfen in ziviler Verantwortung zu stärken.

Einen Tag nach der Londoner Afghanistan-Konferenz haben Pax Christi und IPPNW auf einer Pressekonferenz in Berlin die Ergebnisse bewertet

Krieg macht krank. Damit Frieden geschaffen werden kann, benötigt die Afghanistanpolitik einen radikalen Politikwechsel: Eine zivile Konfliktbearbeitung muss die gescheiterte militärgestützte Kriegspolitik ablösen", erklärte die Vorsitzende der IPPNW, Dr. Angelika Claußen. Der von Westerwelle verkündete sogenannte "Strategiewechsel" sei eine gezielte Täuschung der Öffentlichkeit. Verschwiegen werde der Beschluss des NATO-Oberkommandierenden Mc Crystal, wonach 5000 US-Soldaten und 48 Hubschrauber in die unter deutschem Kommando stehenden Nordprovinzen verlegt werden.

Die Soziologin Mariam Notton forderte für Afghanistan ein Neutralitätsabkommen nach dem Beispiel von Laos. Dies würde auch einen Nichteinmischungsvertrag für die im Konflikt beteiligten Länder bedeuten. Das Amnestiegesetz von 2006 müsse rückgängig gemacht werden. Die Konten der Kriegsverbrecher, der Warlords und der Drogenmafia im Ausland sollten eingefroren und die Gelder zurück nach Afghanistan transferiert werden.

Als Präsident der deutschen Sektion der Internationalen Friedensbewegung pax christi feierte er anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem offiziellen „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, in der Essener Pax-Christi-Kirche ein Pontifikalamt.

Bischof Heinz Josef Algermissen aus Fulda war Gast der pax christi Bewegung im Bistum Essen.

weiter schreibt das Bistum Essen: Mit dem feierlichen Gottesdienst wolle die Katholische Friedensbewegung pax christi Essen ein besonderes Zeichen der Erinnerung und gegen das Vergessen setzen, betonte Bischof Algermissen zu Beginn seiner Predigt. Denn bis heute seien Mechanismen der Vedrängung wirksam. Algermissen sprach sich gegen eine Kollektivschud aus. Viele hätten ihre persönliche Schuld eingestanden, allerdings seien darüber hinaus weit mehr Deutsche schuldig geworden. „In verschiedenem Grad haben ebenso die Mitläufer und alle diejenigen, die wegegesehen haben, Mitschuld auf sich geladen, auch in unserer Kirche“, so der Bischof aus Fulda.

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust möchten wir Sie auch auf einige Angebote der pax christi Bewegung im Jahre 2010 hinweisen, die über den Gedenktag hinausreichen.

Samstag, 27. März 2010 Besuch in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Fürstenberg (Havel) im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit. Ein Angebot der pax christi Bistumsstelle Berlin.

Samstag, 12. Jun 2010 13:00 Uhr "Friedenswerkstatt vor Ort": Besuch des Dokumentations- und Informationszentrums Emslandlager (DIZ), Papenburg Ein Angebot der pax christi Regionalstelle Osnabrück-Hamburg

Montag, 23. bis Sonntag, 29. August 2010 „Erinnern für die Gegenwart“ Studienreise von Halle/Saale nach Auschwitz und Krakau; Ein Angebot der pax christi Regionalstelle Ost in Kooperation mit regionalen Trägern

Sonntag, 10. bis Samstag, 16. Oktober 2010 pax christi Reise nach Stettin/Szczecin und Danzig/Gdansk Ein Angebot der pax christi Regionalstelle Osnabrück-Hamburg

Vielleicht ist es Ihnen möglich eines dieser Angebote wahrzunehmen. Sie sind herzlich eingeladen und willkommen. Nähere Informationen zu den Angeboten finden Sie unter der Rubrik Termine auf unserer Homepage www.paxchristi.de .

Der 27. Januar, der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, ist ein Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Dieser Tag ist aber auch Anlass, Voraussetzungen zu benennen, damit Erinnerung für die Zukunft gelingt.

65 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz - Das Gedenken neu verankern

Denn 65 Jahre nach Ende des Holocaust, des Nationalsozialismus und des II. Weltkriegs in Europa und Asien findet eine Zäsur statt. Der lebensgeschichtliche Kontext der Erinnerungen endet mit der Generation der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.

Sie, die in unterschiedlicher Betroffenheit Krieg und Holocaust erlebt haben, verlassen den Raum gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Damit beginnt unabwendbar und unumkehrbar die Historisierung der Ereignisse. Die Möglichkeit wie auch die Notwendigkeit, Kenntnisse weiter zu vermitteln und zu deuten, nehmen zu.

Aus Anlass der Internationalen Afghanistan-Konferenz am 28. Januar 2010 in London fordert der Präsident der deutschen pax christi Sektion, Heinz Josef Algermissen die Bundesregierung zu einem Kurswechsel in der Afghanistanpolitik auf.

Präsident Bischof Heinz Josef Algermissen fordert einen Kurswechsel in der Afghanistanpolitik

In der Erklärung des Bischofs heißt es dazu unter anderem: „Gerade wer den deutschen Soldaten und Soldatinnen in Afghanistan den Rücken stärken will, muss den Mut zur Wahrheit haben und das Scheitern des bisherigen Afghanistan-Einsatzes offen benennen. Der in den Petersberger Gesprächen 2001 vereinbarte Prozess hat in die Sackgasse der kriegerischen Eskalation geführt. Ein massiver Widerstand, wie er sich inzwischen im Norden Afghanistans gegen die ISAF-Mission formiert, ist nicht mit militärischen Mitteln zu überwinden. Der Frieden für Afghanistan muss von innen wachsen. Er kann nur dann von außen gefördert werden, wenn die Mittel dazu geeignet sind, die Zivilgesellschaft und ihre Fähigkeit zum Dialog, zum Ausgleich gesellschaftlicher Kräfte und zur Konfliktregulierung zu stärken.

Wenn also die Bundesregierung den Aufbau ziviler Strukturen in Afghanistan fördern und den Kampf gegen den Terror effektiv gestalten will, muss sie jetzt mit der selbst beschworenen Exit-Strategie ernst machen. Es wäre fatal, wenn hinter dem „Vorhang“ eines erhöhten zivilen Engagements an der militärischen Präsenz festgehalten oder gar das deutsche Kontingent erneut aufgestockt würde. Eine konsequente Politik der Stärkung der Zivilgesellschaft und der staatlichen Strukturen wird durch einen Abzug des Militärs nicht geschwächt, sondern gewinnt dadurch erst an Glaubwürdigkeit. Die Bundesregierung muss jetzt Signale für eine solche erneuerte Afghanistan-Politik setzen und ihre Bündnispartner dafür gewinnen.“

Die Kundgebung mahnt aus Anlass der gemeinsamen Sitzung von Mitgliedern der deutschen und der israelischen Regierung am 18. Januar in Berlin ein Ende der menschenverachtenden Blockade des Gazastreifens und einen Stopp deutscher Waffenlieferungen nach Israel an.

pax christi-Nahostkommission ruft auf zur Kundgebung in Berlin am 18.1.10

Weitere Themen der Kundgebung sind die geplante Ausweitung der Rüstungskooperation zwischen der israelischen Regierung und der Bundesregierung, die Forderung nach Freilassung palästinensischer Anti-Mauer Aktivisten wie Abdallah Abu Rahma und die Forderung danach, alle für Kriegsverbrechen Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Diesbezüglich wird auf den Bericht der Untersuchungskommission des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen über den Gaza-Krieg („Goldstone- Report“) verwiesen, der Kriegsverbrechen beider Seiten anprangert.

 

Im Aufruf heißt es dazu u.a.:

"Die gemeinsame Kabinettsitzung erweckt den Eindruck, dass die deutsche Regierung die Unterdrückung des palästinensischen Volkes und die israelischen Menschenrechtsverletzungen stillschweigend hinnimmt, ja sie unterstützt.

Eine immer engere Zusammenarbeit ist nicht nur in den Bereichen Wissenschaft, Jugendaustausch, Umwelt geplant, sondern es steht auch eine Verstärkung der deutsch-israelischen Rüstungskooperation bevor. Das ist ein eindeutiger Verstoß gegen das Verbot, Waffen in Kriegs- und Krisengebiete zu liefern.

Laut Zeitungsberichten „will die israelische Regierung möglichst bald zwei moderne Kriegsschiffe und ein weiteres U-Boot in Deutschland bauen lassen. Für die Finanzierung soll die Bundesregierung aufkommen“. Zur Zeit werden zwei „U-Boote mit Brennstoffzellenantrieb“ für Israel in Kiel gebaut. (Hannoversche Allgemeine Zeitung 22.10.2009) Der Bundeskanzlerin und der deutschen Regierung muss bewusst sein, dass sie damit einen weiteren Krieg im Nahen Osten möglich machen und einen eventuellen israelischen Krieg gegen Iran mit vorbereiten helfen!

Ort und Zeit der Protestkundgebung: Montag, 18.1.10 von 11.00 – 13.00 Uhr in Berlin, südlich des Kanzleramtes. Die pax christi-Nahostkommission ist eine von über 50 Organisator/innen, die sich in ihrem Aufruf gegen die israelische Besatzungs- und Siedlungspolitik wenden.

Jamal Juma, der Koordinator der „Stoppt-die-Mauer-Kampagne“ ist gestern Abend, am 12. Januar freigelassen worden, nachdem er am 16. Dezember verhaftet worden war.

Jamal Juma

40 weitere Anti-Mauer Aktivisten noch in israelischer Haft

„Leider ist das noch kein Grund, dass wir unsere Proteste einstellen könnten“, erklärt pax christi-Vizepräsidentin Wiltrud Rösch-Metzler, „da zahlreiche andere palästinensische Menschenrechtsverteidiger weiterhin in Haft sind. Derzeit sind nach Angaben von "Stop the Wall" rund 40 Anti-Mauer-Aktivisten in israelischer Haft. Von rund 8.500 palästinensischen politischen Gefangenen sind fast 300 in sogenannter Administrativhaft, d.h. ohne Anklage oder Verfahren im Gefängnis.“

„Wie bei anderen palästinensischen Menschenrechtsverteidigern in israelischen Gefängnissen gab es nie eine gerichtliche Anklage“, erläutert Juma nach seiner Freilassung die Hintergründe seiner Verhaftung. „Der Grund für meine Haft war rein politisch – ein Versuch „Stoppt die Mauer“ und die Komitees gegen die Mauer zu zerschlagen. Deshalb sind die Gründe für meine Freilassung auch außergerichtlich: Der unglaublich starke Rückhalt der internationalen Zivilgesellschaft hat Regierungen und Medien bewegt und meine Gefangenschaft wurde unbequem.“

Der international renommierte palästinensische Menschenrechtsrechtsverteidiger Jamal Juma war im Juni 2009 Referent auf einer pax christi Nahost-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Seine Organisation, „Stop the wall“, ein Zusammenschluss palästinensischer Nichtregierungsorganisationen, ist Partner des „Deutschen Koordinationskreises Palästina Israel – für ein Ende der Besatzung und einen gerechten Frieden“ (KoPI), in dem auch pax christi mitwirkt.

Die Europäische Union muss sich für die Freilassung palästinensischer Menschenrechtsaktivisten aus israelischer Haft einsetzen.

EU soll Israel an Pflichten aus Verträgen erinnern

Die Europäische Union muss sich für die Freilassung palästinensischer Menschenrechtsaktivisten aus israelischer Haft einsetzen. Dies fordern die katholische Friedensbewegung pax christi, die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges IPPNW, attac AG Globalisierung und Krieg, und andere im „Deutschen Koordinationskreis Palästina Israel“ zusammengeschlossenen Nichtregierungsorganisationen sowie zahlreiche weitere Organisationen in Europa und Palästina in einem Brief an die EU-Außenvertreterin Catherine Ashton.

Die Verhaftungen zeigten, dass Israel seinen Verpflichtungen aus den Verträgen mit der EU wie beispielsweise dem Assoziationsabkommen und dem Aktionsplan nach Respektierung der Menschenrechte nicht nachkommt. Bestehende und zukünftige Verträge zwischen der EU und Israel müssten danach überprüft werden, ob Israel internationales Recht und Menschenrechte einhält.


Die EU konstatiert in ihren Richtlinien über den Schutz von Menschenrechtsverteidigern, dass über die Jahre der Schutz für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen größer geworden ist, oft jedoch zu einem hohen Preis. Die Verteidiger würden in vielen Ländern immer mehr selbst angegriffen. Die EU glaubt deshalb, dass es wichtig ist, Sicherheit für Menschenrechtsverteidiger herzustellen und ihre Rechte zu schützen.


Die von Israel verhafteten palästinensischen Menschenrechtsverteidiger Jamal Juma, Mohammed Othman und Abdallah Abu Rahma wehren sich gegen den völkerrechtswidrigen Mauerbau und die damit verbundene Landenteignung. Gestützt wird ihre Position durch ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Mauer, das von der UN-Vollversammlung angenommen wurde. Die inhaftierten Menschenrechtsverteidiger sind der für die besetzten Gebiete geltenden Militärgerichtsbarkeit unterworfen, die internationalen Standards eines fairen Verfahrens nicht entspricht.

Generalsekretärin Hoffmann sicherte der Ratsvorsitzenden der EKD heute in einem Schreiben volle inhaltliche Solidarität für die in ihrer Neujahrspredigt geäußerte Kritik am Afghanistankrieg zu und bedankte sich für Käßmanns mutigen Einsatz für den Frieden

Für das bevorstehende Gespräch mit dem Verteidigungsminister wünschen wir Kraft und Gottes Segen

Im Schreiben der Pax Christi-Generalsekretärin heißt es u.a.

"Bitte, nehmen Sie keins Ihrer Worte zurück und kündigen Sie an, dass im Jahr 2010 die Kritik aus der Bevölkerung an der Afghanistanpolitik der Bundesregierung lauter und nicht leiser werden wird. Sie stehen nicht alleine da. Ihnen wie auch pax christi geht es nicht darum, den im Einsatz befindlichen Soldat/innen die Solidarität zu entziehen, sondern darum dafür zu sorgen, dass diesen nur realisierbare und dem Friedensauftrag des Grundgesetzes gemäße Aufgaben erteilt werden. Das ist die Aufgabe des Parlaments und damit Ausdruck der gesellschaftlichen Willensbildung.

Bitte gehen Sie in das Gespräch am 11. Januar mit dem Wissen, dass die von Ihnen in Ihrer Neujahrspredigt vorgetragenen Gedanken von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung geteilt werden. Sie haben an prominenter Stelle ausgesprochen, was viele gemeinsam mit Ihnen schon lange denken und sagen: Deutschland braucht ein konkretes Ausstiegsszenario aus der Spirale der Gewalt, in die die Bundeswehr durch ihre Beteiligung am ISAF - Mandat der NATO in Afghanistan verwickelt ist. Der - so haben Sie trefflich formuliert - “vermeintlich so pragmatische Ruf zu den Waffen” ist in der aktuellen Situation in Afghanistan aussichtslos. Der Frieden in Afghanistan ist militärisch nicht zu erreichen."

pax christi fordert die Freilassung von Jamal Juma

Brief an israelische Botschaft

Vor 20 Tagen wurde der Koordinator der palästinensischen Anti-Apartheid-Mauerkampagne Jamal Juma gefangen genommen und ist seither in Haft. Die dt. Sektion von pax christi protestiert gegen die Verfolgung, die Einschüchterungsversuche und die Kriminalisierung des gewaltfreien Widerstandes gegen die Besatzung in Palästina und fordert die sofortige Freilassung der Inhaftierten.
"Ist es die Absicht der israelischen Politik auch die letzten Gesprächspartner auf palästinensischer Seite mit Gewalt zum Schweigen zu bringen?" fragt pax christi Vizepräsidentin Wiltrud Rösch-Metzler den israelischen Botschafter Yoram Ben Zeev in ihrem Brief v. 5.1.2010.

Zur Hintergrundinformation auch den Report von Addameer und Stop the Wall vom Juli 2009 "Repression allowed, Resistance denied" über die zunehmende Repression

Das päpstliche Leitwort zum Weltfriedenstag 2010 „Willst du den Frieden, bewahre die Schöpfung“ setzt sich deutlich von der Idee der Kriegsverhinderung durch Kriegsvorbereitung ab. Die christliche Friedenslehre verwirft damit ein weiteres Mal den Irrtum, Krieg könne Frieden schaffen, der sich seit der Antike, in dem Sprichwort „Willst du den Frieden, bereite den Krieg vor“ tradiert hatte. Diese starke Veränderung des Blickwinkels, lenkt unsere Aufmerksamkeit zugleich auf den Weg zum Frieden wie auf die Ursache von Kriegen – die Bewahrung oder die Zerstörung der Schöpfung.

Wie ist es denn um die Schöpfung bestellt?

Die Zerstörung der Schöpfung, der natürlichen Lebensgrundlagen von Mensch, Tier und Pflanze hat eine Dynamik erreicht, die uns heute de facto in die Verantwortung stellt, zu retten, was zu retten ist. Weltweit ist die Natur von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht. Folgen des ungebremsten Ausstoßes von Treibhausgasen sind die globale Erwärmung, steigende Meeresspiegel, schmelzende Gletscher, Verschiebung von Klimazonen, Vegetationszonen und Lebensräumen, Wetterextreme wie Überschwemmungen und Dürren.

Wir wissen um die Ursachen dieser Katastrophen. Wir kennen die Gründe, die im Wirtschaften und Lebensstil der Industrieländer der nördlichen Halbkugel liegen. Ebenso wissen wir, dass wir als Angehörige eines der reichen Länder des Nordens zurzeit noch viel weniger von den Auswirkungen der Klimakatastrophe betroffen sind als die Menschen in den Ländern des Südens. Wir spüren, dass unsere Solidarität gefordert ist.

Wie ist es denn um den Frieden bestellt?

Es wird Krieg geführt. Am 1. Januar 2009 waren es 34 Länder die unter Krieg und gewaltsam ausgetragenen Konflikten zu leiden hatten:

Algerien, Tschad, Darfur im Sudan, Westsahara, Mali, Casamance im Senegal, Niger, Zentralafrikanische Republik, Äthiopien und Eritrea, Somalia, Ostkongo, Norduganda, Abchasien, Georgien, Südosetien, Nagorny Karabach, Tschetschenien, Israel und Palästina, Libanon, Irak, Afghanistan, Pakistan, Kaschmir, der indische Bundesstaat Nagaland, Sri Lanka, Myanmar, Südthailand, Nordkorea , Südkorea, das Volk der Hmog, West-Papua, Kolumbien

Wir wissen um die Ursachen der Kriege. Verteilungs- und Ressourcenfragen sind weltweit der häufigste Ausgangspunkt von Konflikten, die gewaltsam und kriegerisch ausgetragen werden. Da wird die Verbindung von potentiellem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung ganz konkret. Warum? Die fossilen Energieträger – allen voran das Öl - auf die die reichen Länder sich so angewiesen fühlen, finden sich größtenteils nicht auf dem Gebiet der nördlichen Industrienationen. Vor Jahren prangte ein Aufkleber mit dem Slogan „Was macht unser Öl unter deren Sand?“ auf vielen Autos. Prägnanter lässt sich der Besitzanspruch, der seit dem 1. Weltkrieg zum Antreiber für Kriege gehört, kaum auf den Punkt bringen.

Der Lebensstil des Nordens, unser Lebensstil, beruht ganz wesentlich auf der Ausbeutung der Ressourcen des Südens. Nicht nur Öl, auch bspw. Coltan, aus dem Kongo , ohne das kein Handy gebaut wird oder Erdgas, Uran und Kupfer sind von hoher Bedeutung. Nur wenn die strukturelle Gewalt der gegenwär¬tigen Wirtschafts¬beziehungen überwunden wird, wenn allen der Zugang zu Ressourcen und Ent-wicklungsperspektiven eröffnet werden, können Frieden und Sicherheit für alle Menschen entstehen. Stattdessen hat diese Struktur der Ungerechtigkeit Eingang in die sogenannten Sicherheitskonzepte gefunden und wird nach militärischer Logik verteidigt. Die Konflikte um Zugang und Verfügungsmacht über die Bodenschätze der Erde (die Rohstoffe des westlichen Luxus) sind es, die militärisch-kriegerisch ausgetragen werden.
Das westliche Verteidigungsbündnis NATO und auch die Bundeswehr verschweigen nicht, dass sie ihre Aufgabe in der weltweiten Sicherung des „freien und ungehinderten Welthandel(s) als Grundlage unseres Wohlstandes“ (Weißbuch der Bundeswehr 2006, 1.3) sehen. "In hohem Maße“ sei Deutschland „von einer gesicherten Rohstoffzufuhr und sicheren Transportwegen in globalem Maßstab abhängig. [...] Energiefragen werden künftig für die globale Sicherheit eine immer wichtigere Rolle spielen." (ebd.) Geostrategische Interessen dominieren die heutigen Kriege, auch wenn zur Begründung eher Verpflichtung und Bereitschaft zur „Übernahme von Verantwortung“ für so hohe Güter wie Menschenrechte, Schutz von Minderhei¬ten, Demokratie und Gleichberechtigung von Frauen als Ziele militärischer Interventionen propagiert werden. Solche Argumente haben zu einer politisch-moralischen Aufwertung der militärischen Gewalt als akzeptables Mittel zur Wahrung höchster Werte und zur Durchsetzung edler Ziele beigetragen. Die verheerende Wirkung der Kriege für Land und Leute, ob in Afghanistan oder anderswo aber bleibt und steht der Friedensbotschaft Jesu entgegen.

Was heißt das für uns?

Das diesjährige Leitwort hat appellativen Charakter. Es spricht uns ganz persönlich an: Willst du den Frieden, bewahre die Schöpfung. Es wirft uns mitten hinein in den globalen Zusammenhang, in die internationalen - auch wirtschaftlichen – Verflechtungen, die jede/n von uns mit der Herausforderung verbinden, Frieden zu schaffen und die Schöpfung zu bewahren. Es ist ein wahrhaft politisches Motto, das uns stärkt im Wunsch mit unserem Handeln etwas zu bewirken. Es ruft uns auf, aktiv zu sein im Engagement für die Eine-Welt, in der Friedensarbeit oder den sozialen Bewegungen für Gerechtigkeit – gerade weil wir wissen, dass Umweltzerstörung und Kriege auch in diesem Moment Teile von Gottes Schöpfung unwiederbringlich vernichten.

Christine Hoffmann
Generalsekretärin der deutschen Sektion der Internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi

Gaza: Ein Jahr nach dem Krieg / Interview mit Vizepräsidentin W.Rösch-Metzler

Eine detaillierte Analyse zur Situation der palästinensischen Bevölkerung im Gaza-Streifen und zur Einschätzung der bundesdeutschen Nahostpolitik gibt Wiltrud Rösch-Metzler, Vizepräsidentin der deutschen pax christi - Sektion im Interview am 23.12.2009 mit domradio Köln. Das Interview kann hier in voller Länge angehört werden .

Interview mit pax christi - Vizepräsidentin Wiltrud Rösch-Metzler zur aktuellen Situation in Bethlehem

Die ganze Welt schaut zu Weihnachten auf die Stadt Bethlehem im Nahen Osten, wo Jesus geboren wurde. Was wäre eigentlich, wenn Jesus im Jahre 2009 in Bethlehem geboren würde? In einer Stadt im Westjordanland, bewohnt von Palästinensern, die von einer acht Meter hohen israelischen Mauer umgeben sind. Wiltrud Rösch-Metzler, Nahostexpertin und Vizepräsidentin der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi", die vor kurzem Bethlehem besucht hat, im Gespräch mit Christian Turrey.

Möge der Frieden weltweit soziale Wirklichkeit werden. Mögen wir alle das Gefühl der Verbundenheit mit allen Menschen weltweit zulassen und aus diesem Empfinden heraus unser Handeln gestalten - Weihnachten und alle Tage.

Möge die Erfahrung der Stille, die Kraft der Begegnung und die Freude über den Frieden Jesu Christi allezeit in unseren Herzen brennen.

Bleiben Sie gesund und uns verbunden. Bleiben Sie im Kontakt mit uns auch wenn Sie uns widersprechen und unsere Positionen nicht teilen. Der Segen Gottes sei mit allen.

Christine Hoffmann
Generalsekretärin

Zum Jahrestag des Gaza-Krieges fordert pax christi die Aufklärung von Kriegsverbrechen, ein Ende der Blockade und neue Gesprächsinitiativen

Ein Jahr nach der Bombardierung des Gazastreifens am 27. Dezember 2008 ist die humanitäre Situation für die Menschen in Gaza besorgniserregender denn je. Politische Lösungen für eine Beendigung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern sind in Folge des Krieges in weite Ferne gerückt. In dieser scheinbar ausweglosen Situation müssen Deutschland und die Europäische Union ihre Anstrengungen für eine Konfliktlösung verstärken.

Auch nach dem Ende des Krieges betreibt Israel als Besatzungsmacht im Gazastreifen eine verhängnisvolle Blockadepolitik. Lebensnotwendige Einfuhren werden nicht zugelassen, so dass achtzig Prozent der Bevölkerung inzwischen von Nahrungsmittelhilfen abhängig sind. Das Bildungs- und Gesundheitssystem ist zusammengebrochen und tausende von Arbeitsplätzen sind verloren gegangen. Mitarbeiter/innen von humanitären Hilfsorganisationen und sogar EU-Delegationen wird der Zugang zu Gaza verweigert.

Auf der politischen Ebene herrscht lähmender Stillstand. Voraussetzung für neue, notwendige politische Schritte ist, dass beide Seiten die von ihnen begangenen Kriegsverbrechen aufdecken. Diese sind seit dem vergangenen Herbst in einem UN-Untersuchungsbericht dokumentiert, dem sogenannten Goldstone-Bericht, benannt nach seinem Verfasser, dem südafrikanischen Richter Richard Goldstone. Noch gibt es aber insbesondere auf Seiten der israelischen Regierung keine Anzeichen, diesen Bericht zur Grundlage politischer Gespräche mit den Palästinensern zu machen.

In dieser Situation fordert pax christi die Bundesregierung auf, sich nachdrücklich für eine Beendigung der Blockade des Gazastreifens einzusetzen und auf eine Aufarbeitung der Kriegsverbrechen des Gaza-Krieges zu drängen.

Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung den Goldstone-Bericht nicht zur Kenntnis nimmt. Wenn Frieden wirklich ein Anliegen der neuen Bundesregierung ist, dann muss sie der Wahrheit über diesen Krieg auch Gehör verschaffen. Ohne eine tatsächliche Aufarbeitung der Schuldverstrickungen beider Kriegsparteien kann es keine neuen Initiativen zu politischen Lösungen geben.

Bundesregierung und Europäische Union müssen stärker als bisher ihre Verantwortung gegenüber dem Konflikt im Nahen Osten wahrnehmen. Hierzu gehört auch das das Gespräch mit Hamas zu suchen und somit ihre Integration in die PLO zu unterstützen.

Es ist höchste Zeit, auf der Grundlage des Völkerrechts klar Position zu beziehen, wenn die Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten nicht nur aus Worten bestehen sollen.

Brüssel-Kinshasa, 18.12.2009: Priester und Ordensleute sind nach Einschätzung belgischer Experten im Osten des Kongo nicht länger sicher. Selbst Bischöfe würden in der Region zunehmend eingeschüchtert und sogar mit dem Tod bedroht, berichteten Kongo-Spezialisten am Freitag im katholischen Internet-Informationsdienst "kerknet". In der Region hatte es zuletzt mehrere Mordanschläge gegen Priester und Ordensleute gegeben. Allein in diesem Monat waren ein Geistlicher und eine Ordensfrau getötet worden.

Pax Christi International informiert

Die Kongo-Expertin der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi Flandern", Hilde Deman, sagte, Priester und Ordensleute würden wegen ihrer Rolle in der Gesellschaft zunehmend gezielt angegriffen. Die Botschaft sei klar: Wer sich gegen Menschenrechtsverletzungen wende, mache sich selbst zum Ziel. Die Kirche stelle die einzigen noch funktionierenden Einrichtungen in der Region und habe durch Schulen, Krankenhäuser und Sozialdienste großen Einfluss auf die Bevölkerung. Ziel der Attentate sei daher auch Einschüchterung.

„Es ist eine Frage der politischen Ethik, ob, wie viel und wohin Deutschland Waffen liefert“, betont der Präsident von pax christi-Deutschland, Bischof Heinz Josef Algermissen, anlässlich des in dieser Woche veröffentlichten Rüstungsexportberichtes 2009 der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE). „Die deutsche Politik muss selbstverständlich prüfen, wohin und zu welchem Zweck wir Waffen liefern. Es ist unverantwortlich, Konflikte wie im Nahen Osten durch deutsche Waffen zu verschärfen. Völlig inakzeptabel ist, dass die Bundesregierung seit Jahren ihren eigenen Rüstungsexportbericht dem Bundestag erst weit über ein Jahr zu spät vorlegt."

Die Bundesregierung bleibt Antworten schuldig - Wegducken scheint zum durchgängigen Vorgehen der Politik zu werden Kommentar des pax christi-Präsidenten Bischof Heinz-Josef Algermissen

"Das Wegducken der Bundesregierung angesichts des just veröffentlichten GKKE-Rüstungsexportberichtes 2009 ist nicht hinnehmbar. Dieser Rüstungsexportbericht ist nicht als Begleitmusik für intransparente Entscheidungen der Bundesregierungen und anhaltend hoher Rüstungsexportgenehmigungen gedacht. Fehlende Konsequenzen aus diesem kirchlichen Beitrag zur Förderung von Frieden und Miteinander aller Völker in der einen Welt bedeutet eine Missachtung der christlichen Werte, mit der die jetzige Praxis nicht vereinbar ist.

Ich erwarte, dass die Bundesregierung aus den Ergebnissen des Berichtes Konsequenzen zieht und ihre Ausfuhrgenehmigungen für Rüstungsexporte und Dual-Use-Produkte zukünftig an friedensethischen Kriterien ausrichtet und transparent gestaltet.“

Die Ergebnisse des diesjährigen GKKE-Rüstungsexportberichtes sind besorgniserregend. Erschreckend allerdings ist das routinemäßig anmutende Schweigen der Bundesregierung. Keine Aufklärung wie es bereits im Vorjahr dazu kommen konnte, dass im Krieg in Georgien Waffen deutscher Herstellung identifiziert wurden, die das Land der Rechtslage nach nicht hätten erreichen dürfen. Keine Erwiderung auf die Feststellung des Berichtes, dass auch im Jahr 2008 deutsche Rüstungsausfuhren an Staaten genehmigt worden sind, die den Kriterien des EU-Verhaltenskodexes für Rüstungsexporte nicht genügen. Nach Erhebungen des Internationalen Konversionszentrums Bonn (BICC) trifft das für 51 Staaten zu, die 2.554 Lizenzen im Wert von 1,16 Mrd. € erhalten haben.

„Es ist Krieg. Entrüstet euch! Mit diesem neuen Motto knüpfen wir an die Ursprünge der Ökumenischen FriedensDekade an und damit an die Überzeugung, dass Frieden nicht mit Waffengewalt, sondern nur mit gewaltfreien Mitteln erreicht werden kann! So brachte es auch bereits 1980 das Motto >Schwerter zu Pflugscharen< zum Ausdruck“, erklärt pax christi-Vizepräsidentin Wiltrud Rösch-Metzler heute anlässlich der Veröffentlichung des Mottos der FriedensDekade für 2010.

Friedensdekade ruft zum Protest gegen den Krieg in Afghanistan auf

Im Zentrum der Veranstaltungen während der Friedensdekade vom 7.-17. November 2010 wird die Kritik an der militärischen Beteiligung Deutschlands am Krieg in Afghanistan stehen. „Gemeinsam werden wir mögliche Ausstiegsszenarien aus dem Afghanistan-Krieg und Alternativen der Konflikttransformation bekannter machen, wie sie von der Friedensforschung entwickelt worden sind.“

Der Trägerkreis der Ökumenischen FriedensDekade ruft für den Zeitraum vom 7.-17. November 2010 bundesweit zu Gottesdiensten, Veranstaltungen und Friedensgebeten gegen den Krieg auf. Die 1980 in Ost- und Westdeutschland gegründete Bewegung blickt im kommenden Jahr auf drei Jahrzehnte Friedensarbeit zurück. Neben der Kritik an Auslandseinsätzen der Bundeswehr wendet sich die FriedensDekade gegen Kriege und jegliche Kriegsvorbereitungen sowie die extrem hohen Rüstungsausgaben weltweit.

Biblische Bezugspunkte für das Motto “Es ist Krieg. Entrüstet euch!“ sind der Prophet Micha 4, 1-5 “Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.“ (Auszug) und der Jakobus-Brief 3,13-18 “Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften.“ (V 18)

Dem Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade gehören neben pax christi auch die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Pro Asyl, die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und viele andere Friedensorganisationen an.

Seit Anfang der 80er Jahre findet die Ökumenische FriedensDekade regelmäßig im November an den 10 Tagen vor dem Buß- und Bettag statt. Die FriedensDekade bietet Kirchengemeinden, Schulklassen, Jugendgruppen und Friedensinitiativen eine Gelegenheit, aktuelle Themen zu Gerechtigkeit, Frieden und der Bewahrung der Schöpfung zu bedenken und zur Diskussion zu stellen.

Weitere Informationen zur FriedensDekade sowie einen Überblick über die Veranstaltungstermine im Bundesgebiet finden Sie unter www.friedensdekade.de  

Eröffnungsworte des Vizepräsidenten zur konstituierenden Sitzung des Präsidiums von pax christi am 11./12 Dezember 2009 in Fulda

„Gestern hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, in seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises Krieg als notwendiges Instrument zur Friedenssicherung bezeichnet. Heute kommen wir als neu gewähltes Präsidium der deutschen Sektion der Internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi zu unserer konstituierenden Sitzung zusammen.

Unsere Aufgabe ist damit klar umrissen. Wir wollen und können die Alternativen zum Krieg deutlich machen. Und eine der Alternativen ist der Dialog. Krieg ist immer eine Niederlage der Menschheit, wie Papst Johannes Paul II es einmal gesagt hat. Wir treten als pax christi weltweit dafür ein, dass Versöhnung und Dialog das Miteinander zwischen den Menschen bestimmt. Diese Botschaft gilt erst recht in Zeiten des Krieges. Zurzeit erleben wir in Deutschland, wie der Krieg die Wahrheit zum Schweigen bringt. Drei Monate nach dem verheerenden Bombenangriff der Bundeswehr auf zwei Tanklaster in Afghanistan wird deutlich, dass die Tötung von Zivilisten bei diesem Angriff von Beginn an bekannt war. Der Öffentlichkeit wurde dies bis heute verschwiegen.

Die Rede von Barack Obama und das Bombardement der Bundeswehr zeigen dies: Krieg lässt keinen Spielraum für Dialog. Er sät Feindschaft und bringt die Wahrheit zum Schweigen. Frieden aber gibt sich nicht mit dem Status Quo zufrieden. Frieden sucht nach Lösungen, die im Feind auch noch den Menschen sieht und Auswege jenseits der Gewalt sucht. Lasst uns als Präsidium von pax christi gemeinsam die Stimme des Friedens stärken. Für uns heißt dies ganz konkret: In Afghanistan muss die Spirale der Gewalt durchbrochen werden. Dazu gehört neben anderem der Dialog mit allen Gruppierungen in Afghanistan, auch mit den Taliban.“

Dem neuen Präsidium von pax christi gehören an (s. auch Foto v.l.n.r.): Johannes Schnettler (Aachen), Gerold König (Langerwehe), Wiltrud Rösch-Metzler (Stuttgart), Christoph Stender (Aachen), Johanna Rogge (Leipzig), Michael Rösch (Münster), Heinz Werner Weßler (z.Zt. Uppsala) und Georg Hörnschemeyer (Osnabrück) (fehlt auf dem Foto).

„Obamas Truppenaufstockung, die einer Invasion gleichkommt, wird nicht zur Stabilisierung der Region beitragen, sondern zur Eskalation der katastrophalen Lage der afghanischen Bevölkerung.“ kommentiert pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann, Obamas neue Afghanistanstrategie, die er in seiner heutigen Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises erneut rechtfertigte.

Präsident Obamas geplante Truppenaufstockung in Afghanistan ist grundfalsch und seine Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises eine Enttäuschung

„Sowohl in Amerika als auch hier in Europa ist es höchste Zeit, die Ablehnung dieses Krieges durch die Bevölkerung in verstärkten, öffentlichen Druck auf die Regierungen umzusetzen, damit die Gewaltspirale dort endlich gestoppt wird anstatt sie immer wieder anzuheizen. Die Stabilisierung Afghanistans und Pakistans ist nur durch ein Ende des Krieges und die Stärkung der zivilen Unterstützung zu bewirken. 30.000 weitere Soldaten nach Afghanistan zu schicken und gleichzeitig den Rückzug für 2011 anzukündigen ist keine Exit-Strategie, sondern eine Invasion an der Deutschland sich keinesfalls beteiligen darf.“ betont Hoffmann.

Pax christi USA kommentierte Obamas Rede heute ähnlich: Es sei enttäuschend, dass dieser Präsident sich kurz vor der Ehrung zur Eskalation des Krieges in Afghanistan mittels der Entsendung von 30,000 zusätzlichen Soldaten ausgesprochen hat. Pax Christi USA bedauert, dass er sich nicht vom Beispiel des früheren Friedensnobelpreisträgers, Dr. Martin Luther King, Jr. hat leiten lassen, der den Preis als starke Bestätigung dafür angesehen hat, dass Gewaltfreiheit die Antwort auf die politischen und ethischen Herausforderungen unserer Zeit ist – und als Ansporn für die Menschheit, Unterdrückung und Gewalt zu überwinden ohne selbst zu Gewalt und Unterdrückung zu greifen.

Präsident Barack Obama hat heute in Oslo für sein außerordentliches Engagement zur Stärkung internationaler Diplomatie und der Zusammenarbeit der Völker den Friedensnobelpreis entgegen genommen.

Die Delegierten von pax christi beschließen auf der Delegiertenversammlung vom 13.-15.11.09 in Fulda u.a. die Einrichtung einer Fachstelle für Friedensdienste

Wahlen standen im Mittelpunkt: Vizepräsidentin, Vizepräsident, Geistlicher Beirat und Kommissionen

Die Fachstelle Friedensdienste ist eine auf Dauer angelegte Kooperationsstruktur zwischen der Sektion und allen Bistumsstellen und Kommissionen, die sich im Bereich der Friedensdienste engagieren. Die Fachstelle umfasst sowohl die Projektarbeit mit Zivilen Friedensfachkräften als auch die Entsendung Freiwilliger (Programm „weltwärts“, ÖFPI, etc.). Im Zuge dessen beschlossen die Delegierten ebenfalls die Erweiterung der Statuten von pax christi um diese Fachstelle sowie die Erweiterung der allgemeinen Geschäftsordnung.

Desweiteren wurde die Fortsetzung der Arbeit der folgenden Kommissionen beschlossen: Friedenspolitik, Globalisierung und soziale Gerechtigkeit, Nahostkommission, Solidarität mit Zentralafrika und Solidaritätsfonds Eine Welt. Die Arbeitsschwerpunkte der Kommissionen für die nächsten drei Jahren können den untenstehenden Dokumenten entnommen werden.

Alle weiteren Anträge, die auf der DV nicht verhandelt werden konnten, sind an das Präsidium überwiesen worden. Dies tagt zur konstituierenden Sitzung am 10. und 11. Dezember in Fulda.

„Nun rächt sich Jungs Versuch als Verteidigungsminister, Fakten des Afghanistan-Einsatzes zu beschönigen und zu verharmlosen“, kommentiert pax christi-Generalsekretärin Hoffmann den heutigen Rücktritt Jungs vom Amt des Bundesministers für Arbeit und Soziales. „Ich begrüße Jungs Schritt und wünsche Verteidigungsminister zu Guttenberg, dass er aus den Fehlern des Vorgängers lernt und selber künftig auf vorschnelle Urteile verzichtet. Die Zeit ist überreif für eine schonungslose Bilanz des ISAF-Einsatzes in Afghanistan. Wenn nicht der der fatale Luftangriff in Kundus den letzten Anstoß dazu gibt, was braucht die deutsche Politik dann um sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden?“ betont Hoffmann heute in Berlin und erklärt weiter:

pax christi begrüßt Jungs Rücktritt vom Ministeramt

„Ich fordere die Bundesregierung auf, endlich zu benennen, welche Ziele in der deutschen Afghanistanpolitik im Vordergrund stehen. Meine Empfehlung ist die Unterstützung beim Aufbau eines rechtsstaatlichen Afghanistan, das der Bevölkerung Sicherheit und Zukunftsperspektiven in Frieden bietet und verbunden wird mit der Förderung von Entwicklungs- und Wirtschaftsperspektiven jenseits des Drogenhandels. Das allerdings ist nur mit einem Zuwachs an ziviler Hilfe und einem konsequenten Rückbau des Militäreinsatzes zu erreichen. Meine Befürchtung ist, dass weiterhin die Bündnistreue Deutschlands gegenüber den USA und anderen NATO-Partnern die Richtung vorgibt. Dann allerdings wäre aus den acht Jahren des Einsatzes tatsächlich nichts gelernt worden. Eine fundierte, deutsche Strategie in der Afghanistanpolitik fehlte von Beginn des Militäreinsatzes an. Das hat mangelnden Mitteleinsatz und Erfolg im zivilen, entwicklungspolitischen Bereich zur Folge. Auch zeigt sich der Verzicht auf eine eigene, deutsche Afghanistanstrategie erneut in den bereitwilligen Signalen zu Guttenbergs an Washington, das deutsche militärische Engagement gegebenenfalls – auf Wunsch - zu verstärken. Als bloßer Mitläufer amerikanischer Vorgaben wird Deutschland aber dem originären Verhältnis der Afghanen zu Deutschland nicht gerecht. Was genau könnte denn durch eine Truppenverstärkung in Afghanistan besser erreicht werden? Welches Ziel der deutschen Außenpolitik würde damit erreicht? Die Antworten darauf müssen inhaltlicher Natur sein und dürfen sich nicht in der Kabinettsumbildung erschöpfen.“

Wenn sich am Montag Teile der israelischen Regierung mit Teilen der deutschen Regierung treffen, muss auch über die Völkerrechtsverletzungen der israelischen Militärbesatzung geredet werden. Das fordert der “Deutsche Koordinationskreis Palästina Israel – für ein Ende der Besatzung und einen gerechten Frieden”. Mit einer Mahnwache protestieren die Friedens- und Solidaritätsgruppen, darunter die Jüdische Stimme für gerechten Frieden, die Palästinensische Gemeinde Deutschland, die katholische Friedensbewegung pax christi, IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung gegen die Besatzungs-, Siedlungs- und Kriegspolitik der israelischen Regierung und gegen die Kollektivstrafe Blockade des Gazastreifen.

pax christi-Nahostkommission unterstützt den Aufruf zur Mahnwache

Zehn Monate nach dem Überfall auf Gaza müssen die Kriegsverbrechen beider Seiten, die im Bericht des UN-Ermittlers Goldstone dargestellt sind, aufgearbeitet werden, heißt es von Seiten des Koordinationskreises. Nur so kann für einen möglichen Neustart eines Friedensprozesses Vertrauen aufgebaut werden. Bisher lehnt die israelische Regierung jegliche Untersuchung ab. Unterstützt wird sie dabei von der Bundesregierung, die im UN-Bericht und nicht in den Kriegsverbrechen ein Friedenshindernis sieht. Stillschweigend dulde sie auch die unablässigen Armee-Übergriffe auf palästinensische Dörfer wie Bilin bei Ramallah, die gewaltfreien Widerstand gegen die Besatzung leiste.

Insbesondere kritisiert der Koordinationskreis die angestrebte stärkere deutsch-israelische Rüstungskooperation. Damit exportiere Deutschland Waffen in ein Kriegs- und Krisengebiet. Die von Deutschland gelieferten U-Boote können Atomraketen abschießen. Die deutsche Regierung und die Bundeskanzlerin helfen damit, einen weiteren Krieg im Nahen Osten und einen israelischen Krieg gegen Iran vorzubereiten.

Protestkundgebung
30.11.2009, 10:00 bis 13:00 Uhr

Südlich vom Bundeskanzleramt – Wiese zwischen Paul-Löbe-Allee und Heinrich- von-Gagern-Straße (westliche Verlängerung des Platzes der Republik), U- und S-Bahnhof Brandenburger Tor, Bus 100

Die Situation in der Demokratischen Republik Kongo wird oft als "vergessener Konflikt" bezeichnet. Dieser Konflikt hat in den letzten zehn Jahren - infolge von Hunger, Krankheit und Gewalt - über fünf Millionen Menschen das Leben gekostet. Ein Jahr, nachdem die Goma-Krise im Ost-Kongo für Schlagzeilen sorgte, ist die Situation dort schlimmer als zuvor.

Die pax christi-Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“ unterstützte den folgenden Aufruf von Oxfam:

Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, ihre Unterstützung für die Militär-Operation der Regierungsarmee im Ost-Kongo einzustellen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sollte stattdessen gemeinsam mit der kongolesischen Regierung eine politische und militärische Lösung erarbeiten, die gewährleistet, dass die kongolesische Armee sich diszipliniert und berechenbar verhält und ihrem Auftrag nachkommt, die Zivilbevölkerung zu schützen.

pax christi unterstützt Petition für Tobin-Steuer an den Deutschen Bundestag

Gemeinsam mit 37 weiteren Organisationen, u.a. der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Misereor, Adveniat und Missio Aachen unterstützt pax christi die Kampagne 'Steuer gegen Armut www.steuer-gegen-armut.de zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer - die sogenannte Tobin-Steuer.

Bitte nutzen Sie die Möglichkeit zur Unterstützung dieser Petition über den Weg der Online-Unterzeichnung auf der Internet-Seite des Deutschen Bundestages.

Verliehen wurde die Ehrenmitgliedschaft am 19.11.09 "aufgrund seines lebenslangen Einsatzes für Frieden und Verständigung zwischen Israelis, Palästinensern und Deutschen sowie seiner langjährigen freundschaftlichen Verbundenheit mit pax christi Augsburg"

Reuven Moskovitz wurde 1928 im Norden Rumäniens geboren. Er überlebte den Holocaust trotz Verfolgung und Vertreibung. 1947 wanderte er nach Palästina aus, wo er sich von Anfang an in der israelischen Friedensbewegung engagierte. Er war Mitbegründer Neve Shaloms, einer weltweit bekannten Siedlung, in der israelische Juden und Palästinenser zusammenleben. Der Jude und charismatische Israeli widmet seit mehr als 50 Jahren wie kaum ein anderer sein Leben der jüdisch-palästinensischen Aussöhnung, aber auch der deutsch-israelischen Versöhnung und dem Frieden. Der Historiker, Buchautor und Reiseleiter lebt heute in Jerusalem.

Er wurde 2001 mit dem Mount Zion Award und 2003 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.


"Wer - zu Recht- bessere Regierungsführung von Karsai fordert, möge auch zeigen wie Verhandeln ohne Vetternwirtschaft geht" kommentiert pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann, den Besuch des Außenministers bei der Vereidigung Karsais beim Interview im DomRadio Köln.

Auszug aus dem Interview:

Deutschland möge sein Engagement im zivilen Aufbau Afghanistans verstärken und die zugesagte Hilfe endlich komplett realisieren...

Eine Verlängerung des ISAF-Mandats ohne Aussage über das Ende des Militäreinsatzes wie die Bundesregierung es plant, ist zum jetzigen Zeitpunkt falsch. Es wurde nicht Bilanz gezogen, was der Einsatz gebracht und wo er geschadet hat. Es müssen endlich verbindliche und präzise Etappenziele benannt werden an denen der Zeitpunkt für das Ende des Militäreinsatzes gemessen wird. ...

 

Hören Sie selbst das vollständige Gespräch

pax christi-Vizepräsidentin Wiltrud Rösch-Metzler machte im heutigen Interwiev mit Domradio-Köln deutlich, dass Netanjahus Vorgehen bewußt Verschlechterungen der Beziehungen zu den Palästinensern herbeiführt

Aus dem Interview:

domradio: Was glauben Sie ist die Motivation für Netanjahu gewesen die Siedlungen zu erlauben - trotz internationaler Proteste?

Rösch-Metzler: Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen was es ihm außenpolitisch bringt. Ich kann mir vorstellen, was er innenpolitisch darstellen will: Dass er ein starker Politiker ist, der Sachen gegen internationalen Widerstand durchsetzt. Es geht ihm auch darum, für kommende Verhandlungen mit den Palästinensern Tatsachen zu schaffen. Dass einfach viel Land in Besitz der Besatzungsmacht ist, dass viele Siedlungen gebaut sind, viele Außenposten entstehen können. Ich denke, es geht Netanjahu darum, möglichst einen Vorsprung zu erreichen.

domradio: Geht es bei dieser Erweiterung des Siedlungsbaus nicht auch um die Frage, wie geht man als Staat mit einer Situation pragmatisch um, die noch nicht gelöst ist. Es ist zwar ein Politikum, aber die Menschen, die dort leben, müssen sich ja auch weiterentwickeln dürfen?

Rösch-Metzler: Die Situation ist natürlich völkerrechtlich schon geklärt. Denn völkerrechtlich ist es ja illegal, was Israel da macht. Eine Besatzungsmacht darf keine Siedlungen bauen in einem besetzten Gebiet. Insofern ist es eine einseitige Gewaltmaßnahme Israels gehen die Palästinenser.

 

Bitte hören Sie nach - das Interview geht weiter...

 

Wiltrud Rösch-Metzler, die Journalistin und Nahostexpertin aus Stuttgart wurde erstmalig in das Amt der pax christi-Vizepräsidentin gewählt. Sie erhielt 74 Ja und 12 Nein Stimmen. Roesch-Metzler, Jg. 58, war von 2000-2009 Vorsitzende der pax christi-Nahostkommission. Sie hat Politik- und Soziologie in München, Tübingen und Florida (M.A. in Political Science/Latin American Studies an der University of Florida) studiert und darüberhinaus das Aufbaustudium Kommunikationswissenschaft in Stuttgart-Hohenheim zur Diplom-Journalistin absolviert. Seit 1985 arbeitet sie als freie Journalistin für Zeitschriften und Rundfunk mit den Schwerpunkten Nord-Süd-Konflikt, Fairer Handel, Nahost, Friedenspolitik, Soziales und Kirchen. Seit 2001 Redakteurin der Materialien der Ökumenischen FriedensDekade.

Erneut in seinem Amt bestätigt wurde der Aachener Johannes Schnettler der seit 1995 das Amt des pax christi-Vizepräsidenten ausübt. Er erhielt 80 Ja und 10 Nein Stimmen.

Ebenfalls in seinem Amt bestätigt wurde Christoph Stender, der Geistliche Beirat der deutschen Sektion. Christoph Stender ist Priester im Bistum Aachen und dort Mentor für Lehramtsstudierende mit dem Fach Katholische Religion an der RWT Aachen.

Dem neuen Präsidium gehören an: Georg Hörnschemeyer (57 Jahre), Gerold König (55 Jahre), Heinz Werner Weßler (47 Jahre), Johanna Rogge (21 Jahre) und Michael Rösch (26 Jahre) Die Delegiertenversammlung tagt zurzeit in Fulda. Mehr Informationen folgen

In großer Sorge um Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Palmölproduktion hat pax christi heute in Berlin gemeinsam mit den kirchlichen Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt, sowie mit den Menschenrechtsorganisationen Kolko, FIAN, Inkota und der Umweltorganisation BUND in der kolumbianischen Botschaft in Berlin einen Brief an den Präsidenten Kolumbiens, Álvaro Uribe Vélez an die Botschafterin, Frau Dr. Victoriana Mejía Marulanda, übergeben. Ebenso wurden an die 10 000 Unterschriften aus der Kampagne „Geben Sie uns das Land zurück, Herr Präsident“ überreicht. Konkret geht es um die Lage der afro-kolumbianschen Gemeinden von Curvaradó und Jiguamiandó im Gebiet der Provinz Chocó, auf deren Land illegal Palmölplantagen angelegt wurden.

Appell gegen Menschenrechtsverletzungen an Präsident Uribe

In dem Brief wird der Präsident aufgefordert, dem Ausdruck großer Sorge vieler deutscher Bürger angesichts der Lage der afro-kolumbianischen Gemeinden Rechnung zu tragen. Eine Anzahl von deutschen Organisationen unterstützt die dringende Bitte, dass den Gemeinden in Curvaradó und Jiguamiandó das Land ihrer Vorfahren zurückgegeben wird: Pax Christi Deutschland, Brot für die Welt, BUND, Greenpeace, Misereor, Inkota, Oxfam Deutschland, Robin Wood, terre des hommes Deutschland, Rettet den Regenwald, kolko – Menschenrechte für Kolumbien, Menschenrechtszentrum Nürnberg, actio pro Colombia, Kolumbiengruppe Nürtingen, Aktion Friedensdorf Mönchengladbach und VEN (Gesellschaft für Zusammenarbeit und Entwicklung Niedersachsen).

Seit vielen Jahren bestehen gute Kontakte zu den Gemeinden in Curvaradó und Jiguamiandó. Die Entwicklung ihrer Lage wird eingehend verfolgt. Mitglieder der Organisationen sind im Gespräch mit Mitgliedern der Gemeinden und haben sie auch vor Ort besucht. Nach all diesen Jahren des Kampfes um ihre Rechte ist das Land den Menschen nicht wirklich zurückgegeben wurde. Stattdessen wurden Mitglieder ermordet: Orlando Valencia wurde in Belén de Bajira im Oktober 2005 gewaltsam verschleppt und später ermordet; im Oktober 2008 wurde Walberto Hoyos umgebracht, als er die Humanitäre Zone Caño Manso verließ und Benjamin Gomez wurde wahrscheinlich im Juni 2009 getötet. Es fanden ständige Bedrohungen von Gemeindemitgliedern statt wie z.B. gegen Miguel Hoyos, Enrique Petro, Ligia Maria Chaverra, Manuel Denis Blandon, Erasmo Sierra, Eustaquio Polo, Liria Rosa Garcia, LedysTuiran, Martha Martinez, Luis Alberto Renteria, Danilo Vergara, Benjamin Sierra und Willington Cuesta. Ebenso wurden Menschenrechtsverteidiger der „Interkirchlichen Kommission Justitia et Pax“ ernsthaft bedroht, die die Gemeinden bei ihrem Kampf um ihre Rechte begleiten.

Unbegründete kriminelle Anklagen wurden gegen viele Gemeindeleiter erhoben, und Militärs der Gegend wurden als „Zeugen“ herangezogen, um gegen die Gemeindemitglieder auszusagen. Sogar nachdem die Institution für Ländliche Entwicklung INCODER bereits 2005 erklärt hatte, dass das Land illegal von Palmölgesellschaften besetzt worden war, breiteten diese die Pflanzungen weiter aus. Verschiedene Firmen, die illegal Ölpalmen auf Gemeindeland anbauen, haben staatliche Unterstützung von FINAGRO für ihre Operationen erhalten.

Wir haben erfahren, dass ein geringfügiger Teil des Landes von den Palmölfirmen zurückgegeben wurde und dass Untersuchungen gegen die Ölpalmpflanzer durchgeführt wurden, die für illegale Pflanzungen verantwortlich sind. Wir begrüßen selbstverständlich diese Schritte. Wir begrüßen auch das kürzliche Urteil des Verwaltungsgerichtes im Department Chocó, die Aktivitäten der Palmölgesellschaften zu beenden und das Land zurückzugeben. Aber der größte Teil des Landes (21.000 ha) ist noch nicht an die Gemeinden zurückgegeben worden und die Verantwortlichen für die illegale Landbesetzung und andere kriminelle Taten müssen noch vor Gericht gebracht werden.

Eindringlich wird der Präsident gebeten, gemeinsam mit ca. 10.000 Bürger/innen, die die Petition unterschrieben haben, aufgrund der vom kolumbianischen Staat eingegangenen internationalen Menschenrechtsverpflichtungen das Land effektiv an die Gemeinden in Curvaradó und Juguamiandó zurückzugeben und dafür zu sorgen, dass keines der gegen sie begangenen Verbrechen ungesühnt bleibt.

Text der Unterschriftenation:

Sehr geehrter Herr Präsident, Ich bin außerordentlich besorgt wegen der Verletzung der Rechte auf Leben, persönliche Integrität, Ernährung und der Boden- und Territorialrechte der afro-kolumbianischen Gemeinden von Jiguamiandó und Curvaradó im Department Chocó (Anm. großes Urwaldgebiet am Pazifik). Das gemeinsame Territorium dieser Gemeinden wurde auf illegale Weise besetzt und wird nun benutzt zur Anpflanzung von Ölpalmen. Die Zerstörung des Urwaldes schreitet fort und damit die Vernichtung der Lebensgrundlage der Gemeinden; die Gemeindemitglieder werden mit dem Tode bedroht, gefoltert und von Paramiltärs ermordet, wenn sie versuchen, ihr Land zurückzugewinnen. Mit Hinweis auf die vom kolumbianischen Staat eingegangenen internationalen Verpflichtungen zur Erfüllung der Menschenrechte erwarte ich dringend von ihm, dass er folgende Mittel ergreift:

Garantie für die völlige Zurückgabe des besetzten Landes an die Gemeinden und ihre sichere und würdige Rückkehr; Entschädigung für alle erlittenen Schäden mit Einschluss der ökologischen Schäden.

- Bestrafung aller Verantwortlichen, die die illegalen Pflanzungen der Ölpalme in den Territorien von Jiguamiandó und Curvaradó erlaubt und durchgeführt haben in der Berufung auf den Prozess 3856.

- Untersuchung der begangenen Verbrechen gegen die Gemeindemitglieder und Bestrafung der Verantwortlichen sowie die definitive Auflösung der paramilitärischen Gruppen in der Region.

- Respektierung der Entscheidungen seitens der Gemeinden über den Gebrauch ihrer Ländereien entsprechend ihrer Erfahrungen und Gebräuche, die diesem Gebiet einen besonderen strategischen Wert für den gesamten Planeten sichern.

Unter dem Motto "Over the walls - Mauern einreißen - Tomber les murs" haben sich Jugendliche aus Frankreich, Belgien und mehreren osteuropäischen Ländern Europas anläßlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls in Berlin getroffen. pax christi war einer der nationalen Partner.

pax christi gestaltet 2 der Domino-Steine, die heute in Berlin den Fall der Mauer symbolisieren

Eine Arbeitsgruppe von ihnen hat zwei der Dominosteine gestaltet, die entlang des Mauerverlaufs aufgestellt wurden. Im Rahmen eines Gottesdienstes haben die jungen Leute ihre Namen auf die Steine geschrieben. Die Dominosteine bilden eine neue Mauer, die am 9.11. im Rahmen der offiziellen Gedenkfeier symbolisch wieder eingerissen wird. Den ersten Stein wird Lech Walesa anstoßen. Die Jugendlichen haben sich im Rahmen des Workshops mit Mauern beschäftigt. Neben diesen Dominosteinen entstand auch ein Film, der in den Berliner U-Bahnen gezeigt wird, weitere Teilnehmer/innen haben sich in Gesprächen mit Zeitzeug/innen über die Wendewochen informiert.

pax christi weist in einem Offenen Brief an den Verteidigungsminister die Einschätzung zu Guttenbergs zum Luftangriff nahe Kundus zurück

Es wäre fatal, wenn Deutschland seine Soldaten vor rechtmäßigen Sanktionen schützen wollte

Offener Brief der pax christi-Generalsekretärin,Christine Hoffmann, an Verteidigungsminister zu Guttenberg

Berlin, den 9.11.2009

Sehr geehrter Herr Bundesminister zu Guttenberg,

entschieden weise ich Ihre Einschätzung zum Luftangriff auf aufständische Kämpfer, Zivilisten und zwei Tanklastwagen nahe Kundus in Afghanistan zurück. Die aus dem “Geheimbericht” der NATO bereits an die Öffentlichkeit gelangten Informationen über sogenannte Verfahrensfehler, Unklarheiten und mögliche Fehleinschätzungen lassen mich befürchten, dass der Tatbestand des Kriegsverbrechens bei diesem Angriff, der womöglich über 140 Menschen das Leben kostete, nicht auszuschließen ist. Ihre Bewertung: “ Selbst wenn es keine Verfahrensfehler gegeben hätte, hätte es zum Luftangriff kommen müssen.” ist verfrüht und womöglich sogar falsch.

Wenn nicht militärisch, so war der Angriff doch menschlich und friedenspolitisch unangemessen. Es spricht für Sie, wenn Sie als Bundesminister der Verteidigung und Oberster Befehlshaber der Bundeswehr Ihre Fürsorge gegenüber den Soldaten wahrnehmen. Sie sind aber auch den Zielen eines geführten Einsatzes verpflichtet. Mit der Beteiligung am ISAF-Einsatz in Afghanistan soll die Sicherheit der Bevölkerung und die Stabilisierung eines afghanischen Staatswesens gefördert werden. Das Gegenteil ist der Fall. In Afghanistan erhöht sich die Gewalt seit Jahren. Mit dem Luftangriff nahe Kundus hat der deutsche Einsatz statt zum Frieden zu einer Verschärfung der Gewaltspirale in Afghanistan beigetragen.

Für fatal halte ich Ihre Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die Rechtssicherheit der im Einsatz befindlichen deutschen Soldaten. Es ist den Streitkräften eines demokratischen Staates unangemessen und schadet dem internationalen Ansehen Deutschlands, wenn der Eindruck entsteht, dass statt der konsequenten Prüfung, ob Fehlhandlungen vorliegen und wie diese gegebenenfalls sanktioniert werden, die Gerichtsbarkeit zum Schutz der Soldaten vor derselben zugeschnitten wird. Das weckt in fataler Weise Erinnerungen und ist kontraproduktiv zu all den Anstrengungen die Gesellschaft und Streitkräfte in den vergangenen Jahrzehnten unternommen haben, um die Bundeswehr durch das Konzept der Inneren Führung einer Demokratie würdig zu machen und von der Wehrmacht abzugrenzen.

Ihre Sorge sollte bei diesem Einsatz vorrangig der Förderung der Rechtssicherheit für die afghanische Bevölkerung sowie den Wiederaufbau und die Entwicklung Afghanistans gelten. Deshalb muss die Spirale der Gewalt gestoppt und der Krieg - in Ihren Worten zumindest die kriegsähnlichen Zustände - beendet werden. Dafür muss eine sinnvolle, kriteriengeleitete Strategie mit konkreten Zielvorgaben für den terminierten Abzug der Truppen entwickelt werden. Ich fordere Sie dringend auf, dazu bereits bei der im Dezember anstehenden Entscheidung über das Mandat der Bundeswehr im Rahmen des ISAF Einsatzes in Afghanistan klare Zielvorgaben zu formulieren.

Mit freundlichen Grüßen

Christine Hoffmann

Generalsekretärin pax christi - deutsche Sektion

Hoffmann begrüßt die Worte Zu Guttenbergs, der erstmals im Zusammenhang mit dem Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan von „Krieg“ gesprochen hat

Die pax christi Generalsekretärin, Christine Hoffmann, erklärte dazu heute gegenüber DomRadio Köln: "Glückwunsch, Herr Verteidigungsminister! Der erste Schritt Richtung Wirklichkeit ist getan: der als Krieg erlebte Afghanistaneinsatz wird auch Krieg genannt. Jetzt geht es noch darum, diesen Krieg zu beenden. Dazu können Sie viel beitragen. Als erstes steht eine Exitstrategie an."

Erklärte der Präsident von Pax Christi International auf der 2. Afrika-Synode in Rom

Erzbischof Monsengwo weiter: "Aber wenn wir uns daran machen, dann haben wir den Eindruck, dass die Politiker das nicht wollen. In der Politik versöhnt man sich nicht, sondern man verständigt sich, trifft eine Übereinkunft. Man gibt, um damit etwas zu erreichen. Bloß: Versöhnung ist das nicht. Die geht weiter. Wir bitten also darum, uns als Kirche unsere Rolle wahrnehmen zu lassen. Das wäre hilfreich."

Die pax christi-Nahostkommission appelliert gemeinsam mit IPPNW an Bundeskanzlerin Angela Merkel die israelische Forderung nach zwei deutschen Kriegsschiffen unverzüglich abzulehnen. „Diese Anfrage verträgt sich nicht mit dem im schwarz-gelben Koalitionsvertrag vereinbarten Eintreten für Frieden, Stabilität und demokratischer Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten“, so Matthias Jochheim, stellvertretender Vorsitzender der IPPNW. Die von Schwarz-Gelb befürwortete Konferenz im Nahen Osten nach dem Vorbild des KSZE-Prozesses mit den regional beteiligten Konfliktparteien, den USA, EU, Russland und den Vereinten Nationen werde so direkt konterkariert.

Keine deutschen Korvetten für Israels Kriege

Die Tageszeitung "Ma'ariv" hatte berichtet, die israelische Marine wolle die beiden Korvetten der Hamburger Werft Blohm & Voss unter anderem mit Raketenabwehrsystemen des Typs "Barak 8" sowie weitreichenden Radaranlagen bestücken, um so „für künftige Kriege bereit zu sein“.

Laut der US-amerikanischen Nachrichtenagentur UPI hat sich die israelische Regierung zudem mit der Bitte um Mitfinanzierung eines sechsten U-Boots an die Bundesregierung gewandt. Bereits im Juli hatte die IPPNW Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Offenen Brief aufgefordert, die von Israel bestellten zwei weiteren atomwaffenfähigen U-Boote der Dolphin-Klasse nicht auszuliefern. Auch pax christi forderte alle Lieferungen deutscher Waffen und Rüstungsgüter nach Nahost unverzüglich zu stoppen. Auslieferungstermin für die beiden U-Boote ist voraussichtlich das Jahr 2012. Die Kosten betragen 500 Millionen Euro, ein Drittel davon soll die Bundesregierung tragen.

Die IPPNW und pax christi setzen sich für eine „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Mittleren und Nahen Osten“ (KSZMNO) ein. Eine zivilgesellschaftliche Modellkonferenz im Mittleren und Nahen Osten mit Experten aus Wissenschaft, Politik, Industrie und Kultur aus der Region soll die Idee der Kooperation und gemeinsamen Sicherheit mit Leben füllen. Einziger Grundsatz für das Zusammenkommen ist die Bereitschaft zum Dialog ohne Vorbedingungen. Dafür setzen sich unter anderem ein: Norbert Blüm, Abdallah Frangi, Prof. Johan Galtung, Prof. Ulrich Gottstein, Rupert Neudeck, Rafik Schami, Hans-Christoph von Sponeck sowie Prof. Udo Steinbach.

Der Friedenspreis 2009 von Pax Christi International wird an Frau Justine Masika Bihamba aus Goma/Nord Kivu, Demokratische Republik Kongo verliehen. Damit ehrt pax christi ihr langjähriges Engagement für die Verteidigung der Menschenrechte und die Unterstützung von Kriegsopfern, insbesondere von Frauen, die Opfer sexueller Gewalt im Krieg wurden.

Justine Masika Bihamba ist seit 2003 Koordinatorin der Organisation Synergie des femmes pour les victimes des violences sexuelles – SFVS – Women’s Synergy for Victims of Sexual Violence in der DR Kongo. SFVS ist ein Zusammenschluss von etwa 35 Frauenorgansiationen, die sich zum Ziel gesetzt haben, durch medizinische Versorgung, psycho-soziale Hilfe und Rechtsschutz die Würde der Frauen zu verteidigen, die in Krieg und Konflikt vergewaltigt, verletzt oder auf andere Weise traumatisiert worden sind. In kriegerischen Konflikten ist besonders Vergewaltigung zunehmend zur Waffe gegen die Zivilbevölkerung geworden.

Justine Masika Bihamba ist im Kongo besonders durch ihr Engagement für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen im ländlichen Bereich, die Unterstützung weiblicher Kriegsopfer und die Verteidigung der Menschenrechte bekannt geworden. Ihre Arbeit erfuhr auch Unterstützung von amnesty international,  Human Rights Watch und International Alert. Sie ist als Beraterin bei Einrichtungen der Vereinten Nationen und dem Internationalen Strafgerichtshof gefragt.
 
Die Verleihung des Preises findet am 26.10.2009 in Rom statt. Der Friedenspreis von Pax Christi International wird jährlich vom Bernhard Kardinal Alfrink - Fonds und dem Präsidium von Pax Christi International verliehen.

Die pax christi-Kommission Friedenspolitik legt eine Handreichung zur NATO vor.

Die ausführliche Textsammlung, die die pax christi-Kommission Friedenspolitik mit Unterstützung des Ökumenischen Netzes Württemberg herausgibt, soll:

die Solidität der NATO und die scheinbare Alternativlosigkeit eines Bekenntnisses zu diesem Bündnis in Frage stellen;

Friedensgefährdungen deutlich machen und

aus friedensethischer und christlicher Verantwortung auf die durch Militär gefährdeten Menschenrechte und auf die zwingende Gültigkeit des Völkerrechts hinweisen.

pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann, würdigt sein Wirken heute im Gespräch mit Dom-Radio Köln

Der Neuseeländer steht für jahrzehntelange Lobbyarbeit für konventionelle und nukleare Abrüstung

Weitere Informationen zu Alyn Ware finden Sie unter den folgenden Links.

Zentrale Themen sind für pax christi u.a.:

In Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel und an den FDP-Vorsitzenden, Guido Westerwelle, legt die katholische Friedensorganisation pax christi einen Forderungskatalog vor, der zentrale Eckpunkte einer wünschenswerten Friedenspolitik für die kommende Bundesregierung formuliert.

- Ein Strategiewechsel in der Afghanistanpolitik hin zu einer Stabilisierung mit primär zivilen Mitteln. Nur unter der
  Bedingung eines geordneten Rückzuges der Bundeswehr und des gleichzeitigen Aufbaus des zivilen Engagements in
  Afghanistan darf ein Antrag auf eine weitere befristete Mandatierung der Bundeswehr in den Bundestag eingebracht werden.

- Der Verzicht Deutschlands auf nukleare Teilhabe bis spätestens 2015. - Die Abrüstung konventioneller Waffen und die
  Abschaffung der Wehrpflicht.

- Die Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für eine gesicherte Lebensperspektive langjährig Geduldeter.

- Die Orientierung der Nahostpolitik an dem Grundsatz, dass die Besatzung Palästinas an klare Rechtspflichten gekoppelt ist
  und die legitimen Sicherheitsanliegen des israelischen Staates ausschließlich im Rahmen von Menschenrechten und
  Völkerrecht verfolgt werden dürfen.

- Der Erhalt des Bundesministeriums für Entwicklung und Zusammenarbeit als eigenständiges Ministerium.

„Ich bin erleichtert, dass sich in diesem bodenlosen Prozess zu guter Letzt der gesunde Menschenverstand durchgesetzt hat und gratuliere allen, die sich dafür eingesetzt haben, zum Erfolg.“ kommentiert pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann, das heutige Urteil im Fall "Cap Anamur".

Schmidt, Bierdel und Daschkewitsch vom Schiff "Cap Anamur", die im Juni 2004 37 Flüchtlingen das Leben gerettet haben, wurden heute vom Vorwurf der bandenmäßigen Schleuserei freigesprochen

„Schmidt, Bierdel und Daschkewitsch haben so gehandelt wie wir es von allen Seeleuten erwarten dürfen: sie haben Menschen in Not ihre Hilfe nicht verweigert. Blamabel genug, dass daraus in einem europäischen Land ein so hanebüchener Vorwurf werden konnte. Das Urteil ist eine schallende Ohrfeige für alle, die das humanitäre Desaster gegenüber Flüchtlingen an europäischen Grenzen leugnen oder gar zu Recht und Gesetz erklären wollen.

Deshalb ist die Freude über dieses konkrete positive Urteil zugleich eine erneute Aufforderung dazu, die europäische Migrationspolitik zu überprüfen. Die aktuellen Nachrichten über das rabiate Eingreifen der Grenzschutzbehörde Frontex und deren vermutliche Zurückweisung von Flüchtlingen auf hoher See zeigen, dass das Mittelmeer weiterhin eine Falle für Menschen werden kann, die Schrecken und Armut zu entfliehen versuchen und in Europa Schutz suchen. Besonders erschreckend für mich sind die wiederkehrenden Berichte über Kinder, die in seeuntauglichen Booten ihr Leben riskieren und nur selten ihr Ziel erreichen.“ betont Hoffmann heute in Berlin.

Stefan Schmidt, der frühere Kapitän der "Cap Anamur", wurde heute zusammen mit dem Journalisten und ehemaligen Vorsitzenden des Hilfskomitees "Cap Anamur", Elias Bierdel, und dem 1. Offizier des Schiffes, Vladimir Daschkewitsch, von einem Strafgericht in Agrigent/Sizilien freigesprochen. Die Angeklagten hatten im Juni 2004 insgesamt 37 Menschen gerettet, die als Flüchtlinge vor der italienischen Küste in Seenot geraten waren. Die italienische Staatsanwaltschaft hatte den drei Lebensrettern in einem Strafverfahren deshalb "bandenmäßige Beihilfe zur illegalen Einreise in besonders schwerem Fall" vorgeworfen.

Gestern hat in Rom mit der feierlichen „Relatio ante disceptationem” (Eröffnungsrede) des ghanesischen Kardinals Peter Turkson die Zweite Afrikasynode begonnen, zu der nahezu 240 Teilnehmer aus 53 afrikanischen Staaten und zahlreiche weitere Teilnehmer/innen und Beobachter/innen zusammenkommen. Motto der Synode ist „Die Kirche in Afrika im Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens“. Aufhorchen lässt, dass hier neben Gerechtigkeit und Frieden auch Versöhnung genannt ist. Die pax christi-Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“ hofft, dass das friedenspolitische Profil der katholischen Kirche in Afrika aus dem kirchlichen Gipfeltreffen gestärkt hervorgeht. Dazu ist vor allem wichtig, die Friedens- und Versöhnungsarbeit auf dem Kontinent zu stärken und als ein effektives Mittel zur Konfliktprävention zu bündeln. Konkret sollte ein Netzwerk von Friedens- und Konfliktzentren mit entsprechenden Ausbildungskursen in Afrika aufgebaut werden.

pax christi-Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“ erhofft sich von diesem Gipfeltreffen eine Stärkung des friedenspolitischen Profils der Katholischen Kirche in Afrika

In dem im März dieses Jahres vorgestellten päpstlichen Arbeitspapier („Instrumentum laboris“) werden die großen kriegerischen Konflikte in Afrika im einzelnen aufgeführt und von hier aus die Forderung nach einem spirituell fundierten Versöhnungs- und Friedensdienst der Kirche entwickelt. „Die Kirchen in Afrika tragen die Zerbrechlichkeit der gegenwärtigen Situation afrikanischer Länder sowohl auf institutioneller und finanzieller als auch auf theologischer, kultureller und rechtlicher Ebene“ (IL 21).

Zu den Teilnehmer/innen gehören u.a. die Vorsitzenden der afrikanischen Bischofkonferenzen und 36 vom Papst eingeladene Geistliche aus aller Welt, darunter der Äthiopische Patriarch Paulos, FAO-Generaldirektor Jacques Diouf, Rudolf Adada, der frühere Chef der Friedensmission für Darfur (Sudan). Für den deutschen Episkopat nimmt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick teil.

Der Aufruf zu einer zweiten Synode dieser Art geht noch auf Papst Johannes Paul II zurück, der auch schon 1994 das erste Großereignis dieser Art in Rom begrüßt hatte. Der Ertrag dieses ersten afrikanischen „Kirchengipfels“ wurde kontrovers diskutiert. Während die einen auf das seit Mitte des 20sten Jahrhunderts rasant anwachsende Christentum in Afrika verweisen, das neue Formen der innerkirchlichen Verständigung erfordert und sozusagen nach Rom geholt werden muss, sehen die anderen in den afrikanischen Kirchen vor allem das konservative Element, an dem Rom gefallen gefunden hat.

Die Synode folgt dem gewohnten Konzept von Weltbischofstreffen in 20 Vollversammlungen – in Anwesenheit des Papstes – und neun Sitzungen nach Sprachgruppen (Englisch, Französisch, Portugiesisch). Die Frage ist, ob von dieser Großkonferenz ein originärer Impuls afrikanischer Kirchen für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden angesichts der großen Konflikte in Afrika ausgehen kann. Die großen afrikanischen Kriege sind keine rein innerafrikanischen Konflikte, sondern ergeben sich in unheiligen Gemengelagen von internationalen und afrikanischen Akteur/innen. Das Arbeitspapier geht an der Erkenntnis der weltwirtschaftlichen Ursachen von Kriegen in Afrika nicht einfach vorbei (IL 65). Die Frage, welche Konsequenzen daraus für die Kirchen zu ziehen sind, bleibt allerdings offen und wird sicherlich auch auf der Synode kaum proaktiv bearbeitet werden.

In seiner Predigt am Eröffnungsgottesdienst am Sonntag, den 4.10.2009 mit ungewohnten afrikanischen Klängen im Petersdom geißelte Benedikt XVI einmal mehr den weltweit zunehmenden Materialismus, dessen Eindringen in Afrika er als eine Form von Kolonialismus bezeichnete. Trotzdem bezeichente er Afrika als die „spirituelle Lunge der Menschheit“, für die der Glauben und die Hoffnung in die Krise geraten seien. Dass in den vier Ländern mit dem höchsten Anteil katholischer Bevölkerung in Afrika – Burundi, Kongo-Kinshasa, Kongo-Brazzaville und Ruanda – in den letzten Jahren die schlimmsten afrikanischen Konflikte ausgetragen wurden, scheint allerdings schlecht zu diesem Bild zu passen. Der Völkermord in Ruanda 1994 lief, während in Rom die katholischen Bischöfe auf der Ersten Afrikasynode tagten. Darauf wies Emmanuel Ntakarutimana, Dominikaner und Leiter des Centre Ubuntu in Bujumbura (Burundi), im Vorfeld der Synode hin. Ntakarutimana, ein alter Bekannter von pax christi, setzt sich schon seit langem für die Einrichtung kirchlicher Friedens- und Konfliktzentren mit entsprechenden Ausbildungskursen in Afrika ein. Der kenianische Afrikamissionar Patrick Devine macht deutlich, dass die kathechetische Bildung im Sinne der Mission der Kirche nicht funktioniere, wenn sie nicht zugleich Ausbildung in gewaltfreier Konfliktbearbeitung einschließt.

Das Arbeitspapier benennt außerdem das kircheninterne Problem, dass „manche Bischöfe“ bestimmten „Parteien“ zu nahe stünden und damit Bischofskonferenzen nicht mehr mit einer Stimme sprechen könnten (IL 53). Die Zeitschrift „African Theological Review“ hält die Ausrichtung der Zweiten Afrikasynode für verfrüht, da die Ergebnisse der Ersten Afrikasynode noch nicht vollständig implementiert seien. Dazu gehört beispielsweise die Einrichtung einer Kommission, die Vorschläge zur Integration der Frau in die Mission der Kirche in Afrika erarbeiten sollte. Wenn das Arbeitspapier der jetzigen Konferenz einmal mehr an verschiedenen Stellen auf die Würde und den „Genius“ (IL 114) von Frauen sowie auf ihre kulturelle afrikanische Identität hinweist, ist dies sicherlich gut gemeint. Ob dies zu einem praktischen Effekt führt, muss sich auf der Konferenz zeigen. Von verschiedener Seite wird kritisiert, dass die Synode noch einmal in Rom und nicht auf dem afrikanischen Kontinent selbst stattfindet. Bleibt zu hoffen, dass der hohe organisatorische Aufwand und die Kosten für das kirchliche Großereignis zu greifbaren Ergebnissen führen, damit der Verdacht auf „Außer Spesen nichts gewesen“ widerlegt wird.

Kardinal Walter Kasper verglich die geistige Situation in vielen Konflikten in Afrika mit der deutschen Mentalität nach 1933: „In der Schule wurde uns damals beigebracht, dass die Franzosen unsere Erbfeinde seien. Darüber können wir heute nur noch lachen, “ so der Kardinal.

Die deutsche Sektion von pax christi hat vor einigen Jahren in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stifung eine Tagung zum Thema „Versöhnung in Afrika und Europa“ ausgerichtet, die mit einer umfangreichen Broschüre dokumentiert ist. Die Broschüre ist auch in englischer und französischer Sprache erhältlich und kann unter sekretariat@paxchristi.de bestellt werden.

Wie die pax-christi-Kommission "Solidarität für Zentralafrika" direkt aus Kinshasa erfahren hat, ist Robert Ilunga Numbi, der Präsident der mit pax christi assoziierten Organisation "Freunde Nelson Mandelas zur Verteidigung der Menschenrechte", gestern Nachmittag gegen Zahlung einer Kaution zumindest vorläufig freigekommen.

Ein Dank aus Kinshasa an alle, die sich für seine Freilassung eingesetzt haben

Dies teilte sein Rechtsanwalt mit. Robert Ilunga Numbi, der Ende August in Kinshasa verhaftet worden war, ist inzwischen zu seiner Familie zurückgekehrt. pax christi Deutschland hatte an Präsident Kabila und einige seiner Kabinettsminister appelliert und die Freilassung gefordert.

Die Situation der Christ/innen im Irak kann durch stärkere internationale Hilfe beim Wiederaufbau des Landes und durch politische Unterstützung der freiheitlichen Kräfte unterstützt werden. So ein erstes Resümee der pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann, die sich vom 10.-17. September an einer Delegationsreise von Pax Christi International in den Irak beteiligte. Meine Begegnungen mit Christ/innen im Irak waren Ermutigung und Handlungsaufforderung zugleich. So lebendige christliche Gemeinden, Jugendchöre und vollen Kirchen hatte ich nicht erwartet. Unisono war von Bischöfen, aus NGO´s und der Politik die Aufforderung nach mehr direktem Kontakt und weniger Glauben an das im Westen über den Irak verbreitete Zerrbild zu hören. Vehement wurde die Einlösung der Verantwortung der internationalen Gemeinschaft für den Wiederaufbau des Irak angefragt.

Erste Eindrücke der pax christi-Generalsekretärin von PCI-Solidaritätsreise in den Irak

Interreligiöser Dialog und Bildung stehen im Mittelpunkt der christlichen Gemeinwesenarbeit im Irak. Beispielhaft sind die Kontaktarbeit des Chaldäischen Bischofs von Kirkuk, einem der umkämpften Gebiete im Nordirak, zu schiitischen und sunnitischen religiösen Repräsentanten. In Dohuk im Norden Kurdistans beeindruckt eine internationale, koedukative Schule der Chaldäischen Kirche in der muslimische, christliche, yezidische und turkmenische Kinder neben dem Schulwissen auch die Grundlagen friedlichen Miteinanders lernen. In Qaraqosh kontrastiert das Engagement der dortigen Dominikanerinnen für Friedenserziehung an Grundschulen und in Kindergärten die prekäre Sicherheitslage.

pax christi wird sich zukünftig für realitätsnähere Informationen über die Situation im Irak und über seine Minderheiten einsetzen und die Arbeit der irakischen Kirchen für Frieden und Versöhnung unterstützen. Konkrete Pläne beziehen sich auf Partnerschaften zu irakischen Gruppen und den Austausch über Versöhnungsarbeit und gewaltfreie Konfliktlösung mit interessierten Gruppen und NGO´s im Irak.

Die internationale Pax Christi Delegation in den Irak und wurde herzlich willkommen geheißen und großzügig unterstützt durch den Patriarchen Kardinal Emanuel Delly, durch Bischof Rabban Al-Kass, den Chaldäischen Bischof von Amadya-Shamkan und Erbil, durch Bischof Louis Sako, den Chaldäischen Bischof von Kirkuk, durch Bischof Georges Casmoussa, den Assyrischen Bischof von Mosul und Qaraqosh, durch Father Nageeb Mikhail, OP, durch das Chaldäische Seminar in Erbil und viele andere religiöse Führer und Repräsentanten zivilgesellschaftlicher Gruppen im Norden Iraks.

Die Delegation bestand aus der Internationalen Co-Präsidentin, Marie Dennis; Bischof Thomas Gumbleton, Pax Christi USA; Christine Hoffmann, Generalsekretärin von Pax Christi Deutschland; Wiltrud Rösch-Metzler, Sprecherin der Nahost-Kommission von Pax Christi Deutschland; Don Renato Sacco, Pax Christi Italien; Bischof Marc Stenger, Präsident von Pax Christi Frankreich; und Katrien Hertog, Pax Christi International Mitarbeiterin in Brüssel.

Die Delegation besuchte die Bezirke Kirkuk, Mosul, Erbil und Dohuk. Ein geplanter Besuch in Bagdad konnte nicht realisiert werden.

Bundestagskandidaten/innen unterstreichen in Reaktion auf Wahlprüfsteine die Forderung von "pax christi", Internationalem Versöhnungsbund und IPPNW nach stärkerer Achtung völkerrechtlicher Standards durch Israelis und Palästinenser

Auswertende Informationen zu den Reaktionen von Kandidat/innen zum Deutschen Bundestag und von den Parteien auf die Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl, die die pax christi-Nahostkommission gemeinsam mit IPPNW und dem Versöhnungsbund zusammengestellt hatte.

Zahlreiche Politiker/innen, die für den 17. Deutschen Bundestag kandidieren, fordern eine konsequentere Achtung geltender Menschen- und Völkerrechtsstandards in der deutschen Nahostpolitik. In ihren Reaktionen auf Wahlprüfsteine, die die Nahostkommissionen von „pax christi“ und des Internationalen Versöhnungsbundes - deutscher Zweig gemeinsam mit dem Arbeitskreis Süd-Nord von IPPNW (Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) im Vorfeld der Bundestagswahl versandt hatten, unterstrichen sie, dass die universalen Maßstäbe des Völkerrechts beide Konfliktparteien gleichermaßen verpflichteten.

In einer offiziellen Antwort der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) wird darauf verwiesen, dass gemäß dem Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2004 rechtswidrige Besatzungsmaßnahmen „gestoppt und rückgängig gemacht“ werden müssen. Diese Forderung bezieht sich vor allem auf die israelischen Sperranlagen und Siedlungen auf besetztem palästinensischem Gebiet. Die Tatsache, dass Israels Besatzungspolitik an verschiedenen Punkten klar gegen das Völkerrecht verstößt, zwingt nach Ansicht der Christdemokraten die deutsche und europäische Nahostpolitik zu besonderer Umsicht. Die CDU unterstreicht, dass sich die EU selbstverständlich bei der Umsetzung internationaler Abkommen an alle Bestimmungen des internationalen Rechts halten müsse.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) bedauert, dass die israelischen Regierungen es bislang versäumt haben, der Fatah-geführten Palästinensischen Behörde mit entschlossenen Konzessionen Regierungserfolge zu verschaffen und ihr so im Blick auf eine erhoffte Neubelebung des Nahost-Friedensprozesses „den Rücken zu stärken“. Die SPD unterstreicht, dass Kontrolle über besetztes Territorium an klare Rechtspflichten gekoppelt ist. Daher dürfe Israel – ebenso wie jeder andere staatliche oder nichtstaatliche Akteur – seine Sicherheitsanliegen nur „im Rahmen völkerrechtlich verbindlicher Regeln“ verfolgen und selbige nicht „nach eigenem Gutdünken außer Kraft setzen“, etwa durch die Anwendung von Kollektivstrafen.

Kandidaten der FDP signalisieren, dass sie hinsichtlich der Frage des Siedlungsbaus die Linie des neuen amerikanischen Präsidenten unterstützen und fordern, dass die regional beteiligten Konfliktparteien in einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen Osten (KSZNO) „an einen Tisch gebracht werden“.

Die Linkspartei fordert in ihrer Antwort an die Nahost-Fachgremien von „pax christi“, Versöhnungsbund und IPPNW die durch die Ausweitung von Siedlungen erfolgten „Landnahmen sowie die jüngste massenweise Zerstörung palästinensischer Häuser in Ost-Jerusalem unverzüglich einzustellen“. Nachdem die internationale Gemeinschaft Israel an diesem Punkt jahrzehntelang gewähren gelassen habe, sei es nun an der Zeit, sich „unmissverständlich auf die Seite des Völkerrechts zu stellen.“ Dabei richtet die Linkspartei besonderes Augenmerk auf die Situation im Gazastreifen und spricht sich angesichts der von Nichtregierungsorganisationen dokumentierten Kriegsverbrechen und Kollektivstrafen gegen die dortige Zivilbevölkerung für eine internationale Untersuchung sowie „die strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen“ aus. In diesem Zusammenhang fordert sie auch einen Stopp von Waffenlieferungen in die Konfliktregion Nahost.

Bündnis 90/Die Grünen machen sich für die Einhaltung der bestehenden restriktiven Zollbestimmungen stark, damit israelische Siedlungen im besetzten Westjordanland nicht von bevorzugter Behandlung profitieren. In der Antwort der Bundespartei heißt es weiterhin, es sei angesichts der Positionen der „israelischen Rechtsregierung unter Netanyahu“ sachgerecht, vorerst keine weiteren Schritte zu der lange geplanten Vertiefung der Beziehungen zwischen der EU und dem Staat Israel zu unternehmen. Vielmehr brauche es – wie durch US-Präsident Obama formuliert – klare Anforderungen, die mit Anreizen oder der „Sanktionierung der Konfliktparteien“ verstärkt werden sollten.

Eine internationale Pax Christi Delegation besuchte den Irak und wurde herzlich willkommen geheißen und großzügig unterstützt durch den Patriarchen Kardinal Emanuel Delly, durch Bischof Rabban Al-Kass, den Chaldäischen Bischof von Amadya-Shamkan und Erbil, durch Bischof Louis Sako, den Chaldäischen Bischof von Kirkuk, durch Bischof Georges Casmoussa, den Assyrischen Bischof von Mosul und Qaraqosh, durch Father Nageeb Mikhail, OP, durch das Chaldäische Seminar in Erbil und viele andere religiöse Führer und Repräsentanten zivilgesellschaftlicher Gruppen im Norden Iraks.

Stellungnahme der Delegation von Pax Christi International zu Irak

Die Delegation bestand aus der Internationalen Co-Präsidentin, Marie Dennis; Bischof Thomas Gumbleton, Pax Christi USA; Christine Hoffmann, Generalsekretärin von Pax Christi Deutschland; Wiltrud Rösch-Metzler, Sprecherin der Nahost-Kommission von Pax Christi Deutschland; Don Renato Sacco, Pax Christi Italien; Bischof Marc Stenger, Präsident von Pax Christi Frankreich; und Katrien Hertog, Pax Christi International Mitarbeiterin in Brüssel. Sie besuchte die Bezirke Kirkuk, Mosul, Erbil und Dohuk vom 10. bis 17. September. Ein geplanter Besuch in Bagdad konnte nicht realisiert werden.

Die Situation ist sehr unsicher für die Menschen im Irak und für den Zeitraum bis zu den Wahlen im Januar 2010 wird weitere Gewalt erwartet. Auf der einen Seite gibt es Kreise, die Spaltungen entlang der ethnischen und religiösen Linien verstärken; auf der anderen solche, die Dialog, Verständigung, Versöhnung und Gewaltfreiheit fördern.

Die Delegation traf auf viele gute Beispiele für Friedensarbeit. Durch außergewöhnliche Bemühungen seitens religiöser Vertreter in der Ölstadt Kirkuk wurde es den Mitgliedern ermöglicht sunnitische und schiitische Moscheen zu besuchen und mit muslimischen Repräsentanten in Kontakt zu treten. In Dohuk lernten sie Bischof Rabbans Programm einer koedukativen, interreligiösen Internationalen Schule kennen, die Muslime, Christen, Yeziden und Turkmenen zusammenbringt um eine Grundlage für menschliche Werte und Menschenrechte zu schaffen. Sie erfuhren von den Dominikanerinnen in Mosul über ihren Einsatz für Friedenserziehung auf der Grundschulebene und trafen engagierte Gesundheitsexperten in Kirkuk, die gleichermaßen Muslime und Christen behandeln. In Erbil traf die Delegation die Irakische GewaltfreiheitsOrganisation-LaOnf,  die ein Netzwerk von Nicht-Regierungs-Organisationen für Gewaltfreiheit aufgebaut hat.

Der Einsatz von Pax Christi für Versöhnung und Gewaltfreiheit machte diese und ähnliche Initiativen besonders interessant für die Delegation, die auch mit den extremen Spannungen im Land konfrontiert wurde. Während ihres Aufenthalts gab es zwei größere Bombardierungen, und sie spürten bei den Menschen, die sie besuchten, große Furcht vor Entführungen.

In den Gebieten, die die Delegation besuchen konnte, war das Maß an Sicherheit in den kurdischen Provinzen im Norden des Landes viel höher als in den sogenannten umstrittenen Provinzen Mosul und Kirkuk. Aber selbst in den kurdischen Provinzen fehlte das Gefühl dauerhafter physischer und ökonomischer Sicherheit und UN-Vertreter schilderten Menschenrechtsver-letzungen, besonders gegen politische Gefangene und Frauen. 100 000 Flüchtlinge und Binnenflüchtlinge (IDPs) verbleiben in der gleichen Gegend.

Christ/innen und andere Minderheitsgruppen fühlen sich im Irak weiterhin bedroht und verlassen weiterhin das Land. Diese Tatsache beunruhigt viele Menschen, die die Delegation traf, sehr, denn sie glauben, dass Versöhnung der Weg in die Zukunft ist und dass der Verlust der christlichen Gemeinschaften, die hier im 2. Jahrhundert gegründet wurden, eine große Tragödie für den Irak wäre. Gleichzeitig erfuhr die Delegation, dass der Konflikt im Irak eher politischer denn religiöser Natur sei und Gewalt wegen des Gleichgewichts der Macht ausbreche.


Minderheiten sehen sich vor die Wahl gestellt sich am Kampf um Macht zu beteiligen, neutral zu bleiben oder für eine Gesellschaft zu arbeiten, in der alle einen Platz finden. Schließlich erfuhren die Mitglieder der Delegation von vielen Menschen über die Zerstörung der Infrastruktur Iraks während des ersten Golfkriegs, die immer noch nicht bewältigt ist, und über die Auswirkungen der lang andauernden harten Sanktionen, welche die normalen Leute bestraften. Sie wurden darüber informiert, dass die US-geführte Invasion Iraks im Jahr 2003 die Sicherheit zerstörte und viele neue Probleme für das irakische Volk schuf.
Die Delegation stimmt dem Irakischen Netzwerk für Gewaltfreiheit-LaOnf zu, welches „Besatzung und Krieg als Weg zum Aufbau einer Demokratie und zur Errichtung eines Rechtssystems ablehnt, auch wenn diese als die einzig mögliche Lösung beschrieben werden.“

Pax Christi International ist den christlichen Bischöfen und Gemeinden und der Zivilgesellschaft der Region außerordentlich dankbar für den warmherzigen Empfang und die große Gastfreundschaft und bleibt den ursprünglichen Zielen dieser wichtigen Pax Christi Delegationsreise in den Irak verpflichtet: Solidarität mit allen Irakern zum Ausdruck zu bringen; ein besseres Verständnis der komplexen Wirklichkeit Iraks zu gewinnen; und – auf der Grundlage dessen, was sie gesehen und gehört haben - konkrete Aktionen vorzuschlagen, welche die bestehenden Bemühungen der irakischen Menschen um Frieden und Versöhnung in ihrem Land unterstützen.

Pax Christi International wird:

  • die internationale Gemeinschaft über die Situation im Irak und über seine Minderheiten informieren, ebenso über die Arbeit der irakischen Kirche für Frieden und Versöhnung, einschließlich der Zeugnisse der Märtyrer, Bischof Paulos Faraj Rahho, Father Rajeed, Paulos und andere;
  • Partnerschaften zwischen Pax Christi Mitgliedsorganisationen und irakischen Gruppen aufbauen;
  • die Möglichkeiten ausloten Pax Christi Expertise und Ressourcen hinsichtlich aktiver, gewaltfreier Konfliktlösung, Friedensarbeit und Reaktionen auf gewalttätige Radikalisierung mit interessierten Institutionen im Irak zu teilen;
  • interreligiöse Verständigung in unseren eigenen Ländern fördern, falls möglich durch Einladungen an sunnitische, schiitische und christliche Repräsentanten aus dem Irak;
  • mit den eigenen Regierungen über die Unterstützung von Wiederaufbaumaßnahmen im Irak verhandeln.

Wir fordern unsere Kirchen auf:

  • die Rolle der Kirche als Brückenbauer zu stärken;
  • offizielle Delegationen von Bischofskonferenzen anderer Länder in den Irak zu entsenden um die Situation dort besser zu verstehen;
  • Versöhnung zwischen den verschiedenen irakischen Kirchen zu fördern;
  • Friedens- und Versöhnungsarbeit im Irak zu unterstützen;
  • der Ausbreitung christlichen Extremismus entgegenzuwirken.

Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf:

  • den Wiederaufbau des Irak zu unterstützen;
  • vergangene und gegenwärtige Kriegsverbrechen und schwere Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen und zu verfolgen;
  • Vertrauen in die internationale Gemeinschaft wieder aufzubauen und internationales Recht wieder herzustellen;
  • gemeinsam für die Entwicklung eines regionalen Systems von Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen und Mittleren Osten zu arbeiten.

Brüssel, 17. September 2009

Regina Heinig sprach mit dem pax-christi-Präsidenten über aktuelle Aufgaben der Friedensorganisation heute

Bischof Heinz Josef Algermissen im Gespräch mit "Die Tagespost - Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur"

Auf die Frage, wo sich Christen besonders erfolgreich engagiert hätten, um kriegerische Konflike in Europa zu bekämpfen, erklärte der Präsident "pax christi hat in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, nach dem furchtbaren Weltkrieg, zur Versöhnung zwischen Franzosen und Deutschen entscheidend geholfen. Diese gelungene Versöhnung ist Grundlage für ein friedliches Europa. In Richtung Polen muss aus verschiedenen Gründen noch manches getan werden. Da ist das Maximilian-Kolbe-Werk, eng mit Pax Christi verbunden, engagiert. Von pax christi aus haben wir in den letzten Jahren auch eine Reihe von Aktiven zur „Friedensarbeit“ auf den Balkan geschickt und finanziert. Dort bedeutet das Schweigen der Waffen noch nicht, dass Frieden ist. In Israel und im Gaza-Streifen helfen wir vor Ort zur Verständigung und Konfliktbewältigung. Das alles geschieht, um dem „Frieden Christi“ in den Herzen (vgl. Kol 3,15) eine Chance zu geben."

"Alle deutschen Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, was in Afghanistan passiert", erklärte Christine Hoffmann in der Sendung Con.tra

pax-christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann im Gespräch mit dem SWR

Bislang versuchten CDU und SPD den Kampfeinsatz der Bundeswehr in Afghanistan nicht zum Wahlkampfthema zu machen. Aber spätestens seit dem Luftangriff der Nato, der auch zivile Opfer gefordert hat, möchten die Deutschen von den Parteien wissen, wie sie es mit dem Afghanistan-Mandat halten. Christine Hoffmann unterstützte diese Forderung im Gespräch ausdrücklich. Die Deutschen hätten ein Recht darauf zu erfahren, wie die Situation der Bundeswehrsoldaten vor Ort sei und ob sie tatsächlich etwas zum Schutz der Zivilbevölkerung beitragen und den zivilen Aufbau voranbringen können.

„Der Aachener Bischof hat sich in klaren und mutigen Worte zur Mitverantwortung der katholischen Kirche in Deutschland an Hitlers Krieg bekannt, dafür danke ich ihm ausdrücklich“, erklärt pax christi Generalsekretärin, Christine Hoffmann, heute in Berlin.

„Bischof Mussinghoff sprach in einer bisher von deutschen Bischöfen nicht gekannten Klarheit und scheute nicht davor zurück zu sagen, dass sich die katholische Kirche an diesem Krieg mitschuldig gemacht hat. In seiner Krakauer Rede sprach er auch davon, dass die katholische Kirche die Soldaten zur Pflichterfüllung und Treue gegenüber dem Staat aufgerufen hat. Ein Sachverhalt, den pax christi in der jüngsten Erklärung zum 70. Jahrestag des 2. Weltkriegs ebenfalls aufgegriffen hatte. „Aus den Begegnungen mit unseren Partnern in Polen wissen wir, dass dies wirkliche Worte der Versöhnung sind, die dort auf fruchtbaren Boden fallen und nationalistisch geschürte Ängste gegenüber uns Deutschen im Keim ersticken.“, so Christine Hoffmann abschließend.

Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff hat bei der diesjährigen Friedenskonferenz der Weltreligionen die Schuld deutscher Bischöfe während des Zweiten Weltkriegs bekannt.
In Krakau sagte er laut KNA-Berichte: "Die deutschen Bischöfe haben diesen Angriffskrieg auf das katholische Land Polen nicht laut verurteilt, vielmehr war in Botschaften an die Soldaten stattdessen von Pflichterfüllung, Opfersinn und Treue die Rede". [ ...] "Beim Sieg über Polen und den folgenden Triumphen der deutschen Wehrmacht läuteten auch an katholischen Kirchen die Glocken. Diese eigene Schuld müssen wir als Kirche heute bekennen." Es habe nicht viel Widerstand gegen den Völkermord an den Juden gegeben, "weder in unserer Kirche, noch in Deutschland, noch im Westen". Man habe weggesehen und den Massenmord nicht wahrhaben wollen. "Ich verbeuge mich vor allen Opfern dieses Krieges", sagte Mussinghoff. Es sei eine Kultur des Gedächtnisses notwendig, um die Toten zu ehren und die Lebenden zu mahnen. Mussinghoff erklärte weiter, Versöhnung sei mehr als Schuld zu erkennen und bekennen, mehr als sich zu entschuldigen und zu vergeben. Versöhnung bedeute Frieden und Freundschaft. Sie bedürfe des ständigen Dialogs.

Ende August wurde Robert Ilunga Numbi, Präsident der mit pax christi assoziierten Organisation "Freunde Nelson Mandelas zur Verteidigung der Menschenrechte" mit Sitz in Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) verhaftet und befindet sich seitdem im Gefängnis.

Der ganze Vorgang ist kein Einzelfall. In den letzten Monaten verschlechtert sich die Sicherheitslage für Menschenrechtsverteidiger und Journalisten in der DR Kongo zunehmend. Mit Verhaftungen sollen Menschenrechtsverteidiger mundtod gemacht werden.

Mehrere Journalisten sind im Osten des Landes offenbar vorsätzlich ermordet worden. Die pc-Kommission "Solidarität mit Zentralafrika" schließt sich einer Forderung der nationalen Koalition von Menschenrechtssorganisationen im Kongo an, welche die demokratischen Regierungen, UNO-Vertretungen und die Afrikanische Union auffordern, sich für den Schutz der Rechte von Anwälten und Organisationen einzusetzen, welche sich um die Verteidigung der Menschenrechte im Kongo bemühen.

Der kongolesische Präsidenten wird in einem Brief aufgefordert, sich für die unverzügliche Freilassung von Robert Ilunga Numbi einzusetzen. Hintergrund scheint zu sein, daß sich seine Organisation für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen einer Firma im Bas-Congo (Unteren Kongo) eingesetzt hat. Die Arbeitsbedingungen der Angestellten der Firma spotten jeder Beschreibung. Angestellte müssen 12 Stunden am Tag arbeiten. Von der Beachtung von arbeitsrechtlichen Vorschriften, die auch im Kongo gelten, kann keine Rede sein.

Offenbar steht diese Firma unter dem Schutz "einer großen Dame der Gesellschaft", wie es heißt. Die Bevölkerung von Kasangulu, wo die meisten Arbeiter wohnen, fühlt sich seit langem machtlos gegenüber dem Arbeitgeber. Robert Ilunga Numbi und andere hatten sich für diese Arbeiter eingesetzt. Statt ihrem Protest nachzugehen, wurden er und andere verhaftet. Während jedoch einige weitere Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen rasch wieder freigelassen wurden, befindet sich Robert Ilunga weiterhin in Haft.

Als „Zweites Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege (2.NS-AufhGÄndG)“ hat der Deutsche Bundestag am Ende dieser Legislaturperiode (8.9.09) endlich den Beschluss gefasst, auch das letzte Kapitel der nationalsozialistischen Unrechtsgeschichte abzuschließen. Wegen sogenannten Kriegsverrats – oft in Verbindung mit ähnlichen Tatbeständen wie Feindbegünstigung, Wehrkraftzersetzung oder Rundfunkvergehen - wurden vor allem in den letzten Jahren des II. Weltkrieges etwa 30 00 Menschen - vorwiegend Soldaten, aber auch Zivilisten - zum Tode verurteilt und fast alle hingerichtet. Darüber hinaus wurden Tausende zu Zuchthausstrafen verurteilt.

pax christi Kommentar zur Entscheidung des Bundestages zur Aufhebung der sogenannten Kriegsverratsurteile

Sie haben in verschiedener Weise versucht, Widerstand zu leisten, retteten Verfolgte oder zweifelten am sog. „Endsieg“. Ihre Absichten und Handlungen sind als gerechtfertigt anzusehen, es ist kein Fall bekannt, wo durch ihr Verhalten anderen ein Schaden zugefügt worden wäre. Jedes Bestreben, in dieser Situation etwas für in ihrem Leben Bedrohte oder für die Beendigung des Krieges zu tun, verdient Anerkennung. Um so unverständlicher ist das Bestreben einiger Parlamentarier, die strafrechtliche Rehabilitierung über Jahre hin immer wieder hinauszuzögern. pax christi begrüßt diese Entscheidung des Bundestages. Lange, zu lange hat es gedauert, um eine solche rechtliche Wiedergutmachung dieser Opfer des Nationalsozialismus auszusprechen, eine entsprechende Entschädigungsregelung sollte dem folgen!

Der Deutsche Koordinationskreis Palästina Israel – für ein Ende der Besatzung und einen gerechten Frieden wird sich zukünftig nicht mehr nur auf die politische Bekämpfung der Mauer im israelisch besetzten Palästina beschränken, sondern die Besatzung selber und damit auch die völkerrechtswidrige Blockade des Gaza-Streifens zu seinem Thema machen. Auf der Grundlage einer gemeinsamen Plattform gründeten u.a. pax christi, IPPNW, Versöhnungsbund, Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft und Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden und der Palästinensischen Gemeinde Deutschland den neuen Arbeitszusammenhang.

Die Zusammenarbeit deutscher Friedens- und Solidaritätsorganisationen zur Unterstützung eines gerechten und nachhaltigen Friedens in der Nahostregion – zwischen PalästinenserInnen und Israelis – hat sich am 29.08.09 eine neue Netzwerkstruktur gegeben.

Zentrales Anliegen des Bündnisses wird es sein, in der deutschen Öffentlichkeit und gegenüber den Verantwortlichen in Regierung und Parlamenten auf die Notwendigkeit einer anderen Nahost-Politik der Bundesregierung hinzuweisen und darauf zu drängen, dass der Selbstbestimmung und der Sicherheit der palästinensischen Bevölkerung endlich die gleiche Dringlichkeit zuerkannt werden, wie den Menschen in Israel. Krieg und Unterdrückung in der Region und ihrer Unterstützung insbesondere durch USA und EU entgegenzutreten, Völkerrecht und Menschenrecht auf beiden Seiten energisch einzufordern, ist der Konsens aller am neuen Bündnis beteiligten Gruppen und Organisationen.

Dieser tödliche Angriff zeigt nur einmal mehr, dass es nicht gelingt, den Einsatz friedlich zum Schutz der Bevölkerung zu gestalten. Die Gewaltspirale wird immer mehr angeheizt und muss durchbrochen werden – je später, desto schwieriger.

Darüber müssen wir reden! Eine Bilanzierung des militärischen Engagements der Bundeswehr ist unabdingbar. Altkanzler Schröders Impuls für den Abzug der internationalen Truppen im Jahr 2015 begrüßt die Generalsekretärin von pax christi, Christine Hoffmann, ausdrücklich. Das muss aber nicht heißen, dass die Bundeswehr genau so lang im Land bleibt. Der Zeitpunkt muss nach überprüfbaren Zielen und Zwischenzielen entschieden werden und kann innerhalb der nächsten 18 Monate liegen.

Fast 100 Menschenleben hat das jüngste Manöver der Bundeswehr in der Region Kunduz gekostet. Alle Toten, Verletzten und ihre Angehörigen haben unser ausdrückliches Mitgefühl. Dieses Ereignis ist erschreckend und die Umstände, wie es dazu kam, müssen untersucht werden. Überraschend ist es aber nicht, denn Provokationen der deutschen Soldaten während des Bundestagswahlkampfes waren zu erwarten. Die massive Reaktion der Bundeswehr aber zeigt, wie stark die Bedrohung ist. Die deutschen Soldaten bauen in Afghanistan keine Brunnen, sie stehen in höchster Gefahr und kriegerischer Konfrontation.

Es ist blamabel, dass es so einer menschlichen Tragödie bedarf, um die desaströse Lage des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr in den Wahlkampf zu holen. Die Bundesregierung darf sich nicht weiter um das Thema herumdrücken, denn das ist unverantwortlich gegenüber der afghanischen Bevölkerung und gegenüber den jungen Männern, die Deutschland zum Kämpfen schickt.

Am heutigen 1. September jährt sich zum 70. Mal der Überfall Deutschlands auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkrieges in Europa. Mit diesem Tag begann ein Krieg, der von Beginn an als Eroberungs- und Vernichtungskrieg geplant und durchgeführt wurde.

Das pax christi-Präsidium veröffentlichte aus diesem Anlass am 25.08.09 die Erklärung: Der Krieg wurde aus der Mitte der Gesellschaft mitgetragen

Mit diesem Tag begann ein Krieg, der von Beginn an als Eroberungs- und Vernichtungskrieg geplant und durchgeführt wurde. Der Jahrestag des Kriegsbeginns erinnert uns an 60 Millionen Tote, die bis zum Ende des Krieges als Soldaten und Zivilisten zu seinen Opfern wurden, an die Ermordung von 6 Millionen Juden, die hinter den Frontlinien des Krieges bis zur industriellen Vernichtung perfektioniert wurde, die Verschleppung von Zwangsarbeitern und die oftmals tödliche Gewalt gegen Kriegsgefangene vor allem aus Osteuropa, die millionenfachen Vertreibungen, die den Menschen ihren Besitz und ihre Heimat nahmen, die Zerstörung zahlreicher Städte und Landschaften.

Informationen zu weiteren Aktivitäten aus der pax christi-Bewegung und anderen Friedensinitiativen am 1. September 2009

pax christi Limburg: „70 Jahre Kriegsbeginn – Nie wieder!“
Traditioneller Gedenkgottesdienst für die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt, um 19.00 Uhr in der Kirche Mariä Himmelfahrt, Frankfurt -Griesheim, Linkstr. 64 zelebrieren. Segnung von 5 Wanderfriedenskerzen, die anschließend in den Bistümern Fulda, Mainz und Limburg, sowie der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wie auch anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften zum Einsatz kommen.

pax christi Köln: Verleihung des Düsseldorfer Friedenspreises
Um 19.30 Uhr wird im Innenhof des Maxhauses, Schulstraße  zum siebten Mal der Düsseldorfer Friedenspreis vergeben. Der Preis geht 2009 an den Vorstand der Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative stay! e.V.

pax christi München: "Unser Gedenken an den 70sten Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs"
17:30 Uhr Vortrag in der LMU Hauptgebäude am Geschwister -Scholl-Platz 1, Raum D 209: Andreas Heusler "Zwischen Kriegsvorbereitung  und Kriegsalltag - der 1. September 1939 in der Münchner Stadtgeschichte"
19:00 Uhr am Siegestor Mahn- und Gedenkkundgebung mit Zeitzeugen und einem polnischen Vertreter, Musik: Attac-Chor München; im Anschluss eine ökumenische Gedenkstunde im Pfarrsaal von St. Ludwig (Eingang: rechts neben der Kirche).

Berlin:
Aktion der Kampagne "Unsere Zukunft atomwaffenfrei"
CDU-Parteizentrale zum Thema Atomwaffen in Deutschland und deren Abzug, Treffpunkt: Lützowplatz (in der Nähe der CDU-Parteizentrale, Klingelhöferstr. 8), 10 Uhr, (Vorbereitung, am Lützowplatz), Aktion um 11 Uhr

„Es geht konkret um André Shepherd aber auch generell darum, Verweigerer und Verweigerinnen zu schützen, die sich den Verbrechen der Kriege entziehen und flüchten.“ erklärt pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann anlässlich des heute veröffentlichten Aufrufs zum Antikriegstag und betont: „Kriegsdienstverweigerung und Desertion sind mutige individuelle Schritte, sich nicht an Krieg, Kriegsverbrechen und militärischer Gewalt zu beteiligen. Das Nein zum Krieg ist ein wichtiger Schritt zur Beendigung eines jeden Krieges.“

pax christi fordert gemeinsam mit vielen Organisationen die Bundesregierung auf, dem amerikanischen Kriegsdienstverweigerer André Shepherd Asyl zu gewähren

In seinem Asylantrag beruft sich André Shepherd auf die Qualifikationsrichtlinie der Europäischen Union, die seit Oktober 2006 in Kraft ist. Mit ihr sollen die geschützt werden, die sich einem völkerrechtswidrigen Krieg oder völkerrechtswidrigen Handlungen entziehen und mit Verfolgung rechnen müssen.

In dem von pax christi mit unterzeichneten Aufruf heißt es darüberhinaus:

André Shepherd desertierte aus der US-Armee und beantragte im November 2008 in Deutschland Asyl. Er stellt sich damit gegen eine Kriegs- und Besatzungspolitik, die im Namen des „Krieges gegen den Terror“ zu großem Leid, Zerstörungen und Hunderttausenden von Toten geführt hat, insbesondere in Irak und Afghanistan. Er verweigerte den Einsatz als Hubschraubermechaniker im Irak: „Bei einer weiteren Beteiligung wäre ich verantwortlich für zahlreiche völkerrechtswidrige Handlungen. Für mich war daher der Weg eindeutig: Ich musste raus aus dem Militär.“

André Shepherds Entscheidung ist mutig angesichts der drohenden Konsequenzen. Auch unter einem US-Präsidenten, auf den viele Hoffnungen gesetzt werden, bleibt er von Strafverfolgung und mehrjähriger Haft bedroht. Zudem werden Deserteure unehrenhaft aus der Armee entlassen, womit sie in den USA als Verräter/innen gelten, ausgegrenzt werden und z.B. kaum Arbeit finden können.

Zum diesjährigen Antikriegstag erklären die unterzeichnenden Organisationen daher ihre Solidarität mit André Shepherd, der mit seiner Verweigerung ein entschiedenes Zeichen gegen den Krieg gesetzt hat. Die unterzeichnenden Organisationen rufen zugleich dazu auf, für André Shepherd aktiv zu werden.

Weitere Informationen erhalten Sie über:

Military Counseling Network, Daniel Hershberger, Hauptstr. 1, 69245 Bammental, Telefon: 06223-47506, mcn@dmfk.de, www.mc-network.de

Connection e.V., Rudi Friedrich, Gerberstr. 5, 63065 Offenbach, Tel.: 069-82375534, office@Connection-eV.de, www.Connection-eV.de

Nach den Gesprächen zwischen Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier mit Ministerpräsident Netanjahu, die die wichtigen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland bestärkt haben, steht die deutsche Nahostpolitik weiterhin vor Herausforderungen, die sich aus Menschenrechts- und Völkerrechtsverpflichtungen ergeben:

Kommentar der pax christi-Nahostkommission

Auf der Basis der freundschaftlichen Beziehungen muss der israelischen Regierung mehr abgerungen werden als ein Stopp von Siedlungsneubauten, denn die Siedlungen im Westjordanland insgesamt sind völkerrechtswidrig errichtet.

Ein Ende der Blockade des Gazastreifens ist dringend notwendig, da diese der palästinensischen Bevölkerung dort Lebensgrundlagen entzieht und nahezu alle Aspekte des Alltags- und Wirtschaftslebens lähmt.

Um die Sicherheit Israels und das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser zu erreichen, ist mehr Einsatz für die Errichtung eines palästinensischen Staates in den 1949 vereinbarten Grenzen

Anlässlich des heutigen Gesprächs mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu appelliert die pax christi-Nahostkommission an Bundeskanzlerin Merkel, offensiver als bisher für einen Staat Palästina einzutreten

„Frieden und Sicherheit für Israelis und Palästinenser sind ohne die Schaffung eines lebensfähigen palästinensischen Staates nicht denkbar.“ betont Wiltrud Rösch-Metzler, die Vorsitzende der pax christi-Nahostkommission. Die Kommission der katholischen Friedensbewegung befürchtet, dass die Möglichkeit einer Zweistaatenlösung durch das Fortdauern völkerrechtswidriger Besatzungsmaßnahmen zerstört werden könnte. „Besonders die systematische Siedlungs-, Abriegelungs- und Separationspolitik im Westjordanland, die schleichende Verdrängung aus Ostjerusalem sowie die Blockade des Gazastreifens entziehen der palästinensischen Bevölkerung ihre natürlichen Lebensgrundlagen und lähmen nahezu alle Aspekte des Alltags- und Wirtschaftslebens“, kritisiert Rösch-Metzler.

Gemeinsam mit israelischen und palästinensischen Friedenskräften engagiert sich die Nahostkommission der katholischen Friedensbewegung "pax christi" für eine stärkere Berücksichtigung geltender Menschen- und Völkerrechtsstandards in der deutschen Nahostpolitik.

„Frieden und Sicherheit für Israelis und Palästinenser“ sind auch das Thema der Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl, die die pax christi-Kommission gemeinsam mit dem AK Süd-Nord der IPPNW und der Nahostkommission des Versöhnungsbundes veröffentlicht hat.

In dieser Erklärung, die meine volle Zustimmung hat, gibt es einen Satz der geradezu den Kern der pax christi-Bewegung beschreibt: „Erinnerung kettet uns nicht an die Vergangenheit; sie macht uns frei für die Zukunft.“ Die gemeinsame deutsch-polnische Bekräftigung „der lebendigen Sorge um den Friede“ bestärkt pax christi ganz besonders im Angebot Freiwilliger Friedensdienste für junge Menschen im „Zentrum für Dialog und Gebet“ in Oswiecim.

pax christi begrüßt die Deutsch-Polnische Erklärung der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zum 1. September 1939

pax christi schafft dort konkret den Raum für Erinnerung und Auseinandersetzung der Nachkriegsgenerationen mit der zivilisatorischen Katastrophe des II. Weltkrieges. Zugleich wird in der Arbeit mit jungen Menschen dort das Geschenk der Versöhnung erfahrbar. Ich danke den Vorsitzenden der beiden Bischofskonferenzen, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch und Erzbischof Dr. Jósef Michalik, ausdrücklich für diese Erklärung und ihr lebendiges Engagement für wahrhaftigen Umgang mit der Geschichte.

Christine Hoffmann
pax christi-Generalsekretärin

„Der II. Weltkrieg wurde aus der Mitte der deutschen Gesellschaft mitgetragen. Den Deutschen und ihren Institutionen, auch der katholischen Kirche in Deutschland, ist es nicht gelungen, diesen Krieg und seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern und auch nicht ihn zu beenden.“ erklärt pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann, anlässlich der Veröffentlichung der pax christi-Erklärung zum Kriegsbeginn am 1. September vor 70 Jahren.

pax christi empfiehlt Wort der Bischöfe an die noch lebenden Soldaten der Wehrmacht

Hoffmann betont zugleich: „Es geht pax christi darum, aus der Einsicht in die damalige Situation Lehren für das verantwortliche Handeln der Kirche in der Gesellschaft von heute zu ziehen. Deshalb appelliert pax christi an die Deutsche Bischofskonferenz, ein Schreiben an die heute noch lebenden Soldaten der Wehrmacht zu verfassen, in dem der Irrtum eingeräumt wird, dem die Mehrheit der Fuldaer Bischofskonferenz damals in der Beurteilung des Zweiten Weltkrieges unterlag. Viele noch lebende Soldaten der Wehrmacht fühlen sich in ihrer Gewissensentscheidung gegenüber dem Kriegsdienst von ihrer Kirche allein gelassen, denn viele wurden auch von ihren Geistlichen zum Gehorsam gegenüber dem Führer ermahnt. Auch deshalb konnte der nationalsozialistische Staat die deutsche Gesellschaft bis in den totalen Krieg treiben. Dem müssen wir uns als katholische Gläubige heute stellen und mit dafür sorgen, dass in Zukunft aus der Mitte der deutschen Gesellschaft heraus stets Frieden, Freiheit und Demokratie unterstützt werden!“

Er forderte den Sicherheitsrat auf, eine unabhängige Kommission einzusetzen, um diesen Missbrauch in den Konflikten in Tschad, der Demokratischen Republik Kongo (DRC) und Sudan zu untersuchen. "Trotz vieler Fortschritte in den letzten 20 Jahren werden Zivilisten immer noch systematisch und weit verbreitet Opfer sexueller Gewalt in Konflikten, wie beispielsweise in Uganda, Sudan, Zentralafrika und der DRC", so Ban. "Wie Gewehre oder Granaten ist sexuelle Gewalt Bestandteil des Waffenarsenals der Konfliktparteien, um militärische, politische, soziale und wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Meist kommen die Täter unbestraft davon."

Vergewaltigungen werden mittlerweile ebenso brutal als Kriegswaffe eingesetzt wie Gewehre und Granaten, hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in seinem neuesten Bericht an den Sicherheitsrat gewarnt.

Um sexuelle Gewalt besser vorbeugen zu können, müssten die Vereinten Nationen ein Organ zur Förderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen sowie der Menschenrechte für Frauen einrichten sowie die Überwachungs- und Untersuchungsmöglichkeiten verbessern, um die Schwierigkeiten bei der Erfassung statistischer Daten im Bereich sexueller Gewalt zu beseitigen. Ban forderte außerdem die UNO-Mitgliedstaaten dazu auf, mehr weibliche Polizistinnen und Soldatinnen für Friedensmissionen auszubilden.

Gewaltfreie Aktion Atomwaffen Abschaffen (GAAA)/Eifel: Drei Aktivist/innen (eine Belgierin, ein Deutsch-Belgier und ein Deutscher) drangen am Freitagabend gegen 20.30 Uhr in den Fliegerhorst Büchel in der Südeifel ein, indem sie dort den Zaun durchschnitten und durch den NATO-Draht robbten. Am Zaun befestigten sie ein Transparent mit der Aufschrift „Keine Uranwaffen! GBU-24 +TAURUS auch ILLEGAL!“ Die belgische Aktivistin überreichte einem der Feldjäger zwei Broschüren über die gesundheitlichen Folgen von Uranwaffen mit der Bitte, sie an den deutschen und den US-amerikanischen Kommandanten zu übergeben. Das war die 8. Go-In Aktion der GAAA am Fliegerhorst seit ihrer Gründung 1996!

Aktion Zivilen Ungehorsams am 7. August 2009

Auf dem NATO-Luftwaffen Stützpunkt Büchel sind neben den ca. 20 US-Atombomben auch Uranwaffen stationiert: die bunkerbrechende GBU-24 Bombe (ca. 1/2 Tonne Uran) und der TAURUS-Marschflugkörper (ca. ¼ Tonne Uran). TAURUS, die modernste Abstandswaffe der Welt, wurde im Jahre 2005 durch den deutsch-schwedischen Konzern TAURUS Systems GmbH (EADS/LFK-Lenkflugkörpersysteme GmbH [67 %] und Saab Bofors Dynamics) entwickelt. Die deutsche Luftwaffe unterhält 600 dieser gefährlichen Marschflugkörper.

Die bunkerbrechende TAURUS-Rakete fliegt nach dem Ausklinken vom Tornado über Satelliten ferngesteuert und unterm Radar hindurch bis zu 500 km weiter zum Ziel, wo sie laut Angaben der Luftwaffe vier Meter Stahlbeton durchdringen kann. Um in unterirdische Bunker eindringen zu können, führt sie am Ziel ein sog. High-Pop-up-Manöver durch, d.h. sie fliegt senkrecht hoch, um dann im Sturzflug „effektiv“ einzudringen. Der Einsatz der TAURUS-Waffe soll mit dem in Tschechien geplanten US-„Raketenabwehrsystem“ verbunden werden und könnte damit einen (nuklearen) NATO-Angriffskrieg gegen Russland führbar machen: Die feindlichen unterirdischen Atomwaffenbunker können so vor dem Gegenangriff zerstört werden.

Die NATO hält nach wie vor an der nuklearen Erstschlagsdoktrin fest – zur Kontrolle der Märkte und Ressourcen. In Straßburg erklärte das „Verteidigungsbündnis“ dieses Jahr: „Eine Abschreckung, die sich auf eine geeignete Mischung aus nuklearen und konventionellen Fähigkeiten stützt, bleibt ein Kernelement unserer Gesamtstrategie.“ Dies macht deutlich, dass die NATO und damit auch der US-Präsident Obama kein wirkliches Interesse an einer Welt ohne Atomwaffen und andere Massenvernichtungswaffen haben!

Nach ihrer Aktion am NATO-Luftwaffenstützpunkt erklärte Monique D’Hooghe: „In Belgien sind diese völkerrechtswidrigen Uranwaffen seit diesem Jahr per Gesetz verboten. Der irakische Krebsspezialist Dr. Jawad Al-Ali hat die schrecklichen gesundheitlichen Folgen und schweren Fehlbildungen an Neugeborenen ausführlich in der südirakischen Basra-Region dokumentiert. Und auch Italien musste anerkennen, dass die über 200 Krebstodesfälle unter den ca. 2000 italienischen Soldaten, die im Kosovo ‚aufräumten’, mit den von der NATO eingesetzen Uranwaffen zusammenhängen.“
Christian Mallas, Mitglied in der DFG-VK Kiel, dem laut Polizei jetzt eine Anklage wegen „schweren Landfriedensbruchs“ droht, benennt zusätzlich: „Es werden radioaktive Kriege geführt, und kaum jemand merkt es! Die Nürnberger Prozesse verpflichten uns, gegen Kriegsverbrechen Widerstand zu leisten und es wird Zeit, dass Deutschland das Völkerrecht endlich anerkennt. Mit unserer Aktion wollen wir diesen Sachverhalt bekannt machen!“
Desweiteren ist bekannt, dass auch Techniker aus Büchel für die Aufklärungstornados einer anderen Fliegerstaffel für den völkerrechtswidrigen Angriffkrieg gegen Afghanistan auf der dortigen Militärbasis Masar-i-Scharif über Monate stationiert sind.

Die Teilnehmer/innen des Workshops entwickelten u.a. folgende Forderungen: Die Bundesregierung möge die israelischen Militärangriffe auf den gewaltfreien Widerstand in dem palästinensischen Dorf Bil’in mit Nachdruck verurteilen. Außerdem soll sich die Bundesregierung entschieden dafür einsetzen, dass die israelische Besatzung des Westjordanlandes und Ostjerusalems aufhört und die völkerrechtswidrige Blockade von Gaza aufgehoben wird.

Gemeinsam mit pax christi und IPPNW richtete die bundesweite attac-Arbeitsgruppe Globalisierung und Krieg im Rahmen der diesjährigen attac-Sommerakademie, die vom 4. bis 9. August in Karlsruhe stattfand, einen dreitägigen Workshop zur Nahostpolitik aus.

Ein Schwerpunkt des Arbeitstreffens waren Informationen israelischer und palästinensischer Friedensinitiativen. Diese belegen, dass der palästinensische Wirtschaftsraum durch israelische Siedlungen, Sperranlagen und Check-Points sowie Straßen, die ausschließlich Israelis vorbehalten sind, zerstückelt und so einem lebensfähigen palästinensischen Staat schrittweise die Grundlage entzogen wird. Ein weiterer Themenschwerpunkt war das nukleare Vernichtungspotenzial im Nahen Osten, über das Matthias Jochheim, Stellvertretender Vorsitzender von IPPNW, berichtete.

Aus diesen Informationen leiteten die Teilnehmer/innen die Forderung nach einer anderen Nahostpolitik ab. Als vordringliche Ziele benannten sie:

- gleiche Maßstäbe für beide Konfliktparteien: gleiche Sicherheit, gleiche Selbstbestimmung,
  gleiche Freizügigkeit;
- die Aufhebung der völkerrechtswidrigen Blockade von Gaza durch Israel und Ägypten;
- das Ende der israelischen Besatzung des Westjordanlandes, Gazas und Ostjerusalems;
- den Abbau der völkerrechtswidrigen Mauer, Sperranlagen und Siedlungen auf
  palästinensischem Gebiet;
- keine Waffenlieferungen in die Konfliktregion, insbesondere keine weitere Lieferung der als
  nukleare Trägersysteme geeigneten Dolphin-U-Boote an Israel;
- keine Kriegsdrohungen und Kriegsvorbereitungen gegen den Iran.

Der Appell “Wir fordern eine andere Nahostpolitik”, den die Kooperation für den Frieden an die Bundesregierung richtet, wird ausdrücklich unterstützt.

Die Teilnehmer/innen des Arbeitstreffens sprechen sich für eine verstärkte Zusammenarbeit mit der internationalen Kampagne FreeGaza sowie mit palästinensischen und israelischen Friedensgruppen aus. Auf israelischer Seite sind dies zum Beispiel das Informationszentrum für Menschenrechte B’tselem und das Israeli Committee against House Demolitions, auf palästinensischer Seite zum Beispiel das Bürgerkomitee von Bil’in, einem palästinensischen Dorf bei Ramallah, das seit 2005 gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung leistet.

Am 3. August 2009 drangen israelische Kampfeinheiten in Bil’in ein, verhafteten zwei Kinder und fünf Erwachsene, darunter Mohammad Khatib, Mitglied des Bürgerkomitees und Träger der Carl-von-Ossietzky-Medaille. Die Teilnehmer/innendes Workshops fordern die Bundesregierung auf, sich für die sofortige Freilassung der Verhafteten einzusetzen und die militärischen Übergriffe mit Nachdruck zu verurteilen.

Die Menschen, die beim Atomwaffeneinsatz gegen Hiroshima verletzt oder getötet wurden sind nicht vergessen. Sie sind uns Mahnung an die Bedrohung, die solange von Atomwaffen ausgehen wie sie existieren. Die nukleare Bedrohung der Weltbevölkerung durch Atomwaffen, ein Relikt der Ost-West-Konfrontation nach dem Zweiten Weltkrieg, besteht angesichts von weltweit 25.000 Atomwaffen fort. Noch stehen Tausende dieser Raketen binnen Sekunden startbereit und können Menschen und Umwelt vernichten. Die Gefahr wächst, dass weitere Staaten wie Iran und Nordkorea zu den Atommächten hinzukommen und dass Atomwaffen darüber hinaus in den Besitz von Terrorgruppen gelangen.

pax christi legt Stufenplan zur atomwaffenfreien Welt bis 2020 vor

Gleichzeitig ist die Möglichkeit, eine atomwaffenfreie Welt zu erreichen, in greifbare Nähe gerückt: Ein Teil des Atomwaffenarsenals ist seit dem Ende des Kalten Krieges bereits verschrottet worden, die Vereinigten Staaten und Russland handeln Verträge über den weiteren Abbau aus und haben seit Jahren Atomwaffentests unterlassen. Die deutschen Führungspersönlichkeiten Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Egon Bahr und Hans-Dietrich Genscher haben den Aufruf der ehemaligen amerikanischen Außenminister Kissinger und Shultz für eine atomwaffenfreie Welt prominent unterstützt.

Die Bundesregierung hat sich die „weltweite Abschaffung nicht nur der Nuklearwaffen, sondern aller Massenvernichtungswaffen“ zum Ziel gesetzt. Auch Präsident Obama hat nicht nur die Reduzierung, sondern die Abschaffung der Atomwaffen zum zentralen Element seiner Politik erklärt. pax christi unterstützt diese Signale! Denn kein globales Problem ist durch militärische Konfrontation oder durch nukleare Abschreckung zu lösen: weder die Bewahrung der Umwelt und der Klimaschutz oder die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit Energie noch die Bewältigung von Hunger und Armut. Eine Welt ohne Atomwaffen ist moralische Verpflichtung, Notwendigkeit für das Überleben der Menschheit und - nicht zuletzt - eine Frage des politischen Willens.

Jetzt besteht die historische Chance, das Versprechen einer atomwaffenfreien Welt einzulösen, das bereits 1968 mit dem Nichtverbreitungsvertrag gemacht wurde - und zwar bis spätestens 2020! Dazu kann die Bundesregierung beitragen, wenn sie jetzt klare Fristen benennt und verbindliche Schritte in diese Richtung unternimmt. Deshalb beteiligen wir uns an der gemeinsamen Kampagne der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi und legen Ihnen hiermit einen Stufenplan hin zur Abschaffung der Atomwaffen vor.

Der pax christi-Stufenplan zur schrittweisen Erreichung einer atomwaffenfreien Welt bis 2020: Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl hat pax christi Bundeskanzlerin Merkel aufgefordert, jetzt zu handeln und den folgenden Plan zu unterstützen:

1. sich ausdrücklich für einen Stufenplan zur Abschaffung von Atomwaffen bis 2020 aussprechen,

2. dafür werben, dass der Vertrag über das umfassende Verbot von Atomwaffentests (CTBT) bis spätestens 2010 in Kraft tritt (NPT-Überprüfungskonferenz);

3. für eine vertragliche Einigung in 2010 werben, mit der die Produktion von spaltbarem Material für Atomwaffen verboten wird;

4. sich für ein atomwaffenfreies Europa bis spätestens 2015 aussprechen;

5. gemeinsam mit dem Bundesaußenminister offensiv bei allen europäischen Ländern und NATO-Verbündeten um Unterstützung dafür werben;

6. Verhandlungen mit den USA über den schnellen Abzug der in Büchel lagernden Atomwaffen aus Deutschland bis spätestens 2015 vorantreiben;

7. sich dafür einsetzen, dass die deutsche Mitarbeit an der Einsatzplanung von Atomwaffen bis spätestens 2015 eingestellt wird und keine deutsche Soldaten und Kampfbomber für den Einsatz bereit gestellt werden;

8. sich zur Fürsprecherin dafür machen, dass Atomsprengköpfe nicht mehr bei kurzer Vorwarnzeit gefechtsbereit gehalten werden, sondern sicher und getrennt von ihren Trägersystemen gelagert werden;

9. jede weitere Modernisierung von Atomwaffen und ihren Trägersystemen zu verhindern suchen;

10. sich für eine übernationale Kontrolle des gesamten Kreislaufs von spaltbarem Material einsetzen, auch als Weg um „Atom-Terrorismus“ zu verhüten;

11. sich bei den Regierungen der Vereinigten Staaten, Polens und der Tschechischen Republik dafür einsetzen, auf die Errichtung eines Raketenabwehrschildes in Europa zu verzichten.

Diese Schritte können die Atomwaffenstaaten der NATO innerhalb ihres Bündnisses sowie Russland und China dazu bewegen, eine atomwaffenfreie Welt bis spätestens 2020 zu schaffen. Dies kann ebenso die Nuklearmächte Indien, Israel und Pakistan, die nicht am Atomwaffensperrvertrag teilhaben, veranlassen, ihren Kurs zu ändern. Nicht zuletzt wäre es ein starkes Signal an Iran und Nordkorea, auf ihre Ambitionen zu verzichten. Aus diesem Grund bitten wir Sie, diesen Stufenplan zu unterstützen und sich bei den Verbündeten Deutschlands für seine Realisierung einzusetzen. Die Hoffnung auf eine Welt frei von Atomwaffen ist keine Utopie, wenn genügend Menschen ihr Unterstützung gewähren.

Es gebe inzwischen viele Hinweise auf ernsthafte Vorbereitungen militärischer Angriffe, u.a. die Verlegung von israelischen U-Booten ins Rote Meer und Angriffsübungen auf den US-Stützpunkten in Nevada und Washington. Hinzu komme eine verschärfte Kriegsrhetorik der rechtsgerichteten israelischen Regierung gegen Iran, seit sie wegen des Siedlungsbaus auf palästinensischem Boden von den USA unter Druck gesetzt werde.

Persönlichkeiten aus der Friedensbewegung warnen dringend vor einem möglichen Militärschlag Israels gegen iranische Atomanlagen und fordern eine Lösung des Konflikts mit zivilen Mitteln

In deutschen und internationalen Medien häufen sich die Meldungen über Manöver des israelischen Militärs zur Vorbereitung militärischer Angriffe gegen Iran und seine Nuklearanlagen. Laut Times vom 16. Juli handelt es sich um “ernsthafte Vorbereitungen”. Dazu gehört die Verlegung von Israels raketenbestückten, aus Deutschland gelieferten U-Booten in das Rote Meer und Angriffsübungen auf den US-Stützpunkten in Nevada und Washington.

Israels Regierung überrascht die Weltöffentlichkeit fast wöchentlich mit Meldungen über neue iranische Bedrohungen. Verbreitet wird immer noch die Falschmeldung, US-Vizepräsident Joe Biden habe Israel grünes Licht für einen Angriff gegen Irans Nuklearanlagen erteilt. Inzwischen hat sich Präsident Obama deutlich gegen “grünes Licht” ausgesprochen.

Dennoch bestand Israels Verteidigungsminister Ehud Barak im Gespräch mit US-Verteidigungsminister Robert Gates am 26. Juli über den Atomkonflikt mit Iran eindringlich darauf, die militärische Option offen zu halten.

(Berlin/Bonn) In einem Brief an den Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo protestiert das von pax christi mitgetragene Ökumenische Netzwerk Zentralafrika (www.oenz.de) gegen die Festname des Menschenrechtsaktivisten Golden Misabiko in Lubumbashi (Demokratische Republik Kongo).

Golden Misabiko, Präsident der führenden Menschenrechtsgruppe Asadho (Afrikanische Menschenrechtsvereinigung) in der südlichen Bergbauprovinz Katanga, wurde am vergangenen Freitag polizeilich vorgeladen und festgenommen. Mitte Juli hatte seine Organisation in einem Bericht die Rolle des Militärs bei der illegalen Förderung von Uran in der offiziell geschlossenen Mine Shinkolobwe enthüllt, aus der der Brennstoff für die Hiroschimabombe 1945 kam und deren hochradioaktive Erze bis heute auf den globalen Schwarzmarkt gelangen.

Golden Misabiko wird die "Verbreitung sensibler Nachrichten" vorgeworfen. Der Fall Misabiko steht symptomatisch für die zunehmende Repression von kritischen Intellektuellen im Kongo, wo vor drei Jahren mit hohem internationalen Einsatz und u.a. verbunden mit dem Einsatz der Bundeswehr Wahlen zum nationalen Parlament durchgeführt worden waren. Hoffnungen auf einen Neuaufbruch im Kongo, das über Jahrzehnte von dem skrupellosen Despoten Mobutu (bis 1997) und anschließend von kriegerischen Unruhen mit mehr als fünf Millionen Toten heimgesucht worden war, haben sich bisher nicht erfüllt. Die maffiöse Ausbeutung von Rohstoffen, die Krieg und Gewalt finanzieren, geht unvermindert weiter.

In seinem Gratulationsschreiben bringt pax christi-Vizepräsident, Johannes Schnettler, Freude und Dank zum Ausdruck. "Mit großer Freude bringe ich Ihnen zu Ihrem 40-jährigen Priesterjubiläum die Glück- und Segenswünsche der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi. Wir sind dankbar, dass Sie der Friedensbewegung jetzt schon sieben Jahre ihres priesterlichen Dienstes widmen. Denn Sie sind uns über die Jahre nicht nur als Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz oder Ortsordinarius der Diözese Fulda ein ausgezeichneter Präsident sondern gerade auch als Priester ein aufmerksamer Begleiter und geschätzter Gesprächspartner unserer Bewegung, der selbst die Nähe der Menschen sucht."

pax christi gratuliert seinem Präsidenten Bischof Heinz Josef Algermissen zum 40-jährigen Priesterjubiläum

"Sie verstehen Ihr Präsidentenamt als Dienst in der Nachfolge des österlichen Christus, der die Jünger mit den Worten begrüßte: „Der Friede sei mit euch“. Gleich in Ihrer ersten Predigt nach Ihrer Wahl haben Sie uns diesen Gruß gleichsam als ihr Programm für die Präsidentschaft dargelegt. Dieser Gruß, mit dem Sie, wie jeder Ihrer Mitbrüder im Bischofsamt auch, jede Feier der Liturgie beginnen, ist Ihnen nicht nur als Präsident unserer Bewegung Leitwort, er prägt auch ihr Tun darüber hinaus.

Als wir im vergangenen Jahr in Kevelaer, dem Gründungsort der deutschen Sektion, unsere Delegiertenversammlung abhielten, mussten Sie vorzeitig abreisen. Sie haben sich bei den Delegierten in aller Form dafür entschuldigt. Der herzliche Applaus, der Ihnen damals entgegengebracht wurde, war zugleich die Anerkennung und der Respekt vor Ihrem unerschrockenen Engagement für den Frieden.
Sie mussten die Delegiertenversammlung in Kevelaer verlassen, weil Sie hier in Fulda gebraucht wurden, als Teilnehmer und Redner einer Kundgebung gegen Rechtsextremismus. Sie scheuen den Konflikt nicht, wenn es darum geht, die Würde eines jeden Menschen zu sichern und die Grundlagen für ein auf Frieden und Gerechtigkeit geründetes Miteinander gegen Angriffe zu verteidigen. Dieser Dienst am Frieden ist bei Ihnen, sehr verehrter Bischof Algermissen, ein wirklich priesterlicher Dienst aus dem Geist der Nachfolge Jesu Christi. Darin sind Sie Mittler zwischen Gott und den Menschen. So weisen Sie in Ihrem Tun auf unseren wirklichen Bezugspunkt menschlicher Existenz hin. 

In einer Predigt zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz haben Sie dies einmal so gesagt: „Wo Gott vergessen wird, ist auch der Mensch, der erniedrigt, entwürdigt und entmenschlicht wurde, vergessen.

Danke für diesen Dienst seit vierzig Jahren Ich wünsche Ihnen noch viele weitere segensreiche Jahre als Priester. Der Friede sei mit dir."

Fulda, den 19. Juli 2009

Inzwischen gibt es zahlreiche Initiativen, Informationsquellen, Broschüren, Bücher, Internetseiten etc., so dass es für Menschen, die seltener mit dem Thema Rechtsextremismus zu tun haben, nicht einfach ist, den Überblick zu behalten und die den eigenen Bedürfnissen entsprechenden Informationen zu finden. Mit dem Infoblatt will sie einige Schneisen in das Dickicht schlagen: Orientierungen bieten, Kontakte zu kompetenten Anlaufstellen erleichtern und Ausgangspunkte für eigene Recherchen aufzeigen.

pax christi Präsidiumsmitglied, Christine Böckmann, hat eine Orientierungshilfe zur Arbeit am Thema Rechtsextremismus zusammengestellt.

Damit ist dieses Infoblatt aber nur eine begrenzte und sehr subjektive Auswahl, die als interne Hilfestellung für Menschen in pax christi gedacht. Insbesondere soll dieses Infoblatt Interesse wecken für eine demokratische, gewaltfreie und kreative Auseinandersetzung mit einem nicht ganz einfachen, aber spannenden und wichtigen Themenfeld.

Für Mitglieder von pax christi steht das Infoblatt im Intern-Bereich in der Rubrik "best practice" zum Download bereit.

Mit Natalia Estemirowa ist eine der kraftvollsten Kämpferinnen für die Menschenrechte in dem vom Krieg zerrissenen Tschetschenien ermordet worden. Die Menschenrechtsaktivistin hat mehrfach mit Pax Christi Flanders zusammen gearbeitet. In einem Beileidsschreiben an ihre Familie, Freund/innen und Kolleg/innen schreibt Pax Christi Flandern von der ersten Begegnung mit ihr. „Natalia Estemirowa beeindruckte beim ersten Treffen im Rahmen eines Seminars 2003 in Peterburg mit ihrer Ruhe, ihrer Beharrlichkeit und ihrem starken Empfinden für Frieden und Gerechtigkeit.“

Pax Christi Flandern appelliert an die Regierungen Russlands und Tschetscheniens zukünftig die zu schützen, die sich friedlich und gewaltlos für Menschenrechte einsetzen.

Ende September 2004 war Natalia Estemirowa eine der eindrucksvollsten Gastrednerinnen der flämischen Friedenswoche in Belgien. Sie sprach dort über ein Konzept „Frauen eine Kraft des Friedens“ (Women as force for peace“).

Dank ihrer schier unendlichen Energie wollte sie ihre Arbeit für Wahrheit und Gerechtigkeit fortsetzen - koste es, was es wolle. Sie sammelte Geschichte für Geschichte, Foto für Foto und dokumentierte so in umfassenden Reportagen die Menschenrechtssituation ihres Heimatlandes.

In Erinnerung an Natalia Estemirowa wird Pax Christi Flandern sich weiter für Gerechtigkeit in der Russischen Föderation einsetzen und appeliert an alle Beteiligten gemeinsam die brutale Gewalt zu beenden.

 

Reporter ohne Grenzen veröffentlichte am 25. Juni einen Kaukasusbericht, in dem die schwierige Lage der Medien in den drei Republiken Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan untersucht wird. Die Rechercheure trafen dabei unter anderem mit dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow und dem Präsidenten Inguschetiens, Junus-Bek Jewkurow, sowie zahlreichen Medienvertretern und Menschenrechtsaktivisten zusammen.

Radio Vatikan sprach heute mit pax christi Vizepräsident Johannes Schnettler über die Aussagen von israelischen Soldaten mit denen sie der eigenen Armee schwere Menschenrechtsverletzungen vorwerfen.

Die dreiwöchige Offensive im Gazastreifen im Januar 2009 sei mit rücksichtsloser Gewalt gegen Zivilisten geführt worden, geht aus dem Bericht Bericht "Operation Cast Lead" der regierungsunabhängigen Organisation „Das Schweigen brechen“ (Breaking the Silence) hervor. Nähere Informationen zu dem Bericht bietet zeit-online.

Radio Vatikan: Gut ein halbes Jahr nach Ende des Gaza-Konfliktes haben israelische Soldaten der eigenen Armee schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die dreiwöchige Offensive sei mit rücksichtsloser Gewalt gegen Zivilisten geführt worden. Dies geht aus dem Bericht der regierungsunabhängigen Organisation „Das Schweigen brechen“ („Breaking the Silence“) hervor. Die katholische Friedensbewegung „Pax Christi“ begrüßt diesen Bericht. Das sagt uns der Vizepräsident der katholischen Friedensbewegung, Johannes Schnettler.

Johannes Schnettler: „Wir müssen zunächst einmal diese Informationen als Augenzeugenberichte werten. Der Sachverhalt wird wohl zutreffen, denn angesichts der Schwierigkeiten, aus dem Militär heraus etwas zu erzählen, sind diese Aussagen sicherlich als sehr glaubwürdig einzuschätzen. Dazu können wir nur eins sagen: Diese Männer und Frauen, die jetzt an die Öffentlichkeit gehen, beweisen Mut. Sie sagen uns, was Unrecht ist. Das fordert unseren absoluten Respekt.“

Radio Vatikan: Die israelische Armee teilte mit, es handele sich um „Diffamierung und Verleumdung der israelischen Armee und ihrer Kommandanten“. Für „Pax Christi“ ist der Bericht hingegen ein „gutes Zeichen“.

Johannes Schnettler: „Ich werte das Ganze – und das ist die Auffassung von „Pax Christi“ – nicht als Rechthaberei. Hier kommt Wahrheit ans Tageslicht. Diese Wahrheit ist für den Friedensprozess nur förderlich. Wenn Israel über diese Augenzeugenberichte in der Gesellschaft eine Debatte darüber beginnt, was ethische Grundlinien einer Soldatentugend sind, dann ist für den Frieden in Nahost ein kleiner Schritt erreicht, der weiter tragen kann. Denn dort, wo die Wahrheit ans Tageslicht kommt, da gibt es eine Grundlage für Versöhnung und Verständigung.“

Bei der Offensive im Januar waren mehr als 1.400 Palästinenser getötet und 5.000 weitere verletzt worden.

Im Süden der Philippinen droht eine Eskalation der Gewalt. Am Sonntag, dem 5.7.09, explodierte während der Messe eine Bombe neben der Kathedrale in Cotabato. Da das Lager der Moro Islamic Liberation Front (MILF) in Cotabato liegt, war es leicht, die „terroristische moslemische Gruppierung“ als Urheber zu beschuldigen. Sechs Menschen starben allein bei diesem Anschlag und 80 wurden verwundet. Explosionen ereigneten sich darüber hinaus in anderen Teilen von Mindanao. Streitkräfte und Polizei behaupteten, weitere Bombardierungen seien zu erwarten, auch in Metro Manila. Nach Auffassung von Pax Christi Pilipinas geht es der Regierung Arroyo darum, Angst und Unruhe zu verbreiten und so das bisher schleichend installierte Notstandsregime zu rechtfertigen. Unsere Partner halten es gegenwärtig für das wichtigste Ziel, die „Räume der Demokratie“ bis zur Präsidentschaftswahl im Mai 2010 zu verteidigen. Von einem Notstandsregime wären auch die Menschen in Negros betroffen, wo das von uns unterstützte Niall O’Brien Center liegt.

Spendenaufruf

Seit dem Projekt des Zivilen Friedensdienstes in Bacolod 2004 – 2009 unterhält die deutsche Sektion eine Partnerschaft mit Pax Christi Pilipinas. Verschiedene Programme des inzwischen verantwortlichen Pax Christi Institutes fördern die Demokratieentwicklung im Land durch die Befähigung einfacher Bürger/innen zu politischer Partizipation; sie unterstützen kreative Konfliktintervention und Konflikttransformation mit Hilfe der Kampfkunst Aikido und treiben Friedenserziehung und entwicklungspolitische Bildung voran. In den Projekten des Pax Christi Institutes wurden die Teilnehmer/innen immer ohne Ansehen ihrer sozialen Herkunft oder ihrer Religionszugehörigkeit gefördert; manche waren Moslems und mehrere kamen aus Mindanao.

Angesichts der derzeit bedrohlichen Situation auf den Philippinen rufen wir unsere Mitglieder und Sympathisanten zur Solidarität mit den Verteidigern von Demokratie und Gewaltfreiheit auf. Wir bitten euch, für die Opfer der Gewalt in Mindanao zu beten. Wir bitten euch auch, die Friedensgruppen und die Demokratiebewegung zu unterstützen, indem ihr euch und andere über die Situation informiert und öffentlich für Gerechtigkeit und Frieden auf den Philippinen eintretet.

Eine besonders greifbare Unterstützung wäre es, wenn ihr das Programm des Pax Christi Institutes für „Friedenserziehung und entwicklungspolitische Bildung“ unterstützt. Für das kommende Semester braucht Pax Christi Pilipinas ca. 3.800 €, um das Programm durchzuführen.

- Mit 380 € könntet ihr eine Person für den gesamten Projektzeitraum unterstützen, die sich die Reise- und Unterhaltskosten
  sonst nicht leisten kann.
- Mit 190 € würdet ihr die Durchführung eines Wochenendseminars für alle Teilnehmer/innen sicher stellen.
- Mit 76 € könnten alle Unterrichtsmaterialien für ein Semester finanziert werden.
- Mit 38 € sponsert ihr die Fahrtkosten eines armen Teilnehmenden und
- mit 19 € seine Mahlzeiten.

Wir danken euch schon jetzt für eure Unterstützung!

Spendenkonto: pax christi Kto-Nr.: 4000 569 017, BLZ 370 601 93, Pax Bank Köln, Stichwort: Negros

„Ich bin sehr erleichtert und froh über die längst überfällige Entscheidung, die Bombodrom-Pläne fallenzulassen. Besonders freut mich, dass die Demokratie sich in dieser Frage bewährt hat: Proteste von Bürger/innen und die Petition ans Parlament haben die Unterstützung durch den Deutschen Bundestag erreicht und jetzt endlich auch den Verteidigungsminister überzeugt.“ freut sich pax christi Generalsekretärin, Christine Hoffmann, heute in Berlin. „Das Üben von Raketenabwürfen im Tiefflug hat keinen Rückhalt in der Bevölkerung – das muss von der Politik ernst genommen werden. Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass die Bundeswehr das Angreifen mit Bomben und Bordkanonen aus dem Tiefflug heraus weiter üben will - allerdings jetzt im Ausland. Da klingt das Motto: aus den Augen aus dem Sinn an – so leicht sollten wir es uns alle nicht machen.“ betont Hoffmann.

pax christi begrüßt den gestern vom Verteidigungsminister bekannt gegebenen Verzicht auf die militärische Nutzung der brandenburgischen Kyritz-Ruppiner Heide

pax christi wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass nun auch der zweite Teil der Kernaussage der FREIen HEIDe eingelöst wird: Kein Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide UND AUCH NICHT ANDERSWO.

Für die Kyritz-Ruppiner Heide selbst müssen neue Perspektiven entwickelt werden, da das Gelände mit Munitionsresten der Sowjetarmee stark belastet ist.

Alle, die mit uns diesen Erfolg feiern wollen, können am Sonntag, den 12.07.2009 um 14.00 Uhr nach Sewekow bei Wittstock zur 113. Protestwanderung der FREIEn HEIDe gegen das Bombodrom kommen.

In dem Glückwunschschreiben an den Koordinierungsrat heißt es u. a., der Koordinierungsrat habe in der bundesrepublikanischen Gesellschaft Überrragendes geleistet, indem er die Grundlagen für einen versöhnenden Dialog mit den jüdischen Mitbürgern gelegt und Perspektiven für ein gemeinsames Miteinander im Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz geschaffen habe

Der Vizepräsident von pax christi, Johannes Schnettler, gratulierte dem Generalsekretär des Deutschen Koordinierungsrates für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Rudolf W. Sirsch, zum 60-jährigen Bestehen.

Schnettler wörtlich „Die Arbeit Ihrer Gesellschaft bewirkt, dass örtliche Initiativen immer wieder neu eine Vielzahl von Aktivitäten und Initiativen anstoßen, die die Grundlage bilden für eine plurale und offene Gesellschaft“.

Unter dem Dach des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, gegründet im November 1949, finden sich über 80 lokale und regionale Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit mit rd. 20.000 Mitgliedern. Schwerpunkt seiner Arbeit ist der jüdisch-christliche Dialog, die Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden sowie die Aufarbeitung des Holocaust.

Fünf Jahre nach dem Mauer-Gutachten des internationalen Gerichtshofs in Den Haag vom 9. Juli 2004 erinnern Friedens- und Menschenrechtsorganisationen an die Opfer der Mauer in Palästina. Auch wenn Israel das Recht und die Pflicht hat, für größtmögliche Sicherheit seiner Bürger/innen vor Attentaten zu sorgen, muss es dabei im Einklang mit dem Völkerrecht handeln. Bis jetzt sind 16 Menschen, die Hälfte davon Kinder, von der israelischen Armee bei Kundgebungen gegen die Mauer erschossen worden. Von Anfang an hat die völkerrechtswidrige Sperranlage Todesopfer gefordert: Mütter, die ihre Kinder dort gebären mussten und Kranke, die kein Krankenhaus mehr erreichen konnten.

Fünf Jahre nach dem Mauer-Gutachten des internationalen Gerichtshofs (IGH): Friedens- und Menschenrechts-Bündnis erinnert an die Opfer der Mauer in Palästina. Mitglieder des Bündnisses sind: pax christi, Internationale katholische Friedensbewegung, Deutsche Sektion; IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung; Deutsch-Palästinensische Gesellschaft (DPG); Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP Deutschland)

Das Bündnis verurteilt die Zunahme der Repression des israelischen Militärs gegen jene Menschen in den gewaltfreien und parteiübergreifenden lokalen Komitees der Gemeinden an der Mauer und in der „Graswurzelkampagne gegen die Apartheidmauer“. In wöchentlichen gewaltfreien Protesten fordern sie ihr durch die Mauer abgetrenntes Land zurück. Nächtliche Hausdurchsuchungen und Festnahmen im Vorfeld, Tränengas, Gummigeschosse und scharfe Munition werden eingesetzt. Hunderte wurden verwundet oder verhaftet.
Gesamte Dörfer leiden unter Ausgangssperre und unter der Schließung der Mauertore als Kollektivstrafen für diese Demonstrationen. Am 9. Juli 2004 hat der Internationale Gerichtshof (IGH) den Abbau der Mauer gefordert, die von der israelischen Regierung über die gesamte Länge auf dem Territorium der besetzten Westbank/Palästina gebaut wurde.

Die UN-Generalversammlung, darunter auch Deutschland, hat das Mauer-Gutachten durch ihren Beschluss unterstützt. Dennoch hat Israel In den letzten fünf Jahren den Bau der Mauer unter Missachtung des Völkerrechts und der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs fortgeführt. In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat die israelische Regierung bereits mehr Mauersegmente gebaut als im gesamten Jahr 2008. Als Folge davon sind 266.422 Palästinenser in Gemeinden überall in der West Bank eingeschlossen, isoliert und von Vertreibung bedroht. Mit dem Verlauf der Mauer stellt Israel die Grenze in Frage innerhalb der es selbst als Staat international anerkannt ist.

Nach fünf Jahren müssen die Beschlüsse endlich vom Nahost-Quartett (EU, USA, UN und Russland) umgesetzt werden. Denn, so der IGH, kein Staat darf Hilfe beim Erhalt der Mauer leisten. Alle Unterzeichnerstaaten der Vierten Genfer Konvention haben die Verpflichtung, sicherzustellen, dass Israel in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht handelt. Die Völkergemeinschaft hat nichts unternommen, um das IGH-Gutachten umzusetzen, und abgesehen von wenigen Regierungen, haben die Staaten gegenüber Israel keinen Druck angewandt oder Sanktionen verhängt. Internationale Firmen finanzieren und liefern weiterhin Material zur Unterstützung des Baus der Mauer und der Siedlungen.

Forderungen

Die Bundesregierung hat mit ihrer Unterstützung der UN-Resolution vor fünf Jahren eine Mitverantwortung übernommen, die heute dringender denn je wahrgenommen werden muss. Deutschland muss sich im Rahmen der EU für die Umsetzung des IGH-Gutachtens einsetzen. In einer gemeinsamen Initiative des Nahost-Quartetts muss Israel zu einer Sicherheitspolitik aufgefordert werden, die Menschenrechte und Völkerrecht in vollem Umfang wahrt.

Wir appellieren:
Bürgerinnen und Bürger können dieser Forderung Nachdruck verleihen, indem sie Protestpostkarten an die Bundesregierung senden. (Bestelladresse für Aktionskarten unter www.rottenburg-stuttgart.paxchristi.de oder www.friedensdekade.de) Unterstützen Sie die gewaltlose palästinensische “Graswurzelkampagne gegen die Apartheidmauer” (Grassroot Anti-Apartheid Wall Campaign) und die lokalen Komitees und setzen Sie sich für Mauer-Demonstranten ein, damit sie nicht weiter vom israelischen Militär verschleppt, verletzt und getötet werden. Gewaltfreier Widerstand ist auf internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung angewiesen, und so können wir alle gegen das Unrecht in den besetzten palästinensischen Gebieten und damit für einen gerechten Frieden einen Beitrag leisten.
Schreiben Sie an kontakt@stopptdiemauer.de, wenn Sie regelmäßig über die Situation in den besetzten Gebieten informiert werden wollen und gegen die Repression an der Mauer protestieren wollen!

Kontakt
pax christi, Christine Hoffmann, www.paxchristi.de; sekretariat@paxchristi.de
Deutsch-Palästinensische Gesellschaft (DPG), Gisela Siebourg, www.dpg-netz.de
IPPNW, Angelika Wilmen, www.ippnw.de
Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP Deutschland) Iris Hefetz, www.juedische-stimme.de

Fünf Jahre nach dem Mauer-Gutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag vom 9. Juli 2004 erinnern Friedens- und Menschenrechtsorganisationen an die Opfer der Mauer in Palästina. Auch wenn Israel das Recht und die Pflicht hat, für größtmögliche Sicherheit seiner Bürger/innen vor Attentaten zu sorgen, muss es dabei im Einklang mit dem Völkerrecht handeln. Bis jetzt sind 16 Menschen, die Hälfte davon Kinder, von der israelischen Armee bei Kundgebungen gegen die Mauer erschossen worden. Von Anfang an hat die völkerrechtswidrige Sperranlage Todesopfer gefordert: Mütter, die ihre Kinder dort gebären mussten und Kranke, die kein Krankenhaus mehr erreichen konnten.

Fünf Jahre nach dem Mauer-Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH): Friedens- und Menschenrechts-Bündnis erinnert an die Opfer der Mauer in Palästina

Das Bündnis verurteilt die Zunahme der Repression des israelischen Militärs gegen jene Menschen in den gewaltfreien und parteiübergreifenden lokalen Komitees der Gemeinden an der Mauer und in der „Graswurzelkampagne gegen die Apartheidmauer“. In wöchentlichen gewaltfreien Protesten fordern sie ihr durch die Mauer abgetrenntes Land zurück. Nächtliche Hausdurchsuchungen und Festnahmen im Vorfeld, Tränengas, Gummigeschosse und scharfe Munition werden eingesetzt. Hunderte wurden verwundet oder verhaftet. Gesamte Dörfer leiden unter Ausgangssperre und unter der Schließung der Mauertore als Kollektivstrafen für diese Demonstrationen. Am 9. Juli 2004 hat der Internationale Gerichtshof (IGH) den Abbau der Mauer gefordert, die von der israelischen Regierung über die gesamte Länge auf dem Territorium der besetzten Westbank/Palästina gebaut wurde.

Die UN-Generalversammlung, darunter auch Deutschland, hat das Mauer-Gutachten durch ihren Beschluss unterstützt. Dennoch hat Israel In den letzten fünf Jahren den Bau der Mauer unter Missachtung des Völkerrechts und der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs fortgeführt. In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat die israelische Regierung bereits mehr Mauersegmente gebaut als im gesamten Jahr 2008. Als Folge davon sind 266.422 Palästinenser in Gemeinden überall in der West Bank eingeschlossen, isoliert und von Vertreibung bedroht. Mit dem Verlauf der Mauer stellt Israel die Grenze in Frage innerhalb der es selbst als Staat international anerkannt ist.

Nach fünf Jahren müssen die Beschlüsse endlich vom Nahost-Quartett (EU, USA, UN und Russland) umgesetzt werden. Denn, so der IGH, kein Staat darf Hilfe beim Erhalt der Mauer leisten. Alle Unterzeichnerstaaten der Vierten Genfer Konvention haben die Verpflichtung, sicherzustellen, dass Israel in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht handelt. Die Völkergemeinschaft hat nichts unternommen, um das IGH-Gutachten umzusetzen, und abgesehen von wenigen Regierungen, haben die Staaten gegenüber Israel keinen Druck angewandt oder Sanktionen verhängt. Internationale Firmen finanzieren und liefern weiterhin Material zur Unterstützung des Baus der Mauer und der Siedlungen.

Forderungen

Die Bundesregierung hat mit ihrer Unterstützung der UN-Resolution vor fünf Jahren eine Mitverantwortung übernommen, die heute dringender denn je wahrgenommen werden muss. Deutschland muss sich im Rahmen der EU für die Umsetzung des IGH-Gutachtens einsetzen. In einer gemeinsamen Initiative des Nahost-Quartetts muss Israel zu einer Sicherheitspolitik aufgefordert werden, die Menschenrechte und Völkerrecht in vollem Umfang wahrt.

Wir appellieren: Bürgerinnen und Bürger können dieser Forderung Nachdruck verleihen, indem sie Protestpostkarten an die Bundesregierung senden. (Bestelladresse für Aktionskarten unter www.rottenburg-stuttgart.paxchristi.de oder www.friedensdekade.de) Unterstützen Sie die gewaltlose palästinensische “Graswurzelkampagne gegen die Apartheidmauer” (Grassroot Anti-Apartheid Wall Campaign) und die lokalen Komitees und setzen Sie sich für Mauer-Demonstranten ein, damit sie nicht weiter vom israelischen Militär verschleppt, verletzt und getötet werden. Gewaltfreier Widerstand ist auf internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung angewiesen, und so können wir alle gegen das Unrecht in den besetzten palästinensischen Gebieten und damit für einen gerechten Frieden einen Beitrag leisten. Schreiben Sie an kontakt@stopptdiemauer.de, wenn Sie regelmäßig über die Situation in den besetzten Gebieten informiert werden wollen und gegen die Repression an der Mauer protestieren wollen.

Kontakt
pax christi, Christine Hoffmann, www.paxchristi.de; sekretariat@paxchristi.de
Deutsch-Palästinensische Gesellschaft (DPG), Gisela Siebourg, www.dpg-netz.de
IPPNW, Angelika Wilmen, www.ippnw.de
Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP Deutschland) Iris Hefetz, www.juedische-stimme.de

Eine „Zeit zur Neu-Verpflichtung“ soll den jüdisch-christlichen Dialog fördern. In Berlin unterzeichneten anlässlich der Jahreskonferenz „Internationaler Rat der Christen und Juden“ (ICCJ) am Sonntagabend (5.7.) Delegierte aus 22 Ländern „Die zwölf Berliner Thesen“, ein Aufruf an die christlichen und jüdischen Gemeinden weltweit, ihre Beziehungen zu reformieren, besonders 70 Jahre nach Kriegsbeginn und Shoah.

Christlich-jüdischer Dialog 70 Jahre nach Kriegsbeginn und Shoah - "Zwölf Berliner Thesen" unterzeichnet

Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff unterstrich in seinem Beitrag für die katholische Kirche, dass kirchliche Bemühungen, wie die Konzilserklärung „Nostra Aetate“ (1965), der Synagogenbesuch in Rom (1986) oder das Schuldgebet von Johannes Paul II an Klagemauer (2000) bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. Auch würdigte der Aachener Bischof die Verdienste von Kardinal Walter Kasper für die religiösen Beziehungen zum Judentum, aus denen weiteres Vertrauen wachsen kann. Mussinghoff betonte, dass es im Dialog neben theologischen Fragen immer auch „um das Verstehen lernen“ geht. Sein Zukunftswunsch: Gemeinsam können Christen und Juden überlegen, wo Gott in dieser Welt lebt. „Gemeinsame Werke stehen für gemeinsame Werte, die Gottes Willen bezeugen und uns gut tun“.

Zu den Unterzeichnern der zwölf Berliner Thesen "Zeit zur Neu-Verpflichtung" gehörten u.a. Vertreter/innen aus den U.S.A., Kanada, Großbritannien, Schweden, Polen, Rumänien, Ungarn, Slowakei, Tschechien, Israel, Italien, Niederlande, Belgien, Australien, Argentinien, Uruguay, Schweiz, Österreich und Deutschland.

Unter den Gästen waren auch Vertreter/innen der Berliner Kirchen und von pax christi. Am Dienstag bei den Feierlichkeiten im Französischen Dom war u.a. Etienne de Jonghe, der ehemalige Generalsekretär von Pax Christi International.

Mit der Verleihung des Friedenspreises an Frau Elisabeth Bernhard wird ihr überzeugendes und beharrliches Eintreten für Frieden und Abrüstung gewürdigt. Getragen von einem festen Vertrauen auf die biblische Friedensbotschaft, hat die Preisträgerin sich vor allem gegen die Stationierung zusätzlicher Trägerraketen mit Atomsprengköpfen auf dem Hunsrück eingesetzt. Wo immer es galt, dem Vertrauen auf militärische Mittel und Gewalteinsatz die Hoffnung auf die Kraft der Versöhnung und die Hoffnung auf Frieden entgegenzusetzen, war sie mit dabei.

Die Arbeitsgemeinschaft Friedensgruppen in Rheinland Pfalz, in der pax christi Trier aktiv mitwirkt, verleiht heute dem pax-christi-Mitglied Elisabeth Bernhard den Rheinland-Pfälzischen Friedenspreis

Über Jahre hinweg nahm sie Sonntag für Sonntag am Friedensgebet bei Hasselbach teil, auch wenn gelegentlich nur wenige Menschen kamen. Außerdem organisierte sie Hiroshima-Gedenktage und Antikriegstage zum 1. September. Das Friedensengagement von Elisabeth Bernhard wurde in seiner Entschiedenheit und Ausdauer, aber auch in seiner Liebenswürdigkeit für viele Menschen der Region zum ansteckenden Vorbild einer überzeugenden Friedensarbeit.

Mit ihrer Ehrung möchte die Arbeitsgemeinschaft gleichzeitig an alle anderen Frauen und Männer erinnern, die die Friedens- und Protestarbeit auf dem Hunsrück mittragen und dazu beitrugen, den Namen dieser Region dauerhaft mit der Erinnerung an ein fruchtbares Bürgerengagement für die Sache des Friedens verbunden zu haben.

Der ARBEITSGEMEINSCHAFT FRIEDENSGRUPPEN IN RHEINLAND-PFALZ gehören an:

Arbeitsgemeinschaft Frieden Trier
DFG-VK Rheinland-Pfalz
Frauen wagen Frieden
Friedensinitiative Hunsrück

Der von Bundesminister Jung betonte Unterschied zwischen Krieg und Kampfeinsatz ist ein Spiel mit Worten. Tatsache ist, dass beim Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan Soldaten sterben. Für die Gefallenen macht es keinen Unterschied, ob von Krieg oder Kampfeinsatz gesprochen wird. Deutschland steht gegenüber den Soldat/innen und deren Familien in der Verantwortung - das ist wichtig wichtig, erfordert den Blick in die Zukunft, eine ehrliche Bilanzierung des Militäreinsatzes und eine Exitstrategie.

pax christi Generalsekretärin, Christine Hoffmann, erklärte heute im Interview mit Dom Radio Köln ihr ausdrückliches Mitgefühl mit den im Afghanistaneinsatz der Bundeswehr gefallenen Soldaten. „Wenn der Verteidigungsminister von Verantwortung gegenüber den Soldat/innen spricht, dann nehme ich das sehr ernst, doch ein „weiter so“ in Afghanistan ist dafür das falsche Signal.“

Wir machen seit Jahren die Erfahrung, dass sich beim Afghanistaneinsatz die Gewalt zuspitzt. Der zivile Aufbau gerät in den Hintergrund und die Bundeswehr wird mehr und mehr zur Zielscheibe von Angriffen und selbst zum Akteur in bewaffneten Kämpfen. In der Befriedung des Landes gibt es kaum Fortschritte aber eine Eskalation der Gewalt.

Der Versuch, einen humanitären Friedenseinsatz zu realisieren, muss als gescheitert angesehen werden. Das Militär wird von der Zivilbevölkerung in Afghanistan als Besatzung erlebt. Dem muss die Bundesregierung ins Auge sehen und auf eine Änderung der Strategie hinwirken.

Es wäre Augenwischerei anzunehmen, die Bundeswehr würde nicht immer noch stärker in Kampfhandlungen verwickelt. Wer das nicht will, muss den Abzug der Truppen planen und vorbereiten. Dazu fordert pax christi seit Jahren auf.

Für die Zukunft Afghanistans geht es darum, den Aufbau der Infrastruktur und verlässlicher Rechts- und Sicherheitsstrukturen immer mehr in die Hände der Verantwortlichen vor Ort zu legen. Die Unterstützung beim Aufbau der Polizei macht Sinn. Aber Polizei ist eine zivile Aufgabe keine militärische.

Das Schiff ist heute Nachmittag von der israelischen Marine gewaltsam gestoppt und die Passagiere fest gehalten worden. Schiff und Passagiere wurden in die israelische Küstenstadt Ashdod gebracht. Gestern Morgen war das Boot „Geist der Menschlichkeit“ mit 21 Passagieren und Hilfsgütern von Zypern aus gestartet und versuchte die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Unter den Passagieren ist die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire.

pax christi Generalsekretärin, Christine Hoffmann, hat bei der israelischen Regierung gegen das gewaltsame Einschreiten gegen die Passagiere des Bootes „Spirit of Humanity“ protestiert.

Das Boot gehörte zur internationalen Initiative „Free Gaza“ mit der auch pax christi bei der Aktion „Ein Schiff für Gaza“ zusammenarbeitet. Es war der erste Start seit Januar 2009. Geplant sind weitere Fahrten u. a. die mit deutschen Passagieren. Wir werden aktuell berichten.

Ein Dank an dieser Stelle allen, die die noch ausstehende Fahrt mit deutschen Passagieren bereits durch Spenden unterstützt haben.

 

Informationen zu free gaza unter www.freegaza.org

Domradio-weltweit hat am 22.06.2009 einen ausführlichen Beitrag zur Situation in Sri Lanka gesendet.

Die Waffen schweigen – wie geht es jetzt fünf Wochen nach Beendigung des Bürgerkriegs weiter?

Domradio macht dabei auf die Lage der Menschen im Nordosten des Landes aufmerksam, besonders auf die Situation der Flüchtlinge. Mehrere Expert/innen nehmen an dem Gespräch über die Hintergründe des Krieges teil und gehen der Frage nach, ob der heutige Frieden nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll bei ihrem anstehenden USA-Besuch die Nahost-Politik Obamas unterstützen und auf eine Einstellung des israelischen Siedlungsbaus drängen. Dies forderte der SPD-Abgeordnete und Nahostexperte Dr. Rolf Mützenich am Wochenende (19.-21.06.09) auf einer Tagung, die die Nahostkommission von pax christi gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Bad Boll ausgerichtet hat. Die Veranstaltung widmete sich völkerrechtlichen Fragen im Konflikt zwischen Israel und Palästina.

Auf einer Kooperationstagung von pax christi und der Evangelischen Akademie Bad Boll wurden israelische Verstöße gegen das Völkerrecht kritisiert

Die Presse stelle der Evangelischen Akademie von Bad Boll schreibt: Nach Ansicht Mützenichs bietet sich jetzt eine einmalige Chance, den Friedensprozess im Nahen Osten voran zu bringen. Diese Chance sollten die USA und Europa nicht verstreichen lassen. Als Grundlage neuer Anstrengungen empfahl Mützenich, sich auf die Friedensinitiative der Arabischen Liga zu beziehen.

Die 22 Mitglieder der Liga hatten im Jahre 2002 Israel einen umfassenden Frieden angeboten, wenn sich Israel auf die Grenzen von 1967 zurück zieht. Von Vertreter/innen Jordaniens und Ägyptens wurde dieses Angebot 2007 in Jerusalem erneuert. Die damalige israelische Regierung hatte die Initiative allerdings zurückgewiesen. »Ich bin dankbar, dass Washington dieser Initiative höchste Bedeutung beigemessen hat«, erklärte Mützenich in Anspielung auf Obamas jüngste Nahost-Aktivitäten. »Es ist ein wichtiges Signal für dringend notwendige Fortschritte im Nahost-Friedensprozess.«

Über die Auswirkungen der israelischen Siedlungspolitik berichtete Suhail Khalilieh vom Applied Research Institute of Jerusalem (ARIJ) auf der Tagung. Seit 19 Jahren beobachtet und dokumentiert diese palästinensische Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Bethlehem die Siedlungspolitik Israels. Khalilieh wies darauf hin, dass sich Israel im November 2007 bei den Verhandlungen in Annapolis zu einem Siedlungsstopp verpflichtet habe. Dennoch seien inzwischen 51.459 neue Wohneinheiten in den Distrikten Jerusalem und Bethlehem ausgeschrieben worden. Auch zu der von Israel errichteten Trennmauer zu den Palästinensergebieten nahm Suhail Khalilieh Stellung. Khalilieh erinnerte an das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag aus dem Jahre 2004, wonach die Mauer internationalem Recht widerspricht und abgebaut werden muss.

Außerdem habe das Gericht die Forderung erhoben, dass Israel für die durch den Mauerbau entstandenen Schäden aufkommen müsse. Die bis zu acht Meter hohe Trennmauer soll 770 km lang werden und zum Teil weit in palästinensisches Gebiet hinein reichen, berichtete Khalilieh auf der Akademie-Tagung. Durch die Mauer wurden seinen Angaben zufolge inzwischen 138 palästinensische Dörfer von ihrem landwirtschaftlich genutzten Land getrennt. 29 Dörfer seien vollständig isoliert. Wenn die Mauer nach den israelischen Plänen fertig gestellt wird, kämen 82 Prozent der Wasserressourcen unter israelische Kontrolle. »Dies bedeutet«, sagte Khalilieh, »dass Palästinenser ihr eigenes Wasser kaufen müssen. « Auch das Israel-Bild in den Medien wurde thematisiert.

Die Journalistin Bettina Marx, Parlamentskorrespondentin der Deutschen Welle in Berlin, bemängelte, dass die völkerrechtswidrige Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel in der Berichterstattung kaum eine Rolle spiele. Bettina Marx warf die Frage auf, ob die Verletzung des Völkerrechts durch Israel von den Medien bereits als »Selbstverständlichkeit« bewertet werde oder ob es Israel gelungen sei, das Wort »Besatzung« so gründlich aus dem eigenen Wortschatz zu streichen, dass es selbst ausländische Beobachter für ein Unwort halten. In Israel werden die besetzten Gebiete laut Bettina Marx seit dem Wahlsieg von Menachem Begin im Jahr 1977 »umstrittene Gebiete« genannt. Diese Sprachregelung hätten die meisten amerikanischen Zeitungen übernommen. Sie selbst plädierte dafür, die Tatsache, dass Israel palästinensische Gebiete besetzt hält, auch in der täglichen Berichterstattung anzuführen. Israel verstoße gegen die Vierte Genfer Konvention. Danach ist es einer Besatzungsmacht nicht erlaubt, die eigene Bevölkerung im besetzten Gebiet anzusiedeln oder den Status Quo des besetzten Gebiets mit Gewalt zu verändern.

Verschiedene Initiativ-Gruppen, die sich gegen die Besetzung und für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel engagieren, haben auf der Tagung eine Plattform für einen »Deutschen Koordinationskreis Palästina Israel« vorgestellt. Ziel dieses Zusammenschlusses soll sein, das gemeinsame Engagement zu stärken und auf eine breitere Basis zu stellen. Zu dem Bündnis gehören: Deutsch-Palästinensische Gesellschaft, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, Palästinensische Gemeinde Deutschland, Versöhnungsbund und die katholische Friedensbewegung pax christi.

Einen Studientag hat die deutsche Sektion von pax christi heute der Frage gewidmet, ob heute, 70 Jahre danach, in der katholischen Kirche die Möglichkeit besteht, die eigene Rolle im Zweiten Weltkrieg kritisch zu hinterfragen.

Das Verhältnis der Katholischen Kirche in Deutschland zum Zweiten Weltkrieg. Brauchen wir ein Schuldbekenntnis der katholischen Kirche?

Der Beitrag von Prof. Heinrich Missalla: "Die amtskirchliche Sicht des Verhaltens der deutschen Katholiken zum 2. Weltkrieg" rief vergessene oder verdrängte Bischofsworte aus der Kriegszeit in Erinnerung und stellte ich dar, wie die Kirchenleitung in den Jahrzehnten nach dem Krieg mit jenen Äußerungen umgegangen ist. Erna Putz schilderte in ihrem Vortrag: "Franz und Franziska Jägerstätter: Vom Wachsen und Werden einer einsamen Entscheidung" eindringlich die aussichtlose Situation des Kriegsdienstverweigerers. Der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Dr. Hummel erläuterte den Stand der historischen Forschung.Am 1. September 2009 jährt sich der Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs zum 70. mal.


Aus diesem Anlass fragt pax christi nach der Rolle der katholischen Kirche im II. Weltkrieg und nach der kritischen Auseinandersetzung mit dieser Rolle innerhalb der katholischen Kirche.
Besondere Bedeutung hat für pax christi dabei die Frage, wie weit der Widerstand gegen den Nationalsozialismus reichte und warum es kein entschiedenes Nein der Kirche gegen diesen Krieg gab. Die kirchliche Argumentation und deren politische Wirkung ist in diesem Zusammenhang nicht nur von historischer, sondern auch aktuell von hoher gesellschaftspolitischer Bedeutung.

Die Europäische Union und Hilfsorganisationen drängen Israel zu weiteren Handlungen im Nahost-Friedensprozess. Das Bekenntnis von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu einem palästinensischen Staat sei „ein erster, wichtiger Schritt“. Das gaben am Montag die EU-Außenminister bei einem Treffen in Luxemburg bekannt. Netanjahu hatte sich am Sonntagabend erstmals für die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates ausgesprochen, allerdings müsse dieser entmilitarisiert sein. Für die Sprecherin der Nahostkommission der katholischen Friedensbewegung Pax Christi, Wiltrud Rösch-Metzler, ist Netanjahus Rede enttäuschend.

Interview von Radio Vatikan mit pax christi-Nahostkommissionsvorsitzender Wiltrud Rösch-Metzler

Gegenüber Radio Vatikan sagt sie: „Ich denke, dass Netanjahu unter Druck geraten ist. Er musste nun antworten. Denn auch die Amerikaner dulden es nicht mehr, dass er nicht von einem Palästinenser Staat spricht. Jetzt hat Netanjahu aber genau das getan, was eben befürchtet wurde. Er hat diesen Palästinenser Staat nicht in den Grenzen von den besetzten Gebieten definiert. Er legt sich von den Grenzen her nicht fest. Netanjahu sagt, dass man die Grenzziehung erst ganz am Schluss machen sollte in einem solchen Friedensprozess. Doch der Rückzug aus dem besetzten Gebieten muss am Anfang eines solchen Prozesses stehen.“ Vor allem kritisiert Rösch-Metzler von Pax Christi, dass der israelische Regierungschef keine Zukunftsstrategien vorstellte. „Er legt so stark Wert darauf, den Staat Israel als jüdischen Staat anzuerkennen. Dass er das nochmals von den Palästinensern fordert, ist obsolet. Denn es hat Anfang der 90er Jahre bereits eine Anerkennung von Seiten der PLO bei dem Osloer Prozess gegeben. Wie oft sollen sie denn Israel noch anerkennen? Was ein solcher Schritt für eine neue Qualität bringen soll, ist fraglich. Das zeigt uns, dass es Netanjahu wichtig ist, nochmals fünf Schritte rückwärts zu gehen statt einen nach vorne.“ Es sei „besorgniserregend“, dass Netanjahu ein ungeteiltes Jerusalem als Hauptstadt Israels zur Vorbedingung für weitere Verhandlungen erklärt habe. Wiltrud Rösch-Metzler: „Nach dieser Rede sieht es nicht gut aus für die Zukunft. Es kann nicht einen Palästinenser Staat ergeben ohne Anerkennung. Die Worte Netanjahus sind zwar schön, aber dadurch, dass er die Grenzen nicht definiert, muss man davon ausgehen, dass es bei den Enklaven bleibt und die palästinensische Gesellschaft weiterhin ausgeschlossen wird. Vielleicht gelingt es US-Präsident Barack Obama die europäischen Staaten zu einer Position zu bringen, damit ein Palästinenser Staat mit einer klar definierten Grenze errichtet werden kann.“ Drei israelische Menschenrechtsorganisationen riefen derweil die EU auf, eine Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen an konkrete Bedingungen zu knüpfen. Nur bei einem Stopp des Siedlungsbaus und einer Öffnung der Grenzen zum Gazastreifen dürfe sich die EU auf Israel zugehen, heißt es in der Erklärung der Organisationen B'Tselem, HaMoked und Physicians for Human Rights. (ap/rv 15.06.2009 mg)

„Die Piusbruderschaft muss ohne Wenn und Aber das ganze Zweite Vatikanische Konzil rundum annehmen sowie die Lehre der Päpste von Johannes XXIII. bis Benedikt XVI. Wenn das nicht der Fall ist, gibt es schlicht keine Einheit. Ich habe in den vergangenen Tagen mehrmals gesagt, dass es für mich das Schlimmste ist, wenn ich einsehen muss, dass die Piusbrüder die Einheit gar nicht wünschen und diese Wunde in der Kirche weiter entzündet bleibt und weiter schwärt.“

Radio Vatikan: Nach Provokationen der Piusbruderschaft in den vergangenen Tagen soll der Vatikan ein klares Wort sprechen. Darauf hoffen nun die deutschen Bischöfe. So wäre es dem Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sehr wichtig, dass der Papst sehe, wie die Gruppe auf sein großzügiges Entgegenkommen reagiere. Der Fuldaer Bischof wies darauf hin, dass er den Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, und den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, per Brief ausführlich über das Vorgehen der Bruderschaft und deren „Bruch des Kirchenrechts“ informiert habe. Gegenüber Radio Vatikan erklärte Bischof Algermissen:

Die Piusbrüder seien überheblich, so Algermissen weiter. „Das ist bei der Predigt am letzten Sonntag zu hören gewesen. So hat Pater Franz Schmidberger – wie man mir referiert hat – gesagt, dass die katholische Kirche, also unsere Kirche, sich zu ihnen bekehren müsse. Das ist für mich der Gipfel der Arroganz und Ignoranz. Es zeigt auch, dass sie im Konkreten nicht demütig sind oder einen Weg der Aufarbeitung gehen.“

Die Piusbrüder hatten am Wochenende Algermissen eingeladen, bei ihnen eine Messe zu besuchen. Der Bischof dazu: „Ich brauche nicht von ihnen eingeladen zu werden. Ich kann nämlich die lateinische Messe jeden Morgen in meiner Privatkapelle zelebrieren. Abgesehen davon ist an jedem Sonntag in einer Pfarrkirche in Fulda um 11.15 Uhr eine solche Messe im außerordentlichen Ritus, und das seit Jahren. Deshalb nehme ich die Einladung von Pater Schmidberger nicht an, die meiner Meinung nach von Süffisanz strotzt.“

„Die jetzt anstehende Reform des Waffengesetzes in Deutschland muss das Ziel haben, die Reduzierung der Anzahl der in Deutschland in Privatbesitz befindlichen Waffen zu bewirken“, fordert Christine Hoffmann, pax christi Generalsekretärin, anlässlich der bevorstehenden Beratungen des Deutschen Bundestages. „Maßstab für die Reduktion muss dabei das Wirk- und Missbrauchspotential der in legalem Besitz befindlichen Schusswaffen sein."

Die destabilisierende Anhäufung und unkontrollierte Verbreitung von Kleinwaffen muss beendet werden!

"Die Probleme, die aus der Verbreitung von Kleinwaffen resultieren, sind bekannt. Nun liegt es an Parlament und Regierung zu handeln, um die von Deutschland eingegangenen internationalen Verpflichtungen einzulösen und die Bürger vor den Gefahren der Verbreitung von Schusswaffen zu schützen.“

Folgende Änderungen des Waffengesetzes hält die Generalsekretärin von pax christi für unabdingbar: Sogenannte (groß-kalibrige) Sportpistolen, die durch Kaliber, Magazinkapazität und mögliche Schussfolge ein hohes Wirkpotential sowie durch ihre leichte Transportfähigkeit ein hohes Missbrauchspotential aufweisen, sind grundsätzlich zu verbieten. Dies soll durch die Einordnung dieser Waffen als Kriegswaffen geschehen. Auch der Amoklauf von Winnenden zeigt, dass von diesen Waffen die größte Gefahr ausgeht.

Eine Beeinträchtigung des Schießsports in den olympischen Disziplinen resultiert aus dieser Beschränkung nicht. Eine Beeinträchtigung des jagdlichen Schießens ist ebenfalls nicht zu befürchten, da für diese Zwecke auf Einzellader und Repetier-gewehre zurückgegriffen werden kann.

Im Waffengesetz müssen Regelungen geschaffen werden, durch die die Prüfung des Bedürfnisses zum Erwerb von Kleinwaffen restriktiv gehandhabt werden kann, um auf diesem Weg zu verhindern, dass die Anzahl der in Privatbesitz befindlichen Kleinwaffen weiter steigt. Der vom Bundeskriminalamt erstellten „Polizeilichen Kriminalstatistik“ ist zu entnehmen, dass bei Straftaten vor allem „erlaubnisfreie Schusswaffen“ wie Gas-, Alarm- und Luftdruckwaffen verwendet werden. – Im Jahr 2007 betraf dies rund 74% aller erfassten Straftaten, bei denen Schusswaffen verwendet wurden. – Aus dieser Situation muss die Konsequenz gezogen werden, dass das mit der Reform des Waffenrechts 2003 aufgehobene Verbot von Anscheinswaffen umgehend rückgängig gemacht werden muss. Um die Diversion legaler Schusswaffen in die Illegalität zu erschweren, ist die Registrierung und Markierung aller legalen Kleinwaffen umgehend zu verbessern. Die von Seiten der Bundesregierung eingegangenen Verpflichtungen gegenüber der EU zur Einrichtung eines Waffenregisters, sind deshalb vorzeitig umzusetzen.

Noch in dieser Legislaturperiode, höchstwahrscheinlich in der kommenden Sitzungswoche des Deutschen Bundestages, wird final über eine Reform des Waffengesetzes beraten. Eine umfassende Reform der deutschen Waffen-Gesetzgebung ist u. a. erforderlich, weil es in Deutschland so viele Kleinwaffen gibt wie in kaum einem anderen Land. Das Plenum des OSZE-Forums für Sicherheitskooperation hat bereits am 24.11.2000 festgestellt, dass die Verbreitung solcher Waffen „eine Bedrohung und Herausforderung für den Frieden darstellt und die Bemühungen um unteilbare und umfassende Sicherheit unterläuft.“

In ihrem Schreiben weist die pax christi-Generalsekretärin auf einige beunruhigende friedenspolitische Problemkomplexe im Zusammenhang des EU-Reformprozesses und der praktischen EU-Politik hin. Ökumene, Generationengerechtigkeit und Gewaltfreiheit werden als die Grundlagen für die Einschätzungen von pax christi zur aktuellen politischen Ausrichtung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik benannt. Eine ausführliche Darstellung von Demokratiedefiziten der EU und Problemanzeigen zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Union, seitens der pax christi-Friedenskommission wurde den Kandidat/innen zur Verfügung gestellt und bietet die Grundlage für die künftigen Gespräche. Erfreulich viele Kandidat/innen haben sich bereits zurückgemeldet und ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Gemeinsam mit der pax christi-Kommission Friedenspolitik hat Christine Hoffmann, pax christi-Generalsekretärin, die Kandidatinnen und Kandidaten für das EU-Parlament aus Deutshland zum friedenspolitischen Dialog eingeladen. Die Rolle der EU für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt ist wichtiger denn je. Deshalb fördert pax christi den friedenspolitischen Dialog. Bitte unterstützen Sie uns, indem Sie sich am Sonntag, den 7. Juni 09 an der Wahl beteiligen! In Deutschland wird über 99 von 785 Sitzen im EU-Parlament entschieden.

Inhalte der friedenspolitischen Problemanzeige von pax christi sind: die manifeste Militarisierung der EU, ihre Nuklearpolitik, das neoliberale Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, die Außenverhältnisse der EU und der EU-Verfassungsprozess.

Das Glaubensbekenntnis aus Bologna ist ein Beitrag zur Internationalen Ökumenischen Erklärung zum gerechten Frieden, die vom Ökumenischen Rat der Kirchen für Mai 2011 in Kingston/Jamaika geplant wird. Gottes Geist kann es zu einem Bekenntnis der christlichen Kirche auf Erden machen.

pax christi wünscht allen Mitgliedern, Freundinnen und Freunden und Weggefährt/innen des Friedens ein gesegnetes Pfingstfest.

Wir glauben

Als Christen glauben wir an die Verkündigung des Friedens in Christus, an Gottes Evangelium, und wir glauben, dass die Kirche eine Gemeinschaft ist, die zum Glauben an ihn, den Gekreuzigten und Auferstandenen, aufgerufen ist. Als Christen können wir unter keinen Umständen einen Krieg rechtfertigen. Einen gerechten Krieg kann es nicht geben, weil die Tötung eines Menschen, selbst wenn er schuldig ist, durch keinen Glauben gerechtfertigt werden kann.

Das Leben ist das wichtigste Geschenk vom Gott des Lebens, aber, wie Jesus zeigt, darf es nicht mit Waffen verteidigt werden.Als Christen lehnen wir die Macht der Waffen radikal ab. Wir werden Waffen weder entwerfen noch bauen, noch verkaufen, noch kaufen, noch einsetzen. Wir lehnen jede Idee eines durch Waffen gesicherten Friedens ab.

Als Christen werden wir weder mit unserem Geld noch durch unsere Fürbitte noch durch unser Schweigen dazu beitragen, ein System der tötenden Gewalt aufrechtzuerhalten, in das wir alle gegen unseren Willen verwickelt sind und das uns zur Kollaboration zwingt. Wir werden nicht mehr Unwissenheit vorschützen, werden uns nicht mehr ruhig verhalten und werden das System nicht mehr rechtfertigen; Wenn wir im Angesicht dieses Leidens gleichgültig bleiben, laden wir schwere Schuld auf uns. Als Christen müssen wir in Wort und Tat diesem Schrecken EINHALT GEBIETEN.

Wer beim Abendmahl von Gott genährt wird, kann sich nicht gleichzeitig durch den Krieg nähren. Als Christen glauben wir, dass Gott Frieden und dass der Krieg das Gegenteil Gottes ist. Wir glauben an die Liebe Gottes, wir glauben an seinen Frieden als Geschenk, das er uns durch die Inkarnation, den Tod und die Auferstehung seines Sohnes gemacht hat. Wir glauben an sein Heil, das heute schon da ist und der ganzen Welt angeboten wird. Das ist unser Glaube, denn es ist der Glaube an den Sohn Gottes, an den entwaffneten Messias: Wie er glauben wir an Gott, denn er ist die Kraft der Liebe, er ist Vater Sohn und Heiliger Geist. Wir glauben an den Frieden als Geschenk und als Verpflichtung zu offensiver und kreativer Gewaltfreiheit.

Wir glauben, dass dies der Weg ist, den Gott seiner Kirche durch Jesus Christus und den Heiligen Geist gewiesen hat, und der Verkündigungsauftrag, den er ihr durch sie erteilt hat. Amen

Information aus den Kirchen in Bologna (Italien) – Pax Christi Bologna

Seit 13 Jahren treffen sich Mitglieder der christlichen Kirchen in Bologna (Italien) regelmäßig und beten für den Frieden. Diese ökumenischen Versammlungen wurden von Pax Christi in Zusammenarbeit mit dem Sekretariat für ökumenische Aktivitäten und unter vollständiger Teilnahme aller christlicher Kirchen der Region ins Leben gerufen und gefördert. Das Unternehmen war von Anfang an eine gemeinsame Reise, um die christliche Bedeutung von »Frieden« zu verstehen. Dieses Jahr haben wir gemeinsam ein echtes »Glaubensbekenntnis« für den Frieden Christi formuliert. Wir taten dies, weil wir überzeugt sind, dass der Frieden Christi vor allem ein Glaubensbekenntnis ist. Wir dürfen uns nicht mit einer bloßen Betrachtung oder einer einfachen Erklärung begnügen, sondern müssen eine ökumenische Verständigung darüber erreichen, was unserem »Glauben« nach der von Christus offenbarte Friede ist. Deshalb wurde der vorliegende Text verfasst und am 30. November 2008 im Rahmen der ökumenischen Liturgie von allen Vertretern und Mitgliedern der protestantischen, orthodoxen und katholischen Kirchen in Bologna proklamiert. Wir schicken Ihnen den Text in der Hoffnung, dass er Ihnen auf dem Weg nach Kingston eine Hilfe sein möge. Pax Christi Bologna, Sekretariat für ökumenische Aktivitäten, Rumänisch-orthodoxe Kirche, Evangelisch-methodistische Kirche, Adventistische Kirche, Evangelische Versöhnungskirche, Katholisches Kulturzentrum Poggeschi, Taizé-Gruppe.

Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche von Helmut Dierlamm

Die internationale Staatengemeinschaft sollte dem atomaren Konfrontationskurs Nordkoreas durch eine konsequente Isolationspolitik entgegentreten. Das sagte gegenüber Radio Vatikan der Vizepräsident der katholischen Friedensbewegung pax christi in Deutschland, Johannes Schnettler. Mit seinen Drohungen wolle Nordkorea die eigene Stabilität sowie den Herrschaftsanspruch nach innen und außen bekräftigen. Um das Regime an den Verhandlungstisch zu zwingen, sei eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Atommächten nötig:

Interview des Vizepräsidenten bei Radio Vatikan

„Die große Herausforderung ist natürlich, dass wir ein Zwei-Klassen-System haben, was die Atommächte anbelangt. Wir haben die fünf etablierten, großen Atommächte Russland, China, USA, Frankreich, England und wir haben darunter eine ganze Reihe kleinerer Atomstaaten, wie Israel, Iran, Pakistan, Indien, die sich sozusagen als Atommächte zweiter Klasse vorkommen; auch diese Staaten gilt es in das Boot zu holen, um eine gemeinsame Politik der Abrüstung im nuklearen Bereich zu erzwingen und auch zu ermöglichen, die dann die Isolation auf die Diktatoren in Nordkorea noch größer werden lässt.“

Auf die Erpressungsversuche des kommunistischen Regimes in Pjöngjang sollte die Weltgemeinschaft mit Angeboten zum Dialog antworten. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich kleinere Atomstaaten Vorteile von einer Allianz mit Nordkorea erhofften. Eine Schlüsselrolle für die Friedenssicherung spiele im Fall Nordkoreas die Volksrepublik China, erklärt Schnettler:

„Die Schutzmacht von Nordkorea muss sich entscheiden, wo gehört China hin: Gehört es als Global Player in die internationale Weltgemeinschaft? Dann muss es auch konsequent eine Isolationspolitik auf Nordkorea betreiben. Wenn sie ein doppeltes Spiel spielt, macht sie sich als Weltnation, die in der internationalen Wirtschaft eine hohe Position errungen hat, unglaubwürdig.“

Nach heftiger internationaler Kritik an seinem Atomtest hat Nordkorea dem Süden an diesem Mittwoch mit einem Militärangriff gedroht. Sollte Südkorea künftig, wie angekündigt, nordkoreanische Schiffe nach Massenvernichtungsmitteln durchsuchen, würde dies als Kriegserklärung verstanden, erklärte ein Sprecher der nordkoreanischen Armee. Auch bekräftigte er, dass sich der Norden nicht mehr an den Waffenstillstand von 1953 gebunden fühle.

Zwischen 1939 und 1945 wurden von der deutschen NS-Militärjustiz Todesurteile wegen sogenannten Kriegsverrats nach § 57 Militärstrafgesetzbuch verhängt und vollstreckt. Den Betroffenen wurde vorgeworfen, z. b. jüdischen Flüchtlingen geholfen oder ihre Rettung geplant zu haben oder Unterstützung von Widerstandsorganisationen gegen das NS-System geleistet zu haben. Diese Handlungen wurden als „Unterstützung feindlicher Mächte“ gewertet, wobei darunter ausdrücklich nicht nur Streitkräfte sondern im Sinne der „unbegrenzten Auslegung“ alle, einem „feindlichen Volkstum“ zugerechneten Menschen – insbesondere Juden – verstanden wurden.

Erklärung des Geschäftsführenden Vorstandes von pax christi – Deutsche Sektion zur Rehabilitierung der wegen sogenannten „Kriegsverrats“ zum Tode verurteilten Wehrmachtssoldaten

Der Deutsche Bundestag hat sich in 2002 bereits entschlossen, die etwa 30.000 vorwiegend wegen Desertion, sogenannte „Wehrkraftzersetzung“, „Feindbegünstigung“ u. ä Gründe von der Wehrmachtsjustiz zum Tode Verurteilten zu rehabilitieren, aber bis heute keine Entscheidung für eine Rehabilitierung der wegen sogenannten Kriegsverrats Verurteilten getroffen.

Dies ist unverständlich und rechtlich wie moralisch unhaltbar. Denn bereits eine rechtlich immanente Würdigung der entsprechenden Bestimmungen muss zu Zweifeln an ihrer Rechtmäßigkeit führen, da keine Differenzierung innerhalb des Tatbestandes möglich gemacht wurde. Der den Urteilen zu Grunde liegende § 57 Militärstrafgesetzbuch ist vielmehr Ausdruck einer Radikalisierung und Brutalisierung des Strafrechts, wie es für die NS-Militärjustiz vor allem ab 1942/43 charakteristisch ist und der sich viele deutsche Juristen gefügt oder auch aus Überzeugung angeschlossen haben.

Das Verhalten der Betroffenen ist dagegen durch ihre Absichten der Rettung Verfolgter und Bedrohter als gerechtfertigt anzusehen, es ist kein Fall bekannt, wo durch ihr Verhalten anderen ein Schaden zugefügt worden wäre. Jedes Bestreben, in dieser Situation etwas für in ihrem Leben Bedrohte oder für die Beendigung des Krieges zu tun, verdient Anerkennung. pax christi fordert daher alle Fraktionen des Deutschen Bundestages auf, den Unrechtsgehalt dieser Urteile wegen sogenannten Kriegsverrats nach § 57 Militärstrafgesetzbuch anzuerkennen und auch diese Menschen zu rehabilitieren.

Besteht heute, 70 Jahre danach, die Möglichkeit, die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen? pax christi stellt sich dieser Herausforderung und lädt aus diesem Grund am 17. Juni 2009 zu einem Studientag in Fulda ein.

Zwischen Gewissen und Gehorsam - Das Verhältnis der Katholischen Kirche in Deutschland zum Zweiten Weltkrieg

Als ReferentInnen wurden eingeladen Prof. Dr. Heinrich Missalla aus Essen, Dir. Dr. Karl-Joseph Hummel und die Theologin und Biografin des Wehrdienstverweigerers Franz Jägerstätter, Erna Putz.

Die Forderung des Deutschen Bundesjugendringes (DBJR) ist deswegen gemeinsam mit der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen e.V. (Zentralstelle KDV) die Abschaffung der Wehrpflicht.

Die Wehrpflicht ist ungerecht und überholt. Das betonten Vertreter/innen der Jugendverbände nach Meldung des Deutschen Bundesjugendrings anlässlich der Podiumsdiskussion „Wehrpflicht – was kommt nach der Bundestagswahl?“, die in der vergangenen Woche in Berlin stattfand.

Bei der Diskussion mit den verteidigungspolitischen Sprechern/innen und Mitgliedern des Verteidigungsausschusses Rainer Arnold (SPD), Ernst-Reinhard Beck (CDU), Birgit Homburger (FDP), Winfried Nachtwei (Bündnis 90 / Die Grünen) und Paul Schäfer (Die Linke) sowie mit Experten/innen aus Verbänden wurde deutlich: Mit der Union ist eine Abschaffung der Wehrpflicht nicht zu machen. Während Bündnis 90/Die Grünen und Linke eine Abschaffung klar formulieren, fordert die FDP die Aussetzung. Dazu Birgit Homburger, Mitglied der FDP im Verteidigungsausschuss: „Der Unterschied liegt darin: Abschaffung bedeutet Grundgesetzänderung, Aussetzung ein einfaches Gesetz“. Letzteres gebe die Möglichkeit, im Ernstfall wieder auf das Grundgesetz zurück zu greifen.

Ernst-Reinhard Beck, für die CDU/CSU Mitglied im Verteidigungsausschuss meint, „dass die Abschaffung der Wehrpflicht die Bundeswehr dümmer, älter und teurer machen wird“. Der Staat brauche das Engagement junger Menschen in der Bundeswehr. Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion sieht das ähnlich, setzt aber auf einen freiwilligen Wehrdienst, in dem die jungen Menschen etwas lernen und persönlich weiterkommen. Die Gesellschaft brauche Menschen, die Verantwortung übernehmen. „Und da ist mir der, der den Wehrdienst freiwillig abgeleistet hat, genau so wichtig wie derjenige bei der Freiwilligen Feuerwehr oder im sozialen Dienst“, betont Rainer Arnold. Über die sicherheitspolitische Bedeutung der Wehrpflicht sagt Winfried Nachtwei von Bündnis 90/Die Grünen: „Wir brauchen die Wehrpflicht nicht mehr, damit Deutschland sicher ist. Die Bundeswehr hat heute andere Aufgaben, da-für braucht man weniger junge Leute, dafür braucht man Spezialisten.“ Paul Schäfer, für die Linken im Verteidigungsausschuss meint mit Blick auf die Konsequenzen im Pflege- und Gesundheitsbereich durch das Wegfallen des Zivildienstes: „Natürlich muss das Geld umgeschichtet werden, zugunsten regulärer und vernünftig bezahlter Arbeitsplätze im Bereich Gesundheit und Pflege“. Aus Sicht der Linken würden mit der Abschaffung der Wehrpflicht rund zwei Milliarden Euro frei. Experten wie Rainer Hub vom Diakonischen Werk, Peter Tobiassen von der Zentralstelle KDV, Sönke Jacobs vom Deutschen Feuerwehrverband, Hartmut Brombach vom Bundesarbeitskreis FSJ des Internationalen Bundes und Sven Frye vom Deutschen Bundesjugendring waren sich weitgehend einig: Die Wehrpflicht ist ungerecht und ihre Abschaffung überfällig. Klar ist auch: Welche politische Konstellation auch immer nach der Bundestagswahl regiert, sie muss die Fragen zur Wehrpflicht klären und sollte die Wünsche junger Menschen ernst nehmen.

Nach der Katastrophe des nationalsozialistischen Deutschland stellte das Grundgesetz die Perspektive für ein demokratisches Deutschland dar. Das Grundgesetz ist ein Versprechen des Staates auf Selbstbegrenzung gegen alle totalitären Versuchungen und für den Vorrang der Freiheit der Bürger/innen gegenüber dem Staat: „Der Staat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des Staates willen. Die Würde der menschlichen Persönlichkeit ist unantastbar.“ (Carlo Schmid) Das leitende ethische Prinzip des Grundgesetzes ist die Würde des Menschen, nicht die Staatsraison. Artikel 1 GG verlangt ausdrücklich, dass die Menschenwürde als höchstes Gut unter keinem Umstand angetastet werden darf. Die Legitimität der Gesetze muss sich gegenüber den Bürger/innen als Garant – nicht als Beschaffer – ihrer sozialen und individuellen Rechte bewähren. Eine Rechtsordnung, bzw. ihre Verfassung, leistet ihren Anteil an gesellschaftlicher Konfliktbearbeitung und muss dies auch immer wieder glaubwürdig erfahrbar machen. Die Wirksamkeit der Rechtsordnung hat sich insbesondere auch in Zeiten wirtschaftlicher Krisen und sozialer Konflikte zu erweisen. Dies gilt auch für das Postulat: „Eigentum verpflichtet“, das jedoch bis heute kaum überzeugende Umsetzungen erfahren hat.

Erklärung des Geschäftsführenden Vorstandes der deutschen Sektion von pax christi zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland am 23.5.2009

Allen Versuchen, das Grundprinzip der unantastbaren Menschenwürde mit dem Hinweis auf mögliche Extremsituationen aufzuweichen, erteilt pax christi eine ausdrückliche Absage. Dies betrifft die Nutzung von Foltermaßnahmen bei Ermittlungen, die sogenannte “selbstverschuldete Rettungsbefragung“, ebenso wie Überlegungen, Passagierflugzeuge bei vermuteten terroristischen Verbrechen abschießen zu lassen. Die polizeiliche und rechtliche Auseinandersetzung mit terroristischen Gewalthandlungen darf von staatlichen Organen nicht als kriegsähnliche Ausnahmesituation gedeutet und zur Einschränkung von Grundrechten, wie bspw. beim „Großen Lauschangriff“, missbraucht werden.

pax christi erinnert daran, dass das Grundgesetz von seiner Entstehung her nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges die Verfassung eines friedlichen und Frieden stiftenden Deutschland sein wollte und zunächst keine Bestimmungen zur Aufstellung von Streitkräften enthielt. Dieser Verzicht – wenn auch mit bedingt durch die politische Situation der unmittelbaren Nachkriegszeit – darf als deutliche Mahnung und kritisches Korrektiv zu den später gefassten Regelungen in den Artikeln 12a und 87a erinnert werden: Die Wiederaufstellung von Militär ist an den Zweck der Landesverteidigung zu binden. Bei der Sicherung und Schaffung von Frieden und umfassender menschlicher Sicherheit haben zivile Mittel absoluten Vorrang!

Das Asylrecht, Artikel 16 GG, ist aus den Erfahrungen der Bedrohung ganzer Bevölkerungsgruppen durch den Nationalsozialismus und deren Angewiesenheit auf die Aufnahmebereitschaft anderer Länder in das Grundgesetz aufgenommen worden. Jedoch wurde dieser Anspruch durch den nachträglich eingeführten Artikel 16a GG verwässert. Das sog. Flughafenverfahren, die Abschiebehaft, die Verbringung von Personen in „Ausreisezentren“ und das Sterben von Flüchtlingen an den Außengrenzen Europas sind Folgen, die Anlass geben, die Grundrechte von politisch Verfolgten auf Asyl deutlich anzumahnen und die gegenwärtige politische Praxis an den ursprünglichen Werten zu messen. Dazu gehört auch das Asylrecht für Kriegsdienstverweigerer aus Ländern, die zwar eine Wehrpflicht kennen, aber das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung als ein Menschenrecht nicht achten.

Anlässlich des Jubiläums des Grundgesetzes fordert pax christi:

  • eine konsequente Umsetzung des Friedensgebots des Grundgesetzes und ein entschiedenes Nein zu einer Politik militärischer Auslandseinsätze;
  • den Vorrang der Humanität gegenüber Flüchtlingen statt Abschiebung und Abschottung der Bundesrepublik an den EU-Außengrenzen;
  • Solidarität mit den Armen der bundesrepublikanischen Gesellschaft statt der Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben.

Die Teilnehmer/innen reflektierten das eigene zivilgesellschaftliche Engagement und dessen soziale und religiöse Hintergründe. Als Hauptreferent stellte der Schweizer Philosoph und Theologe, Urs Eigenmann, die Zusammenhänge zwischen der politischen Praxis des Glaubens sowie deren gesellschaftliche Bedeutung in biblischen Zeiten und heute dar. Aktuelle Fragen der Schaffung von Gerechtigkeit und Frieden standen im Mittelpunkt der Arbeitsgruppen während des Kongresses. Konfrontiert wurden diese mit biblischen Texten. Diese konnten im Horizont der Friedensarbeit heute aktualisiert und in den Zusammenhang zu ähnlichen Thematiken in biblischer Zeit und Gesellschaft gestellt werden.

Erfolgreich ging heute der pax christi Kongress „Aufrichten – Aufstehen – Widerstehen. Bibel lesen in Zeiten von Unrecht und Gewalt“ zu Ende.

Konkrete Fragestellungen der Arbeitsgruppen während des Kongresses waren u.a.:

- Das gesellschaftliche Ausmaß von Armut und Reichtum in Deutschland. Uns beschäftigte die Frage nach dem christlichen Maßstab für die Bewertung der Situation.

- Eine grundsätzliche Kritik der kapitalistischen Strukturen und deren Deutungspotential für die aktuelle Wirtschaftskrise

- Unser gesellschaftliches Engagement, dessen christliche Motivation und die biblische Grundlagen

- Utopien als Ressource für politisches Engagement

- Versöhnung als Grundlage für gesellschaftlichen Frieden

„Mit seiner gestrigen Forderung nach der Aufhebung der Blockade von Gaza hat Papst Benedikt XVI einen wichtigen Beitrag geleistet für einen gerechten Frieden im Nahen Osten“, betont die Sprecherin der pax christi Nahostkommission, Wiltrud Rösch-Metzler. „In einer äußerst schwierigen Situation hat er Mut und Augenmaß bewiesen. Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier sollten sich daran ein Beispiel nehmen und mehr Verantwortung zeigen.“

Mit seiner Forderung nach Aufhebung der Blockade hat der Papst Mut und Verantwortung gezeigt

Sie müssten sich endlich dafür einsetzen, dass die Blockade des Gazastreifens und die damit einhergehende kollektive Bestrafung der Menschen aufgehoben werden. „Wenn es der EU und den Vereinigten Staaten nicht gelingt, die Öffnung der Grenzen zum Gazastreifen durchzusetzen, werden sie als Partner des Grenzübergangsvertrags zu Komplizen von Menschenrechtsverletzungen an der Bevölkerung von Gaza“, erklärt IPPNW-Vorstand Matthias Jochheim. Durch die Blockade fehlen Medikamente und Ersatzteile für medizinische Geräte. Ärzten und Studierenden werden Auslandsaufenthalte unmöglich gemacht. Patienten, die in Gaza nicht versorgt werden können, haben keinen Zugang zur Behandlung.

Mit einem Schiff nach Gaza mit medizinischen Hilfsgütern wollen die deutschen Sektionen von IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung eines Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung) und der internationale katholische Friedensbewegung pax christi, die Palästinensische Gemein-de Deutschland, die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft, die Deutsch-Palästinensische Medizinische Gesellschaft und die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost gegen die Blockade des Gazastreifens protestieren. „Wir wollen der Strangulation und dem Aushungern einer Bevölkerung von 1,5 Millionen Menschen nicht tatenlos zusehen, zumal sie weiterhin unter den fortgesetzten militärischen Angriffen und ihren Folgen leiden“, heißt es im Appell des Bündnisses, den u.a. Bundestagsvizepräsident Dr. Wolfgang Thierse und weitere Bundestagsabgeordnete, die Bischöfe Heinz Josef Algermissen, Fulda und Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Pommersche Evangelische Kirche, Prof. Dr. Ulrich Gottstein, IPPNW-Ehrenvorstand und Prof. Dr. Rolf Verleger, ehemaliger Vorsitzender des Landesverbands Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein, unterzeichnet haben.

"So werden gerade viele Menschen in den besetzten Gebieten mit gespannter Erwartung auf Sie schauen und aufmerksam auf das hören, was Sie öffentlich sagen werden", erklärt Algermissen in seinem Schreiben. Und der Präsident weiter: "Ich bin überzeugt, dass wir als Christen vom Evangelium Jesu her den Auftrag haben, in Wort und Tat Anwalt der Unterdrückten zu sein - sei es gelegen oder ungelegen".

pax christi-Präsident Heinz Josef Algermissen wendet sich in einem offenen Brief an den Heiligen Vater

Algermissen sei klar, dass die Reise des Heiligen Vaters keine primär politische sein kann. Dennoch erhoffe er sich vom Papst besonders für die palästinensischen Christen ein Wort zugunsten von Recht und Gerechtigkeit.

Am 9. Mai 2009 vollendet Karlheinz Koppe sein 80. Lebensjahr. Koppe war in verschiedenen Funktionen bis zum Jahre 1994 für die deutsche Sektion von pax christi aktiv. Von 1987 bis 1994 hatte er die Ämter des Vizepräsidenten und des Vorsitzenden des Geschäftsführenden Vorstandes inne.

Vizepräsident Johannes Schnettler gratuliert seinem Vorgänger im Amt, Karlheinz Koppe, im Namen der deutschen Sektion zum 80. Geburtstag

Besondere Verdienste hat sich Karlheinz Koppe für pax christi auch durch seine maßgebliche Mitarbeit an der sog. Abrüstungsplattform erworben, mit der pax christi in der Hochphase der militärischen Ost-West-Konfrontation konsequent für eine drastische Reduzierung sämtlicher Waffenarsenale und eine Politik der wechselseitigen Verständigung und Kooperation eintrat. "Du kannst an diesem Tag auf eine beeindruckende Lebensleistung zurückblicken, in dessen Mittelpunkt du die Arbeit für den Frieden gestellt hast", heißt es in dem Glückwunschschreiben Schnetttlers.

Im Brief heißt es unter anderem: Mit Ihrer Übernahme der Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika und Ihren jüngsten Reden und Taten haben sie weltweit Hoffnung auf globale Sicherheit dauerhaften internationalen Frieden und menschliche Entwicklung für die Völker der Erde geweckt. Es ist wichtig, dass alle Bürger/innen und Entscheidungsträger/innen weltweit auf diese Option hin arbeiten und die Hoffnung für alle zur Wirklichkeit in unserem globalen Dorf auf diesem Planeten werden lassen.

Der Präsident von Pax Christi International, Msgr. Laurent Monsengwo und die Präsidentin Marie Dennis, haben sich zum Thema Abrüstung an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama gewandt. Der Brief vom 30 April 2009 erinnert Präsident Obama an die unwiderruflichen Zusagen, die die Atomstaaten auf der Folgekonferenz zum Atomwaffensperrvertrag im Jahr 2000 in New York unter der Präsidentschaft von Bill Clinton gegeben haben.

Ihre Aussagen zur nuklearen Abrüstung während Ihres Besuchs in Europa im April ermutigen uns sehr. Eine Welt frei von Atomwaffen ist eins unserer Hauptanliegen als internationale Friedensbewegung, die aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges 1945 entstand als Atomwaffen zum Einsatz kamen.

Dreizehn Schritte wurden vereinbart und die Atomstaaten gaben im Jahr 2000 bei der Folgekonferenz zum Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) der UN in New York unter der Präsidentschaft von Bill Clinton ihre unwiderrufliche Zusage dazu. Da Sie bei Ihrer letzten Rede im April zusagten, die USA würden „konkrete Schritte hin zu einer Welt ohne Atomwaffen“ unternehmen, fordern wir Sie auf, alle notwendigen Maßnahmen zur Umsetzung der dreizehn Schritte zu ergreifen um die Welt von der Bedrohung durch Atomwaffen zu befreien. Da die nächste Überprüfungskonferenz zum NPT 2010 abgehalten wird, sind ernsthafte Schritte auf dieses Ziel hin von höchster Wichtigkeit.

In diesem Zusammenhang sind die geplanten Raketenabwehrschilde in Europa von immenser Bedeutung. Wir sind davon überzeugt, dass die geplanten Raketenabwehrschilde für die nukleare Abrüstung kontraproduktiv sind. Da die Raketen auch zum Angriff eingesetzt werden können und die Bedeutung von Atomwaffen erneut forcieren, beeinträchtigen sie das Vertrauen, das für eine atomare Abrüstung erforderlich ist. Zudem würden Raketenzusammenstöße durch radioaktiven Niederschlag nicht wiedergut zu machenden Schaden über Europa bringen. Es ist daher von äußerster Wichtigkeit die damit verbundenen Anliegen auf diplomatischem Wege zu lösen.

Wenn die Atomstaaten ernsthaftes Engagement zu umfassender und unwiderruflicher atomarer Abrüstung zeigen und sich auf einen verbindlichen Zeitplan verpflichten, könnte das zu einer weltweiten Vereinbarung über die Nichtverbreitung von Atomwaffen führen, denn es würde den drei letzten verbleibenden Staaten die Chance eröffnen dem Vertrag beizutreten. …

Um die Vision vom dauerhaften gerechten Frieden und einer atomwaffenfreien Welt in die Wirklichkeit umzusetzen, muss die Weltgemeinschaft von Staaten und Völkern unermüdlich auf verlässliche, nationale und internationale politische Maßnahmen für zukünftige globale Sicherheit, auf der Basis internationaler Verträgen mit stringenten Vereinbarungen über deren Einhaltung und Umsetzung hinarbeiten. Mit der schrittweisen Entwicklung von nachhaltigen alternativen Mitteln und Wegen zu Frieden und Sicherheit, sowie den Ressourcen, die dadurch in der Forschung gespart werden, kann die Rüstungsproduktion in wirklich menschliche Entwicklung transformiert werden.


Fulda – Dieter Althaus (51) ist neuer Präsident des Maximilian-Kolbe-Werks. Die Mitgliederversammlung des Hilfswerks für die Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos wählte den Ministerpräsidenten von Thüringen auf der heutigen Sitzung (30. April) in Fulda. Althaus löst Dr. Friedrich Kronenberg (76) ab, der nach acht Jahren an der Spitze des Werkes nicht wieder antrat. Ebenfalls neu im Vorstand ist Dr. Oliver Müller, Leiter von Caritas international. Er folgt auf Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, der ebenfalls nicht mehr für einen Sitz im Vorstand kandidierte. Drittes Vorstandsmitglied bleibt der Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen, der Präsident von pax christi Deutschland.

pax christi gratuliert und wünscht dem neuen Dreierteam im Vorstand des Maximilian-Kolbe-Werks gute Zusammenarbeit!

„Es ist eine Ehre an der Spitze eines Werkes zu stehen, das Menschen hilft, die unter dem Nationalsozialismus auf furchtbare Weise leiden mussten“, so Dieter Althaus. „Dieses Amt ist mir wichtig, auch weil ich selbst in einem diktatorischen Staat – der DDR – aufgewachsen bin. Gemeinsam mit allen Mitgliedern sowie Ehren- und Hauptamtlichen des Maximilian-Kolbe Werks werde ich mich gegen das Vergessen nationalsozialistischen und kommunistischen Unrechts einsetzen. Nur so können Wege der Versöhnung in unserem zusammenwachsenden Europa gefunden werden.“

Althaus freue es, dass das Maximilian-Kolbe-Werk – neben der humanitären Hilfe für die ehemaligen Häftlinge in Polen und den Ländern der früheren Sowjetunion – Zeitzeugenprojekte mit KZ-Überlebenden organisiert. „Diese Arbeit ist ein unersetzlicher Beitrag in der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus.“ Der Auftrag des Maximilian-Kolbe-Werks, Überlebenden nationalsozialistischer Konzentrationslager und Ghettos zu helfen und diese Solidarität durch persönliche Begegnungen zu einem Zeugnis der Versöhnung wachsen zu lassen, werde weitergeführt. Die guten Erfahrungen dieser Bemühungen, insbesondere zwischen Deutschen und Polen, sollen gleichzeitig die Grundlage für die zukünftige Versöhnungsarbeit sein, die zunehmend Partner aus anderen Ländern für gemeinsame Wege in Europa zu gewinnen sucht, so Althaus.

Dank an Friedrich Kronenberg und Peter Neher

Die Mitgliederversammlung dankte Friedrich Kronenberg und Peter Neher, die aus ihren Vorstandsämtern ausschieden. Kronenberg war seit 2001 Präsident des Werkes, Neher seit 2005 dessen Vizepräsident. Ein großes Verdienst von Kronenberg sei der Aufbau der „Maximilian-Kolbe-Stiftung für Wege der Versöhnung aus der Kraft der Erinnerung“ gewesen. Kronenberg habe immer wieder betont, dass Versöhnung in Europa nur möglich ist, wenn die Erinnerung an die belastete Vergangenheit unseres Kontinents wach bleibt. Peter Neher habe sich insbesondere durch viele Begegnungen mit KZ- und Ghettoüberlebenden und Ehrenamtlichen am Sitz der Geschäftsstelle in Freiburg für die Belange des Werkes eingesetzt.

In einer Reihe mit Bernhard Vogel

Althaus steht in seinem neuen Amt auch in einer Reihe mit Bernhard Vogel. Der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen stand von 1984 bis 1992 an der Spitze des Hilfswerkes.

Das Maximilian-Kolbe-Werk setzt sich für die etwa 30.000 Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos in Polen und den Ländern Mittel- und Osteuropas ein. Das Werk unterstützt sie unabhängig von ihrer Religion, Konfession oder Weltanschauung. Es finanziert sich hauptsächlich aus Spenden und trägt das dzi-Spendensiegel. Das Maximilian-Kolbe-Werk ist ein eingetragener Verein. Der Vereinsvorstand trägt den Titel Präsident.

Wie Connection e.V. berichtet, wurden am 26. April 2009 fünf Aktive der israelischen Friedensorganisation New Profile durch die israelische Polizei verhaftet. „Ihre Computer wie auch die Computer von Familienangehörigen wurden beschlagnahmt. Nach dem Verhör wurden sie nur unter der Auflage frei gelassen, 30 Tage lang keinen Kontakt zueinander zu haben.“ , so Connection e.V. weiter.

Mit den Verhaftungen gehe die israelische Polizei gegen die Webseiten von New Profile vor, in denen die Organisation Informationen zur Kriegsdienstverweigerung und zur Ausmusterung veröffentlichte. New Profile werde beschuldigt, zur Militärdienstentziehung aufgerufen zu haben. Die Anklage ist im Sommer 2008 eröffnet worden, nachdem Verteidigungsminister Ehud Barak der "Militärdienstentziehung den Krieg" erklärt hatten.

New Profile dazu: "Diese Handlungen bestätigen, was wir bereits seit vielen Jahren behaupten: Der Militarismus der israelischen Gesellschaft schadet den Prinzipien der Demokratie, Meinungsfreiheit und Organisationsfreiheit. Wer glaubte, dass bei öffentlichen Äußerungen zu den Fehlern der Gesellschaft und der Vorschriften in Israel 'nur' gegen arabische Bürger mittels Strafverfahren vorgegangen wird, konnte erleben, dass niemand von uns sicher sein kann."

Neta Mishli, eine 18-jährige Kriegsdienstverweigerin, wurde erst kürzlich zu einer 20-tägigen Arreststrafe verurteilt. Sie unterzeichnete einen gemeinsamen Brief von AbiturientInnen, in dem sie sich weigerten, den Militärdienst abzuleisten. Neta Mishli erklärte, dass sie "nicht Teil einer Organisation sein will, die Kriegsverbrechen begeht und Tausenden von Unschuldigen das Leben nimmt. Um das Blutvergießen zu beenden, werde ich als kleinen Schritt hiermit den Antritt zum Militärdienst verweigern.“ Am 10. Mai 2009 wird sie voraussichtlich aus der Haft entlassen, weitere Inhaftierungen drohen ihr aber noch.

Connection e.V. verurteilt das Vorgehen der israelischen Regierung gegen die Friedensorganisation New Profile. Rudi Friedrich von Connection e.V. erklärte dazu: "Ganz offensichtlich zielt die Strafverfolgung auf diejenigen Kräfte in Israel, die das Vorgehen des israelischen Militärs kritisieren. Statt die Kriegsverbrechen zu beenden, werden die KritikerInnen kriminalisiert."

Die Organisation Connection e.V. bittet um Protestschreiben an den Staatsanwalt Menachem Mazuz, 29, Saladin Street, Israel – Jerusalem 91010, Fax: 00972-2-6467001, eMail: menim@justice.gov.il.

„Wir müssen auch wieder über die Abrüstung konventioneller Waffen reden, denn die bestimmen die Krisen in der Welt,“ fordert pax christi Generalsekretärin, Christine Hoffmann, angesichts der erschreckenden, wenn auch nicht überraschenden, Zahlen, die das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI über den weltweiten Rüstungsmarkt vorgelegt hat. „Die Verantwortung, die Deutschland durch dieses massive Engagement im Waffenexport trägt, ist der Öffentlichkeit viel zu wenig bewusst“ mahnt Hoffmann.“pax christi fordert ein wirtschaftliches Umsteuern hin zu zivilem Nutzen des vorhandenen technologischen Know How. Deutschland könnte in viel größerem Umfang friedliche Technologie und gewaltlose Konfliktlösungsoptionen fördern, die zum Abbau der Armut in der Welt und zur Unterstützung der Gesundheitssysteme beiträgt. Die vorliegenden Fakten sind nicht rein wirtschaftlich zu betrachten. Denn sie haben immense politische Bedeutung.“ betont Hoffmann und präsentiert die aktuelle Analyse der SIPRI-Zahlen durch den pax christi-Experten, Fabian Siebert.

pax christi kommentiert die neuen SIPRI Zahlen über den weltweiten Rüstungsmarkt

Fabian Sieber, Herausgeber des DAKS-Kleinwaffen-Newsletter und Vorstandsmitglied des RüstungsInformationsbüro, Freiburg, analysiert die aktuellen Informationen wie folgt:

„Das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI veröffentlichte eine neue Hochrechnung über den weltweiten Rüstungsmarkt bis zum Jahr 2008. Ermöglicht wird dadurch ein Vergleich über die beiden Zeiträume 1999-2003 und 2004-2008. Es mag zynisch klingen, aber die Erkenntnis, dass Deutschland seinen Anteil am weltweiten Rüstungsmarkt in dieser Zeit von 7% auf 10% erhöht hat und dass dadurch seine Gesamtrüstungsexporte um 70% gestiegen sind, überrascht wenig. Diese Zahlen sind bereits durch die jährlich publizierten Rüstungsexportberichte der Bundesregierung bekannt. Schockierend sind allerdings die Ergebnisse der Vergleichsmöglichkeiten die die Studie bietet: Mit Hilfe des von SIPRI aufbereiteten Materials wird es möglich, den Anteil verschiedener Wirtschaftsräume am weltweiten Rüstungsmarkt zu bestimmen, die spezifische Abhängigkeit der Import- von den Exportregionen nachzuvollziehen und die Verlagerungen im Bereich der Nachfrage nach Waffen zu verfolgen. 

So scheint der Europäische Wirtschaftsraum in Gestalt der EU-Mitgliedsländer Deutschland (10%), Frankreich (8%), Großbritannien (4%), den Niederlanden (3%), Spanien (2%), Italien (2%) und Schweden (2%) im Zeitraum von 2004-2008 für rund 31% der weltweiten Rüstungsexporte verantwortlich zu sein. Die Erkenntnis, dass Deutschland weltweit der drittgrößte Exporteur von Waffen aller Art ist, wird also noch dadurch übertroffen, dass der Europäische Wirtschaftsraum noch vor den USA der Rüstungsexport aktivste Wirtschaftsraum ist.

Auch im Rüstungsmarkt schlägt sich demnach die wirtschaftliche Dominanz der (westlichen) Industrieländer nieder. Die Vereinigten Arabischen Emirate etwa, die in den vergangenen Jahren zu einem der Hauptimporteure von Rüstungsgütern aufgestiegen sind, decken ihren Bedarf fast vollständig durch die drei Lieferanten USA (54%), Frankreich (43%) und Deutschland (1%). Südkorea, ebenfalls einer der weltweit führenden Rüstungsimporteure kauft gleichfalls vor allem bei diesen Lieferanten ein: USA - 73%, Deutschland – 12%, Frankreich – 9%. Russland dagegen ist Hauptlieferant von sowohl China (92%) als auch Indien (71%). Interessant ist, dass die Prozentzahlen in den beiden untersuchten Zeiträumen zwar geringfügigen Schwankungen unterlagen, sich an den Hauptlieferanten für die jeweiligen Kunden aber nichts geändert hat. Dies erklärt sich durch die Langlebigkeit moderner Waffensysteme und die Notwendigkeit, die Interoperabilität der einzelnen Systeme untereinander sicherzustellen. – Wer einmal ein bestimmtes System eingeführt hat, ist im Folgenden auf eine weiterführende technische Unterstützung angewiesen, was in der Konsequenz zu einer jahrzehntelangen, rüstungstechnischen Abhängigkeit der Empfängerländer führt.

Problematisch erscheint die Konfliktregion des Nahen Ostens. Seit Beginn des „Kriegs gegen den Terror“ sind die Rüstungsimporte aus dieser Region um 38% im Vergleich zum Vergleichszeitraum gestiegen. Besorgniserregend ist die Dimension die mittlerweile der Verteidigungshaushalt der Vereinigten Arabischen Emirate erreicht hat. Nicht weniger schwierig erscheinen jedoch die Rüstungsimporte des Irak, der im weltweiten Rüstungsranking immerhin Platz 28 unter den wichtigsten Waffen-Importeuren einnimmt. Angesichts dieser Zahlen stellt sich gar nicht so sehr die Frage, ob die Welt vor einem neuen Rüstungswettlauf steht. Erschreckend ist nicht die mögliche Zukunft, sondern die reale Gegenwart, die weniger durch visionäre Politiker geprägt zu werden scheint, die das Ziel einer gerechten und friedlichen Welt im Blick haben, als durch machtpolitische Bestrebungen. Die Zeit zu handeln ist jedoch jetzt.“

Montag, den 27. April startet die Begegnung mit einem Briefing durch den deutschen Botschafter in Warschau, Michael H. Gerdts. Die Delegation des ZdK kann sich in dem Gespräch einen Gesamtüberblick zu den Themenfeldern verschaffen. Anschließend besteht die Möglichkeit zum offenen Gespräch.

Johannes Schnettler beteiligt sich an der Reise des Sachbereichs "Politische Grundfragen" des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) vom 27. bis 28. April 2009
Das Ziel der Gesprächsreise ist ein Austausch über Fragen der gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Entwicklung in Polen und in Deutschland.

Aus der Perspektive des Sachbereichs bieten sich folgende Themenfelder für die Gespräche an:

 - Situation und Entwicklung der polnischen Demokratie

- Ökonomische Entwicklung in Polen/Fragen der sozialen Ausdifferenzierung

- Fragen der Energiesicherung und des Umweltschutzes

- Familienpolitische Initiativen in Polen - Polen und die Europäische Union

- Entwicklung der katholischen Kirche in Polen

- Aufbau bzw. Vertiefung der Kontakte des ZdK zu polnischen Partnern.

Am Dienstag, den 28. April 2009 beginnt der Tg mit einem Arbeitsfrühstück mit polnischen Gesprächspartnern. Daran schließen sich Gespräche mit Botschafter a. D. Janusz Reiter, Bischof Stanislaw Budzik, dem Generalsekretär der Polnischen Bischofskonferenz und ein Mittagessen mit Roza Gräfin Thun, der Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Polen an.

Die pax christi Sri- Lanka AG in Berlin steht in engem Kontakt mit Menschen in der gefährdeten Enklave. Darunter sind die Priester des Kinderheims, das pax christi unterstützt hat. pax christi nutzt zurzeit alle gangbaren Mittel und Wege um diesen die Minimalversorgung zu sichern und ein Entkommen aus der schärfsten Gefahrenzone zu versuchen.

pax christi begrüßt den Appell von Außenminister Steinmeier vom 23.04.09 an die Konfliktparteien in Sri Lanka, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und humanitäres Völkerrecht einzuhalten sowie die erklärte Bereitschaft der Bundesregierung, eine Lösung des Konflikts auf politischem Wege nach Kräften zu unterstützen!

Die Situation der Flüchtlinge im Land hat sich in den letzten Tagen noch verschärft. Der Verteidigungsminister Sri Lankas lehnte heute den Zugang der gestern vom UN-Generalsekretär Ban Ki Moon angekündigten Entsendung von Beobachtern in den Norden der Inselrepublik ab. In diese Enklave sind über 50 000 Menschen geflüchtet. Diese Menschen, der harte Kern der Tiger und ihrer Familien, befinden sich in größter Lebensgefahr, haben keinen Zugang zu Lebensmitteln und Wasser. Besonders für die Kinder grenzt die Situation an Aussichtslosigkeit, wenn keine Hilfe kommt. In dem Bürgerkriegsgebiet tobt die womöglich entscheidende Schlacht zwischen Militär und Tamilen-Rebellen, die seit mehr als 20 Jahren für einen eigenen Staat kämpfen. Nach der Ablehnung des Zugangs für das Team der UN steht jetzt zu befürchten, dass die Regierungstruppen dieses Gebiet überrennen. Das würde Tausende Tote bedeuten.

Bereits im März hatte pax christi Außenminister Steinmeier aufgefordert, Möglichkeiten auszuschöpfen um gemeinsam mit der EU und im direkten Kontakt zur Regierung Sri Lankas auf ein Ende der humanitären Katastrophe hin zu wirken. Das wichtigste ist zurzeit, die Regierung Sri Lanka zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Der Zugang zum Land für die Vereinten Nationen, Hilfsorganisationen und internationale Medien sind unabdingbare Voraussetzung für politische Lösungen. pax christi hat die deutsche Bundesregierung auch aufgefordert, bei der Regierung Sri Lankas darauf zu drängen, gegenüber Menschen, die von der Regierung verdächtigt werden, Kämpferinnen und Kämpfer der LTTE zu sein, rechtstaatliche Verfahren anzuwenden, die Menschenrechte einzuhalten und ein unabhängiges Monitoring durch die Vereinten Nationen zu gewähren.

Das Foto zeigt eine Demonstration von Tamilen, die heute vor dem Auswärtigen Amt in Berlin stattgefunden hat. Viele der Tamilen in der Stadt haben Angehörige in Sri Lanka, die in dem Krisengebiet sind oder in den letzten Tagen bei den Kämpfen ihr Leben verloren haben.


pax christi Spendenkonto: Pax Bank eG Kto: 4000 569 017 BLZ 370 601 93 Stichwort: Sri Lanka

Die pax christi Sri- Lanka AG in Berlin steht in engem Kontakt mit Menschen in der gefährdeten Enklave. Darunter sind die Priester des Kinderheims, das pax christi unterstützt hat. pax christi nutzt zurzeit alle gangbaren Mittel und Wege um diesen die Minimalversorgung zu sichern und ein Entkommen aus der schärfsten Gefahrenzone zu versuchen.

pax christi begrüßt den Appell von Außenminister Steinmeier vom 23.04.09 an die Konfliktparteien in Sri Lanka, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und humanitäres Völkerrecht einzuhalten sowie die erklärte Bereitschaft der Bundesregierung, eine Lösung des Konflikts auf politischem Wege nach Kräften zu unterstützen!

Die Situation der Flüchtlinge im Land hat sich in den letzten Tagen noch verschärft. Der Verteidigungsminister Sri Lankas lehnte heute den Zugang der gestern vom UN-Generalsekretär Ban Ki Moon angekündigten Entsendung von Beobachtern in den Norden der Inselrepublik ab. In diese Enklave sind über 50 000 Menschen geflüchtet. Diese Menschen, der harte Kern der Tiger und ihrer Familien, befinden sich in größter Lebensgefahr, haben keinen Zugang zu Lebensmitteln und Wasser. Besonders für die Kinder grenzt die Situation an Aussichtslosigkeit, wenn keine Hilfe kommt. In dem Bürgerkriegsgebiet tobt die womöglich entscheidende Schlacht zwischen Militär und Tamilen-Rebellen, die seit mehr als 20 Jahren für einen eigenen Staat kämpfen. Nach der Ablehnung des Zugangs für das Team der UN steht jetzt zu befürchten, dass die Regierungstruppen dieses Gebiet überrennen. Das würde Tausende Tote bedeuten.

Bereits im März hatte pax christi Außenminister Steinmeier aufgefordert, Möglichkeiten auszuschöpfen um gemeinsam mit der EU und im direkten Kontakt zur Regierung Sri Lankas auf ein Ende der humanitären Katastrophe hin zu wirken. Das wichtigste ist zurzeit, die Regierung Sri Lanka zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Der Zugang zum Land für die Vereinten Nationen, Hilfsorganisationen und internationale Medien sind unabdingbare Voraussetzung für politische Lösungen. pax christi hat die deutsche Bundesregierung auch aufgefordert, bei der Regierung Sri Lankas darauf zu drängen, gegenüber Menschen, die von der Regierung verdächtigt werden, Kämpferinnen und Kämpfer der LTTE zu sein, rechtstaatliche Verfahren anzuwenden, die Menschenrechte einzuhalten und ein unabhängiges Monitoring durch die Vereinten Nationen zu gewähren.

pax christi Spendenkonto: Pax Bank eG Kto: 4000 569 017 BLZ 370 601 93 Stichwort: Sri Lanka

„Wir bedauern sehr, dass die Bundesregierung ihre Teilnahme an der Konferenz abgesagt hat, weil wir als pax christi sagen müssen: Nur der Dialog führt auch in kontroversen Situationen weiter. Deshalb ist es zu begrüßen, dass der Vatikan seine Position auf der Konferenz gehalten hat, denn nur in der Konferenz selbst ist der Widerspruch möglich. Wir sehen jetzt ja auch in den Reaktionen auf die Rede von Ahmadinedschad, die, soweit sie uns bekannt ist, vollumfänglich zurückzuweisen und inakzeptabel ist, dass nur auf der Konferenz selbst ein solcher Widerspruch möglich ist. Denn die Rede erhält jetzt ein Eigengewicht - kein repräsentativer Europäer widerspricht dieser Position. Und das ist bedauerlich. Ein entschiedener Widerspruch zu Ahmadinedschads Rede auf der Konferenz hätte mehr bewirkt als das Fernbleiben.“

pax christi Deutschland begrüßt den Verbleib der vatikanischen Delegation bei der Antirassismuskonferenz in Genf. Ein Fernbleiben hingegen verbaue die Möglichkeiten der Auseinandersetzung, sagte pax-christi-Vizepräsident Johannes Schnettler an die Adresse Deutschlands. Radio Vatikan berichtet dazu.

Der Heilige Stuhl hatte die antisemitischen Aussagen des iranischen Präsidenten umgehend zurückgewiesen. Dennoch hat die Vatikan-Delegation die Konferenz nicht verlassen. Auch „radikale und inakzeptable Meinungen“ müssten angehört werden, begründete Erzbischof Silvano Tomasi diesen Schritt. Das entspreche auch der Natur der Vereinten Nationen als offenem Forum. pax christi teilt diese Haltung des Heiligen Stuhles zur Gänze.

„Wir haben für den Dialog immer geworben, von daher ist diese Position von uns aus voll und ganz zu unterstützen. Wir sagen, wir müssen mit den Personen, den Staaten, die im Widerspruch zu unserer Auffassung stehen, reden. Die Dialogverweigerung führt immer zur Verschärfung der Konflikte.“ (Radio Vatikan)

Gemessen an ihrem Abschlussdokument ist die UN-Anti-Rassismus Konferenz ein Erfolg. Überraschend haben die Delegierten bereits gestern Abend das Abschlussdokument verabschiedet. Ein wichtiger Aspekte darin ist z.B. die Stärkung der Arbeit von Menschenrechtsorganisationen.

Neu ist die Wahrnehmung der prekären Situation, in der sich vielerorts die Verteidiger von Menschenrechten und NGO´s, die gegen Rassismus kämpfen, befinden. Artikel 117 des Dokuments fordert alle Staaten auf, Menschenrechtsverteidiger/innen sowie Engagierte im Kampf gegen Rassismus und Intoleranz zu schützen und ihnen freies Arbeiten zu ermöglichen.

Gestärkt werden auch die Rechte von Migrant/innen. Die Staaten werden aufgefordert, in vollem Umfang die Menschenrechte von Migrant/innen zu garantieren. Verstärkt werden soll der internationale Dialog über Migration. Insbesondere der Dialog zwischen Ursprungs-, Aufnahme- und Transitländern.

An den Inhalten gemessen ist es mehr als bedauerlich, dass Deutschland nicht an der Konferenz teilgenommen hat. Eine Unterstützung des wichtigen international gefundenen Konsenses durch nachträgliche Unterzeichnung wäre ein gutes Zeichen Deutschlands. Die Bundesregierung hatte die Teilnahme an der Konferenz abgesagt, um sich nicht zur Kulisse antiisraelische Ausfälle missbrauchen zu lassen. Die Berichterstattung in den Medien war dementsprechend auf den Eklat fokussiert, den die nicht unerwartete Rede des iranischen Präsidenten ausgelöst hat. Doch bei den Ergebnissen der Konferenz geht es um internationale Kooperation im Kampf gegen Rassismus und Intoleranz. Davon sollte sich Deutschland nicht durch Ahmadinedschad´s Nebenschaukämpfe abhalten lassen.

pax christi fordert die Bundesregierung auf, das Abschlussdokument der Durban II Konferenz zu unterzeichnen und damit ein Signal für die Beteiligung Deutschlands am internationalen Kampf gegen Rassismus und für Würde und Gerechtigkeit für alle zu setzen.

Christine Hoffmann, pax christi Generalsekretärin

Veronika Hüning und Christine Böckmann besuchten Friedensfachkraft Patrick Koop in Bacolod auf den Philippinen und zeigten sich beeindruckt von seiner erfolgreichen Arbeit im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes.

Am Donnerstag, dem 16. April, sind Vizepräsidentin Veronika Hüning und Präsidiumsmitglied Christine Böckmann von ihrer zehntägigen Reise auf die Insel Negros (Philippinen) zurückgekehrt.

Zum Abschluss des 2004 begonnenen Kooperationsprojekts zwischen der deutschen Sektion von pax christi und Pax Christi Pilipinas besuchten sie die Friedensfachkraft Patrick Koop in Bacolod und würdigten seine erfolgreiche Aufbauarbeit im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes. Veronika Hüning und Christine Böckmann lernten die verschiedenen Programme näher kennen, die im Niall O’Brien Center, aber auch außerhalb durchgeführt werden, u.a. auf Mindanao: Schulungen und Trainings in den Bereichen gewaltfreie Konfliktbearbeitung, Friedenserziehung und Demokratie-Entwicklung sowie ein Master-Studiengang in Konflikttransformation an der Universität St. La Salle.

Besonders beeindruckt zeigten sich die beiden Projektbesucherinnen von den „Warriors for Peace“, die Aikido als Zugang zur Konflikttransformation nutzen, denn mit dieser „Kunst des Friedens“ werden die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen erreicht – vom Tricycle-Fahrer über Schülerinnen und Schüler bis hin zum Offizier der Armee.

„Wir konnten mit vielen Beteiligten sprechen: Programmverantwortlichen, Trainern und Teilnehmerinnen“, berichtet Christine Böckmann. „Sie haben uns von ihren positiven Erfahrungen erzählt und wie sie diese in ihrem jeweiligen Umfeld nutzen können. Viele haben sich für diese Lernchance durch den Zivilen Friedensdienst bedankt und sich gefreut, den fernen Projektpartner nun mit zwei Gesichtern verbinden zu können.“ Die Programme können in Zukunft mit den einheimischen Koordinatoren und ihrem jeweiligen Mitarbeiterstamm weitergeführt werden, wenn die Stabilisierung der Strukturen und das selbstständige Fundraising gelingen.

Mit der Gründung des Pax Christi Institute, für das am Dienstag nach Ostern in der Versammlung von Pax Christi Negros ein Präsidium gewählt wurde, besteht die Chance auf eine unabhängige Weiterentwicklung der Programme und ihrer Partnerorganisationen. Was die zukünftige Nutzung des Niall O’Brien Centers betrifft, so sind noch viele Fragen offen, vor allem, wie es zu einem lebendigen Bildungs- und Begegnungszentrum für Pax Christi Pilipinas werden kann. Unterschiedliche Interessen und Vorstellungen sind dabei zu berücksichtigen.

Veronika Hüning: „Wir sollten darüber nachdenken, wie wir die Partnerschaft nach dem Ende des Projekts fortsetzen können. Es gibt viele Möglichkeiten, die spannenden und wichtigen Programme zu unterstützen, z.B. durch Stipendien oder durch inhaltlichen Erfahrungsaustausch. Daran haben vor allem die Mitglieder von HELP for Peace (im Basis-Gesundheitssektor Tätige) und des Peace and Development Education Programs (Erziehung für Frieden und Entwicklung) großes Interesse.“ Im Mai wird unsere Friedensfachkraft Patrick Koop in verschiedenen Bistumsstellen und pax-christi-Gruppen seinen Beitrag zur Friedensarbeit auf den Philippinen vorstellen.

"Menschen müssen lernen, ihre Belange nicht den Unternehmen, Banken und dem Staat zu überlassen, sondern in die eigene Hand zu nehmen."

Inzwischen ist deutlich, dass mit der Finanzkrise der schlimmste Wirtschaftseinbruch in der Geschichte der Bundesrepublik verbunden sein wird. Exporte und Auftragseingänge sind dramatisch zurückgegangen, der Inlandsnachfrage fehlt es an Kaufkraft. Firmen stehen vor dem Aus mit der Folge wachsender Arbeitslosigkeit und Armut für viele Menschen. Für die Länder der Zweidrittelwelt ist das Ausmaß der Krise unvergleichlich dramatischer.

Die Ursachen der Wirtschaftskrise werden in der politischen Diskussion vereinfacht in der mangelnden Regulierung der Finanzmärkte sowie auf der persönlich-moralischen Ebene in der Gier von Managern und Bankern verortet. Stattdessen käme es darauf an, die gegenwärtige Krise als Systemkrise des kapitalistischen Wirtschafts- und Lebensmodells zu begreifen und nach Strategien zu suchen, die Menschen vor den akuten Folgen der Krise zu schützen und gleichzeitig Perspektiven ‚jenseits’ des kapitalistischen Paradigmas der Vermehrung des Kapitals um seiner selbst willen zu suchen.

Mit einem Offenen Brief an alle Bundestagsabgeordneten reagiert die Kooperation für den Frieden – ein Zusammenschluss von mehr als 50 Friedensorganisationen – auf die Ablehnung eines bereits Ende 2006 gestellten Antrages gegen deutsche Waffenexporte in den Nahen Osten.

Keineswegs überzeugt von den vorgetragenen Argumenten, das Anliegen der Petition aus der Friedensbewegung nicht einmal im Parlament zu diskutieren, wird an die Abgeordneten die Frage gerichtet, ob Sie bereit wären, den Appell von Amnesty International (ai) vom 23. Februar 2009 durch eine Resolution im Bundestag zu unterstützen. In diesem Appell fordert ai den Stopp von Waffenlieferungen an die Konfliktparteien und von den VN die Einrichtung eines umfassenden Waffenembargos. Der Brief an die Abgeordneten unterstreicht zum Schluss: „Rüstungsexporte in eine der gefährlichsten Kriegsregionen der Erde sind u.E. unverantwortlich, untergraben einen ernsthaften Friedensprozess und haben deshalb nichts mit Solidarität gegenüber den Menschen in Israel und Palästina zu tun.“

pax christi wünscht allen Mitgliedern, Freundinnen und Freunden und Weggefährten des Friedens frohe Ostern.

Unsere Friedensbewegung trägt den Namen des österlichen Christus. Mit der Zusage „Friede sei mit euch“ begrüßte der Auferstandene seine Jünger und sandte sie hinaus in die Welt, das Evangelium zu verkündigen. Wie damals den Jüngern gibt dieser Ostergruß Jesu Christi auch uns Hoffnung und Zuversicht, am Frieden in der Welt von heute zu arbeiten. Mag die Situation des Unfriedens mit Blick auf Regionen wie Nahost, Afghanistan, Dafur oder Kolumbien auch noch so übermächtig sein, wir dürfen uns zu Ostern immer wieder neu der Friedenszusage Gottes sicher sein. Diese Zusage möge uns in unserem Einsatz für den Frieden immer wieder neu stärken.

Auf seiner ersten Europa-Reise hat der neue US-Präsident Barack Obama von einer atomwaffenfreien Welt geträumt. Und bei einem ersten Treffen mit dem russischen Präsidenten kündigte Obama auch schon eine neue Runde von Abrüstungsgesprächen an. Rückt nach Jahrzehnten die atomwaffenfreie Welt in Reichweite?

Vizepräsident Johannes Schnettler lobt im Gespräch mit Radio Vatican Obamas Abrüstungsvorstoß

Das fragten wir den Vizepräsidenten der katholischen deutschen Friedensbewegung pax christi, Johannes Schnettler. „Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein christlicher Kairos! Wir haben von Pax Christi immer wieder diese politische Forderung erhoben, und nun vertritt der mächtigste Mann der Welt - oder der Führer der mächtigsten Nation der Welt – diese Forderung. Ich kann nur für pax christi sagen, dass wir diesen Augenblick immer gewollt haben; jetzt ist er da, und wir müssen nun sehen, dass wir das auch in politische Initiativen umsetzen können.“

Obama will außerdem die friedliche Nutzung der Atomenergie ausweiten. Von dieser ist es zur militärischen Nutzung allerdings nur ein kurzer Weg, und nicht immer ist es da leicht, zu unterscheiden. Ist diese Initiative also nicht zu gefährlich, ja blauäugig? „Wir haben ja schon immer diese Kritik gehabt; die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt musste sich immer schon mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Atombombe da ist, und wenn wir auf diese Waffe verzichten, wissen wir alle und weiß die Menschheit weiterhin, wie Atomwaffen hergestellt werden. Insofern müssen wir mit der Bombe leben – aber dieses Leben muss reguliert sein. Ich erinnere an das Zweite Vatikanische Konzil und an (die Enzyklika) „Pacem in terris“, die eindeutig den Besitz und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen verurteilt haben. Es darf um Gottes willen nicht sein, dass Menschen Kriege führen; aber es darf auch um Gottes willen nicht sein – und da sind „Pacem in terris“ und das Zweite Vatikanische Konzil eindeutig – dass Massenvernichtungsmittel eingesetzt werden, die in der Folge die Menschheit vernichten!“

Wie Sie selbst sagen, verschwindet das Wissen um die Bombe ja nicht mit ihrer Vernichtung. Die Gefahr bliebe also latent immer da. Wie kommt man dann zu einem Gleichgewicht? Wie weit kann man gehen, ohne sich über den Tisch ziehen zu lassen – und ohne dass die Gefahr sich dann de facto doch erhöht, dass auf einmal irgendwelche Verrückte sich die Bombe basteln? „Wir müssen natürlich sehen, warum die Nationen, die jetzt im Besitz von Atomwaffen sind, zu diesen Waffen gegriffen haben. Hinter jedem Atomwaffenbesitz steht die Erfahrung von Bedrohung. Diese Bedrohung muss weltweit abgebaut werden. Das heißt: Die Initiative, die Obama jetzt ergreift, geht ja einher mit dem Dialog aller mit allen, und der Westen muss hier eine Vorreiterrolle übernehmen. Wenn der Westen in der Lage ist, zu sagen: Wir als hochgerüstete und atomare Weltmacht machen den ersten Schritt und rüsten unser Potential ab, wir ergreifen vertrauensbildende Maßnahmen mit Blick auf den Iran und auch auf Nordkorea – dann wird sich die Frage nach der Bedrohung dieser einzelnen Staaten in ein anderes Licht stellen, und der internationale Druck, ihrerseits jetzt auch auf die Atomwaffen zu verzichten, wird größer werden.“

Als deutliches Zeichen gegenüber der erneuerten Karfreitagsfürbitte empfiehlt pax christi den katholischen Gemeinden den „Text des Gedenkens an die Juden“ in die Gestaltung ihres Kreuzweges in der Karwoche aufzunehmen.

Sprecher/in: Lasst uns auch der Juden gedenken an denen unsere christlichen Kirchen und unser deutsches Volk schuldig geworden sind, dass eine erhoffte Aussöhnung mit ihnen uns nur wie ein Wunder erscheinen kann. Aus ihrem Volk ist unser Herr Jesus Christus geboren worden und in ihrer Glaubenstradition ist er herangewachsen. Zu ihnen hat Gott zuerst gesprochen und seine Verheißungen für sie gelten auch heute noch und für immer.

Priester:
Allmächtiger ewiger Gott, du hast Abraham und seinen Nachkommen deine Verheißungen gegeben. Lass uns erkennen wie uns Menschen dieses Volkes durch die Jahrhunderte hin an große Gestalten der biblischen Tradition erinnern: wie Mose haben sie der Welt den Spiegel der 10 Gebote vorgehalten; wie Jakob mit dem Engel und wie Hiob haben sie mit dir gerungen; wie der leidende Gottesknecht haben sie alle Gewalt auf sich gezogen. Darum lass uns sie als deine Zeugen in Ehren halten. Und lass die Wunden, die Ihnen geschlagen wurden verheilen, so dass wir mit ihnen zusammen die Fülle der Erlösung erlangen können. Darum bitten wir durch Christus unsern Herrn. Die Karfreitagsbitte ist entnommen: Ansgar Ahlbrecht: Am Karfreitag "der Juden gedenken" statt für sie zu beten.

Quelle: Imprimatur, Trier, 41. Jahrgang, Nr. 4/ 2008, S. 203.

In diesen Tagen jährt sich zum fünfzehnten Mal der Beginn eine der ganz großen menschenrechtlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, der Völkermord in Ruanda 1994.

Um den fatalen Abschuss des Flugzeugs mit dem ruandischen Präsidenten Habyarimana an Bord am 6. April 1994 - der Startschuss für den Genozid - ranken sich zahlreiche Vermutungen und entsprechende Schuldvermutungen. Das Selbstbekenntnis eines dissidenten Offiziers der Rebellentruppe und heutigen Regierungspartei FPR ist vor einiger Zeit wieder zurückgezogen worden. Tatsache ist: Innerhalb von Stunden nach dem Abschuss errichtete die Hutu-Miliz Interahamwe überall in Ruanda Straßensperren und begann mit Hausdurchsuchungen, bei denen gezielt Tutsis aufgegriffen und bestialisch ermordet wurden.

Dass gleich zu Beginn der 100 Tage der Hölle in Ruanda auch zehn UN-Blauhelmsoldaten auf grausame Weise abgeschlachtet wurden, verdeutlicht das enorme Ausmaß der abgründigen Aggressivität, die in der ehemaligen deutschen und dann belgischen Kolonie mit einem Mal losbrach. Wie nur, um Gottes Willen, war dieser kaum vorstellbare Ausbruch von Grausamkeit möglich, der vermutlich rund 800.000 Tutsis und gemäßigte Hutus zum Opfer fielen? Den vielen Toten gelten die offiziellen Gedenkfeiern, die alljährlich in Ruanda Anfang April in der Bevölkerung das Unvorstellbare in mahnende Erinnerung rufen sollen.

Dieser Völkermord ist auch ein warnendes Beispiel für das Scheitern einer UN-Blauhelmmission. An Warnsignalen hatte es nicht gefehlt. Im Januar 1994 hatte der Befehlshaber der Blauhelmtruppe in Ruanda in einem Bericht den Aufbau von geheimen Waffenlagern der Interahamwe-Miliz dokumentiert, doch erhielt er keine Genehmigung, die Lager auszuheben. Nach Ansicht von vielen Fachleuten hätte bei einem rechtzeitigen ordnungsrechtlichen Eingreifen der Blauhelme der Massenmord verhindert werden können und wäre auch vom Mandat gedeckt gewesen. Im Falle Ruandas fehlte es an politischem Willen auf der Seite der Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft.

Da Völkermord ein Verstoß gegen internationales Recht ist, haben sich große internationale Akteure, unter anderem die USA, lange gestäubt, im konkreten Zusammenhang überhaupt diese Bezeichnung zuzulassen. Die Lenker des Völkermords und ihre ausführenden Organe machten ohne Furcht vor internationalen Maßnahmen mit ihrem mörderischen Tun über mehr als drei Monate hinweg einfach weiter. Weder die zahlreichen Berichte der Überlebenden, noch die zum Teil weit gehenden Tätergeständnisse können das Ausmaß der Gewissenlosigkeit der zahlreichen Täter ausleuchten. Auch der anerkennenswerte Versuch einer juristischen Aufarbeitung der Verantwortlichkeit in Ruanda und durch den internationalen Ruanda-Sondergerichtshof in Arusha (Tansania) können hier nur bruchstückhaft Aufklärung liefern.

Bei der Einnahme Ruandas durch die FPR flüchtete ein großer Teil der Bevölkerung, unter Druck oder Angst vor der Rachejustiz, in den Kongo. Sie sammelte sich in gigantischen Flüchtlingslagern, in denen die Interahamwe das Zepter in der Hand behielt. Das Regime von Mord und Totschlag ging weiter, wenn auch in verminderter Form. Das vom Westen über Jahrzehnte ausgehaltene und total korrupte Mobutu-Regime im Kongo war zu schwach bzw. nicht willens, diese Hutumilizen zu entwaffnen. Bis heute hat die Bevölkerung im Osten des Kongo unter diesem Konfliktexport aus Ruanda zu leiden.

Die Nachfolgeorganisation der Interahamwe, die FPLR, geriet zwar jüngst im Nord-Kivu einmal mehr unter Bedrängnis, doch im Süd-Kivu hat sie nach wie vor den große Teile der Provinz unter ihrer Kontrolle und dürfte auch in Zukunft militärisch kaum zu besiegen sein, weil sie sich durch illegalen Rohstoffhandel und somit letztlich über Abnehmer in den Industrieländern finanziert und ihre Rückzugsgebiete im undurchdringlichen Regenwald hat. Auch auf dem von der FPR eroberten Territorium kam es zu Massakern durch die Sieger, der ebenfalls Abertausende von Menschen zum Opfer fielen. Diese Opfer werden beim nationalen Gedenken konsequent ausgeklammert; Ein Aufarbeiten dieses Teils der jüngeren ruandischen Geschichte ist unter den derzeitigen politischen Verhältnissen unmöglich. Wer damit anfängt oder die Politik der Regierung Kagame in Frage stellt, macht sich in jeder Hinsicht angreifbar und muss durchaus mit dem Schlimmsten rechnen. Oppositionelle Medien gibt es praktisch nicht.

Wer andere politische Meinungen hat als die Regierung, tut gut daran, sich bedeckt zu halten – oder gleich ins Ausland zu emigrieren. Unser Gedenken gilt in diesen Tagen der Karwoche den Toten des Jahres 1994 in Ruanda. Sie mögen ruhen in Frieden. Das Grauen von 1994 darf sich niemals mehr wiederholen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass es neuen Generationen gelingt, den todbringenden Hass zu besiegen, pseudo-ethnischen Barrieren zu benennen und zu überwinden und ein versöhntes, angstfreies, wirklich demokratisches Ruanda aufzubauen. Dafür ist internationale Unterstützung – auch von der Friedensbewegung – erforderlich.

pax christi, Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“

Ergebnisse des Workshops Pax Christi Freiburg / Ökumenisches Netz Württemberg zum Internationalen Kongress “Nein zur NATO - Nein zum Krieg. 60 Jahre sind genug!” 4.4.09

Anlässlich des Nato - Gipfels fand in Strasbourg 3.-5.4.09 ein internationaler Kongress “Nein zur NATO - Nein zum Krieg. 60 Jahre sind genug!” statt, an dem auch pax christi - Mitglieder teilnahmen. Im Rahmen eines workshops haben sie - auch unter dem Eindruck des Verlaufs der Demonstration am Sa.4.4.09 in Strasbourg - folgende Erklärung abgegeben und in den Kongress eingebracht:

" Warum waren wir christlichen und kirchlichen Gruppen bei den NATO-Protesten? Wir wenden uns hier gegen die Legitimation des Militärbündnisses, die gegen unseren Willen erfolgt. Unser eher spiritueller Standpunkt, der uns als weltfremd vorgehalten werden könnte, erweist sich dabei, wie wir meinen, oftmals als eigentlicher Realismus, weil sich uns dadurch ganz andere Zugänge, namentlich der der Gewaltfreiheit eröffnen. Das hat sich bei vielen Gelegenheiten bewiesen, etwa bei den gewaltfreien Protesten „Schwerter zu Pflugscharen“, die zum Mauerfall führten oder bei den Erfolgen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Neben dem aktiven Position-beziehen und Gesicht-zeigen, vor allem auch außerhalb der Kirchenmauern, geht es uns als ChristInnen bei der Teilnahme an den Friedensdemonstrationen um das Wahrnehmen unserer Verantwortung als BürgerInnen, als Eltern, die eine zukunftsfähige Welt für ihre Kinder schaffen wollen, und um das Ausschöpfen unserer Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung.

Wir sehen im einseitigen Sicherheitsdenken unserer NATO-Staaten einen grundlegenden Widerspruch zum biblisch-christlichen Gerechtigkeitsideal und setzen dem die Verpflichtung auf solidarische Güte auch in internationalen Beziehungen entgegen. Für die Umsetzung dieser Verpflichtung fordern Zivilgesellschaft und Kirchen gemeinsam im Gegensatz zur Gewaltagentur NATO oder der im EU-Vertrag von Lissabon vorgesehenen Agentur für Verteidigung eine internationale Friedensagentur. Das Rüstzeug dafür haben wir kirchlichen Friedensorganisationen mit unserer reichen Erfahrung aus 60 Jahren Friedensarbeit, mit zivilen Friedensdiensten, Schalomdiakonaten und Instrumenten zur Konfliktprävention. Dabei treten wir jedoch dem jetzt propagierten NATO-Konzept der vernetzten Sicherheit kritisch gegenüber. Frieden kann nur ohne Waffen geschaffen werden.

Hier in Strasbourg wurde im April 2001 von allen protestantischen, orthodoxen und katholischen Kirchen in Europa die Charta Oecumenica unterzeichnet. Grundlage für dieses Friedenszeichen ist der 1983 weltweit ausgerufene Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Zitat: „Auf Grund unseres christlichen Glaubens setzen wir uns für ein humanes und soziales Europa ein (eine humane und soziale Welt), in dem die Menschenrechte und Grundwerte des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Toleranz, der Partizipation und der Solidarität zur Geltung kommen. Wir betonen die Ehrfurcht vor dem Leben, den Einsatz für die Armen und die Bereitschaft zur Vergebung.“ Es gilt zu verhindern, dass Europa und die Welt sich zu einem integrierten Westen und einem desintegrierten Osten entwickeln und der Nord-Süd-Gegensatz sich verschärft.

Das zentrale Gebot unseres Glaubens „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (3 Mos 19, Mt 5, 44) bezieht jeden, selbst den Feind mit ein. Anders sagt es die Goldene Regel: „Alles was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen“. (Mt 7,12)

Diese Feindesliebe soll an der Friedensbewegung selbst ablesbar sein und sichtbar werden, das ist ihre eigentliche Stärke:

  • Bei aller Entschiedenheit für die eigene Überzeugung Andersdenkende respektieren und fair mit ihnen umgehen;
  •  Feindesliebe ist mit militärischer Gewalt und Gewaltvorbereitung unvereinbar;
  •  kompetent mit der Sache auseinandersetzen und Alternativen entwickeln.

Deshalb lasst uns gemeinsam zu FriedenstifterInnen werden !  "

Erklärung des executive committee von pax christi international zur Zukunft der Nato anlässlich des Nato-Gipfels in Strasbourg 4/2009

In einer Erklärung zum 60-jährigen Bestehen der Nato fordert das Exekutivkommittee von pax christi international eine Überprüfung der Nato-Strategie in Afghanistan, eine vollständige atomare Abrüstung und eine Zurückhaltung bei der Erweiterung des Bündnisses. Wir veröffentlichen hier den Originaltext (engl.).

Aktivitäten der pax christi - Bistumsstelle Freiburg gemeinsam mit dem Versöhnungsbund und dem Ökumenischen Netz Württemberg

Pilgerweg der Versöhnung, Friedensgebet und Workshop in Kehl, Bühl und Baden-Baden

Nach einem Pilgerweg in Kehl auf dem Gelände der ehemaligen Kehl-Strasbourger Gartenschau am Freitag - gemeinsam mit dem Versöhnungsbund und dem Ökumenischen Netz Württemberg - fand ein Friedensgebet am Bühler Friedenskreuz statt, der Tag schloss mit einem ökumenischen Friedensgottesdienst in der Baden-Ooser Kirche St.Dionys. Etliche TeilehmerInnen beteiligen sich am Ostermarsch Baden-Württemberg bzw. der Demonstration in Strasbourg und nehmen am pax christi - Workshop " 60 Jahre NATO - was feiern die eigentlich ?" in Kappelrodeck teil.

Die Aktionen fanden bisher ein interessiertes Echo in den Medien, so berichtet die Kehler Zeitung:

Kleine Gruppe mit großem Ziel - Rund 30 Teilnehmer beim Pilgermarsch gestern zum Auftakt der Proteste anlässlich des Nato-Gipfels

Der Auftakt des »heißen« Wochenendes in Kehl war friedlich – und eher lau und kaum bemerkt: Nicht einmal drei Dutzend Teilnehmer verzeichnete der Friedensmarsch gestern zur Mittagszeit.
Während Polizeihubschrauber über der Europabrücke mit Getöse ihre Kreise ziehen, stimmt in der Mitte der Brücke eine kleine Menschenschar das Kirchenlied »Herr erbarme Dich!« an. Es ist die erste angekündigte Friedensdemo in Kehl im Rahmen des Nato-Jubiläumsgipfels. Eine Generalprobe für die Großdemonstration heute wird die Kundgebung am gestrigen Freitagmittag allerdings nicht. Nur rund 30 Teilnehmer haben sich die Mühe gemacht, am Pilgermarsch teilzunehmen – allein die Hälfte davon sind Vertreter der Medien.

Das Bewusstsein fehlt
Für die Organisatoren eher eine traurige Bilanz: »Die Menschen sind egoistischer geworden und ihr Bewusstsein für das, was in der Welt passiert, ist nicht mehr so ausgeprägt wie früher«, bewertet Christoph Grosse, Sprecher von Pax Christi, die zurückhaltende Beteiligung. Eine Teilnehmerin macht indes deutlich, dass viele im Vorfeld Angst vor Krawallen gehabt hätten und lieber Zuhause geblieben seien. Unter dem Leitwort »Frieden geht anders« hat Pax Christi gemeinsam mit dem Internationalen Versöhnungsbund und dem Ökumenischen Netz Württemberg zu der Kundgebung aufgerufen. Die Route verläuft auf dem grenzüberschreitenden Versöhnungsweg auf dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau und in der Kehler Innenstadt, der an Erinnerungspunkten des Zweiten Weltkriegs beidseitig des Rheins entlang führt. Doch zur Rheinüberschreitung nach Frankreich soll es nicht kommen. »Die Präfektur hat das nicht erlaubt«, teilt Dieter Hemminger vom Internationalen Versöhnungsbund mit. Dennoch lassen sich die Teilnehmer nicht entmutigen und wissen sich zu helfen: Mit Fotoplakaten der Gedenkstätten von der anderen Seite des Rheins machen sich die Pazifisten auf Kehler Seite auf den Weg. Ausgangspunkt ist der Bahnhof Kehl. Ein überdimensionales Banner eines bekannten Unternehmers am Bahnhofsgebäude mit der Aufschrift »Welcomes Angie, Sarko und Obama« setzt einen markanten Kontrapunkt, der von einigen gar als Provokation empfunden wird. Von der Brücke geht es zur Gedenktafel am Fuß der Europabrücke. Im Rheinvorland ist von den Veranstaltern des Nato-Gipfels der Weg teilweise mit Gummimatten ausgelegt worden: Die Staatschefs werden heute in ihren Dienstwagen zur Passerelle zum gemeinsamen Fototermin gefahren. Mit wehenden Friedensfahnen zieht die kleine Gruppe des Pilgermarschs in die Innenstadt. Zum gemeinsamen Gebet für eine friedvolle Zukunft werden einige Zwischenstopps eingelegt. An den insgesamt acht Stationen erinnern die Teilnehmer zudem an Vergangenes, benennen aber auch gegenwärtige Kriegsgräuel. In der Kehler Fußgängerzone sind kaum Menschen. Einige verbarrikadierte Geschäfte und an vielen Ladentüren Sicherheitsleute, die argwöhnisch die Bewegungen des kleinen Zuges beobachten. Erfreulich die Zurückhaltung der Polizei, die sich während der absolut friedlichen Demonstration in Diskretion übt. Gegen 14 Uhr geht die zweistündige Protestaktion vor der Friedenskirche zu Ende. "

Präsident Bischof Algermissen segnete heute die Räume des pax christi Sekretariats in Berlin. Während einer Andacht im Kreis des Vorstandes und der Mitarbeitenden im Sekretariat segnete der Präsident heute die Räume des neuen Sekretariats in Berlin.

Der Präsident verband diesen Besuch mit Gesprächen über aktuelle kirchen- und gesellschaftspolitische Themen im Sekretariat. Zuvor hatte er in der Vertretung des Landes Hessen beim Bund das Bonifatiuskreuz gesegnet.

Das Präsidiums der deutschen Sektion von pax christi legt anlässlich des NATO-Gipfels am 3./4 April 2009 in Baden-Baden und Kehl (Deutschland) und in Straßburg (Frankreich) eine Erklärung zum 60-jährigen Bestehen der NATO vor. „Das NATO-Bündnis, das erklärtermaßen die Interessen seiner Mitgliedsstaaten letztlich mit militärischen Mitteln durchsetzen soll und dazu selbst den Ersteinsatz von Massenvernichtungswaffen nicht ausschließt, ist friedenspolitisch kontraproduktiv.“ erklärt die Generalsekretärin von pax christi, Christine Hoffmann, heute in Berlin bei der Vorstellung der Erklärung des Präsidiums.

60-jähriges Bestehen der NATO als Anlass zur politischen Kehrtwende

„Der Jahrestag der NATO-Gründung sollte nicht als Jubiläum begangen, sondern muss als Anlass genommen werden, eine Kehrtwende einzuleiten: weg von der Strategie der Abschreckung und der militärischen Stärke, hin zu einer Strategie der Abrüstung, der gerechten und nachhaltigen Ressourcennutzung, der Stärkung der OSZE und internationaler Rechtsordnungen. Eine solche Kehrtwende würde auch eine künftige gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU von der Bindung an die NATO-Strategie entlasten, wie sie im Lissaboner EU-Vertrag von 2007 vorgesehen ist.“ betont Hoffmann.

Desweiteren heißt es in der Erklärung:

„Die NATO ist immer noch in der militärischen Logik verhaftet. Seit 1990 verbindet die NATO die Neuformulierung ihrer Aufgaben mit einer neuen Begrifflichkeit: Seit dem geht es nicht mehr um die Abwehr militärischer Bedrohungen, sondern um sogenannte humanitäre Interventionen. Damit hat die NATO maßgeblich zur Militarisierung des sicherheits- und außenpolitischen Denkens und Handelns auch in Deutschland beigetragen.“

Angesichts der katastrophalen Entwicklungen in Afghanistan, im Irak und im Nahen Osten und der bedrohlichen Szenarien gegenüber dem Iran ist die zentrale Zeitansage zur Erreichung friedlicher Koexistenz: Dialog statt „Krieg gegen den Terror“, Stärkung des internationalen Rechts und der internationalen Organisationen. Notwendig ist der Aufbau von kooperativen Vertragssystemen von der Art der OSZE unter dem Dach einer reformierten UNO und mit strikter Bindung an deren allgemein anerkannte Rechtsordnung. Die internationale Gewaltkontrolle muss zukünftig ausschließlich bei den Vereinten Nationen liegen. Mittelfristig ist eine totale atomare Abrüstung nötig und möglich. Kurzfristig sind die schrittweise Senkung der Rüstungsausgaben, eine glaubhafte Kontrolle des Rüstungs-handels, ernsthafte Abrüstungsverhandlungen und der Rückzug aus den Auslandseinsätzen der NATO Gebote der Stunde. Eine Zukunft ohne NATO kann heute beginnen!

Der Bischof der Piusbruderschaft, Richard Williamson, hat in seinem Internet-Blog „Getting Serious“ vom 7. März den Gedanken eines Dritten Weltkriegs ins Spiel gebracht. Dieser allein könne laut Williamson die heutigen Politiker auf den Boden der Realität zurückführen.

Bischof Algermissen zu einer neuerlichen Äußerung Williamsons

Es ist erschreckend und empörend, wie leichtfertig hier mit dem Gedanken des Krieges gespielt wird. Das sind die durchaus typischen, sehr gefährlichen Töne eines sich als Bischof gerierenden Sektierers, die mit der befreienden Botschaft des Evangeliums Jesu Christi nichts zu tun haben.

Gott will keinen Krieg, und er macht auch keinen Krieg! Vielmehr wird dieser immer in den Herzen der Menschen vorbereitet. Papst Paul Johannes II. hat im Januar 2003 angesichts des bevorstehenden Irakkrieges gesagt: „Nein zum Krieg! Er ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Er ist immer eine Niederlage der Menschheit!“ Die Tatsache, dass sich die Piusbruderschaft nicht von der absurden Kriegsthese Williamsons distanziert, zeigt einmal mehr, dass auch sie im Verdacht stehen muss, eine sektiererische Gruppierung zu sein.

Heinz Josef Algermissen

Bischof von Fulda und Präsident der Deutschen Sektion von pax christi

pax christi Bistumsstellentreffen startet in Nürnberg mit einem Gastvortrag von Reuven Moskowitz. Zur Beratung beim Bistumsstellentreffen stehen desweiteren an, die Projektarbeit mit zivilen Friedensfachkräften, die Zukunftsfähigkeit der pax christi Bewegung, aktuelle Aktivitäten wie die Kampagne „Ein Schiff für Gaza“, etc.

Moskowitz kritisiert Merkels Duldsamkeit gegenüber Israels Gewaltpolitik

In seinem Gastvortrag beim pax christi Bistumsstellentreffen sprach der jüdische Friedenskämpfer Reuven Moskowitz in eindringlichen Worten über die kritische Situation Israels. Es grenze an Wunder, was dieser Staat anfangs geleistet habe: Der Aufbau der Städte, die Kibbuzin. Doch heute seien die Palästinenser nicht nur entrechtet, sondern entmenschlicht. Es sei erschreckend, zu sehen, was das palästinensische Volk seit 60 Jahre ertragen müsse.

Zwei Völker müssten aus der Geschichte lernen: Deutschland und Israel. Während es Deutschland gelungen sei aus Feinden Freunde zu machen, kenne die Rachebereitschaft israelischer Politiker keine Grenzen. Unverständlich sei ihm, das Deutschland, das gelernt habe zu versöhnen, einen Staat unterstütze der unversöhnlich sei. „Deutschland unterstützt einen Staat der rassistisch ist. Israel ist ein Apartheitsstaat.“ Bundeskanzlerin Merkel sei nicht gut beraten, Israels Gewalt uneingeschränkt zu dulden. Ein Freund Israels sei gerade, wer von den israelischen Politikern Grenzen ihrer Kriegspolitik zu fordere und so den Weg für eine Friedenspolitik ebne. Mindestens, so Moskowitz, hätten wir erwarten können, dass die deutsche Politik soweit aus der Geschichte gelernt hätte, Israel nicht nach dem Munde zu reden. „In schlechten Zeiten soll der Weise auch schweigen.“ Auch das wäre eine Option für die deutsche Politik.


Reuven Moskowitz (Jg. 28) ist jüdischer Friedenskämpfer und kritischer Historiker aus Jerusalem, der sich u.a. seit 30 Jahren für das Friedensdorfes Neve Shalom/ Wahat al Salam engagiert.

Während der Westen es weiter ablehnt mit Hisbollah und Hamas zu reden, entstehen neue islamistische Gruppen im Nahen Osten. Mit dieser Entwicklung beschäftigte sich im März im Libanon ein pax christi Seminar „Verhütung von und Umgang mit Radikalisierung“, an der mit Pax Christi International verbundene Gruppen im Nahen Osten und aus der EU teilnahmen.

Wiltrud Rösch-Metzler, die Sprecherin der pax christi Nahostkommission, nahm am Pax Christi international Libanon-Seminar teil

Bis heute habe der Westen nicht verstanden, was sich hinter der islamischen Revolution im Iran verbirgt, nämlich die leidenschaftliche Weigerung, die Welt nach dem Verständnis des Westens zu betrachten, wo alles Marktgesichtspunkten untergeordnet ist, betonte der ehemalige Solana-Berater Alastair Crooke in seinem Vortrag über die Gründe von Radikalisierung: „Diese Reise, ein neues Selbst zu finden, hat gerade erst angefangen.“ Crooke wies auf die Begeisterung der jungen Menschen in Hisbollah und Hamas hin, Gesellschaft kollektiv zu gestalten. Studien über Radikalisierung im Nahen Osten würden normalerweise aus einer westlichen Perspektive heraus gemacht, erläuterte der Beiruter Politikprofessor Ahmad Moussalla. Eine Verlagerung des Zentrums bringt eine neue Perspektive, etwa bei der Beurteilung der Hisbollah: „Ist die Hisbollah eine Terrororganisation oder eine Befreiungsbewegung?“ Aus Sicht Israels ist sie eine Terrororganisation, aus dem Blickwinkel der besetzten arabischen Welt keine. Mit Hamas und Hisbollah reden, trägt nach Ansicht der Seminar-Teilnehmenden, darunter die Sprecherin der pax christi Nahostkommission der deutschen Sektion, dazu bei, Radikalisierung zu überwinden.

Informationen vom pax christi international Libanon-Seminar

Wiltrud Rösch-Metzler, die Sprecherin der pax christi Nahostkommission,, bereiste den Libanon

Während der Westen es weiter ablehnt mit Hisbollah und Hamas zu reden, entstehen neue islamistische Gruppen im Nahen Osten. Mit dieser Entwicklung beschäftigte sich im März im Libanon ein pax christi Seminar „Verhütung von und Umgang mit Radikalisierung“, an der mit Pax Christi International verbundene Gruppen im Nahen Osten und aus der EU teilnahmen. Bis heute habe der Westen nicht verstanden, was sich hinter der islamischen Revolution im Iran verbirgt, nämlich die leidenschaftliche Weigerung, die Welt nach dem Verständnis des Westens zu betrachten, wo alles Marktgesichtspunkten untergeordnet ist, betonte der ehemalige Solana-Berater Alastair Crooke in seinem Vortrag über die Gründe von Radikalisierung: „Diese Reise, ein neues Selbst zu finden, hat gerade erst angefangen.“ Crooke wies auf die Begeisterung der jungen Menschen in Hisbollah und Hamas hin, Gesellschaft kollektiv zu gestalten. Studien über Radikalisierung im Nahen Osten würden normalerweise aus einer westlichen Perspektive heraus gemacht, erläuterte der Beiruter Politikprofessor Ahmad Moussalla. Eine Verlagerung des Zentrums bringt eine neue Perspektive, etwa bei der Beurteilung der Hisbollah: „Ist die Hisbollah eine Terrororganisation oder eine Befreiungsbewegung?“ Aus Sicht Israels ist sie eine Terrororganisation, aus dem Blickwinkel der besetzten arabischen Welt keine. Mit Hamas und Hisbollah reden, trägt nach Ansicht der Seminar-Teilnehmenden, darunter die Sprecherin der pax christi Nahostkommission der deutschen Sektion, dazu bei, Radikalisierung zu überwinden.

herausgegeben von der pax christi-Kommission Friedenspolitik mit Unterstützung des Ökumenischen Netzes Württemberg

Handreichung zur Friedenspolitik

Die vorliegende Handreichung will: die Solidität der NATO und die scheinbare Alternativlosigkeit eines Bekenntnisses zu diesem Bündnis in Frage stellen; Friedensgefährdungen deutlich machen und aus friedensethischer und christlicher Verantwortung auf die durch Militär gefährdeten Menschenrechte und auf die zwingende Gültigkeit des Völkerrechts hinweisen.

Am Donnerstag, 12. März 2009, ist nach kurzer schwerer Krankheit Jan Ter Laak verstorben, der frühere Generalsekretär von Pax Christi Niederlande.

Seine Gabe war es, Menschen zusammenzuführen und zu inspirieren

Jan Ter Laak, 1963 zum Priester geweiht, war seit 1968 Sekretär des niederländischen "Interkirchlichen Friedensrates" und arbeitete bei Pax Christi vor allem in der Beratung von Kriegsdienstverweigerern. 1983 wurde er Generalsekretär der niederländischen Sektion, nachdem er zuvor in der katholischen Rundfunkarbeit aktiv war. 1996 trat er als Pax-Christi-Sekretär zurück, kurz darauf legte er auch sein Priesteramt nieder. Er wurde "Senior Advisor" des niederländischen Helsinki-Komitees, an dessen Gründung er ebenfalls beteiligt. In dieser Eigenschaft war er bis kurz vor seinem Tod unermüdlich aktiv; noch im Februar 2009 war er zu Kontakten in Katar gewesen.

Jan Ter Laak hat sich unschätzbare Verdienste für die Friedensbewegung und im Einsatz für Menschenrechte erworben. Sein Engagement galt den Menschen und der Überwindung von Feindschaft und Gewalt. Seine Gabe war es, Menschen zusammenzuführen und zu inspirieren. Er vermittelte u.a. Kontakte zwischen der Regierung und den Rebellen in Kolumbien und trat ein für die für Dissidenten auf Kuba. Sehr früh knüpfte er intensive Kontakte zur Bürgerrechtsbewegung in der DDR und ermöglichte dieser Kontakte und Unterstützung auf internationaler Ebene. Während des Krieges auf dem Balkan verbrachte er jedes Weihnachtsfest im belagerten Sarajevo.

Mit der deutschen Sektion von pax christi verbanden Jan Ter Laak viele persönliche Kontakte insbesondere auch zu den Mitgliedern der Regionalstelle Ost. Wiederholt war er Gast der Delegiertenversammlungen der deutschen Sektion und für das Präsidium ein wichtiger und geschätzter Kooperationspartner. Besondere Verdienste hat sich Jan Ter Laak auch für pax christi International erworben, das sich mit seiner Unterstützung heute zu einem weltweiten Netzwerk für Frieden und Gerechtigkeit entwickelt hat.

Die deutsche Sektion dankt Jan Ter Laak für seinen unermüdlichen Einsatz und wird seiner beim Treffen der Bistumsstellen von pax christi am kommenden Wochenende in Nürnberg gedenken.

Papst räumt Panne im Fall Williamson ein

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, hat den Brief von Papst Benedikt XVI. vom 10.03.2009 an die Bischöfe gewürdigt. Papst Benedikt XVI räumt in diesem Brief ein, es sei „nicht vorhersehbare Panne“ gewesen, dass die Aufhebung der Exkommunikation vom Fall Williamson überlagert wurde. Auch habe man im Vatikan die Bedeutung des Internets unterschätzt. Man hätte die Ansichten Williamsons rechtzeitig erfahren können. Der Vatikan müsse daher in Zukunft dieser Nachrichtenquelle mehr Aufmerksamkeit schenken. Auch sei zunächst „nur ungenügend erläutert“ worden, warum die Exkommunikation der vier Bischöfe zurückgenommen worden sei und was dies bedeute.

"Der Brief des Papstes an alle katholischen Bischöfe ist ein geschichtlich einmaliges und sehr persönliches Dokument, das sein Festhalten am Zweiten Vatikanischen Konzil und sein Bekenntnis zur Versöhnung zwischen Juden und Christen, zur Ökumene und zum interreligiösen Dialog eindrucksvoll bekräftigt." so Meyer. "Wir sind dankbar für die Klarstellung des Papstes zur gegenwärtigen Debatte. Es bleibt dabei, dass die Piusbruderschaft sich rückhaltlos zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekennen muss. Mit Respekt und Sympathie lesen wir, dass der Papst der Einheit der Kirche mit Großmut und Barmherzigkeit dienen will. Möge sein Wort von den dazugehörenden „kleinen und mittleren Versöhnungen“ in der ganzen Kirche gelten und von allen gehört werden."

Der Vizepräsident von pax christi, Johannes Schnettler, hatte Ende Januar gefordert aus Gründen der Wahrhaftigkeit gegenüber den Opfern des Holocaust, die Verbreitung der irrigen Aussagen eines katholischen Bischofs unmissverständlich und nachhaltig durch den Vatikan zu unterbinden.

Unter dem Leitwort „Frieden geht anders“ wird pax christi auf unterschiedliche Art und Weise die Feierlichkeiten der NATO vom 3. bis 5. April 2009 begleiten und dabei aus Sicht der katholischen Friedensbewegung der Frage nachgehen: "Was feiern die eigentlich?".

Frieden geht anders

Das Begleitprogramm der pax christi-Bistumsstelle Freiburg zu den Feierlichkeiten der NATO findet in Kehl und Straßburg statt.

Am Freitag, den 3.4.09 besteht in Kehl ab 12 Uhr die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Versöhnungsbund an einem Stationenweg auf dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau bzw. in der Kehler Innenstadt teilzunehmen. Um 17 Uhr findet ein Friedensgebet am Bühler Friedenskreuz statt, ab 19 Uhr Ankunft an unserem Tagungsort im Feriendorf Kappelrodeck.

Am Samstagmorgen, 4.4.09, können die Teilnehmer sich an einem ökumenischen Friedensgebet in der Kehler Stadtkirche sowie am Baden-Württembergischen Ostermarsch, der von Kehl über die Rheinbrücke nach Strasbourg führen wird, beteiligen. Ein Workshop in Kappelrodeck ist dann für den Samstagabend geplant, bei dem sich die Teilnehmenden kritisch mit der Frage auseinandersetzen werden: „60 Jahre NATO - Was feiern die eigentlich?“

Am Sonntagmorgen, 5.4.09, ist der Workshop eingeladen, seine Ergebnisse auf dem NATO-Gegenkongress in Strasbourg in die abschliessende Erklärung einzubringen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon fordert ein Ende der Besatzung des Gaza-Streifens

„Unser Ziel sollte es nicht nur sein, zum Friedensprozess oder zur Situation vor dem 27. Dezember 2008 zurückzukehren.“ UN-Generalsekretär Ban Ki Moon fordert darüberhinaus in einem Gastbeitrag des „Tagesspiegel“ in Berlin das Ende der seit 1967 währenden Besatzung. Ebenso fordert er die Gründung eines palästinensischen Staates in Gaza und dem Westjordanland, einschließlich Ost-Jerusalem ein, der friedlich und sicher neben Israel existiert. Ban Ki Moon erinnert die Teilnehmerstaaten der Geberkonferenz in Sharm el-Seikh, bei der über die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Palästinenser beraten wird, auf diese Weise an die Gesamtverantwortung, die die internationale Gemeinschaft gegenüber Israel und den Palästinensern hat.

In eben diesem Sinne hat pax christi zuletzt am 26.02.09 gemeinsam mit den Bündnispartnern IPPNW, Jüdische Stimme, Palästinensische Gemeinde und Deutsch-Palästinensische Gesellschaft die deutsche Bundesregierung aufgefordert, sich mit Nachdruck für die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens und der damit einhergehenden kollektiven Bestrafung der Menschen im Gazastreifens einzusetzen.

Unermüdlicher Einsatz für Flüchtlinge wird ausgezeichnet

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) überreichte Traudl Vorbrodt (70) am 25.02.09 das Verdienstkreuz am Bande. Traudl Vorbrodt hat mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, dass in Deutschland ein Umdenken in der Ausländer- und Integrationspolitik erfolgt ist. pax christi Generalsekretärin Christine Hoffmann gratulierte und bedankte sich für ihren unermüdlichen Einsatz für Flüchtlinge. Traudl Vorbrodts Engagement sei bundesweit für viele Menschen zum Vorbild geworden, erklärte Berlins Innensenator Körting bei der Laudatio. Es präge die Arbeit mit Flüchtlingen und anderen Migranten.

Traudl Vorbrodts Engagement in der Ausländerarbeit begann Anfang der 80er Jahre als viele Flüchtlinge aus Sri Lanka nach Deutschland kamen. Von da an begann sie sich intensiv mit Menschenrechtsfragen auseinander zu setzen. Ihre Verdienste gründen in ihrer großen Neugier und ihrer Bereitschaft sich einzumischen, um etwas zu verändern. Seit 1989 berät sie Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung, begleitet sie bei ihren Verfahren, besucht sie, wenn es so weit kommen sollte, in der Abschiebehaft. Inzwischen macht sie die ehrenamtliche Einzelfallberatung nur noch einmal pro Woche - an ihrem freien Tag. Beruflich war Traudl Vorbrodt seit 1998 in einer stationären Jugendhilfe für deutsche und ausländische Jugendliche tätig.

pax christi, IPPNW und Palästinensische Gemeinde Deutschland kritisieren Haltung der Bundesregierung

„Ohne Ende der Gaza-Blockade verkommt die vom 1. bis 2. März in Sharm-el-Sheikh geplante internationale Geberkonferenz für Gaza zur humanitären Angeberkonferenz“, kritisiert die Sprecherin der pax christi Nahostkommission, Wiltrud Rösch-Metzler, die Vorbereitungen der Bundesregierung für den Wiederaufbau Gazas. „Außenminister Steinmeier muss sich deshalb mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Blockade des Gazastreifens und die damit einhergehende kollektive Bestrafung der Menschen im Gazastreifens aufgehoben wird.“

„Bundesregierung und EU sollten bei der Geberkonferenz darauf drängen, dass die Kriegsparteien für entstandene Schäden an EU-Projekten zur Rechenschaft gezogen werden“, betont IPPNW Vorstand Matthias Jochheim. Es sei unverantwortlich gegenüber den eigenen Steuerzahlern, Geld in den Aufbau zu stecken, wie es vor der Bombardierung des Gazastreifens geschehen ist, und dann diejenigen, die die Zerstörung anordnen nicht zur Verantwortung zu ziehen. Das Völkerrecht bietet den Rahmen für die Konfliktlösung, so das Bündnis. Die Blockade von Gaza und Raketen auf zivile Ziele verstoßen nach Meinung des Friedensbündnisses gegen das Völkerrecht: „Wir wollen der Strangulation und dem Aushungern einer Bevölkerung von 1,5 Millionen Menschen nicht tatenlos zusehen, zumal sie weiterhin unter den fortgesetzten militärischen Angriffen und ihren Folgen leiden“, heißt es im Appell des Bündnisses, den u.a. Bundestagsvizepräsident Dr. Wolfgang Thierse und weitere Bundestagsabgeordnete, die Bischöfe Heinz Josef Algermissen, Fulda und Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Pommersche Evangelische Kirche, Prof. Dr. Ulrich Gottstein, IPPNW-Vorstand und Prof. Dr. Rolf Verleger, ehemaliger Vorsitzender des Landesverbands Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein, unterzeichnet haben. Offene Grenzen für Menschen und Waren nach dem verheerenden über dreiwöchigen Krieg würden für Erleichterung sorgen. Entwicklung schafft Frieden.

IPPNW (Internationale Ärzte gegen Atomkrieg) und die internationale katholischen Friedensbewegung pax christi bilden zusammen mit der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost, der Palästinensischen Gemeinde Deutschland und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft ein Bündnis, das mit der Entsendung eines Hilfsgüter-Schiffs gegen die Blockade von Gaza protestiert.

Wir vermitteln gerne über das pax christi Sekretariat Interviews mit der Sprecherin der pax christi Nahostkommission Wiltrud Rösch-Metzler und IPPNW-Vorstandsmitglied Matthias Jochheim.

pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann auf der Kundgebung GEH DENKEN am 14.2.09 in Dresden

Bei der Abschlusskundgebung der Demonstration „GehDenken“ gegen den Aufmarsch der Neonazis am 14.02.09 in Dresden sprach die Generalsekretärin von pax christi sich für verstärktes Engagement der Kirche gegen Rechtsextremismus aus.
Sie führte u.a. aus: "Gedenken und Erinnern heißt heute handeln. Heute handeln um heute Krieg und Grausamkeit gegen Menschen zu verhindern. Deshalb heißt Erinnern für die Gegenwart auch sich einmischen, wenn Gedenken dazu missbraucht wird, Geschichte zu schönen. Wenn wir der Opfer der Bomben der Anti-Hitler-Koalition gedenken, müssen wir zugleich an das erinnern, was dem vorausgegangen ist: Es waren Dresdner Bürger, die 1938 die Semper-Synagoge in Brand steckten, es waren deutsche Mitbürger, die im Berliner Sportpalast Joseph Goebbels und dem totalen Krieg zujubelten. Der Tod von zig-tausend Bombenopfern hier in Dresden war hausgemacht deutsch, d.h. die Folge des nationalsozialistischen Krieges, von arroganter Überheblichkeit und Herrenmenschenmentalität. Das dürfen wir nie wieder zulassen."........"Die Konsequenz für mich heißt: mehr kirchliches Engagement gegen rechtsextremes Gedankengut in der Gesellschaft und die Kirche gehört zur Gesellschaft dazu. Die Friedensgottesdienste gestern und heute in Dresden haben Zeichen dazu gesetzt! Nazis gehören nicht in unsere Kirchen und Gemeindezentren, nicht in Bomberjacke und nicht im Anzug."........
Den gesamten Wortlaut ihrer Rede finden Sie hier…

Bilanz der Münchner Sicherheitskonferenz 2009

Das pax christi Mitglied Dr. Thomas Mohr, München konnte als Beobachter der Projektgruppe „Münchner Sicherheitskonferenz verändern“ an der 45. Münchner Sicherheitskonferenz vom 6. – 8. Februar 2009 teilnehmen.

Sein Fazit:   "Natürlich hat sich die Münchner Sicherheitskonferenz allein durch meine Teilnahme nicht verändert, aber es wird ein neuer Stil der Konferenzleitung im Umgang mit Kritikern spürbar. Mein vorläufiges Fazit ist, dass die Sicherheitskonferenz von einem Grundvertrauen in Militär und Rüstung geprägt ist ("Sicherheit gegeneinander"). Für die nahe Zukunft wünsche ich mir, dass auf der Sicherheitskonferenz die Kompetenz der Nichtregierungsorganisationen (NGOs) einbezogen wird und dass dort auch Friedensforscher und Fachleute für zivile Konfliktbearbeitung vortragen können. Seine persönlichen Eindrücke hat er auf der website der Projektgruppe zusammengefasst.

Das Schiff mit medizinischen Hilfsgütern für Gaza fährt Anfang März

„Die Vorbereitungen für ein Schiff mit medizinischen Hilfsgütern nach Gaza zu schicken, sind in vollem Gange. Das Schiff wird in der ersten Märzhälfte nach Gaza fahren“, informiert Christine Hoffmann, Generalsekretärin der deutschen Sektion heute in Berlin und ruft weiterhin zu Spenden für diese Aktion auf.

„Israel will die eineinhalb Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser im kriegszerstörten Gazastreifen auch nach dreiwöchigem Bombardement gefangen halten. Die israelische Regierung weigert sich bis auf wenige Ausnahmen, trotz Aufforderungen seitens der EU und einer Entschließung des UN-Sicherheitsrates, die Blockade aufzuheben“ kritisiert Hoffmann und betont: „Mit unseren Hilfsgütern wollen wir nicht nur die palästinensische Bevölkerung materiell unterstützen, sondern durch die Wahl des Seeweges auch öffentlichkeitswirksam auf die Blockade aufmerksam machen und sie überwinden!“

Wie im gemeinsam mit den Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), der Jüdischen Stimme, der Palästinensischen Gemeinde und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft verfassten Apell „Die Blockade beenden! Ein Schiff mit medizinischen Hilfsgütern für Gaza“ erläutert, folgt pax christi mit diesem Projekt dem Aufruf der internationalen „Free Gaza“-Kampagne.

Folgende medizinischen Güter wird das Bündnis u.a. verschiffen: Verbandsstoff und Pflaster, diverse Medikamente, Drainagen und Katheter, Transfusionssysteme, Handschuhe. Diese Güter werden wir per LKW auf dem Landweg nach Griechenland bringen und von dort per Schiff nach Gaza.

Spendenkonto:

pax christi  , Vermerk: „Spende Schiff für Gaza“

Konto-Nr. 400 056 90 17     |    Pax Bank eG  BLZ  370 601 93

IBAN: DE90 3706 0193 4000 5690 17 BIC: GENODED1PAX


Pressemitteilung der Generalsekretärin von pax christi

Rechtliche Gleichstellung der Tamilen steht noch aus !

Mit dem von Präsident Mahinda Rajapakse erwartungsgemäß zum Nationalfeiertag angekündigten „Endsieg“ über die LTTE ist die Lösung des Grundkonflikts in Sri Lanka keinen Schritt näher gekommen. pax christi fordert beide Seiten zum sofortigenWaffenstillstand auf. Die rein militärische Antwort auf einen im Kern politischen Konflikt hat nicht nur unzählige Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert, sondern das Misstrauen der tamilischen Minderheit gegenüber der Regierung weiter vergrößert. In den so genannten „befreiten Gebieten" trat die Armee bisher wie eine Besatzungsmacht auf. Zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, an denen Sicherheitsorgane beteiligt waren oder gegen die sie nicht einschritten, sind dokumentiert.

„Erste Priorität muss nun die Hilfe für die aus ihren Ortschaften vertriebenen Menschen haben, von denen bis zu 300.000 unter erbärmlichsten Bedingungen in derWanni-Region leben“, betont Christine Hoffmann, Generalsekretärin der deutschen Sektion heute in Berlin. „Die Regierung Sri Lankas muss allen Betroffenen eine Rückkehr ermöglichen, ohne sie mit Repressionen zu bedrohen. Auch die Arbeit der im September 2008 aus dem Land gewiesenen internationalen Hilfsorganisationen muss ohne Einschränkung sofort wieder zugelassen werden, um schnelle und effektive Hilfsmaßnahmen zu gewährleisten“, so Hoffmann.

Auch Medienvertretern ist umgehend wieder ein ungehinderter Zugang zu allen Regionen zu gewähren. pax christi verurteilt die Einschüchterungsmaßnahmen gegen Journalisten in den vergangenen Monaten und die Ermordungen, die bisher nicht aufgeklärt wurden. Dass die Regierung jetzt ausländischen Diplomaten mit der Ausweisung droht, weil sie sich kritisch zum Vorgehen der Armee geäußert haben, zeigt ihre mangelnde Bereitschaft, sich an international geltende Spielregeln zu halten. Deutlich wird hier auch, wie bedroht die Demokratie in Sri Lanka insgesamt ist, wenn Grundrechte wie die Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt sind.

An die Bundesregierung appelliert pax christi, den Konflikt in Sri Lanka im UNSicherheitsrat auf die Tagesordnung zu setzen. „Es wäre notwendig“, betont die Generalsekretärin, „den Norden und Nordosten des Landes vorübergehend unter UN-Kontrolle zu stellen, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Eine dauerhafte Lösung kann nur auf der Basis der gleichberechtigten Teilhabe der tamilischen Minderheit auf allen politischen Ebenen erfolgen und einer Gleichbehandlung aller Bürger Sri Lankas. Dazu müssen die Voraussetzungen erst noch geschaffen werden.“

pax christi ist eine internationale katholische Friedensbewegung. Seit vielen Jahren unterhält die Bistumsstelle Berlin Kontakte zu Partnern vor allem in Jaffna. Das dortige Friedenszentrum, aufgebaut mit Mitteln des Zivilen Friedensdienstes, engagiert sich für Versöhnung und Menschenrechtsschutz.

Pressemitteilung der Generalsekretärin von pax christi

Rechtliche Gleichstellung der Tamilen steht noch aus !

Mit dem von Präsident Mahinda Rajapakse erwartungsgemäß zum Nationalfeiertag angekündigten „Endsieg“ über die LTTE ist die Lösung des Grundkonflikts in Sri Lanka keinen Schritt näher gekommen. pax christi fordert beide Seiten zum sofortigenWaffenstillstand auf. Die rein militärische Antwort auf einen im Kern politischen Konflikt hat nicht nur unzählige Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert, sondern das Misstrauen der tamilischen Minderheit gegenüber der Regierung weiter vergrößert. In den so genannten „befreiten Gebieten" trat die Armee bisher wie eine Besatzungsmacht auf. Zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, an denen Sicherheitsorgane beteiligt waren oder gegen die sie nicht einschritten, sind dokumentiert.

„Erste Priorität muss nun die Hilfe für die aus ihren Ortschaften vertriebenen Menschen haben, von denen bis zu 300.000 unter erbärmlichsten Bedingungen in derWanni-Region leben“, betont Christine Hoffmann, Generalsekretärin der deutschen Sektion heute in Berlin. „Die Regierung Sri Lankas muss allen Betroffenen eine Rückkehr ermöglichen, ohne sie mit Repressionen zu bedrohen. Auch die Arbeit der im September 2008 aus dem Land gewiesenen internationalen Hilfsorganisationen muss ohne Einschränkung sofort wieder zugelassen werden, um schnelle und effektive Hilfsmaßnahmen zu gewährleisten“, so Hoffmann.

Auch Medienvertretern ist umgehend wieder ein ungehinderter Zugang zu allen Regionen zu gewähren. pax christi verurteilt die Einschüchterungsmaßnahmen gegen Journalisten in den vergangenen Monaten und die Ermordungen, die bisher nicht aufgeklärt wurden. Dass die Regierung jetzt ausländischen Diplomaten mit der Ausweisung droht, weil sie sich kritisch zum Vorgehen der Armee geäußert haben, zeigt ihre mangelnde Bereitschaft, sich an international geltende Spielregeln zu halten. Deutlich wird hier auch, wie bedroht die Demokratie in Sri Lanka insgesamt ist, wenn Grundrechte wie die Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt sind.

An die Bundesregierung appelliert pax christi, den Konflikt in Sri Lanka im UNSicherheitsrat auf die Tagesordnung zu setzen. „Es wäre notwendig“, betont die Generalsekretärin, „den Norden und Nordosten des Landes vorübergehend unter UN-Kontrolle zu stellen, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Eine dauerhafte Lösung kann nur auf der Basis der gleichberechtigten Teilhabe der tamilischen Minderheit auf allen politischen Ebenen erfolgen und einer Gleichbehandlung aller Bürger Sri Lankas. Dazu müssen die Voraussetzungen erst noch geschaffen werden.“

pax christi ist eine internationale katholische Friedensbewegung. Seit vielen Jahren unterhält die Bistumsstelle Berlin Kontakte zu Partnern vor allem in Jaffna. Das dortige Friedenszentrum, aufgebaut mit Mitteln des Zivilen Friedensdienstes, engagiert sich für Versöhnung und Menschenrechtsschutz.

Unterschriftenaktion der Kooperation für den Frieden in Zusammenarbeit mit der pax christi-Nahostkommission

Appell an die Bundesregierung

Die Kooperation für den Frieden - der Zusammenschluss von 50 deutschen Friedensorganisationen und -initiativen - hat in Zusammenarbeit mit der pax christi-Nahostkommission eine Unterschriftenaktion gestartet. Dieser gemeinsame Appell wird später der Bundeskanzlerin und dem Aussenminister überreicht.

Darin wird die Bundesregierung aufgefordert:

  • die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens und das Ende der Besetzung des Westjordanlandes, Ostjerusalems und Gazas zu einem vordringlichen Ziel der deutschen Nahostpolitik zu machen,
  • den Abbau der völkerrechtswidrigen Sperranlagen, Siedlungen und Checkpoints auf palästinensischem Gebiet im Westjordanland zu verlangen,
  • bei der Beurteilung des Konfliktes für beide Seiten gleiche Maßstäbe anzulegen: gleiche Sicherheit, gleiche Selbstbestimmung, gleiche Freizügigkeit,
  • die gewählten Vertreter des palästinensischen Volkes anzuerkennen und mit ihnen zu verhandeln, auch wenn ihre politischen Vorstellungen nicht geteilt werden,
  • sich für die Freilassung der politischen Gefangenen, darunter gewählte Parlamentarier, einzusetzen.
  • keine Waffen in die Konfliktregion zu liefern.

Sie können diese Forderungen mit Ihrer Unterschrift unterstützen, indem Sie

  • online über die website der IPPNW unterzeichnen (über den link) oder
  • das Formular herunterladen, ausdrucken, ggf. weitere Unterstützung suchen und bis zum 17.4.09 zurücksenden.

Start des pax christi - Sekretariates in Berlin

Mit einem Festvortag der Parlamentarischen Staatssekretärin Karin Kortmann, MdB zur Bedeutung von Zivilen Friedensdiensten setzte pax christi einen zukunftsgewandten Akzent beim Empfang zum Start des Sekretariats der deutschen Sektion in Berlin.
Etwa 80 Gäste aus Kirche und Politik in Berlin waren am 29.1. der Einladung zum Gottesdienst in der St. Hedwigskathedrale und zum Empfang im Bernhard - Lichtenberg - Haus gefolgt.
Neben der deutschen Sektion von pax christi stellte auch die Bistumsstelle Berlin ihre über 25-jährige Arbeit vor.

Lesen Sie mehr in dem Beitrag von Staatssekretärin Kortmann über die zivilen Friedensdienste, der Ansprache von Vizepräsidentin Veronika Hüning zu "pax christi in Berlin" und in der Predigt von geistl. Beirat Pfr.Christoph  Stender.

Erklärung des Vizepräsidenten Johannes Schnettler zur Aufhebung der Exkommunikation gegenüber Bischof Richard Wiliamson durch Papst Benedikt XVI

Mit der Aufhebung der Exkommunikation von 4 Bischöfen der Priesterbruderschaft Pius X durch Papst Benedikt XVI befindet sich ein erklärter Holocaust-Leugner im Bischofskollegium der römisch-katholischen Kirche. Nach den Erfahrungen des Völkermordes an den Juden in den Jahren 1933 bis 1945 hat die katholische Kirche in den zurückliegenden Jahrzehnten wiederholt ihre schuldhafte Verstrickung in den Holocaust kritisch reflektiert und sich der Aufgabe der Erinnerung an die Opfer des Holocaust überzeugend gestellt. So besuchten Papst Johannes Paul II. und zuletzt Papst Benedikt XVI.zu Beginn seines Pontifikats das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz und riefen der Weltöffentlichkeit mahnend ins Gewissen, die Erinnerung an das hier geschehene Unrecht aufrecht zu erhalten.
Aus dieser Haltung heraus müssen der Vatikan und die katholische Kirche insgesamt Bischof Richard Williamson entschieden widersprechen. Mit seinen Auffassungen stellt er sich in eine Reihe mit denjenigen, die den Holocaust leugnen, mit pseudowissenschaftlichen Methoden zu verharmlosen suchen und eine Revision der Geschichtsschreibung betreiben. Diese Auffassungen belasten den jüdisch-christlichen Dialog und fördern antisemitische Tendenzen in der Kirche.
Die Wahrhaftigkeit gegenüber den Opfern erfordert es, dass eine Verbreitung der irrigen Aussagen eines katholischen Bischofs unmissverständlich und nachhaltig durch den Vatikan unterbunden wird.

Erklärung des Vizepräsidenten Johannes Schnettler zur Aufhebung der Exkommunikation gegenüber Bischof Richard Wiliamson durch Papst Benedikt XVI

Mit der Aufhebung der Exkommunikation von 4 Bischöfen der Priesterbruderschaft Pius X durch Papst Benedikt XVI befindet sich ein erklärter Holocaust-Leugner im Bischofskollegium der römisch-katholischen Kirche. Nach den Erfahrungen des Völkermordes an den Juden in den Jahren 1933 bis 1945 hat die katholische Kirche in den zurückliegenden Jahrzehnten wiederholt ihre schuldhafte Verstrickung in den Holocaust kritisch reflektiert und sich der Aufgabe der Erinnerung an die Opfer des Holocaust überzeugend gestellt. So besuchten Papst Johannes Paul II. und zuletzt Papst Benedikt XVI.zu Beginn seines Pontifikats das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz und riefen der Weltöffentlichkeit mahnend ins Gewissen, die Erinnerung an das hier geschehene Unrecht aufrecht zu erhalten.
Aus dieser Haltung heraus müssen der Vatikan und die katholische Kirche insgesamt Bischof Richard Williamson entschieden widersprechen. Mit seinen Auffassungen stellt er sich in eine Reihe mit denjenigen, die den Holocaust leugnen, mit pseudowissenschaftlichen Methoden zu verharmlosen suchen und eine Revision der Geschichtsschreibung betreiben. Diese Auffassungen belasten den jüdisch-christlichen Dialog und fördern antisemitische Tendenzen in der Kirche.
Die Wahrhaftigkeit gegenüber den Opfern erfordert es, dass eine Verbreitung der irrigen Aussagen eines katholischen Bischofs unmissverständlich und nachhaltig durch den Vatikan unterbunden wird.

Friedensbündnis entsendet ein Schiff mit Hilfsgütern nach Gaza und bittet um Spenden

Bundestagsvizepräsident Thierse und die Bischöfe Abromeit und pax christi - Präsident Bischof Algermissen unterstützen Friedensaktion

Ein Schiff mit Hilfsgütern nach Gaza will ein Friedensbündnis aus IPPNW, Jüdischer Stimme, Palästinensischer Gemeinde, Deutsch-Palästinensischer Gesellschaft und pax christi entsenden. Mit der Aktion protestiert das Bündnis gegen die andauernde Blockade des Gazastreifens. Die Aufhebung der Blockade sei ein notwendiger Schritt zu mehr Sicherheit und Freiheit für alle Menschen der Region. Unterstützt wird die Aktion u.a. von Dr. Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestages; Bischof Heinz Josef Algermissen, Fulda und pax christi - Präsident; Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Pommersche Evangelische Kirche; Prof. Dr. Ulrich Gottstein, Mitglied des Vorstands IPPNW Deutschland; Prof. Dr. Rolf Verleger, ehemaliger Vorsitzender des Landesverbands Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein; Rolf Becker, ver.di Hamburg, FB Medien; Pfarrer Bernhard Dinkelaker, Generalsekretär des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland; Hans-Christof von Sponeck, ehemaliger Diplomat der Vereinten Nationen.

Das Bündnis sieht die dreiwöchige Bombardierung des Gazastreifens und den militärischen Einmarsch als Fortsetzung der Blockadepolitik. Wegen der von Israel verhängten Blockade gelangen zu wenig Lebensmittel, Treibstoff und Zement in den Gazastreifen. Seinen Bewohnern bleibt die Ein- und Ausreise verwehrt. Insbesondere US- und EU-Regierungen würden die Blockade kommentarlos zulassen und damit faktisch diese eklatante Verletzung der völkerrechtlich bindenden Genfer Konventionen, nach denen Kollektivbestrafung der Zivilbevölkerung strikt verboten ist, unterstützen, heißt es im Aufruf des Bündnisses. Trotz Waffenruhe ist eine Aufhebung der Blockade, durch die ein gutes wirtschaftliches Leben möglich würde, nicht in Sicht. Das Völkerrecht biete den Rahmen für die Konfliktlösung. Die Blockade von Gaza und Raketen auf zivile Ziele verstoßen nach Meinung des Friedensbündnisses gegen das Völkerrecht: „Wir wollen der Strangulation und dem Aushungern einer Bevölkerung von 1,5 Millionen Menschen nicht tatenlos zusehen, zumal sie weiterhin unter den fortgesetzten militärischen Angriffen und ihren Folgen leiden,“ heißt es im Appell. Mutige Aktivisten aus vielen Ländern, darunter auch aus Israel, hätten im Rahmen der „Free Gaza“-Kampagne mit bisher fünf Fahrten von Schiffen von Zypern nach Gaza bewiesen, dass die Blockade durchbrochen werden kann, wenn genügend öffentliche Aufmerksamkeit und Unterstützung mobilisiert wird. Frieden könne es nur geben, wenn Menschenrechte und Völkerrecht von allen Seiten respektiert werden und die Blockade aufgehoben wird.

Spenden für die Aktion: ein Schiff nach Gaza
Spendenkonto von pax christi:  Pax Bank eG, Kto. 4000 569 017, BLZ 370 601 93
IBAN: DE90 3706 0193 4000 5690 17 BIC: GENODED1PAX

Den von Ihrer Bank, Sparkasse oder der Post quittierten Abschnitt der Überweisung können Sie bei Beträgen bis 200,-€ als Spendenbescheinigung für das Finanzamt verwenden. Für Beträge über 200,-€ erhalten Sie von pax christi eine gesonderte Spendenbescheinigung; dafür notieren Sie bitte Ihre komplette Anschrift auf dem Überweisungsträger (pax christi wird nur für Spenden über dem Betrag von 200,-€ gesonderte Spendenquittungen verschicken, da bei kleineren Beträgen nicht die Notwendigkeit besteht).

Gaza: wie das Besatzungs- und Kontrollsystem zu extremer Anwendung von Gewalt führt

Wir dokumentieren hier einen Beitrag aus palästinensischer Sicht von Fuad Giacaman, Direktor des Arab Educational Institutes (AEI) in Betlehem, noch geschrieben unter dem unmittelbaren Eindruck der Bombardierungen. Das AEI ist eine mit pax christi international affiliierte Organisation, die auch mit der NahOstkommission der deutschen Sektion in Kontakt steht. Die deutsche Übersetzung besorgte E.Rohlfs.

Lesen Sie hier den gesamten Text:

Presse-Erklärung von Pax Christi Frankreich zum Gaza-Konflikt

Unter dem Titel:
NOUS NE NOUS TAIRONS PAS / Wir schweigen nicht !
hat die französische Sektion von pax christi in einer Presseerklärung am 15.1.09 zum Waffenstillstand im Gaza -Streifen Stellung genommen und auf ihren Appell vom 31.12.08 hingewiesen. Wir dokumentieren die Erklräung hier in deutscher Übersetzung:

Der Appell von Pax Christi Frankreich vom 31. Dezember 2008 „Genug an Blut und Tränen in Gaza!“ ist breit unterstützt worden: durch alle UnterzeichnerInnen des Appells von 2006, von den Kirchen, den Orden und verschiedenen Organisationen, von Männer und Frauen guten Willens. In Gaza gehen die Militäroperationen weiter - trotz immer mehr Appellen, trotz politischer und diplomatischer Bemühungen. Nichts rechtfertigt so viel Leiden und Sterben. Deshalb wollen wir nicht schweigen.
 
Wir fordern weiter: „Stoppt das Blutbad! Niemand hat das Recht, so über das Leben von seinesgleichen zu verfügen.“ Wir fordern Gehör von M. Daniel SHEK, dem Botschafter Israels in Frankreich, um ihm unseren Appell zu überreichen und ihn um Weiterleitung an M. Ehut Olmert, den israelischen Premierminister zu bitten. Wir fordern Gehör von Mme. Hind KHOURY, palästinensische Generaldelegierte in Frankreich, um ihr unseren Appell zu übergeben, in der Hoffnung, dass sie einen Weg findet, ihn weiter zu leiten an M. Ismail Haniyah, den Führer der Hamas in Gaza. Aber über diese Tragödie hinaus, die sich derzeit in Gaza abspielt, möchten wir laut und stark allen Verantwortlichen unsere tiefe Überzeugung zurufen: Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit und ohne Achtung des Völkerrechts. Und wir fügen mit Papst Johannes Paul II. hinzu: „Es gibt keinen Frieden ohne Vergebung.“ (Botschaft zum Weltfriedenstag am 1.1.2002).

Im Namen aller, die den Appell von Pax Christi unterstützen.
+ Marc STENGER
Bischof von Troyes,
Präsident von Pax Christi Franreich


Meile der Demokratie in Magdeburg mit pax christi-Beteiligung

pax christi Magdeburg beteiligt sich an der Meile der Demokratie und zeigt Gesicht für eine demokratische und weltoffene Stadt. Gegen den jährlichen Neonazi-Aufmarsch zum Tag der Bombardierung Magdeburgs verwandeln das Bündnis gegen Rechts und die Stadt gemeinsam mit zahlreichen Initiativen und Organisationen den Breiten Weg zwischen Universitätsplatz und Hasselbachplatz am Samstag 17. Januar 09 von 12:00 bis 18:00 Uhr mit zahlreichen Infoständen und einem bunten Kulturprogramm in einen Ort lebendiger Demokratie. pax christi wird am Stand der Propstei an St. Sebastian präsent sein.

Die pax christi - Nahostkommission ruft zu Gaza-Demonstrationen am Samstag, 17. Januar 2009 auf

Die Pax Christi Nahostkommission ruft zu Gaza-Demonstrationen am Samstag, 17. Januar 2009 in Stuttgart, Hannover, Mülheim und Berlin auf und fordert im Einklang mit der jüngsten Resolution 1860 (2009) des UN-Sicherheitsrats vom 8. Januar, dass sich die Bundesregierung dafür einsetzt:

- Sofortiger Stopp der militärischen Aggression;

- Sofortige Waffenruhe in Gaza;

- Bedingungsloser vollständiger Rückzug der israelischen Armee aus dem Gaza-Streifen;

- Aufhebung der Blockade des Gaza-Streifens;

- Beendigung jeglicher Gewalt gegen die Zivilbevölkerung und sofortige humanitäre und medizinische Hilfe;

- Deutschland soll Opfer der militärischen Gewalt aufnehmen;

- Keine Waffenlieferungen in die Region;

- Einsetzung einer unabhängigen internationalen Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen;

- Sofortige Beendigung der israelischen Besatzung von Palästina.


Einen Überblick über aktuell geplante Demosntrationen finden sie hier:

17.1.*


*Augsburg

*11:00 Mahnwache und Kundgebung �Protest gegen den Krieg im Gazastreifen. Für einen sofortigen Waffenstillstand!�, 11 Uhr, Königsplatz, Augsburger Friedensinitiative <http://www.augsburger-friedensinitiative.de/>


*Berlin*

14:00

Großdemo, ab Neptunbrunnen � Nähe Rotes Rathaus --- Abschluss: Brandenburger Tor, Platz des 18. März

Aktionsbündnis �Stoppt den Krieg in Gaza!�

*Stoppt den Krieg in Gaza!

Stoppt das Massaker!

Für einen gerechten Frieden im Nahen Osten!* <http://www.palaestina-heute.de/Themen/Gaza-Krieg/Berlin_17_1_/berlin_17_1_.html>


16:00

Demonstration von Rathaus Neukölln (U7) Richtung Kottbusser-Tor.

IsraelerInnen gegen den Krieg � Berlin. <http://www.palaestina-heute.de/Themen/Gaza-Krieg/Berlin_17_1__16Uhr/berlin_17_1__16uhr.html>

*Kriegsverbrechen _ nicht in unserem Namen!*

*Solidarität mit Gaza und Sderot, und mit all den Kriegsopfern im Nahen-Osten.*

*Freiheit für Palästina und Kurdistan.*

Für weitere Information: zohar_mil @ yahoo.co.uk


*Bochum

*14:00 Massen-Demonstration Gegen das Blutvergießen in Palästina SA, 17.01.2009 in Bochum. Treffpunkt: 14:00 Uhr am Husemannplatz (Glas-Cafe, Commerzbank, Deutsche Bank) Anschließende Kundgebung auf dem Dr.-Ruer-Platz. Thx. Islamische Gemeinde Bochum e.V. <http://www.islamischegemeindebochum.de/>


*Duisburg*

14:30 Demo, Saarbrückerstr. (Hochfelder Markt). Mehr� <http://www.muslim-markt.de/Palaestina-Spezial/demos/duisburg/duisburg_2009.htm>


*Essen*

Das Essener Friedensforum <http://eff.essener-friedensforum.de/index.htm> hat beschlossen, so lange der Krieg gegen den Gaza anhält, an jedem Samstag zwischen 11.00 und 13.00 Uhr - Porschekanzel/Marktkirche eine Mahnwache abzuhalten


*Frankfurt am Main*

13:00 Gemeinsamer Aufruf islamischer Organisationen in Hessen zur 2. Demonstration in Frankfurt am Main für Frieden in Gaza und Palästina.

Demonstrationszug GALLUSWARTE (Höhe S-Bahnstation - Gallusviertel - auf der Mainzer Landstraße)

>>Mainzer Landstraße >> OPERNPLATZ

Auf dem OPERNPLATZ wird eine KUNDGEBUNG stattfinden. Aufruf (PDF) <http://www.muslim-markt.de/Palaestina-Spezial/demos/frankfurt/pdf/frankfurt170109.pdf>


*Freiburg im Breisgau*

Kartoffelmarkt neben Schwarzwald-City

13 bis 15 Uhr.


*Hamburg*

14:00 Treffen auf dem Hachmannplatz (Hauptbahnhof)

ab 14:30 Demonstration durch die Innenstadt

GAZA: Hamburg steht auf!

Hauptrednerin bei der Schlusskundgebung:

FELICIA LANGER, <http://www.palaestina-heute.de/Themen/Gaza-Krieg/Hamburg_17_1_/hamburg_17_1_.html>


18.30

im Curio Haus, Hinterhaus, Räume A B C

Rothenbaumchaussee 15, 20148 Hamburg

*Diskussionsrunde mit Felicia Langer*


*Hannover*

14:30 am Opernplatz

Wir wollen keine Mittäter sein! <http://www.palaestina-heute.de/Themen/Gaza-Krieg/Hannover_17_1_/hannover_17_1_.html>


*Heidelberg*

Mahnwache mit Infostand

Katastrophe im Gazastreifen!

Heidelbergerr Hauptstrasse

Zeit: 12 - 14 Uhr

Ort: Im Anatomiegarten beim Bunsendenkmal!!!

HFRS und das AKF


*Karlsruhe

*11-12:30 Uhr Mahnwache am Karlsruher Marktplatz (Durchgang zum Schloss)

/Waffenstillstand jetzt!

Stoppt die Spirale der Gewalt - Für Frieden in Nahost!/


*Kassel*

11:00 Demo und Kundgebung am Rathaus


*Kempten*

16:00 Mahnwache am Haupteingang Forum Allgäu


*Kiel*

12:30 DEMONSTRATION � Asmus-Bremer-Platz <http://www.palaestina-heute.de/Themen/Gaza-Krieg/Kiel_17_1_/kiel_17_1_.html>


*Köln

*14:00 Demo gegen den Gaza-Krieg,

Treffpunkt: Domplatte.


*Lübeck*

13:30 Die Demo startet am Holstentor


*Müllheim/Ruhr*

11:30 Demonstration für Frieden in Nahost Unter dem Motto: �Brücken bauen für Frieden und Versöhnung�, lädt das Friedensforum am 17.1.2009 zur Teilnahme an einer Kundgebung in die Mülheimer Innenstadt.

Beginn ab 11.30 Uhr an der Friedenstreppe in der Bachstraße.

Anschließend ab ca. 12.15 Uhr ist eine Kurzdemonstration zum Kurt-Schumacher-Platz vorgesehen, mit Bildung einer Menschenkette. Abschließend gibt es aktuelle Informationen und Positionen zum Krieg im Nahen Osten. Mehr� <http://gaza.falastin.de/index.php?option=com_content&task=view&id=88&Itemid=1>


*München*

13:00 Demonstration der Palästinensischen Gemeinde - �Stoppt das Massaker in Gaza� - Sendlinger-Tor-Platz. Mehr� <http://www.muslim-markt.de/Palaestina-Spezial/demos/muenchen/muenchen_2009.htm>


*Oldenburg

*13:00 Demonstration:

Frieden und Gerechtigkeit für Palästina

Genug ist genug ! <http://www.palaestina-heute.de/Veranstaltungen/2009/01_2009/17_1_Oldenburg/17_1_oldenburg.html>

� Ende von Krieg und Belagerung in Gaza - jetzt!

� Ende der Besetzung Palästinas � jetzt!

� Frieden für das palästinensische Volk � jetzt!

Beginn: 13.00 Uhr Oldenburger Schlossplatz

dann über den Theaterwall , den Julius-Mosen-Platz, die Haarenstraße, die Lange Straße zur

Abschlusskundgebung: Leffers-Eck


*Osnabrück*

11:00 Aufrufer: DGB Osnabrück-Emsland - 11 Uhr auf dem Ledenhof Auftakt- Rednerin: Petra Tiesmeyer, DGB Demo zum Rathaus RednerInnen: Lioba Meyer, Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft Uwe Afemann, Osnabrücker Friedensinitiative


*Paderborn*

11:00 Kundgebung �Schluss mit dem Krieg in und um Gaza!�, Rathausplatz. Mehr� <http://www.initiative-gegen-krieg-paderborn.de/>


*Rostock*

14:00 Kundgebung �Solidarität mit Gaza� Universitätsplatz, Details: siehe hier <http://www.rostocker-friedensbuendnis.de/dateien/Kundgebung%20Solidarit%C3%A4t%20mit%20Gaza.pdf>,

VA: Koordinationsrat der Muslime in Mecklenburg-Vorpommern (KRMV)Osnabrück


*Stuttgart*

14:00

Lautenschlagerstr./Hauptbahnhof

mit Evelyn Hecht-Galinski <http://www.palaestina-heute.de/Themen/Gaza-Krieg/Stuttgart_17_1_/stuttgart_17_1_.html>


*Überlingen a. Bodensee*

10:00 Mahnwache am Münsterplatz


*Wedel*

10 - 12:00 Mahnwache, Rathausplatz


*Weißenburg*

10:30 Kundgebung "Waffenstillstand jetzt! Für sofortige Verhandlungen!"

Gotischen Rathaus

VA: DIE LINKE Weißenburg & Linksjugend [`solid] Weißenburg

Kontakt: Die Linken Weißenburg, Brunnengasse 4, 91781 Weißenburg, Tel: 09141/82299

http://www.linke-weissenburg.de <http://www.linke-weissenburg.de/>


*Worms*

/Stopp den Krieg in Gaza -

für einen gerechten Frieden im Nahen Osten/ -

MAHNWACHE 10-12 Uhr, Winzerbrunnen am Kaufhof - Bisher aufrufende Organisationen: Antifaschistisches Bündnis Worms, Bündnis gegen Naziaufmärsche Worms, Bündnis 90 / Die Grünen Worms, DGB Worms, DKP Worms, Ki - School for living arts Worms, Vereinigung der verfolgten des Nazi-Regimes VVN Worms


pax christi international zum Konflikt um Gaza

pax christi international hat in Aufrufen an UN-Generalsekreär Ban Ki-moon und den aussen- und sicherheitspolitischen Koordinator der EU, Javier Solana, gefordert, die Gewalt auf beiden Seiten nachdrücklich und ohne doppelte Standards in der Bewertung oder manipulierte Darstellung zu verurteilen. Es müsse allen Beteiligten verdeutlicht werden, daß diese Gewaltanwendung den Menschen in der Region weder Gerechtigkeit, Frieden oder dauerhafte Sicherheit bringe, sondern nur Angst, Hass und Leiden verschlimmere. Die Einhaltung des humanitären Völkerrechts sei die wesentliche Grundlage für eine Friedenslösung im Israel-Palästina - Konflikt.
Wir dokumentieren hier die Schreiben v.7.1.09 im Wortlaut (s.u.)

pax christi international zum Konflikt um Gaza

pax christi international hat in Aufrufen an UN-Generalsekreär Ban Ki-moon und den aussenpolitischen Koordinator der EU, Javier Solana, gefordert, die Gewalt auf beiden Seiten nachdrücklich und ohne doppelte Stadards in der Bewertung oder manipulierte Darstellung zu verurteilen. Es müsse allen Beteiligten verdeutlicht werden, daß diese Gewaltanwendung allen Beteiligten in der Region weder Gerechtigkeit, Frieden oder dauerhafte Sicherheit bringe, sondern nur Angst, Hass und Leiden verschlimmere. Die Einhaltung des humanitären Völkerrechts sei die wesentliche Grundlage für eine Friedenslösung im Israel-Palästina-Konflikt. Wir dokumentieren hier die Schreiben v.7.1.09 im Wortlaut (s.u.)

Reservisten verweigern Einsatz im Gazastreifen

Die israelische Organisation Courage to Refuse (Mut zum Verweigern) rief gestern mit einer Anzeige in der Tageszeitung Ha'aretz zur Verweigerung des Einsatzes im Gazastreifen auf: "Wir, Offiziere und Kampfsoldaten der israelischen Armee, rufen die Soldaten dazu auf, sich zu weigern, auf Gaza zu schießen. Der Beschuss und die Bombardierung dicht besiedelter Wohngebiete ist ein Kriegsverbrechen und setzt Israels Moral und Sicherheit aufs Spiel. Nichts wurde erreicht, außer einer Zunahme der Zahl der Raketen, die aus Gaza auf den Süden Israels abgeschossen werden - und eine Steigerung des Hasses und der Gewalt der Palästinenser gegenüber Israel. Es ist das Recht und die Pflicht jedes Soldaten, sich zu weigern, das Blut unschuldiger Zivilisten zu vergießen."

Ein weiterer Aufruf von "Jüdinnen und Juden aus der ganzen Welt" fordert israelische Soldaten und Soldatinnen ebenfalls zur Verweigerung auf: "Die ein Gewissen haben, müssen die israelische Kriegsmaschinerie stoppen. Das könnt nur Ihr tun – und Ihr müsst es tun."

Courage to Refuse berichtete zugleich, es gebe erste Verweigerer des Kriegseinsatzes in Gaza. Etwa ein Dutzend Reservisten hätten sich bislang der Einberufung verweigert. Mit der Anzeige in Ha'aretz riskiert Courage to Refuse strafrechtliche Verfolgung. So wurde bereits gegen die Organisation New Profile, die in Israel KriegsdienstverweigerInnen berät, ein Strafverfahren eröffnet mit dem Vorwurf der "Anstiftung zur Militärdienstentziehung".



Kriegsdienstverweigerin heute aus der Haft entlassen – weitere Inhaftierung befürchtet

Schon seit einigen Monaten werden junge Männer und Frauen, die sich in der Gruppe der Shministim (AbiturientInnen) zusammengeschlossen haben, wegen ihrer Kriegsdienstverweigerung verfolgt. Heute endet die dritte Arreststrafe von Raz Bar-David Varon. Insgesamt war sie bislang 43 Tage in Haft.

In Israel sind alle jüdischen Frauen und Männer wehrpflichtig und werden mit 18 Jahren einberufen. Die Dauer des Militärdienstes beträgt für Männer drei Jahre, für Frauen 20 Monate. Nach Ablauf des regulären Militärdienstes leisten Männer bis zu ihrem 50. Lebensjahr mindestens einmal jährlich für etwa 30 Tage einen Reservedienst ab. Ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung wird praktisch nicht gewährt.

Raz Bar-David Varon droht, wie allen anderen VerweigerInnen, erneute Inhaftierung. Dennoch bleibt sie ihrer Überzeugung treu: "Ich wurde nicht geboren, um als Soldatin zu dienen, die ein anderes Land besetzt, und der Kampf gegen die Besatzung ist auch mein Kampf. Es ist ein Kampf für Hoffnung, für eine Zukunft, die manchmal so weit weg zu sein scheint. Ich habe eine Verantwortung für diese Gesellschaft. Meine Verantwortung ist es, zu verweigern."

Reservisten verweigern Einsatz im Gazastreifen

Die israelische Organisation Courage to Refuse (Mut zum Verweigern) rief gestern mit einer Anzeige in der Tageszeitung Ha'aretz zur Verweigerung des Einsatzes im Gazastreifen auf: "Wir, Offiziere und Kampfsoldaten der israelischen Armee, rufen die Soldaten dazu auf, sich zu weigern, auf Gaza zu schießen. Der Beschuss und die Bombardierung dicht besiedelter Wohngebiete ist ein Kriegsverbrechen und setzt Israels Moral und Sicherheit aufs Spiel. Nichts wurde erreicht, außer einer Zunahme der Zahl der Raketen, die aus Gaza auf den Süden Israels abgeschossen werden - und eine Steigerung des Hasses und der Gewalt der Palästinenser gegenüber Israel. Es ist das Recht und die Pflicht jedes Soldaten, sich zu weigern, das Blut unschuldiger Zivilisten zu vergießen." Ein weiterer Aufruf von "Jüdinnen und Juden aus der ganzen Welt" fordert israelische Soldaten und Soldatinnen ebenfalls zur Verweigerung auf: "Die ein Gewissen haben, müssen die israelische Kriegsmaschinerie stoppen. Das könnt nur Ihr tun – und Ihr müsst es tun." Courage to Refuse berichtete zugleich, es gebe erste Verweigerer des Kriegseinsatzes in Gaza. Etwa ein Dutzend Reservisten hätten sich bislang der Einberufung verweigert. Mit der Anzeige in Ha'aretz riskiert Courage to Refuse strafrechtliche Verfolgung. So wurde bereits gegen die Organisation New Profile, die in Israel KriegsdienstverweigerInnen berät, ein Strafverfahren eröffnet mit dem Vorwurf der "Anstiftung zur Militärdienstentziehung". Kriegsdienstverweigerin heute aus der Haft entlassen – weitere Inhaftierung befürchtet Schon seit einigen Monaten werden junge Männer und Frauen, die sich in der Gruppe der Shministim (AbiturientInnen) zusammengeschlossen haben, wegen ihrer Kriegsdienstverweigerung verfolgt. Heute endet die dritte Arreststrafe von Raz Bar-David Varon. Insgesamt war sie bislang 43 Tage in Haft. In Israel sind alle jüdischen Frauen und Männer wehrpflichtig und werden mit 18 Jahren einberufen. Die Dauer des Militärdienstes beträgt für Männer drei Jahre, für Frauen 20 Monate. Nach Ablauf des regulären Militärdienstes leisten Männer bis zu ihrem 50. Lebensjahr mindestens einmal jährlich für etwa 30 Tage einen Reservedienst ab. Ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung wird praktisch nicht gewährt. Raz Bar-David Varon droht, wie allen anderen VerweigerInnen, erneute Inhaftierung. Dennoch bleibt sie ihrer Überzeugung treu: "Ich wurde nicht geboren, um als Soldatin zu dienen, die ein anderes Land besetzt, und der Kampf gegen die Besatzung ist auch mein Kampf. Es ist ein Kampf für Hoffnung, für eine Zukunft, die manchmal so weit weg zu sein scheint. Ich habe eine Verantwortung für diese Gesellschaft. Meine Verantwortung ist es, zu verweigern."

Interview mit pax christi - Vizepräsident Johannes Schnettler zum aktuellen Konflikt um den Gaza -Streifen

In einem Interview mit dem domradio Köln hat Vizepräsident J.Schnettler einen sofortigen Stopp der militärischen Offensive Israels und einen Waffenstillstand im Gazastreifen gefordert. Dafür müsse sich auch die Bundesregierung stärker einsetzen. „Wir wollen von der Bundesregierung eine tatkräftige Initiative“, forderte Schnettler. Es gehe darum, Israel auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechts hinzuweisen. Pax Christi erkenne den Anspruch Israels auf Verteidigung seines Staates und seiner Bevölkerung an, Waffengänge seien dafür aber nicht der richtige Weg.

Erklärung des Geschäftsführenden Vorstandes von pax christi zur israelischen Offensive im Gazastreifen

Nach monatelanger Blockade und tagelanger Bombardierung geht die israelische Armee nun mit einer Bodenoffensive gegen die Hamas im Gazastreifen vor. Schon die Bombenangriffe der letzten Tage forderten zahlreiche zivile Opfer; im Bodenkampf wird die Grenze zwischen Zivilisten und Kombattanten noch weiter aufgelöst.

pax christi verurteilt entschieden diese erneute Ausweitung der Kriegshandlungen. Die jüngste Entwicklung wird zu neuer Erbitterung führen und den Frieden in noch weitere Ferne rücken. pax christi betont nachdrücklich: Beide Konfliktparteien sind bei bewaffneten Kämpfen im Gazastreifen an die Bestimmungen des humanitären Völkerrechts gebunden. Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung, Zivilisten vor militärischen Gewalthandlungen zu schützen. Dieser Grundsatz gilt für die israelische Armee ebenso wie für die bewaffneten palästinensischen Gruppen. Beide Seiten müssen gezielte Gewaltanwendung gegen Zivilisten sofort einstellen und dürfen ihre eigene Zivilbevölkerung nicht durch militärische Handlungen in Gefahr bringen.

pax christi warnt: Auch außergerichtliche Hinrichtungen von Palästinensern durch das israelische Militär stellen Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dar. Im Zusammenhang mit der jüngsten Bodenoffensive im Gazastreifen darf das israelische Militär keine „gezielten Tötungen“ durchführen.
Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem gibt es jedoch Anzeichen für derart veränderte Einsatzbefehle des israelischen Militärs. Die Armee behält sich demnach vor, jede Person, die mit der Hamas in Zusammenhang steht, als militärisches Ziel anzusehen. Gemäß geltendem Völkerrecht verliert aber eine Zivilperson ihren rechtlichen Schutz vor militärischen Angriffen nur dann, wenn sie sich unmittelbar an Kampfhandlungen beteiligt – und auch nur für genau diesen Zeitraum. Zivilisten, die nicht unmittelbar an Kampfhandlungen beteiligt sind, dürfen überhaupt nie zur Zielscheibe militärischer Gewalt erklärt werden. Angriffe auf nicht zweifelsfrei militärische Ziele stellen eine Verletzung geltenden Völkerrechts dar, für welche die Verantwortlichen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden müssen.

pax christi fordert die Bundesregierung auf, auch gegenüber Israel auf der strikten Einhaltung des humanitären Völkerrechts und der Grenze zwischen zivilen und militärischen Zielen im gegenwärtigen Konflikt zu bestehen. Doppelte völkerrechtliche Standards darf es im Nahostkonflikt – auch im Interesse Israels – nicht geben. Eine völkerrechtliche Verbindlichkeit und Eindeutigkeit ist Bedingung einer sicheren Existenz Israels ebenso wie für die staatliche Organisation des palästinensischen Volkes.

Der derzeitige Konflikt ist militärisch nicht zu lösen. Auch eine Niederlage der Hamas im gegenwärtigen Krieg wird das Leben in israelischen Städten nicht dauerhaft sicherer machen. Nur eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens kann die Unterstützung der palästinensischen Bevölkerung für einen Gewaltverzicht und einen friedlichen Verhandlungsweg stärken. Langfristig wird Frieden in der Region und damit auch Sicherheit für Israel nur erreicht, wenn die Palästinenser eine politische Perspektive in Selbstbestimmung erhalten. Kurzfristig kann es nur eines geben: sofortigen Waffenstillstand und ein Ende des Blutvergießens!

Berlin, den 5. Januar 2009

pax christi - Nahost- Komission: Dokumentation: Human Rights Watch über die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas

Die derzeitigen bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas werfen eine Reihe wichtiger völkerrechtlicher Fragen auf. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (www.hrw.org) bietet auf ihrer Internetseite zu einigen aktuellen Punkten knappe Hintergrundinformationen.
Anbei dokumentieren wird einige Auszüge in englischer Sprache. Das Original finden Sie unter http://www.hrw.org/en/news/2008/12/31/q-hostilities-between-israel-and-hamas. Bitte beachten Sie: Die deutsche Übersetzung des Textes wurde von der Nahostkommission der deutschen Sektion von Pax Christi erstellt. Sie ist nicht autorisiert und soll lediglich deutschsprachigen Lesern/innen dazu dienen, sich den englischen Originaltext schneller zu erschließen.

Grüße zum Neuen Jahr aus Gaza

Aus Gaza erreichte die pax christi - NahOstkommission zum Neuen Jahr dieser Gruß und persönlicher Bericht zur aktuellen Situation (engl. orig.) :

Dear Friends,

I would like to wish you happy new year. It is really 12 o'clock Wednesday, where I used to keep wake to wish a year better than the past. This time is completely different, since 5 days I can not sleep, not only me, but more than 1.5 million human being. It is Silvester, but different one, strange one, real death, smoke and children cry, Ambulances. It looks for us that every last year better than the coming one. My mother told me it is like that since 1948.

I, my self can not believe what's going on, three years of siege, as a reaction of Hamas winning the election, then war. 60 war airplanes attacking Gaza within 5 minutes more than 250 person lost their lives. The rest of the people still shocked of the violence which created by the airplanes and continued for 24 hours a day, disturbing the life of children who are unable to understand. But they have strange spirits who can directly talk to God. NOUR (2 years old) directly few seconds after the hard attacked opened her hands to the sky saying YA RAB in Arabic means (LIEBER GOTT). The people in Gaza are completely shocked, waiting for the worse as Barrack promised them, but the promises of God is more sure peace and love.

Dr. Husam Al-Najar (Sanitary Engineering Expert | http://www.drhosam.com )

Pax Christi Nahostkommission widerspricht Bundesaußenminister Steinmeier und fordert sofortige Einstellung der israelischen Militärangriffe gegen Gaza.

Die pax christi - Nahostkommission widerspricht Außenminister Steinmeier, der für israelische Militärschläge gegen die Menschen in Gaza Verständnis zeigt. Die Äußerungen Steinmeiers bestärken nicht nur Israel in seiner perspektivlosen Palästina-Politik, sie zeigen auch die Hilflosigkeit der deutschen Nahost-Politik. Über 200 Tote und mehrere hundert verletzte Palästinenser, darunter auch Kinder, sind das Ergebnis der israelischen Angriffe vom 27. Dezember.

pax christi kritisiert die doppelten Standards in der Argumentation von Steinmeier für militärische Gewalt und die Parteinahme für die Gewalt einer Seite: Während Luftangriffe der Besatzungsmacht als Recht auf Selbstverteidigung eingestuft werden, wird die Gewalt der um Freiheit ringenden Palästinenser verurteilt. Militärisch ist der Konflikt nicht zu lösen.
Wir teilen die Besorgnis des Außenministers über die Eskalation. Nicht nur der Raketenbeschuss auf israelisches Gebiet muss aufhören, auch Israel muss seine Bombardierungen einstellen. Eine Bodenoffensive darf es nicht geben, Waffenstillstand sofort! Verhandlungen mit der Hamas sind jetzt notwendig, um die Einstellung der Raketenangriffe zu erreichen.

pax christi unterstützt die Forderungen der israelischen Friedensbewegung wie New Profile und Gush Shalom, die Verhandlungen statt Massaker und ein Ende der Blockade von Gaza fordern. Es sei die israelische Regierung gewesen, die den Waffenstillstand gebrochen hat, schreibt Gush Shalom, und verweist auf die Militäraktion der israelische Armee in Gaza in der Nacht der amerikanischen Wahlen, während der Palästinenser getötet wurden. Schon seit Monaten ist die Lage der palästinensischen Zivilbevölkerung besorgniserregend, da die israelische Besatzungsmacht wiederholt lebensnotwendige Einfuhren nicht zulässt. Israel als Besatzungsmacht ist dafür verantwortlich, dass die Bevölkerung des Gazastreifens ausreichend versorgt wird. Darauf muss die Bundesregierung drängen. Aushungern und Einsperren von 1,5 Millionen Menschen in Gaza ist keine Lösung.

Bundesregierung und EU fordern wir auf, sich ernsthaft für eine politische Lösung des Konflikts einzusetzen und nicht Verständnis für militärische Lösungen einer Seite zu zeigen. Der erste Schritt ist die Blockade des Gaza-Streifens zu beenden.

pax christi wünscht ein gesundes und friedvolles Jahr 2009 !

Das vergangene Jahr war für pax christi der Erinnerung an das Geschenk der Versöhnung gewidmet, das uns französische Christinnen und Christen vor über 60 Jahren überbracht haben. Darin ist die Kraft des Friedens spürbar.

Möge das bevorstehende Jahr kleine und große Schritte auf dem Weg des Friedens erkennbar und gangbar werden lassen!

Shalom
Christine Hoffmann
Generalsekretärin

Pax christi dankt für alle vielfältigen Kooperationen und wünscht ein gesegnetes Weihnachtsfest !

Zu Weihnachten ruft die deutsche Sektion von pax christi in diesem Jahr dazu auf, insbesondere für die Menschen im Kongo zu beten, deren Situation hier bekannt zu machen und die Verflechtungen der dortigen Konflikte und Leiden der Menschen mit unserem Wohlstand hier in Deutschland wahrzunehmen.
Information und Hilfestellung dazu bietet das Gebet- und Informationsblatt „Fürbittgebet für die Menschen im Kongo“: http://www.paxchristi.de/fix/files/doc/Gebet%20Kongo.pdf .
Ich würde mich freuen, wenn dieser Impuls, der in Zusammenarbeit des Präsidiums und der Kommission Solidarität mit Zentralafrika entstanden ist, von vielen aufgegriffen wird und so unser weihnachtliches Gebet vielerorts bereichern kann.
Christine Hoffmann
Generalsekretärin
Berlin, im Advent 2008

Gebete und Wünsche nach Bethlehem zum Advent und für Weihnachten 2008

Zum neunten Mal hintereinander wird die Feier des Weihnachtsfestes für die Menschen im Heiligen Land in einer schwierigen Atmosphäre stattfinden. Wir, die wir uns in der Sicherheit unserer Familien und Gemeinden auf die Feier von Advent und Weihnachten vorbereiten, wollen nicht vergessen, für Gerechtigkeit, Frieden und Sicherheit in Palästina und Israel zu beten. Bethlehem, der Ort der Geburt von Jesus Christus, ist immer noch zuerst und vor allem eine Friedensstadt. Und auch heute, in diesen Zeiten der Bedrängnis, weigern sich viele Menschen und Gruppen die Hoffnung aufzugeben. Sie suchen weiterhin nach gewaltlosen Wegen, um ihre Rechte einzufordern und an einer friedlichen und gerechten Zukunft für beide Völker zu arbeiten.
 
Seit Dezember 2000 haben wir begonnen, eine neue Weihnachtstradition zu entwickeln: Wir senden Friedensbotschaften an unsere FreundInnen in Bethlehem. Auch in diesem Jahr 2008 wollen wir Einzelpersonen, Gruppen, Kirchen und Pfarrgemeinden, Organisationen und PartnerInnen quer über den Erdkreis einladen, Weihnachts- und Adventwünsche und Gebete um Gerechtigkeit und Frieden an unsere PartnerInnen in Bethlehem zu mailen. In diesem Jahr wird das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Weltkirchenrat und seinem Ökumenischen Forum Palästina und Israel (PIEF) durchgeführt.

Die zugesandten Wünsche und Gebete werden ausgedruckt und als persönliche Botschaften weitergegeben. Sie finden auch Verwendung als Unterrichtsmaterial (z.B. für Schulen) und im Kontext von interreligiösen Gebeten, u.a. im neu errichteten Friedenshaus des AEI (Arab Educational Institute) gegenüber der Mauer, die Rachels Grab in Bethlehem einschließt. Die Wünsche und Gebete könnten auch Ideen für gewaltlose Aktionen enthalten. Die Aktion startet mit Beginn des Advent.

Einen Wunsch oder ein Gebet per E-mail zu senden ist eine gute Möglichkeit, um sich mit Menschen in Verbindung zu setzen, die sich nach einem Wort der Hoffnung sehnen. Unsere PartnerInnen in Bethlehem sind glücklich, wenn sie anlässlich des Weihnachtsfestes Wünsche und Gebete von Menschen außerhalb der Region erhalten, sowohl als persönliche wie auch als spirituelle Gesten des Zuspruchs und der Hoffnung. Diese Botschaften sind eine Möglichkeit, die Isolation zu durchbrechen, die unsere PartnerInnen in Bethlehem erfahren.

Diese Initiative wird am Ort getragen von: The Arab Educational Institute (AEI), Library on Wheels for Non-violence and Peace, The Centre for Conflict Resolution and Reconciliation (CCRR), The Justice and Peace Commission of Jerusalem Wi’am Center.
Diese Initiative wird international getragen von: Ökumenisches Forum Palästina-Israel des Weltkirchenrates, Pax Christi International, Internationaler Versöhnungsbund, Church and Peace (Kirche und Frieden), Präsidium der europäischen Kommissionen für Gerechtigkeit und Frieden, Asiatisches Zentrum für den Fortschritt der Völker.
Bitte e-mailen Sie Ihre Weihnachtswünsche und Friedensgebete vor dem 25. Dezember 2008 (westliches Weihnachtsfest). Obwohl englisch die bevorzugte Sprache ist, können Freunde, deren Muttersprache nicht englisch ist, Wünsche und Gebete auch in ihrer Mutter-sprache schicken.
Botschaften können an das AEI unter der folgenden Adresse gemailt werden: aei@p-ol.com.
Alle Botschaften werden unter www.aeicenter.org und www.paxchristi.net dargestellt. Go to http://www.paxchristi.net/international/xmas/eng.htm.

pax christi Österreich zum Tag der Menschenrechte: "Die heutige Geldordnung ist nicht menschenrechtskonform!"

Unter dem Titel "Die heutige Geldordnung ist nicht menschenrechtskonform" weisen die "Arbeitsgemeinschaft Gerecht Wirtschaften für Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ sowie der "Arbeitskreis Gerecht Wirtschaften“ von Pax Christi Österreich aus Anlass des Tages der Menschenrechte darauf hin, dass die derzeitige Geld- und Finanzordnung schon von ihrer Grundstruktur her nicht menschenrechtskonform ist und deshalb dringender politischer, wirtschaftswissenschaftlicher, juridischer und ethischer Handlungsbedarf besteht. Gefordet wird u.a. eine zukunftsfähige Neuordnung der internationalen Finanzarchitektur von den Ursachen her.
Der Volltext s.u.

pax christi international zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Zum 60. Jahrestag der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat pax christi international zusammen mit etwa 30 christlichen Nichtregierungsorganisationen auf die grundlegenden Werte und Verpflichtungen aus der UDHR hingewiesen. In dem am 10.12.08 in Genf veröffentlichten Offenen Brief an die internationale Gemeinschaft wird ausdrücklich auf die christliche Sicht von Menschenwürde und Personalität und ihre Nähe zur Menschenrechtsdeklaration Bezug genommen. Die Unterzeichner verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die ausdrückliche Anerkennung der universalen Geltung der Menschenrechte, wie sie auf dem katholisch - muslimischen Forum in Rom im November 2008 zum Ausdruck gebracht wurde.

Die gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) kritisiert in ihrem Bericht 2008 den erneuten Anstieg deutscher Rüstungsexporte

GKKE kritisiert Lieferungen in Krisenregionen und Entwicklungsländer

Alarmiert über den neuerlichen Anstieg deutscher Rüstungsexporte zeigten sich die beiden Vorsitzenden der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) bei der Vorstellung des diesjährigen Rüstungsexportberichts am Montag (8.12.08) in Berlin.
„Die Welt wird nicht sicherer durch noch mehr Waffen“, sagte Prälat Stephan Reimers, der evangelische Vorsitzende der GKKE. Die Ausfuhrgenehmigungen von Rüstungsgütern aus deutscher Produktion belaufen sich nach Recherchen der GKKE im Jahr 2007 auf 8,7 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr, in dem Rüstungsexporte im Wert von 7,7 Milliarden € bewilligt wurden, ist das eine Steigerung um 13 Prozent. Reimers äußerte „Befremden“ darüber, dass diese Zahlen von der Bundesregierung bisher nicht öffentlich gemacht worden seien, obwohl sie sich zur Vorlage eines eigenen Rüstungsexportberichts verpflichtet habe.
Als besorgniserregend bezeichnete es der katholische Vorsitzende der GKKE, Prälat Karl Jüsten, dass erneut Lieferungen in erheblichem Umfang in Länder genehmigt wurden, die in schwere interne oder grenzüberschreitende Gewaltkonflikte verwickelt seien. Dazu zählten etwa Afghanistan, Indien, Israel, Nigeria, Pakistan und Thailand. Jüsten forderte die Bundesregierung auf, ihren positiven Vorentscheid für die Lieferung von U-Booten nach Pakistan zu widerrufen und die Zusage einer staatlichen Ausfallbürgschaft zurückzunehmen. „Dieses Geschäft überschreitet eine Grenze, die Rechtslage und internationale Absprachen setzen.“ Zu kritisieren sei auch der unverändert hohe Anteil von Exportbewilligungen in Entwicklungsländer. Er belaufe sich auf mehr als 20 Prozent der einzeln erteilten Ausfuhrgenehmigungen.
Der Vorsitzende der GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte, Bernhard Moltmann, würdigte den EU Verhaltenskodex für Rüstungsexporte, der in den zehn Jahren seines Bestehens einen Zugewinn an wechselseitiger Information und Transparenz gebracht habe. Er forderte, den Kodex zu einem rechtlich verbindlichen „Gemeinsamen Standpunkt“ aufzuwerten und in nationales Recht zu integrieren. Positiv hoben die Vertreter der GKKE internationale Initiativen zu vermehrter Rüstungskontrolle hervor. Prälat Reimers würdigte die Einigung auf ein Verbot von Streumunition und die Unterzeichnung der entsprechenden Konvention in Oslo Anfang Dezember als „einen Erfolg einer humanitären Rüstungskontrolle“. Er sprach sich für eine baldige Ratifizierung des Abkommens durch den Deutschen Bundestag aus.

In der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) arbeiten der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und die Deutsche Kommission Justitia et Pax zusammen. Vorsitzende: Prälat Dr. Stephan Reimers und Prälat Dr. Karl Jüsten.

Die Cluster Munition Coalition begrüßt die Unterzeichnung des internationalen Abkommens gegen Streumunition

Das am 3. Oktober in Oslo geschlossene internationale Abkommen gegen Einsatz, Herstellung, Weitergabe und Lagerung von Streumunition wird von der Cluster Munition Coalition (Kampagne gegen Streumuniton), in der  pax christi international  Mitglied ist, als wesentlicher Erfolg der Abrüstungsbestrebungen im Bereich konventioneller Rüstung nach dem Abkommen gegen Landminen (Dublin 2008) gewertet.
Mit der Vereinbarung verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten auch zur Unterstützung der Opfer solcher Streumunition wie auch zur Dekontamination der davon betroffenen Flächen.

Den Krieg in Afghanistan beenden!

Die Gewalt in Afghanistan nimmt dramatisch zu und fordert immer mehr Opfer. Mit dem Krieg sollten Terroristen bekämpft und Sicherheit geschaffen werden. Diese Ziele wurden verfehlt. Ein Ende der Eskalation der Gewalt ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Ein „Weiter so“ mit immer mehr Soldaten darf es daher nicht geben.

Verhandlungen und Vereinbarungen können ein Weg sein, den Abzug verantwortbar zu gestalten und das Erreichte zu sichern. Christine Hoffmann, pax christi - Generalsekretärin, unterstützt den Aufruf „Den Krieg in Afghanistan beenden - Die Gewaltspirale durchbrechen, den militärischen Rückzug einleiten"

pax christi international zur humanitären Krise im Ost-Kongo - Brief an den UN Generalsekretär

Auf Grund von alarmierenden Nachrichten verschiedener Partner über die dramatische humanitäre Lage im Ost- und Nordost Kongo hat sich Claudette Werleigh, die Generalsekretärin von pax christi international, in einem Schreiben an UN-Generalsekretär Ban Kee Moon gewandt. Darin heißt es u.a. , die internationale Gemeinschaft müsse in diesem Konflikt die Verantwortung für den Schutz der unschuldigen Zivilbevölkerung übernehmen. Die Entscheidung des UN-Sicherheitsrates vom 20.11.08, die Zahl der UN-Truppen zu erhöhen, sei ein positiver Schritt, aber der Konflikt müsse effektiver von den Ursachen her angegangen und die UN-Friedensmission MONUC müsse darin stärker einbezogen werden.

pax christi Vizepräsident Johannes Schnettler fordert bei der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) eine Beendigung des militärischen Einsatzes in Afghanistan

„Seit 2002 erleben wir eine jährliche Aufstockung des militärischen Kontingents der Bundeswehr in Afghanistan“, sagte der Vizepräsident in der Aussprache zum Bericht des Präsidenten des ZdK, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer. Dieser hatte in seinen Ausführungen die Notwendigkeit des militärischen Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan nachdrücklich bekräftigt. Schnettler verwies auf die Tatsache, dass die Bundeswehr selbst zum Beteiligten in der militärischen Auseinandersetzung geworden ist und mehr mit dem Schutz der eigenen Truppe als mit der Sicherung des zivilen Aufbaus beschäftigt sei. Diesem zivilen Aufbau mangele es zudem an der notwendigen finanziellen Unterstützung, die im Vergleich zu den Ausgaben für die militärische Präsenz verschwindend gering ist. Wenn es nicht zu einer weiteren Eskalation der Gewalt in Afghanistan kommen soll, ist ein sofortiger, schrittweiser Abzug der Bundeswehr wie der alliierten Streitkräfte aus Afghanistan erforderlich. Im Gegenzug braucht es eine Stärkung der staatlichen Organe im Lande durch die Entsendung internationaler Polizeikräfte und eines politischen Dialogs der Staaten in der Region. Der Kampf gegen den Terror, so Schnettler, „lässt sich nicht mit militärischen Mitteln führen. Es ist eine konsequenter Dialog mit allen Akteuren in Afghanistan erforderlich.“

pax christi Vizepräsident Johannes Schnettler fordert bei der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) eine Beendigung des militärischen Einsatzes in Afghanistan

"Seit 2002 erleben wir eine jährliche Aufstockung des militärischen Kontingents der Bundeswehr in Afghanistan“, sagte der Vizepräsident in der Aussprache zum Bericht des Präsidenten des ZdK, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer. Dieser hatte in seinen Ausführungen die Notwendigkeit des militärischen Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan nachdrücklich bekräftigt. Schnettler verwies auf die Tatsache, dass die Bundeswehr selbst zum Beteiligten in der militärischen Auseinandersetzung geworden ist und mehr mit dem Schutz der eigenen Truppe als mit der Sicherung des zivilen Aufbaus beschäftigt sei. Diesem zivilen Aufbau mangele es zudem an der notwendigen finanziellen Unterstützung, die im Vergleich zu den Ausgaben für die militärische Präsenz verschwindend gering ist. Wenn es nicht zu einer weiteren Eskalation der Gewalt in Afghanistan kommen soll, ist ein sofortiger, schrittweiser Abzug der Bundeswehr wie der alliierten Streitkräfte aus Afghanistan erforderlich. Im Gegenzug braucht es eine Stärkung der staatlichen Organe im Lande durch die Entsendung internationaler Polizeikräfte und eines politischen Dialogs der Staaten in der Region. Der Kampf gegen den Terror, so Schnettler, „lässt sich nicht mit militärischen Mitteln führen. Es ist eine konsequenter Dialog mit allen aller Akteuren in Afghanistan erforderlich.“

Zur Lage im Kongo: Bischof ruft nach EU-Soldaten

Die Demokratische Republik Kongo braucht EU-Soldaten. Das fordert der kongolesische Erzbischof und internationale Co-President von pax christi international Laurent Monsengwo Pasinya. Die EU und die USA sollten Soldaten in das Land schicken, um ein Ende der Kämpfe zu erreichen, sagte der Erzbischof laut Medienberichten vom Dienstag (4.11.08) in Brüssel. Damit spricht er einen großen Wunsch vieler seiner Landsleute aus. Auch der deutsche Caritas-Mitarbeiter in der Krisenstadt Goma, Alexander Bühler, bestätigt das Verlangen nach internationaler Präsenz. Das Interview in Radio Vatikan / dt. Dienst hier zum Anhören.

Gedenken der Bombardierung Dresdens 1945 am 14.2.2009 - Streit um Erinnerung

Unter dem Motto "Geh-Denken" ruft Christine Hoffmann, Generalsekretärin von pax christi mit auf zur Demonstration gegen Rechtsextremismus am 14.Februar 2009 in Dresden. Im Interview beim Deutschland-Radio Kultur erläutert sie dieses Engagement, das auf Widerspruch bei der Dresdener CDU stieß.

pax christi - Delegiertenversammlung wählt den Aachener Hochschulpfarrer Christoph Stender zum geistlichen Beirat der dt. Sektion

Mit überwältigender Mehrheit hat die Delegiertenversammlung von pax christi am 8.11.08 am Gründungsort der pax christi-Bewegung in Kevelaer Pfarrer Christoph Stender in das Amt des Geistlichen Beirats gewählt. Nach dreijähriger Vakanz begleitet mit dem Aachener Hochschulpfarrer Stender nun wieder ein Geistlicher die Friedensarbeit der deutschen Sektion von pax christi.

„Wir dürfen die im Evangelium verankerte Option der Gewaltfreiheit nicht aufgeben“ sagte der 51jährige Stender vor den 100 Delegierten. Er wolle sich als Geistlicher Beirat dafür einsetzen, dass diese Botschaft heute von den Menschen verstanden und als Bereicherung für ihre Leben erfahren werden kann. Er möchte vermitteln, was es heißt, heute aus dem Glauben heraus zu leben.

Der Präsident der pax christi-Bewegung, Bischof Heinz-Josef Algermissen, dankte dem Bischof von Aachen für dessen Zustimmung zur Übernahme dieses Ehrenamtes durch einen Priester des Bistums Aachen und wünschte Pfarrer Stender alles Gute für seinen Dienst im Amt des Geistlichen Beirats. Zu seinen Aufgaben gehören die geistliche Begleitung und spirituelle Impulsgebung für die Bewegung. Der Geistliche Beirat gehört dem Präsidium von pax christi an. Vorgänger von Stender im Amt des Geistlichen Beirats waren der Oratorianer Herbert Froehlich, der Hochschullehrer Heinrich Missalla und der Dominikaner P.Paulus Engelhardt.

Delegiertenversammlung von pax christi setzt fulminanten Schlusspunkt unter das Jubiläumsjahr

60 Jahre nach ihrer Gründung hat sich die deutsche Sektion von pax christi eine neue Präambel für ihre Statuten geben. An ihrem Gründungsort Kevelaer beschlossen die Delegierten am vergangenen Wochenende (7.-9.11.2008) in der Tradition ihrer Versöhnungs- und Erinnerungsarbeit „ das Friedenszeugnis der christlichen Kirchen in Wort und Tat“ in den gegenwärtigen Kriegs- und Unrechtssituationen zur Geltung zu bringen.

 „Wir ächten jede Form von Krieg. Unser Engagement gilt den Menschenrechten, dem Völkerrecht und einem lebensfördernden Wirtschaften“ heißt es in der neuen Präambel, die die Fassung aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fortschreibt. In der Präambel vergewissert sich die pax christi Bewegung ihrer spirituellen Wurzel, der Friedensbotschaft Jesu Christi. Aus dessen Geist heraus sieht sich pax christi zur „prophetischen Anklage gegen alle Versuche einer Militarisierung der internationalen Beziehungen“ und der Entwicklung friedensfördernder Gegenentwürfe herausgefordert.

Der Präsident der pax christi Bewegung, Bischof Heinz Josef Algermissen, hatte den Delegierten zu Beginn der Versammlung für das fortwährende Engagement in der Friedensarbeit gedankt und im Gedenken an den 70. Jahrestag der Reichspogromnacht zu entschiedenem Widerstand gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aufgerufen. In Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus machte sich die Delegiertenversammlung den Textvorschlag von Ansgar Ahlbrecht zu einer neuen Karfreitagsfürbitte zu Eigen. Darin heißt es u.a.“ Lasst uns auch der Juden gedenken, an denen unsere christlichen Kirchen und unser deutsches Volk schuldig geworden sind, dass eine erhoffte Aussöhnung mit ihnen wie ein Wunder erscheinen kann“.

In verschiedenen Resolutionen forderten die Delegierten von der Bundesregierung ein Bleiberecht für alle irakischen Flüchtlinge, die Beteiligung an dem „Resettlementprogramm“ des Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen und eine finanzielle Unterstützung der Länder an den Außengrenzen der Europäischen Union bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Von der Deutschen Bischofskonferenz erwarten die Delegierten eine konsequente Ächtung der ethischen und politischen Legitimation der Atomwaffen.

Die über 100 Delegierten aus Bistumsstellen und Basisgruppen wählten in der dreitägigen Versammlung in Kevelaer mit dem Aachener Hochschulpfarrer Christoph Stender einen neuen Geistlichen Beirat für die pax christi Bewegung. Zugleich konnten sie Frau Christine Hoffmann als neue Generalsekretärin von pax christi herzlich willkommen heißen.

Mit dem Aufruf, im Sinne der neuen Präambel politische Einflussnahme und Anwaltschaft für Frieden und Gerechtigkeit zu übernehmen, verabschiedeten die Vizepräsidentin Veronika Hüning und der Vizepräsident Johannes Schnettler die Delegierten zum Ende des Jubiläumsjahres aus Kevelaer.

(Wortlaut der Beschlüsse der Delegiertenversammlung 2008 im Bereich DV im <intern>- Bereich dieser website.)

Erklärung des Präsidenten von pax christi Bischof Heinz Josef Algermissen zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht

Vor 70 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verwüsteten die Nationalsozialisten in Deutschland die Gotteshäuser der Juden, schändeten die Heiligen Schriften, raubten die Kunstschätze und setzten die Synagogen in Brand. Tausende Juden wurden misshandelt und in Konzentrationslager verschleppt. Mit dieser Schandtat, die als Reichspogromnacht in die Geschichte einging, setzten die Nationalsozialisten die systematische Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bürger fort, die mit der diskriminierenden Judengesetzgebung ab dem Jahre 1933 begonnen hatte. In dieser Nacht überschritten die Nationalsozialisten die Grenze zur offenen und massenhaften Gewalt, die in den Völkermord führte. Wenige Monate später, mit Beginn des Zweiten Weltkrieges, begann die Ermordung von 6 Millionen europäischer Juden, die in den Vernichtungslagern bis zur industriellen Perfektion betrieben wurde.

Es hat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland lange gedauert, bis sich der Staat, die Kirchen und die einzelnen Menschen ihrer Verantwortung gegenüber dem Geschehen bewusst wurden und der Opfer der Shoa öffentlich gedachten. Seit Jahrzehnten finden nun zum 9. November vielerorts Gedenkveranstaltungen statt. Weitere Gedenktage und -orte sind hinzugekommen. Aber: Kein nationaler Gedenktag für die Opfer der Shoa, kein Denkmal für die vernichteten Juden Europas in der Hauptstadt Berlin und keine der zahlreichen Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht können gewährleisten, dass die Erinnerung an die Opfer der Shoa und an die Täter im kulturellen Gedächtnis unseres Volkes verankert bleibt. Wir beobachten bei Älteren ebenso wie bei Jüngeren durchaus auch den Wunsch nach einem Schlussstrich unter die Geschichte von Auschwitz. Mit zeitlichem Abstand und schwindendem persönlich-biografischen Bezug wachsen die Fragen: Warum erinnern? Warum sich der Verantwortung für eine Schuld stellen, die nicht die eigene ist?

Verdrängen und Abwehr aber sind gefährlich, denn: „Der Schoß ist fruchtbar noch.“ Antisemitismus und Rassismus sind in unserer Gesellschaft nicht nur latent vorhanden, sondern werden manifest: in der Propaganda rechtsextremer Gruppierungen, in ihrem offenen Uminterpretieren und Verharmlosen der Geschichte und in ihren aggressiven Parolen gegen Migranten. Weite Kreise der sog. gesellschaftlichen Mitte neigen dazu, solchen Auffassungen zuzustimmen. In kulturell attraktiven Angeboten wie z.B. Zeltlagern und Rockfestivals wird jungen Menschen unverblümt Nazi-Ideologie eingetrichtert. Akte körperlicher Gewalt hingegen überlassen die Täter an den Rednerpulten gerne jugendlichen „Kameradschaften“. Jüngst wurden in Berlin Mahnmale der Opfer des Nationalsozialismus geschändet. Die rechtsextremistischen Gewalttaten bleiben auf erschreckend hohem Niveau. Wieder werden Menschen in Deutschland verfolgt, weil sie anders sind.

Der 70. Jahrestag der Pogromnacht fordert den Staat ebenso wie die Zivilgesellschaft heraus:

  • Die überlebenden Opfer der Shoa brauchen weiterhin die Solidarität der Gesellschaft.
  • Die Verantwortlichen für die Pogrome vor 70 Jahren sind, soweit noch nicht geschehen, trotz ihres Alters für ihre Unrechtstaten zur Rechenschaft zu ziehen.
  • Öffentliche Räume, die für die Juden in Deutschland von hoher Sensibilität sind, z.B. Denkmäler und Gedenktage, müssen von politischen Demonstrationen frei gehalten werden, um einem Missbrauch dieser Orte und Daten durch Rechtsextremisten vorzubeugen.
  • In unseren Kirchen ist einem religiösen Antijudaismus entgegenzuwirken, wenn z.B. am Karfreitag wieder für eine Bekehrung der Juden gebetet werden soll.
  • Jeglicher Form von Ausgrenzung und Diskriminierung von Mitbürgerinnen und Mitbürgern ist entschieden entgegenzutreten. Hier sind alle Bürgerinnen und Bürger gefordert, auch in Wohnzimmern und an Stammtischen fremdenfeindlichen Äußerungen zu widersprechen.
  • Das Amt eines/einer Antisemitismus-Beauftragten muss von allen im Bundestag vertretenen Parteien getragen werden und neben der originären Aufgabe der Aufdeckung antisemitischer Strömungen auch über den Zusammenhang von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aufklären. Vor allem aber darf die Einrichtung einer solchen Institution nicht dazu führen, dass die Gesellschaft als Ganze ihre Verantwortung gegenüber den Gefahren des Antisemitismus und Rassismus an dieses Amt delegiert.
  • Es bedarf einer umfassenden politischen Unterstützung wie finanziellen Absicherung der verschiedenen Initiativen und Programme gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus. Insbesondere Konzepte einer antirassistischen Bildungsarbeit und einer Pädagogik gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit müssen langfristig gefördert werden, ebenso ihre Verbreitung und Umsetzung.

Vor 70 Jahren war es in einer zivilisierten Gesellschaft wie der deutschen möglich, dass der Staat die Vernichtung eigener Bürger betrieb, die Verbrechen aktiv von Industrie und Bürokratie unterstützt wurden und die Mehrheit der Gesellschaft teilnahmslos zusah, mitmachte oder profitierte. Nur wenige Menschen fanden den Mut dieser Politik zu widerstehen und den Verfolgten zu helfen. Der Jahrestag der Pogromnacht mahnt Staat, Kirche und Gesellschaft heute entschieden gegen alle Formen von Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus einzutreten. pax christi wird sich weiterhin in diesem Sinne engagieren.

Fulda / Berlin, den 4. November 2008

Aktuelle Berichte zum ökumenischen Freiwilligendienst in Palästina und Israel

Der Ökumenische Rat der Kirchen hat im Rahmen der Dekade zur Überwindung der Gewalt ein Ökumenisches Begleitprogramm in Israel und Palästina ins Leben gerufen. Damit wollen die Kirchen Freiwillige gewinnen, die für drei Monate gewaltfreie israelische und palästinensische Aktionen begleiten. Die ökumenischen Begleiterinnen und Begleiter zeigen durch ihre Anwesenheit, dass die Kirchen weltweit mit den Menschen der Region verbunden sind. Ihre Berichte machen auf die täglichen Menschenrechtsverletzungen aufmerksam: Sie erzählen, wie sich Menschen auf beiden Seiten bemühen, Gewalt zu beenden und Zeichen der Hoffnung zu sein. Aktuelle Berichte dazu im Bereich "Nahost" dieser website unter "Freiwillige".

Keine Finanzierung der Gewalt durch Rohstoffexporte! - Zur Eskalation der humanitären Krise im Ost - Kongo / Ruanda.

Mit der Forderung, der aktuellen und sich täglich verschlimmernden hunmanitären Krise und dem Elend der Kriegsflüchtlinge im Ost-Kongo / Kivu / Grenzgebiet zu Ruanda mehr Aufmerksamkeit zu widmen, haben sich Mitglieder der pax christi - Kommission Solidarität mit Zentralafrika an den Bundesaussenminister gewandt.

In dem offenen Brief heisst es u.a.:
"....seit vielen Jahren haben kongolesische und internationale Akteure auf den engen Zusammenhang von maffiöser Rohstoffausbeutung und Krieg im Kongo hingewiesen. Über den Export von Kupfer, Diamanten, Coltan usw. ist die Weltwirtschaft in die Krise mit eingebunden. Die seit Jahren anhaltende schwere humanitäre Krise im Kongo ist zweifellos eine der weltweit ganz großen humanitären Krisen der Gegenwart. Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass der Kongo vermehrt auf die internationale Tagesordnung kommt."

Auch die katholische Bischofskonferenz (CENCO) in der DR Kongo habe bereits am 14.10.08 auf die Entwicklung hingewiesen und die einhellige Verurteilung des militärischen Vorrückens der Nkunda-Miliz im Kivu durch die internationale Gemeinschaft begrüßt. Die Welt habe von einem friedlichen Kongo mehr als von einem Kongo im Krieg, so in der Stellungnahme.

Weiter heisst es:
"eine aktive Rolle der UN-Blauhelme allein wird hier keine Verbesserung bringen. Wichtig ist der langfristige Ansatz auf diplomatischer Ebene, beim Staatsaufbau wie auch bei der Unterstützung für die friedliche Transformation von Konflikten. Der Friedensprozess von Nairobi und Goma darf nicht zum Scherbenhaufen werden. Aus der Kriegsökonomie, die letztlich hinter den aktuellen militärischen Konflikten steht, muss im Namen der leidenden Bevölkerung eine geregelte Friedensökonomie werden. Die Entwicklung modellhafter Zertifizierungsverfahren für Rohstoffexporte durch das Bundesamt für Geowissenschaften und die GTZ halten wir für wegweisend..."

Brief der Kooperation für den Frieden an die Abgeordneten des Dt. Bundestages wegen der Petitionen gegen die weitere militärische Nutzung des ehemaligen sowjetischen "Bombodroms" in der Kyritz-Ruppiner Heide als Luft-Boden-Schießplatz.

Mit der Forderung :
Nein zum Bombodrom und gegen die Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide als Luft-Boden Schießplatz hat sich die Kooperation für den Frieden, in der pax christi Mitglied ist, an alle Bundestagsabgeordneten gewandt. Insbesondere müssten vorliegende Petitionen gegen die Nutzung der Bundesregierung zugeleitet werden.

In dem Brief heisst es u.a.
" Wir fordern den Deutschen Bundestag auf, sich klar gegen den Luft-Boden-Schießplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide zu positionieren. Die Petitionen müssen der Bundesregierung zur Berücksichtigung überwiesen werden! Mit Sorge verfolgen wir die zunehmende Militarisierung der europäischen Außenpolitik und die damit einhergehende Umstrukturierung der Bundeswehr zu einer Interventionsarmee. Wie im "Headline Goal 2010" beschrieben, plant der Europäische Rat den Ausbau der EU-Streitkräfte bis zum Jahr 2010. Ziel ist es, EU-Truppen zu haben, die innerhalb von wenigen Tagen weltweit einsatzbereit sind - "effektiv, glaubwürdig und kohärent". Dazu sind auch gemeinsame militärische Übungen nötig. Im Papier heißt es, dass bis 2010 Kriterien dafür entwickelt werden sollen, welche Ziele die nationalen Armeen im Bereich multinationalen Trainings zu erfüllen haben".
Es gehe
"ganz offensichtlich nicht um Verteidigung gegen einen militärischen Angriff, auch nicht um humanitäre Hilfe oder den Schutz von Menschenrechten. Die Struktur und Bewaffnung der Verbände macht deutlich, dass hier der Angriffskrieg geübt werden soll, die militärische Intervention in aller Welt, der Kampf um wirtschaftliche Ressourcen und geostrategische Einflusszonen mit allen Mittel.". Ausserdem wird auf die negativen Folgen für den Tourismus und die Landesentwicklung hingewiesen.

Die dt. Sektion Pax Christi ist äußerst besorgt über die zunehmende Gewalt und die dramatische humanitäre Situation in Sri Lanka. Aufgrund der andauernden Kämpfe zwischen der Armee und den Tamilen-Rebellen LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) sind inzwischen 230.000 Menschen im Norden des Inselstaates auf der Flucht.

Nach den spärlichen Informationen aus Kirchenkreisen in Sri Lanka ist die Mehrzahl von ihnen ohne Schutz und ohne Zugang zu Wasser und sanitären Anlage im Dschungel in einer prekären Situation. Den permanenten Bombardierungen und Artilleriebeschüssen sind sie hilflos ausgeliefert. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Hilfsgütern ist noch schwieriger geworden, nachdem die Regierung im September alle UN-Organisationen sowie internationalen Nichtregierungsorganisationen ausgewiesen hat. Nur die Caritas der katholischen Kirche kann in begrenztem Umfang Hilfe leisten.

Eine weitere dramatische Zuspitzung der Lage droht durch die jetzt einsetzende Regenzeit. In den Flüchtlingslagern sind Krankheiten und Seuchen zu erwarten, für die jede medizinische Versorgung fehlt. Viele der Flüchtlinge seien bereits jetzt völlig apathisch und ohne jede Perspektive.

Nach Angaben unserer Projektpartner in Sri Lanka sind auch mehrere kirchliche Einrichtungen, die mit Spenden aus Deutschland errichtet wurden, schwer beschädigt worden und in ihrer Existenz bedroht. Ende voriger Woche wurde das „Oblate Institute of Technology and English Language and Computer Centre“ (OBTEC) in Kanagapuram/Bezirk Kilinochchi, eine Einrichtung des katholischen Missionsordens der Oblaten, bombardiert. Das Internat war nach dem Tsunami mit Hilfe der „Bild“-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ gebaut worden. In ihm erhielten mittellose Kinder und Jugendliche (Tsunami- und Kriegsopfer) eine Schul-Ausbildung. Jetzt wurden sie evakuiert, ihre Zukunft ist angesichts der zunehmenden Kämpfe um die LTTE-Hochburg Kilinochchi völlig ungewiss.

Ein Waisenhaus des Ordens in derselben Region, das seit 20 Jahren von Pax Christi Berlin unterstützt wird, musste bereits im August geräumt werden. Die 45 Kinder und ihre Betreuer sind seither auf der Flucht und mussten bereits mehrmals ihren Zufluchtsort wechseln. Zuletzt waren sie ebenfalls in Kangapuram, wo sie jetzt nicht mehr sicher sind. Die Kinder sind nach Angaben des Ordens schwer traumatisiert und voller Angst. Auch Krankenhäuser, Kirchen und Hindu-Tempel werden bei den Angriffen nicht ausgespart.

Pax Christi unterstützt die Forderung der katholischen Bischofskonferenz von Sri Lanka, Schutzzonen für die Zivilbevölkerung einzurichten, in denen ihre Versorgung gewährleistet ist, und Schulen, Krankenhäuser sowie Gebetsstätten von den Kampfhandlungen zu verschonen.

Der seit mehr als 25 Jahren dauernde Konflikt in Sri Lanka kann militärisch nicht gelöst werden. Mit der Kirche in Sri Lanka fordern wir von beiden Seiten eine politische Lösung auf der Grundlage von Verhandlungen und der Anerkennung der Menschenwürde und gleichen Rechte aller Bürger – Tamilen und Singhalesen.

Erklärung des Präsidiums von pax christi zum Kabinettsbeschluss und zur Debatte des Bundestages über die Verlängerung und Aufstockung des Mandats der Bundeswehr in Afghanistan.

Schon über 7 Jahre dauert der bewaffnete Konflikt in Afghanistan. Im letzten Jahr wurde das Mandat für die im Rahmen des ISAF-Mandats gestellten Bundeswehreinheiten verlängert. In der kommenden Woche steht eine weitere Verlängerung und Vergrößerung dieses Truppenkontingents im deutschen Bundestag zur Entscheidung an. Bisher hat die Bundesregierung den Bundeswehreinsatz als einen friedenserzwingenden Einsatz auf Basis eines UN-Mandats und mit Zustimmung der afghanischen Regierung damit begründet, dass die Sicherheit Deutschlands auch von der Stabilität Afghanistans abhänge. Vor allem geht es der Bundesrieglung darum, den Terrorismus nachhaltig zu unterbinden.

pax christi sieht mehr und mehr die Aussichts- und Erfolglosigkeit dieser militärischen Aktionen, die dem Land keinen Frieden gebracht haben. Zwar ist nicht zu verkennen, dass die Bundeswehr sich auch an Aufbaumaßnahmen beteiligt hat. Dies wirkt sich aber für zivile Hilfsorganisationen auch belastend und nicht – wie oft behauptet wurde - nur sichernd aus. Realistischerweise muss erkannt werden, dass die gegenwärtigen westlichen Militäroperationen - ISAF und Enduring Freedom (OEF), die sich immer mehr verschränken - Formen eines asymmetrischen Krieges angenommen haben. Gleichzeitig stehen sie vor dem Dilemma, dass dieser Krieg weder gewonnen werden kann, noch – aus westlicher Sicht - verloren werden darf. Auch wenn jetzt die Beteiligung der KSK-Einsatzkräfte an der Mission OEF aufgegeben werden soll, wird mit der Erweiterung- und Verlängerung des Mandats weiter an der Gewaltspirale gedreht. Aus der Schutzfunktion der Bundeswehr für Maßnahmen zum zivilen Aufbau des Landes ist ein Kampfeinsatz geworden. Die Spirale der Gewalt muss jetzt durchbrochen werden.

pax christi begrüßt den jetzt erfolgten Schritt zum Dialog der afghanischen Regierung mit den Taliban. Die afghanische Gesellschaft, mit ihren staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen und Interessensgruppen, muss zur Trägerin des Friedensprozesses in Afghanistan werden. Der Aufbau eines gerechten Friedens wird nur durch den Rückbau militärischer Optionen und Ziele bei gleichzeitiger Steigerung ziviler Hilfs- und Aufbaumaßnahmen zu erreichen sein. Dies erfordert eine nach Zeit und Umfang klar definierte Abzugsstrategie aller ausländischen Truppen. Wer dies als Zeichen von Schwäche gegenüber dem Terrorismus bezeichnet, muss die bundesrepublikanische Öffentlichkeit unzweideutig darüber aufklären, dass der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan auf unbestimmte Zeit erfolgen muss, einen extrem hohen Finanz – und Materialaufwand benötigt und weitere Todesopfer fordern wird, ohne dass die Erfolgsaussichten des Einsatzes annähernd einzuschätzen sind.

pax christi fordert die Abgeordneten des Deutschen Bundestages dazu auf, der Mandatserweiterung und - verlängerung nicht zuzustimmen und von der Bundesregierung einen zeitlich abgestuften Abzugsplan einzufordern.

Von der Bundesregierung fordert pax christi:

- einen zeitlich abgestuften Abzugsplan der Bundeswehr (und nicht nur der KSE) aus Afghanistan;

- den Aufbau und die Stärkung der Polizeikräfte in Afghanistan endlich konsequent zu verfolgen und auf diese Weise einen   notwendigen Beitrag zur Sicherung der staatlichen Autorität in Afghanistan zu leisten;

- die zivile Hilfe für den staatlichen und gesellschaftlichen Aufbauprozess um den Betrag aufzustocken, der durch den Abzug der Truppen frei wird;

- gemeinsam mit den Regierungen der Europäischen Union für eine internationale Konferenz Afghanistans und seiner Nachbarstaaten (Pakistan, Iran, Usbekistan, Tadschikistan) einzutreten;

- eigene Schritte zu ergreifen um unter Einbeziehung der Nachbarstaaten Lösungen für eine Befriedung der Region zu erreichen.

Die afghanische Bevölkerung muss für zivile Maßnahmen gewonnen werden, die erkennbar ihre Lebensverhältnisse verbessern. Nur wenn die Aussichtslosigkeit des Alltags überwunden und eine wirtschaftliche Perspektive gestärkt wird, werden sich Menschen von tendenziell gewalttätigen Organisationen und Strukturen lösen. Die - wenn auch in vielen Fällen schwachen - zivilgesellschaftlichen Kräfte sind zu stärken und als politische Partner ernst zu nehmen.

Berlin, den 7. Oktober 2008

Erklärung des Präsidiums von pax christi zum Kabinettsbeschluss und zur Debatte des Bundestages über die Verlängerung und Aufstockung des Mandats der Bundeswehr in Afghanistan

Schon über 7 Jahre dauert der bewaffnete Konflikt in Afghanistan. Im letzten Jahr wurde das Mandat für die im Rahmen des ISAF-Mandats gestellten Bundeswehreinheiten verlängert. In der kommenden Woche steht eine weitere Verlängerung und Vergrößerung dieses Truppenkontingents im deutschen Bundestag zur Entscheidung an. Bisher hat die Bundesregierung den Bundeswehreinsatz als einen friedenserzwingenden Einsatz auf Basis eines UN-Mandats und mit Zustimmung der afghanischen Regierung damit begründet, dass die Sicherheit Deutschlands auch von der Stabilität Afghanistans abhänge. Vor allem geht es der Bundesrieglung darum, den Terrorismus nachhaltig zu unterbinden.

pax christi sieht mehr und mehr die Aussichts- und Erfolglosigkeit dieser militärischen Aktionen, die dem Land keinen Frieden gebracht haben. Zwar ist nicht zu verkennen, dass die Bundeswehr sich auch an Aufbaumaßnahmen beteiligt hat. Dies wirkt sich aber für zivile Hilfsorganisationen auch belastend und nicht – wie oft behauptet wurde - nur sichernd aus. Realistischerweise muss erkannt werden, dass die gegenwärtigen westlichen Militäroperationen - ISAF und Enduring Freedom (OEF), die sich immer mehr verschränken - Formen eines asymmetrischen Krieges angenommen haben. Gleichzeitig stehen sie vor dem Dilemma, dass dieser Krieg weder gewonnen werden kann, noch – aus westlicher Sicht - verloren werden darf. Auch wenn jetzt die Beteiligung der KSK-Einsatzkräfte an der Mission OEF aufgegeben werden soll, wird mit der Erweiterung- und Verlängerung des Mandats weiter an der Gewaltspirale gedreht. Aus der Schutzfunktion der Bundeswehr für Maßnahmen zum zivilen Aufbau des Landes ist ein Kampfeinsatz geworden. Die Spirale der Gewalt muss jetzt durchbrochen werden.

pax christi begrüßt den jetzt erfolgten Schritt zum Dialog der afghanischen Regierung mit den Taliban. Die afghanische Gesellschaft, mit ihren staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen und Interessensgruppen, muss zur Trägerin des Friedensprozesses in Afghanistan werden. Der Aufbau eines gerechten Friedens wird nur durch den Rückbau militärischer Optionen und Ziele bei gleichzeitiger Steigerung ziviler Hilfs- und Aufbaumaßnahmen zu erreichen sein. Dies erfordert eine nach Zeit und Umfang klar definierte Abzugsstrategie aller ausländischen Truppen. Wer dies als Zeichen von Schwäche gegenüber dem Terrorismus bezeichnet, muss die bundesrepublikanische Öffentlichkeit unzweideutig darüber aufklären, dass der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan auf unbestimmte Zeit erfolgen muss, einen extrem hohen Finanz – und Materialaufwand benötigt und weitere Todesopfer fordern wird, ohne dass die Erfolgsaussichten des Einsatzes annähernd einzuschätzen sind.

pax christi fordert die Abgeordneten des Deutschen Bundestages dazu auf, der Mandatserweiterung und - verlängerung nicht zuzustimmen und von der Bundesregierung einen zeitlich abgestuften Abzugsplan einzufordern.

Von der Bundesregierung fordert pax christi:

  • einen zeitlich abgestuften Abzugsplan der Bundeswehr (und nicht nur der KSE) aus Afghanistan; den Aufbau und die Stärkung der Polizeikräfte in Afghanistan endlich konsequent zu verfolgen und auf diese Weise einen notwendigen Beitrag zur Sicherung der staatlichen Autorität in Afghanistan zu leisten;
  • die zivile Hilfe für den staatlichen und gesellschaftlichen Aufbauprozess um den Betrag aufzustocken, der durch den Abzug der Truppen frei wird;
  • gemeinsam mit den Regierungen der Europäischen Union für eine internationale Konferenz Afghanistans und seiner Nachbarstaaten (Pakistan, Iran, Usbekistan, Tadschikistan) einzutreten;
  • eigene Schritte zu ergreifen um unter Einbeziehung der Nachbarstaaten Lösungen für eine Befriedung der Region zu erreichen.

Die afghanische Bevölkerung muss für zivile Maßnahmen gewonnen werden, die erkennbar ihre Lebensverhältnisse verbessern. Nur wenn die Aussichtslosigkeit des Alltags überwunden und eine wirtschaftliche Perspektive gestärkt wird, werden sich Menschen von tendenziell gewalttätigen Organisationen und Strukturen lösen. Die - wenn auch in vielen Fällen schwachen - zivilgesellschaftlichen Kräfte sind zu stärken und als politische Partner ernst zu nehmen.

Berlin, den 7. Oktober 2008

Eine Reise auf den Spuren Dietrich Bonhoeffers

Im Jubliäumsjahr machte sich die Bistumstelle Berlin im September zur Erinnerung an den Theologen Dietrich Bonhoeffer auf eine Reise zu den Orten seines Lebens: Berlin, Stettin/Szczecin und Finkenwalde und besuchte auch Gemeinden in Polen. Mit Bonhoeffer bringt pax christi nicht nur seine Beteiligung am Widerstand gegen den Nationalsozilaismus sondern auch seinen frühen Einsatz für eine weltweite ökumenische Bewegung und sein Verständnis einer konkreten Ethik in Verbindung.

Willkommen in Berlin! Christine Hoffmann nimmt ihre Arbeit als Generalsekretärin auf und das Sekretariat am neuen Standort Berlin ist eröffnet.

„Der Frieden ist eine kleine Pflanze, die zu jeder Zeit bedroht ist. Aktuell erleben wir das Zusammenbrechen des Finanzmarktes mit noch nicht absehbaren Folgen für die Menschen. Es bedarf stets des Engagements für den Frieden. Wir freuen uns, dass wir Christine Hoffmann als neue Generalsekretärin von pax christi heute zum ersten Arbeitstag begrüßen können.“ Mit diesen Worten empfingen die Vizepräsidentin Veronika Hüning und der Vorsitzende des Geschäftsführenden Vorstandes und Vizepräsident Johannes Schnettler die neue Generalsekretärin Christine Hoffmann an ihrem Arbeitsplatz in Berlin.

Mit dem heutigen Tag setzt pax christi seine Friedensarbeit von Berlin aus fort. Im Bernhard-Lichtenberg-Haus in unmittelbarer Nähe zur Hedwigskathedrale hat pax christi die neuen Büroräume für das Sekretariat der deutschen Sektion bezogen.

Gemeinsam mit den beiden Vizepräsidenten und der Mitarbeiterin Angelika Feuser hießen Vertreter des Vermieters, der Nachbarn und der Berliner Bistumsstelle Christine Hoffmann herzlich willkommen und stießen auf eine gute Zusammenarbeit an. „Die aktuelle weltpolitische Lage zeigt, wie fragil die Sicherheiten sind, auf die wir täglich bauen. Da geht es darum, flexibel und doch mit Bedacht neue Lösungen zu entwickeln – ein Motto, das mir auch für den Aufbau unseres neuen Sekretariates als geeignet erscheint“, so die Generalsekretärin. Mit Frau Christine Hoffmann übernimmt erstmals in der 60 jährigen Geschichte der pax christi-Bewegung eine Frau das Amt der Generalsekretärin. Die 47jährige Germanistin M.A. mit den Fächern Publizistik und Soziologie war bislang Leiterin des Referats Jugendpolitik in Deutschland und Europa im Berliner Büro des Bundesvorstandes des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ).

Umzug des Sekretariates der deutschen Sektion nach Berlin

In eigener Sache:

Das Sekretariat ist im Umzug: nach fast 20 Jahren nehmen wir Abschied von Bad Vilbel und machen uns auf den Weg nach Berlin.
Neue Adresse ist dann:
Hedwigskirchgasse 3
D-10117 Berlin
Tel. 030-20076780


ein letzter Blick zurück.......

pax christi international - Friedenspreis für Bischof Dom Luiz Flávio Cappio : Verleihung am 18.Oktober 2008

Der diesjährige Friedenspreis von pax christi international wird am 18.10.08 in Sobradinho/Bahia, Brasilien, dem Bischof Dom Luiz Flávio Cappio OFM verliehen. Bischof  Dom Luiz ist wegen seiner gewaltlosen Protestaktionen gegen die Verlegung des San Francisco - Flusses bekannt geworden. Dieser drittgrösste Fluss Brasiliens im Staat Bahia soll zugunsten von Wasserkraftwerken und industrieller Produktion verlegt werden. Es wird befürchtet, daß dadurch viele Anwohner ihre Lebensgrundlage der Fischerei verlieren und Umweltschäden verursacht werden. Mit dem Preis wird auch die Gemeinschaft gewürdigt, die gewaltfrei gegen dies Projekt kämpft. Der Konflikt am Rio Sao Francisco steht für viele aktuelle Ressourcenkonflikte, besonders um Land und Wasser.

Der Pax Christi International Peace Award wird jährlich an eine Person oder Organisation verliehen, die die Ziele und Ideale von pax christi in besonderer Weise verkörpern. Die Entscheidung treffen das executive committee und die Kardinal-Alfrink-Stiftung, wodurch auch an B.Kard. Alfrink, einen der ersten internationalen Präsidenten, erinnert wird. Preisträger in den letzten Jahren waren das Women’s Active Museum on War and Peace in Tokyo, die Publizistin/en Ogarit Younan und Rami Khoury (Libanon/Palästina/Jordanien), der Präsident der EU-Kommission Jacques Delors, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Sergio Vieira de Mello u.a. Die Preisverleihung wird im Rahmen einer von der brasilianischen Kommision für die Landpastoral (CPT) ausgerichteten Veranstaltung "Wasser für Frieden" stattfinden, die Laudatio hält Laura Vargas (Lima, Peru), Mitglied des executive committee's von pax christi international. Pax christi ruft dazu auf, diesen 18. Oktober als einen Tag des Fastens und Gebetes für Gerechtigkeit zu begehen.

Die Parlamentswahlen 2008 in Ruanda -,Ein Beitrag zum Frieden in der Region der Großen Seen?

Zu diesem Thema trafen sich am 8.9.08 Mitglieder der pax christi - Kommission Solidarität mit Zentralafrika und des Ökumensichen Netzes Zentralafrika mit weiteren Experten und Medienvertretern in Berlin. Zu Hintergrund und Einschätzungen über die Lage in Ruanda nach den Wahlen s. den Bericht der Deutschen Welle. Weiteres auch auf dieser website unter Nord-Süd / Solidarität mit Zentralafrika / Afrika aktuell. 

Pax Christi kritisiert Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr

Interview mit Vizepräsident J.Schnettler zum Afghanistan-Konzept der Bundesregierung im DOM-Radio Köln

Der Vorsitzende der katholischen Friedensbewegung Pax Christi, Johannes Schnettler, hat den bisherigen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr scharf kritisiert. Im domradio-Interview sagt er: „Nun sind wir in einer Spirale der Gewalt, (…) und die muss gestoppt werden.“ Von Jahr zu Jahr würden die militärischen Einsätze erhöht, das Militär sei in einer Zivilgesellschaft aber immer ein Fremdkörper, der die Chance auf einen autonomen Wiederaufbau verbaue. Schnettler: „Wir plädieren dafür, dass wir eine klare Exit-Strategie formulieren, wo deutlich wird, dass wir den zivilen Aufbau fortsetzen, aber gleichzeitig auch dafür sorgen, dass wir die militärische Präsenz zurückfahren.“ Die Tatsache, dass inzwischen immer mehr Militär in Afghanistan gebraucht würde, zeige, dass hier etwas falsch laufe. Schnettler: „Wir müssen wieder dahin kommen, dass es um die zivile Aufbauhilfe geht (…). Ich denke insbesondere an die verstärkte Ausbildung und Stärkung der Polizeikräfte. Das Bundeskabinett will heute ein aktualisiertes Afghanistan-Konzept billigen. Es sieht vor, mehr Geld in zivile Maßnahmen zu investieren. Gleichzeitig soll die militärische Präsenz der Bundeswehr bestehen bleiben, um die Maßnahmen abzusichern.

Dem Frieden eine Chance, Nein zur Verlängerung der Mandate für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan!

Die Kooperation für den Frieden (in der pax christi Mitglied ist) ruft für den 20.9.08 zu einem bundesweiten Aktionstag auf.
In Berlin und Stuttgart sind Demonstrationen für einen Truppenabzug aus Afghanistan und gegen eine Verlängerung des ISAF-Einsatzes und gegen eine Vergrösserung des Bundeswehrkontigentes geplant.
Gerade unter dem Eindruck der jüngsten Zwischenfälle, bei denen Bundeswehrsoldaten und afghanische Zivilisten getötet wurden, will ein breites Bündnis aus Friedens-, Sozialen Bewegungen und Gewerkschaften gegen eine im September anstehende Mandatsverlängerung des Bundeswehrkontingents in Afghanistan protestieren. Vielmehr sollen nach Abzug der fremden Truppen die zivilen Kräfte für einen Wiederaufbau des Landes und seine demokratische und soziale Entwicklung gestärkt werden.

Informationen über die Positon der Kooperation für den Frieden und Aktionen und Demonstrationen am 20.9.08 hier:

Als deutscher Priester in Auschwitz/Oswiecim - pax christi Mitglied Dr. Manfred Deselaers erhält in Krakau das Bundesverdienstkreuz

Mit einem Festakt im Konsulat der deutschen Botschaft in Krakau hat Generalkonsul Dr. Thomas Gläser im Auftrag des Bundespräsidenten am 29.8.2008 Dr. Manfred Deselaers das Bundesverdienstkreuz erster Klasse überreicht. Mit der Auszeichnung würdigt der Bundespräsident die Verdienste von Manfred Deselaers um die Erinnerungsarbeit zum Holocaust und der Förderung des deutsch-polnischen Verhältnisses.

Der Vizepräsident der deutschen Sektion von pax christi, Johannes Schnettler beschrieb Dr. Manfred Deselaers in seiner Laudatio als jemanden, dessen Leben und Handeln an diesem Ort vom Geist der pax christi-Bewegung geprägt ist. „Durch dein Mitwirken ist Auschwitz/Oswiecim zu einem Lernort des Friedens geworden“, so Schnettler in seiner Rede.

Dr. Manfred Deselaers, Priester des Bistums Aachen, lebt seit 18 Jahren in Polen und wirkt als Programmdirektor im Zentrum für Dialog und Gebet und als priesterlicher Mitarbeiter in der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt in Oswiecim.

peace poles - project : Friedenspfahl auch auf dem Borberg

Im Rahmen der Friedens-Wallfahrt auf den Borberg (b.Brilon/Sauerland), die von der Bistumsstelle Paderborn, dem Franz Stock - Kommitee und den örtlichen Gemeinden durchgeführt wird, wurde am 24.8.08 auch auf dem Borberg ein "Friedenspfahl" aufgestellt. Friedenspfähle / peace pole's sind ein weltweites Projekt zur Mahnung zum Gebet für den Frieden. Sie tragen in mehreren Sprachen die Botschaft:"Möge Frieden auf Erden sein". Weltweit gibt es inzwischen etwa 200 000 peace poles in 160 Ländern.

peace pole's : Friedenspfahl auf dem Borberg errichtet

Wallfahrt zum Borberg 2008

Im Rahmen der diesjährigen Friedenswallfahrt der Bistumstelle Paderborn am 24.8.08 auf den Borberg (Sauerland)  wurde dort ein "Friedenspfahl / peace pole" errichtet. Diese sog. Friedenspfähle tragen in mehreren Sprachen die Botschaft "Möge Frieden auf Erden sein" und mahnen zum Gebet für den Frieden. Es gibt inzwischen weltweit etwa 200.000 solcher Mahnzeichen in über 160 Ländern.

Die Friedenswallfahrt zum Borberg - auch in Erinnerung an den deutschen Priester Franz Stock und seinen Einsatz für die Versöhung zwischen Franzosen und Deutschen - findet in jedem Sommer zusammen mit dem Franz Stock-Komitee und örtlichen Kirchengemeinden statt.

Auf der Seite des Franz Stock - Komitees auch umfassende Berichte und Fotos !

Von Zypern nach Gaza - eine Seereise gegen die Blockade und für einen gerechten und dauerhaften Frieden !

- eine Erklärung von Jeff Halper

"Macht mit, helft uns, die Belagerung Gazas zu beenden, auch die gesamte Besetzung. Lasst uns, Israelis wie Palaestinenser, unseren politischen Führern erklären: wir verlangen einen gerechten und dauerhaften Frieden in diesem gequälten Heiligen Land. ", so Jeff Halper, der Direktor des israelischen Komitees gegen Hauszerstörung und pax christi - Partner. Er ist an Bord eines von zwei Schiffen, die in diesen Tagen von Zypern aus versuchen wollen, die Blockade von Gaza zu durchbrechen. Mit ihm an Bord sind ca. 20 internationale FriedensaktivistInnen, darunter eine britische Journalistin und Schwägerin von Tony Blair.

Die pax christi - Nahostkommission wünscht der Gruppe ein gutes Gelingen ihres Vorhabens.

Lesen Sie weshalb Jeff Halper, der einzige jüdische Israeli an Bord teilnimmt:

Nach dem Krieg ist vor dem Frieden - Der Kaukasus braucht eine konsequente Politik des Gewaltverzichts!

Nach dem Fünf-Tage-Krieg in Georgien droht eine neue, längst überwunden geglaubte Ost-West-Konfrontation. In dieser Situation hat der Geschäftsführende Vorstand der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi eine konsequente Politik des Gewaltverzichts, Anerkennung des Selbstsbestimmungsrechts wie auch der territorialen Integrität von Staaten und völkerrechtlicher Standards gefordert. pax christi befürchtet eine neue Ost-West-Konfrontation und fordert einen Friedensplan für den Kaukasus auf der Basis der OSZE - "Charta von Paris".

Kundgebung, Demonstration, Kampagne und Veranstaltungen am Atomwaffenlager Büchel am 30.August 2008

Am 30.8. und in den Tagen vorher finden am Gelände des Standortes Büchel, in dem noch atomare Waffen gelagert sind, eine Reihe von Informations- und Protestveranstaltungen statt.

Im Mittelpunkt steht die Demonstration am Gelände ab 10.00 h und die Kundgebungen ab 12.30 h und 15.00 h (auf der u.a. der ehem. pax christi - Generalsekretär Dr.Reinhard J. Voß sprechen wird).

Zu Anliegen, Zielen und Organisation verweisen wir auf die website der Kampagne (icon auf unserer homepage!). Dort finden sich auch alle aktuellen Hinweise zur Anreise, Busfahrten, Organisation ebenso wie der Aufruf, den die Dt. Sektion unterstützt und Hintergrundinformationen, weiteres und regionales auch auf der website der pax christi - Bistumstelle Trier und unter >Termine<.

Erklärung des Geschäftsführenden Vorstandes zum Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945

Vor 63 Jahren, am 6.8.1945, warfen die USA die erste atomare Bombe auf die japanische Stadt Hiroshima ab, am 9.8. folgte der zweite Abwurf auf die Stadt Nagasaki. Damit endete der Zweite Weltkrieg auch auf seinem pazifischen Kriegsschauplatz. Dieser erste Einsatz von Kernwaffen in der Geschichte der Menschen mit all seinen katastrophalen Folgen ist bis heute ein Wendepunkt in der Erfahrung von Kriegen. Die große Zahl der unmittelbaren Opfer – gerade unter der zivilen Bevölkerung – und das Schicksal der Opfer, die bis heute unter den Spätfolgen leiden, sind eine bleibende Mahnung und Warnung vor der Herstellung, der Weitergabe und dem Einsatz atomarer Waffen und von Massenvernichtungswaffen allgemein. In der japanischen Verfassung führte die Erfahrung zu einem Verbot von Atomwaffen und Angriffskriegen, dem allerdings derzeit die Aufweichung droht.

Die geschichtliche Erfahrung von Hiroshima und Nagasaki ist für uns der Anlass, an die immer noch bestehende Realität atomarer Waffensysteme zu erinnern und ihre Abschaffung zu fordern. Es kommt in der gegenwärtigen Situation darauf an, die Logik nuklearer Abschreckung zu überwinden und die Bemühungen um eine ernsthafte weltweite nukleare Abrüstung neu zu beginnen. Darin sind alle Staaten einzubeziehen, die bekanntermaßen über Nuklearwaffen verfügen. Auch jene Staaten, die neu den Aufbau eigener nuklearer Potentiale anstreben, müssen von dem Ziel eines weltweiten Atomwaffenverzichts überzeugt werden.

Aus der gegenwärtigen Situation ergeben sich für pax christi folgende Forderungen:

Wenn deutsche Außen- und Sicherheitspolitik glaubwürdige Friedenspolitik sein will, muss Deutschland darauf verzichten, sich an der Bereithaltung von atomaren Waffen zu beteiligen. Es muss die Nato-Verbündeten drängen, die noch vorhandenen Arsenale aus der Bundesrepublik zu entfernen. Eine Beendigung der nuklearen Teilhabe ist auch Voraussetzung für die atomare Abrüstung innerhalb der EU.

Im Rahmen der Nato sollte die deutsche Regierung für eine Änderung der bestehenden Nuklearstrategie mit dem Ziel einer allgemeinen nuklearen Abrüstung werben. So könnte zum 60-sten Gründungstag des transatlantischen Bündnisses eine neue, nicht-nukleare Perspektive eingeleitet werden. Geist und Logik atomarer Abschreckung, die maßgeblich am Anfang der Nato standen, sollten nunmehr endgültig überwunden werden.

International bietet die für 2010 geplante Überprüfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrages die Chance, einen entscheidenden Schritt zur weltweiten atomaren Abrüstung zu tun, der alle Atommächte einbezieht. Nur mit einer Vereinbarung über die Abschaffung aller Atomwaffen kann den Risiken einer unkontrollierten Weitergabe von Atomwaffen entgegengetreten werden. Im Interesse einer umfassenden menschlichen Sicherheit muss diese Abrüstung auch taktische und substrategische Atomwaffen sowie ihre Trägersysteme einschließen. Die sukzessive Schaffung atomwaffenfreier Zonen z.B. in Europa und im Nahen Osten kann ebenfalls einen wesentlichen Baustein zur Nonproliferationspolitik und Abrüstung darstellen. Die Abschaffung aller Atomwaffen vermindert nicht zuletzt das Risiko der terroristischen Nutzung nuklearen Materials.

Von der katholischen Kirche erwarten wir eine grundsätzliche und eindeutige Ächtung der Atomwaffen. In ihren friedensethischen Schriften haben die katholischen Bischöfe zwar die Anwendung von Massenvernichtungswaffen abgelehnt, aber in der atomaren Abschreckung einen Beitrag zur Kriegsverhütung gesehen und deshalb Atomwaffen trotz ihrer Risiken für „noch“ tolerierbar gehalten. Dieses „Noch“ wurde in der jüngsten Verlautbarung der Kommission Justitia et Pax kritisch überprüft, aber keineswegs überwunden. Spätestens jetzt hat jedoch die begrenzte Tolerierung atomarer Waffensysteme ihre Grundlage verloren – angesichts des erkennbar wachsenden Risikos der unkontrollierten Ausbreitung solcher Waffen und neuer Rüstungswettläufe. Aus der Sicht einer im Evangelium selbst begründeten vorrangigen Option für Gewaltfreiheit muss die Deutsche Bischofskonferenz jeder Drohung mit Massenvernichtungswaffen eine klare und endgültige Absage erteilen.

pax christi selbst unterstützt die Kampagne „Gemeinsam gegen Atomwaffen“ und setzt sich derzeit vorrangig für eine atomwaffenfreie Zone und eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen und Mittleren Osten ein.

Kundgebung und Gedenken am 6.Juli in Berlin und am 9.August in Burghausen/St.Radegund anlässlich der Verurteilung und Hinrichtung von Franz Jägerstätter.

Kundgebung am 6.8., Gedenktafel

Gedenken in Deutschland und Östereich

Am 6. Juli 1943 wurde der katholische Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter vom Reichkriegsgericht in Berlin zum Tode verurteilt und am 9.8.1943 hingerichtet. Von diesem Gericht wurden von 1939 bis 1943 etwa 1.400 Todesurteile vorwiegend wegen sog. Wehrkraftzersetzung und Kritik am II.Weltkrieg verhängt. Die pax christi - Bistumsstelle Berlin erinnerte 65 Jahre danach vor dem Gebäude in der Witzlebenstrasse (s. Foto) mit einer Kundgebung an die Verurteilung Jägerstätters und forderte die Möglichkeit einer angemessenen Nutzung des noch erhaltenen ehemaligen Gerichtssaales als Ort der Erinnerung. Der Historiker Dr. Hans Coppi, dessen Eltern ebenfalls dort zum Tode verurteilt wurden, stellte die Geschichte des Reichskriegsgerichts dar. Ebenfalls anwesend war eine Vertretung der österreichischen Botschaft (Jägerstätter stammte aus Linz). Der Kundgebung war ein festlicher Gottesdienst zu Ehren Franz Jägerstätters in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum und die Präsentation des preisgekrönten Features „Besser die Hände gefesselt als der Wille“ von Klaus Ihlau vorausgegangen. Die pax christi Bistumsstelle München und pax christi Oberösterreich werden am 9.August in St.Radegund und Burghausen an Jägerstätter erinnern, der kirchliche Gedenktag für Franz Jägerstätter ist seit seiner Seligsprechung der 21.Mai.

Neben Franz Jägerstätter sind nur wenige katholische Kriegsdienstverweigerer während des II.Weltkriegs namentlich bekannt, darunter Josef Ruf, Michael Lerpscher, P.Franz Reinisch.

pax christi engagiert in der Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt: Besuch der "team visits" des Ökumenischen Rates der Kirchen zur Vorbereitung der Friedenskonvokation 2011.

Eine Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) führt derzeit in 60 Ländern „team visits“ durch, um mit Kirchenleitungen und MultiplikatorInnen ins Gespräch zu kommen, die an der Überwindung von Gewalt arbeiten. Die Besuche sollen die Friedenskonvokation in 2011 vorbereiten. In Deutschland waren die acht Delegierten vom 27.6. bis 4.7.08 unterwegs – von Berlin bis Frankfurt, von Hannover bis Dresden – koordiniert von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Zu dem Team gehörte auch der Stellvertretende Generalsekretär des ÖRK, Mr Lemopoulos. Am 30. Juni kam die Delegation nach Köln. Sie wurde von der Deutschen Kommission Justitia et Pax begleitet, die auch pax christi zu einer Gesprächsrunde ins Maternushaus einlud, hier zum Thema: „Einsatz der Kirchen in Deutschland für weltweite Gerechtigkeit“. Vizepräsidentin Veronika Hüning nahm an dem Gespräch teil und stellte drei Herausforderungen für die Kirchen des Westens und Nordens vor: Dialog mit Vertretern wirtschaftlicher und politischer Macht, Hinweis auf die Opfer struktureller Gewalt und gelungene Beispiele für Veränderungen des eigenen Lebenstils. Gleich zu Anfang konnte sie sich über ein Lob freuen: Bischof Ackermann stellte heraus, dass keine katholische Organisation sich so stark an der Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt beteiligt habe wie pax christi. Die Delegierten verstehen sich als „Lebendige Briefe“, sie wollen dem Zeugnis der örtlichen Kirchen zuhören, Erfahrungen austauschen und die Verbundenheit untereinander stärken. So wurde über die Aktivitäten der verschiedenen Kirchen im Rahmen der Dekade, über die erlebten Schwierigkeiten und die aktuellen Herausforderungen berichtet. In den Mittelpunkt der Diskussion rückte die Frage des interreligiösen Dialogs in Deutschland, ebenso die je eigene Spiritualität und die Überwindung der Sprachlosigkeit der Gläubigen. Mehr zu den "team visits" und dem ökumenischen Rat der Kirchen hier:

pax christi international zu Dialog zwischen Tibet und China, für nuklare Abrüstung auf dem G8-Gipfel in Hokkaido/Japan, Verlehung des pax christi - Friedenspreises 2008 für Bischof Cappio (Brasilien)..

Das executive committee von pax christi international hat auf seiner Sitzung am 7.8.Juni in Antwerpen China zu einem ersthaften und ehrlichen Dialog mit dem Dalai Lama als Repräsentaten Tibets aufgerufen. In der Erklärung heisst es u.a., das Volk von Tibet habe das Recht auf eine eigenständige Entwicklung und Respektierung seiner Kultur und Traditionen. Gerade im Geist der olympischen Spiele habe China die Chance, grundlegende Menschenrechte umzusetzen und die Möglichkeiten für eine Lösung der Krise in Tibet wie auch eine bessere Zukunft Chinas nutzen.

In einer weiteren Stellungnahme fordert das executive committee die am G8-Gipfel im Juli in Hokkaido teilnehmenden Regierungen auf, die Regelungen des Atowaffensperrvertrages (non proliferation treaty, NPT) umzusetzen und führend die Abschaffung von Atomwaffen weltweit voranzutreiben. Gerade Nord-Korea und der Iran könnten nicht glaubwürdig gedrängt werden, ihre Nuklearprogramme aufzugeben, wenn andere Atommächte nicht bereit seien, auf Aufrechterhaltung oder Ausbau ihrer atomaren Fähigkeiten zu verzichten. Besonders der Tagungsort Japan erfordere wegen der schmerzlichen Erfahrungen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki eine hohe Sensibilität für diese Fragen. Allen Bestrebungen, den Artikel 9 der japanischen Verfassung, der daher Japan Kriegsführung und Nuklearwaffen verbiete, zu ändern, erteilt pax christi international eine Absage und fordert, dies Element der japanischen Verfassung als ein weltweites Zeichen für die gewaltlose Lösung von Konflikten beizubehalten.

Der pax christi - peace award (Friedenspreis) wird im Jahr 2008 an Dom Luiz Flávio Cappio, Bischof von Barra / Brasilien verliehen. Bischof Cappio hat sich nachdrücklich für die Landbevölkerung eingesetzt, die durch Umleitung des San-Francisco-Flusses aus ihrem Lebensraum verdrängt zu werden droht (vgl. dazu auch den Beitrag in der paxzeit 1/2008 von H.P.Vetten). Das executive committee begründet die Anerkennung von Dom Cappio insbesondere mit dessen persönlichen gewaltfreien Einsatz. Die Nominierung wird von über 30 Organisationen und Hilfswerken in Brasilien und dem Ausland unterstützt.

Alle Texte im Original auf der website von pax christi international: www.paxchristi.net (Sprachversionen beachten).

Internationaler Afghanistan-Kongress ruft zu Aktionen und Demonstration im Herbst und im nächsten Frühjahr auf

Mit einem Aufruf zu Demonstrationen, Mahnwachen, Informationsveranstaltungen und Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten, ist am Sonntag ein Internationaler Kongress der Friedensbewegung in Hannover zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt stand u.a ein Aufruf zu einer bundesweiten Demonstration nach Berlin und Stuttgartam 20. September auf. Im September wird die Entscheidung des Deutschen Bundestages über eine Verlängerung des ISAF-Mandates und damit des weiteren Einsatzes der Bundeswehr erwartet.

Die USA, Russland, China und Indien rüsten massiv auf. Rüstungskontrollvereinbarungen liegen auf Eis. Neue Waffensysteme sollen selbst im Weltall installiert werden. „Die neue Hochrüstung kann bedrohlicher werden als der Kalte Krieg“, betont das diesjährige Friedensgutachten. Strategien militärischer Stärke sind gescheitert. Sie tragen weder zur Lösung politischer Konflikte bei, noch beheben sie deren Ursachen. Europa verfügt bei der zivilen Konfliktregelung und der Stabilisierung von Krisenregionen über Erfahrungen und Kompetenzen, in denen die Friedensforscher realistische Alternativen zur Hochrüstung sehen.

Die fünf führenden Friedensforschungsinstitute Deutschlands warnen vor neuer Hochrüstung.

Von 2001 bis 2006 nahmen die inflationsbereinigten Militärausgaben um etwa 30 Prozent zu und liegen bei über einer Billion US-Dollar. Fast die Hälfte davon entfällt auf die USA. Großbritannien, Frankreich, China und Japan folgen auf den Spitzenplätzen. Doch weder die Weiterverbreitung von Atomwaffen noch der Klimawandel lassen sich militärisch aufhalten. Auch die Demokratisierung autoritärer Systeme kann nicht militärisch erzwungen werden. Im Gegenteil: militärische Übermacht ist kontraproduktiv, wie in Afghanistan, Irak und Nahost deutlich wird. Sie erzeugt vielmehr ein Sicherheitsdilemma: Wer nach militärischer Überlegenheit strebt, provoziert militärische Gegenmaßnahmen und damit wachsende Bedrohung statt Sicherheit.

„Wer immer Bush im Weißen Haus nachfolgt, wird versuchen müssen, mit neuen Ideen und attraktiver Politik Partner zu gewinnen. Die Europäer sollten diese Chance durch eigene Initiativen nutzen. Die Bundesregierung sollte alles tun, um die künftige amerikanische Regierung für eine Rückkehr zur nuklearen Rüstungskontrolle zu gewinnen“, rät das Friedensgutachten.


Für europäische Abrüstungsinitiativen

„Es ist höchste Zeit, der Renaissance nationalstaatlicher Machtprojektion und Hochrüstung entgegenzutreten. Die EU kann dabei eine Schrittmacherfunktion übernehmen“, unterstreicht Andreas Heinemann-Grüder, federführender Herausgeber des Friedensgutachtens 2008: „Wir plädieren dafür, auch auf dem Gebiet der Abrüstung das Avantgarde-Modell zu erproben, nach dem ein Kern europäischer Staaten die Initiative ergreifen kann, ohne zu warten, bis sich alle Mitglieder einig sind.“

Dies ist umso notwendiger, als Europa bei der Verhinderung der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen uneins ist. Während Großbritannien und Frankreich ihre Kernwaffen modernisieren, engagieren sich Schweden, Norwegen, Deutschland und andere für Abrüstung.

Konkret empfehlen die Friedensforscher der Bundesregierung und der EU:

AKSE-Vertrag ratifizieren: Der Angepasste Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa muss zügig ratifiziert und in Kraft gesetzt werden. Die NATO sollte nach der Suspendierung durch Russland das Inspektionsregime einseitig aufrechterhalten;

Auf Raketenschild verzichten: Bundesregierung und EU sollten sich dem US-Raketenschild in Osteuropa stärker widersetzen. Solche Abwehrwaffen destabilisieren die Abschreckungsbalance zwischen den Atommächten, verschärfen die amerikanisch- russischen Spannungen und ziehen die europäische Sicherheit in Mitleidenschaft;

Nuklearwaffen abrüsten: Die Existenz von Kernwaffen und ihre Weiterverbreitung ist eine der größten Bedrohungen. Nichtweiterverbreitung wird nur gelingen, wenn die Atommächte ihre Bestände drastisch verringern und auf die atomare Erstschlagsoption verzichten.

Wettrüsten im All verhindern: Die zivile Infrastruktur aller europäischen Staaten ist von Technologien im All abhängig. Einem Antisatellitenangriff wären sie schutzlos ausgeliefert. Nur ein vollständiges Verbot von Weltraumwaffen kann die Gefahr eindämmen;

Waffenhandel kontrollieren: Europa und insbesondere Deutschland sollten im Rahmen der UNO Vorreiter für einen Vertrag über den Waffenhandel sein, um besonders die illegale Verbreitung von kleinen und leichten Waffen einzudämmen;

Streubomben verbieten: Die Bundesrepublik sollte vollständig auf Produktion, Handel und Einsatz von Streumunition verzichten. Die jüngste Absichtserklärung zur Zerstörung der als „gefährlich“ definierten Bundeswehrbestände an Streumunition ist ein großer, gleichwohl nicht ausreichender Schritt;

Rüstungsexport an Verhaltenskodex binden: Aus dem EU- Kodex für Waffenexporte muss eine Verhaltensnorm werden, die alle Mitgliedstaaten bindet;

Atomwaffen aus Deutschland abziehen: Über den Abzug von Nuklearwaffen vom eigenen Territorium kann die Bundesregierung allein entscheiden. Sie sollte davon Gebrauch machen und so ein deutliches Zeichen gegen Atomwaffen setzen;


Klimawandel und neue Konfliktrisiken

„Klimaschutzpolitik bedeutet auch Konfliktprävention. Wenn vorausschauende ökologische, entwicklungs- und friedenspolitische Maßnahmen international aufeinander abgestimmt werden, ist effektive Konfliktvermeidung möglich“, schätzen die Friedensforscher ein. Empfehlungen wie die Zertifizierung des Biomasse-Anbaus, eine Regionalisierung der Energieversorgung und ein integriertes Wassermanagement liegen längst auf dem Tisch, ebenso konkrete Maßnahmen zur Einsparung und Effizienzsteigerung beim Energieverbrauch.

Das Friedensgutachten empfiehlt:

Deutschland muss für einen gerechten Lastenausgleich beim Klimawandel eintreten und entsprechende Verfahren zwischen entwickelten und unterentwickelten Staaten rasch implementieren;

Das „Klimarisiken-Schutzprogramm“ der UNO muss weiter entwickelt und umgesetzt werden;

Die Bundesregierung ist aufgefordert, sich in der UNO für einen „Rat für Globale Entwicklung und Umwelt“ einzusetzen; „Hier kann und sollte die Bundesregierung eine noch aktivere Rolle spielen und sowohl treibende als auch gestaltende Kraft einer zügigen internationalen Klimaschutzpolitik werden“, sind die Friedensforscher überzeugt.



Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Jahrbuch von fünf wissenschaftlichen Instituten für Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland. Es wird im Auftrag des Bonn International Center for Conversion (BICC), der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) und des Instituts für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen (INEF) herausgegeben von Andreas Heinemann-Grüder (Gesamtredaktion 2008), Jochen Hippler, Reinhard Mutz, Bruno Schoch und Markus Weingardt. Das Friedensgutachten 2008 wurde gefördert durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung.

Die USA, Russland, China und Indien rüsten massiv auf. Rüstungskontrollvereinbarungen liegen auf Eis. Neue Waffensysteme sollen selbst im Weltall installiert werden. „Die neue Hochrüstung kann bedrohlicher werden als der Kalte Krieg“, betont das diesjährige Friedensgutachten. Strategien militärischer Stärke sind gescheitert. Sie tragen weder zur Lösung politischer Konflikte bei, noch beheben sie deren Ursachen. Europa verfügt bei der zivilen Konfliktregelung und der Stabilisierung von Krisenregionen über Erfahrungen und Kompetenzen, in denen die Friedensforscher realistische Alternativen zur Hochrüstung sehen.

Die fünf führenden Friedensforschungsinstitute Deutschlands warnen vor neuer Hochrüstung.

Von 2001 bis 2006 nahmen die inflationsbereinigten Militärausgaben um etwa 30 Prozent zu und liegen bei über einer Billion US-Dollar. Fast die Hälfte davon entfällt auf die USA. Großbritannien, Frankreich, China und Japan folgen auf den Spitzenplätzen. Doch weder die Weiterverbreitung von Atomwaffen noch der Klimawandel lassen sich militärisch aufhalten. Auch die Demokratisierung autoritärer Systeme kann nicht militärisch erzwungen werden. Im Gegenteil: militärische Übermacht ist kontraproduktiv, wie in Afghanistan, Irak und Nahost deutlich wird. Sie erzeugt vielmehr ein Sicherheitsdilemma: Wer nach militärischer Überlegenheit strebt, provoziert militärische Gegenmaßnahmen und damit wachsende Bedrohung statt Sicherheit.

„Wer immer Bush im Weißen Haus nachfolgt, wird versuchen müssen, mit neuen Ideen und attraktiver Politik Partner zu gewinnen. Die Europäer sollten diese Chance durch eigene Initiativen nutzen. Die Bundesregierung sollte alles tun, um die künftige amerikanische Regierung für eine Rückkehr zur nuklearen Rüstungskontrolle zu gewinnen“, rät das Friedensgutachten.


Für europäische Abrüstungsinitiativen

„Es ist höchste Zeit, der Renaissance nationalstaatlicher Machtprojektion und Hochrüstung entgegenzutreten. Die EU kann dabei eine Schrittmacherfunktion übernehmen“, unterstreicht Andreas Heinemann-Grüder, federführender Herausgeber des Friedensgutachtens 2008: „Wir plädieren dafür, auch auf dem Gebiet der Abrüstung das Avantgarde-Modell zu erproben, nach dem ein Kern europäischer Staaten die Initiative ergreifen kann, ohne zu warten, bis sich alle Mitglieder einig sind.“

Dies ist umso notwendiger, als Europa bei der Verhinderung der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen uneins ist. Während Großbritannien und Frankreich ihre Kernwaffen modernisieren, engagieren sich Schweden, Norwegen, Deutschland und andere für Abrüstung.

Konkret empfehlen die Friedensforscher der Bundesregierung und der EU:

AKSE-Vertrag ratifizieren: Der Angepasste Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa muss zügig ratifiziert und in Kraft gesetzt werden. Die NATO sollte nach der Suspendierung durch Russland das Inspektionsregime einseitig aufrechterhalten.&#61472;

Auf Raketenschild verzichten: Bundesregierung und EU sollten sich dem US-Raketenschild in Osteuropa stärker widersetzen. Solche Abwehrwaffen destabilisieren die Abschreckungsbalance zwischen den Atommächten, verschärfen die amerikanisch- russischen Spannungen und ziehen die europäische Sicherheit in Mitleidenschaft.&#61472;

Nuklearwaffen abrüsten: Die Existenz von Kernwaffen und ihre Weiterverbreitung ist eine der größten Bedrohungen. Nichtweiterverbreitung wird nur gelingen, wenn die Atommächte ihre Bestände drastisch verringern und auf die atomare Erstschlagsoption verzichten.

Wettrüsten im All verhindern: Die zivile Infrastruktur aller europäischen Staaten ist von Technologien im All abhängig. Einem Antisatellitenangriff wären sie schutzlos ausgeliefert. Nur ein vollständiges Verbot von Weltraumwaffen kann die Gefahr eindämmen.&#61472;

Waffenhandel kontrollieren: Europa und insbesondere Deutschland sollten im Rahmen der UNO Vorreiter für einen Vertrag über den Waffenhandel sein, um besonders die illegale Verbreitung von kleinen und leichten Waffen einzudämmen.&#61472; Streubomben verbieten: Die Bundesrepublik sollte vollständig auf Produktion, Handel und Einsatz von Streumunition verzichten. Die jüngste Absichtserklärung zur Zerstörung der als „gefährlich“ definierten Bundeswehrbestände an Streumunition ist ein großer, gleichwohl nicht ausreichender Schritt.&#61472; Rüstungsexport an Verhaltenskodex binden: Aus dem EU- Kodex für Waffenexporte muss eine Verhaltensnorm werden, die alle Mitgliedstaaten bindet.&#61472;

Atomwaffen aus Deutschland abziehen: Über den Abzug von Nuklearwaffen vom eigenen Territorium kann die Bundesregierung allein entscheiden. Sie sollte davon Gebrauch machen und so ein deutliches Zeichen gegen Atomwaffen setzen.&#61472;


Klimawandel und neue Konfliktrisiken

„Klimaschutzpolitik bedeutet auch Konfliktprävention. Wenn vorausschauende ökologische, entwicklungs- und friedenspolitische Maßnahmen international aufeinander abgestimmt werden, ist effektive Konfliktvermeidung möglich“, schätzen die Friedensforscher ein. Empfehlungen wie die Zertifizierung des Biomasse-Anbaus, eine Regionalisierung der Energieversorgung und ein integriertes Wassermanagement liegen längst auf dem Tisch, ebenso konkrete Maßnahmen zur Einsparung und Effizienzsteigerung beim Energieverbrauch.

Das Friedensgutachten empfiehlt:

Deutschland muss für einen gerechten Lastenausgleich beim Klimawandel eintreten und entsprechende Verfahren zwischen entwickelten und unterentwickelten Staaten rasch implementieren.&#61472;

Das „Klimarisiken-Schutzprogramm“ der UNO muss weiter entwickelt und umgesetzt werden.&#61472;

Die Bundesregierung ist aufgefordert, sich in der UNO für einen „Rat für Globale Entwicklung und Umwelt“ einzusetzen.&#61472; „Hier kann und sollte die Bundesregierung eine noch aktivere Rolle spielen und sowohl treibende als auch gestaltende Kraft einer zügigen internationalen Klimaschutzpolitik werden“, sind die Friedensforscher überzeugt.



Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Jahrbuch von fünf wissenschaftlichen Instituten für Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland. Es wird im Auftrag des Bonn International Center for Conversion (BICC), der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) und des Instituts für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen (INEF) herausgegeben von Andreas Heinemann-Grüder (Gesamtredaktion 2008), Jochen Hippler, Reinhard Mutz, Bruno Schoch und Markus Weingardt. Das Friedensgutachten 2008 wurde gefördert durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung.

(Pressemeldung des BICC vom 3.6.2008)


Zu einer Allgemeinen Versammlung der Sektionen und zu einer regionalen Beratung des "Nordens", d.h. Europa / Nordamerika kommen etwa 50 Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsorganisationen und Sektionen von pax christi in diesen Tagen in Antwerpen zusammen.

Themen der Versammlung sind interreligiöser/interkultureller Dialog, Abrüstung, wachsende Konflikte um natürliche Ressourcen und die Aktivitäten der Jüngeren in pax christ international (Youthforum).

Die "allgemeine Versammlung" findet jährlich statt und ist das gemeinsame Entscheidungsorgan der Sektionen vor allem in Haushalts- und Strukturfragen der internationalen Bewegung, Gegenstand der "northern consultation" ist vor allem der gegenseitige Informations- und Meinungsaustausch. Im Mittelpunkt der Beratung stehen in diesem Jahr Fragen des interreligiösen und interkulturellen Dialogs, Abrüstung und Rüstungswirtschaft, konfliktverschärfende Wirkungen von Klimawandel und Übernutzung natürlicher Ressourcen sowie Friedensarbeit der Jugendlichen (pci-Youthforum). Berichte aus den Regionen Nahost, Asien/Pazifik und Afrika sowie die Sitzung des internationalen executive committees schliessen die Konferenz ab. An den Sitzungen werden aus der deutschen Sektion Veronika Hüning (Vizepräsidentin), Reinhard Voß (Generalsekretär), Odilo Metzler (Präsidium), Michael Rösch (Jugendforum) und Georg Hörnschemeyer (GV und Mitglied des ex.comm von pci) teilnehmen.

Die Leiterin des Referats Jugendpolitik in Deutschland und Europa im Berliner Büro des Bundesvorstandes des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Frau Christine Hoffmann, wird Nachfolgerin des aus dem Amt scheidenden Generalsekretärs Dr. Reinhard J. Voß. Mit Frau Christine Hoffmann übernimmt erstmals in der 60 jährigen Geschichte der pax christi-Bewegung eine Frau das Amt der Generalsekretärin. (Im Bild im Gespräch mit pax christi-Präsident Bischof Algermissen und Vizepräsident Johannes Schnettler (l.) beim Katholikentag in Osnabrück, in Anwesenheit ihres Vorgängers Dr. Reinhard J. Voß und des Vorstandsmitglieds Georg Hörnschemeyer; r.)

Die 47jährige Germanistin M.A. mit den Fächern Publizistik und Soziologie wird zum 1. Oktober 2008 die Arbeit als Generalsekretärin am neuen Standort des Sekretariates der deutschen Sektion von pax christi in Berlin aufnehmen.

Frau Hoffmann verfügt über analytische Kompetenz, sie besitzt die Fähigkeit, politische Netzwerkarbeit von Nichtregierungsorganisationen aktiv zu gestalten und ist erfahren im Dialog mit den politischen Akteuren in Berlin und Brüssel.

Am 29. Mai 2008 veranstaltete die deutsche Kommission Justitia et Pax einen Studien- und Dialog-Tag mit Vertretern von Kirchen, Gesellschaft und politischen Parteien in der Katholischen Akademie Berlin und stellte ihre auf Anregung von pax christi erarbeitetet Stellungnahme „Die wachsende Bedeutung nuklearer Rüstung“ vor. Dabei stellte Dr. Pausch von der EKD deutlich den Gleichklang der friedensethischen Kritik beider großen Kirchen am Konzept der atomaren Abschreckung heraus.

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax drängt die Politik zu neuem Elan

Die Abrüstungspolitiker dreier Bundestagsparteien - Ruprecht Polenz (CDU/CSU), Dr. Rolf Mützenich (SPD) und Winfried Nachtwei (Bündnis 90/ Die Grünen) stellten ihre grundsätzliche Überstimmung mit den Forderungen der Kirchen heraus und betonten die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Fragestellung sowie des unterstützenden Drucks seitens der Kirchen. Sie wurden in der abschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung der Geschäftsführerin von Justitia et Pax, Gertrud Casel, mit den Aussagen der Kirchen konfrontiert durch Dr. Eberhard Pausch, EKD, und Prof. Dr. Thomas Hoppe, Justitia et Pax.

Für pax christi nahm Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß – Mitglied der Autoren-Arbeitsgruppe „Gerechter Friede“ von Justitia et Pax - an der Tagung teil.

Bischof Heinz Josef Algermissen hatte zum Hisroshima-Gedenktag Anfang August 2007 deutlich gemacht: „Der gerade erfolgte Abzug von 130 US-Atomwaffen aus Ramstein ist zu begrüßen, dem die verbliebenen 20 Atomwaffen im rheinland-pfälzischen Büchel bald folgen sollten. Damit dieser Abzug aber nicht nur taktischen Charakter hat, muss die sog. „atomare Teilhabe“ der Bundesrepublik nunmehr ebenfalls bald beendet werden. Damit könnte Deutschland der Welt ein glaubhaftes Zeichen geben, sich nicht länger auf den „Schutz“ dieser Waffen zu verlassen.“


Nähere Informationen zur Studie von Justitia et Pax sind unter der Kurzmeldung vom 4. März 2008 auf dieser Website zu finden.

Dass der Wunsch für eine Welt ohne Atomwaffen durch alle Schichten und Parteien geht machte pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß am Mittwoch, dem 28.Mai 2008 im Kanzleramt deutlich. Zusammen mit Vertretern verschiedener anderer Friedensgruppen und –organisationen (wie AGDF, IPPNW, Mutlangen) forderte er den Abzug der letzten Atomwaffen aus Deutschland und die Beendigung der „atomaren Teilhabe“ Deutschlands. Anschließend führten die Friedensbewegten ein Hintergrundgespräch mit den Referenten für Sicherheits- und Abrüstungspolitik der Bundeskanzlerin und übergaben ihnen 10.000 Unterschriften.

Friedensorganisationen übergeben Unterschriften und Arbeitsdokumente im Kanzleramt

In der Eifel auf dem Fliegerhorst Büchel lagern noch immer 20 US-Atombomben, die im Ernstfall von Bundeswehrpiloten ins Ziel geflogen werden sollen. Diese nukleare Teilhabe kritisieren die Friedensbewegten. Sie soll umgehend - als Schritt in eine atomwaffenfreie Welt - beendet werden.

Gegen Atomwaffen in deutschem Fliegerhorst

Die Friedensbewegten kritisieren, dass im Koalitionsvertrag die Abschaffung der Atomwaffen als Ziel vereinbart wurde, dass aber im Weißbuch der Bundeswehr an der Fortsetzung der nuklearen Teilhabe festgehalten wird. Sie fordern das die Bundesregierung 2010 bei der Überprüfung des nuklearen Nichtverbreitungsvertrages verkünden kann: „Deutschland ist atomwaffenfrei.“

1.000 Kraniche aus Bretten (Baden-Württemberg)

OB Metzger (CDU) hat als aktives Mitglied von Mayors for Peace zusammen mit den Brettener Friedensgruppen die Initiative „Bretten aktiv für den Frieden“ ins Leben gerufen. In einer Friedenswoche mit verschiedenen Veranstaltungen sammelten im letzten Jahr Unterschriften für den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland.

Das Ziel von 1.111 – symbolisch für jede Gemeinde in Baden-Württemberg eine Unterschrift zu erhalten - wurde übertroffen. Frau Hess, Leiterin des Hauptamtes berichtete, dass 1151 zusammen kamen, das sind 4% der Brettener Bevölkerung. Sichtbar wurde die Beteiligung durch gefaltete Papierkraniche gemacht, das japanische Friedenssymbol, die aufgereiht eine Girlande von 50 Metern ergaben. OB Metzger erinnerte daran, dass nukleare Abrüstung als Regierungsziel im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, „es geht deshalb nicht, dass diese Massenvernichtungswaffen weiter in Büchel lagern.“

Unterstützung aus dem Bundestag

Die Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Karlsruhe Land unterstützten den Oberbürgermeister und die Brettener Friedensbewegten in ihrem Anliegen. Axel Fischer, CDU, hatte den Termin im Kanzleramt organisiert, weil er den Dialog fördern möchte. In seiner Arbeit in der Kriegsgräberfürsorge würde ihm immer wieder deutlich; „Krieg ist das Schlimmste. Es gilt ihn zu verhindern. Verhandeln ist besser als Schießen.“ Auch von Jörg Tauss, dem forschungspolitischen Sprecher der SPD kommt Unterstützung: „Eine friedliche Entwicklung unserer Welt ist das wichtigste Zukunftsprojekt. Deshalb haben wir auch massiv die Friedensforschung gestärkt. Alle lokalen Initiativen, die an diesem Ziel mitwirken sind von größter Wichtigkeit.“

Kritik aus den Kirchen

Die nukleare Teilhabe gerät in den Kirchen immer mehr in die Kritik. Reinhard Voß, Generalsekretär von pax christi, berichtete das die Kommission „Justitia und Pax“ eine neue Studie hierzu vorgelegt hat und dazu am Tag nach dem Treffen im Kanzleramt in der Katholischen Akademie eine Tagung durchführt. Pfarrer i.R. Markus Braun, sammelte mit Unterstützung der Tübinger Friedensgruppen an der Stiftskirche über 2.000 Unterschriften für den Abzug der Atomwaffen. Er kritisierte dass ein sicherheitspolitisches Denken vorherrsche, wichtiger sei Friedenspolitik zu machen. Jan Gildemeister, Geschäftsführer Aktionsgemeinschaft Dienste für den Frieden überbrachte 7.000 Unterschriften, die in der ökumenischen Friedensdekade in verschiedenen Kirchengemeinden gesammelt wurden. Ingesamt wurden also 10.000 Unterschriften übergeben.

Abrüstungsforderungen vom ehemaligen Stationierungsort

Im Mutlanger Friedensmanifest wird an den INF-Vertrag erinnert, der Mutlangen atomwaffenfrei machte. In ihm fordern der Bürgermeister von Mutlangen, der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd und der Landrat mutige Abrüstungsschritte, allen voran den Abzug der letzen Atomwaffen aus Deutschland. Wolfgang Schlupp-Hauck, Vorsitzender der Friedenswerkstatt Mutlangen, überreichte das Mutlangen das Manifest.

Modellvertrag zur Abschaffung aller Atomwaffen

Der nukleare Nichtverbreitungsvertrag enthält eine Abrüstungsverpflichtung für die Nuklearwaffenstaaten. Doch wurde kein rechtlich verbindlicher Zeitrahmen festgelegt. Diesem Mangel will der Entwurf für eine Nuklearwaffenkonvention abhelfen. Er wurde von namhaften Nichtregierungsorganisationen entwickelt ist inzwischen als offizielles Arbeitspapier in den Überprüfungsprozess des nuklearen Nichtverbreitungsvertrages eingebracht.

Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin der IPPNW (Internationale Ärzte in sozialer Verantwortung und für die Verhütung eines Atomkrieges), übergab den Entwurf. Dem Abzug der Atomwaffen aua Deutschland sollen weitere Abrüstungsschritte folgen und zur Verabschiedung der Nuklearwaffenkonvention führen.

Fortsetzung des Dialogs vereinbart

Die Vertreter des Kanzleramtes versicherten den Friedensbewegten, dass ihr Anliegen sehr ernst genommen würde, dass sie der Kanzlerin über das Gespräch berichten würden und erklärten sich bereit den Dialog fortzusetzen. Die Tatsache, dass der Termin im Kanzleramt auf Initiative eines Oberbürgermeisters und Bundestagsabgeordneten der CDU sowie der Friedenswerkstatt Mutlangen zustande kam, ist ein Zeichen dafür, dass das Anliegen ernst genommen wird und gute Chancen für den geforderten Abrüstungsschritt bestehen. Hinzu kommt, dass selbst der republikanischen Präsidentschaftskandidaten McCain, Schritte der nuklearen Abrüstung angekündigt hat.

Größte Prostaktion am Atomwaffenstandort Büchel angekündigt

Um den Druck zum Handeln zu erhöhen und den Dialog in die Öffentlichkeit zu verlagern hat die Kampagne „unsere zukunft atomwaffenfrei“ die bisher größte Aktion am Atomwaffenstandort Büchel angekündigt. Vom 23.8. bis 1.9. findet dort ein Aktionscamp statt. Es schließt mit einer Umrundung des Fliegerhorstes ab. Am Samstag den 30.8. soll die 7. Umrundung mehreren Hundert Teilnehmern stattfinden. Barbara Rütting, Horst Eberhard Richter und Nina Hagen haben ihre Beteiligung schon zugesagt. Die ersten Busse sind bestellt. Die Kraniche aus Bretten werden dort auch wieder flattern.

Wenn etwa 1.400 Personen im Plenum fast 100 Minuten lang in gespannter Ruhe ausharren und nahezu niemand den Saal verlässt, und während dessen über 100 Fragezettel an den Anwalt des Publikums gehen, muss es schon eine packende Veranstaltung beim Katholikentag gewesen sein. Am Freitagmittag (23.Mai) im Europa-Saal der Statthalle Osnabrück standen als Kernfrage die Auslandseinsätze der Bundeswehr zur Debatte. Die deutsche Sektion von pax christi hatte zusammen mit Misereor und dem Institut für Theologie und Frieden eingeladen.

Sind wir in einem Prozess der „Militarisierung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik“?

Das Podium war gut und prominent besetzt, obwohl trotz langen Verhandlungen Außenminister Steinmeier und Verteidigungsminister Jung nicht bereit gewesen waren, zu kommen und auf die Titelfrage des Podiums zu antworten;: „Was wird für uns am Hindukusch verteidigt?“ pax christi Deutschland hält an der Abzugsforderung im Sinne eines konkreten Abzugsplans fest, da seit der Entsendung der Tornado-Aufklärungsflugzeuge die Trennung zwischen Aufbaumandat (ISAF) und dem Mandat zum „Krieg gegen den Terror“ (OEF) nicht mehr gegeben und gewollt ist.


Am Podium saßen Vertreter von vier Bundestagsparteien: für die CDU-CSU-Fraktion deren stellvertretender Vorsitzender Dr. Andreas Schockenhoff, für die SPD deren verteidigungspolitischer Sprecher Rainer Arnold, für die Grünen deren sicherheits- und abrüstungspolitischer Sprecher Winfried Nachtwei und für die Linke Prof. Norman Paech, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags. Die Veranstalter waren vertreten durch Dr. Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer von Misereor und Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven, Leiter des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg sowie Moderator Dr. Reinhard J. Voß, pax christi-Generalsekretär. Als Impulsgeber fungierten der Referent des Versöhnungsbundes (deutscher Zweig), Clemens Ronnefeldt und Brigadegeneral Josef Blotz, ISAF-Kommandeur 2007 in Afghanistan sowie der Anwalt des Publikums, Peter Schönhöffer (pax christi). Die etwa 100 Fragen des Publikums – so wurde spontan vereinbart - werden schriftlich festgehalten und den anwesenden Politikern zugesandt.


Die Kernthesen

Reinhard Voß verwies eingangs auf die „Entwicklung in Afghanistan zwischen Aufbauhilfe und Kriegsführung“, die in Deutschland immer mehr Zweifel wachsen ließen am Sinn dieses Einsatzes. Er stellte kurz die Tendenz von den „humanitären Einsätzen“ unter Rot-Grün zur Verteidigung eigener „Interessen“ (Weißbuch 2006) dar und zitierte aus den „Standpunkten“ der Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik vom Februar 2008: „In der deutschen außenpolitischen Debatte wurde über Jahre der Eindruck erweckt, dass unsere Interessen vor allem humanitär-entwicklungspolitischer, aber kaum geostrategischer Natur sind.“

Daraufhin stellte Clemens Ronnefeldt in konzentrierter und provozierender Form die Entwicklung der letzten Jahre mit Zahlen, Fakten und Zitaten dar (s.u.).

Die Politiker reagierten:

Andreas Schockenhoff bekannte sich zur „Verteidigung der Werte“ und sieht keinen Gegensatz zwischen geostrategisch und humanitär in der westlichen Wertegemeinschaft.

Rainer Arnold betonte, dass Befürworter und Gegner des Bundeswehreinsatzes gute Gründe hätten und „niemand ohne Schuld“ (Zitat angelehnt an Erhard Eppler) da heraus komme. Deshalb müsse alles getan werden für den militärisch geschützten zivilen Aufbau des Landes.

Norman Paech beklagte die „Militarisierung seit den 90er Jahren“, die auf ökonomische Interessensicherung hinaus laufe und geostrategisch bedingt sei; man müsse die internationale Strukturkrise in den Blick nehmen und an den Ursachen arbeiten, um Terror zu minimieren.

Winfried Nachtwei unterschied zwischen legitimem Menschenrechtsschutz und geostrategischen Interessen, die als Partikular-Interessen politisch abzulehnen seien. „Militarisierung“ gelte es zu differenzieren: Militäreinsätze im Rahmen der UN seien nicht Militarisierung; der „Krieg gegen den Terror“ allerdings als Teil gefährlicher Militarisierung fragwürdig.

Brigadegeneral Josef Blotz erstaunte das Publikum mit der Beschreibung seiner Aufgaben vor Ort im ersten Halbjahr 2007: der weit überwiegende Teil seiner Arbeit seien Mediation, Vermittlung, Gespräche zur Konfliktregelung etc. gewesen. Die militärisch zurückhaltende Absicherung des Aufbauprozesses stellte er in den Vordergrund und betonte ebenfalls die Wichtigkeit des zivilen Staatsaufbaus.

Martin Bröckelmann-Simon – gerade aus Afghanistan kommend - betonte für Misereor, dass Entwicklung und Sicherheit zwei im Kern schwer vereinbare Kategorien und Strategien seien. Deshalb sei ein „Strategiewechsel“ dringend gefordert, um die „Ratlosigkeit“ und Gefahr des Scheiterns zu überwinden. Die Trennung der Entwicklungsanstrengungen vom Militäreinsatz sei nötig; Leitbild müsse die UN-Konzept der „Human Security“ werden.

Heinz-Gerhard Justenhoven forderte abschließend eine „Politisierung statt Militarisierung der Außenpolitik“ und beschwor eindrucksvoll die Herrschaft des Rechts im UN-Rahmen als historische Frucht Jahrhunderte langer Leidenserfahrungen.

In der Abschlussrunde der Politiker wies Nachtwei auf die Wichtigkeit und Dringlichkeit des Zivilaufbaus sowie neue Wege des Zivilen Friedensdienstes hin, Schockenhoff betonte den „ausgeweiteten Sicherheitsbegriff“ und die präventive Verteidigung westlicher und deutscher geostrategischer Interessen, Arnold verwies auf die Unumkehrbarkeit der solidarischen Aufbauhilfe für Afghanistan und Paech fragte, welche weiteren Länder demnächst a.




Der Impulsvortrag von Clemens Ronnefeldt:

Was wird für uns am Hindukusch verteidigt?

Deutsche Sicherheits- und Friedenspolitik auf dem Weg der Militarisierung?

Einführung zur Veranstaltung am Freitag, 23.5.2008, 11.00 Uhr, im Europa-Saal von Clemens Ronnefeldt, Internationaler Versöhnungsbund - Deutscher Zweig.

1. Zur Militarisierung der deutschen Sicherheits- und Friedenspolitik

Im Mai 2008 befanden sich nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr ca. 8000 SoldatInnen weltweit im Einsatz: Im Kosovo, in Bosnien-Herzegowina, in Georgien, in Afghanistan, in Usbekistan, im Libanon, am Horn von Afrika/Dschibuti, in Äthiopien Eritrea, im Sudan und in Sudan-Darfur. Zwischen 1992 und 2005 wurden ca. 8,78 Mrd. Euro für Auslandseinsätze aufgewandt, bei denen ca. 200.000 SoldatInnen im Einsatz waren. Bis Ende des Jahres 2007 wurden 69 SoldatInnen der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen getötet, davon 44 durch Fremdeinwirkung, mehr als 9000 wurden verwundet. Ein Schwerpunkt der deutschen Auslandsmissionen befindet sich im Mittleren Osten, wo Zweidrittel der Welterdölreserven lagern.

Am 26.11.1992 erließ der Bundesminister der Verteidigung die „Verteidigungspolitischen Richtlinien“, in denen es heißt: „... Dabei lässt sich die deutsche Politik von vitalen Sicherheitsinteressen leiten: ... Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt im Rahmen einer gerechten Weltwirtschaftsordung“.

Das „Weißbuch 2006“ greift diesen Gedanken erneut auf: „Deutschland, dessen wirtschaftlicher Wohlstand vom Zugang zu Rohstoffen, Waren und Ideen abhängt, hat ein elementares Interesse an einem friedlichen Wettbewerb der Gedanken, an einem offenen Welthandelssystem und freien Transportwegen“. (Quelle: Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): Weißbuch 2006 zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr, Berlin 2006, S. 19).

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, formulierte den Paradigmen-wechsel von der Verteidigung zum weltweiten Einsatz bei verschiedenen Gelegenheiten folgendermaßen: „Einsatz in der Verteidigung, aufgezwungen durch einen im Grunde bekannten Gegner, in vertrauter Umgebung, in großen geschlossenenVerbänden war lange unser konzeptioneller Dreh- und Angelpunkt. Nun ist es die souveräne aktive politische Entscheidung zum Einsatz militärischer Macht im Konzept weltweiter Sicherheitsvorsorge.“ (Quelle: Schneiderhan, Wolfgang: Einflüsse des neugewichteten Aufgabenspektrums auf die Führungskultur der Bundeswehr“, Abschlussrede auf der 41. Kommandeurtagung der Bundeswehr, Berlin, 11. März 2008).

„Wir benötigen eine zeitgemäße, vernetzte Sicherheitspolitik, deren Ziel es ist, Gefährdungen unserer Sicherheit bereits am Entstehungsort zu begegnen“. (Quelle: Schneiderhan, Wolfgang: Soldat im Zeitalter der Globalisierung, in: Europäische Sicherheit, 2/2007, S. 20.)

„Vor allem aber wird die Asymmetrie dadurch bestimmt, dass sich eine Seite an Recht, Gesetz und allgemeine Moralvorstellungen bindet und damit die Ausübung von Gewalt legalisiert und reglementiert, dies auf der anderen Seite aber unterbleibt.“ (Quelle: Schneiderhan, Wolfgang: Soldat im Zeitalter der Globalisierung, in: Europäische Sicherheit, 2/2007, S. 16).

Der in Afghanistan eingesetzte Fallschirmjäger Achim Wohlgethan berichtet in seinem Buch „Endstation Kabul. Als Deutscher Soldat in Afghanistan - Ein Insiderbericht“, Berlin 2008, wie er mehrfach mit Wissen seiner Vorgesetzten außerhalb der zulässigen Mandatsgebietes um Kabul eingesetzt wurde.

Der Generalinspekteur betont: „Unsere Soldaten verstehen die politischen und kulturellen Zusammenhänge vor Ort und begegnen den Menschen mit Respekt und Verständnis.“ (Quelle: Schneiderhan, Wolfgang: Soldat im Zeitalter der Globalisierung, in: Europäische Sicherheit, 2/2007, S. 20).

Diese Aussage steht in Widerspruch zu Presseberichten z.B. mit Fotos deutscher Soldaten in Afghanistan, die diese beim Hantieren mit Schädeln von toten Afghanen zeigen.

Der Fallschirmjäger Achim Wohlgetahn schreibt in seinem Buch: „Ich wurde nun Augenzeuge, wie ISAF-Soldaten sehr unkonventionell testeten, ob das Gelände an dieser Stelle vermint war - und zwar mit Äpfeln! Dazu winkten die Soldaten die vielen Kinder heran, die auf dem Schießplatz leere Messinghülsen sammelten, weil diese bares Geld wert waren. Dann griffen die Soldaten hinter sich in eine Kiste mit Äpfeln, hielten sie den Kindern vor die Nase und schmissen sie ins Gelände. Dann warteten sie ab, was passierte. Wenn die Kinder losliefen und es keinen Knall gab, wurde dieses Feld als geklärt und unvermint betrachtet“. (Quelle: Achim Wohlgethan, Endstation Kabul, Berlin, 2008, S. 78).

2. Zahlen und Fakten zum Afghanistankrieg

Die Kosten des Afghanistan-Krieges für die NATO-Staaten betrugen in den Jahren 2002 bis 2006 (Quelle: IMI-Analyse 2007/029 vom 17.8.2007, www.imi-online.de): :

ca. 82 Mrd. US-Dollar für Militär

ca. 7 Mrd. US-Dollar für Entwicklungshilfe

ca. 433 Mio. US-Dollar für Gesundheit und Ernährung.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Afghane/in pro Jahr liegt bei ca. 355 US-Dollar.

Der Kostenvergleich Militär-/Zivil-Maßnahmen Deutschlands 2008 in Afghanistan liest sich so:

Militär-Ausgaben: ca. 530 Mio. Euro.

Zivil-Ausgaben : ca. 100 Mio. Euro.

In der Armuts-Statistik rutschte Afghanistan in den letzten Jahren weiter nach unten (Quelle: UN-Armutsindex Afghanistan):

Im Jahr 2004: Platz 173 (von 178 Ländern)

Im Jahr 2007: Platz 174 (von 178 Ländern)

Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 25.6.2007: „Karsai kritisiert Nato-Truppen scharf. Afghanistans Präsident: Militäreinsätze sind wahllos und ungenau / Verteidigungsminister Jung entging Attentat“.

Dem Militäreinsatz in Afghanistan fielen in folgenden Zeiträumen zahlreiche Tote zum Opfer (Quellen: Prof. Marc Herold, USA, AP, Spiegel Online 3.10.2007): :

Oktober-Dezember 2001: ca. 20 000 Menschen

Januar-Dezember 2006: 4019 Menschen

Januar-Oktober 2007: 5086 Menschen.

Im Jahre 2007 wurden unter den ausländischen SoldatInnen ca. 200 Tote gezählt.

In den Jahren 2005 zu 2006 ereignete sich eine große Zunahme der Gewalt in Afghanistan. Im Jahre 2005 gab es 27 Selbstmordattentate, 783 Straßenbomben und 1588 Direktangriffe, 2006 bereits 139 Selbstmordattentate, 1677 Straßenbomben und 1588 Direktangriffe. (Quelle: Bündnis 90/Die GRÜNEN (Hg.): „Mit diesem Krieg ist kein Frieden mehr zu machen. Erklärung und Positionspapier zu Afghanistan, Sommer 2007, S. 1).

Die Opium-Produktion in Afghanistan lag

im Jahre 2001 bei ca. 200 t

im Jahre 2006 bei ca. 6.200 t

im Jahre 2007 bei ca. 8.200 t

Dies entspricht ca. 93% der Weltproduktion an Schlafmohn und an Opium. (Quelle: UN-Anti-Drogenbehörde, in: www.focus.de/politik, 1.11.2007).

Bei Meinungsumfragen im Februar 2008 zu Afghanistan lehnten 86% der Deutschen Kampfeinsätze grundsätzlich ab, 13% waren dafür. 55% der Deutschen wollen den schnellstmöglichen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, 42% sind für den Verbleib. (Quelle: ARD-Deutschland-Trends für die Tagesthemen von Infratest dimap, 4./5. 2. 2008).

Deutschland setzt sich im Rahmen der Europäischen Union in Afghanistan für die Ausbildung von afghanischen Polizisten ein.

„Der geheimnisumwobene Einsatz der Bundeswehr-Elitetruppe `Kommando Spezialkräfte´ (KSK) in Afghanistan war rein politisch motiviert, schlecht vorbereitet und militärisch weitgehend überflüssig“, so lautet das Fazit des Verteidigungsausschusses des Bundestages. (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 23.4.2008).


Friedenspläne für Afghanistan

Der ehemalige ARD-Sonderkorrespondent Christoph R. Hörstel hat in seinem Buch „Sprengsatz Afghanistan. Die Bundeswehr in tödlicher Mission, München 2007, einen detaillierten 5-Jahres-Friedensplan vorgelegt.

Der ehemalige Entwicklungsbeauftragte des Bundesmnisteriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Afghanistan, Herbert Sahlmann, hat einen 20-Punkte-Friedens-Plan ausgearbeitet. (Quelle: Pax Christi Rundbrief 1/2008, S. 8).

Beide Friedenspläne könnten bei entsprechendem politischen Willen sofort begonnen werden. Die Friedensbewegung in Deutschland fordert in einer Petition an den Bundestag: „Dem Frieden eine Chance. Truppen raus aus Afghanistan“ und fordert in einem Aufruf die SoldatInnen der Panzerbrigade 21 in Augustdorf auf: „Verweigern Sie den Kriegseinsatz in Afghanistan“. (Quelle: Friedensforum 2/2008, Hg.: Netzwerk Friedenskooperative, Bonn, S. 3f).

Jürgen Rose, Oberstleutnant, verweigert derzeit den Afghanistan-Einsatzes, weil er diesen nicht im Einklang mit dem Grundgesetz und dem Völkerrecht sieht.

Christiane Ernst-Zettl, im Rang eines Hauptfeldwebel, weigerte sich als Sanitäterin, eine Waffe in Afghanistan zu tragen, weil dies nicht mit der Genfer Konvention vereinbar sei. Sie bekam dafür 800 Euro Geldbuße auferlegt, die Humanistische Union zeichnet sie mit dem „Aufrechter Gang“-Preis 2008 aus.

Florian Pfaff, Major, verweigerte die logistische Unterstützung des Irak-Krieges, wurde dafür degradiert, klagte dagegen erfolgreich und erhielt die Carl-von-Ossietzky-Medaille und den AMOS-Preis.

Florian Pfaff hat das lesenswerte Buch „Totschlag im Amt. Wie der Friede verraten wurde“ erschienen in Nördlingen 2008, verfasst.

„Wir verteidigen unsere Art zu leben - und das ist unser gutes Recht“, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder zur Rechtfertigung des Afghanistan-Krieges am 16.10.2001. (Quelle: Frankfurter Rundschau, 17.10.2001).

Solange 20 Prozent der Menschheit 80 Prozent der Rohstoffe verbrauchen und diese Art zu leben - auch in Deutschland - die Lebenschancen eines großen Teiles der Menschheit in anderen Kontinenten einschränkt und verhindert, ist dem Bundeskanzler zu widersprechen - besonders auch von den Kirchen.

Der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ hat eine Reihe von zukünftigen Konfliktherden benannt, die die Sicherheit von Menschen weltweit gefährden: Dazu zählen die Verschlechterung der Trinkwasserqualität, die Zunahme von Sturm- und Flutkatastrophen, der klimabedingte Rückgang der Nahrungsmittelproduktion und die umweltbedingte Migration von Millionen von Flüchtlingen. Diese Herausforderungen sind so gewaltig, dass sie eines großen menschlichen und finanziellen weltweiten zivilen Einsatzes bedürfen - mit dem Ziel des gemeinsamen Überlebens der Menschheit.

Mein Dank gilt Jürgen Rose für Zuarbeiten zu dieser Einführung, ebenso zahlreichen Soldaten, deren Erfahrungsberichte aus Afghanistan mir sehr wertvoll wurden.

Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes







Dieser Katholikentag von Osnabrück wird als ein fröhlich-sonniger, aber auch sehr diskussionsfreudiger und inspirierender in Erinnerung bleiben. pax christi war vielfach engagiert (s. vorige Kurzmeldung). Die zahlreichen Veranstaltungen und beide Stände im Eine Welt-Zentrum rund um die St. Johann-Kirche waren ebenso gut besucht wie der fast durchgehend geöffnete pax christi-Weinkeller der Regionalstelle Osnabrück-Hamburg direkt neben dem Dom.

pax christi bedankt sich bei allen, die ihre Veranstaltungen und Stände gestaltet und besucht haben.

Die Veranstaltung im Europa-Saal der Stadthalle "Was wird für uns am Hindukusch verteidigt?" war mit etwa 1.400 Teilnehmenden die am stärksten besuchte Veranstaltung, die pax christi verantwortete. Hierüber wird an dieser Stelle (u.a.) in Kürze mehr berichtet.

pax christi-Stand auf der Kirchenmeile: Johannisfreiheit, um die Kirche St. Johann (Eine-Welt-Zentrum) - Standnummer: E 503/501 – Treffpunkt von pax christi im Gewölbekeller/Bischöfliche Kanzlei (Weinstube), Hasestrasse 40 a: am Mittwoch 17 – 23 Uhr, Donnerstag bis Samstag 11 – 23 Uhr. Dort findet auch der Abend der Begegnung am 21. Mai 2008 ab 21 Uhr statt. Siehe auch die Kurzmeldungen und Hinweise der letzten Tage weiter unten!

Chronologische Kurzübersicht über die Tage vom 21. – 24.Mai 2008

Podium: Sicherheit und Gerechtigkeit - Kirchen engagieren sich für Lösungen im Israel-Palästina-Konflikt

Donnerstag, 22. Mai 2008, 16.00 – 17.30 Uhr (NEU! geänderte Uhrzeit!!) Johannisschule, Sporthalle, Süsterstr. 8-10


Gebet zur Nacht: Schweigen ist verboten -Sprechen ist unmöglich

Donnerstag, 22. Mai 2008, 22.30 – 23.00 Uhr / Kleine Kirche (Gymnasialkirche), Große Domsfreiheit (Kirche neben dem Dom)


Podium: Was wird für uns am Hindukusch verteidigt? Deutsche Sicherheits- und Friedenspolitik auf dem Weg der Militarisierung?

Freitag, 23. Mai 2008, 11.00 – 12.30 Uhr Ort: Stadthalle, OG, Europa-Saal, Schlosswall 1-9


Führung und Exkursion: "Orte und Wege der Erinnerung in der Region". Zwei Gedenkstätten und ein deutsch-niederländischer Skulpturenweg erinnern mit künstlerischen und historischen Mitteln an die Opfer und die Zeit des Nationalsozialismus in der Region Osnabrück.

Freitag, 23. Mai 2008, 13.00 h Gedenkstätte Gestapokeller, Schloss; Führung und Exkursion bis 17.00 h.


Vortrag und Gespräch: Erinnern für die Gegenwart - Der Einfluss des Nationalsozialismus auf Kirche und Glauben

Freitag, 23. Mai 2008, 15.00 – 16.30 Uhr Ort: Domschule, Innenhof, Zelt, Herrenteichswall 2 / Jugendzentrum


Der Gesprächskreis "Siebenmal siebzigmal - die Zumutung der Versöhnung" wird geleitet von den pax-christi-Mitgliedern Veronika Hüning (Vizepräsidentin) und Siglind Willms, Psychotherapeutin aus Münster.

Samstag, 24.5., von 11:30 bis 13 Uhr im Geistlichen Zentrum (Gymnasium Carolinum, Conrad-Bäumer-Weg).


Osnabrücker Friedensgebet

Das Osnabrücker Friedensgebet findet seit dem 2. Irakkrieg regelmäßig jeden Samstag statt. Samstag, 24. Mai 2008, 12.30 – 13.30 Uhr Ort: St. Marien, Markt


Podium mit pax christi-Präsident Bischof Algermissen: Gott wohnt zwischen den Fronten - Religiös motivierte Friedensarbeit

Samstag, 24. Mai 2008, 16.00 – 17.30 Uhr – organisiert vom Oekumenischen Dienst Schalomdiakonat – Ort: Verfügungszentrum Uni, UG, Hörsaal B01/B02, Kolpingstr. 7


Theateraktion des Jugendforums von Pax Christi Auf einer der Aktionsbühnen auf der Kirchenmeile/Ort noch offen


Beim Katholikentag wird das Nahost-Podium von pax christi "Sicherheit und Gerechtigkeit" am 22.5. von 14.00 Uhr auf 16.00 Uhr verschoben. Der Grund: Die Sicherheitsvorkehrungen für das Podium "Gerechter Frieden in Nahost" mit Kholoud Daibes, Rudolf Dressler, Patriarch Gregorius III. und Ilan Mor machen es notwendig, diese Veranstaltung auf 14.00 Uhr vorzuziehen. Damit verschiebt sich der Anfang des von EED, MISEREOR und PAX CHRISTI vorbereiteten Podiums auf 16.00 Uhr. Des Weiteren weist diese Kurzmeldung hin auf die Internationale Aktionswoche für den Frieden in Nahost.

pax christi-Podium beim Katholikentag am 22.Mai und kirchliche Aktionswoche für den Frieden im Nahen Osten vom 4.-10.Juni 2008

Details zu dem von EED, MISEREOR und PAX CHRISTI vorbereiteten Podium: Donnerstag, 22. Mai 2008, 16.00-17.30 Uhr (NEU):

Sicherheit und Gerechtigkeit - Kirchen engagieren sich für Lösungen im Israel-Palästina-Konflikt Ort: Johannisschule, Sporthalle, Süsterstr. 8-10, Eine-Welt-Zentrum (EWPO16)

Teilnehmende: Bischof Dr. Munib Younan, Evangelical Lutheran Church, Jerusalem - Prof. Dr. Anat Biletzki, langjährige Vorstandsvorsitzende, B’Tselem, Jerusalem - Raffoul Rofa, Rechtsanwalt, Society of St. Yves, Jerusalem, Wiltrud Rösch-Metzler, Journalistin, Pax Christi Nahostkommission, Stuttgart - Dr. Christina Pfestroff, Beraterin, Misereor/ Evangelischer Entwicklungsdienst, Bonn - Dr. Reinhard Voß, Bad Vilbel (Anwalt des Publikums) - Dr. Beate Gilles, Stuttgart (Moderation)



Der Ökumenische Rat der Kirchen und Pax Christi International rufen auf: KIRCHEN REAGIEREN AUF 60 JAHRE KONFLIKT IN ISRAEL UND PALÄSTINA MIT INTERNATIONALER AKTIONSWOCHE FÜR DEN FRIEDEN

Eine gemeinsame Botschaft und ein gemeinsames Gebet für Frieden in Palästina und Israel liegen in etwa 100 Ländern bereit. Zwei internationale ökumenische Organisationen sowie Kirchen in 17 Ländern planen Information und Fürspracheaktivitäten. Diese und andere Vorhaben und Veranstaltungen während der internationalen Aktionswoche, zu der der ÖRK vom 4.-10. Juni 2008 eingeladen hat, sollen daran erinnern, dass Palästina in diesem Jahr 60 Jahre geteilt und seit 41 Jahren besetzt ist.

"Kirchen auf fünf Kontinenten wollen gemeinsam ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck bringen, dass es seit 60 Jahren keinen Frieden mehr im Nahen Osten gibt", sagte ÖRK-Generalsekretär Pfarrer Dr. Samuel Kobia, als er die Aktionswoche ankündigte. "Es ist ermutigend zu sehen, dass sich die Kirchen so zahlreich öffentlich für den Frieden einsetzen. In der Botschaft für die Aktionswoche heißt es‚ Es ist Zeit für einen gerechten Frieden für Palästina und Israel".

Ereignisse im Rahmen der vom ÖRK initiierten Internationalen Aktionswoche für Frieden in Palästina und Israel 2008 sind zum Beispiel: Gespräche zwischen Kirchen und ihren Regierungen; Menschen bilden in Bethlehem eine Uhr, die die 60 Jahre "schlägt"; ein multireligiöser Friedensgottesdienst mit arabischer und jüdischer Musik in Oslo; philippinische Kinder, selbst Opfer von Gewalt, schreiben Briefe an Gleichaltrige in Palästina; eine britische Großstadtgemeinde baut einen Teil der Trennmauer in Originalgröße nach; Gemeinden in Sri Lanka beschäftigen sich mit dem Konflikt; und in den Niederlanden gibt es Konzerte eines palästinensisch-niederländischen Orchesters und Dokumentarfilme, die israelische Standpunkte widerspiegeln.

Das gemeinsame Gebet für die Woche, das die Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem herausgegeben haben, bittet Gott: "Sende uns politische Verantwortliche, die bereit sind, ihr Leben in den Dienst eines gerechten Friedens für ihre Völker zu stellen."

Die Botschaft der Aktionswoche ruft dazu auf, den beiden Konfliktparteien gleiche Rechte einzuräumen und Diskriminierung, Segregation und Einschränkung der Freizügigkeit zu beenden. "Es ist an der Zeit, das menschliche Leben zu achten in dem Land, das heilig genannt wird", heißt es in der Botschaft. "Es ist Zeit, mit der Doppelmoral aufzuräumen... es ist an der Zeit, dass Heilung in den verwundeten Seelen beginnt." Die Botschaft wurde von Beteiligten an der Aktionswoche ausgearbeitet.

Das Interesse an dieser ÖRK-Initiative ist in den drei Jahren ihres Bestehens ständig gewachsen. In diesem Jahr beteiligen sich erstmals Kirchen in Deutschland, Irland, Sri Lanka und Ungarn sowie World Vision International. Eine Missionsgesellschaft in Deutschland hat sich ebenfalls angeschlossen und 23 Partnerkirchen in zehn Ländern eingeladen, es ihr gleich zu tun. Wie in jedem Jahr hat Pax Christi International mitgeholfen, die Woche zu planen, und hat ihre 100 Mitgliedsorganisationen in aller Welt zur Teilnahme aufgerufen. Zu den vorgeschlagenen Aktivitäten gehören Gebete, Informationsarbeit, politische Fürsprache und öffentliche Bewusstseinsbildung auf der Grundlage langjähriger ökumenischer Grundsätze, die Frieden mit Gerechtigkeit fördern.

Zur Veröffentlichung vom ÖRK frei gegeben am 15. 05. 2008. Weitere Informationen: Juan Michel,+41 22 791 6153 +41 79 507 6363 media@wcc-coe.org

Die Förderung ziviler Konfliktbearbeitung im In- und Ausland statt einer weiteren Militarisierung der Außenpolitik ist einer der Akzente von pax christi beim bevorstehenden Katholikentag vom 21.-25.Mai 2008 in Osnabrück. Zusätzliche Aktualität gewinnt dies durch die derzeitigen Debatten darüber, wer in Deutschland künftig über militärische Auslandseinsätze zu entscheiden hat. Ein Podium am Freitag von 11.00 bis 12.30 Uhr zur Frage der Militarisierung und ein weiteres am Samstag von 16.00 bis 17.30 Uhr zu „Religiös motivierter Friedensarbeit“ stellen sich diesen Herausforderungen.

Aktueller Akzent von pax christi beim bevorstehenden Katholikentag

Das Bundesverfassungsgericht hat gerade die Kompetenz des Parlaments im AWACS-Urteil gestärkt. Die Pläne der CDU/CSU-Fraktion für einen nationalen Sicherheitsrat im Kanzleramt als „politisches Analyse-Koordinierungs- und Entscheidungszentrum“ rufen den Oppositions- und SPD-Protest hervor: der Vorwurf der „Amerikanisierung“ und „Militarisierung der Außenpolitik“ ist auch von führenden Sozialdemokraten zu hören. Völlig offen ist, ob der deutsche Parlamentsvorbehalt bei Militäreinsätzen im Ausland Bestand haben wird, wenn der Lissabon-Vertrag für Europa 2009 in Kraft treten sollte.

Das Podium am Freitag wurde von pax christi in Kooperation mit Misereor und dem Institut für Theologie und Frieden vorbereitet. Auf dem Podium wirken mit: Clemens Ronnefeldt (Versöhnungsbund) und Brigadegeneral Josef Blotz (ISAF-Kommandeur 2007), die Politiker Rainer Arnold (SPD), Dr. Andreas Schockenhoff (CDU), Winfried Nachtwei (Grüne), Prof. Norman Paech (Linke) sowie Dr. Martin Bröckelmann-Simon (Misereor) und Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven (ITF); moderiert wird die Runde von pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß; Anwalt des Publikums ist Peter Schönhöffer (pax christi).

Auf dem Podium am Samstag Nachmittag unter dem Titel „Gott wohnt zwischen den Fronten. Religiös motivierte Friedensarbeit“ wird pax christi-Präsident Bischof Heinz Josef Algermissen (Fulda) mitwirken. Es wurde nach ersten Vorabsprachen mit pax christi vorbereitet vom Oekumenischen Dienst Schalomdiakonat in Kooperation mit der Deutschen Stiftung Friedensforschung. ReferentInnen sind: Prof. Volker Rittberger (DSF), Michael Gleich (Friedensjournalist), Prof. Konrad Raiser (früherer Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen), Bischof Heinz Josef Algermissen (pax christi-Präsident), Prof. Andreas Hasenclever (Friedens- und Konfliktforscher, Tübingen), Karin Kortmann MdB (BMZ) und Ana-Marija Raffai (Oekumenischer Dienst, Sesvete, Kroatien). Die Moderation hat Carola Schede, Osnabrück.

(siehe auch die Kurzmeldung vom 6.3.2008)

Am 1. Mai feierte pax christi Freiburg das 60-Jahr-Jubiläum am historischen Bühler Friedenskreuz, das seit Jahrzehnten, errichtet von Deutschen und Franzosen, an der Grenze zu Frankreich nahe Straßburg zum Frieden mahnt. Vorher fand eine Podiumsdiskussion in Bühl zum Thema "Die Zukunft Europas und der Beitrag der Kirchen" statt. Ein Grußwort sprach Pfr. Paul Lansu von Pax Christi International in Brüssel. Domkapitular A. Möhrle verlas eine persönliche Botschaft von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch.

pax christi Freiburg beging das pax christi-Jubiläum mit dem Akzent "Europa"

An der Podiumsdiskussion nahmen neben Domkapitular Mörhle auch der Präsident der französischen Sektion Bischof Marc Stenger, Sylvia Dieter vom Ökumenischen Netz Württemberg und der Generalsekretär der deutschen Sektion Dr. Reinhard J. Voß teil. Die Einführung in das Thema Europa und die Kirchen hielt die langjährige Europa-Referentin und Oberkirchenrätin der EKD, Antje Heider-Rottwilm. Das Podium wurde moderiert vom Chefredakteur der Freiburger Kirchenzeitung "Konradsblatt", Dr. Klaus Nientiedt.

Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß gratulierte zum 50-Jahres-Jubiläum, das am heutigen Tag, aber in diesem Jahr noch vielfach gefeiert wird, im Auftrag des Präsidiums und im Namen der deutschen Sektion von pax christi mit herzlichen Glückwünschen und betonte: "Auch unser Büro wird ab 1. Oktober 2008 dem Euren näher sein; wir ziehen dann in Räume der Hedwigskirchengemeinde in Berlin."

Am 30.April vor 50 Jahren wurde ASF gegründet

In dem Glückwunsch-Schreiben vom 30.April 2008 heißt es weiter:

"Als ich vor wenigen Tagen dem Westdeutschen Rundfunk (WDR 5), der am 1. Mai eine Sendung zu unserer beider (50. und 60.) Jubiläen in diesem Jahr macht, ein Interview gab, fand ich mich im Manuskriptentwurf zusammen mit Dir, Christian, wieder. Sind wir auch selten zusammen aktiv – wie etwa in der Ökumenischen Friedensdekade in jedem November -, so habe ich doch immer die Gewissheit gehabt, dass pax christi und AS/F einen geschwisterlich anmutenden gemeinsamen Weg gehen, auch wenn wir recht unterschiedliche Akzente setzen, etwa im Nahen Osten.

Auch unsere Geschichte hat sich m.E. von der Sühne- und Versöhnungszeit der ersten Jahrzehnte, bei uns durch die Einladung aus Frankreich ein Jahrzehnt früher, über die Mitbeteiligung in der Friedensbewegung der 80er Jahre bis zum Aufbau von Zvilen Friedensdiensten in den letzten Jahren seit 1990 ähnlich und doch nicht gleich entwickelt. In Eurem Dachverband, der AGDF, haben wir immer einen verlässlichen und kompetenten ökumenischen Partner gehabt. Und wir werden noch viel zusammen zu tun bekommen, dessen bin ich sicher – gerade angesichts so mancher neuen Tendenzen der „Militarisierung unserer Außenpolitik“, wie wir es mittlerweile (etwa beim bevorstehenden Katholikentag) nennen.

Ich wünsche Euch, dass Ihr weiterhin ein sichtbares Zeichen eines gewandelten Deutschland bleibt!

In bleibender Freundschaft und Geschwisterlichkeit!

Dr. Reinhard J. Voß, Generalsekretär

Viele Bischöfe und religiöse Führer verschiedener Religionen haben ihre Stimme erhoben zur Ächtung von Streubomben, zum Schutz des Lebens und zur Förderung des Friedens, indem sie alle Regierungen auffordern, Produktion, Handel, Lagerung und Einsatz von Streubomben ("Cluster bombs“) zu beenden und zu verbieten. Benediktiner-Abt Odilo Lechner forderte am 19.4. bei pax christi München eine Vorreiterrolle der Bundesregierung bei dieser Ächtung.

Ein wichtiges Ergebnis des Aktionstages am 19. April

Unterzeichner des Appells sind mehrere Pax Christi-Bischöfe und auch der Internationale Pax Christi-Co-Präsident Erzbischof Laurent Monsengwo aus Kinshasa (DR Kongo) sowie die PCI-Generalsekretärin Claudette Werleigh. Der Appell wurde am 19. April in vielen Zeitungen weltweit veröffentlicht – einen Monat vor der entscheidenden Dublin-Konferenz.

Bei der 60-Jahr-Feier von pax christi München betonte der Festredner Benediktiner-Abt Odilo Lechner (OSB) am 19.4., dass es eine wichtige Aufgabe der christlichen Friedensbewegung sei, dafür einzutreten, dass die Bundesregierung eine Vorreiterrolle bei der Ächtung dieser Menschen verachtenden Waffen übernehmen müsse.

In einem Schreiben an die pax christi-Bewegung schlug Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß folgenden Brieftext an den deutschen Außenminister vor:

"Sehr geehrter Herr Außenminister,

als Mitglied / auf Anregung von pax christi Deutschland melde ich mich anlässlich des Internationalen Aktionstages gegen Streubomben am 19. April 2008 bei Ihnen mit der Bitte, dem österreichischen Beispiel zu folgen und ein völliges Verbot dieser heimtückischen Waffe zu beschließen.

Gleichzeitig bitte ich Sie, Ihr Engagement in dieser Sache zu verstärken, besonders im Hinblick auf die Folgekonferenz in Dublin (Dublin Diplomatic Conference) vom 19. bis 30. Mai dieses Jahres, und alles in Ihren Kräften Stehende zu tun, damit möglichst bald ein internationales Streubomben-Verbotsabkommen erreicht werden kann.

Hochachtungsvoll (…)“

Neues aus dem ZFD-Projekt auf den Philippinen

Aus dem Programm "Warriors for Peace" (Friedenskrieger) von Pax Christi Pilippias ist inzwischen eine eigene Organisation geworden.

Noel und Stella Fuentes, Geschwister und Aikidoinstruktoren aus Bacolod City, haben nach der erfolgreich verlaufenen einjaehrigen Pilotprojektphase mit Militaers, Polizei, Rebellen und der konfliktbetroffenen Bevölkerung eine Akademie gegründet, in der neben der gewaltfreien Kampfkunst Aikido auch Trainingsprogramme des Pax Christi Institute gelehrt werden.

Die Teilnehmenden, 10 junge Maenner und Frauen aus Konfliktgebieten in Negros und Mindanao, durchaufen eine zweijährige Ausbildung zu Aikidoinstruktoren, Friedensfachkräften und Entwicklungshelfern (Community Organizers). Neben Wissensvermittlung und Praktika steht insbesondere auch der intensive Austausch zwischen den Ethnien und Religionen der Teilnehmenden (Christen, Muslime und Lumad) auf dem Stundenplan.

Die klare Praxisorientierung der Ausbildung kommt den Dorfgemeinschaften schon nach nicht einmal 12 Monaten Training zugute: Die Auszubildenden übernehmen bereits jetzt Trainingsverantwortung bei regelmässigen Besuchen in den Konfliktgebieten.

Das Foto zeigt Training im Konfliktgebiet, geleitet von Schüler/innen der Akademie

Im pax christi-Brief heißt es: „Wir nehmen die für Ende April vorgesehene Abstimmung zur Ratifizierung des Vertrags von Lissabon durch den Bundestag zum Anlass, eindringlich auf die aus unserer Sicht kritischen Punkte hinzuweisen, die sich während unserer intensiven Beschäftigung mit dem Vertragsprozess seit 2004 herauskristallisiert haben. Wir möchten Sie mit unseren Einwänden bitten, die Entscheidung aufzuschieben (…)“ - Erst wenige Tage vor der Abstimmung des "Lissabonner Vertrages" im Bundestag ist der gesamte Text erstmals in einem Stück einsehbar, was Zweifel am undemokratischen Charakter des Verfahrens bestätigt.

Schreiben an alle Bundestagsabgeordneten von pax christi (Bistumsstelle Freiburg)

In dem pax christi-Brief an den Bundestag heißt es weiter:

Wir möchten Sie mit unseren Einwänden bitten, die Entscheidung aufzuschieben und erst dann über die Ratifizierung abzustimmen, wenn eine breite öffentliche Debatte im Dialog mit der Bevölkerung auf der Grundlage einer in jeder Amtssprache vorliegenden konsolidierten Fassung des gesamten Vertrags einschl. Protokolle und Erklärungen (als fortlaufender Text) geführt worden ist und die BürgerInnen darüber abstimmen konnten.

Entgegen den bisherigen öffentlichen Bekundungen wird die Umsetzung des EU-Vertrags von übergroßer Tragweite sein und Verfassungsänderungen in vielen Mitgliedstaaten nötig machen - auch in Deutschland war bereits ein entsprechender Gesetzentwurf Tagesordnungspunkt im Bundestag.

Der EU-Vertrag von Lissabon bekommt Verfassungsrang. Ein Großteil des 2005 abgelehnten EU-Verfassungsvertrags ist überdies in den Vertrag von Lissabon eingearbeitet worden. Mit dem Vertrag übertragen die Mitgliedstaaten die "Zuständigkeiten zur Verwirklichung ihrer gemeinsamen Interessen der Europäischen Union" (Art. 1, Art. 46a EUV). Die Vorrangigkeit europäischen Rechts über nationales Recht wird erneut festgeschrieben (in der Zusatzerklärung Nr. 17 EUV). Außerdem wird die Union den Status einer Rechtsperson erhalten und ihr ermöglicht, internationale Verträge abzuschließen.

Besonders die Außen- und Sicherheitspolitik wird demnächst im Ministerrat entschieden. Das Europäische Parlament soll zwar unterrichtet und gehört werden, wird aber im Unterschied zu den heutigen nationalen Parlamenten keine wirksame Kontrollfunktion haben. Zudem werden die demokratischen nationalen Organe in noch größerem Maß als bisher zu ausführenden Instanzen europäischer Gesetze, Richtlinien und Verordnungen herabgesetzt (siehe auch Anlage: Basisinformation, S.2).

Dem (in Art. 1, Art. 8a, Abs. 3 EUV) formulierten Grundsatz, dass Entscheidungen so offen und bürgernah wie möglich getroffen werden sollen, widerspricht die Unverständlichkeit des Vertrags vollkommen, da er kein zusammenhängender Text ist. Es wird selbst für Sie, die Abgeordneten, die über das Vertragswerk abstimmen sollen, schwer sein, sich in dem Labyrinth von Querverweisen zurechtzufinden und letzte Klarheit in widersprüchlichen Fragen zu gewinnen.

Nach Art. 1, Art. 6, Abs.1 EUV soll die Charta der Grundrechte gleichrangig mit den anderen Vertragsteilen sein. Doch die Ausgliederung der Charta und die Tatsache, dass Großbritannien und Polen in der Anerkennung ausscheren, begünstigt ein wo mögliches Sich-Berufen auf diese Praxis der beiden Staaten auch durch andere Mitgliedstaaten und beraubt die Charta so ihres faktischen Werts. Im Gegensatz hierzu bleibt bei der Ablehnung eines jedweden anderen Teils des EU-Vertrags dem betreffenden Staat am Ende nur der Austritt aus der EU.

In Bezug auf das zweifelhafte Unterordnen der Charta unter den Wirtschaftswettbewerb (Art. 52), das unvollständige Aufnehmen der wichtigen Artikel der Menschenrechtserklärung und die Einschränkungen im EUV verweisen wir auf die beigefügte Basisinformation zum Lissabonvertrag (S.2, S.3 letzter Absatz, S.4). Was wir nicht verstehen, ist, weshalb der EUGH für die Einhaltung und Auslegung der Menschenrechte zuständig sein soll und nicht der Internationale Menschenrechtsgerichtshof.

Vertragsinhalte wie die folgenden rufen den Widerspruch der Zivilgesellschaft hervor:

die Verpflichtung zur Aufrüstung (Art. 1, Art. 28a, Abs. 3,2 EUV) und deren Organisation und Kontrolle durch die europäische Verteidigungsagentur;

die Entscheidung über die Einleitung ziviler und militärischer Missionen durch den Rat sowie

die erstmalige Rede von strategischen Zielen, die der Europäische Rat festlegt (Art. 1, Art. 10b, Abs. 1);

die Unterwerfung der öffentlichen Dienste von allgemeinem und ökonomischem Interesse unter den freien Wettbewerb (Art. 2, Art. 81-89, Zusatzprotokoll Nr. 6 EUV), d. h. faktisch die Privatisierung der öffentlichen Dienste und Hoheitsrechte in Bereichen wie Gesundheit, Bildung, Sicherheit, Energie u. a. Deren Privatisierung wird aufgrund bereits schlechter Erfahrungen, z. B. in der Wasserwirtschaft, inzwischen wieder rückgängig gemacht. Im Bildungsbereich würde sie die Chancengleichheit noch weiter verhindern.

Diese Wegbereitung für Militärmissionen weltweit und für umfassende Privatisierungen läuft dem Geist eines friedfertigen und zivilen Europas zuwider.

Schließlich ermangelt der Vertrag auch weitestgehend der Möglichkeit partizipativer Politikformen, wie sie einer europäischen Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts würdig wären. Das eingeräumte Volksbegehren ist nur zur Umsetzung von Vertragsinhalten zulässig (Art. 1, Art. 8b, Abs. 4 EUV), die mehrheitliche Ablehnung eines europäischen Gesetzes ist nicht möglich.

Mit unseren Einwendungen möchten wir sie bitten, den Vertrag gründlich (quer)zu lesen und gemäß Art. 1, Art. 8a, Abs. 4 EUV "zur Herausbildung eines europäischen politischen Bewusstseins und zum Ausdruck des Willens der Bürgerinnen und Bürger ... beizutragen“, die eine öffentliche Diskussion und Mitentscheidungsmöglichkeit wollen.


Mit freundlichen Grüßen

Ökumenisches Netz Württemberg

und

pax christi-Bistumsstelle Freiburg

Anlage: Basisinformation von ÖNW und Attac-EU-AG Stuttgart

Dieser Brief wurde in den letzten Tagen an alle Mitglieder des Bundestags sowie an die Medien versandt.


Am Freitag, dem 18. April 2008, hat Papst Benedikt XVI. in seiner Rede vor den Vereinten Nationen die Förderung der Menschenrechte weltweit unterstützt und betont, dass deren Grundlage der Glaube an Gott als Schöpfer und an den Menschen als Ebenbild Gottes sei. Es sei "die wirksamste Strategie, um Ungleichheiten zwischen Ländern und sozialen Gruppen zu beseitigen und um die Sicherheit zu erhöhen". Die Rede war auch ein politisches Bekenntnis zum Multilaterialismus der UN und damit gegen die machtpolitischen Alleingänge der USA in den letzten Jahren.

Viel beachtete Rede vor den Vereinten Nationen

Auf der Homepage des Vatikana ist derzeit noch keine deutsche Fassung der UN-Ansprache eingestellt. Wir geben hier den Zugang zur englischen und französischen Fassung an.

Anlässlich des weltweiten Aktionstages gegen Streubomben am 19. April 2008 ruft Pax Christi International dazu auf, die Regierungen zu kontaktieren und sie aufzufordern, sich für den Abschluss eines internationalen Abkommens zum Verbot der Erzeugung und Verwendung von Streubomben tatkräftig einzusetzen.

Appell, an den Außenminister zu schreiben: Streumunition vollständig verbieten!

Streubomben sind besonders heimtückisch, weil sie bei Abwurf eine Vielzahl von kleinen Bomben freisetzen, die liegen bleiben und erst später explodieren können, etwa wenn Kinder sie finden und wegen ihrer Buntheit und Kleinheit für Spielzeug halten. In ihrer Wirkung kommen sie damit den Landminen gleich, für die es bereits ein internationales Verbot gibt.

Im Rahmen des so genannten Oslo-Prozesses zum Verbot von Streubomben hat sich Österreich bereits früh für ein diesbezügliches Abkommen eingesetzt, zuletzt bei einer diesbezüglichen Konferenz in Wien im Dezember 2007. Die nächste solche Konferenz wird im Mai oder Juni in Dublin tagen.

Schicken Sie bitte an Außenminister Dr. Frank Walter Steinmeier folgenden Musterbrief oder formulieren Sie selbst:

"Sehr geehrter Herr Außenminister,

als Mitglied / auf Anregung von pax christi Deutschland melde ich mich anlässlich des Internationalen Aktionstages gegen Streubomben am 19. April 2008 bei Ihnen mit der Bitte, dem österreichischen Beispiel zu folgen und ein völliges Verbot dieser heimtückischen Waffe zu beschließen.

Gleichzeitig bitte ich Sie, Ihr Engagement in dieser Sache zu verstärken, besonders im Hinblick auf die Folgekonferenz in Dublin (Dublin Diplomatic Conference) vom 19. bis 30. Mai dieses Jahres, und alles in Ihren Kräften Stehende zu tun, damit möglichst bald ein internationales Streubomben-Verbotsabkommen erreicht werden kann.

Hochachtungsvoll"

 Die von pax christi mitgetragene Kampagne www.landmine.de wird gemeinsam mit Human Rights Watch-Deutschland eine Veranstaltung am 19.4. zwischen 11:00 -12:00 in Berlin im RAMADA PLAZA Berlin City Centre Hotel & Suites, Prager Straße 12, 10779 Berlin veranstalten.

Geplanter Ablauf (Anzahl der Gäste max. 75):

  1.  Kurze Pressekonferenz (30 Minuten, mit Podium 3-4 Personen) 
  2. Vortrag eines Liedes mit der Sängerin Jocelyn B. Smith und 30-40 Berliner Kindern (5 Minuten)
  3. Präsentation von einigen Ausstellungstafeln der BT-Ausstellung 4) Präsentation eines Behälters mit 1 Million Unterschriften gegen Landminen und Streumunition

Angefragte GesprächspartnerInnen sind: Marianne Heuwagen, Direktorin Human Rights Watch Deutschland (Grundsätzliches Statement zum weltweiten Verbot von Streumunition in Anlehnung an HRW Presseerklärung) Anne Jung, medico international  Francois de Keersmaeker, Geschäftsführer Handicap International Deutschland (Vorstellung der Opferstudie Fatal Footprint mit 2 Beispielen: Libanon und Laos) Thomas Küchenmeister, Leiter Aktionsbündnis Landmine.de :

Die Rolle Deutschlands. Zivilgesellschaft, Politik, Bundeswehr und Industrie und sich daraus ergebene Forderungen in Anlehnung an das AL.de-Positionspapier. Im Anschluss wird die Sängerin Jocelyn B. Smith (www.jocelyn.de) zusammen mit Berliner Kindern ihren Kampagnesong „Higher Love“ vortragen der auch am Rande der Dubliner Konferenz aufgeführt werden soll.

Der Song wurde mit Berliner Kindern aufgenommen, es sollen später aber auch Kinder singen, die Opfer von Streumunition wurden. Dazu wird Jocelyn B. Smith einige betroffene Länder bereisen und auch Geld für Hilfseinrichtungen sammeln (www.higherlove.de).

Der Autor ist Mitglied im Direktorium des Zentralrates der Juden, gegen dessen unkritische Unterstützung der israelischen Gewaltpolitik er sich aus Anlass des Libanonkriegs 2006 in einem offenen Brief verwahrte. Problematische Ersatzidentitäten für Juden sieht er im Nationalismus und im bloßen Anti-Antisemitismus. Als Alternative stellt er die von ihm initiierte Aktion „Schalom 5767“ vor, mit der die Bundesregierung zum Umdenken in der Palästinafrage aufgefordert wurde.

Prof. Rolf Verlegers neues Buch erscheint in diesen Tagen.

Am 28. März 2008 informierte Prof. Rolf Verleger über sein neues Buch, das in diesen Tagen im Verlag PapyRossa erscheint mit den Worten:

„Sie erhalten dieses Schreiben, weil ich in Sachen Judentum und Israel mit Ihnen in Verbindung war, und/oder weil Sie per e-mail bei schalom5767 unterzeichnet haben. Ich möchte Sie auf mein Buch hinweisen. Dies ist bereits bestellbar und ab 16. April lieferbar, passend zum 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels am 8.Mai 2008.“


ISRAELS IRRWEG. EINE JÜDISCHE SICHT.

ISBN 978-3-89438-394-7. Preis 12,90 €.

Einleitung 7

Teil 1: Wisse, woher Du kommst … 9

Meine jüdische Heimat 10 - Israel und Ich 20 - Judentum und Jüdischer Staat – ein Rückblick in Vorgeschichte und Geschichte 24 - Der Auftrag der Nächstenliebe 33 - Die zionistische Bewegung 39 - Kurze Geschichte der Konflikte Israels mit seinen Nachbarstaaten 61 - Resümee 67

Teil 2: … und wisse wohin Du gehst … 71

Vorspann 72 - Ein Brief an das Zentralratsdirektorium 74 - Was heißt es heute, Jude zu sein? Nationalismus als Religionsersatz 79 - Was heißt es heute, Jude zu sein? Anti-Antisemitismus als Religionsersatz 87 - Überwindung der Sprachlosigkeit: Schalom 5767 94 - Resümee 103

Teil 3: … und vor wem Du zukünftig Rechenschaft ablegen musst 105

»Antisemitismus« – ein untaugliches Erklärungsmodell für Kritik an Israels Politik 106 - Der Vorwurf des »Antisemitismus« als Mittel zur Ausgrenzung unliebsamer Meinungen 118 - Diskussion ist möglich, aber unerwünscht 124 - Gefangen in der Zeitschleife 140 - Ist Frieden möglich? 153 - Nachwort 158

Zitierte Literatur 160

In seinem Brief an die Bundeskanzlerin fordert der Generalsekretär von pax christi unter Berufung auf einen entsprechenden Beschluss der letzten Delegiertenversammlung Kanzlerin und Bundeskabinett auf, "gerade auch anläßlich Ihrer bevorstehenden Lateinamerika-Reise: widmen Sie der Grundrechts-Position Indigener Völker, die der ILO-Konvention 169 zugrunde liegt, die Aufmerksamkeit, die sie verdient und setzen Sie die Ratifizierung wieder auf die Agenda des Kabinetts."

pax christi fordert Bundeskanzlerin Merkel zur Ratifizierung der UN-ILO-Konvention 169 auf.

In dem Brief heißt es:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
die Bundesregierung leistet wichtige Denkanstöße zum Thema „Klimawandel und Bewahrung der Schöpfung.“ Auch die auffällig prekäre Situation Indigener Völker muss in diesem Kontext gesehen werden. Seit Eroberung ihrer Lebensräume auf allen Kontinenten vor mehr als 500 Jahren ist heute die Verletzbarkeit dieser Menschen größer denn je.
So wird der Urbevölkerung, die meist in entlegene und daher wenig entwickelte Regionen abgedrängt wurde, sowohl von der Natur als auch der übrigen Mehrheitsgesellschaft ein permanenter Überlebenskampf abverlangt; der Klimawandel ist da eine zusätzliche Bedrohung. In Deutschland betrauern wir die beinahe täglichen Verluste von Artenvielfalt; sollten wir nicht auch die kulturellen Besonderheiten Indigener Völker sehen und diese schützen, ihre Rechte auf Sicherheit und Selbstbestimmung verteidigen, statt gleichgültig zuzuschauen, wie sie durch rigorose Wirtschaftsstrukturen in ihrer Existenz bedroht werden?
Deshalb bitte ich Sie im Namen von pax christi, gerade auch anläßlich Ihrer bevorstehenden Lateinamerika-Reise, widmen Sie der Grundrechts-Position Indigener Völker, die der ILO-Konvention 169 zugrunde liegt, die Aufmerksamkeit, die sie verdient und setzen Sie die Ratifizierung wieder auf die Agenda des Kabinetts.
Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, auch die Bundesrepublik Deutschland sollte sich in den Kreis derjenigen EU-Länder einreihen, die dieses - seit 1989 gültige - Rechtsinstrument ratifizieren.
Warum müssen humane Gesichtspunkte so oft hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen?

Papst Benedikt XVI. fordert von der internationalen Gemeinschaft einen „verstärkten Einsatz für Abrüstung”. Diesen Aufruf richtete der Papst an die Teilnehmer beim Seminar des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden im Vatikan. Das zweitägige Treffen beschäftigte sich mit „Entwaffnung, Entwicklung und Frieden. Perspektiven für eine vollständige Abrüstung”. Politikwissenschaftler, Theologen, Juristen und Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen beschäftigten sich dabei unter anderem mit wirtschaftlichen und juristischen Fragen wie dem internationalen Waffenhandel und der Überlagerung von ziviler und militärischer Wirtschaft. Die Deutsche Kommission Justita et Pax war durch Jörg Lüer (Berlin) vertreten.

Seminar des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden im Vatikan.

Jeder Mensch ist dazu berufen, „überall als Friedenstifter tätig zu sein”. Das schreibt Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft. Er betont dabei die so genannte „neue humanitäre Einstellung”, die die Menschen dazu führen sollte, einen wahrhaft nachhaltigen Frieden zu sichern. Dabei erläutert der Papst, dass es eine enge Verbindung gebe zwischen Abrüstung, Entwicklung und Frieden. In seiner Botschaft kritisiert er den Kauf von Waffen durch Länder, die „eigentlich mit diesen Geldern die Armut bekämpfen sollten”. Dies sei auch in der Charta der Vereinten Nationen festgeschrieben und müsse respektiert werden, so der Papst.

Von der gegenwärtigen internationalen Situation „könne man durchaus enttäuscht sein”, denn in den zwischenstaatlichen Beziehungen herrsche oft „Misstrauen und Isolation”. Der Papst schreibt wörtlich: „Ein totaler Krieg könnte von einer schrecklichen Prophezeiung zu einer tragischen Wirklichkeit werden.” Daher sei die Zeit gekommen, „den Lauf der Geschichte zu ändern, wieder Mut zu fassen und den Dialog aufzunehmen”. Damit soll auch die internationale Solidarität gefördert werden. Diese Punkte seien auch den Gründern der Vereinten Nationen ein Anliegen gewesen, so der Papst. (rv) Die Sache der Abrüstung geht in eine beunruhigende Richtung. Das sagt der Sekretär des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Bischof Gianpaolo Crepaldi, vor einem zweitägigen Kongress zum Thema Abrüstung und Entwicklung, der morgen im Vatikan beginnt.

„Einerseits orten wir positive Signale und Entwicklungen, etwa bei den Verhandlungen über Streubomben oder über Waffenhandel. Andererseits können wir nicht übersehen, dass die Kontrolle über alle Arten von Waffen blockiert scheint. Ich erwähne hier die Verhandlungen über konventionelle Waffen, über biologische und chemische Waffen sowie über Atomwaffen. Überdies muss ich sagen, es gibt auch beunruhigende Signale, die eine Militarisierung des Weltraums fürchten lassen.“ Der Kongress im Vatikan untersucht u.a. den Zusammenhang zwischen Abrüstung und Entwicklung, aber auch die Rolle, die Religionen bei der Abrüstung spielen. (rv)

Die Treffen des Papstes mit Präsident George W. Bush bei seiner bevorstehenden USA-Reise bedeuten laut Kurienkardinal Renato Martino keine Unterstützung für die US-amerikanische Außenpolitik. Die us-geführte Invasion im Irak nannte Martino einen „offensichtlichen Fehler”, vor dem der Vatikan gemeinsam mit anderen gewarnt habe. Es sei aber nicht nutzlos, dass der Papst weiterhin für eine friedliche Konfliktlösung eintrete. Er habe sogar die Pflicht dazu. Die Begegnungen Benedikts XVI. mit Bush dürften deshalb „absolut nicht” als Unterstützung des Präsidenten und seiner Irakpolitik verstanden werden, sagte an diesem Freitag der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden laut Nachrichtenagentur „Catholic News Service” (CNS). Martino sprach am Rande der Abrüstungskonferenz, die er kurz zuvor eröffnet hatte. (cns/kna)

Quelle: Vatican-News vom 11. und 12. April 2008

Die Entscheidung des Deutschen Bundestages, den Stichtag für den Import von menschlichen embryonalen Stammzellen, zu deren Gewinnung Embryonen getötet wurden, einmalig zu verschieben, hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, mit großer Enttäuschung aufgenommen. Auch Bischof Heinz Josef Algermissen hatte sich auf dem Jubiläums-Kongress von pax christi dagegen ausgesprochen.

Auch pax christi-Präsident Bischof Algermissen hatte eindringlich gewarnt.

Die Reaktion von Professor Meyer fasst das ZdK in der Presseerklärung vom heutigen 11.4.2008 so zusammen:

"Wir haben vor dieser Entscheidung gewarnt, weil wir sie in der Sache für nicht gerechtfertigt und mit Blick auf den Lebensschutz in der biomedizinischen Forschung für das falsche Signal halten", so Meyer wörtlich. "Heute ist der Tag, an die Erfahrung zu erinnern: 'In vorübergehenden Vorteilen stecken oft bleibende Nachteile.'

Wir danken denjenigen Abgeordneten, die sich in den vergangenen Monaten und auch heute für die Beibehaltung des jetzigen Stichtags eingesetzt haben.

Jetzt kommt es darauf an, dafür Sorge zu tragen, dass die Stichtagsregelung nicht zur 'Wanderdüne' wird. Denn mit dieser Entscheidung werden Begehrlichkeiten größer werden, menschliche Embryonen generell für Forschungszwecke nutzen zu können. Dem werden wir mit aller Entschiedenheit widersprechen, denn die Substanz des geltenden Embryonenschutzgesetzes darf nicht weiter ausgehöhlt werden."

Die ethischen Herausforderungen der Biomedizin müssten Gegenstand breiter gesellschaftlicher Debatten bleiben, forderte Meyer. Hierfür werde sich das ZdK auch weiterhin einsetzen.

Bischof Algermissen sagte in seiner Sonntagspredigt in Maria Regina Martyrum (Berlin) am 6.4.2008 in diesem Zusammenhang:

"Man kann aber nicht an das alles im Kern verändernde Leben der Auferstehung glauben, das wir Sonntag für Sonntag feiern, ohne sich um die Verbesserung der irdischen Lebensbedingungen in unserer kleinen und in der weiten Welt zu mühen. Im Klartext: Wer die Auferstehung Jesu Christi vom Tode bekennt, darf zum Beispiel nicht zur Tötung ungeborener Kinder schweigen, muss klar Stellung beziehen in der Frage der auch in unserem Land diskutierten aktiven Sterbehilfe, oder besser: Euthanasie.

Der Glaube an die Erlösung durch Kreuz und Auferstehung Jesu Christi führt von selbst in den Aufstand gegen alle Formen des vorzeitigen gesellschaftlich wie politisch, wirtschaftlich wie militärisch organisierten Todes. Christinnen und Christen sind zwar keine Friedenstörer, aber sie müssen sich massiv als Störenfriede dort betätigen, wo immer die Mächte des Todes am Werk sind &#9472; sei das im privaten, im gesellschaftlichen wie politischen Bereich.

Was der Sauerstoff für die Lunge ist, das bedeutet österliche Hoffnung für unsere menschliche Existenz. Auch für unser Engagement in der katholischen Friedensbewegung pax christi!"


pax christi hat in unterschiedlichen Stellungnahmen den europäischen Integrationsprozess konstruktiv-kritisch begleitet aus unterschiedlichem Anlass Stellung bezogen. Die katholische Friedensbewegung meldet aus mehreren Gründen „Kritik und Bedenken“ gegen den Grundlagenvertrag an, der im April im Bundestag ratifiziert werden soll. Diese Bedenken werden in Kürze auch in einem Brief an alle Bundestagsabgeordneten vorgetragen, den pax christi mit und in der „Kooperation für den Frieden“ vorbereitet.

Kritische Stellungnahme der Basisgruppe Kassel und Präsidiumserklärung zum Vertrag von Lissabon

Aus dem Resümee der Arbeitshilfe „Impulse 17“: Der Grundlagenvertrag der Europäischen Union – Lissabon 2007, S. 25

Dieser Vertrag ist weitgehend ohne Öffentlichkeit und in zu kurzer Zeit von den Staats- und Regierungschefs ausgehandelt worden, ist eine Art Vertrag der Regierungseliten, unterstützt von Fachleuten aus der Wirtschafts- und Militärlobby und stellt den EU-Verfassungsvertragsentwurf, der durch die Referenden in Frankreich und den Niederlanden abgelehnt worden ist, in neuem Gewand dar.

In weiten Kreisen von Politik, Wirtschaft und Medien ist dieses Vertragswerk zustimmen begrüßt bis begeistert gelobt worden: z.T. im Interesse der eigenen Macht- und Herrschaftsinteressen, aus Gleichgültigkeit, aus naivem Vertrauen in die Redlichkeit der Politiker oder aber auch aus Unkenntnis der problematischen Passagen des Vertrags.

Die Hauptkritikpunkte am Vertragswerk sind

die Stagnation der Entwicklung vor allem in Fragen der Menschen- und Grundrechte, der Bürgerbeteiligung, der Aufwertung des EU-Parlaments und politischer Transparenz;

die Demontage demokratischer Strukturen in Form unzureichender Gewaltenteilung zwischen Parlament einerseits und Ministerrat andererseits, in der Festschreibung eines unsozialen und unsolidarischen Wirtschaftssystem oder einer Militärverfassung ohne parlamentarische und gerichtliche Kontrolle;

die Vernachlässigung zivilen Krisenmanagements einerseits und die Militarisierung und Aufrüstung der EU, deren Anbindung an die NATO sowie imperialer Machtansprüche andererseits,

die Festschreibung eines kapitalistischen Wirtschaftssystems, dem menschenrechtliche Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger zu Gunsten des schrankenlosen Wettbewerbs und freien Marktes untergeordnet werden;

das Festungsdenken gegen Migrationsbewegungen, indem die EU-Außengrenzen schärfer bewacht werden;

das umweltpolitische Debakel, das trotz Beteuerung von Klimamaßnahmen vor allem der Energiewirtschaft freie Entfaltung garantiert.

Dagegen stehen Korrekturen und Verbesserungsvorschläge für eine zukünftige, dringend erforderliche Revision des EU-Grundlagenvertrages, indem

die Bestimmungen des Vertrages demokratisch neu definiert,

die Menschenrechte absolut verbindlich, d. h. die Struktur und das Handeln aller Organe und politisch wie wirtschaftlich Verantwortlichen dem Anspruch der Menschlichkeit unterstellt und

damit alle Aufgabenbereiche der EU demokratisch, sozial, ökologisch und friedensorientiert ausgerichtet werden. Dementsprechend müssen alle Organe der EU in einem zu revidierenden Vertragswerk demokratisch neu ausgerichtet werden.

Der Ausblick geht in eine doppelte Richtung: Zum einen ist allen vordemokratischen Tendenzen einer obrigkeitsstaatlichen, militarisierten und menschenrechtlich bedenklichen EU eine entschiedene Absage zu erteilen. Zum anderen müssen sich für diese Aufgabe demokratische und friedensorientierte Organisationen, Bewegungen und Initiativen zusammenzuschließen und differenziert für eine menschliche EU arbeiten.

Zum öffentlichen und persönlichen Gebrauch stellen wir die bisher schriftlich vorliegenden Texte zur Verfügung. Sie finden unten über Links die Grußworte von Prof. Meyer (ZdK-Präsident), Eva-Maria Willkomm (Oekumenischer Dienst Schalomdiakonat), von der französischen Sektion, dem Maximilian-Kolbe-Werk und der Zentralstelle KDV sowie Impulstexte des Studientages von Joachim Garstecki, Dr. Ulrich Schneckener und Prof. Mohssen Massarrat. Im Folgenden finden Sie Auszüge eines Interviews von Radio Vatikan mit Generalsekretär Reinhard J. Voß zum Jubiläum.

Gedenken und Erinnern in Kevelaer und Jubiläums-Kongress in Berlin vom 3. bis 6. April 2008

Weitere Texte werden in den nächsten Tagen und Wochen auf den Jubiläumsseiten dieser Webseite eingestellt. Nachdrucke von Texten und Bildern sind erwünscht gegen Belegexemplare an das deutsche Sekretariat von pax christi.

Es folgt ein Auszug aus einem Interview des Generalsekretärs Reinhard J. Voß mit Radio Vatikan, abgedruckt in dessen Newsletter unter Deutschland: „Dialog statt Krieg gegen den Terror” – Pax Christi feiert Jubiläum

Einsatz für den Frieden im Geist des Evangeliums: Das ist die Maxime der kirchlichen Friedensbewegung „Pax Christi”. Vor genau 60 Jahren wurde sie in Deutschland gegründet, am Donnerstag dazu auf dem Programm: ein Gedenken auf einem Soldatenfriedhof in Kleve sowie ein Gottesdienst am Gründungsort Kevelaer statt. Pax Christi versteht sich als mahnende Stimme für die Versöhnung; deswegen engagiert sich die Bewegung u.a. beim Aufbau von zivilen Friedensdiensten, sagt der Generalsekretär von Pax Christi, Reinhard Voß.

„Das heißt, wir arbeiten an Alternativen zu kriegerischen Einsätzen. Als Ziel hat sich herausgebildet, dass wir in Krisenregionen versuchen, so genannte Friedenszentren zu errichten. Das ist in Jaffna in Nord-Sri Lanka gelungen – selbst jetzt unter den Kriegsbedingungen; das ist gelungen in Kolumbien, das ist in anderen Ländern im Gange: Also Orte zu schaffen, wo dann auch Dialog stattfinden kann und Training möglich ist, wie man in Konflikten gewaltfrei bleiben kann.”

Die Schwerpunkte hätten sich im Laufe der Jahre gewandelt, so Voß. Zu Beginn habe die deutsch-französische Versöhnung im Mittelpunkt gestanden, später dann der Kalte Krieg und seit dem 11. September der fragwürdige „Krieg gegen den Terror”. Voß wünscht sich für die Zukunft der kirchlichen Friedensarbeit, „dass wir noch mehr Mut und Gelassenheit haben, zwischen die Fronten zu gehen. Manchmal vielleicht auch vor Ort und ganz direkt. Ich habe gerade heute einen Brief geschrieben an den chinesischen Botschafter in Deutschland und an den Vertreter des Dalai Lama in Deutschland – den gleichen Brief an beide Seiten -, um dazu beizutragen, dass diese total festgefahrene Haltung gerade der chinesischen Regierung gegenüber dem Dalai Lama – den man der Gewalt bezichtigt, was ja nun absolut unrichtig ist –, um diese Haltung zu überwinden.”

In Kevelaer sind Vertreter der französischen Sektion zugegen, auf deren Versöhnungsgeste hin 1948 die deutsche Sektion entstand. Zu den Motivationen der Gründerväter und -mütter von Pax Christi sagt Voß: „Ich glaube, sie sind erschrocken gewesen, dass Christen gegeneinander Krieg geführt haben. Und sie haben begriffen, dass der Evangeliumsauftrag Frieden und Vergebung bedeutet. Die Tatsache, dass dieses Angebot von den Opfern ausging, hat uns immer beschäftigt: Täter können schlecht vergeben, sie sind angewiesen auf die Vergebung der Opfer. Das ist passiert und das ist eigentlich das Faszinierende an der Pax-Christi-Bewegung, was uns auch über die Jahrzehnte immer wieder motiviert hat, neu Grenzen zu überschreiten und um Vergebung zu bitten.”

Die Feiern zum 60-Jahr-Jubiläum stehen unter dem Motto „Handeln aus dem Geist des Friedens und der Versöhnung”. In Berlin findet dazu vom 4.-6. April ein Kongress statt mit einem Studientag unter dem Motto „Dialog statt Krieg gegen den Terror”. In Berlin werden Vertreter aus vielen Nachbarsektionen bzw. -ländern (Österreich, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Belgien, USA) zu Gast sein, ebenso wie Repräsentanten von Pax Christi International, darunter die Vizepräsidentin Marie Dennis aus den USA und die neue Generalsekretärin Claudette Werleigh (Haiti/Schweden). (rv)


Es folgen Links zu den bisher vorliegenden Grußworten in Kevelaer bzw. Berlin sowie Impulstexten des Kongresses und Studientages in Berlin

Zum öffentlichen und persönlichen Gebrauch stellen wir hier die bisher schriftlich vorliegenden Texte zur Verfügung. Weitere Texte finden Sie in den nächsten Tagen und Wochen auf den Jubiläumsseiten dieser Webseite. Weiter unten finden Sie Auszüge eines Interviews von Radio Vatikan mit Generalsekretär Reinhard J. Voß zum Jubiläum.

Gedenken und Erinnern in Kevelaer und Jubiläums-Kongress in Berlin vom 3. bis 6. April 2008

Sie finden hier über Links die Grußworte von Prof. Meyer (ZdK-Präsident), Eva-Maria Willkomm (Oekumenischer Dienst Schalomdiakonat), von der französischen Sektion, dem Maximilian-Kolbe-Werk und der Zentralstelle KDV sowie Impulstexte des Studientages von Joachim Garstecki, Dr. Ulrich Schneckener und Prof. Mohssen Massarrat.

Nachdrucke von Texten und Bildern sind erwünscht gegen Belegexemplare an das deutsche Sekretariat von pax christi.

Auszug aus einem Interview des Generalsekretärs Reinhard J. Voß mit Radio Vatikan, abgedruckt in dessen Newsletter unter Deutschland: „Dialog statt Krieg gegen den Terror” – Pax Christi feiert Jubiläum

Einsatz für den Frieden im Geist des Evangeliums: Das ist die Maxime der kirchlichen Friedensbewegung „Pax Christi”. Vor genau 60 Jahren wurde sie in Deutschland gegründet, am Donnerstag dazu auf dem Programm: ein Gedenken auf einem Soldatenfriedhof in Kleve sowie ein Gottesdienst am Gründungsort Kevelaer statt. Pax Christi versteht sich als mahnende Stimme für die Versöhnung; deswegen engagiert sich die Bewegung u.a. beim Aufbau von zivilen Friedensdiensten, sagt der Generalsekretär von Pax Christi, Reinhard Voß.

„Das heißt, wir arbeiten an Alternativen zu kriegerischen Einsätzen. Als Ziel hat sich herausgebildet, dass wir in Krisenregionen versuchen, so genannte Friedenszentren zu errichten. Das ist in Jaffna in Nord-Sri Lanka gelungen – selbst jetzt unter den Kriegsbedingungen; das ist gelungen in Kolumbien, das ist in anderen Ländern im Gange: Also Orte zu schaffen, wo dann auch Dialog stattfinden kann und Training möglich ist, wie man in Konflikten gewaltfrei bleiben kann.”

Die Schwerpunkte hätten sich im Laufe der Jahre gewandelt, so Voß. Zu Beginn habe die deutsch-französische Versöhnung im Mittelpunkt gestanden, später dann der Kalte Krieg und seit dem 11. September der fragwürdige „Krieg gegen den Terror”. Voß wünscht sich für die Zukunft der kirchlichen Friedensarbeit, „dass wir noch mehr Mut und Gelassenheit haben, zwischen die Fronten zu gehen. Manchmal vielleicht auch vor Ort und ganz direkt. Ich habe gerade heute einen Brief geschrieben an den chinesischen Botschafter in Deutschland und an den Vertreter des Dalai Lama in Deutschland – den gleichen Brief an beide Seiten -, um dazu beizutragen, dass diese total festgefahrene Haltung gerade der chinesischen Regierung gegenüber dem Dalai Lama – den man der Gewalt bezichtigt, was ja nun absolut unrichtig ist –, um diese Haltung zu überwinden.”

In Kevelaer sind Vertreter der französischen Sektion zugegen, auf deren Versöhnungsgeste hin 1948 die deutsche Sektion entstand. Zu den Motivationen der Gründerväter und -mütter von Pax Christi sagt Voß: „Ich glaube, sie sind erschrocken gewesen, dass Christen gegeneinander Krieg geführt haben. Und sie haben begriffen, dass der Evangeliumsauftrag Frieden und Vergebung bedeutet. Die Tatsache, dass dieses Angebot von den Opfern ausging, hat uns immer beschäftigt: Täter können schlecht vergeben, sie sind angewiesen auf die Vergebung der Opfer. Das ist passiert und das ist eigentlich das Faszinierende an der Pax-Christi-Bewegung, was uns auch über die Jahrzehnte immer wieder motiviert hat, neu Grenzen zu überschreiten und um Vergebung zu bitten.”

Die Feiern zum 60-Jahr-Jubiläum stehen unter dem Motto „Handeln aus dem Geist des Friedens und der Versöhnung”. In Berlin findet dazu vom 4.-6. April ein Kongress statt mit einem Studientag unter dem Motto „Dialog statt Krieg gegen den Terror”. In Berlin werden Vertreter aus vielen Nachbarsektionen bzw. -ländern (Österreich, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Belgien, USA) zu Gast sein, ebenso wie Repräsentanten von Pax Christi International, darunter die Vizepräsidentin Marie Dennis aus den USA und die neue Generalsekretärin Claudette Werleigh (Haiti/Schweden). (rv)

Es folgen Links zu den bisher vorliegenden Grußworten in Kevelaer bzw. Berlin sowie Impulstexten des Kongresses und Studientages in Berlin

Mit einem feierlichen Gottesdienst in Konzelebration dreier Bischöfe aus Deutschland, Polen und Frankreich ist der Jubiläumskongress der deutschen Sektion von pax christi in Berlin zu Ende gegangen. Die beiden Präsidenten der deutschen und der französischen Sektion, Bischof Algermissen aus Fulda und Bischof Stenger aus Troyes, standen zusammen mit dem stellvertretenden Präsidenten der neuen Maximilian-Kolbe-Stiftung, Bischof Skworc aus Tarnow/Polen, einem Pontifikalamt vor, das von weit über 300 Menschen besucht wurde.

Bischof Algermissen nimmt die Grüße der Katholischen Bischofskonferenzen Polens und Frankreichs entgegen und predigt zum Abschluss des 60-Jahr-Jubiläumskongresses

Zu Beginn des Gottesdienstes sprach Alexander Groß, Sohn des von den Nazis hier ermordeten und später selig gesprochenen Nikolaus Groß und langjähriges pax christi-Mitglied, über die bleibende Bedeutung eines wachen und kritischen Geistes gegen Ungerechtigkeit, Unfreiheit und die vielfältigen Formen der Verletzung der Menschenwürde und Unterdrückung von Menschenrechten - damals wie heute!

Im Gottedienst überbrachten die beiden Konzelebranten die Grüße und Wünsche der polnischen und der französischen Bischofskonferenz, verbunden mit dem Dank für das Jahrzehnte lange gemeinsame Friedenszeugnis.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Hans Joachim Meyer, nahm am Gottesdienst teil und erinnerte in seinem Grußwort am Schluss des Gottesdienstes an die Geschichte dieser Kirche auf dem Boden des Naziterrors als einer vom Laien-Katholizismus in den 50er Jahren entworfenen und seither getragenen Stätte der Erinnerung und Mahnung - unterstützt durch die 25jährige Präsenz der Karmel-Schwestern im angrenzenden Kloster. Nach ihm betonte abschließend Eva-Mara Willkomm vom Oekumenischen Dienst Schalomdiakonat, die enge Partnerschaft mit pax christi in der Vorbereitung von Menschen für Friedensdienste und Gewaltfreiheit als aktueller ökumenischer und politischer Aufgabe.


In seiner Festpredigt führte Bischof Algermissen u.a. aus:

Die ersten Auferstehungserfahrungen sind verklungen, der öde Alltag über¬mächtigt die Jünger.

Solch eine Haltung, die innerlich mit den Dingen abgeschlossen hat und in Resignation und Gleichgültigkeit abrutscht, gibt es auch oft unter uns: „Hinter dem Ofen hervorlocken werden wir sowieso nicht mehr viele. Was soll sich in den nächsten Jahren schon ändern in der Kirche und in einer krisengeschüttelten Gesellschaft?“ Keine Aussicht, keine Perspektive!

Und wir von pax christi stellen unsere besonderen Fragen: 60 Jahre haben viele Frauen und Männer mit Energie und unbeschreiblichem Engagement versucht, dem Geist des Friedens und der Versöhnung einen Weg zu bahnen. Und erlebten als katholische Friedensbewegung doch immer wieder die alten Mechanismen von Gewalt, Aggression und Vergeltung. Zwischen den wohlhabenden Industriestaaten des Nordens und der Mehrzahl der armen Entwicklungsländer schwelt seit Jahrzehnten ein tiefgreifender Konflikt. Die fortdauernde Ungerechtigkeit ist ein ständiger Gefahrenherd für den Frieden im globalen Bereich.

Lüge und Verdrängung, Selbstbetrug und Verharmlosung bilden die Keime des Unfriedens im Bereich unserer Gesellschaft. „Sind wir, wenn wir ehrlich sind, nicht ohnmächtig angesichts solcher Lage?“ So und ähnlich höre ich es immer wieder. Ein fader Geschmack macht sich breit: Wenig Salz, wenig Freude und wenig Hoffnung. Wohin soll das führen? Und dann kommt jene gefährliche Stimmung auf, die die geistlichen Väter „acedia“ nennen, das, wo einem alles irgendwie überdrüssig wird. (…)

Es gibt die Gnade, liebe Schwestern und Brüder von pax christi, gegen den Augenschein und das Übliche erneut aufzubrechen, sogar über alle Fischergewohnheit hinaus am helllichten Tag auszufahren und die Erfahrung zu machen, dass das Wort eines anderen trägt, das Wort des ganz Anderen.

„Tut es noch einmal, allein auf mein Wort hin! Tut das Alte in neuer Motivation! Tut es, weil ich es euch sage!“ Wir müssen in unserer pax christi-Bewegung einander helfen, diese Spiritualität des Noch-Einmal auf SEIN Wort hin einzuüben. (…)

Vergessen wir bitte niemals: Das erste Wort des Auferstandenen, als er am Abend des Ostertages in die Mitte seiner verängstigten Jünger trat, lautet: „Der Friede sei mit euch!“ (vgl. Joh 20, 19-22) und sofort danach, als Verstärkung dieser Osterzusage, ruft er ihnen noch einmal zu: „Der Friede sei mit euch!“

Denen, die an die alles verändernde Botschaft der Auferstehung glauben und daraus hoffen, gehört die Zukunft. Sie wissen sich vom Auferstandenen beschenkt mit der allerwichtigsten österlichen Gabe: dem Frieden.

Man kann aber nicht an das alles im Kern verändernde Leben der Auferstehung glauben, das wir Sonntag für Sonntag feiern, ohne sich um die Verbesserung der irdischen Lebensbedingungen in unserer kleinen und in der weiten Welt zu mühen. Im Klartext: Wer die Auferstehung Jesu Christi vom Tode bekennt, darf zum Beispiel nicht zur Tötung ungeborener Kinder schweigen, muss klar Stellung beziehen in der Frage der auch in unserem Land diskutierten aktiven Sterbehilfe, oder besser: Euthanasie.

Der Glaube an die Erlösung durch Kreuz und Auferstehung Jesu Christi führt von selbst in den Aufstand gegen alle Formen des vorzeitigen gesellschaftlich wie politisch, wirtschaftlich wie militärisch organisierten Todes. Christinnen und Christen sind zwar keine Friedenstörer, aber sie müssen sich massiv als Störenfriede dort betätigen, wo immer die Mächte des Todes am Werk sind &#9472; sei das im privaten, im gesellschaftlichen wie politischen Bereich.

Was der Sauerstoff für die Lunge ist, das bedeutet österliche Hoffnung für unsere menschliche Existenz. Auch für unser Engagement in der katholischen Friedensbewegung pax christi!

„Surexit dominus vere – der Herr ist wahrhaft auferstanden“. Aus der Feier unseres Jubiläums „60 Jahre pax christi Deutschland“ wünsche ich uns die österliche Kraft der Hoffnung, um die notwendigen nächsten Schritte zu tun. Der Gekreuzigte und Auferstandene segne uns! Amen.

Der Arbeitsteil des Kongresses unter dem Titel "Handeln aus dem Geist des Friedens und der Versöhnung" ging mit einem Studientag zum Thema "Dialog statt Krieg gegen den Terror" zu Ende. Vizepräsident Johannes Schnettler fasste zum Abschluss die Beiträge von 3 Diskussionsrunden zusammen. Zuvor standen am Freitag abend Geschichte und aktuelle Herausforderungen der Friedensarbeit im Mittelpunkt. Am Sonntag geht der Kongress mit einem Festgottesdienst in der Kirche Maria Regina Martyrum.

Schlusswort beim Jubiläums- Kongress zum 60-jährigen Bestehen der deutschen Sektion von pax christi

Gegen den Terrorismus wird Krieg geführt. Dies hat uns der Koordinator von pax christi USA, Dave Robinson sehr nachdrücklich geschildert und als Fehlentscheidung gebrandmarkt. Einen Grund der Vereinigten Staaten für diesen Krieg sieht Dr. Ulrich Schneckener, Leiter der Abteilung Globale Fragen der Stiftung für Wissenschaft und Politik, Berlin, im Kontext der ideologischen Verbindung von Faschismus – Kommunismus – Islamismus. Das Plenum ergänzt: Die falling states, die Verhinderung nuklearer Proliferation, Sicherung der Ressourcen. Und: je stärker die Europäische Union wird, um so mehr wächst die Angst der Amerikaner um ihre politische, militärische und ökonomischen Vorherrschaft. Im Pausengespräch formuliert ein Teilnehmer „Der Kapitalismus verdirbt den Menschen“. Sind wir Gefangene unserer selbst?

Wege aus einer drohenden Gefangenschaft wurden sichtbar: Krieg ist nicht die erste oder letzte Antwort. Handlungsspielräume sind auszuloten. Gefragt ist ein differenziertes Wahrnehmen des Gegenübers. Es geht darum, seine Traumata wahrzunehmen. Wo sind Menschen wieder neu für einen politischen Dialog zu gewinnen? Wie kann ein so genannter „harter Kern“ isoliert werden? Und: Die Hoffnung muss gestärkt werden. In der amerikanischen Friedensbewegung wächst Hoffnung auf Veränderung mit dem kommenden Wechsel im Amt des Präsidenten. In Italien nährt pax christi diese Hoffnung durch den intensiven Dialog mit den Christen im Irak. Es ist gerade dieses Zeugnis, von dem uns Renato Sacco erzählt hat, was Hoffnung macht.

Der Weg ist der Dialog. Der Dialog bricht das „Schwarz-Weiß-Denken“ auf. Er kämpft nicht mit Waffen; er kommt mit Worten - ohne Machtinteressen. Der Dialog versammelt alle in ihrer Unterschiedlichkeit um einen Tisch.

Der Dialog hat eine Binnenperspektive. Es geht auch um unsere Eigenschaften als Dialogpartner. Wo gibt es in unserer Gesellschaft Dämonisierungen, die den Blick auf den Anderen verstellen? Der Dialog ist politisch: Er thematisiert die Konfliktpunkte: Hegemonie, Zugang zu den Ressourcen, Waffenhandel, israelisch-palästinensischer Konflikt, Menschenrechte. Jeder Dialog braucht Bescheidenheit: “Wir bauen die Welt nicht so um, wie wir es wollen. Dialog ist keine Einbahnstraße.“

Chancen zum Dialog wurden angezeigt: Wir greifen diese Spuren auf und gehen ihnen nach. So gilt: Dialog – statt Krieg gegen den Terror.

Der Jubiläumskongress hat die alten pax christi-Perspektiven aktualisiert: "Handeln aus dem Geist des Friedens und der Versöhnung“ heißt heute und morgen: Gegen den Krieg aufstehen und Nein sagen zu einer Militarisierung deutscher und europäischer Außenpolitik; heißt: Nein-Sagen gegen Waffenhandel, den Schmierstoff für den Krieg. Die Perspektive der Versöhnungsarbeit gewinnt an Kraft und Dynamik im Zugang auf Russland und die muslimische Welt.

Lasst uns unser altes Symbol der Friedensarbeit, das Aachener Friedenskreuz, hineintragen in diesen Versöhnungsprozess. Das Licht der Wanderfriedenskerze wird uns begleiten auf dem Weg.

Berlin. 5. April 2008

Nach den Feierlichkeiten des Gedenkens und Erinnerns am Gründungsort in Kevelaer wurde in Berlin der Jubiläumskongress eröffnet. Der Abend begann mit Grußworten des Vatikans und - im Namen der Deutschen Bischofskonferenz - des Berliner Kardinals Georg Sterzinsky.

Papst Benedikt würdigte die katholische Friedensbewegung Pax Christi als unverzichtbar und notwendig. Sie trete für einen wahren Frieden ein, erklärte der Papst in einer am Wochenende in Berlin veröffentlichten Grußbotschaft zum 60. Geburtstag der deutschen Sektion von Pax Christi. Wahrer Friede sei mehr als ein bloßer Waffenstillstand und die Abwesenheit von Gewalt. Der Präsident von Pax Christi Deutschland, der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen, verlas das Schreiben zur Eröffnung des Jubiläumskongresses am Freitagabend.

Im Namen der Deutschen Bischofskonferenz gratulierte Kardinal Georg Sterzinsky der Bewegung. Pax Christi habe einen oft unterschätzten Dienst für die Kirche und den Aufbau Europas geleistet, sagte der Berliner Erzbischof. Die Kirche brauche weiter die inspirierenden Impulse von Pax Christi. Der Kardinal rief die Bewegung zugleich auf, die spirituelle Seite ihres Engagements im Blick zu behalten.

Im Jahr 2008 wird die deutsche Sektion von pax christi 60 Jahre alt. Der Geburtstag am 3. April wird mit einer Gedenkveranstaltung, einem Gottesdienst und einem Festakt am Gründungsort Kevelaer und mit einem anschließenden Kongress vom 4.-6. April in Berlin begangen. Der Studientag beim Kongress am Samstag steht unter dem Motto "Dialog statt Krieg gegen den Terror“.

Feiern vom 3. bis 6. April 2008 unter dem Motto "Handeln aus dem Geist des Friedens und der Versöhnung"

In Kevelaer werden Vertreter der französischen Sektion zugegegen sein, auf deren Versöhnungsgeste hin 1948 die deutsche Sektion entstand. Es werden über 150 Gäste erwartet.

In Berlin werden VertreterInnen aus vielen Nachbarsektionen bzw. -ländern (Österreich, Frankreich, Niederlande, Polen, Belgien, USA) zu Gast sein sowie Repräsentanten von Pax Christi International, darunter die neue Ko-Präsidentin Marie Dennis aus den USA und die neue Generalsekretärin Claudette Werleigh (Haiti/Schweden). Auch dort werden in der Katholischen Akademie weit über 100 Teilnehmende erwartet.

Der Berliner Kardinal Sterzinsky hat sein persönliches Erscheinen und Grußwort ebenso angekündigt wie der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Hans-Joachim Meyer.

Der feierliche Gottesdienst zum Abschluss der Festtage in der Kirche Maria Regina Martyrum wird von pax christi-Präsident Bischof Heinz Josef Algermissen (Fulda) zusammen mit Bischof Marc Stenger aus Troyes in Frankreich (Präsident von Pax Christi France) und Bischof Wiktor Skworc aus Tarnow in Polen geleitet.

Sehr geehrter Herr Kelsang Gyaltsen, sehr geehrter Herr Botschafter Ma Canrong, die deutsche Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi ist bestürzt über die Welle von Gewalt, die die Unruhen seit Anfang März über Tibet gebracht haben.

Offener Brief des Generalsekretärs an den Stellvertreter des Dalai Lama in Europa und an den chinesischen Botschafter in Deutschland

Die frustrierten und vielleicht auch aufgewiegelten zumeist jungen TibeterInnen, die gewaltsam gegen angesiedelte Chinesen in Lhasa und anderswo vorgegangen sind, können sich dabei nicht auf den Dalai Lama berufen, der schon immer und jetzt wiederholt eine klare Haltung der Gewaltfreiheit gefordert hat. Diese wird auch von Mönchen und Nonnen geteilt. Auch wir verurteilen jede Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele, auf welcher Seite auch immer.

Die Rede von Dr. Reinhard J. Voß „Zivile Konfliktbearbeitung (ZKB) und die politische Chancen gewaltfreier Alternativen“ Zu Beginn eine Vision von Hildegard Goss-Mayr aus Wien, die mir eine wichtige Ratgeberin in den 90er Jahren beim Aufbau des „Schalomdiakonates“ war: „Mindestens genau viel Zeit, Phantasie, Energie, wie wir in den Protest gegen Situationen der Unterdrückung und in Aktionen gewaltfreien Widerstands investieren, benötigen wir für den Aufbau einer Alternative, benötigen wir für den Aufbau eines konstruktiven Programms der Gewaltfreiheit.“

Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß spricht am West-Östlichen Tor bei Duderstadt / Wehnde und Präsidiumsmitglied Odilo Metzler auf dem Stuttgarter Schlossplatz

Damit sind wir schon mitten drin im Problemfeld „ZKB und politische Chancen gewaltfreier Alternativen“. Daraus leite ich zugespitzt meine Anfangsthese ab:

2003 habe ich einmal formuliert: „Wenn wir in der Friedensbewegung nur protestieren und nicht Alternativen aufzeigen, werden wir unseren Ansprüchen und Aufgaben nicht gerecht. Und wenn die Gesellschaftswelt es nicht schaffen wird, der Staatenwelt mehr abzuringen an Selbstkritik und Selbstkorrektur im Bereich von Menschenrechten und Friedensarbeit, von sozialer Gerechtigkeit und Schutz der Wirtschaftlichen, Sozialen und Kulturellen Rechte (WSK), dann wird die Politik der Stärkeren dominieren, ja Kriegspolitik im Sinne von Verteilungskampf und Abschottungsstrategie der reichen Welt immer wahrscheinlicher und häufiger.“

Heute muss sich sagen; wir haben es nicht – noch nicht! - geschafft, der Staatenwelt, konkret: unserem deutschen Saat, soviel abzuringen, dass Zivile Konfliktbearbeitung normal und Kriegführen TABU wäre. Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken.

Wie entstand das Konzept der „ZKB“?!

In den 90er Jahren haben wir nach der Ermutigung durch die Gewaltfreie Revolution in Deutschland (auch HIER!) und dem Schock des 2. Golfkrieges von 1991 begonnen, die friedens-pädagogischen Erfahrungen der 70er Jahre und die friedens-politischen Erfahrungen der 80er Jahre in diesem Konzept der ZKB zusammen zu führen und weiter zu entwickeln.

Hier nun eine Definition und Instrumente der ZKB (aus den Friedenspol. Richtlinien der Kooperation für den Frieden): Definition “Zivile Konfliktbearbeitung” ZKB ist der bewusste Einsatz nicht-militärischer Mittel zur Vermeidung, Beilegung und Nachsorge gewaltsamer Auseinandersetzungen. Der Grundgedanke ist die Suche nach Lösungen, die für alle Beteiligten eines Konfliktes akzeptabel sind. Auf keinen Fall sind ZKB-Maßnahmen in militärische Maßnahmen einzuordnen oder diesen unterzuordnen. Instrumente der Zivilen Konfliktbearbeitung

Für internationale Konflikte werden u.a. folgende Instrumente der ZKB genutzt. Ich nenne sie analog der in UN-Militäreinsätzen üblichen Dreiteilung von peacekeeping - peacemaking – peacebuilding.

Friedenssicherung und Gewaltprävention (peacekeeping):

Frühwarnsysteme, die rechtzeitig vor einem gewaltsamen Ausbruch warnen und Möglichkeiten aufzeigen, wie Gewalt verhütend eingegriffen werden kann. Genaue Beobachtung der Konfliktgegenstände, der Anliegen der Konfliktparteien, der Gefahren der Eskalation sowie der Sichtweisen aller Beteiligten. Monitoring, d.h. die Beobachtung und Überwachung umstrittener Ereignisse, z.B. von Wahlen, um damit internationale Präsenz zu zeigen, zu dokumentieren und Öffentlichkeit herzustellen. Schutz gefährdeter Personen durch Begleitung internationaler Beobachter.

Friedensschaffung, Problemlösungsansatz (peacemaking):

Stille Diplomatie zur Schaffung indirekter Kontakte zwischen verfeindeten Seiten; Mediation, um in den Verhandlungsvorgang vermittelnd einzugreifen; Traumaarbeit, um Gewalterfahrungen zu verarbeiten; Stärkung der Konfliktbearbeitungskompetenz der Konfliktparteien durch Friedenserziehung, Beratung, Schulung u.s.w.; Auch Schiedsgerichtsbarkeit, um durch positive und negative Sanktionen auf nicht-militärischem Wege Problemlösungen zu erreichen.

Friedenskonsolidierung (peacebuilding):

Aufbauhilfe, Entwicklungs-, Flüchtlings- und humanitäre Hilfe zur Stabilisierung des Friedens; Kredite, Fachkräfte und Wiedereingliederungsbeihilfen; Hilfen beim Aufbau demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen zur Stärkung der zivilgesellschaftlichen Ebene und damit der Möglichkeiten der jeweiligen Gesellschaft, mit ihren Konflikten auf Gewalt vermeidende Art umzugehen.

Wir lernten viel in den zahlreichen Kursen und Curricula. Im kirchlichen Bereich des Oekumenischen Dienstes Schalomdiakonat mit mittlerweile Dutzenden von Einsätzen – und im staatlich-gesellschaftlichen Bereich des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) mit mittlerweile Hunderten von Einsätzen und angestrebten 500 stets parallel eingesetzten Friedensfachkräften.

Wir lernten, dass es auf Geduld, Einfühlungsvermögen und die Organisation von Prozessen ankommt und nicht auf schnelle (und oft brüchige) Ergebnisse. Die Curricula des ZFD umfassen deshalb folgende 10 Ziele; es gilt Folgendes wahrnehmen, verstehen und bearbeiten zu können:

die Konfliktregion - die Konflikte selbst - die gesellschaftlichen Konfliktursachen - die Probleme der Geschlechterrollen /“Genderaspekte“ - Interkulturelle Zusammenhänge - Friedensfördernde Strukturen („peace building“) Gewaltfreiheit als Grundeinstellung und Methode - die Fähigkeit zur Teamarbeit - Technische Fähigkeiten bis hin zu Kenntnissen zu Minen, zu Militär- und Polizeistrukturen, zur Internet-Kommunikation und Erster Hilfe - Individuelle Entwicklung und Selbsteinschätzung. Dies reicht vom Umgang mit Aggressionen, Burnout und Konfliktfähigkeit bis zur Einschätzung der eigenen Rolle, der eigenen ethischen Grundlagen und de Fähigkeit, feedback zu geben und zu empfangen.

Hier ist nicht die Zeit, nun konkrete Projekte im Einzelnen zu schildern. (Vieles findet man auf den einschlägigen Webseiten, besonders www.peace-counts.org oder: www.forumzfd.de.) Ich denke an Friedensfachkräfte von pax christi in den Philippinen, in Kolumbien und in Sri Lanka, wo sie in Konfliktregionen, auch in heißen Konflikten, „Friedenszentren“ mit lokalen Partnern aufbauen und behaupten; an den Ökumenischen Friedensdienst in Palästina und Israel, wo in internationalen Teams für jeweils 3 Monaten Menschrechtsbeobachtung, Öffentlichkeitsarbeit und eine Stärkung der geschundenen Bevölkerung geleistet wird.

Grundsätzlichbeet es darum, die festgefahrenen Feind-Fronten VOR, IN und NACH Konflikten aufzuweichen und zu überwinden!

ZKB und Militär

Militärs bauen solche Aspekte heute auch in ihre Auslandsvorbereitungen ein, aber extrem minimalistisch und eben nicht auf Gewaltfreiheit fußend. Deshalb ein paar Worte zum Verhältnis ZKB – Militär: ZKB kann mit Militär kooperieren im konkreten Feld, wenn gegenseitige Bedingungen und Kompetenzen geachtet werden so haben es alle Entwicklungsorganisationen 2003 gefordert (VENRO-Papier).

Das Militär sollte aber schleunigst Aktivitäten eines Technischen Hilfswerks oder der Humanitären Hilfe etc. einstellen – denn dazu ist es weder ausgebildet, befugt und qualifiziert noch wg. der existierenden Organisationen auf diesem Gebiet berechtigt. Solche Aktionen haben legitimatorischen Charakter und bestenfalls in Übergangssituationen ihre ausnahmsweise Berechtigung.

Dies gilt letztlich auch für die Übernahme von Polizeibefugnissen! Das CIMIC-Projekt („zivil-militärische Zusammenarbeit“) in Bosnien, Afghanistan und anderswo ist daraufhin neu zu befragen!

Vorsicht vor ideologischer Vereinnahmung durch Militär und Politik:

Die Behauptung: „Militär ermöglicht erst ZKB und schützt die zivilen Experten!“ ist nachweislich falsch. Oft waren die Zivilisten vor den Militärs vor Ort.

ZKB kann als ideologisches Beiwerk für militärische Interventionen missbraucht werden.

Die „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ und das neuen Weißbuch der Bundesregierung benutzen immer mehr die präventive Sprache, fördern aber faktisch die „Präemptive“ Kriegspolitik, wie sich seit Jahren zeigt.

Im Dialog zwischen Polizisten, Militärs, Zivilen Friedensfachkräften und Humanitären Helfern sollten die Erfahrungen aus Krisengebieten ausgewertet werden und wirklich zivil glaubwürdige Wege weiter entwickelt werden, die die lokale Entwicklung fördern statt ihr eine internationale Struktur aufzupfropfen. Dazu braucht es ein Umlernen der Militärs und neuer Ausbildungsprogramme für internationale Blauhelm-Kontingente, die in der Lage sein müssen, Gefahrenabwehr mit polizeilichen Mitteln zu gewährleisten - ohne militärische Strukturen und Methoden.

Was ist jetzt für uns in der Friedensbewegung dran?!

Schauen wir noch einmal auf die drei Golfkriege seit den 80er Jahren und unsere Reaktionen als Friedensbewegung, so sehen wir unseren mühsamen, aber stetigen Lernprozess:

In der Zeit der Abschreckung (80er Jahre) haben wir den Protest gegen Massenvernichtungsmittel aktiviert und nicht zuletzt als Reaktion auf den Irak-Iran-Krieg Kampagnen gegen Rüstungsexporte begonnen, wie, wir die Verflochtenheit unserer Industrie und Politik offen legen wollten.

In der Zeit der Abschottung der reichen Welt (90er Jahre) haben wir vielen Opfern von Ungerechtigkeit, Krieg und Zerstörung geholfen und nach dem 2. Golfkrieg 1991 Alternativen „Ziviler Konfliktbearbeitung“ („ZKB“) mit aufgebaut.

Nach dem 3. Golfkrieg, dem Irakkrieg 2003 – nun gerade vor 5 Jahren - sind wir trotz massenhaften weltweiten Protestes der Realpolitik zunächst unterlegen und völlig neu herausgefordert worden, einer Ideologie des „Demokratischen Imperialismus“ entgegen zu treten, die sich mit Freiheit und Religion gürtet, aber faktisch die militärische und ökonomische Dominanz der Welt in Zeiten der Globalisierung betreibt.

„Neben unseren politischen und fachlichen Fähigkeiten sind nun auch unsere prophetischen gefragt.“ – habe ich für pax christi einmal intern formuliert. D.h. unsere visionäre politische Kraft ist gefragt – neben der bleibenden Notwendigkeit strategischer Analyse. Aber ebenso nötig sind Protest und praktische Alternativen: das Nein und das Ja der Friedensbewegung. Politisch heißt das: wir brauchen auch den „Dialog mit dem Teufel“, d.h. mit Organisationen, die auf der sog. Terrorliste der EU und der USA stehen, z.B. Taliban, PKK, FARC. Diese Einsicht wurde vereinzelt in der deutschen Öffentlichkeit von Prominenten genannt, aber schnelle wieder verschwiegen: ich nenne Kurt Beck und Reinhard Höppner mit ihren nachdenklichen Worten zu den Taliban.

Konkret – nehmen wir das Beispiel Afghanistan: auf der Strategiekonferenz der Kooperation für den Frieden legte Herbert Sahlmann 20 Punkte für eine zivile Alternative in Afghanistan vor. Er war jahrelang bis vor kurzem Entwicklungsbeauftragter des BMZ dort. Die Vorschläge kreisen sehr konkret um Dialog statt Gewalt, um konstruktive Einbeziehung der Bevölkerung, um Wirtschaftsförderung jenseits des Opiums und um den Aufbau politischer Strukturen. All dies ist unvereinbar mit dem „Krieg gegen den Terror“ dort, unvereinbar mit OEF und Tornadoeinsätzen, unvereinbar mit einer Ausweitung der ISAF durch Verknüpfung mit OEF. (Diese Thesen habe ich kopiert mitgebracht.)

Ich komme zur Zusammenfassung und spitze meine Anliegen so zu:

Nein und Ja gehören in der Friedensarbeit zusammen: Analysen und Demonstrationen gegen Krieg und Rüstung sowie konstruktive Entwicklung von Alternativen auf vielen Ebenen.

ZKB ist eine Alternative, nicht eine Ergänzung von militärischer sog. Konfliktlösung, d.h. sie kann zwar mit Militär kooperieren im konkreten Feld, wenn gegenseitige Bedingungen und Kompetenzen geachtet werden, muss sich aber vor ideologischer Vereinnahmung durch Militär und Politik hüten!

ZKB ist ein grundsätzlich positives Programm, das – mit vielfältigen Methoden arbeitet, Konflikte als Chancen ernst nimmt, Dialogbereitschaft und Lernfähigkeit auf allen ebenen fördert und die Erkenntnis und Erfahrung vermittelt, dass es viele „Dritte Wege“ zwischen Gewalt und Feigheit/ Nichtstun gibt.

Prävention ist strikt zivil zu definieren und zu praktizieren. „Präventivkrieg“ ist ein ideologischer Diebstahl des Wortes „präventiv“ von der Zivilgesellschaft, um alte Politik neu zu rechtfertigen.

Das pazifistische Dilemma zwischen der Option für die Opfer von Gewalt und der Option für Gewaltfreiheit kann nur durch Internationales Recht samt Justiz- und Polizeibefugnissen überwunden werden – Terror ist Kriminalität und nicht Kriegsansage.

Die Bush-Doktrin hat uns in nur 7 Jahren in einen international zunehmend gesetzlosen Zustand des Rechts des Stärkeren geführt. Die Stärke des Rechts, des Völkerrechts ist unterhöhlt. Dieser unselige, verlogene, unnütze und kontraproduktive „Krieg gegen den Terror“ ist ohnehin nur eine Verbrämung US-amerikanischer Geopolitischer und Ressourcenpolitischer Interessen!

Beherzigen wir Gandhis Einsicht und Vermächtnis: Der Weg ist das Ziel! Das heißt also: Frieden ist der Weg. Entgegen aller Macht- und Militärpolitik von den Römern bis zur NATO sagen wir: Wenn Du den Frieden willst, bereite NICHT den Krieg vor, sondern den Frieden!

Si vis pacem, para pacem. (Wenn Du den Frieden willst, bereite den Frieden vor.)

Ich wünsche Euch ein Osterfest, an dem jeder von Euch zum „Neuen Menschen“ wird, erlöst und versöhnt mit Gott und mit den Menschen. Ich richte diesen letzten Hirtenbrief an Euch, um Gott und jedem einzelnen von Euch zu danken. Ich möchte in diesem Brief auch einige Grundzüge des Lebens eines Gläubigen in diesem Heiligen Land, in der Diözese und in der gesamten Gesellschaft aufzeigen.

Aus dem Abschiedsbrief von Michel Sabbah, Lateinischer Patriarch von Jerusalem und bis 2007 Präsident von Pax Christi International

Ich gehe in Pension und lege also alle administrative Verantwortung nieder. Aber mein Gebet und mein Weg im Mysterium Gottes in diesem Heiligen Land dauern fort. Ich werde auch weiterhin die Leiden und Hoffnungen der Männer und Frauen dieses Landes, der Gläubigen aller Religionen, die es bewohnen, begleiten.

Zwei Auszüge aus dem langen Schreiben, das auf der Webseite des Jerusalemer Lateinischen Patriarchats auch in Deutsch eingestellt ist:

Die Christen und der Konflikt (13)

In unserer Gesellschaft gibt es einen bewaffneten Konflikt, und zwar durch die Besetzung der palästinensischen Territorien durch Israel und durch die Forderung Israels nach Sicherheit und Anerkennung. Wie alle Bewohner dieses Landes, Palästinenser und Israelis, sind die palästinensischen und israelischen Christen Teil dieses Konfliktes. Unter keinerlei Vorwand können sie sich auf eine Zuschauerrolle beschränken, während andere den Preis für die Freiheit zahlen und die damit verbundenen Opfer auf sich nehmen. Zuschauer bleiben bedeutet, am Rande stehen, den Männern und Frauen ihres Volkes fremd bleiben, was nicht der Berufung des Christen entspricht. Wie alle Palästinenser sind wir Opfer der Besatzung. Wie alle Palästinenser müssen wir den Preis zahlen, um unsere politische, wirtschaftliche, und - in Aspekten, wie dem freien Zugang zu den heiligen Stätten und zu Jerusalem - auch religiöse Freiheit wiederzuerlangen. Die Freiheit wiedererlangen, den Preis bezahlen und Widerstand leisten ist eine Pflicht. Wir glauben aber gleichzeitig an das Gebot der Liebe, und daher an einen Widerstand, der der Logik der christlichen Liebe entspricht, nämlich ein gewaltloser Widerstand, der fähig ist, die beiden Völker dazu zu führen, auf gleichberechtigte Weise Freiheit, Unabhängigkeit und Sicherheit zu genießen.

Die Herausforderungen des Dialogs (17)

Der lokale interreligiöse Dialog begann mit vielen Kontakten zwischen Moslems, Juden und Christen und führte schließlich in den vergangenen Jahren zur Errichtung des Rates der Religiösen Institutionen im Heiligen Land, indem die drei Religionen auf höchster Ebene vertreten sind. Dieser Dialog hat die Aufmerksamkeit der politischen Verantwortlichen auf sich gezogen und eine neue Realität im Heiligen Land eingeleitet: zum ersten Mal in der Geschichte begegnen einander die religiösen Führer der drei Religionen um gemeinsam über den Frieden in diesem Land nachzudenken. In diesem Dialog werden vor allem die Dimension des Glaubenden und sein Bezug zu Gott hervorgehoben. Wir wollen als Gläubige, die vor demselben Gott stehen, miteinander nachdenken. Weitere Punkte, wie gemeinsame Werte des Menschseins, Verschiedenheiten und Fähigkeit zur Versöhnung und religiöse Werte, wie Selbstlosigkeit in der Annahme und dem Respekt des Anderen, der gleichermaßen Geschöpf Gottes ist, durch Ausübung von Gerechtigkeit und friedensfördernde Maßnahmen, finden auch ihren Platz.

Es gibt jedoch in unseren von der Religion geprägten Gesellschaften noch Unreife, was die Annahme und den Respekt des anderen betrifft. Bisher haben noch nicht alle Christen, alle Moslems und alle Juden gelernt, zusammenzuleben und das gemeinsame Leben annehmbar und ruhig zu gestalten. Immer noch gibt es Extremismus, Unwissenheit oder Verhaftung in der Vergangenheit, und somit Quellen des Misstrauens, des Verdachtes und der Angst, Quellen der Aggressivität gegen Mitbürger einer anderen Religion.

Der Dialog zwischen den Führern und Eliten existiert. Er ist nützlich und muss geduldig fortgeführt werden. Was wir aber gleichzeitig brauchen, ist eine Schulung der jungen Generationen. Um die Gesellschaft zu befrieden und die mehr oder weniger umfassenden Spannungen auszuschalten, muss das Erziehungswesen in allen Instanzen verändert werden, sei das zu Hause, in der Schule, in den Orten des Kultes oder den Medien. Ein klarer und unmissverständlicher Ruf zu Annerkennung und Zusammenarbeit mit Andersgesinnten muss erklingen. Die neuen Generationen aller Religionen müssen hören, dass der Andere und die andere Religion kein Feind oder Fremder ist. Er ist ein Bruder, den man lieben muss und mit dem man zusammenarbeiten muss, um die Gesellschaft aufzubauen. Selbst für den Extremismus, der sich einerseits aus den Unwissenheiten der Vergangenheit nährt und andererseits aus den Ungerechtigkeiten und Ängsten der Gegenwart, kann durch ein solches neues Erziehungssystem teilweise Abhilfe geschaffen werden.

Schlusswort

Ich beende meinen Dienst als Patriarch von Jerusalem für die Gläubigen des lateinischen Ritus. Ich werde diesen bald meinem Nachfolger, Msgr Fouad Twal, übergeben. Ich bitte Gott, ihm allen Segen und reiche Gnade zu gewähren, um die Mission dieses erwürdigen Patriarchats weiterzutragen. Noch einmal danke ich Gott und all jenen, die Er auf meinen Weg gestellt hat, um ihnen zu dienen und um durch sie Gnaden zu empfangen. Ich werde weiterhin in Jerusalem leben. Mein tägliches Leben wird weiterhin, so wie es bis heute der Fall war, im Rahmen des Patriarchates getragen sein. Persönlich bin ich ohne Geld im Patriarchat angekommen und beende mein Mandat ebenfalls ohne Geld. Ich habe keine Bankkonten. Ich schulde niemandem etwas. Auch mir schuldet niemand etwas. Das Patriarchat als Institution hat immer Defizit gemacht. Aber Gott hat dieses Defizit, diese Armut gesegnet, und Er wird das Patriarchat auch weiterhin in seinen materiellen Bedürfnissen begleiten, damit es seine spirituelle Mission erfüllen kann. Für all dies danke ich dem Herrn, und ich bitte alle, mich mit ihrem Gebet zu begleiten. Ich vertraue mich der Fürbitte der Seligsten Jungfrau Maria an und erflehe für alle den Segen des Allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, des einen und einzigen Gottes. Amen.

Jerusalem, 1. März 2008

Am 3. April 2008 feiert die deutsche Sektion von pax christi den 60. Jahrestag ihrer Gründung in Kevelaer. Dieser Schritt war 1948 ein Zeichen der beginnenden deutsch-französischen Annäherung, ein Zeichen der aktiven Hoffnung auf Frieden und Versöhnung nach Zeiten von Krieg und Zerstörung, Rache und Hass, Verdrängung und Verschweigen. Aus diesem Anlass erinnern wir uns der Kriegs- und Versöhnungsgeschichte, bekräftigen unser generationsübergreifendes Engagement und erneuern unsere Verpflichtung zum Einsatz für Frieden und Versöhnung. Wir gedenken dankbar der Menschen, die diese Friedensarbeit getan haben und uns damit Vorbild bleiben.

Erklärung des Präsidiums von pax christi zum 60. Jubiläum am 3. April 2008

I. Wir erinnern unsere Geschichte

Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzten Frau Martha Dortel-Claudot, Bischof Pierre-Marie Théas und weitere Katholiken in Frankreich mit der Vergebungsbitte für die Schuld Deutschlands ein erstes Zeichen und reichten Deutschland die Hand der Versöhnung. Damit legten sie den Grundstein für eine internationale Bewegung, die 1945 den Namen pax christi annahm. Diese Bewegung für Frieden und Versöhnung unternahm erste Pilgerfahrten nach Lourdes und Vézelay und überschritt mit dem internationalen Kongress im April 1948 in Kevelaer die Grenzen zwischen Frankreich und Deutschland. Das Aachener Friedenskreuz wurde zum Symbol für Schuldbekenntnis, Vergebung und Versöhnung. Es begleitete Pilger für den Frieden anfangs im Bistum Aachen und weiter auf den ersten inter-nationalen Routen nach Assisi und Rom. Mitglieder des während der NS-Herrschaft unterdrückten Friedensbundes deutscher Katholiken traten pax christi bei. 1952 wurde pax christi von Papst Pius XII. als katholische Friedensbewegung anerkannt.

Die deutsche Sektion von pax christi beschritt ihren Weg nach dem Leitwort der internationalen Bewegung: „Studium – Aktion – Gebet“. Ihre Pilgerfahrten als Zeichen der Sühne für deutsche Schuld führten zunächst 1957 nach Ascq und 1963 nach Oradour in Frankreich, dann 1964 nach Auschwitz in Polen, im gleichen Jahr nach Israel und später in die Sowjetunion. An der Versöhnung zwischen Polen und Deutschen hatte pax christi wesentlich Anteil; aus dieser Arbeit ging das Maximilian-Kolbe-Werk hervor. Mit einer Spendenkampagne für die Hungernden in der Welt gab pax christi den Anstoß für die Gründung des Hilfswerks Misereor (1958) und verwies damit auf den unmittelbaren Zusammenhang von Frieden und Gerechtigkeit. In der Enzyklika Pacem in Terris erkannte die pax christi-Bewegung wesentlich ihr Programm der 60er, 70er und 80er Jahre: die Überwindung der Gegensätze und Fronten militärischer Blöcke und politischer Machtsysteme. Friedensforschung, Friedenser-ziehung und Proteste gegen Kriege und Militärdiktaturen führten die Mitglieder – getragen von Glauben und Frömmigkeit – zu politischem Handeln. In der Konstitution Gaudium et Spes des II. Vatikanischen Konzils fanden sie ihr theologisches Programm. Mit dem Beschluss der Würzburger Synode zu Entwicklung und Frieden wurden Kriegsdienstverweige-rung und Friedensarbeit 1973 auch kirchlich anerkannt.

Die Zuspitzung der Blockkonfrontation in den 80er Jahren in Europa forderte auch die deutsche pax christi-Sektion zu besonderem Engagement für Abrüstung, Sicherheit und Frieden heraus. Die vorrangige Option für die Gewaltfreiheit und der Einsatz für Menschenrechte sind seitdem maßgebliche Leitlinien der Arbeit. In der Nord-Süd-Perspektive wird die Solidarität mit den Armen ausdrücklich als zentrales Anliegen gesehen, ebenso die Lösungssuche für den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Erinnerung als Vergewisserung über eigene und fremde Geschichte ist als Grundlage der Versöhnung bleibender Anspruch von pax christi und führt zur Wahrnehmung der jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens.

Angesichts der Veränderungen in Deutschland und ganz Europa sah die deutsche Sektion von pax christi in den 90er Jahren neue Möglichkeiten, mit der Gestaltung eines Zivilen Friedensdienstes Beiträge zur Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und -nachsorge zu leisten. Aber auch die Erfahrung neuer Kriege und weltweiter Flüchtlingsbewegungen führten zu einer Neubestimmung der Arbeit, die durch das katholische Bischofswort „Gerechter Friede“ im Jahre 2000 unterstützt und verstärkt wurde. Seit dem 11. September 2001 ist die Forderung Dialog statt Krieg gegen den Terror eine entscheidende Botschaft der inzwischen weltweit verbreiteten pax christi-Bewegung.

II. Wir bekräftigen unser Engagement

„Pax Christi“ – der Friede Christi ist die bleibende Hoffnung und Vision der Arbeit unserer Bewegung. Aus der Erfahrung, dass Versöhnung eine politische und religiöse Kraft ist, können wir heute schöpfen:

Es ist möglich, nicht Rache zu nehmen, sondern Vergebung zu gewähren.

Es ist möglich, Schuld nicht zu verdrängen, sondern einzugestehen und um Versöhnung und Neuanfang zu ringen.

Und: Es ist nötig, die Würde aller Menschen zu achten und zu schützen.

Als christliche Friedensbewegung nährt uns die biblische Botschaft vom Reich Gottes: Gerechtigkeit und Frieden. Inspiriert vom Evangelium Jesu Christi stellen wir uns in den Dienst am Frieden. Jesus Christus preist die selig, die Frieden stiften. Er schenkt die Kraft, an seinem Reich der Liebe und des Friedens mitzuwirken, um der Welt zunehmend Strukturen des Friedens einzuprägen.

Wir wollen in Gesellschaft und Kirche die Bereitschaft und Fähigkeit stärken, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Wir wollen dazu ermutigen, Visionen und konkrete Schritte des Friedens zu entwickeln. Wir wollen Mechanismen und Denkweisen entlarven und überwinden, die Kriege hervorbringen. Wir wollen Schritte zu einer weltweiten Gerechtigkeit gehen. In der Nachfolge Jesu stellen wir uns an die Seite der Opfer von Gewalt und Unrecht und arbeiten daran mit, dass die Würde aller Menschen durch Rechte, Gesetze und Strukturen geschützt wird.

Wir widersetzen uns jedem Missbrauch von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt, Unter-drückung und Diskriminierung von Menschen. Wir stärken vielmehr die Frieden fördernde Kraft der Religion und pflegen den interreligiösen Dialog. In der Achtung vor dem Anderssein anderer Religionen sucht unsere Bewegung die Zusammenarbeit mit allen Menschen, die sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

III. Wir erneuern unsere Verpflichtung

Die Friedensarbeit von pax christi hatte in jeder Dekade ein eigenes Profil. Heute lautet unsere Zeitansage – angesichts der katastrophalen Entwicklungen in Afghanis-tan und im Irak und der bedrohlichen Szenarien gegenüber dem Iran – zugespitzt: Dialog statt „Krieg gegen den Terror!“ Während unseres Kongresses zu diesem Thema Anfang April 2008 beleuchten wir die gefährlichen Implikationen einer militarisierten Sicherheitspolitik und zeigen das Gegenmodell auf: Verständigung und fairen Interessensausgleich.

Die Aufgaben der Erinnerung und Versöhnung, der Gewaltüberwindung, des Dialogs zwi-schen Generationen, Kulturen und Religionen bleiben uns – auch 60 Jahre nach unserer Gründung. Heute erneuern wir unsere Verpflichtung, dem Frieden zu dienen. Dazu fordern uns die gegenwärtigen Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt heraus.

Wir beobachten sowohl in unserer Gesellschaft als auch in der internationalen Politik zerstörerische Gewalt. Menschen ohne Anerkennung ihrer Person und ohne Perspektive lassen sich von extremistischen Parolen ansprechen oder greifen zur Gewalt. Fundamentalistische Strömungen in allen Religionen fördern Hass und Gewalt und vertiefen politische und kulturelle Spannungen. Ressentiments und Vorurteile verfestigen und verstärken sich. Konflikte zwischen Völkern und Nationen, z.B. auf dem Balkan, im Nahen und Mittleren Osten oder in Zentralafrika, bleiben ungelöst oder eskalieren gar. Aus ökonomischen und geostrategischen Interessen verfolgen die alten und neuen Großmächte aggressive Strategien.

Wir fordern den Ausbau der zivilen Konfliktbearbeitung, national und international.

Wir tragen mit unseren Friedens- und Freiwilligendiensten dazu bei und unterstützen Versöhnungsinitiativen in Kriegsregionen durch die Gründung von Friedenszentren und die Förderung der Zivilgesellschaft.

Wir beobachten Tendenzen zu einem Kapitalismus, der sich aller Schranken und Regelungen entledigt. Die Globalisierung wirtschaftlicher Beziehungen verursacht und verschärft Konflikte. Ein oftmals ungehemmtes Profitstreben internationaler Konzerne nimmt die Ausgren-zung von Armen und Schwachen in Kauf und geht zu ihren Lasten. Die andauernde Gewalt gegen die Schöpfung im Namen des Fortschritts verursacht Umweltzerstörung und Artensterben; sie gefährdet die Lebensgrundlagen der Men-schen.

Wir fordern eine soziale Globalisierung, die Achtung der Menschenwürde aller und eine Poli-tik, die für gerechten sozialen Ausgleich sorgt und die Ressourcen schont.

Wir tragen selbst dazu bei, indem wir unseren Lebensstil verändern und uns für Alternativen zu den herrschenden wirtschaftlichen Strukturen einsetzen. Auch entwickeln und unterstützen wir Projekte der internationalen Solidarität, z.B. mit unseren Partnern in Kolumbien, auf den Philippinen, im Kongo und in Israel und Palästina.

Zu unserer vielfältigen Friedensarbeit tragen die Menschen und Gruppen in pax christi jeweils das Ihre bei. Gemeinsam sind wir bewegt vom Frieden und dankbar für die Erfahrungen, wie auf so verschiedene Weise Frieden wachsen kann. Wir bestärken einander in der Hoffnung, dass er Schritt für Schritt weiter wächst. Gemeinsam feiern wir Feste, Begegnun-gen und Gottesdienste im Glauben an Jesus Christus, der unser Friede ist.

Bad Vilbel, den 18. März 2008


Im KNA-Interview vor Ostern betonte pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß: “Die Entwicklung in Afghanistan zeigt uns gerade wieder einmal, wie schnell Schutz und Aufbau umschlagen können in Kampf und Krieg. Deshalb wenden wir uns eindeutig gegen die Militarisierung von Außenpolitik. (…) Es braucht Verständigung, Training gewaltfreier Kommunikation, zivile Austragungsformen von Konflikten. Nur so kommen wir dem Frieden, dem Weltfrieden wirklich näher.“ Afghanistan und Zivile Konfliktbearbeitung sind wesentliche Schwerpunkte der diesjährigen Ostermärsche.

Über 60 Aktionen der Friedensbewegung gegen Kriegseinsätze und Atomwaffen - Petition zu Afghanistan – Alternative Option für Zivile Konfliktbearbeitung

Zu den Ostermärschen 2008 wird eine neue Petition der Friedensbewegung an den Bundestag gestartet, mit der die öffentliche Diskussion gefördert und die Abgeordneten zu einer Ablehnung der im Herbst erwarteten neue Abstimmung über eine Verlängerung der deutschen Kriegsbeteiligung bewegt werden sollen.


Der Text der gemeinsamen Petition:

Dem Frieden eine Chance - Truppen raus aus Afghanistan!

Ein "Krieg gegen Terror" kann militärisch nicht gewonnen werden, da er selbst immer wieder neue Gewalt hervorruft. Der Abzug der Besatzungstruppen schafft Voraussetzungen für die Einstellung aller Kampfhandlungen und für eine zivile Entwicklung. Wir fordern die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf: Stimmen Sie keiner weiteren Verlängerung oder Erweiterung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan zu!

Online können Sie diese Petition unterzeichnen und Listen zum Ausdrucken und Selbstsammeln finden. Die Petition soll den Abgeordneten dann im September, vor der Abstimmung über den weiteren Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan, übergeben werden. Die 48.000 Unterschriften im vergangenen Jahr sollen weit übertroffen werden!


Presseerklärung des Netzwerks Friedenskooperative „50 Jahre Ostermärsche“ am 7.3.2008:

Aktionen gegen Kriegseinsätze und Atomwaffen

Friedensgruppen propagieren Alternativen für Zivile Konfliktbearbeitung

Die Ostermärsche der Friedensbewegung wenden sich gegen den Militäreinsatz in Afghanistan sowie den inzwischen fünfjährigen Krieg im Irak und fordern eine Wende in der Nahost-Politik für eine Friedenslösung zwischen Palästinensern und Israelis.

Das Netzwerk Friedenskooperative erinnert an die nunmehr 50jährige Geschichte der Ostermarsch-Aktionen, die im April 1958 mit dem von Bertrand Russell inspirierten Marsch der englischen Atomwaffengegner von London zum Atomwaffenlaboratorium Aldermaston begann und bald von deutschen pazifistischen Gruppen übernommen wurde. Die damals völlig neue ungewöhnliche Aktionsform führte in der Bundesrepublik zur ersten "neuen sozialen Bewegung" und außerparlamentarischen Opposition und ist bis heute lebendige Tradition für viele der aktiven Friedensinitiativen - seit den neunziger Jahren gerade auch in den neuen Bundesländern.

Auch in diesem Jahr spielt das ursprüngliche Thema "Atomwaffen" eine große Rolle. Die Gruppen der Friedensbewegung fordern die vollständige Abrüstung der Atomwaffen durch eine Nuklearwaffenkonvention in Anlehnung an das Verbot von B- und C- Waffen. In Deutschland soll das letzte Atomwaffenlager im Fliegerhorst Büchel geschlossen und die "nukleare Teilhabe" der Bundesrepublik beendet werden.

Die mehr als 60 Ostermärsche von Friedensgruppen wenden sich gegen Kriegsbeteiligung und z.B. auch gegen die geplante Erweiterung des Afghanistan-Einsatzes durch die Aufstellung einer deutschen "Quick Reaction Force" im Norden des Landes. Zu Ostern starten viele Friedensorganisationen gemeinsam eine erneute Unterschriftensammlung für eine Petition an den Bundestag, den Bundeswehreinsatz zu beenden.

Zum kurdischen Newroz-Fest am 20./21. März mahnen Friedensgruppen und kurdische Organisationen nach dem (vorläufigen) Ende des türkischen Einmarsches im Nordirak auch dringend eine politische Lösung des türkisch-kurdischen Konflikts an.

Alternativen zum Krieg sind möglich!

Sowohl für Irak und Afghanistan als auch beim Schlüsselkonflikt Israel/Palästina wie dem insgesamt verfehlten und gescheiterten Konzept des "Kriegs gegen den Terror" verweisen die Organisationen der Friedensbewegung aber auch auf umfangreiche Alternativ- Vorschläge für Zivile Konfliktbearbeitung, die aus der militärischen Sackgasse immer weiterer Eskalation hinausführen könnten.

Zu Afghanistan gibt es eine intensive auf verschiedenen Konferenzen vorangebrachte Debatte zu Friedenslösungen. Zum Irankonflikt, dem türkisch-kurdischen Konflikt und zum Konflikt Israel/Palästina hat die Dachorganisation "Kooperation für den Frieden" umfangreiche Dossiers mit alternativen Lösungsvorschlägen herausgegeben.

Dabei führt jeweils kein Weg an der konstruktiven Einbindung aller Konfliktparteien in einen Dialog vorbei. Das Netzwerk Friedenskooperative fordert dies gerade auch angesichts des jüngsten Anschlags gegen eine Religionsschule in Jerusalem. Die Abriegelung des Westjordanlandes drohe eher eine weitere Eskalation zu provozieren.

Die Friedenskooperative erinnert auch an die katastrophale Lage der im Gazastreifen gefangenen Menschen: "Ohne eine Einbeziehung der Hamas und Ermöglichung eines erträglichen Lebens auch in von ihr dominierten Gebieten gibt es keinen Weg aus der Spirale der Gewalt".

Friedensorganisationen befürworten seit langem eine Konferenz für Frieden im Nahen und Mittleren Osten, in der die miteinander verschränkten Konflikte in der Gesamtregion behandelt werden. Dabei müssten u.a. auch "die Schurken" Hamas, Hisbollah, Syrien und Iran eingebunden sein.

Manfred Stenner, Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative



In einer Botschaft an den Kardinal von Babylon zum Tode des - vermutlich gewaltsam durch die Umstände seiner Entführung oder durch gezielten Mord - umgekommenen Erzbischofs Rahho von Mossul im Irak drückt Pax Christi International ihr Beileid aus und weist aus diesem Anlass auf die laufenden solidarischen Aktivitäten der Bewegung hin, um auf die bedrohte Lage der Christen im Irak aufmerksam zu machen. Die deutsche Sektion verstärkt – etwa beim bevorstehenden Kongress vom 4.-6. April in Berlin - die Kontakte zum Irak, aber auch die politische Forderung, Flüchtlingen aus dem Irak Asyl in Deutschland zu gewähren.

Pax Christi International trauert um den chaldäisch-katholischen Erzbischof von Mosul

Die Botschaft von Pax Christi International im Original an den Kardinal von Babylon im Wortlaut:

Message from Pax Christi International to Cardinal Emmanuel III Delly Patriarch of Babylon of the Chaldeans

HE Archbishop Paulos (Boulos) Faraj Rahho Requiescat in Pacem

It is with a sense of sadness that we learned about the death of HE Boulos Faraj Rahho, Chaldean Catholic Archbishop of Mosul, whose body was discovered on 13 March 2008 in a shallow grave near Mosul. The Archbishop, 65 years of age, was kidnapped on 29th February. HH Pope Benedict XVI described his death as "an act of inhuman violence."

The death of HE Boulos Faraj Rahho is a great tragedy and loss for all humanity, and an act of barbarian violence. We as peace movement strongly condemn such violent action. Pax Christi International mourns all the others who are being killed and maimed in Iraq.

Pax Christi International joins all those in Iraq and elsewhere who mourn for the Archbishop. His abduction and death represents the latest blow against a Christian community that is undergoing an ordeal by persecution and our prayers and thoughts are with Iraq's Christians, particularly in Mosul, as they struggle to live in faith.

Recently, different member organisations of Pax Christi International have expressed their solidarity in various ways:

A Pax Christi France delegation had travelled to Iraq on a solidarity visit to the Christian community from the 11th to the 19th of February 2008. The delegation, including the president Msgr. Marc Stenger, met with Bishop Louis Sako of Kirkuk and other religious leaders and Christian communities in Iraq.

Naglaa Elhag, the Senior Programme Officer on Iraq of IKV/Pax Christi in the Netherlands, met Archbishop Rahho during her last visit to the country in December 2007 and they had lengthy talks about the situation of Christians in Iraq. They also discussed a possible campaign regarding the situation of Christians there.

Suah Rassam, the author of “Christianity in Iraq”, is involved in a newly formed organisation called “Iraqi Christians in Need.” At the Pax Christi UK seminar held in London on the 12th of February 2008, Suah reflected upon the situation of the Christians in Iraq. Many of them left the country or are planning or forced to do so.

The Chaldean Christian community constitutes one of the largest Iraqi Christian communities, numbering roughly (with estimates varying) at 550,000 from an earlier strength of over 800,000. His death continues to increase the alarm of all Christian communities in Iraq and is a sad legacy of the unremitting chaos since 2003.

We pray together with the Christians in Iraq that this tragic event may serve to build a future of peace in the martyred land of Iraq. Peace through dialogue is the only way forward.

Brussels, 14 March 2008

Kontakt:

Paul Lansu, Pax Christi International

Rue du Vieux Marché aux Grains 21

B-1000 Bruxelles, Belgium

Phone: +32 (0)2 502 55 50 fax: +32 (0)2 502 46 26

Der Eröffnung vorausgegangen waren Jahre der Planung und Monate akribischer Kleinarbeit im pax christi-Sekretariat in Bad Vilbel und im Bischöflichen DIözesanarchiv Aachen zur Erfassung und Übergabe der Akten der pax christi-Bewegung bis zum Jahre 1990. Bei der Eröffnung waren anwesend (v.l.n.r.) Johannes Schnettler (Vizepräsident), Dr. Reinhard J. Voß (Generalsekretär), der Aachener Generalvikar von Holtum, Archivdirektor Dr. Wynands und seine Mitarbeiterin Frau Freches sowie Rüdiger Pusch (pax christi-Sekretariat).

Mit einem kleinen Festakt wurde das Archiv der pax christi-Bewegung am 13.3.2008 im Diözesanarchiv Aachen eröffnet

Johannes Schnettler hielt folgende Rede:

Sehr geehrter Generalvikar von Holtum, sehr geehrter Archivdirektor Dr. Wynands, sehr geehrte Frau Freches,

heute ist ein besonderer Tag für pax christi. Wir eröffnen heute das pax christi-Archiv im Bischöflichen Diözesanarchiv Aachen. pax christi vergewissert sich seiner Geschichte und kehrt gleichsam zu den Anfängen der pax christi-Bewegung zurück. Und es konnte keinen besseren Zeitpunkt geben als diesen. In wenigen Wochen dürfen wir unser 60jähiges Jubiläum begehen. Den Grundstein für diese Arbeit im Dienste des Friedens und der Versöhnung legte der damalige Bischof von Aachen, Johannes van der Velden.

Ein 6jähriger Planungs- und Umsetzungsprozess findet heute sein erfolgreiches Ende. Am Beginn stand die Weitsicht unseres damaligen Geistlichen Beirats, Pfarrer Herbert Froehlich, die Akten der Bewegung archivarisch zu sichern. Nach Sondierung verschiedener Standorte für das pax christi-Archiv fiel die eindeutige Entscheidung des Präsidiums auf das Bischöfliche Diözesanarchiv Aachen. Das Bistum Aachen hat über die 60 Jahre unserer Bewegung hinweg die Arbeit von pax christi immer mit Nachdruck gefördert.

In der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Shoa haben wir gelernt: Nur wenn wir um unsere Herkunft wissen, können wir zu einer wirklichen Identität finden. Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung. Das Vergessen führt ins Exil, heiß es in AT. Im Kleinen gilt das auch für uns selbst. Es hat in den 60 Jahren pax christi unterschiedliche Ausprägungen unserer Friedensarbeit gegeben. Vom Gebetskreuzzug für den Frieden über die wissenschaftlich- institutionelle Ausrichtung hin zur Basisbewegung. Es scheint, gegensätzlicher könnten die Generationen der pax christi-Mitglieder nicht sein. Da hilft der Blick auf die Geschichte. Er zeigt zu jeder Zeit Menschen, die von der pax christi bewegt waren und sind. Aus diesem Geist heraus haben sie jeweils zu ihrer Zeit die Friedensbotschaft des Evangeliums in die Tat umgesetzt. Unser Archiv gibt davon Zeugnis. Ein Zeugnis, das Bestärkung ist für die pax christi-Arbeit heute und morgen.

So ist Dank zu sagen. Ihnen. Herr Generalvikar, dass die Beheimatung des pax christi-Archivs im Bischöflichen Diözesanarchiv in Aachen ermöglicht haben. Ihnen, Herr Dr. Wynands, dass Sie die Archivierung unserer Akten gefördert und das Werk ihrer Vorgängerin im Amt des Archivdirektors, Frau Birgit Osterholz-Kootz, fortgesetzt haben. Und schließlich Ihnen, Frau Freches, die Sie mit soviel Sorgfalt, Genauigkeit und Liebe die Akten zu dem gemacht haben, das wir heute dankbar das pax christi-Archiv nennen dürfen. Danken muss ich auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Sekretariat in Bad Vilbel, Frau Christa Weber, Frau Gabriele Zinn, Herrn Rüdiger Pusch und Herrn Generalsekretär Dr. Reinhard Voß für ihre geduldige Sortierung der Bestände.

Möge das pax christi-Archiv seinen Beitrag zum Frieden leisten.

Johannes Schnettler, Vizepräsident

Pax Christi Großbritannien ruft dazu auf, am Vorabend des Gründonnerstags, dem 20.3.2008, sich mit anderen Christen in England und USA zu versammeln, um der Leiden der Zivilbevölkerung im Irak zu gedenken, die Rolle der beiden eigenen Regierungen zu bereuen, das Schweigen der Kirchen heraus zu fordern, für Vergebung und Heilung zu beten und sich neu zum Handeln für den Frieden zu verpflichten. Pax Christi USA hat ein neues Policy Paper „Toward a Just und Peaceful Solution in Iraq“ vorgelegt.

Am 19. März vor 5 Jahren begann die völkerrechtswidrige Invasion im Irak.

Das über den unten stehenden Link zu erhaltende Flugblatt von „Pax Christi United Kingdom“ listet die erschreckenden Fakten auf, bietet ein interreligiöses Gebet an und macht Aktionsvorschläge.

Pax Christi USA schickte uns zum neuen Policy Paper „Toward a Just und Peaceful Solution in Iraq“ folgende Informationen:

The fifth anniversary of the U.S. invasion of Iraq, March 19th, falls in Holy Week this year, a poignant reminder of the prolonged Holy Week suffering in Iraq. Five years after the invasion, the spiral of violence unleashed by the war continues to cause tremendous suffering on all sides with no end in sight.

Outside the United States, the invasion is largely viewed as illegal, based on faulty intelligence and deliberate deception (that Iraq had weapons of mass destruction), and in violation of the United Nations Charter. U.S. unilateralism and the use of torture, as well as the ongoing militarization and occupation of Iraq, continue to damage the U.S. reputation abroad, as well as divide our people at home.

Inside Iraq, an August 2007 poll (commissioned by the BBC, ABC News, and Japan's NHK) showed that more than 6 in 10 Iraqis viewed the U.S.-led invasion of their country as wrong, up from 52 percent in late 2006. Between 67 and 70 percent believed the surge had hampered conditions for political dialogue and reconstruction, and despite the uncertainties around threats to security, 47 percent favored the immediate withdrawal of U.S. forces from Iraq-a 12-point rise from early March 2007.

Careful examination of the dynamics in Iraq is essential before any claims of policy "success" can be made based on temporary drops in violence or the withdrawal of some troops. Lasting peace in Iraq depends on an end to the U.S. occupation and a comprehensive and regional peace plan. A "diplomatic offensive" was recommended by the White House-commissioned Iraq Study Group report in 2006, but the recommendations have virtually been ignored by the U.S. Administration. As new policy directions need to be charted, the future U.S. role in Iraq will be a central topic of debate in this 2008 election campaign.

Catholic Social Teaching and a vision of Gospel nonviolence suggest policy directions for Iraq that embrace international cooperation and replace reliance on military measures with diplomatic efforts to resolve the conflict in Iraq and establish a just peace.

While debates in Washington focus on timetables for troop withdrawal and alternative military strategies to address internal violence, too little is said of the human, economic, and moral costs of the war, the role that the occupation plays in fanning violence, and the essential need for a comprehensive political solution to the conflict. A number of developments are scheduled to take place in the next months, including a drawdown of troops to pre-surge levels and the finalization of a formal agreement to establish an "enduring relationship" with Iraq. These events need careful scrutiny, with both Congressional and public oversight.

The key to long-term peace in Iraq lies in the United States' willingness to commit to a multilateral, diplomatic solution to the conflict in order to lay the foundation for a just peace that respects Iraqi sovereignty and control over its people and natural resources, withdraws all U.S. troops and U.S. military bases, and advances the difficult process of reconstruction and reconciliation.

Nothing can restore the precious lives lost and damaged, nor the ripped-apart social fabric of an ancient nation. But a change in U.S. policy focus to support a national reconciliation process in Iraq and a regional peace process offers the best hope for beginning to heal the divisions created by the continuing war and occupation, to lead to stability, and, in the long run, to strengthen the global common good.

Partner von pax christi - BDKJ und AGDF, die seit Jahren solche Dienste anbieten und ihre Ausweitung fordern - haben das vom Bundestag am 6.3.2008 angenommene Gesetz zu Jugendfreiwilligendiensten begrüßt und den Bundesrat zur Zustimmung aufgefordert. Zugleich fordern sie, auf diesem Wege weiter zu gehen und insbesondere Freiwilligendienste junger Menschen im Ausland, die durch das „weltwärts“-Programm seit 2008 einen neuen Schub erfahren, weiter zu erleichtern.

Stellungnahmen der Partner von pax christi - BDKJ und AGDF

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend begrüßt das Gesetz für Jugendfreiwilligendienste und fordert Bundesrat zur Zustimmung auf: „Flexibler, moderner, besser“

Düsseldorf, 6. März. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) begrüßt das heute vom Bundestag beschlossene Gesetz zu Jugendfreiwilligendiensten. Durch die Zusammenlegung der vorher getrennten Gesetze für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) schaffe der Bundestag endlich einen einheitlichen gesetzlichen Rahmen für unterschiedliche Dienste, lobt der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler.

Laut neuem Gesetz sollen junge Menschen in den Freiwilligendiensten neben sozialen Kompetenzen, verstärkt berufliche Orientierung bekommen. „Diese Schlüsselkompetenzen erleichtern jungen Menschen, ihren Lebensweg sinnvoll zu gestalten“, begrüßt Tänzler. Die Freiwilligen damit zu fördern, sei jetzt gemeinsame Aufgabe von Trägern und Einsatzstellen. Die Dienstdauer wird flexibler, Kombinationen zwischen FSJ und FÖJ, Inland und Ausland möglich. Auch kann der Dienst jetzt zwischen sechs bis - in begründeten Ausnahmefällen - 24 Monate dauern. „Das alles trägt der immer flexibler werdenden Lebenswelt von Jugendlichen Rechnung.“ Dass der Begriff Freiwilliges Soziales Jahr im Gesetzestext erhalten bleibe, sei eine „Anerkennung für die Tradition der Dienste in Deutschland“. Der BDKJ-Vorsitzende fordert den Bundesrat auf, dem Gesetz zuzustimmen, damit es umgehend in Kraft treten kann.

Doch die katholischen Jugendverbände sehen noch Verbesserungsmöglichkeiten. „Langfristiges Ziel muss eine Befreiung des FSJ von der Umsatzsteuer sein“, so Tänzler. Weiter kritisiert er, dass Rahmenbedingungen für die Freiwilligendienste im Ausland nur unzureichend verbessert werden. Auch erreiche die Bundesregierung den angekündigten Ausbau der Jugendfreiwilligendienste nur, wenn sie erhebliche zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung stelle. Die finanzielle Ungleichbehandlung unterschiedlicher Freiwilligendienste zum Nachteil des FSJ ist aus Sicht des BDKJ völlig inakzeptabel. Tänzler: „Alle, die einen Freiwilligendienst leisten wollen, müssen dies auch tun können.“


Die "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden", eine Vereinigugn von über 30 Friedensdiensten und -organisationen betont: Das Neue Jugendfreiwilligendienstegesetz ist keine Lösung für internationale Freiwilligendienste – ein Auslandsgesetz ist erforderlich!

PM 1/06.03.2008) Der Bundestag hat heute den Entwurf für ein Jugendfreiwilligendienstegesetz angenommen, dem noch der Bundesrat zustimmen muss. Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) begrüßt einerseits, dass das Freiwillige Soziale und Ökologische Jahr im Kern erhalten und sinnvoll weiter entwickelt werden. Zudem ist erfreulich, dass für Freiwillige, die seit dem 1. Januar über das Bundesförderprogramm weltwärts einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst ableisten, Kindergeld gezahlt werden soll. Andererseits beseitigt das geplante Gesetz nicht wesentliche Hemmnisse für die Freiwilligendienste junger Menschen im Ausland, weshalb die meisten auch zukünftig außerhalb von FSJ und FÖJ entsendet und dadurch Nachteile haben werden.

Knackpunkt ist dabei die Gesetzesvorschrift, dass auch die FSJ- oder FÖJ-Teilnehmenden im Ausland voll in der deutschen gesetzlichen Sozialversicherung sein müssen. Dies führt zum einen zu unnötig hohen Kosten, zum anderen zu bürokratischen Restriktionen beispielsweise bei der Gestaltung der Vorbereitungs- und Begleitseminare. Der Gesetzgeber hat es bisher versäumt, den Bundestagsbeschluss von 2005 umzusetzen, die sozialrechtlichen und aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen für Freiwillige im Ausland zu harmonisieren. Auch wurden die kritischen Hinweise zu den rechtlichen Rahmenbedingungen der Auslandsdienste der von der Bundesregierung selber in Auftrag gegebenen Evaluation ignoriert.

Die AGDF fordert daher den Gesetzgeber auf, endlich ein Gesetz für Jugendfreiwilligendienste im Ausland anzugehen. Der AGDF Geschäftsführer Jan Gildemeister weist darauf hin, dass "hinsichtlich der sozialen Sicherung der Europäische Freiwilligendienst und die Richtlinie des BMZ zum Förderprogramm weltwärts die Steilvorlage geben, die es aufzunehmen gilt. Es ist daher erfreulich, dass der Bundestag das Anliegen der FDP abgelehnt hat, weltwärts-Freiwillige in die gesetzliche Sozialversicherung zu zwingen. Dies hätte den großen Erfolg des Programms nachhaltig gefährdet."

Anlässlich des Beginns der Internationalen Wochen gegen Rassismus fordert der Interkulturelle Rat in Deutschland die Bundesregierung auf, ihre Anstrengungen im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu verstärken. Über 400 Veranstaltungen finden im Rahmen dieser Tage statt. Für pax christi arbeitet Präsidiums- und Vorstandsmitglied Georg Hörnschemeyer im Interkulturellen Rat mit. Die deutsche Sektion von pax christi ist seit vielen Jahren Mitträgerin der Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Vielfältiges Engagement vor Ort - Politik muss nachziehen

„Die mehr als 400 Veranstaltungen, die der Interkulturelle Rat bisher bundesweit im Rahmen der diesjährigen Aktionswochen von 10. bis 23. März verzeichnen kann und die auf der Homepage der Organisation dokumentiert sind, belegen eindrucksvoll, wie groß überall in Deutschland die Bereitschaft ist, sich aktiv gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einzusetzen“, erklärte Torsten Jäger, der Geschäftsführer des Interkulturellen Rates.

Einige Beispiele:

Der Deutsche Fußball-Bund hat die Vereine der Ersten und Zweiten Liga sowie der Regionalliga gebeten, auf die Internationalen Wochen gegen Rassismus aufmerksam zu machen. Die Vereine sind aufgefordert, sich während der Aktionswochen mit Stadionansagen vor den Spielen deutlich gegen Rassismus in und um die Stadien zu positionieren.

Das Jugendmusical-Theater s’putnike feiert in Espelkamp (Nordrhein-Westfalen) sein 25jähriges Bestehen mit einer großen Jubiläumsrevue: Unter dem Titel „Miteinander – Füreinander“ werden die Jugendlichen am 10. und 11. März Ausschnitte ihrer Musicals aufführen, die die Themen Migration und Integration musikalisch bearbeiten.

"Frieden und Heimat" heißt das Motto der Kindernachmittage im Deutsch-Irakischen-Verein Leipzig e. V. am 15. und 22. März. Eine deutsche und ein irakischer Grafikdesigner zeichnen bei dieser Veranstaltung mit Kindern beider Nationalitäten für Verständigung und Freundschaft zwischen den Ländern und ihren Einwohnern. Insgesamt zeichne sich ab, dass in Leipzig und Berlin besonders viele Aktivitäten stattfänden. Alle Bundesländer seien mit Veranstaltungen vertreten. Besonders erfreulich sei die erneut hohe Beteiligung von Schulen.

„Jede einzelne der vielen hundert Veranstaltungen nimmt die Bundesregierung in die Pflicht, das zivilgesellschaftliche Engagement für eine weltoffene Gesellschaft dauerhaft zu unterstützen“ erklärte Jäger. Angesichts steigender Zahlen rechtsextremer Straf- und Gewalttaten und der zunehmenden Salonfähigkeit von rassistischem und fremdenfeindlichem Gedankengut bestehe dringender Bedarf an staatlich geförderten Strukturen, in denen unabhängig von zeitlich befristeten Projektförderungen an der Überwindung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gearbeitet werden könne.

Jäger forderte die große Koalition auch dazu auf, endlich den bislang vollkommen unzureichenden Entwurf für einen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus zu überarbeiten und dabei auf die langjährigen Erfahrungen der Nichtregierungsorganisationen zurückzugreifen, die in der Antirassismusarbeit aktiv sind.

„Die Zivilgesellschaft ist mit ihren Aktivitäten im Rahmen der diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus eindrucksvoll in Vorleistung getreten. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Bundesregierung, die sich in ihrer Koalitionsvereinbarung ausdrücklich zu einer weltoffenen Gesellschaft bekannt hat, nachzieht“, sagte Jäger. Rassismus könne nur dann überwunden werden, wenn die Politik allen Menschen das gleiche Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermögliche. Arbeitsverbote und Residenzpflicht für Geduldete oder der Ausschluss von Drittstaatlern vom kommunalen Wahlrecht, so Jäger abschließend, ließen sich damit nicht in Einklang bringen.


Zum Hintergrund:

Am 21. März 1960 erschoss die südafrikanische Polizei im Johannesburger Township Sharpeville 69 friedliche Demonstranten, die gegen die ungerechten Passgesetze auf die Straße gegangen waren. Unter dem Eindruck dieses „Massakers von Sharpeville“ und des Fortbestehens des südafrikanischen Apartheid-Regimes forderte die Generalversammlung die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen 1966 auf, ihre Anstrengungen zur Überwindung jeder Form von Rassismus zu verdoppeln und die nationalen Bildungs- und Erziehungssysteme sowie die Massenmedien im Kampf gegen diskriminierende Praktiken darauf auszurichten, rassistisch geprägten Vorurteilen wirkungsvoll zu begegnen. Sie erklärte den 21. März zum „Internationalen Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung“. Der 21. März ist damit einer der ersten offiziellen und einer der gewichtigsten Gedenktage der Vereinten Nationen. In einer weiteren Resolution forderte die Generalversammlung der Vereinten Nationen ihre Mitgliedsstaaten 1979 dazu auf, alljährlich in Verbindung mit dem 21. März eine Woche der Solidarität mit den Gegnern und Opfern von Rassismus zu organisieren.

Das Gesprächsforum Ökumenische Friedensdekade suchte am 10. März in Kassel aus den zahlreichen Einsendungen zum diesjährigen Thema "Frieden riskieren" das Bild eines Seiltänzers als Motiv für 2008 aus. Das Team Dreigestalten gewann damit den 1. Preis des Grafikwettbewerbs.

Team "Dreigestalten" (Bremen/Essen) gewinnt 1.Preis

Das zweitplatzierte Bild von Hermann Misersky zeigte eine Taube, die ihren Käfig verlässt. Dies wird dem ausgewählten Motto und zwei weiteren Bildern als Postkarten Teil der Materialien 2008.

Die Materialien der Ökumenischen FriedensDekade 2008 vom 9.-19.11. werden Anfang August verfügbar sein. Eine Werbekarte für Vorbestellungen gibt es bereits ab Ende Mai. Alle weiteren Informationen finden sich auf der Internetseite der Dekade.

Der pax christi-Vertreter im Gesprächsforum, Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß, wurde aus beruflichen Gründen mit einem Friedensbuch und einem Teashirt zusammen mit Dr. Georg Schütz (ACK) herzlich aus der Runde verabschiedet.

Informationen über das Gewinnerteam des Dekaden-Motivs finden sich unter www.dreigestalten.de

pax christi wird mit einem Informationsstand (E 507), mit mehreren Groß-Podien zur Frage der Militarisierung der Außenpolitik, zu Religiös motivierter Friedensarbeit und zum Israel-Palästina-Konflikt, mit einem "Begegnungsort", mit Gebeten, Gesprächen und Workshops vielfältig auf dem Katholikentag in Osnabrück präsent sein.

Eine Übersicht über unsere Angebote und Aktivitäten

Die pax christi-Regionalstelle Osnabrück/Hamburg und die deutsche Sektion arbeiten dabei eng zusammen.

Hier finden Sie eine Übersicht über Veranstaltungen, die pax christi verantwortet oder bei denen sie mitwirkt.

Das "Ökumenische Netz Zentralafrika", das von pax christi, Misereor, Brot für die Welt, Diakonischem Werk und der Vereinigten Evangelischen Mission getragen wird, sucht eine/n neue/n Referenten/in.

Ausschreibung bis 31.3.2008

Die Stelle ist bis 31.12.2010 befristet und in Berlin angesiedelt. Anstellungsträger ist das Katholische Hilfswerk Misereor Aachen. Die Stelle muss kurzfristig wegen Ausscheidens der bisherigen Stelleninhaberin neu besetzt werden.

Mit dieser Erklärung legt die von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken gebildete Kommission Überlegungen und Empfehlungen vor, die zunehmende Bedeutung nuklearer Rüstung und ihre Risiken ernst zu nehmen sowie die politischen Möglichkeiten zur Überwindung der Logik und Dynamik nuklearer Abschreckung zu nutzen.

pax christi gab den Anstoß für die Erklärung "Die Überwindung nuklearer Abschreckung - ein unaufgebbares Ziel der Friedenspolitik"

Der gesamte Text ist auf der Webseite von Justitia et Pax abzurufen.

Für die Presseerklärung verantwortlich ist das Berliner Büro / Jörg Lüer, Tel. 030-243428-158

Kontakt: Deutsche Kommission Justitia et Pax, Kaiserstr. 161, 53113 Bonn - Justitia-et-Pax@dbk.de

„Arbeiten für den Frieden - Handeln aus dem Geist der Versöhnung“: unter diesem Motto versammelte das Fest zum 60jährigen Weg von pax christi Deutschland viele der früheren und heutigen Verantwortlichen im Erzbistum Paderborn, die ihre Erfahrungen an einem langen Talkabend eindrucksvoll mitteilten. Am Nachmittag referierten Dr. Wolfgang Regeniter (langjähriges Vorstandsmitglied) über die Geschichte von pax christi im Erzbistum und Otfried Nassauer (Berliner Friedensforscher) über die aktuellen Aufgaben der Friedensbewegung (im Bild neben Elisabeth Engel, Sprecherin und Präsidumsmitglied). Gäste aus der evangelischen Kirche und vom Versöhnungsbund sprachen Grußworte, wie auch die Vizepräsidentin der deutschen Sektion von pax christi, Veronika Hüning. Ein ermutigender Gottesdienst rundete das Fest ab.

Über 40 Mitglieder und Gäste trafen sich am Wochenende in der Kommende Dortmund

Otfried Nassauer, Gründer und Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (www.bits.de), forderte eine verschärfte Kritik an neuen Militärstrategien des Westens, die Stärkung des internationalen Rechts, eine ressort-übergreifende Sicherheitspolitik, die die wachsende Militärfixierung überwindet sowie die Stärkung einer Politik, die Prävention und Beseitigung von Konfliktursachen in den Vordergrund stellt. Neben den Aufbau von Alternativen ziviler Konfliktbearbeitung müsse – wie in den 80er Jahren – von der Friedensbewegung wieder mehr Militär- und Strategiekritik, gerade auch in direkter Auseinandersetzung mit der Bundeswehr und den Auslandseinsätzen, geleistet werden.

Otfried Nassauer wird auch beim Jubiläumskongress der deutschen Sektion von pax christi in Berlin am Abend des 4. April 2008 auf einem Podium mit pax christi-Präsident Bischof Heinz Josef Algermissen, dem früheren Generalsekretär Joachim Garstecki und Frau Barbara Unmüßig von der Heinrich Böll-Stiftung Stellung beziehen.

Dr. Wolfgang Regeniter ermutigte die pax christi-Bewegung zum Schluss seines historischen Überblicks wie folgt:

Die Richtung unseres künftigen Weges weist uns das Leitwort unseres diesjährigen Jubiläums: „Arbeiten für den Frieden - Handeln aus dem Geist der Versöhnung“. Auch künftig werden wir uns von Gottes Geist der Versöhnung inspirieren lassen zum Brückenbauen und Friedenstiften: im Dialog zwischen den Menschen des Nordens und des Südens, zwischen Christen und Muslimen, einheimischen Deutschen und Migranten… Und wir wollen auch künftig jedem scheinbar noch so „gerechten Krieg“, auch wenn er als vermeintlich notwendige „humanitäre Intervention“ gerechtfertigt wird, jede Legitimation absprechen. Und auch künftig wollen wir Gewalt in ihren unterschiedlichen Formen aufdecken und anprangern und Schritte zu ihrer Überwindung gehen und dabei dem Frieden den Weg bereiten.“

Die deutsche Sektion schreibt zum 1. Oktober die Stelle des/der Generalsekretärs/Generalsekretärin neu aus.

Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 15. April. Die Stellenanzeige können Sie hier einsehen.

pax christi im Bistum Limburg feierte 60. Geburtstag von pax christi mit einem Gottesdienst

Mit einem festlichen Dankgottesdienst hat am Sonntag, 24. Februar, in der Pfarrkirche St. Martin in Idstein die pax christi-Bistumsstelle Limburg das Jubiläumsjahr zum 60-jährigen Bestehen der katholischen Friedensbewegung eröffnet. Dass die Mitglieder dieses Jubiläum nicht als „Grund zum selbstgefälligen Schulterklopfen“, sondern als Aufruf zur Verpflichtung ansehen, machte Pfarrer Rolf Glaser in seinen Eingangsworten deutlich. Als geistlicher Beirat von pax christi konnte er nicht nur seine beiden Vorgänger im Amt, Pater Helmut Schlegel und Pfarrer Hans-Josef Wüst, sondern als Hauptzelebranten Altbischof Dr. Franz Kamphaus begrüßen. Beim anschließenden Empfang im Gemeindezentrum berichteten ältere und jüngere pax christi- Mitglieder von ihren Erfahrungen in der Friedensarbeit - darunter auch Johannes Schnettler, Vizepräsident der deutschen Sektion

Erklärung des Geschäftsführenden Vorstands von pax christi

Am 17. Februar 2008 hat sich die serbische Teilrepublik Kosovo zum unabhängigen eigen-ständigen Staat erklärt und die Bundesrepublik Deutschland hat ihn drei Tage später - nach den drei westlichen Staaten im Weltsicherheitsrat - anerkannt.

Die internationale katholische Friedensbewegung pax christi ist seit vielen Jahren mit Kooperationsprojekten in Serbien und im Kosovo beim Aufbau von Frieden und Verständigung aktiv und hält engen Kontakt zur Serbisch-Orthodoxen Kirche. Vor diesem Hintergrund nimmt die deutsche Sektion Stellung zur Unabhängigkeitserklärung Kosovos.

Das politische Dilemma bleibt bestehen: Einerseits bewegen sich Unabhängigkeitserklärung und Anerkennung Kosovos in einer völkerrechtlichen Grauzone, andererseits gibt es spätestens seit der Aberkennung der Autonomie der Teilprovinzen Serbiens durch dessen Präsidenten Milosevic (1990) einen legitimen Prozess zur Verwirklichung der Selbstbestimmung der albanischen Mehrheitsbevölkerung im Kosovo. Nach den kriegerischen Auseinandersetzungen um den Kosovo wurde von der Friedens- und Menschenrechtsbewegung immer wieder der Vorrang klarer Menschenrechts- und Demokratiestandards postuliert, wenn es um den zukünftigen Status des Kosovo ging. Nun ist nach vielen Vermittlungsbemühungen von VN und EU die Statusfrage vor der Frage der Standards „gelöst“ worden. Die staatliche Selbstständigkeit wurde einseitig erklärt und wird in einem sich ausweitenden Anerkennungsprozess bestätigt, auch durch die deutsche Außenpolitik.

Die Erklärung der Unabhängigkeit birgt die Gefahr eines weiteren Krieges auf dem Balkan in sich. Die Wunden der Kriege in Kroatien Bosnien und auch im Kosovo sind noch nicht verheilt. Schon gibt es in Serbien erste gewaltsame Anschläge auf Botschaften und Konsulate, die den neuen Staat anerkannt haben. Oberstes Gebot der Völkergemeinschaft muss es sein, die Kriegsgefahr einzudämmen. Daher erwachsen aus der Unabhängigkeitserklärung ebenso wie aus der Annerkennung des neuen Staates massive Verpflichtungen. Die EU-Staaten sind nun mit der von allen getragenen Polizei- und Statebuilding-Mission und mit den sonstigen Hilfsprogrammen für einen aus eigener Kraft noch nicht lebensfähigen Staat zum Erfolg verpflichtet. Dabei hat die EU die Chance und Aufgabe, in enger Tuchfühlung mit Serbien zu bleiben und beiden Staaten den Weg in die EU ebnen zu helfen. Sie hat ebenfalls die Aufgabe, die wachsende Konfrontation mit Russland zu überwinden und US-amerikanische geopolitisch-militärische Interessen zurück zu drängen.

pax christi fordert und engagiert sich selbst für folgende Ziele:

  • Der Rechtsstaat ist konsequent aufzubauen. Alle Minderheiten und ethnischen Gruppen im Kosovo, darunter die verbliebenen und geflüchteten Serben sowie die bisher stark unterdrückten Roma und Ashkali, sind zu schützen.
  •  Die Religions- und Glaubensfreiheit sowie der Schutz der Kulturgüter der Serben und Minderheiten müssen garantiert werden.
  • Die Netzwerke der Zivilgesellschaft sind deutlich stärker zu fördern, darunter so beispielhafte Projekte wie die „Stärkung und Beratung von Friedensallianzen“ und
  • Von der deutschen Bundesregierung fordern wir darüber hinaus: Es darf keine erzwungene Rückkehr von Kosovo-Flüchtlingen aus Deutschland geben, bevor nicht klar ist, dass der neue Staat stabil ist und Minderheiten geschützt sind.
  • Die christliche Ökumene muss ihren Beitrag zur friedlichen Koexistenz in der Region und zum interkonfessionellen Dialog leisten. Dabei ist die Beteiligung der Serbisch-Orthodoxen Kirche unverzichtbar, die eine Brücke zwischen dem östlichen und westlichen Christentum bilden kann.
  • Außerdem muss der interreligiöse Dialog gefördert werden. Dabei ist die muslimische Präsenz in Serbien von hoher Bedeutung für mehr Verständnis und Respekt zwischen den Völkern und Nationen der modernen Welt, wie Papst Benedikt XVI. kürzlich betonte.

Vilbel, den 25. Februar 2008

Für die deutsche Sektion von pax christi ist Generalsekretär Dr. Reinhard J, Voß offiziell zur Feier am 23.Februar 2008 am Mont Valérien bei Paris eingeladen, um des 60. Todestages von Franz Stock aus Arnsberg-Neheim (NRW), in Frankreich als „Abbé Stock“ bekannt, teilzunehmen. In seiner Eigenschaft als Rektor (Pfarrer)der Deutschen Gemeinde Paris wurde Franz im Jahre 1940 beauftragt mit der Seelsorge in den Pariser Gefängnissen, wo die Nazis Widerstandskämpfer und „Feinde“ einkerkerten. Er hat dabei unsägliches Elend gelindert und zwischen ein- und zweitausend Verurteilte auf den Tod vorbereitet. Er begleitete sie alle bis zum Ende - bis zur Richtstätte auf dem Mont Valérien.

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers erinnern zum 60. Todestag an Abbé Franz Stock

Nach dem Krieg baute er in Chartres für deutsche und österreichische kriegsgefangene Theologen das "Seminar hinterm Stacheldraht" auf, das derzeit zu einer Begegnungsstätte umgebaut wird. Er starb entkräftet im Jahre 1948.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac sagte 1998 über Franz Stock: „Er war einer der ersten, die verstanden, dass Versöhnung eine Geisteshaltung ist, etwas, das jeden Tag neu gewonnen werden will. Sie beruht nicht auf der Ablehnung der Geschichte, sondern auf der Fähigkeit, die Lehren aus ihr zu ziehen und darüber hinauszugehen.“

Zum Gedenken am Mont Valérien schreibt die Staatskanzlei NRW am 19.02.2008:

Anlässlich seiner Auftaktreise zum Frankreich-Nordrhein-Westfalen-Jahr am kommenden Wochenende nach Paris und Chartres trifft Ministerpräsident Jürgen Rüttgers am Samstag, den 23. Februar 2008, mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zusammen. Auf dem Mont Valérien, der zentralen Gedenkstätte für die Opfer von Verfolgung, Gewalt und Widerstand, wird Ministerpräsident Rüttgers als erster deutscher Spitzenpolitiker den französischen Widerstand im Zweiten Weltkrieg würdigen.

Der Mont Valérien war von 1940 bis 1944 die von den deutschen Besatzern genutzte Stätte der Hinrichtung französischer Widerstandskämpfer und französischer Geiseln. Bis zu 4.500 Menschen fanden hier den Tod. Es stellt eine besondere Ehre und Würdigung der engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Nordrhein-Westfalen dar, dass Staatspräsident Sarkozy und Ministerpräsident Rüttgers auf dem Mont Valérien zusammen einen Kranz niederlegen. Während der Reise trifft Rüttgers auch mit der Tochter des ersten auf dem Mont Valérien erschossenen Offiziers der französischen Marine zusammen. Im Mittelpunkt der Reise steht neben dem Gedenken auf dem Mont Valérien auch der 60. Todestag des aus Nordrhein-Westfalen stammenden Priesters Abbé Franz Stock, der als Vorläufer der deutsch-französischen Freundschaft gilt. Stock musste als Seelsorger bis zu 2.000 Hinrichtungen am Mont Valérien begleiten. Heute liegt er in der Kirche Saint Jean Baptiste in Chartres-Rechèvres begraben, wo am Sonntag der 60. Todestag von Franz Stock begangen und Ministerpräsident Rüttgers das Grab besuchen wird. Außerdem trifft Rüttgers im Stacheldrahtseminar von Chartres-Le Coudray mit deutschen und französischen Schülern zu einer Diskussion zusammen. In dem Seminar hat Franz Stock von 1945 bis 1947 die deutschen und österreichischen Seminaristen und Priester in ihrer französischen Kriegsgefangenschaft als Seelsorger betreut. Ministerpräsident Rüttgers wird in Chartres auch mit der Schwester Abbé Stocks, Theresia Stock, zusammen treffen.

Mit der Reise nach Paris und Chartres will Ministerpräsident Rüttgers die guten Beziehungen Nordrhein-Westfalens zu Frankreich vertiefen. Mit dem Besuch des Mont Valérien und der Würdigung von Abbé Franz Stock macht Ministerpräsident Rüttgers deutlich, dass es aller Anstrengungen bedarf, die besondere Stellung der deutsch-französischen Freundschaft im geeinten Europa weiter auszubauen und damit ein Zeichen der Erinnerung und Versöhnung zu setzen.

Das Franz Stock-Komitee ergänzt zu den anschließenden Feiern in Chartres auf seiner Webseite:

Am Sonntag, 24. Februar 2008, dem 60. Todestag von Abbé Franz Stock wird um 11.00 Uhr in der Kathedrale von Chartres ein Pontifikalamt mit Bischof Pansard (Chartres), dem Apostolischen Nuntius in Frankreich Monseigneur Fortunato Bardelli und Erzbischof Becker (Paderborn) in Erinnerung an Franz Stock gefeiert.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wird aus diesem Anlass Paris und Chartres besuchen. Nach der Messfeier findet eine Begegnung in der ehemaligen Halle des Stacheldrahtseminars statt.

Aus der Heimatregion Franz Stocks werden Vertreter der Stadt Arnsberg, ca. 70 Schüler und Schülerinnen des Franz-Stock- und des St.-Ursula-Gymnasiums und eine 60köpfige Gruppe des Franz-Stock-Komitees teilnehmen.

Ich wende mich aus persönlicher Betroffenheit an Sie: Erfahrungen mit herumliegender noch nicht explodierter Munition: Personen- und Panzerminen, Eier-Handgranaten, Panzer-Fäuste etc. nach dem Ende des 2. Weltkrieges in meiner Heimat, der Nordeifel, die in den Monaten Sept. 1944 bis April 1945 hart umkämpft war, und in der ganze Ortschaften fast völlig zerstört wurden. Sog. „verbrannte Erde“ wurde hinterlassen mit all´ dem „Munitionsmüll“, der unter uns damaligen Kindern und auch bei Erwachsenen unendliches Leid durch Verletzungen, Verstümmelungen und Todesfällen verursachte.

pax christi-Mitglied Sr. Caritas Zilken, Dominikanerin von Bethanien, appelliert an die Bundesregierung und bittet, ihrem Beispiel zu folgen

Wie Ihnen bekannt, findet z. Zt. in Wellington auf Neuseeland die letzte Vorbereitungskonferenz für ein weltweites Abkommen zum Verbot von Streumunition mit über 500 Delegierten aus 120 Ländern –unter ihnen auch die Bundesrepublik Deutschland- statt.

Der neuseeländische Verteidigungsminister Phil Goff sagte bei der Eröffnungszeremonie, auch nach dem Einsatz von Streumunition würden noch Menschen von den Sprengkörpern getötet oder schwer verletzt. Die nicht explodierte Streumunition gefährde das Leben von Zivilisten genauso, wie es Landminen täten. Mit dem Problem müsse in gleicher Weise umgegangen werden. Diese Waffen , aus hunderten kleiner Sprengkörper bestehend, sind seit dem 2. Weltkrieg im Einsatz und haben weltweit Zehntausende Zivilisten getötet und schwer verletzt, vor allem Kinder. Sie wurden u.a. im Irak, in Afghanistan, im Kosovo und im Libanon eingesetzt.

In Neuseeland soll -Zeitungsberichten zufolge- ein Vertragswerk erstellt werden, das Ende Mai in Dublin unterzeichnet werden soll.

M.E. ist es nun hohe Zeit, auch von deutscher Regierungsseite eindeutig Position zur Ächtung von Streubombenmunition zu beziehen. Das habe ich auf der internationalen Vorkonferenz schmerzlich vermisst. Ich war auch sehr betroffen davon, dass sich in den Arsenalen der deutschen Bundeswehr Streubombenmunition befindet. Bitte, haben Sie Verständnis dafür, dass mir der Glaube daran fehlt oder zumindest sehr schwer fällt, dass es sich hierbei nur um Munition mit einer Blindgängerquote bis 1 Prozent handele, die immerhin noch bis 2015 gelagert werden soll. (s.hierzu 1. Absatz!) Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, sehr geehrter Herr Steinmeier, sehr geehrter Herr Dr. Jung, ich appelliere hiermit ganz dringend an Sie, bitte

unterstützen Sie die Bemühungen um die Ächtung der Streubomen-Munition auf der derzeitigen internationalen Konferenz in Wellington/Neuseeland.

Mit vorzüglicher Hochachtung

(C.Zilken 0.P. Dominikanerin von Bethanien)

Die Bedeutung der Versöhnung hat eine französisch-italienische Pax-Christi-Delegation bei einem Besuch im irakischen Kurdistan betont. Bei einer Begegnung mit dem kurdischen Spitzenpolitiker Massoud Barzani betonte der französische Bischof Marc Stenger, Präsident von Pax Christi France, wie entscheidend aus der Sicht der katholischen Friedensbewegung die Solidarität zwischen allen Bewohnern des Iraks wäre. Ohne Versöhnung seien Dialog und Frieden "nicht zu verwirklichen".

Eindrücke der französisch-italienischen Delegation unter Leitung von Bischof Stenger

Die französisch-italienische Delegation sei im Irak, um den Christen des Landes die Unterstützung der Glaubensgeschwister aus dem Westen zu bekunden, betonte Bischof Stenger. Die Christen könnten einen Beitrag zum Dialog und zur Öffnung leisten.

Barzani betonte in seiner Antwort, dass das irakische Kurdistan für die Christen offen sei. In Kurdistan gebe es keine "religiöse Diskriminierung". Beobachter sind skeptisch, was die Lage von Christen im mehrheitlich kurdischen Nordirak angeht. Die Behörden signalisieren, dass sie keine christlichen Flüchtlinge aus anderen Teilen des Iraks mehr aufnehmen wollen.

Deutschland gehört zu den Staaten, die über Streumunition in zweistelliger Millionenauflage verfügen und die Milliardensummen für die Beschaffung und Modernisierung von Streumunition ausgeben bzw. ausgegeben haben. Nach wie vor produzieren und exportieren deutsche Firmen Streumunition. Auf der “Wellington Conference on Cluster Munitions” (18. bis 22.2.) setzen ab Montag gut 100 Staaten im Rahmen des „Oslo- Prozesses“ ihre Verhandlungen über ein Verbot von Streumunition fort.

Presseerklärung der Kampagne gegen Landminen

Am Ende der Konferenz ist jede Delegation aufgefordert, die „Declaration of the Wellington Conference on Cluster Munitions” zu unterzeichnen, um damit auch die Teilnahme an den nächsten, entscheidenden Vertragsverhandlungen in Dublin im Mai diesen Jahres zu ermöglichen.

Mit der Wellingtoner Erklärung verpflichten sich die unterzeichnenden Staaten, grundsätzlich einem Verbot des Gebrauchs, der Produktion, des Exports und der Lagerung von Streumunition, welche der Zivilbevölkerung inakzeptablen Schaden zufügt, zuzustimmen.

„Mit der Konferenz in Wellington bietet sich für die Bundesregierung fast schon die letzte Gelegenheit, den angekündigten Abrüstungswillen in Bezug auf Streumunition endlich in die Tat umzusetzen“, mahnt Thomas Gebauer von medico international. Außenminister Steinmeier hatte im Vorfeld der Konferenz betont, dass „Abrüstung und Rüstungskontrolle (…) in der Tat auf einer neuen transatlantischen Agenda (...) ganz nach oben gehören“ und dabei ausdrücklich Streumunition eingeschlossen.

„Die Bundesregierung wäre gut beraten, endlich ein deutliches Signal in Form eines Moratoriums zum Verbot von Streumunition auszusenden und damit auch ihre Bremserrolle im Oslo-Prozess aufzugeben“, fordert Thomas Küchenmeister von Aktionsbündnis Landmine.de. „Dieses Signal wäre wichtig, besonders in Richtung NATO-Verbündete und EU- Mitgliedsstaaten, die zu den Hauptproduzenten und Anwendern von Streumunition zählen“ sagt Küchenmeister. Das US- Verteidigungsministerium hatte bereits vor wenigen Tagen offen gedroht, dass ein Verbot von Streumunition zukünftig gemeinsame NATO- Operationen mit Beteiligung der USA unmöglich machen könnte.

Die im Aktionsbündnis Landmine.de zusammengeschlossenen Organisationen befürchten, dass die Bundesregierung in Wellington ihre bisherige Position zu Streumunition aufrechterhält. Dies würde bedeuten, dass „ungefährliche“ Streumunition mit angeblich geringer Fehlerquote oder auch Streuminen von einem Verbot ausgeschlossen bleiben und dass Deutschland auch weiter aktiv für diese Position Verbündete sucht, um den Verbotsprozess aufzuweichen.

„Wenn zwei Drittel der Staaten der Welt – darunter ein Großteil Europas – mit einem raschen und ausnahmslosen Verbot von Streumunition noch 2008 ein Zeichen setzen, könnte das langfristig auch Staaten wie die USA, Russland oder China zum Handeln zwingen und zumindest einen unilateralen Verzicht des Einsatzes nach sich ziehen,“ glaubt François de Keersmaeker von Handicap International.

Aktionsbündnis Landmine.de ist Mitglied der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL) und der Cluster Munition Coalition (CMC).

Berlin, 17.2.2008


PAX CHRISTI ist Mitglied der Kampagne gegen Landminen und Streumunition.

Für Rückfragen und Interviews stehen zur Verfügung:

Thomas Küchenmeister, Leiter Aktionsbündnis Landmine.de / CMC- Deutschland +49 (0)30 32661681 oder +49 (0)175-4964082

Thomas Gebauer, Geschäftsführer Medico International, 069-94438-30

François De Keersmaeker, Geschäftsführer Handicap International Deutschland +49 (0)177-5563555


Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß würdigte anlässlich des 65. Geburtstages am Freitag, dem 15.2.2008, die Verdienste von Bischof Algermissen für die Bewegung in einem Geburtstags-Schreiben, in dem er ihn „als ökumenisch offenen, pastoral liebevoll-verantwortlichen und gesellschaftspolitisch wachen und kritischen Geist“ bezeichnet.

Statt Geschenken wünscht er die Förderung der neuen Stiftung „Sozialdienst katholischer Frauen im Bistum Fulda“

Voß schrieb weiter: „All dies haben Sie uns gegenüber in den Jahren Ihrer bisherigen Amtszeit bestätigt. Ich danke Ihnen dafür von Herzen. Ich fühle mich Ihnen verbunden – und uns trennen ja nur gut 6 Jahre – im Festhalten an den Visionen der Verbindung von "Kampf und Kontemplation" (Frère Roger, Taizé) und von "Mystik und Politik" (J.B.Metz). Und ich sehe, dass Sie, lieber Herr Bischof, diese Spannung ernst nehmen, wenn Sie sowohl zum Embryonenschutz als auch zum Abzug und zur Abschaffung von Atomwaffen klar Stellung beziehen. (…) Ich möchte Ihnen versichern, dass mir die Verbindung zu Ihnen, gerade in den Bemühungen um die Weiterentwicklung der Ökumene, wichtig bleiben wird. Sie haben uns – und mich persönlich als Mitglied einer Ökumenischen Gemeinschaft seit über 20 Jahren - in Ihrem diesjährigen Hirtenbrief sehr ermutigt.“

Statt Geschenken wünscht Bischof Algermissen Spenden für die kürzlich errichtete Stiftung „Sozialdienst katholischer Frauen im Bistum Fulda“ auf das Stifterkonto 150 50 000 bei der Bank für Kirche und Caritas eG, Paderborn, BLZ 472 603 07.

Als Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstandes der deutschen Sektion von pax christi hat Vizepräsident Johannes Schnettler dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zur Wahl gratuliert und ihm für seine neue Aufgabe "Kraft, Mut und Gottes Segen" gewünscht. Er sicherte ihm die Unterstützung von pax christi zu.

Vizepräsident Johannes Schnettler schreibt dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz

Johannes Schnettler schrieb am 13.2.2008 an den Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch:

Sehr geehrter Erzbischof Dr. Zollitsch,

im Namen der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi gratuliere ich Ihnen herzlich zur Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. In Ihren ersten Worten nach der Wahl sprachen Sie von der Notwendigkeit kirchlichen Handelns in der Gesellschaft. Bei der Wahrnehmung dieses Dienstes wollen wir Sie als Friedensbewegung in der katholischen Kirche nach Kräften unterstützen. Wir wünschen Ihnen für das neue Amt, das Sie mit diesem Tag übernommen haben, Kraft, Mut und Gottes Segen.

Ihr

Johannes Schnettler

Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstandes


Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, in dem pax christi durch Johannes Schnettler vertreten wird, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, hat Erzbischof Dr. Robert Zollitsch mit folgenden Worten gratuliert:


Sehr geehrter Herr Erzbischof Zollitsch,

mit großer Freude habe ich soeben von Ihrer Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gehört. Ich möchte Ihnen persönlich wie auch im Namen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken unsere herzlichen Glück- und Segenswünsche aussprechen. Gott möge Sie begleiten und Ihnen Kraft schenken für dieses verantwortungsvolle Amt. Gottes Geist möge Ihre Entscheidungen, Ihre Worte und konkreten Schritte lenken.

Wir freuen uns, dass mit Ihnen ein Seelsorger an die Spitze der katholischen Kirche in Deutschland gewählt worden ist, der die Menschen im Blick hat und sich um deren Heil müht. Sie strahlen wie Ihr verehrter Vorgänger im Amt des DBK-Vorsitzenden, Kardinal Lehmann, eine tiefe Freude aus dem Glauben aus. Sie stehen für ernsthaften Dialog und kritische Zeitgenossenschaft mit den Menschen von heute.

Ihre guten Verbindungen zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken haben sich in vielen Kontakten und Gesprächen entfaltet. Gern erinnern wir heute auch an den für Sie wie für so viele Katholiken in diesem Land unvergesslichen Katholikentag von Freiburg 1978 unter dem Leitwort "Ich will Euch Hoffnung und Zukunft geben." Dankbar und mit besonderer Freude haben wir Ihre Einladung zum 98. Deutschen Katholikentag 2012 nach Mannheim angenommen. Durch Ihre Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz erhält unsere Zusammenarbeit eine neue und wichtige Dimension. Ich freue mich auf die nächste Begegnung mit Ihnen und versichere Ihnen, dass wir Sie im ZdK in unsere Gebete einschließen werden. (...)

Die „Kooperation für den Frieden“, mitgegründet und mitgetragen durch die deutsche Sektion von pax christi, hat am 12.2.2008 den nachstehenden Brief an die Bundestagsabgeordneten geschickt, in der sie sich. “mit großer Sorge“ zu den Presse-Meldungen über die „Münchner Sicherheitskonferenz“ vom vergangenen Wochenende und die Gefahr einer „deutlichen Eskalation der deutschen Kriegsbeteiligung“ äußert.

„Kooperation für den Frieden“ schreibt alle Bundestagsabgeordneten an

Der Text lautet:

Sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages,

mit großer Sorge entnehmen wir der Presse die Meldungen über die Münchner Sicherheitskonferenz am vergangenen Wochenende.

Danach ist es höchst wahrscheinlich, dass die Obergrenze der Zahl der deutschen Soldaten in Afghanistan um weitere 1000 auf 4500 angehoben wird. Deutlich höhere Obergrenzen werden bereits von deutschen Politikern diskutiert.

Nicht mehr ausgeschlossen werden Kampfeinsätze von Bundeswehrsoldaten im Süden Afghanistans, wenn auch anfangs noch als „Nothilfe“ begründet.

Damit bestätigen sich in dramatischer Weise unsere wiederholten Warnungen vor einer deutlichen Eskalation der deutschen Kriegsbeteiligung anlässlich der Zustimmung zum Tornado-Einsatz und anlässlich der Verlängerung der Afghanistan-Mandate im Herbst vergangenen Jahres.

Immer deutlicher wird, dass dieser Kriegseinsatz nicht dem Frieden und den Interessen Afghanistans dienen soll. Es geht dabei um ökonomische und Ressourceninteressen, wie es US-Verteidigungsminister Gates auf der Münchner Sicherheitskonferenz in seltener Klarheit ausgeführt hat, um globalstrategische Interessen der USA und der Nato in Zentralasien und um den Führungsanspruch der USA gegenüber ihren europäischen NATO-Partnern.

Wir dagegen sind der Meinung:

Afghanistan braucht Frieden und Entwicklung. Dabei kann und muss Deutschland ein wichtiger Partner sein.

Die deutschen Entwicklungshilfeorganisationen haben eindrucksvoll deutlich gemacht, dass Militäreinsätze zunehmend ihre Arbeit gefährden. Wir möchten ihre wertvolle Arbeit gestärkt sehen, sowohl mit einer deutlich besseren finanziellen Ausstattung als auch mit einer Risikominderung durch militärische Zurückhaltung bzw. Abzug der Soldaten.

Deutschland genießt in Afghanistan wie kein anderes Land in Europa ein historisch gewachsenes hohes Ansehen, das auch die derzeitigen Konfliktparteien respektieren. Deutschland kann damit zu einem Verständigungsprozess beitragen, der mittlerweile von allen Konfliktparteien in Afghanistan gewünscht wird. Ein solcher Verständigungsprozess scheint zur Zeit von den Konfliktparteien im Lande allein nur schwer zu bewältigen zu sein.

Ein deutlicher Paradigmenwechsel der deutschen Politik weg von den gescheiterten Versuchen eine militärische Lösung zu erzwingen hin zu einer politischen Lösung des Afghanistan-Konfliktes ist dringend erforderlich. Fremde Truppen sind, wie historische Beispiele gerade in Afghanistan zeigen, dabei kontraproduktiv

Eine weitere Verlängerung der ISAF-, Tornado- und OEF-Mandate ist nach der Münchener Sicherheitskonferenz unter den absehbaren Entwicklungen für niemanden verantwortbar, der die Option einer politischen Lösung des Afghanistan-Konfliktes anstrebt. Eine Verlängerung der Mandatsdauer würde den Einfluss des Parlamentes auf den Einsatz noch weiter reduzieren. Bitte wenden Sie sich in den jetzt beginnenden Diskussionen in Ihrer Partei gegen diese Pläne, lehnen Sie diese – wie die große Mehrheit der Bevölkerung – im Deutschen Bundestag ab.

Mit freundlichen Grüßen

Reiner Braun, Susanne Grabenhorst, Mira Lorent, Otmar Steinbicker - Sprecherinnen und Sprecher der Kooperation für den Frieden


Kontakt:

Kooperation für den Frieden Römerstr. 88 D- 53111 Bonn Tel. 0228/692904, Fax: 0228/692906 info@koop-frieden.de

Pax Christi International (PCI) mit Sitz in Brüssel verweist auf ein Seminar in London am heutigen 12.2.2008 und mehrere geplante Reisen in den Irak. Das Seminar von Pax Christi Großbritannien titelt: „Christliche Friedensorganisationen beraten eine Zukunftsstrategie für den Irak“. In dieser Woche ist eine Delegation mit dem französischen Pax Christi-Präsidenten Bischof Marc Stenger im Irak.

Mehrere Reisen und Seminare von Pax Christi England, USA, Niederlande und PCI

Zu den Referenten in London gehören der Irak-Experte Prof. Paul Rogers von der Abteilung Friedensstudien der Bradford Universität sowie eine Medizinerin der Universität Bagdad, ein Sprecher der „Voices in the Wilderness“ und Chris Cole vom Internationalen Versöhnungsbund.

Nähere Informationen über das Seminar in London: „Christliche Friedensorganisationen beraten eine Zukunftsstrategie für den Irak“:

Christian peace organisations assess future strategy on Iraq

By staff writers 7 Feb 2008

In the run up to the fifth anniversary of the invasion of Iraq, Pax Christi UK and Fellowship of Reconciliation are organising a seminar to help Christian peace organisations and campaigners reflect on the current situation in Iraq and to discuss the way forward.

The seminar, which will take place on Tuesday 12th February in central London, will hear from three renowned keynote speakers on the situation.

Speakers include Professor Paul Rogers of the Peace Studies department at Bradford University and author of 'Iraq and the War on Terror', 'A War Too Far' and 'Losing Control'.

Another will be Suah Rassam who was assistant professor of medicine at the University of Baghdad until the 1990’s when she moved to London. She is author of 'Christianity in Iraq' and is involved in a newly formed organisation Iraqi Christians in Need.

Milan Rai is the third speaker. Co-founder Voices in the Wilderness UK and Justice Not Vengeance, he is also author of 'War Plan Iraq: Ten Reasons Against War with Iraq' and 'Regime Unchanged: Why The War On Iraq Changed Nothing.'

Chris Cole, Director of the Fellowship of Reconciliation said “This is an important opportunity for churches, groups and organizations to engage in discussion with our speakers and also to talk about practical responses that church we will want to make as we approach the 5th anniversary of the war on 20 March 2008."


Die Mitteilungen über die verschiedenen aktuellen Aktivitäten von PCI zum Irak - aus einer E-Mail von Pax Christi International, 11.2.2008:

1. Msgr. Marc Stenger, Bishop President of Pax Christi France and Member of the ExCom of Pax Christi International is joining a French delegation visiting Iraq, 11 – 19 February 2008. The visit is prepared in collaboration with Patriarch Delly, the Chaldean Patriarch in Iraq. We wish Bishop Marc Stenger a fruitful and safe visit. Later this year, a delegation of Pax Christi Italy will also visit the country.

2. Naglaa Elhag, Senior Programme Officer at IKV/Pax Christi in the Netherlands visited recently Iraq including the Christians “Bible Belt” and based on that visit she has written an article (in Dutch) of the situation of the Christians in Iraq. Naglaa is thinking of planning a visit of Church leaders visiting Iraq including the “Bible Belt.” She discussed this already with Church leaders in Iraq and they are welcoming all suggestions. More information e-mail: Elhaij@ikvpaxchristi.nl.

3. Pax Christi USA members are invited to join thousands of Christians in Washington, D.C. and across the country to Witness for Peace and to participate in the National Service for Peace in Iraq, 7 March 2008. Read more at http://www.christianpeacewitness.org/

4. 20 March 2008 will be the 5th anniversary of the start of the war with Iraq. Pax Christi members are invited to mark the eve of this anniversary. Join with other Christians in the UK and the USA, and elsewhere, in recalling the suffering of the people of Iraq, in repenting for the role these nations have played, in praying for forgiveness and healing and in committing ourselves to action for peace with justice for the people of Iraq and neighbouring countries. Join the Pax Christi UK members in London for an act of witness on 19 March 2008. More at www.paxchristi.org.uk. The peace manifestation in Brussels takes place on 16 March 2008. More at www.geenoorlog.be


Kontakt:

Paul Lansu

Pax Christi International

Rue du Vieux Marché aux Grains 21

B-1000 Bruxelles, Belgium

Phone: +32 (0)2 502 55 50 fax: +32 (0)2 502 46 26

www.paxchristi.net

Im Zentrum der Alternativen der Friedenskonferenz stehen Entmilitarisierung, Schritte zur Abrüstung, Stärkung der Zivilgesellschaft, zivile Bearbeitung von Konflikten, Beachtung und Stärkung Völkerrechts und eine Politik die auf Ausgleich und Gerechtigkeit zielt. Am Sonntag, 10.2.2008 um 11.30 Uhr findet ein Friedensgebet der Religionen statt: im Gemeindesaal der Pfarrei St. Ursula am Kaiserplatz. pax christi im Erzbistum München unterstützt die Alternative!

pax christi unterstützt die Alternative vom 8.-10.2.2008

Aus dem Statement von Thomas Rödl, dem Koordinator des "Trägerkreises Friedenskonferenz", bei der Pressekonferenz am 30.1.08 in München:

Die Internationale Münchner Friedenskonferenz, die wir heute vorstellen wollen, ist entstanden als inhaltliche Gegenveranstaltung zur sog. Sicherheitskonferenz. Das Thema dieser Sicherheitskonferenz ist heuer, 2008, "Eine Welt in Unordnung - Machtverschiebung - fehlende Strategien". Der Organisator der Konferenz, H. Teltschik, sagte in seinem letzten Interview: "Gleichzeitig stellen wir fest, daß die Hilflosigkeit zunimmt, um internationale und regionale Konflikte friedlich zu lösen."

Wir stimmen Herrn Teltschik (Organisator der Sicherheitskonferenz) insofern zu, als die herkömmliche Sicherheitspolitik keine Lösungen anbieten kann für Probleme wie nachhaltige Energieversorgung, Begrenztheit von Ressourcen, Armut und Unterentwicklung, Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, um die wichtigsten Beispiele zu nennen. Die Sicherheitskonferenz diskutiert gewohnheitsmäßig die falschen Mittel zur Bewältigung dieser Probleme. Die sog. Sicherheitspolitiker glauben, mit militärischer Machtpolitik Interessen durchsetzen zu können. Militär ist nicht die "Ultima ratio" (das letzte..) sondern vielmehr das primäre Mittel dieser Politik.

Mit der internationalen Friedenskonferenz wollen wir immer wieder aufzeigen, dass eine für Menschen effektive Sicherheitspolitik nicht auf militärische Mittel gestützt sein kann. Kriegerische Mittel verschärfen die Probleme. Der Krieg ist die humanitäre Katastrophe, wie jetzt im Irak wieder deutlich wird (50 - 650 000 Tote, je nach Zählmethode; 2 Millionen Flüchtlinge), die Intervention ist ein gigantischer Fehlschlag, wenn es wirklich um Demokratie und Menschenrechte ginge, die Ausgaben für diesen Krieg sind eine gigantische Fehlinvestition, wenn es, was kaum jemand bestreitet, um die Eroberung der Ölquellen ging. Im Zentrum der Alternativen der Friedenskonferenz stehen Entmilitarisierung, Schritte zur Abrüstung, Stärkung der Zivilgesellschaft, zivile Bearbeitung von Konflikten, Beachtung und Stärkung Völkerrechts und eine Politik die auf Ausgleich und Gerechtigkeit zielt.

Die internationale Friedenskonferenz 2008 hat zwei Themenschwerpunkte:

"Friedenspolitik angesichts Klimawandel und Energiekrise" (Forum am 8.2.)

"Atomraketen - Abwehren oder Abschaffen?" (Aktuelle Runde am 9.2.)

Gestern hat der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung den Einsatz einer schnellen Eingreiftruppe im Rahmen des ISAF-Mandats in den Norden Afghanistans bekannt gegeben. Zugleich werden die Rufe immer lauter, diese auch in den Süden des Landes zu schicken. Der deutsche NATO-General Harald Kujat sieht darin - so heute morgen wieder im Deutschlandfunk - eine solidarische Leistung innerhalb der NATO, die mittelfristig nicht abgelehnt werden könne. Noch hält die deutsche Regierung dagegen, kommt aber der breiten Forderung aus der deutschen Friedensbewegung und Öffentlichkeit nach einem Strategiewechsel nicht nach.

pax christi warnt vor weiterem Hineingleiten in den Krieg und verweist auf internationale Studien

Der Generalsekretär der deutschen Sektion, Dr. Reinhard J. Voß, warnte schon am 17.1.2008 vor einem weiteren Hineingleiten in den Krieg dort (Siehe unsere Kurzmeldung dort mit dem Original der Erklärung).

Wir warnen vor einem schleichenden Übergang vom Aufbaumandat zur Kriegspraxis in Afghanistan.

Erklärung des Generalsekretärs von pax christi Dr. Reinhard J. Voß


Der Einsatz der Bundeswehr im Norden Afghanistans steht vor einer Wende. Ab Sommer könnten rund 250 deutsche Soldaten der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) nicht nur Aufbauarbeit leisten, sondern erstmals gezielt in Kampfeinsätze geschickt werden. Die NATO hat Deutschland und andere Truppen stellende ISAF-Nationen angefragt, ob sie ab dem Sommer eine Eingreifreserve im Norden Afghanistans stellen könnten. Im Laufe des Januars werde eine Antwort erwartet.

Mit den Beschlüssen zur Weiterführung der drei Mandate 2007 haben sich Regierung und Parlament über den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung hinweg gesetzt. Nun sehen wir die Folgen: es gibt kein Halten mehr in Richtung Kampftruppen; es gibt keine erkennbare politische Strategie und kein Ausstiegs-Szenario. Es kommt einer Kapitulation von Politik gleich, immer mehr auf die Stärkung des Militärs zu setzen. Stattdessen sollte die Bundesregierung innerhalb der NATO endlich eine Debatte über den Strategiewechsel anstoßen.

Angesichts des schleichenden Übergangs von einem Aufbaumandat zur offenen Kriegspraxis erneuert pax christi ihre Forderung nach einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, Wir fordern die Rückkehr zur Politik und nicht den planlosen reaktiven Ausbau von Militär, d.h. einen neuen Dialog aller Konfliktparteien, eine konsequente Unterstützung von Alternativen der Konfliktregelung und des zivilen Aufbaus sowie eine ökonomische und entwicklungspolitische Zusammenarbeit, die dem Land Hilfen gibt beim Umstieg vom Drogen fördernden Mohnanbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft.

Wir sehen immer deutlicher, dass der Truppeneinsatz der USA, ihrer Verbündeten und der NATO in Afghanistan sowie die Truppenstationierungen in anderen Ländern Mittelasiens strategisch begründet sind: es geht um Geo- und Ressourcenpolitik. Die Rechtfertigung als „Bekämpfung des Terrorismus“ dient - nicht nur hier - zur Legitimation von kriegerischer Intervention und machtpolitischer Dominanz.

Bad Vilbel, den 17. Januar 2008

Die niederländische Sektion von Pax Christi International hat in einer Studie die Wieder-Erlangung der politischen Planungshoheit vor der Militärplanung eingefordert.


Auch der neueste Bericht der International Crisis Group vom 6. Februar 2008 mahnt einen Strategiewechsel an. Diese „International Crisis Group” (Crisis Group) ist eine unabhängige internationale, gemeinnützige Nichtregierungs-Organisation mit über 100 MitarbeiterInnen in fünf Kontinenten, die auf der Basis von Feldanalysen vor Ort und hochrangiger Lobbyarbeit zur Lösung schwerer Konflikte tätig ist.

Die Ausstellung unserer gemeinsamen Kampagne gegen Landminen und Streumunition, die vom 27.11.2007 bis zum 11.1.2008 im Deutschen Bundestag (Paul-Löbe-Haus) zu sehen war, wird als Broschüre dokumentiert und ist ab März 2008 zu bekommen. Hier schon einmal der Download- Link zur Ausstellungsbroschüre. Leider konnten aus Platz- bzw. Kostengründen nicht alle Inhalte der Bundestagsausstellung übernommen werden.

Dokumentation der Bundestagsausstellung der Kampagne gegen Landminen und Streumunition

Die Ausstellung kann ausgeliehen werden.

Kontakt: Thomas Küchenmeister

Leiter Aktionsbündnis Landmine.de

Rykestr. 13 - 10405 Berlin

Tel +49 (0)30 32661681 - FAX +49 (0)30 42801688 - MOBILE +49 (0)175 4964 082 - SKYPE: thomas.kuechenmeister


Es gibt nun auch eine Dokumentation der parallel zur Ausstellung durchgeführten Tagung "Das Ottawa-Abkommen zum Verbot von Antipersonenminen – Modell für eine neue aktive Friedenspolitik?", die medico international in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt am 29. November 2007 veranstaltet hat.

Alfons Schabarum ist nach drei Jahren zurück in Deutschland. pax christi dankt ihm und wünscht ihm einen guten Start zuhause.

Als Alfons Schabarum im Januar 2005 nach Sri Lanka aufbrach um in Jaffna gemeinsam mit dem Oblaten-Orden der Nordprovinz ein Friedenszentrum aufzubauen, waren wir optimistisch. Der Waffenstillstand zwischen Regierung und den „Tamil Tiger“ (LTTE) war zwei Jahre alt. Der Tsunami hatte am 26. Dezember 2004 Sri Lanka hart getroffen, doch es sah so aus, als würden sich die Kriegsgegner zusammen raufen angesichts der beispiellosen Welle der Zerstörung.
Es kam anders: Gerade über die internationale Hilfe haben sich Regierung und LTTE noch im Sommer 2005 tief zerstritten, der Waffenstillstand begann zu bröckeln. Schon im August 2006 musste Alfons Schabarum seinen Arbeitsplatz in Jaffna aus Sicherheitsgründen räumen und begleitete die Arbeit des Friedenszentrums von Colombo aus weiter. Am 2. Januar 2008 hat die Regierung den Waffenstillstand offiziell aufgekündigt. Im Zeichen des Krieges ist nun Alfons Schabarum`s Vertrag zu Ende gegangen und ist er nach Köln zurück gekehrt.

Trotz der schwierigen Situation konnte viel erreicht werden: Das Friedenszentrum in Jaffna arbeitet mit Kindern, Jugendlichen und Lehrpersonal zur Gewaltfreiheit. Vor allem im für Jaffna schwierigen Jahr 2006 dokumentierten die MitarbeiterInnen über 400 Fälle von Menschenrechtsverletzungen so, dass sie gerichtsfähig sind. Die Angehörigen der Opfer wurden auf vielfältige Weise unterstützt. Ein zukünftiger Friede ist ohne Gerechtigkeit nicht möglich. Die Arbeit des Friedenszentrums legte einen Grundstein dazu.

Alfons Schabarum hat in Jaffna, Colombo und anderen Teilen des Landes immer wieder Trainings in Gewaltfreier Kommunikation für Multiplikatoren verschiedener Organisationen durchgeführt. Dabei hat er darauf geachtet, dass der Kreis der Teilnehmenden aus Tamilen und Singhalesen, aus Hindus, Muslimen, Buddhisten udn Christen zusammen gesetzt war. Die Trainings haben Menschen bestärkt, dass eine gerechte Lösung nur mit gewaltfreien Mitteln erreichbar und Krieg keine Lösung ist - gegen alle Propaganda der Kriegstreiber.

Der größte Erfolg des Projektes: Das Friedenszentrum in Jaffna wird weiter arbeiten – und expandieren: Der Oblaten-Orden hat Ende Januar 2008 sogar ein zweites Zentrum in Vavuniya eröffnet, um vor allem die Trainingsarbeit an Schulen und in Kirchengemeinden auszubauen. Dies geschieht mit finanzieller Unterstützung durch pax christi in Deutschland, v.a. durch Spenden aus dem Kölner Raum.

Die Menschen in Sri Lanka sehnen sich weiter nach Frieden - auch wenn der Weg dahin noch blutig sein wird.

„Das Ziel muss in einer umfassenden Abrüstung nuklearer Potentiale bestehen, auf die trotz aller mittlerweile eingetretenen Modernisierungen auch künftig weithin die Bezeichnung „Massenvernichtungsmittel“ zutrifft. Ein unverzichtbarer Schritt auf dem Weg zur Abschaffung von Nuklearwaffen ist ihre internationale Ächtung.“ So formuliert die gemeinsame Kommission von Deutscher Bischofskonferenz (DBK) und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Die Stellungnahme geht auf einen Antrag von pax christi zurück.

„Die Überwindung nuklearer Abschreckung – ein unaufgebbares Ziel der Friedenspolitik“

Weiter heißt es in dem neuen Papier von Justitia et Pax: „Hinsichtlich der B- und C-Waffen, die ebenfalls Massenvernichtungsmittel darstellen, sind mittlerweile ihre politische Ächtung und entsprechende vertragliche Abrüstungsverpflichtungen möglich geworden. Dasselbe Ziel muss auch für Kernwaffen gelten.“

Damit geht Justitia et Pax noch weiter als die neue EKD-Friedensdenkschrift, die zwar eine grundsätzliche Abkehr von den Heidelberger Thesen fast 50 Jahre nach 1959 vollzieht: „Aus der Sicht evangelischer Friedensethik kann die Drohung mit Nuklearwaffen heute nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung betrachtet werden.“ Es bleibt dort aber „umstritten, welche politischen und strategischen Folgerungen aus dieser gemeinsam getragenen friedensethischen Einsicht zu ziehen sind.“ (162)


Das Positionspapier der katholischen Deutschen Kommission Justitia et Pax trägt den Titel „DIE PROLIFERATION VON NUKLEARWAFFEN ALS FRIEDENSETHISCHE UND -POLITISCHE HERAUSFORDERUNG“. Sie wird im Frühjahr 2008 in deren Schriftenreihe erscheinen und umfasst diese drei Teile:

I. Zur Position der katholischen Kirche zu Fragen nuklearer Rüstung und Abrüstung

II. Zur Problematik atomarer Bewaffnung seit dem Ende des Ost-West-Konflikts

III. Die Überwindung nuklearer Abschreckung – ein unaufgebbares Ziel der Friedenspolitik

Wir stellen hier vorweg Teil III (Schlussfolgerungen) zur Verfügung.


Dem Text kommt aktuelle Bedeutung zu, besonders im Hinsicht auf zwei im Januar 2008 erschienene Stellungnahmen

1. Das Plädoyer ehemaliger NATO-Generäle für eine nukleare Erstschlagsoption, über das die englische Zeitung „Guardian“ am 22.1. 08 berichtete.

2. Der erneute Appell von Henry Kissinger, William Perry, Sam Nunn und George Schultz am 15. Januar 2008 im Wall Street Journal - ein Jahr nach ihrem Aufruf für eine atomwaffenfreie Welt vom Januar 2007. Aufbauend auf dem Artikel von Januar 2007 nennt die Gruppe zusätzlich namhafte Persönlichkeiten in der US-amerikanischen politischen Klasse, die diese Vision mit ihnen teilen.

Der Hirtenbrief 2008, den Bischof Heinz Josef Algermissen an alle Katholiken im Bistum Fulda geschrieben hat, trägt den Titel "Geistliche Ökumene". Der Bischof und Präsident von pax christi Deutschland erinnert darin mit starken Worten und theologischer Klarheit und Leidenschaft an die uns aufgetragene und erstrebenswerte Einheit der Christen: „Jesus wollte sie sichtbare Einheit seiner Jünger, und deshalb ist die konfessionelle Trennung ein Ärgernis, das dem erklärten Willen Jesu widerspricht.“ Und: „Prüfen wir uns vor Gott, ob die Trennung uns wirklich (noch) schmerzt, und was uns der Wunsch des Herrn bedeutet, die Einheit zu suchen.“

Bischof Algermissen widmet seinen Hirtenbrief 2008 der Einheit der Christen

Den ganzen Text des Briefes finden Sie auf der Internetseite des Bistums Fulda oder direkt hier als pdf-Datei.

Die jährliche Ökumenische FriedensDekade findet in diesem Jahr vom 9.-19. November statt und steht unter dem Motto „Frieden riskieren“. Das Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade lädt Interessierte zur Schreibwerkstatt vom 14. bis 16. März 2008 in das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge Freudental bei Bietigheim ein. Während dieser Werkstatt sollen die Friedensgebete für die Ökumenische FriedensDekade 2008 verfasst werden.

Einladung zur Schreibwerkstatt vom 14. bis 16. März 2008 bei Bietigheim

Eingeladen sind alle, die gerne zum Motto „Frieden riskieren“ nach biblischen Texten suchen und ihre Gedanken und Gebete dazu für das diesjährige Gebetsleporello zu Papier bringen wollen. Vielen Gemeinden dient dieses Gebetsleporello als Vorlage für ihre Friedensgebete vom 9.-19. November 2008 „Wir hoffen auf friedensbewegte Schreiberinnen und Schreiber, die eigene Erfahrungen mit dem Motto „Frieden riskieren“ verbinden“, meint Mechthild Gunkel, die Pfarrerin für Friedensarbeit der EKHN. Sie wird gemeinsam mit Wiltrud Rösch-Metzler, Redakteurin der Materialien der Ökumenischen FriedensDekade, die Werkstatt leiten. Die Teilnahmekosten übernimmt die FriedensDekade, ein Zuschuss zu den Fahrtkosten ist möglich.

Informationen und Anmeldung (bis zum 27. Februar 2008) bei: Mechthild Gunkel, Zentrum Ökumene der EKHN, Praunheimer Landstr. 206, 60488 Frankfurt, Tel. 069 / 97 65 18 56 mechthild.gunkel@zoe-ekhn.de

Der 27. Januar, der Tag, an dem 1945 das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit wurde, ist seit 1996 als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus offiziell in der Bundesrepublik eingeführt. Dieser Tag bietet in besonderer Weise die Möglichkeit, die Erinnerung an die Opfer der Shoah in Gedenkveranstaltungen wach zu halten. Die Regional- und Bistumsstellen von pax christi führen an vielen Orten Veranstaltungen durch oder beteiligen sich daran.

Veranstaltungshinweise zum 27. Januar

Sie finden im Anhang einige Beispiele aus der Regionalstelle Osnabrück-Hamburg, die ausdrücklich betont: „Bei den aufgeführten Veranstaltungen handelt es sich um eine Auswahl. In vielen Städten und Orten finden umfangreiche Begleitprogramme zu diesem Tag statt. Die weiteren Termine können der Tagespresse und den Internetauftritten der Städte entnommen werden.“

Die Bistumsstelle Berlin lädt ein zu einer „Ökumenischen Fahrt nach Ravensbrück“ am Sonntag dem 17.1.2008 (siehe Übersicht).

Die Bistumsstelle Aachen weist auf eine Caritas-Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ hin.

Hingewiesen sei auch aus diesem Anlass auf den seit einigen Wochen durch Deutschland fahrenden „Zug der Erinnerung“, der die vergessenen Opfer des NS-Systems ehrt und den die Deutsche Bahn, wenn auch mit Zögern und hohen Gebühren, endlich fahren und in Bahnhöfen eine Zeit lang stehen lässt. So war der "Zug der Erinnerung" in Hannover (7.-11.1.), Lehrte (12.-13.1.) Braunschweig (14.-15.1.), Halle (16.-19.1.) und Gotha (20.-22.1.). Weitere Stationen sind u.a. Erfurt, Weimar, Apolda, Leipzig, Dortmund, Bochum, Duisburg, Essen und Wuppertal.

Pax Christi International und ihre Partnerorganisationen am Horn von Afrika sind tief betroffen über die anhaltende Gewalt, die Kenia in Folge der Wahlen vom 27. Dezember erschüttert. Wir beklagen die großen Verluste an Menschenleben, die breite Zerstörung von Eigentum und die massiven Fluchtbewegungen in einem Land, das für viele Afrikaner ein Modell der Sicherheit und Demokratie auf dem Kontinent war.

Erklärung von Pax Christi International

Wir rufen alle Kenianer auf, die Gewalt sofort zu beenden, die ihr Land zerstört. Wir fordern Kenias politische Führer auf – besonders Präsident Mwai Kibaki and den ehrenwerten Oppositionsführer Raila Odinga - eine rasche und friedliche Lösung der Krise zu erreichen und ihre Anhängerschaften aufzurufen, die Kämpfe zu beenden.

Der gesamte Text der PCI-Erklärung vom 11.1.2008 liegt in Englisch vor.

Die Vermittlungsbemühungen des ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan hben dieser Erklärung von Pax Christi International leider noch nichts an Aktualität genommen.

Die Kampagne gegen den israelischen Mauerbau, in der pax christi seit Jahren mitarbeitet, ruft zur Beendigung der Gaza-Blockade auf. Unsere Partnerorganisation "Gush Shalom" in Israel hat mit vielen anderen den nächsten Samstag zum Aktionstag für Gaza erklärt.Die israelische Regierung reagierte zwar gestern mit einmaligen Lieferungen nach Gaza schon auf den öffentlichen Druck, hält aber die totale Absperrung wegen der Kassam-Raketenangrife auf ihr Territorium aufrecht. Radio Vatikan meldete dazu gestern: "EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner zweifelt die Wirksamkeit der (Absperrungs-)Maßnahmen an. Weder Militäreinsätze noch die Abriegelung des Gazastreifens verhinderten Raketenangriffe. Nur eine politische Lösung noch in diesem Jahr könne die Palästinenser zur Abkehr von der Gewalt bewegen."

Aufruf der Kampagne gegen den israelischen Mauerbau zur Beendigung der Gaza-Blockade

Die Kirchenführer im Heiligen Land riefen auf: "In the name of God, end the siege over Gaza!" (s. Link unten)

In der israelischen Zeitung Ha'aretz erschien eine Anzeige von Gush Shalom am 18.01.08:

“Die grausame Blockade von Gaza verstärkt den Hass, vermehrt das Blutvergießen. Alle Israelischen Friedensbewegungen werden in Zusammenarbeit mit Menschenrechtsaktivisten in Gaza am 26. Januar an einem großen Konvoi teilnehmen, um lebenswichtige Versorgungsgüter in den Gazastreifen zu bringen, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen und zu fordern: Hebt die Blockade auf!“ (aus dem Englischen übersetzt)

Der Verein arabischer Studenten und Akademiker TÜBINGEN und der dortige AK Palästina rufen für Samstag, den 26.1.08 um 12 Uhr zur Kundgebung auf dem Holmarkt in Tübingen auf. Es sprechen Prof. Dr. Helga Baumarten von der Birzeit Universität und Felicia Langer.

Aufruf von Gush-Sahlom zur Gaza-Hilfs-Convoy-Campagne

Es ist noch nicht zu spät, eine Spende für den Convoy zu senden.

In den USA, Canada, England, Holland und Deutschland können Spenden für den Gaza-Hilfs-Convoy über Organisationen wie z.B. Pax Christi laufen mit der Zweckbestimmung: Gush –Shalom-Hilfskonvoy

Es ist sehr erfreulich zu beobachten, wie unsere Bemühungen von mitfühlenden Leuten aus nah und fern durch Spenden unterstützt werden – doch wir brauchen noch mehr.

Wir haben uns entschieden, uns auf den Kauf von Wasserfiltern zu konzentrieren - sie werden dort dringendst benötigt. Der Mangel an Kraftstoff hat die Versorgung mit Trinkwasser ernsthaft unterbrochen und die Leute müssen mit einem extrem schlechten Wasser auskommen. Deshalb wird eine große Menge an Wasserfiltern benötigt – aber im Gazastreifen gibt es keine mehr . Sie stehen auf der schwarzen Liste der Waren, die nicht in den Gazastreifen geliefert werden dürfen. Es ist ein Teil der kollektiven Strafe der israelischen Regierung.

Obgleich wir vermuten, dass Sie über die Situation der 1,5 Millionen Einwohner im Gazastreifen Bescheid wissen, geben wir noch einen Link zu einem Videofilm vom 19.12.07, der einen guten Einblick auf das tägliche Leben unter Belagerung gibt. http://video.news.sky.com:80/skynews/video/?&videosourceID=1297593&flashURL=/fe%20eds/skynews/latest/flash/gaza_kids_P19324fly

Ein anderer wichtiger Grund, warum Wasserfilter gekauft werden: sie werden nicht schlecht, falls unser Kampf, sie in den Gazastreifen zu bekommen, einige Zeit andauert.

Indem wir am Samstag, den 26. Januar mit einem LKW voller Filter UND einer Menge israelischer Bürger UND (hoffentlich) einer Menge Medienbegleitung UND mit den auf uns wartenden Palästinensern auf der andern Seite des Checkpoints kommen, so denken wir, könnten wir es den Behörden äußerst unangenehm machen, wenn sie uns, diese Dinge nicht hinüberbringen lassen.

Und im Falle, dass sie uns nicht durchlassen, werden wir die Kampagne fortsetzen und hoffentlich werden dann alle internationalen Geber protestieren mit Telefon, fax, Post oder emails und über die Botschaften weltweit – bis der Convoy durchgelassen wird. Es sieht so aus, als würden wir mit so einer wichtigen Notwendigkeit auch eine gute Chance beim Obersten Gerichtshof haben.

Die Wasserfilter werden letztlich in den Gazastreifen kommen, egal wie hart wir dafür kämpfen müssen. Als Folge davon, erhoffen wir, dass das allgemeine Bewusstsein über das Elend im Gazastreifen wächst.


Die Liste der Sponsoren:

Gush Shalom* Koalition der Frauen für Frieden* Kämpfer für den Frieden* Komitee gegen die Hauszerstörung * New Profile * Hadash * Balad * Adalah * Tarabut/ Hitahbrut * Alternatives Informationszentrum * Bat Shalom * Anarchisten gegen die Mauer * Ärzte für Menschenrechte-Israel * Follow-Up Committee der arabischen Bevölkerung in Israel * Psychoaktive

Partner im Gazastreifen: “End the Siege Campagne” (auch Dr. El Sarraj)

(dt. Ellen Rohlfs)

Die großen Friedensorganisationen lehnen einen möglichen Einsatz einer schnellen Eingreiftruppe der Bundeswehr in Afghanistan ab. Das sei ein massiver Schritt in die militärische Sackgasse, sagte der Sprecher der Kooperation für den Frieden, Otmar Steinbicker. "Der Einsatz einer deutschen Kampfkompanie wird zu einer Eskalation der Kampfhandlungen führen", so Oberstleutnant Jürgen Rose vom Arbeitskreis kritische Bundeswehr-Offiziere "Darmstädter Signal" zu Beginn der Afghanistan-Strategiekonferenz. Die Kooperation für den Frieden, der 43 große Friedensorganisationen angehören, darunter der Aachener Friedenspreis und pax christi, berieten mit Experten über nichtmilitärische Lösungen für Afghanistan. Und die gab es sehr konkret! Herbert Sahlmann, vor einigen Jahren noch Entwicklungsbeauftragter des BMZ in Afghanistan, legte ein viel beachtetes und politisch 2008 umsetzbares Konzept vor.

Die 5. Strategiekonferenz der „Kooperation für den Frieden“ suchte nach zivilen Perspektiven für Afghanistan

Herbert Sahlmann (Bonn)

Konkrete Vorschläge für die neue Strategie zur Befriedung und Entwicklung Afghanistans. Ein “20-Punkte-Programm für Dialog statt Krieg“

1. Um die Glaubwürdigkeit des Westens bei der Unterstützung Afghanistans wieder herzustellen, sollte die Operation Enduring Freedom (OEF) so schnell wie möglich eingestellt und ein Zeitplan aufgestellt werden, nach dem die NATO-Truppen und das ISAF-Kommando - mit einem neuen Mandat des Weltsicherheitsrates versehen - UNO-Offizieren unterstellt werden.

2. Dazu dürfen die Mandate für OEF, für die Einsätze der deutschen Tornados und für die KSK im Herbst 2008 vom deutschen Bundestag nicht verlängert werden.

3. Der Schwerpunkt der deutschen und internationalen Unterstützung Afghanistans wäre zugleich von militärischen zu zivilen Maßnahmen zu verlagern. Wenn der Mitteleinsatz bisher bei etwa 80 : 20 für Militär- zu Zivilleistungen lag, muss dieses Verhältnis in Zukunft mindestens bei 50 : 50 liegen. Das Militär würde schrittweise reduziert und sich vor allem auf Ausbildungs- und rein defensive Schutzmaßnahmen konzentrieren mit einer Verlagerung personeller und finanzieller Ressourcen von der militärischen zur Entwicklungs-Seite.

4. Die ausländische Unterstützung für die Ausbildung und Ausstattung von gesetzestreuer Polizei und Justiz muss erheblich ausgeweitet werden, ebenso der Ausbau der physischen und sozialen Infrastruktur, damit die Afghanen auch „in der Fläche“ erfahren, dass sie wieder eine Entwicklungschance bekommen.

5. Die zivile Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit sollte uneigennütziger als bisher und vorrangig im Süden und Osten des Landes eingesetzt werden. Das erscheint unter Sicherheitsgesichtspunkten dann möglich, wenn lokale traditionelle Machtverhältnisse und kulturelle Besonderheiten beachtet werden und die Unterstützung vorwiegend über lokale Strukturen abgestimmt abgewickelt wird. Dann wird sie von der Bevölkerung ausdrücklich gewünscht und mitgetragen.

6. Da eine Liaison der Entwicklungsfachkräfte mit dem ausländischen Militär die Sicherheit der Fachkräfte eher gefährdet, jedenfalls soweit, wie das Militär von der afghanischen Bevölkerung als Besatzungsmacht empfunden wird, sollte auch das Militär im Interesse einer guten Gesamtentwicklung eine solche Liaison nicht anstreben.

7. Das Gefühl der militärischen Besetzung muss der afghanischen Bevölkerung wieder genommen werden durch Entwicklung und Umsetzung einer klaren Exit-Strategie.

8. Dialog statt Gewalt muss soweit als möglich auch für Militär und Polizei immer gelten!

9. Der Dialog mit den gemäßigten Taliban sollte gesucht werden. Sie sind auf lokaler Ebene und später auch auf nationaler Ebene in die Entwicklungs- und Sicherheitsverantwortung für das Land einzubinden. Es gibt gute Beispiele dafür, wie Entwicklung und Sicherheit auf lokaler Ebene - mit lokalen Taliban-Führern abgestimmt - vorangebracht werden können.

10. Der Aufbau lokaler staatlicher und zivilgesellschaftlicher Strukturen kann im Einvernehmen mit und unter Nutzung von lokalen Kräften intensiv vorangebracht werden. Die Bevölkerung muss spüren, dass es eine Sicherheits- und Entwicklungsperspektive gibt, in die sie eingebunden ist und an der sie mitwirken soll und kann. Dazu ist es ganz wichtig für die Stimmung in der afghanischen Bevölkerung, dass alle Entwicklungsbeiträge von außen viel stärker „afghanisiert“ werden, d.h. von Afghanen geplant, verantwortet und realisiert werden.

11. Der Westen und insbesondere das Militär dürfen bei der afghanischen Bevölkerung keine Erwartungen wecken, die nicht erfüllt werden können.

12. Sehr wichtig ist auch für die neue Strategie, dass die Bevölkerung landesweit besser unterrichtet wird über Sicherheits- und Entwicklungsziele und sie realistische Informationen erhält, welche konkreten Maßnahmen in den einzelnen Distrikten geplant sind und welche Beiträge dazu von der lokalen Bevölkerung erwartet werden.

13. Ländliche Räume sollten in Afghanistan stärker als bisher gefördert werden, denn dort lebt die Mehrheit der Bevölkerung. Dabei könnten zunächst die Nothilfe und die EZ an lokalen Fähigkeiten und Strukturen ansetzen und vor Ort nach den dortigen Bedürfnissen personelle Kapazitäten für die weitere Entwicklung aufbauen. Dabei sollte die Armutsbekämpfung mit Ernährungssicherungs-, Grundbildungs-, Basisgesundheits- und Beschäftigungsprogrammen im Vordergrund stehen.

14. Der Aufbau lokaler Strukturen ist bedeutend, weil nur über sie nachhaltig in Afghanistan eine Staatlichkeit mit Gesetz und Ordnung geschaffen werden kann. Denn es hat bisher in Afghanistan, zumindest nicht in seiner neueren Geschichte, eine Zentralgewalt gegeben, die das ganze Land beherrscht hat. Eine solche Struktur kann schon gar nicht von außen den Afghanen aufgezwungen werden, sondern sie könnte nur im Laufe von Generationen wachsen. Ein stärker föderales Staatswesen wäre in Afghanistan wohl eher in der Lage, Frieden und Entwicklung voranzubringen, als ein zentralistisches, wie es zur Zeit angestrebt wird.

15. Die Stärkung der kulturellen Identität einschließlich des nicht militanten Islam ist zur Stabilisierung des Landes wichtig.

16. Zur Stabilisierung Afghanistans ist es ferner dringend geboten, die Drogenbekämpfung entsprechend der inzwischen dafür von afghanischer Seite mit UNO-Unterstützung entwickelten Strategie umzustellen. Dabei hat der Anbau von Alternativen zum Mohn Vorrang vor der Zerstörung von Mohnfeldern. Die Zucht von Rosen und ihre Weiterverarbeitung zu Rosenöl, der Anbau von Medizinpflanzen oder die Anlage von Obstgärten können bei den Bauern zu auskömmlichen und vor allem sichereren Erträgen als der Mohnanbau führen. Die Vernichtung von Mohnfeldern trifft in erster Linie die Kleinbauern und die Landlosen, die in ihrer Existenz gefährdet werden. Eine Lizenzierung des Mohnanbaus würde einen bedeutenden Teil der Opiumproduktion aus dem illegalen Heroinhandel nehmen und dem kontrollierten Handel mit Morphinen und Kodeinen zuführen. Strenge dörfliche traditionelle Kontrollmechanismen könnten genutzt werden, um Vertrauen zur staatlichen Gewalt wieder aufzubauen. Ganz wichtig bei der Bekämpfung der Drogenwirtschaft sind die Verhinderung der Weiterverarbeitung des Rohopiums und die Kontrolle der Verkehrswege zur Unterbindung des illegalen Handels mit Opiaten. Dazu sind der Ausbau der regionalen Zusammenarbeit Afghanistans mit seinen Nachbarn und der Aufbau einer korruptionsfreien Grenzpolizei zur Grenzsicherung ganz wichtig. So lange eine solche Polizei nicht existiert, ist das Militär gefordert, diese bei ihren Aufgaben zu unterstützen.

17. Eine angemessen besoldete Polizei, die dem afghanischen Recht und Gesetz verpflichtet ist, sollte noch vorrangig vor einem der Zentralgewalt unterstellten verfassungstreuen Militär ausgebildet und aufgestellt werden. Dazu können und müssen die Bundesrepublik Deutschland und zwar nicht nur der Bund, sondern entsprechend der Zuständigkeit für die Polizei in Deutschland, vor allem die Bundesländer personell erheblich mehr beitragen. Die in Afghanistan benötigten 60.000 Polizisten können nicht von 40 deutschen Polizeibeamten in angemessener Zeit gut ausgebildet werden! Die für Ausbildung und Ausrüstung der afghanischen Polizei 2007 geschaffene EUPOL hat bisher leider noch keine Früchte getragen!

18. Solange die afghanischen Staatseinnahmen nicht ausreichen, um die Verwaltungsbeamten, Polizisten, Richter und Militärs angemessen zu bezahlen, muss der Westen die Mittel dafür bereitstellen und der afghanischen Regierung helfen, mittelfristig ein Steuer- und Abgabensystem aufzubauen, das die notwendigen Staatseinnahmen ermöglicht.

19. Da, wo die afghanischen staatlichen Stellen ihre Aufgaben noch nicht angemessen wahrnehmen können, sollten diese von den UNO-Organisationen (UNAMA) unterstützt werden. Afghanische Regierung und UNAMA sollten intensiv mit der Organisation Islamischer Staaten (OIC) zusammenarbeiten.

20. Erste Ansätze einer regionalen Sicherheits- und Entwicklungszusammenarbeit sollten intensiviert werden und bald in einer regionalen Konferenz für Sicherheit und Entwicklung münden. Denn auch die Nachbarländer Afghanistans sind durch den drohenden Zerfall des afghanischen Staatswesens und die ausufernde afghanische Drogenwirtschaft gesellschaftlich im Kern bedroht!

Zusammen mit zivilgesellschaftlichen und politischen europäischen Partnern hat Deutschland eine gute Chance, einen Strategiewechsel in der westlichen Sicherheits- und Entwicklungspolitik gegenüber Afghanistan einzuläuten, wenn vorbereitet und unterstützt von der deutschen Friedensbewegung und anderen gesellschaftlichen Kräften das Bundeskabinett und der Deutscher Bundestag die wichtigsten Elemente der oben skizzierten neuen Strategie bei der im Herbst 2008 anstehenden Verlängerung der Mandate für das deutsche Gesamtengagement in Afghanistan mutig und entschlossen aufnehmen.

Anmerkung: Begründungen und Elemente einer solchen neuen Strategie Deutschlands und dann des Westens für die Sicherheit und Entwicklung in Afghanistan finden sich u. a. auch in der Senlis-Studie, bei Galtung und in der Klingebiel et altera –Studie, die übrigens auch Interaktionen mit nichtstaatlichen Akteuren der Gewalt empfiehlt.

Die pax christi-Freiwillige Tzegha Kibrom berichet aus einen palästinensischen Dorf am Rand der "Grünen Grenze" bei Qualquilia. Frau Kibrom ist seit Anfang Dezember Freiwillige im Ökumenischen Begleitprogramm für Palästina und Israel (ÖFPI)

"Wenn man die Existenz und somit die Rechte eines Dorfes übergehen möchte, tut man es am einfachsten, indem man ihm keinen Namen gibt. Mir war nie bewusst welch große Rolle die Namensgebung spielen kann bis ich als Menschenrechtsbeobachterin in die Westbank kam. Man findet so gut wie keine Namensschilder für die palästinensischen Städte und Dörfer, als ob sie nicht existieren würden. Wogegen die israelischen Siedlungen, die sich wie Metastasen eines Krebses in den palästinensischen Gebieten ausbreiten, von weit her einfach zu finden sind.
Laut United Nations OCHA leben mittlerweile fast eine halbe Million Israelis in Siedlungen - nach internationalem Recht illegal - auf der palästinensischen Seite der grünen Linie. Teilweise befinden sich diese Siedlungen nahe bei palästinensischen Dörfern, was fatale humanitäre Auswirkungen für die palästinensische Bevölkerung mit sich bringt: Durch die stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit können sie keiner geregelten Arbeit nachgehen, sie haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, und selbst ganz „normale“ Besuche ins Nachbardorf werden ihnen verwehrt.
Dies ist auch bei der jüdischen Siedlung Sha’are Tiqwa der Fall, welche neben dem palästinensischen Dorf Azzoun Atma liegt. Azzoun Atma ist ein Dorf  in der sogenannten „Seamzone“. So wird der Landstrich zwischen der grünen Linie und der von Israel errichteten Mauer genannt. Ihr Verlauf gilt völkerrechtlich als illegal, da de facto Land annektiert wird. Der Begriff „Recht“ scheint hier eine andere Bedeutung zu haben, als die, die mir bisher bekannt war. Was für den israelischen Bürger gilt, gilt für den Palästinenser noch lange nicht. Das gilt fast für alle Bereiche ihres Lebens. Sowohl im zivilrechtlichen Bereich als auch im Strafrecht. Nur Palästinenserinnen und Palästinenser mit einer ID auf der erkenntlich ist, dass sie im Dorf wohnen, oder mit einer speziellen Genehmigung, dürfen in das Dorf Azzun Atma rein. Das heißt Besuche von Verwandten, welche außerhalb des Dorfes wohnen, sind nicht möglich.
Der Checkpoint ist für Notfälle theoretisch 24 Stunden geöffnet, doch die Realität sieht leider anders aus: In den letzten zwei Monaten starb eine Person an Blutverlust, da die Ambulanz am Checkpoint aufgehalten wurde. Außerdem musste eine Frau ihr Kind am Checkpoint zur Welt bringen, da sie keine Genehmigung hatte um das Dorf zu verlassen. Solche Geschichten gibt es fast täglich aus den palästinensischen Gebieten zu berichten.
Am Checkpoint entlang verläuft eine Straße, die nur vom Militär und israelischen Siedlern befahren werden darf. Den Palästinenserinnen und Palästinenser wird dieses Recht verwehrt. Nicht nur bei Azzun Atma müssen sie auf schlechtere Straßen ausweichen und längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen. Die Westbank wird mittlerweile von einem über 400km langen Straßensystem durchzogen, welches den Israelis vorbehalten ist.
„Habt ihr das Recht das Dorf zu besuchen?“ werden wir bei unserem letzten Besuch in Azzoun Atma von den israelischen Soldaten gefragt, die am Checkpoint stehen und jeden kontrollieren, der ins Dorf ein und ausgeht. Nach längerer Kontrolle stellt der Soldat fest, dass wir auf keiner offiziellen Liste stehen, wie z.B. das Rote Kreuz, und er erkundigt sich über Funk bei seinem Vorgesetzten, ob wir auch tatsächlich das Dorf besuchen dürfen.
Nach 20 min. Warten bekommen wir endlich die Erlaubnis nach Azzoun Atma zu gehen. Die Nähe der israelischen Siedlung Sha’are Tiqwa zu Azzoun Atma hinterlässt uns bei näherer Betrachtung sprachlos. Das einzige was die Siedlung vom Dorf trennt ist ein Zaun. Die Menschen leben ganz dicht nebeneinander und bewegen sich doch in unterschiedlichen Welten. Der Zaun scheint nicht überbrückbar zu sein, denn beide Seiten wissen nichts vom Anderen, vom Nachbarn.
Im Dorf werden wir, wie in jedem anderen palästinensischen Dorf, von den Dorfbewohnern begrüßt – zu unserer Überraschung, meist auf Hebräisch. Man hält uns für Juden und doch begrüßt man uns mit einer Freundlichkeit, wie man sie eigentlich nur bei Bekannten findet. Etwa an jedem fünften Haus an dem wir vorbei gehen, stehen Menschen die versuchen uns zu Kaffee einzuladen. Es tut gut, solch eine Herzlichkeit vorzufinden in einer so befremdenden Umgebung. Mir wird noch einmal klar, dass Gastfreundschaft ein wichtiger Bestandteil der palästinensischen Gesellschaft ist. Die Gastfreundschaft und Geselligkeit der Menschen ist ein Teil ihrer Lebenskunst sich kleine „Lebensoasen“ inmitten einer feindlichen Umgebung aufrechtzuerhalten.
Jayouss, 18. Januar 2008, Tzegha Kibrom
Ich arbeite für die Deutsche Sektion von pax christi als Ökumenische Beobachterin für den Weltkirchenrat und sein Ökumenisches Friedensprogramm in Palästina und Israel. Die hier wiedergegebene Meinung ist meine eigene und gibt nicht unbedingt die von pax christi oder dem Weltrat der Kirchen wieder.

Sehr geehrter Herr Kardinal Lehmann, im Namen des Präsidiums der deutschen Sektion von pax christi danke ich Ihnen für Ihr langjähriges und segensreiches Wirken als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Ihre Entscheidung, vom Vorsitz zurückzutreten, findet unseren Respekt. Die jetzt gewonnenen Freiräume mögen Ihnen Kraft und Stärke geben für die Aufgaben als Ortsbischof von Mainz und Ihrem persönlichen Wohlbefinden zuträglich sein. Wir freuen uns, dass Sie als Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz mit Ihrem Wissen und ihrer Erfahrung der katholischen Kirche in Deutschland weiterhin zur Seite stehen.

pax christi-Vizepräsident Johannes Schnettler dankt Kardinal Lehmann

Über die langen Jahre Ihres Wirkens als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz haben Sie die Arbeit von pax christi nicht nur mit großer Sympathie begleitet sondern auch in kritischen Phasen gestärkt. So durften wir uns ihrer Unterstützung immer sicher sein – auch dann, wenn es in Fragen des Friedens und des politischen Handelns unterschiedliche Auffassungen gab. Ihnen ist es zu verdanken, dass 1988 mit Bischof Hermann-Josef Spital nach einer Zeit der Vakanz wieder ein Mitglied der Bischofskonferenz als Präsident von pax christi gewählt werden konnte. Diese Entscheidung hat die Arbeit von pax christi in der deutschen Kirche und der bundesrepublikanischen Gesellschaft nachhaltig gestärkt. Als Bischof Heinz-Josef Algermissen die Nachfolge im Amt des Präsidenten von pax christi antrat, haben Sie Ihm und uns gegenüber diese Unterstützung durch Ihre Anwesenheit auf der Wahl-Delegiertenversammlung erneut eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht. Unvergessen bleibt für uns auch Ihre Anwesenheit während der Tagung des Internationalen Rates von pax christi im Jahre 2001 in Mainz und die Ermutigung, die Sie den Delegierten aus allen Kontinenten der Welt in Ihrem Engagement für Frieden und Gerechtigkeit zugesprochen haben.

Bei dieser Gelegenheit haben Sie auch die familiären Wurzeln Ihrer Sympathie für die Arbeit von pax christi zum Ausdruck gebracht und an die engagierte Arbeit Ihres Bruders Reinhold als Generalsekretär von pax christi erinnert. Diese besondere Beziehung zu pax christi hat nicht nur die Anwesenden sondern darüber hinaus viele Mitglieder von pax christi tief beeindruckt. Der Name Lehmann bleibt auf Dauer eng mit pax christi verbunden.

Es grüßt Sie herzlich Ihr

Gez. Johannes Schnettler Vizepräsident

Aachen, 17.1.2008

In der Erklärung heißt es: Mit den Beschlüssen zur Weiterführung der drei Mandate 2007 haben sich Regierung und Parlament über den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung hinweg gesetzt. Nun sehen wir die Folgen: es gibt kein Halten mehr in Richtung Kampftruppen; es gibt keine erkennbare politische Strategie und kein Ausstiegs-Szenario. Es kommt einer Kapitulation von Politik gleich, immer mehr auf die Stärkung des Militärs zu setzen. Stattdessen sollte die Bundesregierung innerhalb der NATO endlich eine Debatte über den Strategiewechsel anstoßen.

pax christi-Generalsekretär Reinhard J. Voß warnt vor einem schleichenden Übergang vom Aufbaumandat zur Kriegspraxis

Angesichts des schleichenden Übergangs von einem Aufbaumandat zur offenen Kriegspraxis erneuert pax christi ihre Forderung nach einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, Wir fordern die Rückkehr zur Politik und nicht den planlosen reaktiven Ausbau von Militär, d.h. einen neuen Dialog aller Konfliktparteien, eine konsequente Unterstützung von Alternativen der Konfliktregelung und des zivilen Aufbaus sowie eine ökonomische und entwicklungspolitische Zusammenarbeit, die dem Land Hilfen gibt beim Umstieg vom Drogen fördernden Mohnanbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft.

Wir sehen immer deutlicher, dass der Truppeneinsatz der USA, ihrer Verbündeten und der NATO in Afghanistan sowie die Truppenstationierungen in anderen Ländern Mittelasiens strategisch begründet sind: es geht um Geo- und Ressourcenpolitik. Die Rechtfertigung als „Bekämpfung des Terrorismus“ dient - nicht nur hier - zur Legitimation von kriegerischer Intervention und machtpolitischer Dominanz.

Bad Vilbel, den 17. Januar 2008


tagesschau.de fragt am 17.1.2008: "Von der Verteidigung zm Angriff?" und führt aus:

„Die Bundeswehr in Afghanistan könnte bald vor einer neuen gefährlichen Aufgabe stehen. Die Nato ist auf der Suche nach einer Eingreifreserve für den Norden. Deutschland wird wahrscheinlich in die Pflicht genommen. Dann wären Kampfeinsätze höchst wahrscheinlich. (...) Der Einsatz der Bundeswehr im Norden Afghanistans steht vor einer Wende. Ab Sommer könnten rund 250 deutsche Soldaten der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) nicht nur Aufbauarbeit leisten, sondern erstmals gezielt in Kampfeinsätze geschickt werden. Die Nato habe bei Deutschland und allen anderen truppenstellenden Isaf-Nationen nachgefragt, ob sie ab dem Sommer eine Eingreifreserve im Norden Afghanistans stellen könnten, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Karl A. Lamers, zu tagesschau.de. Im Laufe des Januars erwarte die Nato eine Rückmeldung.“ ( Alexander Richter, tagesschau.de 17.1.08)

pax christi-Kommentar:

Ob Winfried Nachtwei von den Grünen dies „nur eine qualitative Verschiebung" nennt oder Rainer Arnold (SPD) ebenso wie Paul Schäfer (Die Linke) von einer „neuen Qualität“ sprechen: pax christi erneuert angesichts dieses schleichenden Übergangs von einem Aufbaumandat zur Kriegspraxis ihre Forderung nach einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, einem neuen Dialog aller Konfliktparteien und konsequenter ziviler und ökonomischer Hilfe.

Die Sektionen in Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien, Deutschland und Portugal laden zum 4. Mal zu einem Europa-Wettbewerb ein. Für 2008 heißt die Aufgabe für 15-18jährige SchülerInnen, in einem vierköpfigen „Friedensteam“ bis zum 10. März 2008 einen 3-minütigen Beitrag als Powerpoint oder Digitales Video (per CD) einzureichen zum Thema „Frieden und Natur“. Die GewinnerInnen reisen nach Florenz und zur „Casa per la Pace“ von Pax Christi Italien.

Europäischer Jugend-Wettbewerb von Pax Christi International - Anmelden bis 29.2. - Einsenden bis 10.3.2008!

Die internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi wurde in den letzten Kriegsmonaten 1944/45 in Frankreich gegründet, um zur künftigen Versöhnung mit Deutschland beizutragen. Die deutsche Sektion entstand 1948. Heute ist Pax Christi International in über 50 Ländern der Erde präsent und aktiv.


Checkliste für LehrerInnen zum Wettbewerb:

Die Idee an Jugendliche von 15-18 Jahren weiter geben

Verschiedene Websites zur Anregung kennen und nennen (s. unter „Tool“-Beilage)

Das Beteiligung bis 29.2.2008 formlos bei Pax Christi Deutschland anmelden

Klären, dass 1 LehrerIn/LeiterIn das Team unterstützt und nach Florenz mitfährt

Die Powerpoint-Präsentation bis 10.3.2008 einsenden an Pax Christi Deutschland.

*************

Anmelde- und Kontaktadresse: E-mail an sekretariat@paxchristi.de

Post an Pax Christi – Deutsches Sekretariat, Postfach 1345, 61103 Bad Vilbel

Viel Spaß, Glück und Erfolg!

Reinhard J. Voß, Generalsekretär und Michael Rösch, Jugendforum

Die 5. Strategiekonferenz der "Kooperation für den Frieden" findet von Freitag, 18. Januar, 19.30 Uhr bis Samstag, 19. Januar 2008, 18 Uhr in Aachen, Forum Ludwig, statt. Am Freitag, dem 18. Januar 2008 um 19.30 Uhr ist ein Öffentliches ExpertInnen-Gespräch zum Krieg in Afghanistan mit Christoph Hörstel, Jürgen Rose, Katja Maurer, Herbert Sahlmann und Andreas Zumach vorgesehen. Am Samstag, 19. Januar 2008, findet von 9.30 Uhr - 18.00 Uhr die Tagung mit Vorträgen, Diskussionen und Arbeitsgruppen statt: "Afghanistan - kein Ausweg aus der militärischen Sackgasse? - Frieden und Sicherheit für Afghanistan - Handlungsoptionen der Friedensbewegung".

5. Strategiekonferenz der Kooperation für den Frieden am nächsten Wochenende in Aachen

Rückmeldecoupon / Anmeldung zur Strategiekonferenz

An die Kooperation für den Frieden Römerstr. 88 53111 Bonn Fax: 0228/692906 info@koop-frieden.de

Ich/wir nehme/n an der 5. Strategiekonferenz am 18./19. Januar in Aachen teil.

(Bitte ausfüllen)

mit .... Person/en ( ) Der TeilnehmerInnen-Beitrag wird vor Ort entrichtet ( ) Ich/wir haben den Kostenbeitrag auf das u.a. Konto überwiesen

Adressangaben:

evtl. Organisation/Gruppe:

Vorname, Name:

Strasse:

PLZ, Ort:

eMail:

Bemerkung an die Veranstalter:







Hinweise zu Übernachtungsmöglichkeiten in Aachen: (Bitte eigenständig buchen)

Jugendherberge Wir haben bei der Jugendherberge Aachen ein Übernachtungskontingent von 30 Plätzen reserviert. Dies erfolgte über unsere Mitgliedsgruppe DFG/VK. Bitte mit Vermerk: "Gruppe DFG/VK" dort selbstständig buchen

Kontakt: Jugendherberge Aachen, Euregionales Jugendgästehaus Maria Theresia Allee 260, 52074 Aachen Tel.: 0241/71101-0, Fax: 0241/71101-20 eMail: jh-aachen@djh-rheinland.de

Hotel Aquisgrana Ebenso haben wir beim Hotel "Aquisgrana" ein Kontigent vorbestellt. EZ 60 EUR, DZ 85 EUR. Das Kontingent ist bis zum 7.1.2008 reserviert.

Kontakt: Aquisgrana, Büchel 32 / Buchkremerstr., 52062 Aachen Tel.: 0241/4330, Ansprechpartner: Herr Elefantis http://www.hotel-aquisgrana.com

Weitere Unterkünfte: Online Reservierungssystem der aachen tourist service e.V. http://www.aachen.de/DE/tourismus_stadtinfo/130_onlinebuchen/index.html

Mit dem Motto „Frieden riskieren“ wendet sich die FriedensDekade, die von pax christi Deutschland mitgetragen wird und 2008 vom 9. bis 19. November stattfindet, gegen Versuche, Sicherheit mit Gewalt herstellen zu wollen. Der Plakatwettbewerb ist ausgeschrieben. Das Zentrale Motiv wird mit 1000 Euro belohnt.

Plakatwettbewerb bis 8. März ausgeschrieben

In der Ausschreibung heißt es weiter: „Die Entwicklungen in Afghanistan, den palästinensischen Gebieten oder im Irak zeigen, dass Waffengewalt nicht zu Sicherheit für die Menschen führt. Die FriedensDekade verweist stattdessen auf historische Beispiele und Projekte gewaltfreier Konfliktbearbeitung, auf Situationen, in denen Menschen Frieden riskiert haben.

Menschliche Sicherheit, wie sie auch von der UNO als Ziel genannt wird, bedeutet, dass jeder Mensch Schutz vor Kriminalität, Gewalt und Krieg findet. Diese Sicherheit gilt es über internationale Abkommen (z.B. zum Klima) zu erreichen.

»Frieden riskieren« ist mit »Mut« verbunden, d.h., den Frieden wagen, sich getrauen, sich einmischen.

Der biblische Bezugsrahmen für das Motto ist Johannes 14, 27: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.«

Das Motto von Papst Benedikt XVI. zum Weltfriedenstag am 1.1.2008 lautete in diesem Jahr: "Die Menschheitsfamilie, Gemeinschaft des Friedens". pax christi hat wieder eine Gebets- und Informationshilfe zusammen mit anderen katholischen Verbänden erstellt und als Motto dafür gewählt: "Friede ist der Weg zur Menschheitsfamilie". Darin finden sich die folgenden einleitenden Gedanken von Generalsekretär Reinhard J. Voß.

GEDANKEN zum Leitwort 2008 „Friede ist der Weg zur Menschheitsfamilie.“

Der Traum der Menschheitsfamilie in der Einen Welt scheint zum Greifen nahe: die Globalisierung propagiert ihn ökonomisch, Medien und Internet lassen ihn Wirklichkeit werden, weltweite Reisen überwinden scheinbar mühelos alle Grenzen und Kulturen.

Und doch wächst ein weltweites Unbehagen: es scheint mehr Verlierer als Gewinner der Globalisierung zu geben, die Unterschiede in den Kulturen, Traditionen, Religionen, Lebensweisen, Menschenrechts- und ökonomischen Verhältnissen sind so offenkundig, dass sie in ihrer direkten Vergleichbarkeit zur gegenseitigen moralischen Anklage und politischen Herausforderung werden. Migrationstendenzen sind weltweit im Gange; die Vertriebenen durch globale Erwärmung u.a. Umweltkatastrophen treten neben die kriegsbedingten Flüchtlingsströme. Verteilungskonflikte um Rohstoffe, Wasser, neue Machtsphären zeichnen sich ab. Man spricht von Handelskriegen; Geiselnahmen und Terrorattacken bedienen sich in perfider Form des Internets, um Mord und Folter anzudrohen und zu verherrlichen. Und manche Regierungen stehen dem in nichts nach, wenn sie ihre Medienkriege und Meinungs-Manipulationen planen und durchführen.

Die Welt ist ein Marktplatz geworden: ein Marktplatz der Ökonomie, der Eitelkeiten, der Täter- und Opfergeschichten, der „guten“ und „bösen“ Geschichten… Aber gerade darum liegen heute Segen und Fluch der Einen Welt so nah beieinander. Es ist richtig: je näher wir uns kommen, desto klarer haben wir auch Konflikte zu bestehen. Aber genau darum geht es: sie zivilisatorisch zu bewältigen und auszutragen. Manchmal erscheint es mir als hätten wir seit der Kolonialisierung und Eroberung der „Neuen Welt“ nicht viel gelernt. Das „Andere“ wird immer noch leicht verdächtigt und das Eigene unkritisch überhöht. Wir wissen viel und verstehen wenig. Die ideologischen und Verständnis-Gräben wachsen, weil es zu wenige offene Palaverplätze gibt. Der „Kampf der Kulturen“ wurde schon herbei geschrieben! Zwar ist ihr „Erfinder“ Huntington mittlerweile wissenschaftlich marginalisiert und widerlegt, aber seine These bleibt politisch doch höchst wirksam und gefährlich als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn denn die Form der Macht- und Militärpolitik des letzten Jahrzehnts anhalten sollte. Wir brauchen Dialog statt „Krieg gegen den Terror“ – unter dieses Motto stellt pax christi seine 60-Jahr Feier 2008.

Die Tatsache des weltweiten Zusammenwachsens ist ein unaufhaltsamer politischer, ökonomischer und kultureller Prozess. Es gilt ihn aber nicht länger der Macht der Stärkeren zu überlassen, sondern ihn demokratisch zu gestalten. An uns allen liegt es, Menschheitsfamilie zu werden – und das fängt bei der „Einen Welt im eigenen Land“ an – bei der Akzeptanz von Mitmenschen anderen Glaubens, anderer Hautfarbe, anderer „Welt-Anschauung“ – und damit beim Ja zu Moscheen und Synagogen, Tempeln und Meditationshäusern aller Art. Nur dann haben wir Christen das Recht, auch in anderen Ländern die freie Ausübung unserer Religion zu fordern – statt nun auch bei uns deren Verfolgung und Marginalisierung zu betreiben. Die „Menschwerdung des Menschen“ (Teilhard de Chardin) und das Werden der Menschheitsfamilie (Papst Benedikt XVI.) schreiten nicht von selbst voran; es bedarf unser aller Hilfe, Entschiedenheit und Kenntnis in der eigenen Tradition ebenso wie der Toleranz und interessierten Gesprächsbereitschaft gegenüber dem „Anderen“. Weder Schmelztiegel noch Parallelgesellschaften können uns dem näher bringen, sondern die Achtung und Pflege der Vielfalt in der „Einen Welt“. Aus unserem kleinen blauen Planeten die Heimstatt aller zu machen, die darauf geboren werden: dies ist für uns jesuanisch-christliches Urgut - neutestamentarisch verbürgt.

Reinhard J. Voß

Nachdem Papst Benedikt XVI. zum 1. Januar wieder eine eindringliche „Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages“ veröffentlichte, hat er am Montagvormittag die Mitglieder des Diplomatischen Corps empfangen. Traditionell nutzt der Papst seine Neujahrsansprache an die Vertreter der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Länder für eine politische „Tour d’Horizon”. Diplomatie ist in gewisser Weise die Kunst der Hoffnung. Sie lebt von der Hoffnung und versucht, selbst kleinste Zeichen dieser Hoffnung zu entdecken.” So Papst Benedikt XVI. an die Gesandten der 174 Staaten, mit denen der Heilige Stuhl diplomatische Beziehungen unterhält.

pax christi begrüßt die mahnenden Friedensbotschaften des Papstes zum Jahresanfang

Im ersten Teil lenkte der Papst seinen Blick auf die fünf Kontinente. Einen Schwerpunkt setzte Benedikt auf die Situation im Nahen Osten. Er lobte die Ergebnisse der Friedenskonferenz in Annapolis (USA) und appellierte an Israelis und Palästinenser, ihre Friedensbemühungen zu intensivieren. Mit Blick auf den Irak unterstrich der Papst die Dringlichkeit von Versöhnung. „Es ist offensichtlich, dass in gewissen politischen Fragen der Knoten noch gelöst werden muss. In diesem Rahmen muss eine Verfassungsreform besonders die Rechte der Minderheiten schützen. Es besteht ein großer Bedarf an humanitärer Hilfe für die vom Krieg betroffene Bevölkerung; ich denke besonders an die Flüchtlinge im Inneren des Landes, unter denen zahlreiche Christen sind. Ich appelliere an die internationale Gemeinschaft, sich großzügig zu zeigen gegenüber ihnen und gegenüber den Ländern, in die sie geflohen sind, denn die Aufnahmekapazitäten dieser Länder sind erschöpft.” Der Papst lenkte den Blick außerdem auf Lateinamerika und erwähnte hier besonders Kuba, wohin vor zehn Jahren Papst Johannes Paul II. gereist war. Die Völker Lateinamerikas sollten verstärkt zusammenarbeiten und die Spannungen im Innern der Länder überwinden. In diesem Zusammenhang erwähnte er die Naturkatastrophen in Mexiko, Peru und Mittelamerika, aber auch in Bangladesh und Ozeanien. Hier sei ein gemeinsames und starkes Engagement notwendig, denn das Maß der Menschlichkeit zeige sich in seinem Umgang mit dem Leid und dem Leidenden (Spe Salvi 38). Neben den Krisenherden in Asien, wo der Papst besonders Pakistan, Afghanistan, Sri Lanka und Burma nannte, wies Benedikt mit Blick auf Afrika vor allem auf die prekäre Situation in Darfur hin, die ihn mit „tiefem Schmerz” erfülle. Der Papst lancierte Friedensappelle an die Konfliktpartner in Somalia, im Kongo, in Kenia und Äthiopien.

In Europa erwähnte Benedikt lobend die Fortschritte auf dem Balkan. Für den Kosovo müsse allerdings noch ein definitiver Status gefunden werden. Sein Besuch in Österreich im vergangenen Jahr sei Ausdruck des Beitrags der katholischen Kirche, am „Haus Europa” mitzubauen. Der EU-Vertrag von Lissabon sei hierfür eine wichtige Etappe. Allerdings dürfe Europa seine christlichen Wurzeln nicht verneinen.

Den ersten Teil seiner Rede schloss Benedikt mit einer Reflektion über menschliche Freiheit. Diese sei nicht absolut: „Sondern es handelt sich um ein Gut, das miteinander geteilt wird, und für das alle Verantwortung tragen. Daher sind Ordnung und Recht die Garanten dafür. Aber das Recht ist nur dann eine wirksame Kraft des Friedens, wenn ihre Fundamente fest im Naturrecht verankert sind, das vom Schöpfer gegeben ist. Auch deswegen darf man niemals Gott aus dem Horizont der Menschen und der Geschichte ausschließen. Der Name Gottes ist ein Name der Gerechtigkeit; er stellt einen dringenden Appell zum Frieden dar.”

Im zweiten Teil seiner Rede an die Diplomaten setzte Benedikt die Schwerpunkte auf die Bedeutung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs, auf den Schutz der Menschenrechte und des Lebens und auf die Bewahrung von Frieden und Sicherheit. Der Vatikan messe der UNO-Initiative zum Dialog zwischen den Religionen und Kulturen eine sehr hohe Bedeutung bei: „Um echt zu sein, muss dieser Dialog klar sein und Relativismus und Synkretismus vermeiden, und er muss von einem ehrlichen Respekt für die anderen und einem Geist der Versöhnung und der Brüderlichkeit beseelt sein. Die katholische Kirche engagiert sich hierin sehr intensiv, und gerne möchte ich erneut den Brief erwähnen, den mir am 13. Oktober 138 muslimische Persönlichkeiten geschrieben haben und meine Dankbarkeit für die edlen Gedanken in dem Brief ausdrücken.”

Die Kirche stehe am Dienst an den Menschenrechten, die nicht nur verkündet, sondern auch umgesetzt werden müssten. Das bedeute besonders den Schutz des menschlichen Lebens: „Ich kann nicht anders, als wieder einmal die ständigen Angriffe auf das menschliche Leben auf allen Kontinenten zu beklagen. So möchte ich, gemeinsam mit vielen Forschern und Wissenschaftlern, daran erinnern, dass die neuen Möglichkeiten der Bioethik uns keineswegs vor die Wahl „Wissenschaft oder Moral” stellen - sondern sie verlangen vielmehr einen moralischen Gebrauch der Wissenschaft.” Positiv erwähnte positiv Benedikt das Moratorium der UNO-Vollversammlung vom 18. Dezember zur Abschaffung der Todesstrafe. Bedauern äußerte er über die Bedrohung der auf die Ehe von Mann und Frau gegründeten Familie. Ein wesentliches Menschenrecht sei außerdem die Religionsfreiheit, die nicht an allen Orten gegeben sei. „Der Heilige Stuhl verteidigt sie und fordert ihre Respektierung gegenüber allen. Er ist besorgt über die Diskriminierungen von Christen und von Anhängern anderer Religionen.” Frieden sei keine illusorische Hoffnung, sondern eine Lebensweise, in der alle Menschen Zugang haben zu den Grundgütern wie Nahrung, Wasser und Energie. Daher sei „Entwicklung ein neuer Name für Frieden, sagte der Papst, eine Formulierung Pauls VI. aufgreifend. Daher müssten die reichen Länder die Fortschritte vieler Entwicklungsländer im vergangenen Jahr unterstützen. Die internationale Staatengemeinschaft forderte das Kirchenoberhaupt auf, sich gemeinsam für Sicherheit einzusetzen und Terroristen am Zugang zu Massenvernichtungswaffen zu hindern. Er begrüßte das Einlenken Nordkoreas im Streit um sein Atomprogramm und appellierte an die Staaten, konventionelle Waffen abzubauen und das Problem der Streubomben anzugehen.

(Text aus dem Newsletter von Radio Vatikan vom 7.1.08/rv)

Der "Nationale Friedensrat", dem führende katholische Laien angehören, hat am Morgen des 3. Dezember in zwei getrennten Presseerklärungen unter den Überschriften „ Aufkündigung des Waffenstillstandsabkommens wird die Spirale der Gewalt weiter anheizen“ und „Krieg gegen Terrorismus führt zu mehr Terror“ vor den Folgen der bevorstehenden Eskalation gewarnt. Das Foto zeigt den Trauerzug für den Abgeordneten Maheswaran am heutigen Tag in Colombo.

Das Jahr 2008 begann für Sri Lanka mit der Ermordung des tamilischen Oppositionspolitikers und Parlamentsabgeordneten, T. Maheswaran. Der gläubige Hindu wurde an Neujahr in einem Tempel in Colombo erschossen. In einem Fernsehinterview hatte er letzte Woche angekündigt, dass er im Parlament die Namen von Personen bekannt geben werde, die im Norden und Osten des Landes zur Zeit in Entführungen und Ermordungen verwickelt seien. Am 2. Januar, verursachte eine Bombenexplosion vor einem bekannten Hotel in Colombo weitere vier Tote und 24 Verletzte. Der Anschlag hatte offensichtlich einem vorbeifahrenden Bus mit Soldaten gegolten und einen weiteren Bus mit zivilen Fahrgästen getroffen. 


Der „Nationale Friedensrat“erklärte:
„Die Gefahr der Regierungsposition, besonders im Fall einer totalen Zurückweisung des Friedensprozesses mit der LTTE, ist, dass sie den Weg ebnet zu einer Schlacht bis zum bitteren Ende, deren Kosten schrecklich hoch sein werden, deren Erfolg jedoch keineswegs garantiert und aus der es kein Zurück mehr geben wird…
Wir können nur beten und hoffen, dass diese Periode von Krieg und Terror bald zu einem Ende kommt und Vernunft und Respekt für die Menschenrechte die Konfliktparteien zum Verhandlungstisch zurück bringen und alle bewaffneten Auseinandersetzungen, politischen Morde und andere kriminelle Handlungen beenden werden…
Die wichtigste Aufgabe des Staates ist, die Gesetze durchzusetzen und jeden zur Rechenschaft zu ziehen, der ein Gesetz bricht. Dass die Sicherheitskräfte bisher die Täter so vieler Gewaltverbrechen nicht gefasst haben, wirft ein Licht auf ihre Ineffizienz und Unfähigkeit. Menschen werden zu Aktivitäten verleitet ohne Risiko, bestraft zu werden. Diese Situation wird den internationalen Druck für eine UN-Präsenz für den Bereich der Menschenrechte verstärken und bestätigen.“

pax christi wünscht allen einen guten Start in das Jahr 2008!

Die deutsche Sektion von pax christi begeht im April 2008 den 60. Jahrestag ihrer Gründung. Wir blicken mit Dankbarkeit auf das Geschenk der Versöhnung mit den Gegnern des 2. Weltkrieges und sehen uns in der Verantwortung, auch in Zukunft aus dem Geist des Friedens zu handeln. Sie sind eingeladen, mit uns zu feiern - und nachzudenken über eine friedlichere Welt.

Das Zentrum für Religion und Gesellschaft in Colombo ruft dazu auf, am 1. Weihnachtstag für die vom Krieg betroffenen Menschen in Jaffna und anderen Teilen des Landes zu beten. Derzeit eskaliert die Lage in dem vom Bürgerkrieg zwischen der Regierungsarmee und der LTTE gezeichneten Land erneut. Aus der Diözese Jaffna erreicht uns das folgende Gebet:

"In the midst of hunger and war - Let us celebrate the promise of plenty and peace

In the midst of oppression and tyranny - Let us celebrate the promise of service and freedom 
In the midst of doubt and despair - Let us celebrate the promise of faith and hope 
In the midst of fear and betrayal - Let us celebrate the promise of joy and loyalty 
In the midst of death - Let us celebrate the promise of love and life

In Mitten von Hunger und Krieg - Lasst und die Verheißung von Überfluss und Frieden feiern 
In Mitten von Unterdrückung und Tyrannei - Lasst und die Verheißung von Dienen und Freiheit feiern 
In Mitten von Angst und Verrat - Lasst und die Verheißung von Freude und Loyalität feiern 
In Mitten des Todes -  Lasst und die Verheißung von Liebe und Leben feiern 

pax christi denkt in diesen Tagen an unsere Partner im Centre for Peace and Reconciliation in Jaffna und an alle Menschen, die unter dem Krieg in Sri Lanka leiden.

Mit diesen Worten endet der Bericht der pax christi-Freiwilligen Mechtild Kappetein aus Bethlehem. Sie wird dieser Tage nach drei Monaten Dienst im Ökumenischen Begleitprogramm für Palästina und Israel (ÖFPI) nach Deutschland zurück reisen. Wir dokumentieren ihren Bericht. Das Foto zeigt den von ihr beschriebenen Checkpoint 300 an der Mauer in Bethlehem mit den wartenden Menschen am Morgen.

"In wenigen Tagen werde ich Bethlehem verlassen... 
In den vergangenen drei Monaten haben mir die Menschen hier vor allem Leidensgeschichten erzählt. Bei all dem die Hoffnung nicht aufzugeben, das kostet immens viel Kraft. Oft spüre ich die große – auf den ersten Blick nicht unbedingt wahrnehmbare – Müdigkeit. Ich habe um die verschlechterten Lebensumstände in Palästina gewusst. Aber dies täglich zu erleben, hat eine ganz andere Qualität.  

Der Checkpoint 300 in Bethlehem
Ich erlebe stärker was es heißt, Menschen zu begleiten - in ganz besonders Weise, wenn wir morgens zwischen 4:30 h und 8:30 h am Bethlehem Terminal sind. In dieser Zeit gehen ca. 2.800 Männer und ungefähr 70 Frauen durch die Grenzanlage mit ihren Gebäuden, den elektronischen Anlagen, Riesenwachtürmen und der 9 m hohen Betonmauer. Die Menschen kommen aus Bethlehem, Hebron und anderen Orten in der Umgebung und sind auf dem Weg zur Arbeit in Israel. Manche von ihnen treffen schon um 2:30 h ein, um bei den Ersten zu sein, wenn um 5:00 h das Tor geöffnet wird, was jedoch regelmäßig mit 10 bis 30 Minuten Verspätung geschieht. Die Männer liegen auf Pappkartons und versuchen, noch etwas Schlaf zu finden. Wenn der Andrang gegen 4:30 Uhr größer wird, stehen sie dicht gedrängt in einem Gang, der von 2 hohen Metallgittern eingezäunt ist. Von extrem angespannten Situationen abgesehen, lassen die Männer die Frauen vorgehen.
Das Anstehen kann Stunden dauern und findet im Freien statt – unabhängig vom Wetter. Seit 2 Jahren wird eine Schutzvorrichtung gegen Regen und Kälte angemahnt und ein Sonnenschutz für den Sommer sowie ein separater Gang für Frauen, kranke, alte und behinderte Menschen. Die alltäglichen Strapazen, die Demütigungen, die alles beherrschende Willkür sind nichts Besonderes, sie sind palästinensischer Alltag!
Hier nur ein Beispiel: Eine junge Soldatin, die Passierscheine kontrolliert, schreit einen alten Mann wiederholt durch den Lautsprecher an. Er weiß nicht, wie er mit dem Handscanner umgehen muss und versteht die Soldatin nicht, weil er kein Hebräisch spricht. Durch ihr Gebrüll wird er immer verwirrter. Eine der israelischen Machsom Watch-Frauen, die gerade dort steht, fragt die Soldatin, was sie dazu sagen würde, wenn jemand so mit ihrem Großvater umginge. Sie antwortet, ihr Großvater sei kein Araber. 

Eine kurze Begegnung, die ich während des Ramadan hatte, will ich euch zum Thema Begleitung erzählen: An einem Freitag wartet eine größere Gruppe junger muslimischer Frauen einige Stunden vor dem Terminal darauf durchge-lassen zu werden, um in Jerusalem in der Al Aqsa Moschee beten zu können. Sie hoffen vergeblich auf die große Ausnahme: Nur Frauen über 40 und Männer über 55 Jahre dürfen im Ramadan zum Freitaggebet nach Jerusalem. Eine der Frauen spricht mich auf Englisch an und fragt gereizt, warum ich da stehe. Es sei doch alles völlig sinnlos, ich könne eh nichts verändern. Ich habe ihr vom Programm erzählt, aus welchen Ländern wir kommen, an welchen Orten wir in der West Bank eingesetzt sind und was wir dort tun. Dass unser Team in Bethlehem z.B. mehrmals in der Woche morgens zwischen 4:30 und 8:00 Uhr am Checkpoint ist, um zu bezeugen, wie die Menschen behandelt werden und um gemeinsam mit den israelischen Frauen von Machsom Watch zu helfen, wo es uns möglich ist. 
Ich habe sie gefragt, ob sie die Erfahrung kennt, am Bett eines geliebten Menschen zu sitzen, der starke Schmerzen hat und ihm nichts anderes zukommen lassen zu können, als bei ihm zu sitzen. Als sie nickt, sage ich zu ihr, dass es mir hier manchmal ähnlich ergehe. “Wir danken euch, für das was ihr hier tut” sagt sie und drückt mich herzlich, als ich mich wieder auf den Weg mache. 

Landverlust durch den Mauerbau 
Einige Tage später treffen wir Ibrahim. Ich habe ihn gefragt, ob er uns durch Beit Jala führen und mit uns über den erfolgten bzw. geplanten Mauerbau sprechen kann. Im Anfang ist er sehr zurückhaltend, entschuldigt sich, dass er nicht besser Englisch spricht und sagt, dass er nicht sehr viel Zeit habe. Dann ist er vier Stunden mit uns unterwegs. Er zeigt uns den Mauerbau entlang der Straße Nr. 60, die nach Hebron führt, und wie viel Land dafür vom israelischen Staat konfisziert wurde. 
Wir fahren in Ibrahims Garten, in den er viel Arbeit und Geld investiert hat. Hier hat er Weinstöcke, Obstbäume und Beerensträucher gepflanzt. Ein großes Stück seines Gartens wurde ihm für den Mauerbau genommen. Die Mauer steht dort zum Schutz der Siedlung Har Gilo und sollte ursprünglich viel weiter in seinen Garten reichen. Ibrahim und seine Brüder haben Einspruch erhoben und konnten nach vielen Verhandlungen einen Teil des Gartens retten. Ein Jahr war er nun nicht mehr hier. Er gesteht uns, dass er Angst davor gehabt habe, wieder herzukommen. Er zeigt uns unterwegs den zukünftigen Verlauf der Mauer und das Land, das die Bewohner von Beit Jala und Al Walaja dabei verlieren. 
Einige Dörfer sind so eingeschlossen oder werden es bald sein, dass sie nur eine einzige Passierstelle als Ein-/Ausgang haben, und nur die Menschen hinein- und herausgehen dürfen, die dort wohnen. Angehörige oder Freunde, die außerhalb leben, können nicht zu Besuch kommen.
Ibrahim hat manchmal Tränen in den Augen, und gleichzeitig erzählt er begeistert und voll stolz von seiner Heimat.

Abschließend ist es mir wichtig zu sagen, wie sehr ich vom Engagement der verschiedenen israelischen Friedensgruppen beeindruckt bin. Als besonders stark habe ich hier die Frauen erlebt und ihren langen Atem bewundert. Da sind z.B. die Frauen von Machsom Watch, die nun seit Jahren regelmäßig an den Checkpoints stehen oder die ”Frauen in Schwarz“, die seit 20 Jahren jeden Freitag mahnen, die Besatzung Palästinas zu beenden. Mir ist aufgefallen, dass zunehmend mehr junge Israelis in Friedens- und Menschenrechtsgruppen aktiv sind. Sie wagen viel, werden oft diffamiert und auch arrestiert. 

Keep hope alive! Ich habe das in den vergangenen drei Monaten in Bethlehem vorgelebt bekommen: in der herzlichen Gastfreundschaft trotz wirtschaftlicher Not, in der Freude am Feiern, Tanzen und Singen trotz aller Sorgen und Ängste, in der Liebe zum Land trotz Mauerbau und Konfiszierungen, in vielen heiteren Geschichten trotz all der leidvollen Erlebnisse. 
Mit der Hoffnung möchte ich schließen und allen gesegnete Weihnachten und ein gutes Neues Jahr wünschen. Meinen muslimischen Freundinnen und Freunden wünsche ich ein frohes Opferfest, und meinen jüdischen Freundinnen und Freunden mit uns allen gemeinsam: Let us keep hope alive! "

Mechtild Kappetein
Bethlehem im Dezember 2007

Disclaimer: Die Berichte der Freiwilligen im ÖFPI-Programm geben deren persönliche Meinung wieder.

Erst seit 1995, als eine Salzburger Familie es der Öffentlichkeit übergab, ist das Manuskript aus der Hand des Textdichters bekannt. Das Blatt stammt aus dem Jahre 1822 oder 1823. Es ist signiert: „Text von Joseph Mohr, Coadjutor 1816“. Der Text entstand demzufolge 1816. Schon früh verschwanden die programmatischen Strophen 3 bis 5, denn sie behinderten die Romantisierung. Hier also der volle Text.

Als Geschenk des deutschen Sekretariats die Urfassung von "Stille Nacht - Heilige Nacht"

Stille Nacht! Heilige Nacht!

Alles schläft, einsam wacht

Nur das traute heilige Paar;

Holder Knabe im lockigten Haar;

Schlafe in himmlischer Ruh! Schlafe in himmlischer Ruh!


Stille Nacht! Heilige Nacht!

Gottes Sohn! O! wie lacht

Lieb` aus Deinem göttlichen Mund,

Da uns schlägt die rettende Stund;

Jesus! in Deiner Geburt! Jesus! in Deiner Geburt!


Stille Nacht! Heilige Nacht!

Die der Welt Heil gebracht;

Aus des Himmels goldenen Höh`n

Uns der Gnaden Fülle läßt seh`n:

Jesum in Menschengestalt! Jesum in Menschen-Gestalt!

Stille Nacht! Heilige Nacht!

Wo sich heut alle Macht

Väterlicher Liebe ergoß,

Und als Bruder huldvoll umschloß

Jesus die Völker der Welt! Jesus die Völker der Welt!

Stille Nacht! Heilige Nacht!

Lange schon uns bedacht,

Als der Herr vom Grimme befreit,

In der Väter urgrauer Zeit

Aller Welt Schonung verhieß! Aller Welt Schonung verhieß!

Stille Nacht! Heilige Nacht!

Hirten erst kund gemacht

Durch der Engel „Hallelujah!“

Tönt es laut bei Ferne und Nah:

„Jesus der Retter ist da!“ „Jesus der Retter ist da!“

Das Motto von Papst Benedikt XVI. zum Weltfriedenstag am 1.1.2008 lautet in diesem Jahr: "Die Menschheitsfamilie, Gemeinschaft des Friedens". pax christi hat wieder eine Gebets- und Informationshilfe zusammen mit anderen katholischen Verbänden erstellt und als Motto dafür gewählt: "Friede ist der Weg zur Menschheitsfamilie". Darin finden sich die folgenden einleitenden Gedanken von Generalsekretär Reinhard J. Voß.

Gemeinsame Gebetsstunde katholischer Verbände am Freitag, 11.Januar 2008

GEDANKEN zum Leitwort 2008 „Friede ist der Weg zur Menschheitsfamilie.“

Der Traum der Menschheitsfamilie in der Einen Welt scheint zum Greifen nahe: die Globalisierung propagiert ihn ökonomisch, Medien und Internet lassen ihn Wirklichkeit werden, weltweite Reisen überwinden scheinbar mühelos alle Grenzen und Kulturen.

Und doch wächst ein weltweites Unbehagen: es scheint mehr Verlierer als Gewinner der Globalisierung zu geben, die Unterschiede in den Kulturen, Traditionen, Religionen, Lebensweisen, Menschenrechts- und ökonomischen Verhältnissen sind so offenkundig, dass sie in ihrer direkten Vergleichbarkeit zur gegenseitigen moralischen Anklage und politischen Herausforderung werden. Migrationstendenzen sind weltweit im Gange; die Vertriebenen durch globale Erwärmung u.a. Umweltkatastrophen treten neben die kriegsbedingten Flüchtlingsströme. Verteilungskonflikte um Rohstoffe, Wasser, neue Machtsphären zeichnen sich ab. Man spricht von Handelskriegen; Geiselnahmen und Terrorattacken bedienen sich in perfider Form des Internets, um Mord und Folter anzudrohen und zu verherrlichen. Und manche Regierungen stehen dem in nichts nach, wenn sie ihre Medienkriege und Meinungs-Manipulationen planen und durchführen.

Die Welt ist ein Marktplatz geworden: ein Marktplatz der Ökonomie, der Eitelkeiten, der Täter- und Opfergeschichten, der „guten“ und „bösen“ Geschichten… Aber gerade darum liegen heute Segen und Fluch der Einen Welt so nah beieinander. Es ist richtig: je näher wir uns kommen, desto klarer haben wir auch Konflikte zu bestehen. Aber genau darum geht es: sie zivilisatorisch zu bewältigen und auszutragen. Manchmal erscheint es mir als hätten wir seit der Kolonialisierung und Eroberung der „Neuen Welt“ nicht viel gelernt. Das „Andere“ wird immer noch leicht verdächtigt und das Eigene unkritisch überhöht. Wir wissen viel und verstehen wenig. Die ideologischen und Verständnis-Gräben wachsen, weil es zu wenige offene Palaverplätze gibt. Der „Kampf der Kulturen“ wurde schon herbei geschrieben! Zwar ist ihr „Erfinder“ Huntington mittlerweile wissenschaftlich marginalisiert und widerlegt, aber seine These bleibt politisch doch höchst wirksam und gefährlich als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn denn die Form der Macht- und Militärpolitik des letzten Jahrzehnts anhalten sollte. Wir brauchen Dialog statt „Krieg gegen den Terror“ – unter dieses Motto stellt pax christi seine 60-Jahr Feier 2008.

Die Tatsache des weltweiten Zusammenwachsens ist ein unaufhaltsamer politischer, ökonomischer und kultureller Prozess. Es gilt ihn aber nicht länger der Macht der Stärkeren zu überlassen, sondern ihn demokratisch zu gestalten. An uns allen liegt es, Menschheitsfamilie zu werden – und das fängt bei der „Einen Welt im eigenen Land“ an – bei der Akzeptanz von Mitmenschen anderen Glaubens, anderer Hautfarbe, anderer „Welt-Anschauung“ – und damit beim Ja zu Moscheen und Synagogen, Tempeln und Meditationshäusern aller Art. Nur dann haben wir Christen das Recht, auch in anderen Ländern die freie Ausübung unserer Religion zu fordern – statt nun auch bei uns deren Verfolgung und Marginalisierung zu betreiben. Die „Menschwerdung des Menschen“ (Teilhard de Chardin) und das Werden der Menschheitsfamilie (Papst Benedikt XVI.) schreiten nicht von selbst voran; es bedarf unser aller Hilfe, Entschiedenheit und Kenntnis in der eigenen Tradition ebenso wie der Toleranz und interessierten Gesprächsbereitschaft gegenüber dem „Anderen“. Weder Schmelztiegel noch Parallelgesellschaften können uns dem näher bringen, sondern die Achtung und Pflege der Vielfalt in der „Einen Welt“. Aus unserem kleinen blauen Planeten die Heimstatt aller zu machen, die darauf geboren werden: dies ist für uns jesuanisch-christliches Urgut - neutestamentarisch verbürgt.

Reinhard J. Voß

Die beiden großen Kirchen haben die Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. Der Trend zu einer Steigerung der Waffenexporte dauere ungebrochen an, sagte der katholische Vorsitzende der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE), Prälat Karl Jüsten, heute in Berlin.

Die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwickung (GKKE) legt ihren jährlichen Bericht vor

Prälat Karl Jüsten verwies darauf, die Genehmigungen für Einzel- und Sammelausfuhren von Rüstungsgütern seien 2006 gegenüber 2005 um 1,5 Milliarden auf 7,7 Milliarden Euro gestiegen. Der evangelische GKKE-Vorsitzende, Prälat Stefan Reimers, kritisierte zudem die Transparenz bei Rüstungsexporten als mangelhaft.

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte - und das hörte man im letzten Jahr genau so - , es sei sehr einfach, auf Steigerungen hinzuweisen oder sie zu kritisieren. Dabei gebe es wegen des Volumens einzelner Aufträge immer mal "Ausreißer nach oben oder unten". Deutschland habe eine sehr restriktive Genehmigungspraxis bei Rüstungsexporten. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm betonte, Rüstungsexporte stellten gerade einmal 0,15 Prozent des gesamten Exportvolumens.

Wichtigste Gründe für den Anstieg der Waffenexporte sind nach Angaben Jüstens die wachsende Rüstungskooperation in Europa und der hohe Stellenwert deutscher Produzenten. Neben der Lieferung kompletter Waffensysteme liege die Stärke der hiesigen Rüstungsfirmen in der Zulieferung von einzelnen Komponenten an Hersteller in anderen Ländern. Da nicht auszuschließen sei, dass auf diese Weise Rüstungsgüter mit deutschen Bauteilen in Entwicklungsländer gelangten, sei diese Praxis zweifelhaft, betonte der Prälat. Den Anteil direkter deutscher Waffenlieferungen an Entwicklungsländer schätzt die GKKE auf über 20 Prozent an den Gesamtrüstungsexporten. Die Bundesregierung geht von 9,5 Prozent aus.

Verstoß gegen Verhaltenskodex

Der Autor des GKKE-Berichts, Bernhard Moltmann, kritisierte die anhaltenden Rüstungsexporte in Krisenregionen. Insbesondere Waffenlieferungen in Länder, in denen die Menschenrechte nicht gewährleistet seien und die in Spannungsgebieten lägen, seien problematisch. Der Verhaltenskodex der Europäischen Union schließe solche Exporte eigentlich aus. Dass sich die Regierung über diese Regelung hinwegsetze, zeige, dass sie "keine Abkehr von einem für Expansion offenen Kurs" verfolge, ergänzte Jüsten.

Ein ungebrochener Zustrom von Waffen schürt nach Überzeugung der GKKE die gewaltsamen Konflikte in den weltweiten Krisenregionen. So seien rund 95 Prozent aller Waffen, die in Gewaltkonflikten in Afrika zum Einsatz kämen, nicht-afrikanischer Herkunft. Auch bei der verwendeten Munition stamme der geringste Teil aus afrikanischer Produktion. Unter ethischen Kriterien seien Waffenlieferungen an Entwicklungsländer inakzeptabel und legten das Dilemma der deutschen Rüstungsexportpolitik offen, sagte Jüsten.

Reimers warf der Bundesregierung eine "fragwürdige Interpretation" der deutschen Rüstungsexporte vor. So habe die Regierung bei der Vorlage ihres eigenen Exportberichts im November von unveränderten Zahlen bei den Ausfuhrgenehmigungen gesprochen. Dies sei nur möglich gewesen, weil die Regierung die Sammelausfuhrgenehmigungen nicht erwähnt habe. Deren Wert sei 2006 jedoch um 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Ähnlich verhalte sich die Regierung bei Informationen zu Exporten in Entwicklungsländer. Die Berichtspraxis behindere eine korrekte Wahrnehmung der deutschen Rüstungsexporte.

Ein deutliches Defizit der Rüstungsexportpolitik zeige sich auch in der mangelhaften Kontrolle durch den Bundestag. So habe das Parlament die vergangenen drei Exportberichte der Regierung nicht im Plenum diskutiert. "Es fällt schwer, dies nicht als ein Armutszeugnis des Parlaments zu sehen", so Reimers. Größere und politisch sensible Exportanträge müsse das Parlament zeitnah diskutieren.

Zusammen mit mehreren befreundeten Organisationen (wie Church and Peace) ruft Pax Christi International vor Weihnachten wieder dazu auf, Gebete und Ermutigungen nach Bethlehem zu schicken. Die Beiträge sollten auf Englisch, können aber auch auf Deutsch verfasst sein. Die Grüße werden bei PCI gesammelt und an die Partner vom Arab Educational Institute weiter geleitet. Manche Texte werden dort zum Weihnachtsfest verlesen und sie kursieren dort als Zeichen der weltweiten Verbundenheit.

Alljährliche Weihnachtsaktion von Pax Christi International

Im Folgenden dazu ein Flugblatt von Pax Christi Österreich.

Frieden für Bethlehem

Für Christen ist Bethlehem – die Geburtsstadt Jesu – das Symbol für Frieden schlechthin.

Bethlehem selbst muss aber heute Frieden entbehren. Die Stadt ist - von einer riesigen Mauer eingeschlossen, die das Land durchzieht und in großen Teilen weit auf palästinensisches Gebiet übergreift - vom Umland abgeschnitten. Diese Mauer verhindert die einfachsten Bewegungsmöglichkeiten der Menschen und macht das Leben unerträglich schwer.

Israel rechtfertigt den Bau dieser Mauer als notwendige Verteidigung gegen Attentate. Gewalt ist in jedem Fall zu verurteilen. Man muss aber bedenken, welcher Unterdrückung die Palästinenser unter der Besatzung durch Israel ausgesetzt sind: Israel hat die Gebiete westlich des Jordan und Ostjerusalem militärisch besetzt. Es errichtet völkerrechtswidrig in den palästinensischen Gebieten befestigte israelische Siedlungen. Es verbindet diese durch eigene, für die Palästinenser verbotene Straßensysteme und stellt an vielen Stellen Checkpoints auf. Dazu kommen die widerrechtliche Aneignung palästinensischer Wasserquellen und eine ungerechte Stromverteilung, willkürliche Verhaftungen und Hausdurchsuchungen, Enteignungen und Hausdemolierungen.

So kann kein Friede zwischen Israelis und Palästinensern entstehen. Vielmehr entsteht immer wieder Verzweiflung und dadurch Hass, die Wurzel jeder Gewalt. Auch der Weltfriede ist auf diese Weise bedroht, weil das Israel-Palästina-Problem einen Keil zwischen die Völker des Nahen Ostens treibt.

Pax Christi lädt deshalb zur Weihnachtszeit ein, um Frieden für die beiden Völker zu beten.


Sie können den Menschen von Bethlehem auch ein wichtiges Zeichen der Solidarität und der Hoffnung zukommen lassen. Schreiben Sie Friedensgrüße nach Bethlehem! Ein einfacher Satz genügt, am besten auf Englisch, aber Sie können auch auf Deutsch schreiben !


E-mail-Adresse: peace-message@paxchristi.net

Die Grüße werden gesammelt und an das Arab Educational Institute – Partner von Pax Christi International in Bethlehem – geleitet.


Pax Christi Österreich/AK-Israel-Palästina


PS.: Wenn Sie weitere Informationen von Pax Christi wünschen, senden sie ein Mail an office@paxchristi.at.

"Das Präsidium der deutschen Sektion von pax christi würdigt die Bemühungen der EU-Staaten, ein neues Europa weiter aufzubauen, das - nach der Überwindung historischer "Erbfeindschaften" und den Integrationsleistungen der letzten 60 Jahre - Kriege, Rassismus und Antisemitismus endgültig hinter sich lässt. (...) Gerade deshalb aber halten wir unsere Kritik, die wir am 2005 gescheiterten Verfassungsentwurf übten, auch gegenüber dem in Lissabon am 13. Dezember 2007 unterschriebenen EU-Reformvertrag aufrecht, weil er weiterhin starke militaristische, neoliberale und undemokratische Elemente enthält." Die Erklärung im Wortlaut:

Erklärung des Präsidiums von pax christi

Das Präsidium der deutschen Sektion von pax christi würdigt die Bemühungen der EU-Staaten, ein neues Europa weiter aufzubauen, das - nach der Überwindung historischer "Erbfeindschaften" und den Integrationsleistungen der letzten 60 Jahre - Kriege, Rassismus und Antisemitismus endgültig hinter sich lässt. Wir treten aufgrund unserer gemeinsamen Versöhnungsgeschichte ein für ein Frieden förderndes, demokratisches und soziales, ökologisch und entwicklungspolitisch sensibles Europa auf der Grundlage der Achtung der Menschenrechte. Wir schätzen die neue Grundrechtscharta, die aber leider noch nicht von allen Staaten getragen wird. Sie sollte das Wertefundament für ganz Europa bilden, über die EU hinaus. Wir begrüßen die Stärkung von nationalen Parlamenten sowie der Rolle von Zivilgesellschaft und Kirchen.

Gerade deshalb aber halten wir unsere Kritik, die wir am 2005 gescheiterten Verfassungsentwurf übten, auch gegenüber dem in Lissabon am 13. Dezember 2007 unterschriebenen EU-Reformvertrag aufrecht, weil er weiterhin starke militaristische, neoliberale und undemokratische Elemente enthält.

1. Hauptkritikpunkt ist nach wie vor die Konzeption weltweiter militärischer Interventionen und Präventivkriege, die mit dem Hinweis auf Bedrohungsszenarien wie Terrorismus oder Verbreitung von Massenvernichtungswaffen inzwischen fester Bestandteil der nationalen und europäischen Sicherheitsstrategien sind und die Praxis bereits bestimmen.

Unannehmbar sind für uns auch der Art. 27,3 mit seinem Aufrüstungseffekt und die Einrichtung einer "Europäischen Verteidigungsagentur" sowie die so genannte Ständige Strukturierte Zusammenarbeit in Art. 27,6, die ein Kerneuropa der militärisch willigen Staaten anstrebt.

Durch die Solidaritätsklausel (Art. 188) in Verbindung mit der Verpflichtung auf das Bündnissystem der NATO können auch Nicht-NATO-Mitglieder unter den EU-Mitgliedstaaten in den Verteidigungsfall eines NATO- und EU-Mitgliedstaates hineingezogen werden. Die zudem vorgesehene Möglichkeit eines Militär-Einsatzes im Innern der EU ist grundgesetzwidrig und deshalb mit deutschem Recht nicht vereinbar.

Nach wie vor sehen wir in der Einrichtung einer Agentur für Zivile Konfliktbearbeitung die einzig zukunftsweisende Alternative, für die wir eintreten werden.

2. Der Reformvertrag ist wie schon der gescheiterte Verfassungsvertrag Ausdruck einer Wirtschaftsordnung, die den europäischen Gesellschaften ihre neoliberalen Regeln aufzwingt. Während der unternehmerischen Freiheit einseitig der Vorrang eingeräumt wird, verlieren Initiativen für soziale Grundbedürfnisse (Recht auf Arbeit, Wohnen und Rente), für die Sozialpflichtigkeit des Eigentums und für den Anspruch auf menschenwürdige und Existenz sichernde Arbeitsverhältnisse immer mehr an Bedeutung. Der Machtanstieg der Konzerne geht im Rahmen eines Wirtschaftsgiganten EU mit Prozessen einher, in denen immer mehr Menschen "überflüssig" und ausgegrenzt werden. Durch solche tätige Entsolidarisierung des Gemeinwesens ist der soziale Frieden bedroht.

Nach dem Scheitern des Verfassungsvertrags angekündigte Schritte zur sozialen Sicherung sind nicht verfolgt worden. Daher besteht nach wie vor die Forderung nach einer verbindlichen europäischen Sozialcharta, um die fatale und absichtsvolle Überweisung der sozialpolitischen Fragen in die Zuständigkeit der einzelnen Mitgliedstaaten zu beenden.

3. Die demokratischen Defizite des EU-Verfassungsvertrags sind in keiner Weise behoben. "Indirekte" Demokratie bleibt auch im Reformvertrag das Grundprinzip der EU, wobei die Funktionen der EU-Organe kompliziert und für den Wähler kaum durchschaubar sind.

Dem EU-Parlament fehlt trotz einiger Zugeständnisse weiterhin das Initiativrecht für Gesetze. Es ist zu begrüßen, dass es nun ein Initiativrecht der Bürger und Bürgerinnen in Form eines europäischen Volksbegehrens gibt, aber dies hat bisher nur appellativen Charakter und wird durch hohe Hürden behindert. Ein Volksentscheid fehlt weiterhin.

Das Mischmodell bei der Zuständigkeit von Parlament, Ministerrat und Kommission schreibt die mangelhafte Gewaltenteilung fest. Bezeichnend und untragbar ist, dass dem Europäischen Gerichtshof die Zuständigkeit für sämtliche Bereiche der Außen- und Sicherheitspolitik entzogen bleibt (Art. 11).

Die eilige Verabschiedung des Reformvertrages unterstreicht dessen Demokratiedefizit. Ein Vertragswerk von dieser Bedeutung muss in einem demokratischen Prozess unter enger Einbindung und Mitwirkung der Bevölkerung entstehen. Dieser Reformvertrag kann eine EU-Verfassung nicht ersetzen, die in der gesamten EU breit diskutiert wird, die offen ist für Verbesserungen und Alternativen und die schließlich in jedem EU-Mitgliedsland oder europaweit in einer Volksabstimmung angenommen wird.

Die Annahme des Reformvertrags im Windschatten einer uninformierten Öffentlichkeit nimmt pax christi als große Herausforderung wahr, sich ausdrücklich daran zu beteiligen, einer anderen Politik den Weg zu bereiten. Dazu gehört für uns:

- die Umsetzung des Reformvertrags in konkrete Politik zu beobachten und negative Auswirkungen zu kritisieren,

- eine Agentur für Zivile Konfliktbearbeitung, eine Europäische Sozialcharta und einen demokratischen Prozess für eine neue EU-Verfassung zu fordern,

- eigene Initiativen für Frieden, Solidarität und einen alternativen Lebensstil zu ergreifen.

Die Werte der Demokratie, Solidarität, Ökologie und des Friedens müssen mit Leben erfüllt werden!


Bad Vilbel, den 13.12.2007

Am 10. Dezember 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von der UN-Generalversammlung verkündet. Der traditionell an diesem Tag veröffentlichte, von pax christi mit getragene, kritische Bericht der Kirchen zum Rüstungsexport wird in wenigen Tagen veröffentlicht; 2006 mit einer Kritik am Anstieg exportierter Kriegswaffen um 40 Prozent. Misereor weist an diesem Tag besonders auf das Problem der „Straflosigkeit“ in vielen Ländern hin (Kontakt über Michael Mondry, Tel. 0241 / 442-528). Und das UN-Büro in Bonn startet eine neue Kampagne „Know Your Rights“.

Drei wichtige Initiativen

Der erneute Anstieg exportierter Kriegswaffen um 40 Prozent wird von der "Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung" (GKKE) der beiden großen Kirchen scharf kritisiert. "Die GKKE stellt fest, dass auch der traditionsreiche Grundsatz, deutsche Waffen nicht in Spannungsgebiete zu liefern, ausgedient hat", heißt es in dem von den evangelischen und katholischen GKKE-Vorsitzenden, Prälat Stephan Reimers und Prälat Karl Jüsten, heute vorgestellten Bericht.


Am Montag, dem 10.12. wird die Webseite der UN-Kampagne www.KnowYourRights2008.org „gelauncht“. Dort können Sie ein Jahr lang Ihre Projekte, Veranstaltungen und Ideen mit Menschenrechts-Bezug einstellen und so Unterstützer, Teilnehmer oder Kooperationspartner in Deutschland und Europa erreichen. Sie können sich auch auf Deutsch beteiligen und sich an die Emailadresse kyr2008@unric.org wenden. Kontakt zum UN-Büro in Bonn: Silke von Brockhausen, Associate Information Officer, United Nations Regional Information Centre for Western Europe (UNRIC) - Liaison Office in Germany - Common Information Space (CIS), UN Campus - Langer Eugen, Hermann-Ehlers-Str. 10 | 53113 Bonn | Germany, t: +49 228 815-2774 - f: +49 228 815-2777

Misereor zeigt an vier Länderbeispielen (Tschad, Liberia, Aceh/Indonesien und Kolumbien) den Skandal der Straflosigkeit auf, unter dem Motto „Versöhnung und Gerechtigkeit – Versöhnung in Gerechtigkeit“.

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax ist eine Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zur Förderung von Entwicklung, Menschenrechten und Frieden. Sie wird 40 Jahre alt und begeht dieses Jubiläum mit einem Kongress und Festakt. Die deutsche Sektion von pax christi ist Mitglied der Kommission. Der Vorsitzende Bischof Dr. Reinhard Marx kann prominente Gäste begrüßen, u.a. Prof. Franz Magnis-Suseno SJ aus Indonesien, den Friedensforscher Prof. Dieter Senghaas aus Bremen und Prof. Gesine Schwan aus Frankfurt/Oder.

Kongress und Festakt in Bad Honnef am 6. und 7.Dezember 2007: „Integrale Entwicklung für alle - wie lernfähig ist die westliche Kultur?“

40 Jahre Deutsche Kommission Justitia et Pax, daran erinnert am 7. Dezember 2007 ein Festakt im Katholisch-Sozialen Institut in Bad Honnef. Bei dem vorangehenden Kongress „Integrale Entwicklung für alle - wie lernfähig ist die westliche Kultur?“ am 6./7. Dezember 2007 sollen vor dem Hintergrund der Enzyklika Populorum Progressio (1967) sowohl die bisherige Arbeit kritisch beleuchtet als auch Perspektiven zukünftiger Arbeit aus dem Geist der Enzyklika entwickelt werden.

Mehr dazu und dem Dokumentenband zu 40 Jahre Justitia et Pax in einer Sonderausgabe von „JP…in Kürze“ im Dezember 2007.

Kontakt: Deutsche Kommission Justitia et Pax, Kaiserstr. 161, 53113 Bonn

E-Mail: justitia-et-pax@dbk.de

Die Sektionen in Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien, Deutschland und Portugal laden zum 4. Mal zu einem Europa-Wettbewerb ein. Für 2008 heißt die Aufgabe für 15-18jährige Gymnasiasten und RealschülerInnen, in einem vierköpfigen „Friedensteam“ bis zum 10. März 2008 einen 3-minütigen Beitrag als Powerpoint oder Digitales Video (per CD) einzureichen zum Thema „Frieden und Natur“. Die GewinnerInnen reisen nach Florenz und zur „Casa per la Pace“ von Pax Christi Italien.

„Werde aktiv für den Frieden – verbinde dich mit der Natur!“

Rückblick 2007: Für 2007 waren erneut Vierer-Teams von 15-18jährigen aus Schulklassen und Jugendgruppen gebeten, sich am „European Peace Contest 2007“ zu beteiligen. Für die GewinnerInnen ging es wieder nach Brüssel.

Rückblick 2006: Der Wettbewerb der französischen und deutschen Sektion 2006 stand unter dem Wort Martin Luther Kings „We must learn to live together as brothers ad sisters or persih together as fools“. Die beiden Gewinnerteams reisten zu einem Besuch nach Brüssel, um die Europa-Hauptstadt zu besichtigen und Vertretern von Pax Christi International und EU-Parlamentariern zu begegnen.


Die internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi wurde in den letzten Kriegsmonaten 1944/45 in Frankreich gegründet, um zur künftigen Versöhnung mit Deutschland beizutragen. Die deutsche Sektion entstand 1948. Heute ist Pax Christi International in über 50 Ländern der Erde präsent und aktiv.

Checkliste für LehrerInnen zum Wettbewerb:

Die Idee an Jugendliche von 15-18 Jahren weiter geben - Verschiedene Websites zur Anregung kennen und nennen (s. unter „Tool“-Beilage) - Das Beteiligung bis 29.2.2008 formlos bei Pax Christi Deutschland anmelden - Klären, dass 1 LehrerIn/LeiterIn das Team unterstützt und nach Florenz mitfährt - Die Powerpoint-Präsentation bis 10.3.2008 einsenden an Pax Christi Deutschland.

Anmelde- und Kontaktadresse: E-mail an sekretariat@paxchristi.de

Post an Pax Christi – Deutsches Sekretariat, Postfach 1345, 61103 Bad Vilbel

Viel Spaß, Glück und Erfolg!

Reinhard J. Voß, Generalsekretär und Michael Rösch, Jugendforum

Zu einer Mahnwache anlässlich des Jahrestages des UN-Teilungsplanes von 1948 hatten das Ökumenische Zentrum Spandau und pax christi im Erzbistum Berlin aufgerufen. Etwa 80 Menschen waren mit Kerzen, Transparenten und Pace-Fahnen gekommen. Reuven Moskovitz aus Jerusalem, pax christi-Freund und streitbarer Israeli für einen Gerechten Frieden in Nahost, nahm als Prominentester teil. Reinhard Herbolte und Reinhard Voß begrüßten ihn für pax christi. Ein 8 Meter langes Tuch von pax christi Augsburg symbolisierte die Mauer in Palästina.

Mahnwache am Brandenburger Tor für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina

Nach der Resolution 181 vom 29.11.1947 sollte das damals britische Mandatsgebiet zwischen Juden (54%) und Palästinensern (44%) aufgeteilt und Jerusalem unter UN-Verwaltung gestellt werden. Heute sind für Palästina noch 11-12% übrig und die Mauer trennt weitere Gebiete ab.

Auf der eindrucksvoll platzierten „Stoffmauer“ stand geschrieben:

Höhe der Berliner Mauer - 4 m

Die Mauer in Palästina - 8 m

… verstößt gegen das Völkerrecht

… teilt Dörfer und trennt Familien

… schneidet Menschen von ihrem Land, von Krankenhäusern und Schulen ab

… zerstört Trinkwasserversorgung und Olivenhaine.

Nach den Großen Worten von Annapolis wird in den Forderungen der Mahnwache die deutsche Bundesregierung u.a. aufgerufen, „sich verstärkt für Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern einzusetzen“ und „für ein lebensfähiges Palästina einzutreten, orientiert an den Grenzen von 1967“. Verwiesen wird zudem auf das Friedens-Angebot der Arabischen Liga vom 28.3.2007, in dem Frieden mit Israel bei gegenseitiger Anerkennung der Grenzen von 1967, diplomatische, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen sowie die Lösung der Flüchtlingsfrage angeboten werden, ohne Stabilität und Sicherheit Israels zu gefährden. Eine Vielzahl von UnterzeichnerInnen hatten diese Forderungen vor dem 29.11.07 unterschrieben. Auskünfte zu dieser Resolution: Ökumenisches Zentrum, Schönwalder Str. 23, 13585 Berlin – p-kranz@t-online.de


Zwei hochrangige Vertreter der katholischen „Peace Task Force“ Sri Lankas berieten sich in dieser Woche auf eigenen Wunsch und auf Einladung der deutschen Sektion und der Bistumsstelle Berlin von pax christi mit Politikern sowie mit den Generalsekretären von pax christi und Justitia et Pax, Reinhard Voß und Jörg Lüer, über den wieder aufgeflammten Konflikt sowie die Rolle und Möglichkeiten der Kirche, ihn zu überwinden.

pax christi und Justitia et Pax beraten in Berlin über weitere Kooperation

Die beiden Gäste vertraten den Norden und Süden Sri Lankas: Father Alexander aus Jaffna vom Orden „Blessed Sacrement Community“, war an den früheren Friedensverhandlungen in Sri Lanka beteiligt, die zum Waffenstillstand von 2002 – 2006 führten; Father Damian Fernando aus Colombo, Direktor von Caritas und Justitia et Pax Sri Lanka, fragte nach konkreten Möglichkeiten der Unterstützung von Friedensarbeit durch die deutschen Partner.

Angesichts des anhaltenden Bürgerkrieges in Sri Lanka bemüht sich die deutsche Sektion von pax christi in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kommission Justitia et Pax, die katholische Kirche in Sri Lanka bei ihren Friedensbemühungen zu stärken. Die katholische Kirche ist die einzige Institution, die sowohl unter der singhalesischen Mehrheitsbevölkerung als auch unter den Tamilen landesweit vertreten ist und trotz ihres Minderheitenstatus’ in beiden Gruppen über hohes Ansehen verfügt.

pax christi und Justitia et Pax hatten beide eingeladen, um in ersten Gesprächen über die Voraussetzungen und Chancen einer solchen Friedensinitiative zu beraten. Diese Initiative ist ein Resultat des Besuchs des Generalvikars von Jaffna, Dr. Justin Gnanapragasam, im vergangenen März.

Es fanden Gespräche mit dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Günter Nooke, und Fachvertretern im Auswärtigen Amt statt. Außerdem unterrichteten die Gäste Bundestagsabgeordnete aus dem Menschenrechtsausschuss, dem Auswärtigen Ausschuss und den Leiter der deutsch-südostasiatischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Sebastian Edathy, über die aktuelle Lage in Sri Lanka. Die Delegation besuchte außerdem die Ausstellung zu Landminen im Bundestag, die von dessen Vizepräsidenten Thierse eröffnet wurde. Sie hatten dort vielfältige Kontaktmöglichkeiten, u.a. mit Vertretern von Misereor und Caritas International.

Der zweite Tag war den Beratungen mit den kirchlichen Partnern gewidmet. Besuche bei der Aktion Sühnezeichen und im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin - Hohenschönhausen rundeten das Programm ab und gaben den Gästen tiefe Einblicke in deutsche Geschichte und Versöhnungsbemühungen.

Die wichtigsten Ergebnisse waren folgende Absprachen:

Unterstützung der Friedensbemühungen der srilankanischen Kirche

Fortführung des Friedenszentrums in Jaffna, das im Rahmen des ZFD-Projektes von pax christi aufgebaut wurde und Bemühungen um Weiterführung dieser Arbeit mit grenzüberschreitender Perspektive

Bemühungen zum Aufbau einer Pax Christi-Bewegung in Sri Lanka zur Stärkung der Basisarbeit für Frieden

Planung von Seminaren und „Experience Sharing“-Workshops der katholischen Kirche in Sri Lanka mit den europäischen „Friedenspartnern“ von Justitia et Pax (Fr. Alexander).


Jeyaratnam Cornelis, Bistumsstelle Berlin

Dr. Reinhard J. Voß, Generalsekretär der deutschen Sektion

Am Dienstag, dem 27. November 2007 wird Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse die Ausstellung „Explosives Erbe des Krieges – Zwischenbilanz einer Kampagne gegen Landminen und Streumunition“ im Westfoyer des Abgeordnetenhauses neben dem Deutschen Reichstag eröffnen. Sie wird bis zum 11.1.2008 bei freiem Eintritt geöffnet sein: Montag 8 - 16 Uhr, Dienstag – Donnerstag 8 - 17 Uhr und Freitag 8 - 14 Uhr. Am 3. Dezember werden dann eine Million Unterschriften an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben.

Aktionbündnis landmine.de hat Ausstellung für Deutschen Bundestag erstellt und übergibt eine Million Unterschriften

In dem Brief der Träger-Organisationen der Kampagne gegen Landminen (darunter die deutsche Sektion von pax christi) an Frau Merkel heißt es:

„1 Million Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland haben sich mit ihrer Unterschrift für ein umfassendes Verbot aller Landminen und Streumunitionen sowie für mehr Opferhilfe ausgesprochen. Diese Unterschriften möchten die Nichtregierungsorganisationen, die im Aktionsbündnis Landmine.de zusammengeschlossen sind, Ihnen, sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin, am 3. Dezember 2007 überreichen. Prominente Unterstützer/innen, Repräsentanten unserer Nichtregierungsorganisationen sowie Medienvertreter werden ebenfalls teilnehmen.

Der 3. Dezember ist der 10. Jahrestag der Unterzeichnung der Ottawa-Konvention zum Verbot von Antipersonenminen. Die einseitige Ächtung dieser besonders grausamen Waffen durch die Bundesregierung im Jahr 1996 veranlasste viele Länder zu ähnlichen Schritten und wurde zu einem Meilenstein auf dem Weg zu einem Verbot von Antipersonenminen. Ohne das deutsche Engagement wäre der Ottawa-Prozess gewiss nicht so rasch zum Ziel gekommen.

Auch die Öffentlichkeit und die im Aktionsbündnis Landmine.de zusammengeschlossenen Nichtregierungsorganisationen hatten von Anfang an einen großen Anteil am Ottawa-Prozess. Die International Campaign to Ban Landmines (ICBL) wurde deshalb von Kofi Annan als die „erfolgreichste Bürgerbewegung“ bezeichnet und erhielt 1997 für ihr Engagement gegen Antipersonenminen den Friedensnobelpreis. Am 29.11. dieses Jahres werden wir eine Ausstellung im Deutschen Bundestag eröffnen, die dieses Engagement dokumentiert.

Doch seitdem sind große Herausforderungen bestehen geblieben. Laut Angaben der ICBL werden immer noch jährlich 15.000 bis 20.000 Menschen Opfer von Landminen. Antifahrzeugminen, die von ihrer Wirkung her Antipersonenminen ähnlich sind, werden weiterhin produziert und eingesetzt und treffen immer wieder die Zivilbevölkerungen. Auch Streumunitionen fordern wie jüngst im Libanon viele zivile Opfer, da sie durch ihre hohe Blindgängerrate ähnlich wie Antipersonenminen wirken.

Das Aktionsbündnis Landmine.de setzt sich für die Opfer von Landminen und Streumunition und ein Verbot dieser Waffen ein. Mit Interesse verfolgen wir daher auch die von der Bundesregierung ergriffene Abrüstungsinitiative zu Streumunition. Die darin vorgesehenen Ausnahmeregelungen für bestehende und alternative Munition würden allerdings verhindern, dass die Initiative den grundsätzlichen humanitären Problemen von Streumunition gerecht werden kann.

Wir sind daher besorgt über die aktuelle Politik der Bundesregierung, die das große Ansehen, das sich Deutschland in der Vergangenheit durch sein Engagement gegen Landminen erworben hat, gefährdet. Wir appellieren an Sie, Deutschland wieder zu einem Vorreiter in der Opferhilfe wie auch im Kampf gegen Landminen und Streumunition zu machen. Große Unterstützung finden wir dazu in der Öffentlichkeit, wie die 1 Million Unterschriften zeigen.“


In einer Sondersitzung von Pax Christi International über Abrüstung und Entmilitarisierung, an der für die deutsche Sektion Generalsekretär Reinhard Voß teilnahm, wurde Anfang November in Brüssel ein weltweites Verbot von Waffen mit abgereichertem Uran gefordert.

Diese Krebs erzeugenden Waffen sind spätestens seit dem Jugoslawienkrieg eingesetzt und lange verheimlicht worden. Das EU-Parlament hat seit 2001 mehrfach, aber bisher vergeblich, ein Moratorium gefordert. Ohne den Druck der internationalen Friedens- und Menschenrechtsbewegung wird sich dieser Skandal fortsetzen.

Neue Publikationen verfügbar - zum deutschen Engagement in Israel-Palästina, den ökonomischen Mythen der Gegenwart und zum sozialen Frieden

Schon 40 Jahre dauert die israelische Besatzung. Gruppen der israelischen Friedensbewegung treten seit Langem für ein Ende der Okkupationspolitik und den Abbau der Siedlungen ein. Dabei wünschen sie sich die Unterstützung der europäischen Länder. In Deutschland hat diese Forderung u. a. im »Manifest der 25« neu Gehör gefunden. Vor dem Hintergrund des israelischen Sicherheitsinteresses und der historisch begründeten Besonderheit des deutsch-israelischen Verhältnisses ist es darüber zu heftigen Diskussionen gekommen. Die Evangelische Akademie Bad Boll und die deutsche Sektion von pax christi haben mit einer Tagung den Diskurs über die deutsch-israelisch-palästinensischen Beziehungen weitergeführt. Der vorliegende Band dokumentiert die Beiträge dieser Veranstaltung:
"Jenseits von Frieden - Deutsches Engagement im Israel-Palästina-Konflikt"; 179 Seiten; Hrsg. Manfred Budzinski, Wiltrud Rösch-Metzler

Weiterhin sind in unsere Reihe "IMPULSE" erschienen:

  • IMPULSE 16: Ökonomische Mythen der Gegenwart - Eine Argumentations- und Arbeitshilfe; Hrsg. Kommission Globalisierung und soziale Gerechtigkeit, Oktober 2007
  • IMPULSE 15: Leitgedanken zum sozialen Frieden Hrsg. pax christi-Regionalgruppe Kassel - September 2007

„Anspruch und Wirklichkeit klaffen meilenweit auseinander“ so die Kritik der christlichen Kampagne gegen Rüstungsexport am aktuellen Rüstungsexportbericht der Bundesregierung. Die Kampagne, ein Zusammenschluss christlicher Friedensorganisationen, u.a. Ohne Rüstung Leben und pax christi, kritisierte das weiterhin „äußerst bedenklich hohe Niveau“ der Waffenexporte von 4,2 Mrd. Euro als "Skandal ohne Grenzen". - Die Bewilligung von fast drei Milliarden Euro für den Panzerbau in Kassel durch den Haushaltsausschuss des Bundestages ist nach Meinung des Dechanten der katholischen Kirche in Kassel, Harald Fischer, "keine gute Nachricht".

Kampagne gegen Rüstungsexport: "Skandal ohne Grenzen" - Stadtdechant Harald Fischer gegen Panzerbau in Kassel

Kampagne gegen Rüstungsexport: Deutsche Rüstungsproduktion ist ein "Skandal ohne Grenzen"

„Die Genehmigungswerte für die Gruppe der ärmsten und anderen Entwicklungsländer mit niedrigem Einkommen sind 2006 gegenüber dem Vorjahr gestiegen“, kritisierte Kampagnensprecher Paul Russmann. „Äußerst problematisch ist die weitere Aufrüstung von Konfliktregionen wie dem Nahen Osten, der Türkei, Indien, Pakistan und Chile mit Militärlastwagen, Panzern und Maschinengewehren.“ Damit werde „weiterhin Öl ins Feuer bestehender Konflikte gegossen.“ Die menschenrechtlichen, Krieg verhütenden und entwicklungspolitischen Genehmigungskriterien der Rüstungsexportrichtlinien der Bundesregierung würden mit solchen Genehmigungen „faktisch außer Kraft gesetzt“.

Russmann kritisierte darüber hinaus, dass die „Entscheidungen über Rüstungsexporte im Bundessicherheitsrat geheim, intransparent und ohne parlamentarische Kontrolle fallen“.

Die Kampagne fordert zudem, keine Rüstungsexporte durch Steuergelder (Hermes-Bürgschaften) mehr abzusichern und eine entsprechende Klausel in die Leitlinien aufzunehmen. Seit 1990 wurden Rüstungslieferungen von über 6 Milliarden Euro mit Hermes-Bürgschaften abgesichert.

Paul Russmann, Sprecher der Kampagne gegen Rüstungsexport, 7.11.2007 Kontakt: Orl-russmann@gaia.de

Stadtdechant Harald Fischer gegen Panzerbau in Kassel

In der Kasseler Zeitung wurde letzte Woche berichtet, dass ein 3-Milliarden-Auftrag für den Neubau von Puma Panzern nach Kassel vergeben wird – beschlossen im Haushaltsausschuss des Bundestages. Die Zeitung fand das eine „gute Nachricht für die Region“. pax christi-Mitglied Harald Fischer gab daraufhin eine Stellungnahme dagegen ab („keine gute Nachricht“), die ebenfalls auffällig und groß veröffentlicht wurde. Er weiß sich der Unterstützung durch seinen Bischof, pax christi-Präsident Heinz Josef Algermissen, sicher und stellte uns den Text zur Verfügung.


Dechant Fischer gegen Panzerbau in Kassel

Kassel. Die Bewilligung von fast drei Milliarden Euro für den Panzerbau in Kassel ist nach Meinung des Dechanten der katholischen Kirche in Kassel, Harald Fischer, keine gute Nachricht. Wie berichtet hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages diese Investition jetzt beschlossen.

Panzer seien nun einmal dafür gemacht, um eingesetzt zu werden, schreibt der Dechant in einer Presseerklärung. „Sie töten Menschen.“ Der Verteidigungsminister habe deutlich erklärt, dass die ganze Welt potenzielles Einsatzgebiet für die Bundeswehr sei. Mit der Produktion der Panzer erfolge ein weiterer Schritt in der weltweiten Aufrüstung. Fischer: „Ich bin bestürzt, dass Kassel zum Ausgangspunkt dafür wird.“ Deutschland sei heute schon der drittgrößte Waffenexporteur. Die katholische Kirche habe sich deutlich gegen die Ausweitung der Waffenproduktion gewandt, unter anderem in einem Hirtenswort der deutschen Bischöfe.

Es sei kurzsichtig zu glauben, dass Waffenproduktion Arbeitsplätze sichere. Insgesamt belaste sie die Volkswirtschaft unverhältnismäßig. Mit den bewilligten drei Milliarden Euro ließe sich im zivilen Sektor ein Mehrfaches an Arbeitsplätzen schaffen wie im Rüstungsbereich. Wenn das Geld zur sozialen Sicherung in Not leidenden Ländern verwandt würde, geschähe dadurch mehr im Kampf gegen den Terrorismus als durch neue Panzer. (Kasseler Zeitung / tpa,14.11.2007)

Kontakt: harald.fischer@st-familia-kassel.de


Am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, wird wie jedes Jahr der kirchliche Bericht zum Rüstungsexport erscheinen, veröffentlicht durch die GKKE (Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung). 2006 benannte die GKKE die deutschen "Rüstungsexporte als Sicherheitsrisiko".

Die pax christi-Kommission "Solidarität mit Zentralafrika" hat eine Sammlung von geistlichen Impulsen zum 1. Advent herausgebracht, die zur Solidarität im Gebet mit den Menschen in der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Burundi einladen wollen. Sie folgt mit diesen Impulsen einer Entscheidung der 3. Regionalkonsultation des regionalen Pax Christi-Netzwerks in Bujumbura (Burundi, 24.2.-2.3.2005), die sich dafür ausgesprochen hatte, jeweils den 1. Advent als einen Tag des Gebets für die Region der Großen Seen zu feiern.

Impulse zum 1. Advent

Die Kommission "Solidarität mit Zentralafrika" will damit diesmal nicht so sehr friedenspolitische Aktionen antragen oder Sie von irgendetwas überzeugen, sondern einfach das betende Gedenken nahe legen. Die Impulse sind ausdrücklich gerichtet an "alle, die sich in Solidarität mit dieser leidgeprüften Region verbunden wissen".

Wörtlich heißt es in der Einleitung: "Denken Sie in Gottes Namen an die vielen namenlosen Opfer der Gewalt in der Region der Großen Seen in Afrika. Bei Gott ist "Erinnerung und Gedächtnis" (hebräisch "Yadvashem"), gerade an das, was machtlos und gebrochen ist. - Dazu sollen diese Impulse helfen. Sie können die Einzelteile gerne frei nach Belieben für Gottesdienste verwenden. Wir freuen uns übrigens auch über Rückmeldungen."

Insbesondere macht die Kommission auf den "zentralen" Gottesdienst zum 1. Advent mit der KHG Bonn (2.12., Remigiuskirche, Bonn-Innenstadt, 19 Uhr) aufmerksam, der u.a. mit Wolfgang Schonecke (Netzwerk Afrika Deutschland) und dem Kinduku-Chor gestaltet wird.

Die zentrale Unterschriftenaktion der diesjährigen Friedensdekade fordert ein atomwaffenfreies Deutschland - als Schritt zu einer atomwaffenfreien Welt. Die letzten Atomwaffen in Deutschland sollen abgezogen werden. Die Pressehütte Mutlangen bietet die Möglichkeit der online Unterzeichung.

Friedensdekade sammelt Unterschriften für ein atomwaffenfreies Deutschland

Die gesammelten Unterschriften werden am 8.12. zum Veranstaltungswochenende „20 Jahre INF-Vertrag“ an die Pressehütte Mutlangen übergeben. Die Friedenswerkstatt Mutlangen soll im Rahmen der Kampagne „unsere Zukunft atomwaffenfrei“ einen Übergabetermin an die Bundeskanzlerin Merkel mitorganisieren.

Auf der Homepage der Pressehütte kann die Unterschriftenliste als PDF-Datei heruntergeladen werden. Sie kann dort auch online unterschrieben werden.

Die Delegiertenversammlung von pax christi bekräftigte am 11. November die Forderung von pax christi, die Mandate für die Einsätze der Bundeswehr in Afghanistan (ISAF und Tornados) sowie für die "Operation Enduring Freedom" aufzuheben. Wir veröffentlichen den Beschluss im Wortlaut:

"Mit den Beschlüssen zur Weiterführung der drei Mandate setzen sich Regierung und Parlament über den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung hinweg. Der Truppeneinsatz der USA, ihrer Verbündeten und der Nato bei OEF und ISAF in Afghanistan und die Truppenstationierungen in anderen Ländern Mittelasiens sind zutiefst strategisch begründet (Ressourcen, geostrategische Interessen, ...). Die Rechtfertigung dieses Einsatzes als „Bekämpfung des Terrorismus“ dient zur Legitimation einer kriegerischen Intervention. Der Petersberger Prozess muss als gescheitert betrachtet werden.

Die eklatante Mischung von eigenen strategischen Interessen und Entwicklungshilfe wird erfolglos bleiben. Ein Umsteuern in dieser Situation kann nur bedeuten, die Militäreinsätze zu beenden. Das gilt für alle drei Mandate: "Operation Enduring Freedom" (von der Marine am Horn von Afrika bis zur KSK), Tornados und ISAF. Ein „Weiter so“ ist für Afghanistan, aber auch für Deutschland fatal.

pax christi fordert eine politische Lösung im Dialog aller Konfliktparteien sowie eine konsequente Unterstützung von Alternativen der Konfliktregelung und des zivilen Aufbaus."

Die Ökumenische FriedensDekade wird traditionell in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag durchgeführt. Vom 11.-21.November beteiligen sich bundesweit Hunderte von Friedensgruppen und Kirchengemeinden mit Veranstaltungen, Gottesdiensten und Friedensgebeten. Mit einem Gottesdienst wurde am 10. November im Ulmer Münster die 28.Ökumenische FriedensDekade eröffnet. Im Anschluss an den Gottesdienst lud die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) zu einem Konzert mit dem diesjährigen Schirmherrn der FriedensDekade, dem Sänger der Popgruppe „Die Prinzen“, Sebastian Krumbiegel, ein.

Schirmherr Sebastian Krumbiegel ruft zu Toleranz und Engagement auf

Der ökumenische Gottesdienst unter dem Motto der diesjährigen FriedensDekade „andere achten“ wurd von Prälatin Gabriele Wulz aus Ulm geleitet. Prediger war Weihbischof Dr. Johannes Kreidler aus Rottenburg.

„Alle, die in unserem Land Ausländer raus schreien, wissen nicht, wovon sie reden. Wir sollten den Menschen, die zu uns kommen, zuhören.“ sagt Sebastian Krumbiegel, Sänger bei den Prinzen, einer der bekanntesten Popgruppen in Deutschland und Schirmherr der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade. Krumbiegel hat Flüchtlingen in Leipzig zugehört und ihre Geschichten als Buch veröffentlicht. Er tritt im Rahmen der FriedensDekade in Weißenhorn, Meissen, Bad Düben, Friedenswalde, Vallendar bei Koblenz und Hamburg auf. „Ängste und Träume“ heißt die musikalische Lesereise, auf die er sich zusammen mit dem Gitarristen Kristof Hahn begibt.

Getragen wird die Ökumenische FriedensDekade von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) in Bonn und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Frankfurt. Im Gesprächsforum der FriedensDekade wirken neben der AGDF und der ACK u.a. die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej), der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), Pro Asyl und die katholische Organisation Pax Christi Deutschland mit.

Die Verantwortlichen erwarten aufgrund des guten Absatzes der diesjährigen Arbeitsmaterialien, dass wie in den Vorjahren im ganzen Bundesgebiet rund 2.000 Gottesdienste, Veranstaltungen und Gebete für den Frieden stattfinden werden. Der neutestamentarische Text aus dem Philipperbrief (2, 3-4) bildet den biblischen Bezugsrahmen zum Motto. Dort heißt es: „Nichts geschehe aus Streitsucht oder eitler Ruhmsucht, vielmehr achte in Demut jeder den andern höher als sich selbst. Jeder sei nicht nur auf das Eigene bedacht, sondern auch auf das der Anderen.“

Die Delegiertenversammlung von pax christi Deutschland ( im Bild pax christi-Präsident Bischof Algermissen mit einem geschenkten Friedens-Shirt) hat am Sonntag Beschlüsse zu den Krisenherden und Konflikten in Afghanistan und Nahost sowie zur EU-Abschottung und zu Indigenen Völkern gefasst. Sie bekräftigte die Forderung nach Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und einem radikalen Strategiewechsel dort. Der Petersberger Prozess und die zivil-militärische Zusammenarbeit seien gescheitert, da sie letztlich Teil eines „zutiefst strategisch begründet(en)“ Kampfes um Ressourcen und Einfluss in dieser Weltregion seien; neue Wege beim Aufbau ziviler Alternativen müssten gegangen werden.

DV-Beschlüsse zu Afghanistan, Nahost, Flüchtlings- und Minderheitsfragen in der EU, Türkei-Irak-Konflikt und Indigene Völker

pax christi wendet sich entschieden gegen die EU-Abschottungspolitik gegen Minderheiten und Flüchtlinge: sie setzt sich ein für den Schutz von Minderheiten im Kosovo, besonders der Roma und Ashkali, für die Aufnahme von mehr Flüchtlingen aus dem Irak und die Unterstützung von dessen Nachbarländern im Flüchtlingsschutz, sowie für den Lebens- und juristischen Schutz der Asylsuchenden, besonders der Bootsflüchtlinge, an den EU-Außengrenzen. Auch soll der neue EU-Vertrag einer kritischen Prüfung unterzogen werden.

pax christi fordert eine Atomwaffenfreie Zone und eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Mittleren und Nahen Osten (KSZMNO) nach dem Beispiel der KSZE. Und sie warnt eindringlich vor einem neuen Krieg der Türkei im Nordirak, indem sie den Appell der deutschen Friedensbewegung unterstützt: „Die Waffen nieder im türkisch-kurdischen Konflikt!“

pax christi setzt sich für die Rechte und Würde der indigenen Völker ein und fordert die Bundesregierung auf, die sog. ILO-Konvention von1991 endlich zu ratifizieren, um die grundlegenden Rechte der indigenen Völker zu schützen. Dies sei jetzt umso dringlicher, als die UNO nach 22 Jahren Verhandlungen endlich am 13. September 2007 die Charta „Rechte und Kultur indigener Völker“ beschlossen habe (bei nur wenigen Gegenstimmen, u.a. aus USA, Kanada, Neuseeland und Australien).

Die zentralen Beschlüsse der Delegiertenversammlung werden in den nächsten Tagen auf dieser Internetseite im Wortlauf zu finden sein.

Die wichtigsten Entscheidungen: Das Sekretariat der deutschen Sektion zieht Ende 2009 nach Berlin um. Die Entscheidung fiel nach kontroverser Diskussion mit deutlicher Mehrheit. Das Jugendforum soll konsolidiert und ausgebaut werden.Es wird eine Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung von "qualifizierten Friedensfach- und Freiwilligendiensten in pax christi als Schwerpunkt der Arbeit" eingerichtet.

80 Delegierte fassen grundlegende Beschlüsse

Im nächsten Jahr soll die Delegiertenversammlung in Kevelaer zum 60. Geburtstag von pax christi mehrere Satzungsänderungen beschließen: eine neue Präambel der Statuten wird bis dahin diskutiert sowie weitere "Instrumente der Sacharbeit" wie bundesweite Themengruppen, Fachstellen und Sachbereichs-SprecherInnen.

Am Sonntag befasst sich die DV mit aktuellen politschen Fragen, u.a. Afghanistan, Kosovo, Türkei, Naher Osten, Flüchtlinge aus dem Irak.

Die Beschlüsse werden im Laufe der Woche auf der Homepage dokumentiert.

Am 11.11. jährt sich das Ende des 1. Weltkrieges zum 89. Mal; am 9.11. wird in zahlreichen Orten der Pogromnacht von 1938 gedacht. Am Allerseelentag, dem 2.11.2007, besuchten die Teilnehmenden der Weltversammlung von Pax Christi International aus 47 Nationen die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs in Flandern und kamen nach dem englischen, französischen und belgischen auch auf den deutschen Soldatenfriedhof. Dort versammelten sich alle um das Trauerpaar in Stein von Käthe Kollwitz, um dann von der dortigen Friedenskerze aus in großer Stille Lichter auf die Grabplatten zu stellen. Am nächsten Morgen bedankte sich Vizepräsidentin Veronika Hüning dafür mit diesen bewegenden Worten im Plenum.

11. November 1918 und 9. November 1938

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich möchte diese Gelegenheit wahrnehmen um die Dankbarkeit der deutschen Sektion für die gestrige Peace Pilgrimage auszudrücken. Sie war nicht nur sehr gut vorbereitet; sie war ein Geschenk an uns, das nicht selbstverständlich gewesen ist.

Wir haben Kriegsgräberstätten besucht von Opfern eines Krieges, der von Deutschland ausging - Opfern aus Großbritannien, Belgien, Frankreich und anderen Nationen. Und am Ende der Pilgrimage haben wir eine Mahnwache auf einem deutschen Soldatenfriedhof gehalten und jede/r von euch - aus verschiedenen Kontinenten und Regionen unseres Netzwerks - hat eine Kerze entzündet und sie auf ein Grab deutscher Soldaten gestellt. Das war ein sehr bewegender Augenblick für uns. Wir haben das unsichtbare Band zwischen uns gespürt. Wir fühlen uns ermutigt und wir schätzen die Zeichen der Versöhnung und des gemeinsamen Unterwegsseins zum Frieden.

Im Bus haben wir das Lied "Only Remembered" gehört, aus dessen zweiter Strophe ich zitieren möchte: "Only the truth in the life we have spoken / Only the seed that in life we have sown / These shall pass onwards&#8230;"

Lasst uns zusammenbleiben und zusammen weitergehen um die Wahrheit zu sagen, so gut wir nur können, und die Samen des Lebens, des Friedens und der Gerechtigkeit auszubringen.

Nochmals Dank an die flämische Sektion und an euch alle, die ihr an der Peace Pilgrimage teilgenommen habt!

Ist PCI nun eine weltweite Familie, eine Friedensbewegung, eine geistliche oder eine politische Bewegung für Gerechtigkeit, Frieden, Menschenrechte und Bewahrung der Schöpfung? Eigentlich alles zugleich. Diesen Eindruck vermittelte die einwöchige Begegnung von über 120 Menschen aus 47 Ländern in Torhout / Brügge, die dort zusammen arbeiteten, feierten, beteten und politische Zeichen setzten.

Rückblick auf die Weltversammlung von Pax Christi International in Belgien

Sie erlebten den vielfachen Amtswechsel im Internationalen Präsidium (3 neue Mitglieder), in der Präsidentschaft von Patriarch Michel Sabbah (Jerusalem) zu Erzbischof Laurent Monsengwo (Kisangani, DR Kongo) und Marie Dennis (Washington) als Ko-Präsidenten, in der Vizepräsidentschaft und im Amt des Generalsekretärs (von Etienne de Jonghe zu Claudette Werleigh.

Es war eine arbeitsreiche, feierliche und eindringliche Versammlung:

Arbeitsreich war die Diskussion des Orientierungsrahmens und der politischen Beschlüsse zu Irak, Burma, Ruanda, Costa Rica, KDV, Umwelt, „wirtschaftlicher Gewalt“ und den Rechten der Ureinwohner weltweit.

Feierlich war die Verabschiedung und Begrüßung aller AmtsträgerInnen, besonders die berührende Abschiedsfeier von Etienne de Jonghe und seiner Frau Magda van Damme nach 29 Jahren im Dienst der Bewegung, aber auch durch Gottesdienste und Konzerte sowie durch kreative Begegnungsabende.

Eindringlich war die Weltversammlung durch die Besuche der Schlachtfelder des 1. Weltkrieges und die dadurch ausgelöste gemeinsame Entschiedenheit im weltweit vernetzten Einsatz für Gerechtigkeit, Menschenrechte und Frieden.

Hier nun die Kernpunkte des neuen Orientierungsrahmen („Framework“) für die globale Pax Christi-Bewegung in den nächsten drei Jahren:

Unsere VISION:

Die Arbeit von PCI gründet im Evangelium und ist vom Glauben inspiriert. PCI glaubt, dass Friede möglich ist und der Teufelskreis der Gewalt und Ungerechtigkeit zerbrochen werden kann. Unsere Vision ist eine Welt, in der Menschen in Frieden leben können, ohne Angst vor Gewalt in all ihren Formen.

Unsere MISSION:

Als glaubensbasiertes Netzwerk sucht PCI eine Welt zu verändern, die durchgeschüttelt ist von Gewalt, Terrorismus, zunehmender Ungleichheit und globaler Unsicherheit. PCI arbeitet daran, eine Kultur des Friedens zu schaffen und glaubt, dass Religion eine unzweideutige Kraft für Frieden und soziale Gerechtigkeit sein sollte. PCI ist der Gewaltfreiheit verpflichtet und setzt sich ein für Entmilitarisierung und Abrüstung, menschliche Sicherheit, Menschenrechte und die Herrschaft des Rechts als Basis friedfertiger Gesellschaften. Als Bewegung und globales Netzwerk bringt PCI Menschen aus ganz verschiedenen Hintergründen und Kulturen zusammen, indem diese (ihr Leben und die Gesellschaft) gestalten und handeln aufgrund ihrer gemeinsamen Vision von Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit für alle.

Unsere 5 Schwerpunkte:

1. Menschenrechte (MR), die Herrschaft des Rechts und gewalttätige Konflikte

Verletzung von MR und Kampagne gegen Straflosigkeit; Todesstrafe; Migration, Flüchtlinge, Heimatlose, Asylsuchende und gewalttätige Konflikte; Rassismus; Diskriminierung von ethnischen Minderheiten und Urbevölkerung; Kriegsdienstverweigerung aus Gewissengründen; Gute Regierungsführung und Staatszerfall

2. menschliche Sicherheit und Gewalt

Ökologische und ökonomische Faktoren gewalttätiger Konflikte, wie Land, Wasser, Rohstoffraub; Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und Armutsreduzierung; Wirtschaftsethik und gewalttätige Konflikte; Sicherheit und Entwicklung

3. Abrüstung und Entmilitarisierung

Verteidigungspolitik; Massenvernichtungswaffen; Antipersonen-Minen und Streumunition; Waffenhandel und Konversion von Waffenindustrien; Kleinwaffen und Leichte Waffen; Sicherheit und Entwicklung

4. Gerechte Weltordnung

Internationale Kooperation, Multilateralismus und Völkerrecht; Verbreitung globaler militärischer, wirtschaftlicher und kultureller Vorherrschaft; Terrorismus

5. Religion und gewalttätige Konflikte

Unsere 8 Strategien:

1. Konflikt-Transformation

Frühwarnung, Konfliktprävention und –lösung; Kindersoldaten; Auswirkungen bewaffneter Konflikte auf Frauen; „DDR“ – engl. Abkürzung für „Demobilisierung, Entwaffnung und Reintegration“ früherer Kämpfer; Sicherheitssektor-Reform

2. Friedens-Aufbau

Versöhnungsprozesse; Wahrheitskommissionen; Frauen als Friedensmacherinnen; Friedenstraining

3. Friedenserziehung und Jugendarbeit

Friedenserziehung, Jugend und Dialog der Generationen zum Frieden; Friedenswochen; Friedens- und Freiwilligendienste

4. Gewaltfreier gesellschaftlicher Wandel

5. Interreligiöse und interkulturelle Kooperation für den Frieden

6. Entwicklung von Friedens-Spiritualität und -Theologie

7. Lobbyarbeit (Advocacy) und Kampagnen

8. Vernetzung

Zusammenstellung: Reinhard J. Voß

Etienne de Jonghe nach 29 Jahren als Generalsekretär von Pax Christi International verabschiedet

Die deutsche Sektion dankt ihm für sein segensreiches Wirken im Dienst am Frieden.

Etienne de Jonghe war für die deutsche Sektion mehr als nur Generalsekretär von Pax Christi International. Er war und ist der deutschen Sektion durch zahlreiche Besuche und Begegnungen eng verbunden und vielen Menschen in unserer Bewegung ein guter Freund geworden.
Seine Zusammenarbeit mit der deutschen Sektion war immer geprägt von einer hohen Sensibilität gegenüber der jüngeren deutschen Geschichte. Er konnte sich hineindenken in die Auseinandersetzungen der deutschen pax christi-Mitglieder um das Erbe und die Lasten der Tätergeschichte des Nationalsozialismus; er war sensibel für die Suche der deutschen Sektion nach einem verantwortungsvollen Umgang mit dieser Geschichte. Ihn bedrückte die Teilung Deutschlands und er pflegte Kontakte zu den Menschen über Mauer und Stacheldraht hinweg.
Von dieser Nähe und dem Verständnis für die Haltungen der deutschen Sektion konnte er im Rahmen der internationalen Bewegung für die Position der deutschen Sektion werben, wenn es um Fragen des Gewaltverzichts, der Graswurzelarbeit oder des Ausgleichs mit anderen Sektionen ging. Etienne de Jonghe gewann nicht zuletzt durch seine deutschen Sprachkenntnisse, seinen Humor und seine offene und herzliche Art die Herzen der Mitglieder von pax christi in Deutschland. Unser Dank gilt ebenso auch Frau Magda van Damme, der Ehefrau von Etienne de Jonghe, ohne deren Unterstützung viele Arbeiten von Etienne de Jonghe nicht möglich gewesen wären, und die gerne und oft Gast bei Delegiertenversammlungen oder Kongressen der deutschen Sektion war. Das Präsidium wünscht Magda und Etienne alles Gute für ihre Zukunft.

Vizepräsidentin Veronika Hüning, der Vorsitzende des Geschäftsführenden Vorstandes, Johannes Schnettler, der Vertreter der deutschen Sektion im internationalen Executive Committee, Georg Hörnschemyer, Generalsekretär Reinhard Voß und Geschäftsführerin Christamaria Weber konnten Etienne des Jonghe bei seiner Verabschiedung am 4. November in Brügge/Belgien den Dank der deutschen Sektion übermitteln.

Der Präsident von Pax Christi International (PCI), Michel Sabbah, Patriarch von Jerusalem, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der alle drei Jahre stattfindenden Weltversammlung. Unter dem Thema "Erinnern, Bestärken, Erneuern" tauschen die aus allen Kontinenten kommenden Mitglieder ihre Erfahrungen und Visionen zu folgenden Schwerpunkten aus: Abrüstung und Entmilitarisierung; Menschliche Sicherheit und Gewaltkonflikte; Menschenrechte, Völkerrecht und Gewalt; Religion und Gewalt; Gerechte Weltordnung. Die Versamlung endet am Sonntag, 4.11.2007.

Über 100 Delegierte treffen sich in Torhout bei Brügge in Belgien

Die Weltversammlung steht im Zeichen eines doppelten Amtswechsels. Zum 1. Oktober 2007 hat Claudette Werleigh ihre Tätigkeit als neue Generalsekretärin aufgenommen und löst damit Etienne de Jonghe ab, dessen fast 30-jährige Amtszeit mit dieser Weltversammlung endet. Zugleich übergibt Präsident Sabbah sein Amt an die neue Doppelspitze Marie Dennis (USA) und Erzbischof Laurent Monsengwo, Demokratische Republik Kongo.

Die deutsche Sektion ist in Torhout vertreten durch Vizepräsident/in Veronika Hüning und Johannes Schnettler, Präsidiumsmitglied Georg Hörnschemeyer, die Kommmissionsvertreterinnen Christine Klissenbauer, Clementine Nkongolo und Wiltrud Rösch-Metzler sowie Generalsekretär Reinhard J. Voss.

Alfons Erb wäre am 4. November 2007 100 Jahre alt geworden. Seine Verdienste für pax christi, zu deren Gründern er zählt, sind bis heute nicht vergessen. Von 1957 bis 1970 war er Vizepräsident der deutschen Sektion und von 1965 bis 1971 zugleich auch Vizepräsident von Pax Christi International. Geprägt von den Erfahrungen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs sah er in der pax christi-Bewegung den Ort, Grenzen zu überwinden, Feindschaften abzubauen und konkrete Schritte auf dem Weg des Friedens und der Gerechtigkeit zu gehen. Seine Leidenschaft für den Frieden war ansteckend und begeisternd. So wurde Alfons Erb zu einer der prägenden Persönlichkeiten der ersten Zeit von pax christi.

Erklärung von pax christi-Vizepräsident Johannes Schnettler zum 100. Geburtstag

Wahrhaftigkeit und Empathie prägten seine Arbeit für den Frieden. Er, der als Redakteur des „Berliner Kirchenblattes“ einen „stillen Widerstand“ gegen das nationalsozialistische Regime lebte, stellte die Kraft der Erinnerung gegen alles Verdrängen und Vergessen der Unrechtstaten, die von Deutschland ausgegangen waren. Zum 20. Jahrestag des Massakers von Oradour in Frankreich zeichnete er die von Deutschen im Jahre 1944 begangenen Erschießungen der Dorfbewohner und die Zerstörung des Dorfes in der pax christi-Zeitschrift nach. Und Alfons Erb war es auch, der den Blick der Deutschen auf den Nachbarn im Osten richtete. In einer Zeit, als die Kontakte zu Polen und die Auseinandersetzung mit dem Völkermord der Nationalsozialisten nahezu tabuisiert waren, initiierte Alfons Erb im Mai 1964 aus Anlass des Auschwitz-Prozesses in Frankfurt die pax christi-Sühnewallfahrt nach Auschwitz. So ermöglichte Alfons Erb nach der Festigung der deutsch-französischen Versöhnungsarbeit Schritte auf dem Weg zur Versöhnung mit dem Nachbarn im Osten.

Im Angesicht des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz schrieb er: „An dieser grauenhaften Stätte, an der ein Deutscher den Verstand verlieren kann, wurden wir ganz unmittelbar mit der Wirklichkeit dieser unmenschlichsten Unmenschlichkeit konfrontiert. Ich fand es unerträglich, dass so viele Jahre nach dem Krieg von Deutschland her noch nichts geschehen war, um den polnischen KZ-Opfern beizustehen“. Nach der Reise rief Alfons Erb zu einer Solidaritätsspende für ehemalige KZ-Häftlinge auf und widmete sich mit besonderer Schaffenskraft durch die Gründung des Maximilian-Kolbe-Werkes im Jahre 1973 dieser Aufgabe. Bis 1982 war er der Generalsekretär des Werkes.

Im Geiste der Gerechtigkeit für alle Menschen hatte Alfons Erb bereits im Jahre 1958 zusammen mit anderen Katholiken mit der Aktion „Eine Mahlzeit für die Hungernden“ den Grundstein des bischöflichen Hilfswerks Misereor gelegt.

Geist und Werk von Alfons Erb bilden auch heute noch die Grundlagen der Arbeit von pax christi, denn Frieden und Gerechtigkeit brauchen zu jeder Zeit eine entschiedene Stimme.

Aachen / Bad Vilbel, den 30.Oktober 2007

Aus Deutschland nehmen an den Feierlichkeiten Vertreter der Bistumsstellen München und Berlin, vom Präsidium Vizepräsident Johannes Schnettler und Georg Hörnschemeyer sowie Generalsekretär Reinhard Voß teil. Beim Internationalen Vortreffen in der Katholischen Hochschulgemeinde waren über 80 Pax Christi-Mitglieder aus Österreich, USA, Großbritannien, Irland, Italien und Deutschland anwesend. Die US-Gäste hatten zuvor in Deutschland Dachau besucht und mehrere Tage in St. Radegund, dem Ort des neuen Seligen und seiner heute 94jährigen Frau Franziska, verbracht.

Internationales Vortreffen am Donnerstagabend mit über 80 Pax Christi-Mitgliedern

Nach der Seligsprechnung bot Pax Christi Österreich den internationalen Gästen ein Extraprogramm: einen Rundgang durch Linz mit Besuch von Erinnerungsstätten an Franz Jägerstätter, der z.B. im Ursulinenhof hier 2 Monate gefangen saß.

Nach einem gemeinsamen Essen wurde die neue Jägerstätter-Oper im alten Dom besucht.

Die Erklärung der deutschen Sektion zur Seligsprechnung erschien auf dieser Seite vor wenigen Tagen; die der österreichischen Sektion ist hier herunter zu laden.

Nachdem die Katholische Bischofskonferenz mit ihrer Erklärung „Gerechter Friede“ vom 27.9.2000 Position bezog, hat nun die EKD ihre lang erwartete Denkschrift vorgelegt: „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen.“ Am 2. November erscheint sie als Taschenbuch beim Gütersloher Verlagshaus zum Preis von 5,95 Euro. Die Erklärung „Gerechter Friede“ (2000) der Deutschen Bischofskonferenz ist in deren Reihe als Nr. 66 weiterhin erhältlich im Sekretariat der DBK in Bonn, Tel. 0228-103-205. - In der Presserklärung der EKD vom 24.10.2007 heißt es zur neuen Denkschrift:

Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten das fordert der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Er widerspricht damit dem alten politischen Grundsatz, dass man den Krieg vorbereiten müsse, wenn man den Frieden wolle. Wirksame Friedenspolitik beruht in der Gegenwart, so der Rat der EKD, auf dem Abbau von Gewalt, dem Ausbau der internationalen Rechtsordnung und der Förderung weltweiter sozialer Gerechtigkeit. Der Dreiklang von Frieden, Recht und Gerechtigkeit wird in der Kurzformel vom "gerechten Frieden" zusammengefasst.

Wie muss unter den gegenwärtigen politischen Bedingungen und zumal nach den Ereignissen des 11. September 2001 das Eintreten für den Frieden aus evangelischer Perspektive aussehen? Vor diesem Hintergrund hatte der Rat der EKD im Jahr 2004 einen entsprechenden Auftrag an die Kammer für Öffentliche Verantwortung erteilt. Der Rat nahm die Ausarbeitung der Kammer, die ihm im Herbst dieses Jahres vorgelegt wurde, einstimmig an und gab sie zur Veröffentlichung frei. Am Mittwoch, 24. Oktober stellten der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, und der Vorsitzende der Kammer für Öffentliche Verantwortung, Professor Wilfried Härle, in Berlin die Denkschrift vor. Ihr Titel "Aus Gottes Frieden leben für gerechten Frieden sorgen" macht das christliche Selbstverständnis deutlich, dass, wer aus dem Frieden Gottes lebt, für einen gerechten Frieden in der Welt eintreten wird.

Die Denkschrift gliedert sich nach einer Einleitung in vier Teile. Der 1. Teil ("Friedensgefährdungen") analysiert die Ursachen, die derzeit zu einer Gefährdung des politischen Friedens beitragen; neben den sozioökonomischen Problemen werden dabei insbesondere der Zerfall politischer Gemeinschaften ("Staatsversagen"), die Schwächung des Multilateralismus und kulturelle bzw. religiöse Faktoren behandelt. Der 2. Teil wendet sich dem " Friedensbeitrag der Christen und der Kirche" zu: wie sie, aus Gottes Frieden lebend, diesen Frieden bezeugen, für den Frieden bilden, die Gewissen schützen, für Frieden und Versöhnung arbeiten und vom gerechten Frieden her denken. Der 3. Teil ("Gerechter Friede durch Recht") beschreibt die Anforderungen an eine globale Friedensordnung als Rechtsordnung und die Grenzen rechtserhaltenden Gebrauchs militärischer Gewalt. Der 4. Teil schließlich skizziert die "politischen Friedensaufgaben": Die universalen Institutionen müssen gestärkt werden, Europa muss seine Friedensverantwortung wahrnehmen, und es ist notwendig, die Waffenpotenziale abzubauen, hingegen die zivile Konfliktbearbeitung auszubauen.

Klare Leitgedanken verbinden sich in der Denkschrift mit konkreten Handlungsoptionen. So ist etwa mit einer rechtsverbindlichen, internationalen Friedensordnung der Anspruch verknüpft, dass diese Rechtsordnung dem Vorrang ziviler Konfliktbearbeitung verpflichtet ist. Außerdem bindet sie die Anwendung von Zwangsmitteln an strenge ethische und völkerrechtliche Kriterien. Auch die Herausforderung durch den modernen internationalen Terrorismus rechtfertigt keine Wiederbelebung der Lehre vom "gerechten Krieg". Vielmehr bewährt sich gerade in einer solchen Situation die Ausrichtung aller friedenspolitischen Überlegungen an der Leitidee des "gerechten Friedens".

In der neuen Denkschrift wird die Auffassung vertreten, die Drohung mit dem Einsatz nuklearer Waffen sei in der Gegenwart friedensethisch nicht mehr zu rechtfertigen. Doch konnte die Kammer über die friedenspolitischen Folgerungen aus dieser Aussage keine volle Übereinstimmung erzielen.

Der Rat der EKD würdigt die friedenspolitische Rolle Europas und der Europäischen Union (EU). Zugleich warnt er ausdrücklich vor einer Ausweitung der Auslandseinsätze der Bundeswehr. Der Prozess der "Transformation" der bundesdeutschen Streitkräfte in eine Armee im Einsatz wird kritisch betrachtet. Der "Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger" ist eine Aufgabe, die vor allem politisch wahrgenommen werden muss.

Durchgängig hebt die Denkschrift die Notwendigkeit der Prävention hervor; sie erkennt gewaltfreien Methoden der Konfliktbearbeitung einen Vorrang zu; sie betont die wichtige Rolle der zivilen Friedens-, Freiwilligen- und Entwicklungsdienste für die Bewahrung und Förderung eines nachhaltigen Friedens. Mit dieser Grundorientierung bringt die Evangelische Kirche in Deutschland ihre Stimme in die politische und in die ökumenische Diskussion ein. Sie versteht ihre Denkschrift auch als einen Beitrag zu der vom Ökumenischen Rat der Kirchen ausgerufenen Dekade zur Überwindung von Gewalt (2001-2010).

Hannover / Berlin, 24. Oktober 2007

Pressestelle der EKD

Christof Vetter

Das OEF-Mandat des Bundestags vom 16. November 2001, für das die Bundesregierung im kommenden Monat zum sechsten Mal eine Verlängerung beantragt, „hat zum Ziel, Führungs- und Ausbildungseinrichtungen von Terroristen auszuschalten, Terroristen zu bekämpfen, gefangen zu nehmen und vor Gericht zu stellen sowie Dritte dauerhaft von der Unterstützung terroristischer Aktivitäten abzuhalten.“ Das derzeitige Mandat, das am 15.11.07 ausläuft (…enthält auch) die Möglichkeit, bis zu 100 geheim operierende Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan einzusetzen, wird (aber) zurzeit nach Aussage der Regierung nicht genutzt. Die KSK-Kräfte waren zumindest 2002 und 2005 im Einsatz. Die Regierung will auch dieses Mandat verlängern. Wir sprechen uns strikt gegen eine Verlängerung des OEF-Mandats aus.

pax christ Deutschland ist Mitglied der unterzeichnenden „Kooperation für den Frieden“.

Als Gründe dafür sind für uns die folgenden ausschlaggebend:

Erstens: Der UN-Sicherheitsrat hat OEF zu keinem Zeitpunkt ein Mandat erteilt, allerdings hat er den Vereinigten Staaten ein Recht auf Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UN-Charta zuerkannt. Seit dem 5. Oktober 2001 ist diese Selbstverteidigung für die NATO „der Bündnisfall“ nach Artikel 5 ihres Vertrages. Allerdings – und das ist von entscheidender Bedeutung – gilt der Zustand der Selbstverteidigung völkerrechtlich nur so lange „bis der Sicherheitsrat die zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen hat.“ (Artikel 51 UN-Charta) Der UN-Sicherheitsrat hat am 28.9.2001 umfangreiche Empfehlungen zum Antiterrorkampf gegeben, darin jedoch keine Kampfhandlungen legitimiert, und hat am 20.12.2001 der ISAF ein Mandat nach Kapitel VII der UN-Charta erteilt. Damit ist das Recht auf individuelle und kollektive Verteidigung der USA und seiner Verbündeten erloschen. Die OEF verfügt spätestens seitdem über keine völkerrechtliche Grundlage. Die Mitgliederversammlung der Neuen Richtervereinigung hat am 3. Februar 2002 eindeutig erklärt:

„Weder hatte der Sicherheitsrat die Kriegsallianz ermächtigt oder beauftragt militärisch vorzugehen, noch lagen die Voraussetzungen für die Ausübung des Notwehrrechts vor. Belege für einen bevorstehenden Angriff Afghanistans oder mit Unterstützung der Afghanischen Regierung durch im Lande weilende Terroristen auf die USA sind nicht behauptet worden. Für die Tötung von einigen tausend Zivilisten gibt es keinerlei Rechtfertigung.“

Beteiligt sich die Bundeswehr also weiterhin an OEF, handeln ihre Soldaten völkerrechtswidrig. Wir erinnern daran, dass das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil über die Gewissensentscheidung des Bundeswehrmajors Florian Pfaff 2005 bestätigte, dass dieser rechtmäßig gehandelt habe, als er sich weigerte, für den vom Gericht als „völkerrechtwidrig“ beurteilten US-geführten Irakkrieg Arbeiten durchzuführen.

Zweitens: Der von den USA geführte völkerrechtswidrige OEF-Einsatz als Bestandteil des Bush- „Kriegs gegen den Terror“ hat seit dem 7. Oktober 2001 ungezählte zivile Opfer gefordert. Schätzungen gehen allein bis Mai 2002 von bis zu 50.000 aus. Die Formulierung des OEF-Auftrags birgt bereits die Gefahr in sich, dass es zu hohen zivilen Opfern kommt, denn Taliban und Al-Qaida sind nicht von der Zivilbevölkerung unterscheidbar. Deshalb verstößt OEF gegen die Genfer Abkommen von 1949 über den Schutz der Opfer internationaler Konflikte. Dessen Zusatzprotokoll von 1976 räumt dem Schutz der Zivilbevölkerung absolute Priorität ein. Der US-geführte Krieg kann dem nicht gerecht werden.

Drittens: Durch den „Krieg gegen den Terror“ durch OEF hat sich die Sicherheitslage für die Menschen in Afghanistan drastisch verschlechtert. Die offensiven Einsätze haben insbesondere seit 2006 zu einem starken Anstieg der zivilen Opfer geführt, was den Zulauf zu Al-Qaida und Taliban noch erhöht hat. Das ist als kontraproduktiv zu bewerten. Wir sagen: Krieg ist selbst Terror und erhöht die Gegengewalt. Mit Krieg den Terrorismus besiegen zu wollen, ist die komplett falsche Strategie. Nachdem Al-Qaida Mitte 2002 zerschlagen schien, hat sie sich seitdem offenbar wieder erholt und weiter ausgebreitet. Die vergebliche militärisch geführte OEF-Jagd nach Bin Laden und Al-Zawahiri hat einen Mythos geschaffen, der Al-Qaida gestärkt hat.

Viertens: Wir können keine Belege oder Indizien dafür finden, dass der „Krieg gegen den Terror“ Anschläge verhindert hätte. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Der Krieg dreht die Gewaltspirale immer weiter. Das militärische Vorgehen schürt Wut auf die westliche Politik. Wir müssen feststellen, dass sich die Anschläge auch außerhalb Afghanistans erhöht haben. Das trifft vor allem auf Pakistan zu, jedoch auch auf Europa. Daher sagen wir: Deutschlands Sicherheit wird am Hindukusch nicht verteidigt, sondern aufs Spiel gesetzt.

Fünftens: Der OEF-Einsatz hat laut Antrag der Bundesregierung „zum Ziel, Führungs- und Ausbildungseinrichtungen von Terroristen auszuschalten, Terroristen zu bekämpfen, gefangen zu nehmen und vor Gericht zu stellen sowie Dritte dauerhaft von der Unterstützung terroristischer Aktivitäten abzuhalten.“ Abgesehen davon, dass wir grundsätzlich der Meinung sind, dass Militär und Krieg ungeeignete Mittel der Verbrechensbekämpfung sind (und was anderes als ein schweres Verbrechen ist Terrorismus?), weil die Rechtsstaatlichkeit hierfür andere Instrumente hat (Justiz, Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden), möchten wir folgende Fragen stellen:

1) Wie viele „Führungs- und Ausbildungseinrichtungen von Terroristen“ sind durch den OEFEinsatz nachprüfbar „ausgeschaltet“ worden. Und wenn tatsächlich welche ausgeschaltet wurden, wie viele andere sind neu entstanden?

2) Wie viele Terroristen sind im bisherigen Verlauf des OEF-Einsatzes gefangen genommen und vor Gericht gestellt worden?

3) Inwieweit ist es auch nur annähernd gelungen, durch den sog. Antiterrorkrieg „Dritte dauerhaft von der Unterstützung terroristischer Aktivitäten abzuhalten“? Die spürbare Zunahme terroristischer Gewalt und die wie Pilze aus dem Boden wachsenden neuen terroristischen Gruppierungen (in Afghanistan, Pakistan, Usbekistan und vor allem im Irak) sprechen eine völlig andere Sprache.

Sechstens: Afghanistan ist kein souveränes Land, sondern ein Protektorat der US-geführten NATO, das das Land in vier Sektoren aufgeteilt hat. Vor allem US-Berater sitzen an den Schaltstellen der Macht. Der von den USA massiv unterstützte Präsident Karsai hat den US-Militäreinheiten ein dauerhaftes Bleiberecht in Afghanistan zugebilligt. Karsai verfügt aber über keinerlei Rückhalt in der eigenen Bevölkerung. SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte nach Rückkehr von einer Reise durch Afghanistan gegenüber der Tagesschau, die Karsai-Regierung habe "jegliche Akzeptanz in der Bevölkerung verloren" (tagesschau.de, 12. August 2007).

Die Fremdherrschaft ist der Nährboden, auf dem der afghanische Widerstand wächst - das mussten schon das britische Empire und die Sowjetunion erfahren. Solange die militärische Besatzung anhält, wird es dort keinen Frieden geben. Erst im Frieden ist der Wiederaufbau möglich.

(…)

Am 26.Oktober 2007 wird Franz Jägerstätter im Linzer Dom selig gesprochen. Damit ehrt die katholische Kirche posthum einen Menschen, dem sie im Zweiten Weltkrieg jede Unterstützung für seine Gewissensentscheidung zur Kriegsdienstverweigerung versagte. Die Seligsprechung ist nur möglich geworden, weil das Zeugnis des Franz Jägerstätter viele Zeugen gefunden hat, die seit dem Tag seiner Hinrichtung bis heute gegen das Vergessen und gegen alle Anfeindungen dafür eingetreten sind, dass seine Entscheidung kirchliche und gesellschaftliche Anerkennung finden konnte.

Erklärung des Geschäftsführenden Vorstands zur Seligsprechung des Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter

Nach seiner Einberufung zur Wehrmacht im Jahre 1943 verweigerte Franz Jägerstätter seine Teilnahme an dem verbrecherischen Krieg. Für ihn war Gewissheit, dass keine staatliche Autorität das Recht hat, das Gewissen des einzelnen zu brechen, da Gottes Recht höher steht als Menschenrecht. Kirchliche Autoritäten sprachen ihm diese Bindung im Gewissen ab. Der Zweite Senat des Reichsgerichts in Berlin verurteilte ihn am 6. Juli 1943 wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode sowie zum Verlust der „Wehrwürdigkeit“ und der bürgerlichen Ehrenrechte. Am 9. August 1943 wurde Franz Jägerstätter in Brandenburg / Havel hingerichtet.

Mit seiner Seligsprechung erfährt Franz Jägerstätter eine herausragende Würdigung; seine freie und selbst bestimmte Gewissensentscheidung wird damit öffentlich anerkannt und als vorbildliche Haltung eines Christen herausgestellt. Er trat ein gegen die Verachtung des Lebens und für gewaltlose Solidarität. Für die Weigerung, in einem ungerechten Krieg auf Befehl zu töten, nahm er auch den Verlust des eigenen Lebens in Kauf. In diesem Akt der Verweigerung bis zum Tod zeigt sich exemplarisch die unaufgebbare Freiheit des Menschen vor Gott und seinem Gewissen.

Bei aller Anerkennung seines persönlichen Zeugnisses ist auch die politische Dimension seiner Kriegsdienstverweigerung zu sehen. Dieses Zeugnis ist für die katholische Kirche in Österreich und Deutschland bis heute eine bleibende Mahnung daran, welche Rolle sie als Institution in der Zeit zwischen 1933 und 1945 eingenommen hat. Das Erinnern wirft auch die Frage auf, wie viel Nähe zum NS-Staat mit dem Auftrag der Kirche vereinbar war.

Mit der Seligsprechung wird bekräftigt, dass das in Gott verortete Gewissen über jede staatliche Pflicht zu stellen ist, - womit nicht diejenigen pauschal verurteilt werden, die sich zu einer solchen Entscheidung nicht im Stande sahen. Aber vor dieser Freiheit der Gewissensentscheidung verliert jede Rechtfertigung für einen Krieg ihre Grundlage. Daher sind auch diejenigen moralisch anzuerkennen und rechtlich zu rehabilitieren, die in einer Desertion den einzigen Ausweg sahen, der Beteiligung an diesem Krieg zu entkommen. Die weltweite Anerkennung des Rechtes auf Kriegsdienstverweigerung als Grundrecht ist die notwendige Konsequenz.

Die Seligsprechung Franz Jägerstätters macht deutlich, dass jeder für sich auch jeweils neu eine Gewissenentscheidung treffen muss und in welche radikale Nachfolge Jesu Christi sie führen kann.

Bad Vilbel, den 23.10.2007

Zum siebten Mal in Folge ist der internationale Bericht zivilgesellschaftlicher Organisationen über den Fortschritt der Armutsbekämpfung und Gleichstellung der Geschlechter erschienen. Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe bildet das Recht auf soziale Sicherheit. "Gerade angesichts verbreiteter Versuche, dieses Recht ökonomischen Sachzwängen unterzuordnen", ist es notwendig, mit Nachdruck daran zu erinnern, dass das Recht auf soziale Sicherheit in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahre 1948 fest verankert ist. pax christi ist Mitherausgeberin des Reports, der ab sofort

SOCIAL WATCH DEUTSCHLAND REPORT 2007 ist erschienen

im pax christi-Sekretariat zum Preis von 5,00 Euro (Schutzgebühr) zzgl. Versandkostenpauschale bestellt werden kann.

Eine bewusste Hinarbeit auf die jetzt schon für Anfang Mai 2011 geplante Internationale Ökumenische Friedenskonvokation hat sich der neu berufene Ausschuss „Kirche und Gesellschaft" der ACK vorgenommen. Damit unterstützt er den „Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“, der in diesem Jahrzehnt eine Konkretisierung in der „Dekade zur Überwindung von Gewalt“ fand. Diese Dekade findet mit der Konvokation ihren Abschluss. pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß präsentierte bei der Mitgliederversammlung der ACK am 17./18.Oktober 2007 in Nürnberg den neu konstituierten Ausschuss als Stellvertreter des Vorsitzenden Paul Gräsle (Evangelisch-methodistische Kirche).

Beiträge zur Vorbereitung der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation 2011 geplant

Der Ausschuss empfiehlt den Kirchen, insbesondere Akzente zu verstärken, die in der so genannten „Freisinger Agenda“ von 2005 enthalten waren, erarbeitet von ACK- und Basisgruppen-Mitgliedern.

Im Ausschuss gab es Einvernehmen, über kontroverse Fragen im „Konziliaren Prozeß“ (KP) neu nachzudenken, z.B.:

Es gilt den „KP“ wieder neu ins Bewusstsein zu heben. - Der „KP“ ist in der ACK und den Kirchen nur bedingt angekommen. - Es muss eine gewisse fortlaufende Kontinuität geben: „KP“, Dekade zur Überwindung von Gewalt, Charta Oecumenica. - Die Rolle des „KP“ als Erneuerungsbewegung für Kirchen ist in allen ihren Sozialgestalten zu ermutigen. - Schwierigkeiten müssen ernst genommen werden: Wie ist der „KP“ verstanden worden: sozialethisch oder ekklesiologisch? - Streitpunkte und Ängste sind deutlich zu benennen: z.B. der Eindruck, dass die Dekade „Gewalt überwinden“ und der Agape-Prozess („Wirtschaften für das Leben“) auseinander laufen.

Verstärkt sollte die Konzentration auf inhaltliche Fragen gelenkt werden. Diese inhaltlichen Fragen sollten insbesondere – in Zuspitzung von „Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung“ - sein:

1. „Aufnahme des Ökumenischen Prozesses ‚Wirtschaft im Dienst des Lebens’“

2. „Friedenspolitik: Gewaltfreiheit und Prävention von Gewalt“ – in Verbindung mit Stärkung von Menschenrechten, Recht und Völkerrecht sowie „interreligiösem Dialog

3. „Nachhaltigkeit des ökologischen Wirtschaftens“ (z.B. die Verknüpfung von Ökonomie und Ökologie, Wirtschaft und Nachhaltigkeit)

Bei allen drei Themen sollen vor allem drei Prämissen gelten: Glaubwürdigkeit, Aktualität und Signalwirkung. Sie sollen aufbauen auf den Prinzipien des „Konziliaren Prozesses“: evangeliums- und sachgemäß, sozial- und umweltverträglich.

pax christi Rottenburg-Stuttgart entsendet Friedensfachkraft nach Palästina und Israel

Die Mitgliederversammlung der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi in der Diözese Rottenburg-Stuttgart entsandte Jochen Stoll aus Waghäusel bei Bruchsal als Friedensarbeiter zu einem „Zivilen Friedensdienst“ nach Palästina und Israel.
Seine Aufgabe ist die Förderung des interreligiösen Dialogs über Probleme des Friedens auf der Basis der Menschenrechte und des Völkerrechts. In Zusammenarbeit mit den einheimischen Partnerorganisationen, dem palästinensischen Arab Educational Institute (AEI) aus Bethlehem, dem „Zentrum für Konfliktbearbeitung und Versöhnung“ (CCRR) ebenfalls aus Bethlehem und den israelischen „Rabbinern für die Menschenrechte“ wird das Projekt Workshops zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung für junge Menschen anbieten.
Jochen Stoll wird Anfang Januar nach einer Schulung beim „Forum Ziviler Friedensdienst“ in Bonn nach Ost-Jerusalem ausreisen. Anfang kommenden Jahres wird pax christi noch eine zweite Fachkraft in das Projekt entsenden.
Träger des Projekts sind pax christi in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und das Forum Ziviler Friedensdienst in Bonn.
Der „Zivile Friedensdienst“ wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.

Kontakt und weitere Informationen:
pax christi-Bistumsstelle Rottenburg-Stuttgart, Postfach 70 01 37, 70571 Stuttgart, E-Mail: paxchristi.rs@gaia.de, Tel.: 0711/9791-216, Fax: 0711/9791-159.

Das Institut für Theologie und Frieden (IThF) hat die achte Ausgabe seiner Online-Bibliographie "Theologie und Frieden" gerade veröffentlicht. Sie enthält 159.000 Titel. Die Nutzung ist kostenfrei. Es finden sich dort auch viele Autoren von pax christi. Das Institut ist beim nächsten Katholikentag 2008 in Osnabrück zusammen mit Misereor Kooperationspartner von pax christi beim Großpodium am 23.5. zum Thema „Militarisierung der deutschen Außenpolitik?“

159.000 Titel im Institut für Theologie und Frieden (IThF)

Aus einer Mitteilung des Instituts vom 17.10.2007:

Das Institut für Theologie und Frieden (IThF) ist eine 1978 gegründete Einrichtung der katholischen Kirche. Neben eigenen Forschungsprojekten im Bereich der Friedensethik werden die beiden Reihen “Theologie und Frieden” und “Beiträge zur Friedensethik” herausgegeben. Das IThF hat eine eigene Bibliothek und dokumentiert umfassend Literatur. Diese Dokumentation wird in Form der Online-Bibliographie Theologie und Frieden unter http://www.ithf.de/bibl kostenfrei zur Verfügung gestellt. Im Oktober 2007 ist die nunmehr achte Ausgabe erschienen. Sie enthält 159.000 Titel. Schwerpunkt der Dokumentation sind die einzelnen Disziplinen der Theologie. Literatur aus Philosophie, Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung, Völkerrecht und Geschichtswissenschaft findet Berücksichtigung, soweit diese für friedensethische Fragestellungen relevant erscheint. Ein besonderer Service bei den Monographien besteht darin, dass auch einschlägige Beiträge aus Sammelbänden erfasst werden. Es werden 550 Zeitschriften-Gesamttitel - überwiegend aus Europa und Nordamerika - ausgewertet. Die Auswertung umfasst, soweit dies möglich ist, den gesamten Erscheinungszeitraum der jeweiligen Zeitschrift. Der inhaltsbezogene Zugriff erfolgt über eine Sacherschließung durch Deskriptoren/Schlagwörter. Die über 1.400 Einträge umfassende Deskriptoren-Liste wird kontinuierlich fortgeschrieben. Technische Voraussetzungen: Es wird eine Bildschirmauflösung von mindestens 600x800 empfohlen. JavaScript und Cookies müssen aus technischen Gründen aktiviert sein. Internet Explorer ab Version 4.01, Netscape Navigator ab Version 4.3.

Institut für Theologie und Frieden (IThF), Herrengraben 4, D-20459 Hamburg

Tel.: +49 (0) 40/670 859 16 - Fax: +49 (0) 40/670 859 30

Der Trägerkreis, in dem die deutsche Sektion von pax christi mitarbeitet, hat für die diesjährige FriedensDekade eine Aktion gegen Atomwaffen in das Zentrum der Aktivitäten gestellt. In den umfangreichen Arbeitsmaterialien werden zudem unterschiedliche Themen aufgegriffen, die von den Auslandseinsätzen der Bundeswehr über faire Kredite, Rechtsradikalismus, den Dialog mit anderen Religionen bis hin zur Problematik von Flüchtlingen in Deutschland reichen.

Resonanz auf das diesjährige Motto „andere achten“ sehr positiv

Wie in den vergangenen Jahren werden Gottesdienstentwürfe, Gebetsvorschläge und Ideen für die Jugendarbeit und Erwachsenenbildung angeboten.

Am Freitag dieser Woche wird der Bundestag die Verlängerung von zwei der drei Bundeswehr-Mandate in Afghanistan voraussichtlich mit großer Mehrheit beschließen. Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit gegenüber dem afghanischen Volk und der Regierung Karsai werden immer wieder als Hauptmotive dafür betont. Mit einem „Weiter so“ ist es aber nicht mehr getan. Es muss jetzt ein Strategiewechsel eingeleitet und mit dieser Verlängerung der Bundeswehrmandate für ISAF und Tornados verknüpft werden.

Erklärung von pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß

Das heißt auf jeden Fall: Ablehnung der Fortsetzung des Enduring Freedom-Mandats, über das Ende dieses Jahres im Bundestag abgestimmt werden soll, sowie eine klare Trennung von Kriegseinsatz und Aufbaubemühungen. pax christi hat den „Krieg gegen den Terror“ und den damit begründeten Einmarsch in Afghanistan stets abgelehnt und sieht diese Trennung seit dem Einsatz der Tornados nicht mehr gegeben. Deshalb wendet sie sich der Forderung eines Abzugs der Bundeswehr als deutlichem Zeichen eines Strategiewechsels zu. Notwendig sind die Rückgewinnung des Primats der Politik, d.h. ein Ende der Fixierung auf militärische „Lösungen“, breiter gesellschaftspolitischer Dialog und kompetenter Wiederaufbau ökonomischer, rechtsstaatlicher und zivilgesellschaftlicher Strukturen.

Viele in Afghanistan tätige Entwicklungsorganisationen (z.B. Caritas International, Deutsche Welthungerhilfe und medico international) berichten, dass sich die Erwartungen und Hoffnungen der afghanischen Bevölkerung auf Besserung ihrer Lebensverhältnisse nach dem Sturz der Taliban nicht erfüllt hätten und viele sich ihnen deshalb wieder zuwendeten.

pax christi befürchtet, dass sich die Bundeswehr im Rahmen der ISAF-Verbände zukünftig nicht mehr auf die „militärische Friedenssicherung“ konzentrieren und Milizen und "Warlords" entwaffnen wird, sondern immer stärker in Kriegs-Aktionen hineingezogen wird. Die Verknüpfung von „Krieg gegen den Terror“ und zivilem Wiederaufbau in Afghanistan ist mittlerweile eine politische Falle, die sowohl die Glaubwürdigkeit des bisherigen Bundeswehreinsatzes als auch die Arbeit der Entwicklungsorganisationen in Frage stellt. Damit erweist sich auch das Konzept der zivil-militärischen Kooperation in den „Provincial Reconstruction Teams“ als landesweit nicht übertragbar und letztlich gescheitert.

Für den Wiederaufbau des Landes brauchen die zivilen Akteure nicht den Schutz des Militärs, sondern der Politik, insbesondere auch eine gezielte, d.h. deutlich erhöhte und organisatorisch verbesserte finanzielle Förderung für Entwicklungsprojekte und Zivilen Friedensdienst.

Bad Vilbel, den 10.10.2007

Gerade erschien die Arbeitshilfe katholischer Verbände zur Gemeinsamen Gebetsstunde zum Weltfriedenstag 2008; die 8-seitige Broschüre ist ab sofort (auch in größeren Mengen) erhältlich bei der Arbeitsstelle für Jugendpastoral, Carl-Mosterts-Platz 1, 40477 Düsseldorf (Tel. 0211 – 484 766- 17/18. Email: jugendpastoral@afj.de) Darin macht sich pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß Gedanken zum Leitwort 2008 „Friede ist der Weg zur Menschheitsfamilie“.

Arbeitshilfe der Verbände zur Gebetsstunde (Freitag, 11.1.2008) erschienen

Der Traum der Menschheitsfamilie in der Einen Welt scheint zum Greifen nahe: die Globalisierung propagiert ihn ökonomisch, Medien und Internet lassen ihn Wirklichkeit werden, weltweite Reisen überwinden scheinbar mühelos alle Grenzen und Kulturen.

Und doch wächst ein weltweites Unbehagen: es scheint mehr Verlierer als Gewinner der Globalisierung zu geben, die Unterschiede in den Kulturen, Traditionen, Religionen, Lebensweisen, Menschenrechts- und ökonomischen Verhältnissen sind so offenkundig, dass sie in ihrer direkten Vergleichbarkeit zur gegenseitigen moralischen Anklage und politischen Herausforderung werden. Migrationstendenzen sind weltweit im Gange; die Vertriebenen durch globale Erwärmung u.a. Umweltkatastrophen treten neben die kriegsbedingten Flüchtlingsströme. Verteilungskonflikte um Rohstoffe, Wasser, neue Machtsphären zeichnen sich ab. Man spricht von Handelskriegen; Geiselnahmen und Terrorattacken bedienen sich in perfider Form des Internets, um Mord und Folter anzudrohen und zu verherrlichen. Und manche Regierungen stehen dem in nichts nach, wenn sie ihre Medienkriege und Meinungs-Manipulationen planen und durchführen.

Die Welt ist ein Marktplatz geworden: ein Marktplatz der Ökonomie, der Eitelkeiten, der Täter- und Opfergeschichten, der „guten“ und „bösen“ Geschichten… Aber gerade darum liegen heute Segen und Fluch der Einen Welt so nah beieinander. Es ist richtig: je näher wir uns kommen, desto klarer haben wir auch Konflikte zu bestehen. Aber genau darum geht es: sie zivilisatorisch zu bewältigen und auszutragen. Manchmal erscheint es mir als hätten wir seit der Kolonialisierung und Eroberung der „Neuen Welt“ nicht viel gelernt. Das „Andere“ wird immer noch leicht verdächtigt und das Eigene unkritisch überhöht. Wir wissen viel und verstehen wenig. Die ideologischen und Verständnis-Gräben wachsen, weil es zu wenige offene Palaverplätze gibt. Der „Kampf der Kulturen“ wurde schon herbei geschrieben! Zwar ist ihr „Erfinder“ Huntington mittlerweile wissenschaftlich marginalisiert und widerlegt, aber seine These bleibt politisch doch höchst wirksam und gefährlich als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn denn die Form der Macht- und Militärpolitik des letzten Jahrzehnts anhalten sollte. Wir brauchen Dialog statt „Krieg gegen den Terror“ – unter dieses Motto stellt pax christi seine 60-Jahr Feier 2008.

Die Tatsache des weltweiten Zusammenwachsens ist ein unaufhaltsamer politischer, ökonomischer und kultureller Prozess. Es gilt ihn aber nicht länger der Macht der Stärkeren zu überlassen, sondern ihn demokratisch zu gestalten. An uns allen liegt es, Menschheitsfamilie zu werden – und das fängt bei der „Einen Welt im eigenen Land“ an – bei der Akzeptanz von Mitmenschen anderen Glaubens, anderer Hautfarbe, anderer „Welt-Anschauung“ – und damit beim Ja zu Moscheen und Synagogen, Tempeln und Meditationshäusern aller Art. Nur dann haben wir Christen das Recht, auch in anderen Ländern die freie Ausübung unserer Religion zu fordern – statt nun auch bei uns deren Verfolgung und Marginalisierung zu betreiben. Die „Menschwerdung des Menschen“ (Teilhard de Chardin) und das Werden der Menschheitsfamilie (Papst Benedikt XVI.) schreiten nicht von selbst voran; es bedarf unser aller Hilfe, Entschiedenheit und Kenntnis in der eigenen Tradition ebenso wie der Toleranz und interessierten Gesprächsbereitschaft gegenüber dem „Anderen“. Weder Schmelztiegel noch Parallelgesellschaften können uns dem näher bringen, sondern die Achtung und Pflege der Vielfalt in der „Einen Welt“. Aus unserem kleinen blauen Planeten die Heimstatt aller zu machen, die darauf geboren werden: dies ist für uns jesuanisch-christliches Urgut - neutestamentarisch verbürgt.

Die pax christi-Regionalgruppe Kassel zeichnet verantwortlich für das neue Heft der Reihe IMPULSE, das ausdrücklich zur Diskussion und offenen Auseinandersetzung mit der Friedensthematik auffordert. Die darin aufgestellten Leitgedanken "stehen zur Disposition von Veränderung, Verbesserungen, Ergänzungen oder Streichungen". Weiter heißt es im Vorwort des Textes: " Es war das Anliegen der Autorinnen und Autoren, über das Verständnis von Frieden als Gegensatz zum Krieg hinaus den Frieden als die Eigenschaft eines gewaltfreien, menschenwürdigen Gemeinschaftslebens zu skizzieren.

IMPULSE 15 erschienen

In diesem Sinne setzt das Verständnis des sozialen Friedens beim Anfang menschlicher Existenz an und schließt alle Lebensbereiche des Menschen mit ein."

Die Broschüre kann ab sofort im pax christi-Sekretariat zum Preis von 1,00 Euro zzgl. Versandkosten bestellt werden.

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax hat zum 4./5. Oktober zu einem Internationalen Workshop mit Partnern aus Afrika nach Bensberg bei Köln eingeladen. Diese Kommission der Katholischen Kirche in Deutschland ist von Bischöfen und Laien paritätisch besetzt. pax christi wird dort von Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß vertreten, der auch an der Bensberger Tagung teilnimmt; sie steht unter dem Titel: „Neue Chancen für partizipative Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit“.

Deutsche Kommission Justitia et Pax lädt afrikanische Partner ein

Es geht um die Förderung und Beteiligung der Zivilgesellschaft an entwicklungspolitischen Entscheidungen und Prozessen als Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg. Gerade bei den langjährigen Bemühungen katholischer Entwicklungs- und Friedensarbeit „sind aber auch die vielfältigen Hindernisse und Vorbehalte gegen eine stärkere partizipative Herausforderung der Armen selbst wie auch der institutionellen Akteure immer wieder deutlich geworden“ – so beschreibt di Einladung das Kernproblem. In drei Schwerpunkten soll diese Perspektive vorangetrieben werden:

I.

Voraussetzungen für Partizipation: Konfliktbewältigung und Versöhnungsprozesse. (Hier beteiligt sich pax christi.)

II.

Kohärente Entwicklungszusammenarbeit durch Partizipation: Koordinierung, Harmonisierung, Qualifizierung der NRO-Aktivitäten

III.

Politische Dimensionen der Partizipation: Zivilgesellschaftliche Beteiligung als Voraussetzung für parlamentarische Demokratie?

Die Ergebnisse werden in einen „Dialog mit Kirche und Politik in Europa“ in zwei Foren des Freitags eingebracht.

Die Gäste aus Afrika kommen u.a. aus Südafrika, Sierra Leone, Nigeria, Benin, Tanzania und Burkina Faso.

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax hat zum 4./5. Oktober zu einem Internationalen Workshop mit Partnern aus Afrika nach Bensberg bei Köln eingeladen. Diese Kommission der Katholischen Kirche in Deutschland ist von Bischöfen und Laien paritätisch besetzt. pax christi wird dort von Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß vertreten, der auch an der Bensberger Tagung teilnimmt, die unter dem Titel steht: „Neue Chancen für partizipative Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit“.

Deutsche Kommission Justitia et Pax lädt afrikanische Partner ein

Es geht um die Förderung und Beteiligung der Zivilgesellschaft an entwicklungspolitischen Entscheidungen und Prozessen als Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg. Gerade bei den langjährigen Bemühungen katholischer Entwicklungs- und Friedensarbeit „sind aber auch die vielfältigen Hindernisse und Vorbehalte gegen eine stärkere partizipative Herausforderung der Armen selbst wie auch der institutionellen Akteure immer wieder deutlich geworden“ – so beschreibt di Einladung das Kernproblem. In drei Schwerpunkten soll diese Perspektive vorangetrieben werden:

I.

Voraussetzungen für Partizipation: Konfliktbewältigung und Versöhnungsprozesse. (Hier beteiligt sich pax christi.)

II.

Kohärente Entwicklungszusammenarbeit durch Partizipation: Koordinierung, Harmonisierung, Qualifizierung der NRO-Aktivitäten

III.

Politische Dimensionen der Partizipation: Zivilgesellschaftliche Beteiligung als Voraussetzung für parlamentarische Demokratie?

Die Ergebnisse werden in einen „Dialog mit Kirche und Politik in Europa“ in zwei Foren des Freitags eingebracht.

Die Gäste aus Afrika kommen u.a. aus Südafrika, Sierra Leone, Nigeria, Benin, Tanzania und Burkina Faso.

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax hat zum 4./5. Oktober zu einem Internationalen Workshop mit Partnern aus Afrika nach Bensberg bei Köln eingeladen. Diese Kommission der Katholischen Kirche in Deutschland ist von Bischöfen und Laien paritätisch besetzt. pax christi wird dort von Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß vertreten, der auch an der Bensberger Tagung teilnimmt, die unter dem Titel steht: „Neue Chancen für partizipative Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit“.

Deutsche Kommission Justitia et Pax lädt afrikanische Partner ein

Es geht um die Förderung und Beteiligung der Zivilgesellschaft an entwicklungspolitischen Entscheidungen und Prozessen als Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg. Gerade bei den langjährigen Bemühungen katholischer Entwicklungs- und Friedensarbeit „sind aber auch die vielfältigen Hindernisse und Vorbehalte gegen eine stärkere partizipative Herausforderung der Armen selbst wie auch der institutionellen Akteure immer wieder deutlich geworden“ – so beschreibt di Einladung das Kernproblem. In drei Schwerpunkten soll diese Perspektive vorangetrieben werden:

I.

Voraussetzungen für Partizipation: Konfliktbewältigung und Versöhnungsprozesse. (Hier beteiligt sich pax christi.)

II.

Kohärente Entwicklungszusammenarbeit durch Partizipation: Koordinierung, Harmonisierung, Qualifizierung der NRO-Aktivitäten

III.

Politische Dimensionen der Partizipation: Zivilgesellschaftliche Beteiligung als Voraussetzung für parlamentarische Demokratie?

Die Ergebnisse werden in einen „Dialog mit Kirche und Politik in Europa“ in zwei Foren des Freitags eingebracht.

Die Gäste aus Afrika kommen u.a. aus Südafrika, Sierra Leone, Nigeria, Benin, Tanzania und Burkina Faso.

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax hat zum 4./5. Oktober zu einem Internationalen Workshop mit Partnern aus Afrika nach Bensberg bei Köln eingeladen. Diese Kommission der Katholischen Kirche in Deutschland ist von Bischöfen und Laien paritätisch besetzt. pax christi wird dort von Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß vertreten, der auch an der Bensberger Tagung teilnimmt, die unter dem Titel steht: „Neue Chancen für partizipative Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit“.

Deutsche Kommission Justitia et Pax lädt afrikanische Partner ein

Es geht um die Förderung und Beteiligung der Zivilgesellschaft an entwicklungspolitischen Entscheidungen und Prozessen als Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg. Gerade bei den langjährigen Bemühungen katholischer Entwicklungs- und Friedensarbeit „sind aber auch die vielfältigen Hindernisse und Vorbehalte gegen eine stärkere partizipative Herausforderung der Armen selbst wie auch der institutionellen Akteure immer wieder deutlich geworden“ – so beschreibt di Einladung das Kernproblem. In drei Schwerpunkten soll diese Perspektive vorangetrieben werden:

I.

Voraussetzungen für Partizipation: Konfliktbewältigung und Versöhnungsprozesse. (Hier beteiligt sich pax christi.)

II.

Kohärente Entwicklungszusammenarbeit durch Partizipation: Koordinierung, Harmonisierung, Qualifizierung der NRO-Aktivitäten

III.

Politische Dimensionen der Partizipation: Zivilgesellschaftliche Beteiligung als Voraussetzung für parlamentarische Demokratie?

Die Ergebnisse werden in einen „Dialog mit Kirche und Politik in Europa“ in zwei Foren des Freitags eingebracht.

Die Gäste aus Afrika kommen u.a. aus Südafrika, Sierra Leone, Nigeria, Benin, Tanzania und Burkina Faso.

Der Koordinierungskreis für den Ökumenischen Friedensdienst in Palästina und Israel (ÖFPI), in dem pax christi Mitglied ist, veranstaltet gemeinsam mit der Katholischen Akademie August-Pieper-Haus, Aachen, eine Nahosttagung. Eingeladen dazu sind alle, die an Friedensbemühungen im Nahen Osten interessiert sind.

Nahosttagung vom 2. bis 4. November in Aachen

ÖFPI setzt sich seit fünf Jahren für einen gewaltfreien Weg ein, die scheinbar heillos-unfriedliche Situation zwischen Israel und Palästina zu entschärfen. Unter den Augen Freiwilliger aus aller Welt sind Übergriffe und Gewalttätigkeiten weniger leicht möglich. Von dieser Arbeit muss auch in Deutschland immer wieder berichtet werden, um zu beraten, wie sie weiter erfolgreich fortgesetzt werden kann.

Referieren werden:
Roni Hammermann, Mitbegründerin von Machsom Watch
Wael Salameh und Yael Kenny für die israelisch/palästinensische Gruppe Combatants for Peace
Fuad Giacaman, Direktor des Arab Educational Institute, Bethlehem
Dr. Maria Haarmann, Nahost-Referentin bei Misereor, Aachen
Sieglinde Weinbrenner, Programmreferentin Nahost beim Evangelischen Entwicklungsdienst, Bonn

Für den Koordinationskreis ÖFPI:
Christiane Gerstetter, Dr. Beate Gilles, Karin Laier, Andreas Riedel, Maren von der Heyde
und:
Dr. Karl Allgaier, Akademiedirektor

Das genaue Programm entnehmen Sie bitte der angehängte Datei!

Anmeldung bei der Katholischen Akademie unter der Tagungsnummer: A 13774
Tel. 0241/4799622: Frau Köchig; Fax: 0241/4799620; Email: gisela.koechig@bistumaachen.

Die Tagungsgebühr beträgt:
- mit Übernachtung im Einzelzimmer/Verpflegung 118 €/erm. 91 €
- ohne Übernachtung/mit Verpflegung 60 €/erm. 40 €

Ermäßigung gilt für Schüler/Studierende (in Berufsvorbereitung), Auszubildende und Arbeitslose.

Die Generalversammlung der UN beschloss Mitte Juni 2007, künftig den 2. Oktober als "Internationalen Tag der Gewaltfreiheit" zu begehen. pax christi begrüßt diese Entscheidung. Auf einer internationalen Konferenz in Neu Delhi im Januar 2007 mit dem Titel: “Peace, Non-Violence and Empowerment – Gandhian Philosophy in the 21st Century” war die Idee entstanden, eine Resolution einzubringen, um Mahatma Gandhis Geburtstagsjubiläum zum Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit zu erklären. Mohandas Karamchand Gandhi wurde am 2. Oktober 1869 in Indien geboren.

Gandhis Geburtstag ist "International Day of Non-Violence"

In der Presserklärung der Vereinten Nationen vom 15.Juni 2007 heißt es:

UN declares 2 October, Gandhi’s birthday, as International Day of Non-Violence.

"The United Nations General Assembly today decided to observe the International Day of Non-Violence each year on 2 October – the birth anniversary of Mahatma Gandhi, who helped lead India to independence and inspired movements for civil rights and freedom across the world.

Introducing the resolution adopted by the 192-member body, Anand Sharma, India’s Minister of State for External Relations, said the idea originated at an international conference on “Peace, Non-Violence and Empowerment – Gandhian Philosophy in the 21st Century” convened in New Delhi in January this year.

The late leader’s “novel mode of mass mobilization and non-violent action” brought down colonialism, strengthened the roots of popular sovereignty, of civil, political and economic rights, and greatly influenced many a freedom struggle and inspired leaders like Nelson Mandela and Martin Luther King Jr., Mr. Sharma stated.

The Assembly, “desiring to secure a culture of peace, tolerance, understanding and non-violence,” invited States, UN bodies, regional and non-governmental organizations (NGOs) and individuals to commemorate the Day, including through education and public awareness.”

Nachdem gestern die Befreiung des entführten deutschen Ingenieurs Rudolf Blechschmidt in Afghanistan gescheitert ist und die vermittelnden Rot-Kreuz-Mitglieder selbst entführt wurden, bitten pax christi Deutschland, CARE Deutschland und die Journalisten-Aktion Weißes Friedensband, die bangende Familie moralisch zu unterstützen und die weiteren Entführten in Ihr Gedenken einzubeziehen.

Aufruf von pax christi, CARE und der Journalisten-Aktion Weißes Friedensband zur moralischen Unterstützung der Familie des Entführten

Die pax christi-Bistumsstelle München (Landwehrstr. 44, 80336 München) hat sich bereit erklärt, Briefe an die Familie weiterzuleiten. E-Mails schreiben Sie bitte an: solidaritaet@friedensband.de

In der heutigen gemeinsamen Presseerklärung heißt es :

Der Münchener Bauingenieur Rudolf Blechschmidt wurde zusammen mit einem deutschen und vier afghanischen Kollegen am Mittwoch, 18. Juli 2007 in Afghanistan entführt. Sein deutscher Kollege wurde von den Entführern erschossen. Nach wie vor bemüht sich die Bundesregierung um die Freilassung der Entführten.

Für die Familie von Rudolf Blechschmidt, vor allem für seine beiden Söhne, ist dies eine schwere Zeit. Immer auf ein Lebenszeichen wartend, auf eine positive Nachricht hoffend, verbringt sie nun schon mehr als zehn Wochen in einer sehr bedrückenden Lage.

Die Hilfsorganisation CARE International Deutschland, die deutsche Sektion der Internationalen Katholischen Friedensbewegung pax christi und Aktion Weißes Friedensband bitten die deutsche Bevölkerung um Unterstützung.

Wir rufen alle Menschen auf, als Zeichen der Solidarität ein grünes Band zu tragen. Schreiben Sie Solidaritätsbriefe an die Familie Blechschmidt! Versammeln Sie sich jeden Mittwoch um 18 Uhr für 10 Gedenkminuten vor dem Rathaus Ihrer Stadt!

Wir bitten die Kirchengemeinden, Rudolf Blechschmidt und seine Familie in ihre Fürbitten einzuschließen. Worte der Nächstenliebe werden den Angehörigen Kraft geben. Kommen Sie jeden Mittwoch um 18 Uhr vor der Kirche zum Friedensgebet zusammen!

Wir bitten die Schulen, sich mit ihren Schülerinnen und Schülern an der Solidaritätsaktion zu beteiligen. Jeden Mittwoch um 12 Uhr stellen die Jugendlichen Kerzen in die Fenster ihrer Schule – bis Rudolf Blechschmidt frei ist.

Rudolf Blechschmidt ist nach Afghanistan gekommen, um den Menschen dort zu helfen. Gemeinsam mit seinen Kollegen arbeitete er an einem Dammbauprojekt. Während der Arbeiten wurden sie von bewaffneten Afghanen überfallen und in das Gebirge verschleppt. Seit vielen Wochen ist Rudolf Blechschmidt Tag für Tag seelischen und körperlichen Qualen ausgesetzt - auf über 3.200 m Höhe, unter extremen klimatischen Bedingungen. Er leidet an Bluthochdruck und Herzschwäche und ist auf Medikamente angewiesen. Seine Angehörigen machen sich große Sorgen um ihn.

Die Familie Blechschmidt braucht jetzt unsere Solidarität!


„Dieses Treffen war ein Versuch, Brücken zum Iran zu bauen, trotz der allgemeinen Feindseligkeit, mit der Präsident Ahmadinedschad hier in New York City empfangen wurde. Wir sind fest davon überzeugt, dass es nur durch formelle und informelle Diplomatie und im Respekt vor dem Völkerrecht gelingen wird, Frieden zwischen Iran und den USA zu schaffen.“ Dies sagte nach der Begegnung Joseph Fahey, Professor für Religionsstudien am Manhattan College und Mitglied der katholischen Delegation.

Hoffnung auf friedliche Lösung des USA-Iran-Konflikts gestiegen

Das Treffen wurde organisiert von Dave Robinson, Koordinator von Pax Christi USA. Es war das dritte Treffen, das er mit dem iranischen Präsidenten hatte; zweimal war er in den letzten Jahren zusammen mit dem Internationalen Versöhnungsbund auf Friedensmission im Iran gewesen. Er wird beim Kongress zum 60. Geburtsag der deutschen Sektion am Wochenende vom 4.-6.4.2008 in Berlin ebenfalls zum Thema „Dialog statt Krieg gegen den Terror“ Stellung beziehen.

Der iranische Präsident hatte vor der UN-Vollversammlung erklärt, die Frage der Entwicklung einer Atombombe sei für den Iran als erledigt anzusehen; er habe aber das Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie und ordne sich der Kontrolle der IAEO unter. Dies hatte die US-Regierung umgehend zurückgewiesen.

Es folgen der Bericht von Pax Christi USA vom 26.9.2007 im Wortlaut und die Kontaktadressen:


U.S. Catholic leaders join dialogue with President of Iran at the UN

Meeting with President Ahmadinejad is third in a series focused on improving East-West relations

New York City—Even as the war drums beat louder and the rhetoric remains heated, U.S. Catholic leaders joined an interfaith effort to defuse tensions between Iran and the United States. The dialogue between North American religious leaders and Iranian President Mahmoud Ahmadinejad took place at the United Nations this morning and was focused on improving East-West relations through informal diplomacy.

President Ahmadinejad, visiting New York to attend the United Nations 62nd General Assembly session, sat down with a delegation of U.S. religious leaders for the third time in the past year. The first meeting happened last year, also at the UN, followed by a February 2007 visit to Iran by U.S. religious leaders at the invitation of the Iranian president, who received them at the Presidential Palace, the first U.S. citizens to be welcomed there in over 25 years.

These dialogues have included frank discussions on the Holocaust, nuclear weapons, the role of religion in peacemaking, Iraq, the Israeli-Palestinian conflict and the use of hostile rhetoric.

“We are deeply concerned about the prospect of war with Iran, but I left today’s meeting hopeful because of the statements made by President Ahmadinejad regarding the renunciation of war and the quest for peace,” stated Joseph Fahey, professor of religious studies at Manhattan College and a member of the Catholic delegation. “This meeting was an attempt to build bridges with Iran despite the generally hostile reception President Ahmadinejad received here in New York City. We strongly believe that only through formal and informal diplomacy and respect for international law can there be peace between Iran and the U.S.”

The Catholic delegation was organized by Pax Christi USA, the national Catholic peace movement, and included theologians, clergy and religious, and leaders of national Catholic organizations. The meeting, hosted by the Mennonite Central Committee, took place amidst heightened security at the Church Center at the UN and was billed as a “time of dialogue and prayerful reflection among the children of Abraham.”

“Our message today, both in our words and by our actions, is that our country and our political leaders need to engage Iran in respectful and meaningful dialogue in order to overcome the historical enmity that has existed between our two nations,” said Dave Robinson, Pax Christi USA Executive Director. “We need our leaders to put aside the threats of war and to engage now—to have what President Ahmadinejad asked for today: sincere and fair negotiations.”

Jean Stokan, Pax Christi USA Policy Director, stated that now is the time for U.S. citizens to start encouraging their elected officials to push for a policy of negotiation with Iran.

“It is our responsibility—the responsibility of people of faith in the U.S.—to work now to assure that the Bush Administration chooses a diplomatic path, not a military one, in dealing with our differences with Iran. The alternative is simply unacceptable.”

For more information, contact:

Dave Robinson, Pax Christi USA Executive Director: (814) 450-2297

Johnny Zokovitch, Pax Christi USA Communications Director: (352) 219-8419 or johnnypcusa@yahoo.com


Johnny Zokovitch Communications Director Pax Christi USA, the national Catholic peace movement johnnypcusa@yahoo.com (352) 219-8419

Der scheidende Präsident von Pax Christi International, der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, ist zu unterstützen, der am letzten Sonntag in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur gefordert hat, die Hamas an den geplanten Nahost-Friedensgesprächen zu beteiligen. Diese werden von und in den USA für den Herbst vorbereitet.

Erklärung von pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß

Ich teile ausdrücklich die mahnenden Worte des Patriarchen, der es für klüger hält, „eine schnelle Wiederzusammenführung der beiden palästinensischen Gebiete anzustreben, um eine dauerhafte Spaltung und neue Unruheherde zu verhindern“. Denn er glaubt nicht, dass eine „solide Lösung nur für die Westbank, losgelöst vom Gazastreifen“ zu finden ist.

Vor wenigen Tagen hat die israelische Regierung den von ihr trotz des militärischen Abzugs gänzlich kontrollierten Gazastreifen als „Feindesland“ erklärt, kurz nachdem die Hamas einen Waffenstillstand angeboten hatte. Zugleich werden die Gespräche Israels mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vorangetrieben, was sehr zu begrüßen ist. Aber auch er selbst scheint sich sicher zu sein, dass deren positive Ergebnisse die Hamas marginalisieren werden. Er sagte im Interview mit der Berliner „tageszeitung“ am 21.9.07: „Jeder Kontakt mit Hamas ist tödlich.“ Woher kommt diese Unversöhnlichkeit, wo doch eine Einbeziehung der Hamas auch die Chance für einen Gefangenenaustausch erhöhen könnte und der israelische Soldat Gilad Shalit eine Chance auf Heimkehr erhielte.

Es zeigt sich hier wie in vielen anderen Ländern, dass im Rahmen des unseligen „Kriegs gegen den Terror“ weniger an der Beseitigung der sozialökonomischen, politischen und kulturellen Ursachen desselben gearbeitet wird, sondern durch die Ausgrenzung und Vernichtungsversuche von Radikalen letztlich nur noch mehr Unruhe und Widerstand gefördert wird – sei es in Nahost, in Afghanistan oder gegenüber den Kurden in der Türkei.

Schritte des Dialogangebotes des neuen türkischen Präsidenten Gül gegenüber den Kurden, der US-Außenministerin Rice gegenüber Syrien, des afghanischen Präsidenten Karsai gegenüber gemäßigten Taliban und die Abwendung Nordkoreas von der Atombombe nach zähen Verhandlungen sollten der Anfang einer neuen Strategie sein.

Bad Vilbel, den 26.9.2007

Das Buch von Yehudit Kirstein Keshet „Checkpoint Watch. Zeugnisse israelischer Frauen aus dem besetzten Palästina“ kombiniert Augenzeugenberichte mit der Analyse einer absurden Bürokratie, die den Palästinensern unter der Militärbesatzung ein menschenwürdiges Leben unmöglich macht.

Yehudit Kirstein Keshet ist am 10.-11. Oktober auch auf der Frankfurter Buchmesse.

Das Buch berichtete im Wesentlichen über den Zeitraum von 1001 bis 2005 und ist gerade auf Deutsch erschienen. Es enthält ein aktuelles Nachwort der Autorin vom Mai 2007 auf den Seiten 215-226.

Checkpoint Watch ist eine Organisation israelischer Frauen, die die Vorgänge an den Kontrollposten innerhalb der Palästinensergebiete und nach Israel beobachtet, in kritischen Fällen vermittelt und Rechtsverletzungen publik macht. Checkpoint Watch ist praktizierte Zivilcourage und Anwendung universeller Menschenrechte.

Die Autorin (Jg. 1943) ist zusammen mit ihrer Übersetzerin Ulrike Vestring im Oktober auf Lesereise in Deutschland. Bisher stehen folgende Daten fest: 1.10. Hamburg, 7.10 Bonn, 8.10. Worms. 9.10. München, 10.und 11.10. bei der Frankfurter Buchmesse, 15.10. Kastellaun, 16.10. Frankfurt/M., 17.10. Mainz und 6.1.2008 Köln.

Nähere Auskünfte gibt Ulrike Vestring, Tel. 0228 – 31 22 22 Email: ulrike@vestring.net

Bei der pax christi-Konsultation über „Rohstoffkriege als Bekenntnisfrage?“ warnten beide Referenten vor der Tendenz, nationale und kollektive Sicherheitsinteressen weltweit mit militärischen Mitteln „verteidigen“ zu wollen, wie es in den Militärdoktrinen der letzten Jahre aus den USA, der NATO und der EU sowie in Ansätzen auch im deutschen Weißbuch nachzulesen ist. Andreas Zumach betonte im Hinblick auf den Mittleren Osten (s. Bild), dass wir schon mitten im Zeitalter der Rohstoffkriege seien. Peter Bürger plädierte für einen engagierten christlichen Einspruch gegen alle Kriegsplanungen und „Militärdoktrinen im Dienste nationaler Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen“.

pax christi-Konsultation am Wochenende in Stuttgart

Das Präsidium von pax christi hatte die Tendenz des neuen deutschen Weißbuches, Rohstoffinteressen und eigenen Wohlstand notfalls mit militärischen Mitteln zu verteidigen, scharf abgelehnt und in seiner Erklärung vom 6.12.2006 betont, es werte dies „als Bruch des Grundgesetzes und als Aufkündigung des Konsenses, dass zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen (…) keine militärische Gewalt angewendet werden darf“.

Die Deutsche Sektion von pax christi und die Bistumsstelle Rottenburg-Stuttgart veranstalteten nun dazu das Wochenende in Stuttgart zusammen mit dem dortigen Katholischen Bildungswerk. Die „Ökumenische Erklärung … zu Militärdoktrinen im Dienste nationaler Wirtschaftsinteressen“ ist bisher von 800 Personen und Gruppen unterzeichnet worden. Über diese Homepage von pax christi gibt es einen direkten Zugang dazu.

Die Vorträge beider Referenten basierten auf den Analysen ihrer Bücher von 2005, die nicht an Aktualität verloren haben – im Gegenteil.

Andreas Zumach, Die kommenden Kriege. Ressourcen, Menschenrechte, Machtgewinn – Präventivkrieg als Dauerzustand? , KiWi-Paperback Nr. 912, Köln 2005. - Zumach betonte, die neuen Militärdoktrinen von NATO und EU seien in diesen Fragen noch sehr viel eindeutiger als das deutsche Weißbuch von 2006. Es gelte, politisch sehr wachsam zu sein, aber auch durch einen nachhaltigen Lebensstil die Rohstoffabhängigkeit entscheidend zu verringern.

Peter Bürger, Hiroshima, der Krieg und die Christen, fiftyfifty, Düsseldorf 2005. – Bürger sieht in dieser neuen Militärpolitik des Westens eine Herausforderung an den christlichen Glauben und an das Zeugnis der Christen und versteht unter „Bekenntnisfrage“ nicht eine dogmatische, sondern eine aus dem tiefen Glauben kommende öffentliche politische Absage an solche Tendenzen. Seine ausführliche Vortragsskizze wurde uns als Hintergrundinformation für diese Meldung zur Verfügung gestellt.

Am 7. September 2001 - kurz vor den Terroranschlägen in den USA - erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen, "dass der Internationale Friedenstag von nun an als ein Tag begangen werden soll, an dem weltweit Waffenruhe und Gewaltlosigkeit herrschen und für dessen Dauer alle Nationan und Völker aufgerufen sind, die Feindseligkeiten einzustellen". Weltweit wird seitdem dieser Friedenstag gefeiert. 3.500 Aktionen und Veranstaltungen waren es im letzten Jahr rund um den Globus.

Für Christen ein "International Day of Prayer for Peace"

Ein breites Bündnis von Nichtregierungs-Organisationen, darunter Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, ForumZFD, EED, Misereor und Brot für die Welt, AGDF und Netzwerk Friedenskooperative, lädt am 21.9.2007 um 10 Uhr zu einer öffentlichen Veranstaltung im Städtischen Kunstmuseum Bonn ein - unter dem Thema: "Frieden stiften, weltweit!" Nachmittags gibt es eine interaktive Ausstellung "Heiße Frieden".

Pax Christi International ruft zusammen mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) zu einem Weltgebetstag unter dem Leitwort "Mache mich zu einem Werkzeug Deines Friedens" auf.

Der Aufruf lautet:

CHRISTIANS AROUND THE WORLD TO PRAY FOR PEACE ON 21 SEPTEMBER

This coming 21 September Christians from Congo to the US, and from Colombia to Switzerland to South Korea will join in prayers during the International Day of Prayer for Peace.

On that day, women at the Socopao Limete Presbyterian Church in the Democratic Republic of Congo - a country where a five-year war has claimed an estimated three million lives - will meet for fasting and prayer. They will not be alone. The congregation of the First Christian Church in Shelbyville, Indiana, US, will, too, pray for peace on that day.

In Colombia, the Ecumenical Network and the Evangelical Council of Colombia are planning to participate in the initiative. So do a small ecumenical prayer community of sisters in Switzerland and congregations belonging to the peace fellowship of the Presbyterian Church of the Republic of Korea.

These are but a few examples of how Christian communities worldwide are responding to the WCC's invitation to celebrate an International Day of Prayer for Peace on 21 September or the Sunday preceding or following it.

For 2007, the WCC office for the Decade to Overcome Violence (DOV) has made available prayer and liturgical resources developed in the context of this year's DOV focus on Europe and its theme "Make me an instrument of your peace".

The initiative was first proposed at a 2004 meeting between WCC general secretary Rev. Dr Samuel Kobia and the then UN secretary general Kofi Annan. The WCC's invitation to pray for peace on 21 September coincides with the United Nations International Day of Peace.

Resources and more information on the International Day of Prayer for Peace are available on the website of the Decade to Overcome Violence.

Das „Ökumenische Netz Zentralafrika“ (ÖNZ), bei dem pax christi Mitglied ist, wird am 20.9.2007 das 13. Donnerstagsgespräch der „Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung“ (GKKE), in Berlin mitgestalten. Es geht um die Frage, wie in Ruanda und Uganda das Konzept der „Transitional Justice“ umgesetzt werden kann, mit dem Friedens- und Versöhnungsprozesse nach Kriegs- und Völkermord-Erfahrungen ermöglicht und begleitet werden sollen. Es sind sind u.a. Vertreter der Caritas Ugandas und der Epsicopal Church Ruandas anwesend. Die GKKE ist wohl am meisten bekannt durch den jährlichen kritischen Rüstungsexportbericht im Dezember.

Ökumenisches Netz Zentralafrika beim „Donnerstagsgespräch“ am 20.9. in Berlin

In der Einladung heißt es:

"Die Menschen in Ruanda und Uganda haben in der Vergangenheit Gewaltherrschaft udn Krieg bis hin zum Völkermord erfahren. Das erlebte Leid bleibt für die Opfer in der Gegenwart sowohl materiell als auch psychisch präsent. (...) Für die Vielzahl von Maßnahmen und Handlungsansätzen, die zur Herstellung von Gerechtigkeit und Rechtssicherheit, zur Wahrheitsfindung und zur sozialen Neuordnung beitragen sollen, ist das Konzept der "Transitional Justice" geprägt worden.

Der Paderborner römisch-katholische Delegierte H.G.Hunstig berichtet: „Das Licht Christi und die Welt“, lautete das Motto des Freitags. Beim Morgengebet rahmte der Kanon „Leuchte du mein Friedenslicht. Leuchte und verlösche nicht. Gib mir eine gute Sicht und dem Frieden ein Gesicht!“ den Blick auf die vier Himmelrichtungen ein: Die Versammlung drehte sich und blickte nacheinander zu vorgelesenen Texten nach Süd, West, Ost und Nord. Jeder verstand: Es gilt im Sinne der Tageslesung „Licht sein aus Christus“ (Eph 5, 8-14) gemeinsam die Blickrichtung zu ändern und zu handeln!

Tagebuch-Impressionen von der dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu/Hermannstadt

Tagebuch von Hans Georg Hunstig, Paderborn

Das Licht Christi und Europa

Tagebuch-Impressionen von der dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu/Hermannstadt

Dienstag

Treffpunkt Halle C-West im Terminal 1 des Münchener Flughafens: Nach und nach trudeln die Frauen und Männer ein, die die deutsche Kirche aller Bekenntnisse in Sibiu vertreten sollen. Sie kamen zur Ökumenischen Andacht vor dem Abflug zusammen und erhielten den Reisesegen von der methodistischen Bischöfin Rosemarie Wenner und dem katholischen Flughafenpfarrer Leo Mosses. Dann startete die Boeing 737 mit 136 der 200 deutschen Delegierten in Richtung Sibiu. Wir kamen noch rechtzeitig zum Willkommensfest am Abend auf dem Piata Mare mitten in der Altstadt. Der deutschstämmige Bürgermeister Klaus Johannis schrieb mir dabei eigens einen Gruß für „Christ in der Gegenwart“ in mein Tagebuch.

Mittwoch

Die 2500 Delegierten zogen in das riesig blaue Hauptzelt, das für Veranstaltungen im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas 2007 errichtet und für fünf Tage Mittelpunkt der Beratungen war. Nach dem Eröffnungsgebet gab uns der rumänische Präsident Bacescu die Ehre und begrüßte uns in diesem neuesten EU-Mitgliedsland. „Möge Gott uns segnen, unsere Völker segnen und Europa segnen“ war sein Schlussappell. Eine Präsentation erinnerte an den Weg des konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung von Basel 1989 bis hierher. An zwei Stellen brandete der Beifall auf: als Frère Roger Schütz, der erste Prior von Taizé, als Teilnehmer der Ökumenischen Versammlung in Graz (1997) auf dem Bildschirm erschien und als Bilder von der Unterzeichnung der Charta Oecumenica 2001 in Straßburg gezeigt wurden. Die Versammlung hat offenbar ein Gespür dafür, wer und was für die Einheit der Kirche besondere Bedeutung hat.

Es war Zuhören angesagt – wie so oft in den nächsten Tagen. Metropoliten, Patriarchen, Kardinäle, Erz/Bischöfe und Generalsekretäre hatten uns Vieles zu sagen. Weniger wäre sicherlich mehr gewesen! Aber mittels der Kopfhörer und der vielen Dolmetscher war zumindest die textliche Verständigung sehr gut. Inhaltlich wurde es oft schon schwieriger.

Kardinal Walter Kasper, katholischer „Ökumeneminister“ betonte, dass wir durch unsere Spaltungen, die Ausdruck von Sünde seien, das Licht Christi verdunkelt hätten. Er rief auf, die Hände, die wir einander gereicht hätten, „nicht wieder los zu lassen“ und den kommenden „Dialog in der Wahrheit und in der Klarheit“ zu führen. Demgegenüber plädierte Bischof Wolfgang Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, dafür, die unterschiedlichen Wege der Kirchen zu dem einen Licht Christi anzuerkennen. Zugleich rief er dazu auf, sich den Schatz christlicher Spiritualität neu bewusst zu machen und unsere Gemeinschaft in Spiritualität und Gottesdienst weiterzuentwickeln. Der russisch-orthodoxe Metropolit Kyrill wünschte sich dagegen einen gemeinsamen Kampf der Christenheit gegen „die Moderne“. Schade, dass die vormittäglichen Reden im luftleeren Raum blieben. Inwieweit sie in den nachmittäglichen Foren zu Einheit, Spiritualität und Zeugnis noch aufgegriffen wurden, bleibt unbekannt.

Donnerstag

Besondere Qualität hatte täglich das einstündige Morgengebet mit Bibelmeditation vor Beginn des Plenums. Heute stand dabei die Verklärung auf dem Berg Tabor (LK 9,28-36) im Mittelpunkt. Bewegend war hier etwa der 19 jährige Timi Dorgu von der anglikanischen Kirche, der in einem Glaubenszeugnis erzählte, wie er als Student und leidenschaftlicher Sportler die Veränderung durch Jesus erfahren hat und diese anderen Menschen auch weitergibt. Umrahmt wurde das Morgengebet von internationalen, aber leicht singbaren Liedern aus dem eigens erstellten Liederbuch und durch verschiedene kleine Gestaltungselemente. An diesem Morgen etwa entwickelten sich auf der großen Leinwand von Sibiu aus die Strahlen in alle Länder Europas – eine große Verklärung. Und während am Mittwoch noch alle das Vaterunser in ihrer Muttersprache laut beteten, wurde heute das Vaterunser in aramäisch, in der Sprache Jesu, vorgetragen. Wir anderen beten es leise, in unserer Muttersprache. Vielleicht ist es gut, Jesus im Originalton zu Wort kommen zu lassen und sich selbst einmal zurückzunehmen! Es folgte das bei uns gern gesungene Lied „Lobe den Herrn“ mit weiteren Strophen in Englisch, Französisch und Italienisch, gesungen aus 2000 Kehlen der verschiedensten Konfessionen und das Kyrieeleison in der Melodie, die wir aus Rußland kennen, jetzt mit Russen gesungen. Alle spürten die Ermunterung im gemeinsamen Singen fern der theologischen Diskussion.

Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission hielt den Hauptvortrag zur versöhnten Vielfalt in einem vereinten Europa. Das große Versammlungszelt erinnerte ihn an den Geist der Versammlung. Das Zelt sei das Symbol für die sprichwörtliche Gastfreundschaft, die den drei Reisenden von Abraham gewährt sei, dessen Kinder Juden, Christen und Muslime sind. So sei auch er aus der europäischen politischen Arbeit kommend Gast auf dieser Reise. Er lobte die Charta Oecumenica für die Entwicklung Europas und entwickelte auf der Basis des Erbes von „Athen, Rom und Jerusalem“, als „Triade von Verstand, Gesetz und Moral“, Perspektiven für die Zukunftsfähigkeit Europas und den Beitrag der Christen dazu. Zeichen setzten zwei Grußworte: Rabbi Kogan aus Russland erinnerte daran, dass Christen und Juden vor 2000 Jahren Hand in Hand nach Europa gekommen seien, und sang abschließend ein jüdisches Gebet. Der Mufti von Rumänien verwies auf die lange Tradition des Dialoges der drei monotheistischen Religionen und drückte den Wunsch aus: „Möge Allah die Versammlung segnen!“

Freitag

„Das Licht Christi und die Welt“, lautete das Motto des Tages. Beim Morgengebet rahmte der Kanon „Leuchte du mein Friedenslicht. Leuchte und verlösche nicht. Gib mir eine gute Sicht und dem Frieden ein Gesicht!“ den Blick auf die vier Himmelrichtungen ein: Die Versammlung drehte sich und blickte nacheinander zu vorgelesenen Texten nach Süd, West, Ost und Nord. Jeder verstand: Es gilt im Sinne der Tageslesung „Licht sein aus Christus“ (Eph 5, 8-14) gemeinsam die Blickrichtung zu ändern und zu handeln!

Und tatsächlich brachte dieser Tag eine Wende in der Versammlung. Andrea Riccardi, Gemeinschaft St.Egidio, ermunterte rhetorisch gekonnt zu einem konkreten Einsatz in der Welt, Erfahrungsberichte folgten, bevor der erste Entwurf der Versammlungsbotschaft vorgelegt wurde. Da platzte der Knoten, die Spannung entlud sich, eine „Ökumene der Ungeduld“ machte sich breit: Viele Teilnehmer vermissten konkrete Vereinbarungen, empfanden Rückschritte zu den ökumenischen Versammlungen von Basel und Graz. Eine allgemeine Unruhe breitete sich aus und Kritik wird vorgebracht. Zum ersten Mal: Konkreter Dialog. Wer sich unverzüglich beim Saalmikrofon anstellte, hatte Gelegenheit, seine Verbesserungsvorschläge laut einzubringen. Das Plenum äußerte sich mit mehr oder weniger langem Applaus. Andere nutzten dazu die Zettel, die einem Redaktionsausschuss vorgelegt wurden. Auch der Nachmittag brachte in den Foren zu „Schöpfung“, „Gerechtigkeit“ und „Frieden“ die Dinge auf den Punkt. Das Verlangen der Teilnehmer, auf den Klimawandel aktiv zu reagieren, entwickelte sich an diesem Tag zu einem Schwerpunkt.

Wer am Abend den Weg in die Orthodoxe Kathedrale fand, erlebte in der Orthodoxen Vesper am Vorabend des Festes Maria Geburt eine „Ökumene der Gastfreundschaft“. Sie war für die meisten Teilnehmer, die einer anderen Konfession angehörten, eine echte Horizonterweiterung. Die Texte waren mehrsprachig auch auf die Gäste abgestimmt. Eine Protestantin durfte eine Lesung vortragen, die wiederholenden einfachen Gesänge luden zum Mitsingen ein. Es gab viel zu sehen, zu riechen und zu fühlen in dieser Liturgie, die einen Blick auf das himmlische Jerusalem eröffnet, eine Anbetung in dem Sinne, vor Gott da zu sein, eine Öffnung auf was anderes hin, Raum haben, um sich hinein zugeben, Anknüpfungspunkte finden... so formulierten einige hinterher ihre Empfindungen. Auch wer die Texte und insbesondere die Predigt nicht verstehen konnte, fand genug zu sehen: Wie eine Bilderbibel war der ganze Rundbau vom Boden bis in die Kuppel voller Darstellungen mit biblischen Motiven. Und dann der gedeckte Altar des Brotes: Brot wurde gesegnet und nach der Vesper ausgeteilt. Dazu wurden die Empfangenden - wie ein König, wie bei der Taufe- mit heiligem Öl auf die Stirn und beide Hände gesalbt. Diese Form der Agape, der „Speisung der Armen“ mit dem gesegneten Brot war eine bewegende Erfahrung.

Samstag

Ebenso feierlich war der orthodoxe Gottesdienst früh im großen Zelt. Hier konnte man jedoch schmerzlich die Grenzen der Gastfreundschaft erfahren: „Eingeladen zur Heiligen Kommunion sind nur die orthodoxen Christen!“ Diese Wunde der Christenheit konnte auch die Versammlung in Sibiu nicht heilen. Es ist schmerzhaft und heilsam, einmal aus der Sicht des „Ausgeladenen“ die Verweigerung des Brotes am Tisch des Herrn zu erleben.

Der Rest des Tages galt den schriftlichen Ergebnissen der Versammlung. Der zweite Entwurf der Botschaft war völlig umgestellt und konkretisiert. Dennoch gab es noch viele Änderungsvorschläge. Wenn das ganze Vorgehen auch nicht wirklich einem demokratischen Verfahren entsprach und an echter Partizipation zu wünschen ließ, so konnte doch eine Minimalbeteiligung erreicht werden, bevor am späten Nachmittag die dritte und endgültige Fassung vorlag. Diese wurde mit einem Schlussapplaus der Versammlung akzeptiert. Mehr war wohl nicht drin. Aber immerhin wurde betont, dass die Charta Oecumenica als wichtige Grundlage der Ökumene in Europa noch der Umsetzung bedarf, dass wir Christen uns künftig in Gebet und Tat - besonders zwischen dem ersten September und dem vierten Oktober - für den Schutz der Schöpfung einsetzen wollen, um den Klimawandel aufzuhalten. Außerdem wurde festgehalten, dass die Kirchen in Europa sich in einem konsultativen Prozess mit verschiedenen Feldern der Gerechtigkeit beschäftigen sollen. Es liegt jetzt - wie schon vor Sibiu- an jedem Christen und jeder Christin selbst, was aus den Begegnungen und schriftlichen Ergebnissen dieser Versammlung wird. Ite missa est!

Sonntag

Im Anschluss an die konfessionellen Gottesdienste traf sich die Versammlung zur Abschlussfeier noch einmal auf dem Stadtplatz von Sibiu. Nach den regnerischen Tagen brach die Sonne durch, gerade beim Lied „...dein Licht leuchte uns!“. Und während wir noch singen, beobachte ich unter den vielen Pilgern aus Rumänien zwei armselig bekleidete ältere Frauen. Fürsorglich schiebt die eine die andere im Rollstuhl durch die Menge. Eine Gottesdienstteilnehmerin schenkt ihnen ein Brot, und die beiden begannen sofort, ihren Hunger damit zu stillen. „Gebt Ihr ihnen zu essen“, sagt der Herr (vgl. Mt 14,16). Und unter dem Glockengeläut aller Kirchen von Sibiu verabschiedeten sich die Teilnehmer der Versammlung in alle Länder Europas.

Hans-Georg Hunstig, Paderborn, Mitglied des ZdK (Dieser Beitrag wurde uns vom Autor zur Verfügung gestellt und wird erscheinen in „Christ in der Gegenwart“.)

Die deutsche Sektion von pax christi lädt gemeinsam mit der pax christi-Bistumsstelle Rottenburg/Stuttgart und dem Katholischen Bildungswerk Stuttgart dazu ein, an der Konsultationstagung den Fragen nachzugehen, wie die westliche Welt in Zukunft auf die Verknappung von (Energie-)Rohstoffen reagieren wird: Wird sie mit militärischer Gewalt vorgehen? Dienen nicht schon heute die „Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten“ als Vorwand, den Zugriff auf Rohstoff-Ressourcen in bestimmten Regionen zu sichern? Inwiefern stellt die Sicherung von Rohstoffen durch militärische Einsätze eine Bekenntnisfrage für den christlichen Glauben dar? Als Referenten eingeladen sind u. a. der Journalist und Autor Andreas Zumach und der Publizist Peter Bürger.

pax christi-Konsultationstage am 21./22. September in Stuttgart - Anmeldungen sind noch möglich

Weitere Informationen finden Sie auf dem angehängten Faltblatt sowie unter "Termine"!

Kurzfristige Anmeldungen sind noch möglich!

pax christi ruft im Rahmen der Kooperation für den Frieden zur Teilnahme an der Demonstration am 15.9.207 in Berlin unter dem Titel "Frieden für Afghanistan" auf. Die Demonstration fordert konsequenten zivilen Aufbau des Landes und richtet sich zugleich gegen die Verlängerung der Bundeswehreinsätze. Sie fordert einen grundlegenden Strategiewechsel. Insgesamt wird sie von mehr als 170 Organisationen getragen.

Die deutsche Sektion von pax christi ruft zur Teilnahme am 15.September in Berlin mit auf

Sie beginnt um 12 Uhr an zwei Orten: Alexanderplatz und Platz vor dem Roten Rathaus. RednerInnen sind u.a. Andreas Buro, Peter Grottian, Peter Strutynski, Horst Schmitthenner, Mohssen Massarrat und Kelly Campbell. Auch soll es eine Talkrunde mit Parteivertretern geben.

Der Aufruftext lautet:

"... dann gibt es nur eins: Sag NEIN!" (Wolfgang Borchert, 1947)

Im September und Oktober steht die Fortsetzung der Beteiligung der Bundeswehr an dem NATO-Krieg "Operation Enduring Freedom" und dem UN-mandatierten ISAF-Einsatz auf der Tagesordnung im Bundestag. Erneut steht die Entscheidung Krieg oder Frieden an. Aus diesem Anlass bekräftigen wir unser entschiedenes NEIN zum Krieg.

Die proklamierten Ziele der Militäreinsätze - Terrorismusbekämpfung sowie Demokratisierung und Wiederaufbau - sind nicht erreicht. Im Gegenteil: Die Lage im Land verschlechtert sich zusehends und in Afghanistan selbst, in Deutschland und weltweit wird der Krieg aus guten Gründen mehrheitlich abgelehnt. Mit dem 2001 von der US-Regierung begonnenen völkerrechtswidrigen "Krieg gegen den Terror" sollen die Einfluss-Sphären der USA und ihrer Verbündeten im Nahen - und Mittleren Osten erweitert werden. Eine Politik zur militärischen Absicherung ökonomischer und geostrategischer Interessen lehnen wir ab. Sie kann nicht zum Frieden führen.

Afghanistan ist heute von demokratischen Verhältnissen weit entfernt. In den meisten Regionen herrschen Warlords und Drogenbarone; Gewalt, Terror und Drogenhandel beherrschen den Alltag. Die Bevölkerung, die immer häufiger Zielscheibe der Angriffe ist, lebt in ständiger Angst und unter unwürdigen sozialen Bedingungen. Durch den Tornado-Einsatz wurde die - seit Anbeginn betriebene - deutsche Kriegsbeteiligung ausgeweitet und die Verquickung von OEF und ISAF fortgeführt. Deutschland beteiligt sich damit an der militärischen Eskalation und nimmt den Tod vieler weiterer Menschen, auch deutscher Soldaten, in Kauf.

An Stelle der von wirtschaftlichen Interessen geleiteten militärischen Machtpolitik müssen Abrüstung, zivile Konfliktregulierung und diplomatische Verhandlungen treten. Nur so können die gewaltigen Probleme gelöst werden.

Der zivile Wiederaufbau in Afghanistan sowie eine humane Entwicklung können überhaupt erst gelingen, wenn der Krieg beendet ist. Was Afghanistan braucht, ist Frieden als Voraussetzung für eine souveräne Demokratie. Die Kriegsschäden müssen durch die Krieg führenden Staaten beseitigt, alle Truppen müssen abgezogen und die somit frei werdenden Mittel für humanitäre Arbeit zur Verbesserung der Lebensbedingungen genutzt werden. Seit 2002 wurden in Afghanistan 85 Mrd. Dollar für Militärmaßnahmen, dagegen nur 7,5 Mrd. Dollar für den zivilen Wiederaufbau eingesetzt.

Die Beendigung der Bundeswehreinsätze kann ein erster Schritt zum Frieden sein. Das würde auch die Bush-Administration unter Druck setzen, die US-Truppen ebenfalls zurückzuziehen.

Wir fordern die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, einer Mandatsverlängerung nicht zuzustimmen!

Unterzeichner (u.a.):

Kooperation für den Frieden und ihre Einzelorganisationen Aachener Friedenspreis e.V. Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) Aktionsgemeinschaft Friedenswoche Minden Bund für Soziale Verteidigung (BSV) Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) Frauen in Schwarz Hamburg Internationale JuristInnen gegen ABC-Waffen (IALANA) Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) Friedensinitiative Nottuln NaturwissenschaftlerInnen-Initiative "Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit" Ökumenisches Friedensnetz Düsseldorfer Christinnen und Christen Ökumenisches Zentrum für Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit, Berlin Pax Christi - Deutsche Sektion


Weitere Unterzeichner bitte melden bei:

info (at) koop-frieden (Punkt) de

pax christi ist seit Jahren aktives Mitglied dieser Kampagne. Bis Mitte des Jahres waren über 910.000 Unterschriften gesammelt. Die Zahl steigt stetig, auch während und nach den G8-Aktionen. In den November-Friedenswochen wird weiter gesammelt und am 3.Dezember, dem 10. Jahrestag des Verbotes von Anti-Personenminine (Ottawa-Konvention), sollen eine Million Unterschriften der Budnesregierung übergeben werden. Am 29. November 2007 wird vorher eine große Ausstellung der Kampagne zu Landminen im Bundestag eröffnet.

Aktueller "Schüler-Leitfaden Unterschriftensammlung" gestartet

Nunmehr soll der Endspurt beginnen mit einer besonderen Anstrengung an Schulen (s. "Leitfaden").

Momentan wird im Büro der Kampagne ein Email-Verteiler von Schulen zusammengestellt und demnächst verschickt. Wer solche Verteiler bereits hat, ist gebeten, den Leitfaden über diese zu verschicken oder, wenn möglich, dem Büro der Kampagne für diese Aktion zur Verfügung zu stellen (bitte an praktikum@landmine.de schicken).

Aber die Unterschriften können natürlich auch weiter auf dem bekannten Unterschriften-Blatt gesammelt werden, das sie hier per Click auch finden.

Kontakt:

Aktionsbündnis Landmine.de/ Action Group Landmine.de

Rykestr. 13

10405 Berlin

Tel.: +49 (0) 30 421 36 86

Fax: +49 (0) 30 428 01 688

Mobil: +49 (0) 179 274 12 66

Email: janschulz@landmine.de

Skype: jannschulz


In einem Mittagsinterview mit dem Domradio Köln am 11.9. betonte Dr. Reinhard J Voß, dass der „Krieg gegen den Terror“ eher die Spirale der Gewalt weltweit angeheizt habe statt die Welt zu befrieden. pax christi sei im Hinblick auf Afghanistan wegen der Vermischung der Mandate des Tornadoeinsatzes und der ISAF-Mission und wegen der zunehmenden Verquickung dieser beiden Mandate mit dem Antiterroreinsatz OEF für die Beendigung der Militäreinsätze und unterstütze deshalb auch die Demonstration in Berlin am 15.9. unter dem Titel: „Frieden für Afghanistan – Keine Verlängerung der Bundeswehreinsätze!“.

Generalsekretär Voß bezieht im Domradio Köln Stellung für pax christi

Nur ein dialogisches und zivilgesellschaftliches Konzept könne dem Land den Frieden bringen. Er verwies auf das 60-jährige Jubiläum der Versöhnungs- und Friedensbewegung pax christi im nächsten Jahr. Ihre Zeitansage beim pax christi-Kongress Anfang April 2008 in Berlin wird heißen: „Dialog statt Krieg gegen den Terror“.

Er zitierte die nun von allen Kirchen Europas getragene Abschlussbotschaft von Sibiu (s. Meldungen der Vortage), in der es heißt: „Wir lehnen Krieg als Instrument zur Konfliktlösung ab, fördern gewaltfreie Mittel zur Schlichtung von Konflikten und sind besorgt angesichts der militärischen Wiederaufrüstung. Gewalt und Terrorismus im Namen der Religion widersprechen der Religion.“

Er forderte unter Verweis auf die Voten von SPD-Chef Beck und Kirchentagspräsident Höppner zum Dialog auch mit den „Feinden“ auf, statt sich durch deren weitere Dämonisierung immer mehr in den Sog der Gewalt ziehen zu lassen.


Die Versammlung endete am Samstagabend in einer Atmosphäre der Einigkeit und Zuversicht, wie sie am Vortag noch undenkbar schien. Nachdem die Redaktionsgruppe der Abschlusserklärung einen zweiten völlig überarbeiteten, ja fast neuen Entwurf bis nachts um 1 Uhr 30 ausgearbeitet hatte, standen am Morgen des Samstag um die einhundert Delegierte Schlange, um weitere Vorschläge zur Konkretisierung zu machen. Metropolit Gennadios vom Ökumenischen Patriarchat schaffte das Wunder, fast alle in kurzer Zeit zu Wort kommen zu lassen, und die Redaktionsgruppe legte bis zum Nachmittag eine konzentriert angehörte und dann mit viel Beifall angenommene Botschaft mit 10 konkreten "Empfehlungen" vor. So konnte Gennadios in der Abschlusspressekonferenz den denkwürdigen Satz sagen: "Die Versammlung von Sibiu beginnt morgen."

Die 3. Europäische Ökumenische Versammlung "kriegt noch die Kurve".

Co-Moderator Bischof Paglia aus Italien stellte im Abschlusswort eine weitere Ökumenische Versammlung in Aussicht, "eventuell auf Afrika ausgerichtet, warum nicht?" Diese muss - da sind sich viele hier einig - weit partizipatorischer vorbereitet und durchgeführt werden.

Der Text der Botschaft wird ab Sonntag in mehreren Sprachen auf der Homepage der Versammlung stehen. Daher hier nur ein Auszug aus dem Teil zu "Frieden", der als einer der wenigen Absätze leider keine "Empfehlung" enthält. Viele hatten erwartet, dass die Forderung einer "Europäische Agentur für Zivile Konfliktbearbeitung" dort stehen solle, aber die war nach Aussagen von Insidern nicht konsensfähig.

Im Absatz zu Frieden kamen allerdings noch folgende von den Delegierten eindringlich geforderten konkreten Sätze unter (Zitat aus der vorläufigen offiziellen deutschen Übersetzung):

"Der Friede ist ein großartiges und wertvolles Geschenk. Ganze Länder sehnen sich nach Frieden, ganze Völker warten darauf, von Gewalt und Terror befreit zu werden. Nachdrücklich verpflichten wir uns zu erneuerten Bemühungen auf dieses Ziel zu. Wir lehnen Krieg als Instrument zur Konfliktlösung ab, fordern gewaltfreie Mittel zur Schlichtung von Konflikten und sind besorgt angesichts der militärischen Wiederaufrüstung. Gewalt und Terrorismus im Namen der Religionen widersprechen der Religion."

Die deutsche Delegation reist am Sonntag ökumenisch-gemeinsam per Bus und Flugzeug ab.

Dr. Reinhard J. Voss, Generalsekretaer

Bei der Vorbereitung der EEA3 war entschieden worden, den thematischen Schwerpunkt des Forums Frieden auf Versoehnungsprozesse in Europa zu legen. Besonders eindrucksvoll waren die persoenlichen Zeugnisse von Menschen aus Nordirland und Bosnien-Herzegowina. Es wurde deutlich, dass die Kirchen sowohl Teil des Problems waren als auch Teil der Loesung wurden. Einige wichtige Vertreter haben durch ihre Haltung gegenueber den jeweils "anderen" den Konflikt angeheizt. Fuer den Friedensprozess aber waren die konstruktiven Beitraege von Katholiken und Protestanten unverzichtbar.

Eindruecke von Vizepraesidentin Veronika Huening

Auf die Frage nach den "Versuchungen" in Aussoehnungsprozessen wurde unter anderem genannt: einseitige Schuldzuweisung an den anderen und Mangel an Selbstkritik, fehlende Bereitschaft sich in das Leid des anderen einzufuehlen und der Wunsch, ihm das anzutun, was man selbst erlitten hat. Betont wurde, dass Versoehnung ein innerer Vorgang ist, der nicht erzwungen oder von aussen auferlegt werden kann. Wichtig sei Versoehnung nicht nur nach heissen Konflikten, sondern als kontinuierliches Bemuehen um versoehnliches Miteinander zwischen Verschiedenen. Dazu gehoere, dass jede Gruppe ihr eigenes oeffentliches Gedenken so gestaltet, dass es die anderen nicht verletzt.

Als hilfreicher Beitrag zur Versoehnung in Rumaenien zwischen der orthodoxen und der mit Rom unierten Kirche wurde das Projekt "Healing of memories" vorgestellt. Dessen Kern ist die sorgfaeltige geschichtliche Forschung aus beiden Perspektiven, die Dokumentation des Konflikts und die entsprechende Bildungsarbeit.

Wegen des Schwerpunktes "Versoehnung" kamen andere draengende Fragen von Frieden und Sicherheit insgesamt zu kurz. Dies zeigte sich auch in den Entwuerfen fuer die Schlussbotschaft. Matthew Ross, neben Joerg Luer Moderator des Forums, nutzte aber die Gelegenheit, bei seinen einfuehrenden Worten einige dieser Fragen dennoch praesent zu machen, vor allem die Sorge ueber die Militarisierung der Politik, das Draengen zu zivilen Mitteln der Konfliktloesung und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Kurz konnte auch die Dekade zur Ueberwindung von Gewalt (OeRK) vorgestellt werden. Zwei junge Frauen luden zur grossen Friedenskonvokation 2011 ein und praesentierten ihre Vorstellungen: Frieden der Natur, Frieden den Familien, Frieden den Strassen, Frieden den Staedten ...

Gelegenheit zu Nachfragen und Diskussion bestand leider nicht, auch weil Schwierigkeiten mit Technik und Uebersetzung Zeit gekostet hatten. Doch vor allem die Uebersetzung der persoenlichen Zeugnisse aus Bosnien waren alle Muehe wert.

An diesem Freitag, der der "konziliaren Trias" Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schoepfung gewidmet war, wurde der Vormittag zu einem Kulminationspunkt im doppelten Sinne. Der Vortrag von Andrea Ricardi (Jg. 1950), dem Gruender der roemischen Gemeinschaft St. Egidio, war ein Hoehepunkt im bisherigen Verlauf der Versammlung. In eindringlichen Worten beschrieb er auf dem Hintergrund der sozialen und friedenspolitischen Arbeit seiner Gemeinschaft die Aufgabe Europas, die eigene Erfahrung von Versoehnung und Frieden nach schrecklichen Kriegszeiten weltweit zum Vorbild zu machen und ausserhalb zu vermitteln. Zugleich machte sich Protest bemerkbar gegen zu wenig Beteiligung der Delegierten.

Die Delegierten mucken auf

Der Vortrag Ricardis ist wie alle anderen mit einem Tag Verzoegerung auf der homepage der Versammlung zu finden: www.eea3.org

Die Jugenddelegierten schlugen ein eigenes Extra-Forum am Nachmittag zusaetzlich zu den Foren Gerechtigkeit, Frieden und Schoepfung vor, das offiziell einberufen wurde und etwa 100 Teilnehmende hatte. Dabei wurde nachgedacht ueber die Methoden und mangelnden Beteiligungsmoeglichkeiten der "Delegierten" in Sibiu und der Vergleich mit den ersten beiden Versammlungen in Basel 1989 und Graz 1997 angestellt. Sie werden ihre Forderungen nach mehr Partizipation am Samstag einbringen. Sie hatten auch im Plenum die Moeglichkeit, ihr vorbereitetes Positionspapier vorzulesen, das mit grossem Beifall bedacht wurde und sehr konkret zu folgenden Bereichen Stellung bezog: Einheit, Spiritualitaet, Zeugnis, Europa, Migration, Religionen, Schoepfung, Frieden und Gerechtigkeit. Zu "Frieden" wird dort neben dem persoenlichen Bemuehen um Frieden politisch der Waffenexport verurteilt und eine Europaeische Friedenagentur gefordert.

Diese letzte Forderung wird wohl auch in die Abschlusserklaerung aufgenommen, ebenso wie der aus der Orthodoxie kommende Vorschlag eines Tages fuer Gerechtigkeit, Frieden und Schoepfung, der am 1.9. jeden Jahres oder am Sonntag danach in allen europaeischen Kirchen begangen werden sollte. Ansonsten gab es viel Protest, ja sogar Erschuetterung, bei den Delegierten, ueber die theologisch sehr allgemeine und letztlch unverbindliche Erklaerung, wie sie im Entwurf am Mittag im Plenum - zudem verspaetet schriftlich verteilt - vorgestellt wurde. Es bildete sich erstmals eine lange spontane Schlange vor dem Saalmikrofon mit Anregungen und Protesten vieler Delegierter, die eine voellige Ueberarbeitung bis Samstag noetig machen, will man nicht einen Eklat provozieren.

Der zweite Tag der 3. Europaeischen Oekumenischen Versammlung zum Thema Europa bot eine Fuelle weiterer Prominenz auf, an der Spitze den Praesidenten der Europaeischen Kommission, Manuel Barroso, der die EU als Wertegemeinschaft beschwor. Am Vormittag hatte pax christi-Vizepraesidentin Veronika Huening das Privileg, unter vier ausgesuchten Personen aus dem Publikum zu sein, die als einfache Delegierte ans Hauptmikrofon treten konnten. Sie forderte, der Gefahr einer Militarisierung Europas und einem in diesem Sinne ueberzogenen Sicherheitsbegriff entgegen zu treten: "Europa will ein Friedensprojekt sein. ...

Aber die (Nicht-)Beteiligung der Delegierten bleibt ein Problem

... Das darf nicht nur nach innen, das muss auch nach aussen gelten. Wir beobachten eine gefaehrliche Tendenz, die EU zu einer Militaermacht, einer Interventionsmacht aufzubauen. Muss nicht der Protest der christlichen Kirchen dagegen mit prophetischer Stimme viel staerker sein? Muss sie nicht viel staerker fuer gewaltfreie Konfliktloesungen eintreten und ihre eigenen Kraefte anbieten zur Vermittlung in Krisen und auch in heissen Konflikten? Denn als Christen haben wir einen anderen Begriff von Sicherheit: wahre Sicherheit, die fuer uns wurzelt in der Geborgenheit in Gott. - Es war vorhin auch von Sicherheit der Energieversorgung fuer Europa die Rede. Wie weit will Europa fuer diese Energiesicherheit gehen? Wir muessen als Christen mit klarer Stimme warnen vor Sicherung mit militarischen Mitteln!"

Dem Plenum folgte das von der Assisi-Koalition durchgefuehrte Hearing (s. Vortrag von Reinhard Voss in der vorher gehenden Kurzmeldung) zum Sicherheitsverstaendnis. Es forderte mit den Unterschriften der Anwesenden "die Kirchen in Europa auf, wahre Sicherheit zu suchen und Frieden zu stiften", indem sie theologisch und ethisch die Basis fuer mehr Gerechtigkeit, Frieden und Friedensdienste, Schoepfungsbewahrung und nachhaltigeren Lebensstil legen, um den "Aufbau eines geeinten und friedlichen Europa in einem globalen Kontext" voran zu bringen.

Das Nachmittagsforum zu Europa (neben den Foren ueber Religionen und zur Migration) verfolgte weiter die Idee Europas als kulturellem und nicht nur politisch-oekonomischem Projekt. Antje Heider-Rottwilm (EKD-Oberkirchenraetin fuer Europa) zeigte sich zum Schluss des Forums begeistert ueber "sehr viel Enthousiasmus" an diesem Tag und forderte Spirituelle Kraft und Kompetenz der Kirchen beim weiteren Aufbau eines sozialen, menschlichen, partizipatorischen und nachhaltigen Europa. Diese Versammlung sei selbst "ein Beitrag zum Zusammenwachsen Europas".

Partizipatorisch aber ist die gesamte Versammlung ueberhaupt nicht. Der Unmut der Delegierten ueber mandelnde Beteiligung und Eingabemoeglichkeiten steigt. Auch die kurze Abschlusserklaerung wird kaum breit diskutiert und nur wenige Eingaben beruecksichtigen koennen. Es zeigt sich, dass aus der Sicht der normalen Delegierten der Wert der Versammlung in der internationalen und interkonfessionellen Begegnung liegt. Ein Wert, der allerdings den Aufwand, ueber 2000 "Delegierte" zu entsenden, in den Augen vieler als ueberzogen erscheinen laesst.

Unter der Überschrift "Der Begriff der erweiterten Sicherheit (broader security) und seine Monopolisierung durch das Militär" trägt Reinhard J. Voß am heutigen Tage in Sibiu im Rahmen eines von der Assisi Coalition organisierten Hearings über Sicherheitsvorstellungen ("Seeking True Security") vor. Wir dokumentieren seinen Vortrag:

In den Vereinten Nationen wurde der Begriff der "menschlichen Sicherheit" entwickelt, um klarzumachen, dass Sicherheit mehr von nachhaltiger Entwicklung abhängt, vom Umweltschutz, von der gleichberechtigten Teilhabe an natürlichen Ressourcen und vom Zugang zu partizipatorischen Prozessen für alle Bewohner der Erde als von Militärstrategien. Um Sicherheit für alle zu schaffen, müssen wir eine gerechte, friedliche und partizipatorische Gesellschaft weltweit aufbauen. In den “Friedenspolitischen Richtlinien” der deutschen Friedensbewegung wurde 2003 unter tatkräftiger Mithilfe von pax christi dieses Konzept unterstützt. ...
Das Bedürfnis nach persönlicher Sicherheit während und nach einer gewaltförmigen Krise muss ernstgenommen werden, darf aber nicht dazu herhalten, einer Seite zur Legitimierung militärischer Intervention zu dienen. Genau dies jedoch droht zur Zeit zu geschehen, wenn der Begriff der "erweiterten Sicherheit" in jener Absicht gebraucht wird. Heute wird Sicherheit weithin als erweiterte Sicherheit verstanden, obwohl der Begriff ursprünglich in der Zivilgesellschaft von Gruppen geprägt wurde, die militärischer Intervention und militärischen Strategien allgemein höchst kritisch gegenüberstehen. Diese Gruppen haben dargelegt, dass zukünftig ökologische und soziale Ungleichgewichte der Gesellschaft mehr schaden könnten als militärische Krisen. Daher gehen die Überlegungen dahin klarzustellen, dass erweiterte Sicherheit ihrer wahren Bedeutung nach auch diese Dimensionen einschließen sollte. ...
Inzwischen hat die Einführung der Begriffe "humanitäre Intervention" und "Krieg gegen den Terrorismus" dazu geführt, dass man neue Wege beschreitet, um militärische Inter-vention akzeptabel zu machen. ...
Unter Verweis auf die neueren NATO- wie EU-Konzepte sowie die deutschen „Verteidigungspolitischen Richtlinien“, die schließlich in das deutsche Weißbuch 2006 mündeten, mahnt sie friedenspolitisch eine Kehrtwende an: „Die Linie militärstrategisch geprägter Erweiterungen des Sicherheitsbergriffs (…) muss zurückgenommen werden. Eine Eingrenzung auf den „Schutz vor rechtloser Gewalt“ und die Einordnung militärischer Machtmittel in das UN-System kollektiver Friedenssicherung bieten eine plausiblen Ansatz für diese Korrektur und die notwendige weitere völkerrechtliche Verdichtung.“...
In den schon anfangs zitierten „Friedenspolitischen Richtlinien“ (2003) hat die deutsche Friedensbewegung sich eindeutig gegen diesen militärisch genutzten “erweiterten“ Sicherheitsbegriff ausgesprochen und davor gewarnt, dass er auch dazu führen kann, schließlich die Bedrohung von Wohlstand als Sicherheitsrisiko zu definieren, das militärisch bekämpft werden müsse. ...
Angesichts der heutigen Rechtfertigung militärischer Intervention sollten sich die Kirchen verpflichten, kontinuierlich zivile und gewaltfreie Alternativen zu entwickeln und so für den Frieden mobil zu machen."

 Den vollständigen Vortrag können Sie als pdf-Datei herunter laden.

Die deutsche Sektion von pax christi gratuliert ihrem ehemaligen Generalsekretär ganz herzlich! Der katholische Theologe erhält den evanglischen Friedenspreis als Auszeichnung für sein Lebenswerk, der Friedens- und Versöhnungsarbeit. Die öffentliche Verleihung findet am 3. November 2007 um 11 Uhr in der Magdeburger Johanniskirche statt. Die Laudatio hält Canon (Domkapitular) Dr. Paul Oestreicher, langjähriger Leiter des Internationalen Versöhnungszentrums der Kathedrale im englischen Coventry.

Wir zitieren die "Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland":

„Mit der Preisverleihung würdigt die Stiftung Lothar-Kreyssig-Friedenspreis einen Mann, der mehr als dreieinhalb Jahrzehnte Vordenker, Anreger und Moderator in der friedenspolitischen Arbeit gewesen ist. Konzeptionen für die Friedensarbeit wie ‚Erziehung zum Frieden’ oder ‚Absage an Geist, Logik und Praxis der Abschreckung’ hat er mitentwickelt“, sagt Michael Seils, Superintendent des Kirchenkreises Magdeburg und Kuratoriums-Vorsitzender der Stiftung Lothar-Kreyssig-Friedenspreis. „In seiner letzten beruflichen Tätigkeit als Geschäftsführer der Stiftung Adam von Trott förderte er die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und des Widerstandes sowie eine vor allem in Richtung Osteuropa grenzüberschreitende Friedens- und Versöhnungsarbeit.“

Weitere Informationen zu Joachim Garstecki: Nach dem Studium der katholischen Theologie in Erfurt arbeitete Joachim Garstecki als Referent für Jugendseelsorge im Erzbischöflichen Kommissariat Magdeburg (1965-1970). Anschließend war er Studienreferent für Friedensfragen in der Theologischen Studienabteilung beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR (1971-1990). Von 1991 bis 2000 war Joachim Garstecki Generalsekretär der deutschen Sektion von „Pax Christi“, 2001 bis 2007 geschäftsführender Studienleiter bei der Stiftung Adam von Trott (Imshausen). Joachim Garstecki gehört seit 1990 außerdem zum Kuratorium der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, und war von 1993 bis 1996 Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Kreisau für europäische Verständigung.
Joachim Garstecki ist verheiratet mit der Sozialpädagogin Bärbel Garstecki, die beiden haben drei Kinder. Nach dem Eintritt in den Ruhestand im Frühjahr 2007 lebt das Paar wieder in seiner Heimatstadt Magdeburg.

In einem Offenen Brief hat Oblatenpater Tissa Balasuriya, OMI den Präsidenten Mahinda Rajapakse und Ranil Wickremesinghe, den Führer der größten Oppositionspartei UNP, dazu aufgerufen, die 50 Jahre andauernde Rivalität zwischen den beiden großen Singhalesischen Parteien beizulegen. Diese Rivalität ist mit eine Ursache für den seit 25 Jahren andauernden Bürgerkrieg. Die beiden Führer sollen die aktuelle Chance zu nutzen, die "nationale Frage" endlich zu lösen und so das Land vor weiterer Zerstörung bewahren.

Der Brief, der am 29. August, seinem 83. Geburtstag, in der Presse abgedruckt war, hat Fr. Balasuriya mit der Anrede "Lieber Mahinda, lieber Ranil..." begonnen - so wie ein alter Lehrer im Ruhestand zu seinen ehemaligen Schülern spricht. Er erinnert die beiden Politiker eindrücklich an wichtige historische Fakten, die zur katastrophalen Lage des Landes geführt haben.

Alfons Schabarum, ZFD-Fachkraft von pax christi im Centre for Peace and Reconciliation in Sri Lanka, hat den offenen Brief übersetzt.

Die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung findet mit über 2.000 Delegierten vom 4.-9.September 2007 in Sibiu/Hermannstadt (Rumänien) statt. Im Mittelpunkt der Vorbereitung der deutschen Sektion stand ein Hearing über Sicherheitsvorstellungen: „Seeking True Security“. Das pax christi-Präsidium hatte im Vorfeld ein Memorandum „Europa eine Seele geben“ eingebracht. pax christi ist durch ihre Vizepräsidentin Veronika Hüning und Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß in Sibiu vertreten.

pax christi-Beiträge sind ein Memorandum „Europa eine Seele geben“ und ein Hearing über „Sicherheit“

Außerdem ist Peter Schönhöffer, Mitglied der Kommission „Globalisierung und soziale Gerechtigkeit“ als Sprecher von Kairos Europa dabei. Auch Pax Christi International konnte mehrere Delegierte entsenden und plant ein weiteres Hearing zur Umwelt- und Klimakrise.

„Die Katholische Bischofskonferenz erhofft sich von Sibiu neue Impulse für Europa.“ (KNA vom 29.8.2007). Das ZdK unterstützt in seiner Erklärung vom 21.8.2007 die gleiche Idee: „Ihr sollt ein Segen sein – auch in Europa!“ und betont: „Wir freuen uns, dass unter den deutschen Delegierten auch viele gewählte Männer und Frauen aus Diözesanräten, Verbänden und aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sind, die die tägliche Erfahrung von Menschen im ökumenischen Gespräch mitbringen.“

Die Homepage von Deutscher Bischofskonferenz, EKD und ACK www.oekumene3.eu stellt das Ereignis so vor:

„Das Licht Christi scheint auf alle. Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa.“ Unter diesem Motto steht die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung (EÖV3) - ein in vier Stationen gestalteter ökumenischer Pilgerweg durch ganz Europa. Christinnen und Christen aller Kirchen und Konfessionen sind in den Jahren 2006 und 2007 unterwegs, sich im Licht des Evangeliums ihre gemeinsamen Aufgaben und ihre Verantwortung für das Zusammenwachsen Europas bewusst zu machen.

Sie sind eingeladen, sich mit auf den Weg zu machen, diesen Prozess zu begleiten und an Ihrem Ort zu gestalten.

„Niemand soll sagen, er könne nichts tun. Hoffnung wächst aus den Zentimetern unserer kleinen Schritte.“ (Annemarie Schönherr, Basel 1989)

Am Antikriegstag, dem 1.9.2007, erhält die kolumbianische Friedensgemeinde San José de Apartadó - stellvertretend für etwa 50 weitere Friedensgemeinden - den Aachener Friedenspreis, der u.a. von pax christi im Bistum Aachen mit getragen wird. Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 an Menschen im In- und Ausland verliehen, die sich an der Basis für Frieden und Völkerverständigung einsetzen. Er ist symbolisch mit 1.000 Euro pro Preisträger dotiert. Zweiter Preisträger ist der Deutsche Josef Steinbach. Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß gratulierte mit einem Grußwort an den Friedenspreis-Vorsitzenden Otmar Steinbicker und schreibt darin über seine eigenen Eindrücke vor Ort:

Gewaltfreier Widerstand wird geehrt

„Ich habe die Würde und Entschlossenheit gespürt, in der Kraft der Gewaltfreiheit und einer verbindlichen Lebens-Gemeinschaft den Frieden zu leben und ihm auch politisch näher zu kommen. Und ich denke gerne daran zurück, dass die ersten Impulse auch von Pax Christi International kamen, um diese Idee einer Widerstandspraxis ohne Gewalt zu verwirklichen.“

In den Vatican-News vom 26.7.2007 werden die Hintergründe genannt:

Friedenspreis für Friedensdorf

Kolumbien betreibt eine Politik der verbrannten Erde. Die seit 40 Jahren von Regierung und Guerillas umkämpften Gebiete sollten unbewohnbar gemacht werden. Diese Kritik kommt von der Initiative Aachener Friedenspreis. Diese hat jetzt die so genannten Friedensdörfer Kolumbiens in die Öffentlichkeit gerückt. Sie pochen auf ihre Neutralität und wehren sich gegen die anhaltenden Guerillakämpfe. Sie halten strikte Neutralität, ihre Prinzipien sind außerdem ein Alkoholverbot auf dem Gelände, nachhaltiges Wirtschaften und der Einsatz von regenerativen Energien. Fünfzig Gemeinden haben sich in den letzten zehn Jahren zu Friedensdörfern erklärt. San José de Apartadó war die erste und wurde1997 von 1350 Menschen gegründet. Stellvertretend für die anderen Gemeinden soll sie den Aachener Friedenspreis erhalten.

Der Vorsitzende der Initiative Aachener Friedenspreis, Otmar Steinbicker:

„Die kolumbianische Regierung erklärt nach außen, dieses Dorf wäre völlig okay und es gebe keine Probleme; dann wieder wird behauptet, das Dorf stehe auf Seiten der Guerilla, wobei sich das Dorf ja von der Regierung, sowie der Guerillas und den Paramilitärs losgesagt haben, und auch keinerlei Waffen oder dergleichen im Dorf dulden. Nach außen, gegenüber der Weltöffentlichkeit, versucht die Regierung, sich als neutral darzustellen. Aber indirekt gibt es doch große Vorbehalte beziehungsweise auch den Verdacht, dass die Regierung Aktionen gegen dieses Dorf unterstützt.“

Die strikte Neutralität, die sich die Gemeinde verordnet hat, wird von den Bewaffneten nicht akzeptiert.164 Mitglieder wurden in San José seit der Gründung vor zehn Jahren getötet. Ermordet von Paramilitärs, Militärs, Polizei und Guerilla, die um die strategisch wichtige und an Ressourcen reiche Region kämpfen. Seit der Bekanntgabe der Preisverleihung Anfang Mai starben zwei Menschen.

Steinbicker: “Das ist schon etwas, was uns sehr zu Herzen geht, aber wir haben einen Brief von der Gemeinde erhalten, dass sie gerade unsere Preisverleihung als große Unterstützung ansieht, gerade gegen diese Gewaltaktionen."


Das Grußwort von Dr. Reinhard J. Voß zur Verleihung des Aachener Friedenspreises 2007 hat folgenden Wortlaut:


Lieber Otmar Steinbicker,

ich habe mich persönlich und als Generalsekretär von pax christi Deutschland darüber gefreut, dass neben Josef Steinbach die kolumbianische Friedensgemeinde San José de Apartadó geehrt wird für ihr erstes Jahrzehnt ihres Widerstandes gegen die Bürgerkriegsgewalt von allen Seiten. Sie hat einen hohen Preis bezahlt. Ich habe zusammen mit meiner Frau und einer Freundin der Peace Brigades International im Herbst 2005 vor den liebevoll bemalten Steinen gestanden, die für jeden und jede Ermordete in die Mitte der Gemeinde gelegt werden. Ich habe die Würde und Entschlossenheit gespürt, in der Kraft der Gewaltfreiheit und einer verbindlichen Lebens-Gemeinschaft den Frieden zu leben und ihm auch politisch näher zu kommen. Und ich denke gerne daran zurück, dass die ersten Impulse auch von Pax Christi International kamen, um diese Idee einer Widerstandspraxis ohne Gewalt zu verwirklichen.

Den Mitgliedern dieser Gemeinde gebührt stellvertretend für alle dort entstandenen Friedensgemeinden unsere praktische und mentale Solidarität. Ich bedaure, aus Termingründen nicht kommen zu können und bitte, allen Preisträgern meine Grüße und Wünsche auszurichten.


Bad Vilbel, im August 2007

Dr. Reinhard J. Voß, Generalsekretär


Lesen Sie auch das Interview mit Margaret Buslay, pax christi-Mitglied, die mehrere Jahre als Mitglied der „Peace Brigades International“ in Kolumbien arbeitete, auch in der Friedensgemeinde von San José.

pax christi arbeitet mit an der jährlichen Gebets- und Arbeitshilfe zum Weltfriedenstag am 1. Januar. 2008 hat der Papst als Motto vorgeschlagen. „Die Menschheitsfamilie, Gemeinschaft des Friedens“. In ihrer Vorbereitungssitzung am gestrigen Montag in Düsseldorf haben der Bund der deutschen Katholischen Jugend und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands zusammen mit pax christi und anderen katholischen Verbänden die dezentrale Gebetsstunde am Freitag, dem 11. Januar 2008 vorbereitet. Sie variierten das Motto von einer relativ statischen Aussage zu einem dynamischen Prozess: „Friede ist der Weg zur Menschheitsfamilie.“

Katholische Verbände wählen als Motto „Friede ist der Weg zur Menschheitsfamilie.“

Das 8-seitige Faltblatt mit einem Gottesdienstvorschlag und Hinweisen zu Materialien und Initiativen wird ab Mitte Oktober verfügbar sein, auch in größeren Mengen. Koordinator ist Dr. Hans Hobelsberger von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (Düsseldorf). Kontakt: jugendpastoral@afg.de


pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß übernahm die Einführung. Hier folgt sein Text:

GEDANKEN zum Leitwort 2008 „Friede ist der Weg zur Menschheitsfamilie.“

Der Traum der Menschheitsfamilie in der Einen Welt scheint zum Greifen nahe: die Globalisierung propagiert ihn ökonomisch, Medien und Internet lassen ihn Wirklichkeit werden, weltweite Reisen überwinden scheinbar mühelos alle Grenzen und Kulturen.

Und doch wächst ein weltweites Unbehagen: es scheint mehr Verlierer als Gewinner der Globalisierung zu geben, die Unterschiede in den Kulturen, Traditionen, Religionen, Lebensweisen, Menschenrechts- und ökonomischen Verhältnissen sind so offenkundig, dass sie in ihrer direkten Vergleichbarkeit zur gegenseitigen moralischen Anklage und politischen Herausforderung werden. Migrationstendenzen sind weltweit im Gange; die Vertriebenen durch globale Erwärmung u.a. Umweltkatastrophen treten neben die kriegsbedingten Flüchtlingsströme. Verteilungskonflikte um Rohstoffe, Wasser, neue Machtsphären zeichnen sich ab. Man spricht von Handelskriegen; Geiselnahmen und Terrorattacken bedienen sich in perfider Form des Internets, um Mord und Folter anzudrohen und zu verherrlichen. Und manche Regierungen stehen dem in nichts nach, wenn sie ihre Medienkriege und Meinungs-Manipulationen planen und durchführen.

Die Welt ist ein Marktplatz geworden: ein Marktplatz der Ökonomie, der Eitelkeiten, der Täter- und Opfergeschichten, der „guten“ und „bösen“ Geschichten… Aber gerade darum liegen heute Segen und Fluch der Einen Welt so nah beieinander. Es ist richtig: je näher wir uns kommen, desto klarer haben wir auch Konflikte zu bestehen. Aber genau darum geht es: sie zivilisatorisch zu bewältigen und auszutragen. Manchmal erscheint es mir als hätten wir seit der Kolonialisierung und Eroberung der „Neuen Welt“ nicht viel gelernt. Das „Andere“ wird immer noch leicht verdächtigt und das Eigene unkritisch überhöht. Wir wissen viel und verstehen wenig. Die ideologischen und Verständnis-Gräben wachsen, weil es zu wenige offene Palaverplätze gibt. Der „Kampf der Kulturen“ wurde schon herbei geschrieben! Zwar ist ihr „Erfinder“ Huntington mittlerweile wissenschaftlich marginalisiert und widerlegt, aber seine These bleibt politisch doch höchst wirksam und gefährlich als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn denn die Form der Macht- und Militärpolitik des letzten Jahrzehnts anhalten sollte. Wir brauchen Dialog statt „Krieg gegen den Terror“ – unter dieses Motto stellt pax christi seine 60-Jahr Feier 2008.

Die Tatsache des weltweiten Zusammenwachsens ist ein unaufhaltsamer politischer, ökonomischer und kultureller Prozess. Es gilt ihn aber nicht länger der Macht der Stärkeren zu überlassen, sondern ihn demokratisch zu gestalten. An uns allen liegt es, Menschheitsfamilie zu werden – und das fängt bei der „Einen Welt im eigenen Land“ an – bei der Akzeptanz von Mitmenschen anderen Glaubens, anderer Hautfarbe, anderer „Welt-Anschauung“ – und damit beim Ja zu Moscheen und Synagogen, Tempeln und Meditationshäusern aller Art. Nur dann haben wir Christen das Recht, auch in anderen Ländern die freie Ausübung unserer Religion zu fordern – statt nun auch bei uns deren Verfolgung und Marginalisierung zu betreiben. Die „Menschwerdung des Menschen“ (Teilhard de Chardin) und das Werden der Menschheitsfamilie (Papst Benedikt XVI.) schreiten nicht von selbst voran; es bedarf unser aller Hilfe, Entschiedenheit und Kenntnis in der eigenen Tradition ebenso wie der Toleranz und interessierten Gesprächsbereitschaft gegenüber dem „Anderen“. Weder Schmelztiegel noch Parallelgesellschaften können uns dem näher bringen, sondern die Achtung und Pflege der Vielfalt in der „Einen Welt“. Aus unserem kleinen blauen Planeten die Heimstatt aller zu machen, die darauf geboren werden: dies ist für uns jesuanisch-christliches Urgut - neutestamentarisch verbürgt.

Reinhard J. Voß

Unter dem Motto "Hands-Up!" werden auf der Straße Menschen motiviert, ihre Unterstützung für die Kampagne „unsere zukunft – atomwaffenfrei“ zu zeigen. Erste Aktionen liefen in Berlin, Bonn, Hamburg, Ramstein und Ulm. Auf der Homepage der Kampagne wurde dazu eine Fotogalerie eingerichtet. Ein Familiencamp und die 6. „Umrundung von Büchel“ stehen vom 31.8.-2.9.07 an.

„Umrundung“ des NATO-Flugplatzes Büchel am 2.9.2007

Die 6. Umrundung des NATO-Flugplatzes Büchel, wo die verbliebene US-Atomwaffen lagern, findet statt am Sonntag, den 2. 9 2007 und beginnt um 10 Uhr mit einer Friedenstafel (Frühstück) vor dem Haupttor. Anmeldung: Elke Koller, Grubenstr. 86, 56759 Leienkaul, Tel: 02653-3220, dr.elke.koller@t-online.de oder inigatomwaffen@web.de

Materialien zur Aktion Hands-up! Und zur Kampagne insgesamt sind über den von pax christi unterstützten Trägerkreis „Atomwaffen abschaffen“ zu erhalten: Abziehtattoos, Luftballons, Transparente, Falt- und Flugblätter, teilweise auch zum download unter www.atomwaffenfrei.de/materialien

Wenn Sie künftig den Newsletter der Kampagne per Email erhalten wollen, bitte schreiben Sie an xanthe@ippnw.de

Offenbar stößt das diesjährige Motto der Ökumenischen FriedensDekade "andere achten" auf großes Interesse. Bereits jetzt wurden kurz nach Fertigstellung der Materialien über 1.100 Bestellungen ausgeliefert. Insbesondere das "Schnupperpaket Plus", das auch eine CD-Rom mit allen Materialien enthält, wird besonders nachgefragt.

pax christi Deutschland ist Mit-Trägerin

Einen Überblick über die Themen des Materialheftes lässt sich aus dem Inhaltsverzeichnis entnehmen, das über die Homepage der Dekade zum download angeboten wird.

Es folgt ein Impuls zum Thema der Dekade von pax christi-Generaksekretär Dr. Reinhard J. Voß.


„andere achten“ - Überlegungen zum neuen Motto der Ökumenischen Friedensdekade

1

Mit diesem Motto für 2007 hat die Ökumenische Friedensdekade eine Zeitansage gemacht: in einer Zeit, in der immer skrupelloser persönlich und politisch – und zunehmend auch militärisch - das Eigeninteresse verfolgt und zum Maßstab gemacht wird, gilt es neu zu betonen, dass nicht nur eine vage „Toleranz“, sondern vielmehr Respekt voreinander die Grundlage für die Entwicklung von Gerechtigkeit, Frieden und Achtung vor der Schöpfung sind.

„Toleranz“ – so hat kürzlich der Jugend- und Gewaltforscher Prof. Heitmeyer aus Bielefeld formuliert – sei allzu passiv; es müsse vielmehr „Akzeptanz“ gefordert werden, um die gesellschaftlichen Spannungen zu lösen. Respekt und Achtung setzen solche Akzeptanz voraus; in dieser Haltung geht man auf „die anderen“ zu, mit Interesse und Achtsamkeit, mit aktivem Zuhören und Verstehen-wollen, aber auch mit dem Selbstbewusstsein des je eigenen. Und gerade diese Haltung brauchen wir in der deutschen Gesellschaft wie in der zusammen wachsenden Weltgesellschaft. Um den viel beschworenen Zusammenprall der Kulturen zu vermeiden, brauchen wir nicht unbedingt einen ständigen Dialog der Kulturen im Sinne der Überhöhung der eigenen oder fremden Kultur, sondern viel schlichter eine „Kultur des Dialogs“, formulierte der deutsche Außenminister Steinmeier im Dezember 2006.

2

„andere achten“ - dieser wachsende leise, aber globale Pro-Test (im Wortsinn: „Zeugnis für etwas“) entfaltet sich allmählich - vom buddhistischen Achtsam-sein über das hinduistische Ahimsa (dem „Prinzip des Nichtverletzens“) und das muslimische Gott vertrauende Insh´allah bis zur christlichen Nächstenliebe. Sie stellen sich gemeinsam gegen die lautstarken Fundamentalismen, die sich allzu sicher ihrer eigenen Richtigkeit und „Wahrheit“ sind, dass sie diese mit aller Gewalt durchzusetzen versuchen. Dabei geht der Deutungsstreit innerhalb aller Religionen um die „Wahrheit“, die durch Beispiel und Einsicht wachsen oder aber durch Gewalt verbreitet werden soll.

Gandhi hat aus dem hinduistischen ahimsa, das in früheren Zeiten nur privat gedeutet wurde, ein Prinzip der Gewaltfreiheit gemacht und das „shanti“ ebenfalls in diesem Sinne gedeutet, das vorher sowohl eine Kriegerethik als auch eine Asketenethik stützte. Gandhis Idee der Shanti Sena („Friedensarmee“) ist strikt gewaltfrei.

Der muslimische Djihad der heutigen „Gotteskrieger“ ist in tieferer theologischer Tradition als „Großer Djihad“ der innere Kampf, um ein guter Mensch zu werden.

Auch das Kreuz als Zeichen der Gewaltfreiheit mutierte in den christlichen Kreuzzügen zum Gegenteil.

„andere achten“ – das ist ein leiser, aber durchdringender, Gewaltverhältnisse überwindender Appell zum Respekt, zum Wahr-nehmen anderer. Dieser leise Appell breitet sich – gegen alle lauten Töne im privaten und politischen Feld - unaufhörlich aus in wachsender Achtung der Kulturen und Religionen, Völker und Ethnien, Menschen und Sprachen, von Geschöpfen und Schöpfung.

„andere achten“ – das ist ein leiser, aber grundlegender Aufruf, der historisch wirkmächtig wurde im Streiten für die Menschenrechte und gegen die alleinige Deutungshoheit von Kirche, Staat und Adel seitens des Bürgertum, das seinerseits später von weiteren Klassen ins Unrecht gesetzt wurde, als es „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ allzu sehr auf sich selbst allein bezog.

„andere achten“ – das ist ein leiser, aber grundlegender Aufruf dagegen, dass demokratische Gesellschaften heute beginnen, Demokratie mit Gewalt und Krieg exportieren zu wollen. Damit unvereinbar sind Vorstellungen von strikter Verteilung von „gut“ und „böse“ oder von Demokratien und Schurkenstaaten. So reicht dieser leise Appell auch ins außenpolitische Feld und wird 2007 endlich wieder mehr gehört, denn selbst die US-Regierung unter Bush II. wurde durch die Baker-Hamilton-Kommission gedrängt, nicht nur mit Freunden, sondern auch mit Feinden wieder zu reden statt Krieg zu führen.


„andere achten“ heißt aber auch: sich selber achten und wahr-nehmen: sich ernst nehmen mit der eignen Tradition und Herkunft; sich selbstbewusst wie sensibel in den Diskurs der Kulturen, Religionen, Überzeugungen, Erfahrungen, Visionen und Ideologien einbringen.


3

In einem pax christi-Memorandum zur „Seele Europas“ vom September 2006, das eher von mehreren Seelen Europas spricht, heißt es in diesem Zusammenhang – und hier wird sozusagen das Motto „andere achten“ von 2007 mit dem von 2006 („…und raus bist du.“) verbunden:

„Die eigentliche Herausforderung, vor der Europa steht, ist daher nicht die Integration von Migrant/inn/en oder sog. „Andersgläubigen“, sondern die Ausgrenzung von „Anderen“, die als fremd und/oder bedrohlich wahrgenommen werden. Diese Ausgrenzung trifft sowohl Zugewanderte als auch „Einheimische“. Nicht die Zuwanderung ist eine Bedrohung für die gesamte Gesellschaft, sondern die Ausgrenzung. Daran ist festzuhalten, gerade auch angesichts der generellen Verdächtigung des Islam als Quelle des Terrorismus.

Stattdessen sind Grenzüberschreitungen zwischen verschiedenen Lebenswegen und Kulturen zu ermöglichen und zu fördern. Notwendig ist eine grundsätzliche Bereitschaft der Ge¬sellschaft, dem Anderen die Möglichkeit zu geben, ohne Angst seine Verschiedenheit zu leben. Unsere Zukunft kann nur in einem friedlichen und gleichberechtigten Miteinander liegen, in dem Fremdsein und Andersartigkeit akzeptiert und als Bereicherung anerkannt werden.

Respekt und Anerkennung sind eine bleibende Aufgabe jedes einzelnen im eigenen Alltag sowie der demokratischen Zivilgesellschaft insgesamt. Anerkennung verlangt, dass ich meine Lebensweise und Weltsicht als eine unter vielen verschiedenen Möglichkeiten betrachte, offen bleibe für anderes, ohne die eigene Perspektive aufzugeben.

Die Ängste und Bedrohungsgefühle, die sich in den Debatten um Leitkulturen oder Parallelgesellschaften zeigen, müssen ernst genommen werden. Wir wehren uns jedoch gegen eine Vereinnahmung dieser Ängste und gegen eine Instrumentalisierung gesellschaftlicher Konflikte für politische Zwecke. Stattdessen sind alle aufgerufen, gewaltfreie Austragungsformen für die gesellschaftlichen Konflikte und Debatten zu nutzen und zu fördern.“

Dr. Reinhard J. Voß, pax christi-Generalsekretär

Die Diskussion über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan wird sich weiter zuspitzen. In der deutschen pax christi-Bewegung gibt es eine Meinungsvielfalt dazu, die von bedingter Zustimmung (für eine klar begrenzte Übergangszeit bleiben, wenn das ISAF-Mandat allein weiter geführt wird) bis zur Forderung eines sofortigen Abzuges. Diese Vielfalt ist auch in dem Vorbereitungskreis der Demonstration vom 15.9.2007 in Berlin zu finden, ebenso in der "Kooperation für den Frieden", der pax christi angehört. Die deutsche Sektion trägt die Demonstration mit.

Kundgebung und Aktionen am 15. September 2007

In dem breit getragenen Aufruf für eine öffentliche Kundgebung (im Vorfeld der Bundestagsentscheidungen über die Verlängerung der laufenden drei Mandate zu Afghanistan) heißt es nun: "Frieden für Afghanistan - Bundeswehr raus! - Demonstration gegen die Verlängerung der Bundeswehreinsätze."

Dies bedarf einer Erläuterung unsererseits.

Ich habe mich persönlich zusammen mit dem Vorsitzenden des Forums Ziviler Friedensdienst, Tilman Evers, vor einiger Zeit für eine klare Abtrennung des ISAF-Mandats von dem "Krieg gegen den Terror" (OEF-Mandat und Tornadoeinsätze) ausgesprochen: "Afghanistan: Kein zivil-militärischer Mix!" (Zeitung des Forum ZFD, Nr. 2/2007). Wir forderten darin: "Das Parlament ... sollte den verdeckten Kampfeinsatz der KSK-Spezialkräfte und die Tornadoflüge beenden und das ISAf-Mandat nur verlängern, wenn eine völlige Trennung von der Operation Enduring Freedom garantiert werden kann."

Ich halte diese Trennung - oder gar die Nichtverlängerung des OEF-Mandats - angesichts der Äußerungen aus den Regierungsparteien und seitens der verantwortlichen Militärs mittlerweile für so unwahrscheinlich, dass ich den Rückzug der Bundeswehr mit einem klaren Abzugsplan befürworte - und zwar mit den Argumenten auf der Rückseite des beigefügten Aufrufes.

(aus dem öffentlichen Rundschreiben von Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß vom 14.8.2007)

Pax Christi International hat in Brüssel am 10.August 2007eine Positionsbestimmung zu „Raketenabwehr, Rüstungswettlauf und Globale Sicherheit“ heraus gegeben. Das Netzwerk der internationalen Pax Christi-Bewegung drückt darin seine große Sorge über Entwicklung und Stationierung von Raketenabwehrsystemen aus.

Erklärung von Pax Christi International zu Raketenabwehrsystemen

In den vergangenen Monaten wurde dieses Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen im Kontext einer möglichen Stationierung von Flugabwehrraketen und Radareinrichtungen in Polen und der tschechischen Republik durch die USA.

In der PCI-Erklärung vom 10.8.2007 heißt es zum Schluss:

15. Pax Christi International ist überzeugt davon, das das einmal installierte Raketenabwehrsystem die nukleare Abrüstungs-Agenda um Jahrzehnte zurück werfen wird. (…)

16. Der Sache der Abrüstung und von internationalem Frieden und Sicherheit ist am besten damit gedient, wenn die nationale Sicherheitsbelange politisch und diplomatisch verhandelt werden und nicht durch die Einrichtung von Raketenabwehrsystemen (engl. MDS).


Im Juli 2007 hat die deutsche Sektion zum zweiten Mal in Lettland eine internationale Jugendbegegnung in Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge durchgeführt. Diesmal war der Landesverband Nordrhein-Westfalen unser Kooperationspartner. Die inhaltliche Vorbereitung lag in den Händen der Vizepräsidentin, Veronika Hüning, und der Jugendreferentin des Volksbundes NRW, Verena Dahlhaus, und wurde durch Michael Roekaerts von PCI und Horst Wiechers von der Villa ten Hompel in Münster unterstützt. Präsidiumsmitglied Christine Böckmann gehörte zum Leitungsteam.

Workcamp über „Vergangenheit erinnern, Zukunft gemeinsam gestalten” zusammen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Der Titel des diesjährigen Workcamps lautete: „How to deal with the past today? – Vergangenheit erinnern, Zukunft gemeinsam gestalten”. Es nahmen 8 deutsche, 5 österreichische und 12 lettische Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren daran teil. Da ein Förderantrag bei der EU abgelehnt wurde, konnten russische Jugendliche aus finanziellen Gründen leider nicht teilnehmen.

Die Jugendlichen wohnten in Sigulda, besuchten das Jüdische Museum, das ehemalige Ghetto und das Okkupationsmuseum in Riga und leisteten praktische Arbeit in der Gedenkstätte in Rumbula und auf einem Kriegsgefangenenfriedhof neben der KZ-Gedenkstätte Salaspils. Auf dem Kriegsgefangenenfriedhof wurde u.a. ein Holzkreuz errichtet. Neben Freizeitaktivitäten gab es inhaltliche Workshops, in denen die Teilnehmenden u.a. über Antisemitismus und Rassismus heute diskutierten.

Ein bewegender Moment des Workcamps war die abschließende Gedenkfeier in der Gedenkstätte in Bikernieki unter Anwesenheit des deutschen Botschafters (s.Bild) und die anschließende Mitarbeit bei der Setzung des Gedenksteins, der an die 19 aus Coesfeld deportierten Jüdinnen und Juden erinnert.


Am heutigen 64. Jahrestag seines Todes findet - wie jedes Jahr - in Ostermiething und St Radegund (Österreich) eine Gedenkfeier statt. Den Festvortrag hält Prof. Roman Siebenroch (Innsbruck) zum Thema: " Nicht von dieser Welt..." - Franz Jägerstätters gelebtes Credo. In einem Podiumsgespräch würdigen neben dem Referenten Dr. Hildegard Goss-Mayr, Can. Dr. Paul Oestreicher, pax christi-Präsident Bischof Dr. Manfred Scheuer, Bischofsvikar Dr. Werner Freistetter und Mag. WIlli Thaler den Märtyrer, der in Kürze seliggesprochen wird. "Der Termin der Seligsprechungsfeierlichkeit ist fixiert: Der Vatikan hat bestätigt, dass die Seligsprechung des Märtyrers Franz Jägerstätter am 26. Oktober 2007 um 10.00 Uhr im Linzer Mariendom erfolgen wird. Als Delegat von Papst Benedikt kommt der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse Kardinal José Saraiva Martins. Er wird die Seligsprechung im Namen von Papst Benedikt XVI. vornehmen. Die Seligsprechung erfolgt im Rahmen einer Eucharistiefeier, bei der Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz Hauptzelebrant sein wird.“ (Offizielle Information die Diözese Linz) Der deutschen Sektion liegt eine Einladung der österreichischen Pax Christi-Sektion zur Teilnahme vor; der mehrere Vertreterinnen folgen werden.

Seligsprechung Jägerstätters am 26.10.2007 um 10.00 Uhr im Linzer Mariendom

In dem von pax christi mit herausgegebenen Büchlein „Frieden stiften – jeden Tag“ steht am heutigen 9.8. folgender Text von Franz Jägerstätter:

„Heutzutage hört man immer wieder, dass das Individuum nichts mehr ausrichten kann. Laut zu protestieren bedeute nur Gefangenschaft und Tod. Richtig, wir können nicht mehr viel tun, um den gesamten Kurs zu ändern, den die Weltgeschichte nimmt. Aber solange wir in dieser Welt leben, glaube ich, ist es niemals zu spät, uns selbst und vielleicht die eine oder andere Seele für Christus zu erhalten.“

Frühere Informationen dazu in der Kurzmeldung vom 19.6.07 auf dieser Homepage.

pax christi Rottenburg-Stuttgart hat sein Leben ausführlich dargestellt und gewürdigt. Dieser Text folgt hier.

Am 9.August 1943 wurde der Bauer Franz Jägerstätter aus St. Radegund an der Salzach (Oberösterreich) im Gefängnis Brandenburg enthauptet. Als einer der wenigen Kriegsdienstverweigerer im Dritten Reich hatte ihn das Reichskriegsgericht in Berlin wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt.

Jägerstätter, geboren 1907, war in armen Verhältnissen aufgewachsen. Er besuchte die Volksschule, arbeitete in der Landwirtschaft mit und ging einige Jahre in den Erzbergbau, bevor er 1930 wieder in sein Heimatdorf zurückkehrte. Wie seine Altersgenossen war er in dieser Zeit kein Kind von Traurigkeit. Bei Wirtshausbesuchen, auch den gelegentlichen Raufereien, war er mittendrin dabei. Die jungen Mädchen mochten ihn. Ein Foto aus jenen Jahren zeigt ihn als stolzen Besitzer des ersten Motorrads im Dorf. 1933 hatte er eine kurze Liebesbeziehung, aus der seine erste Tochter stammt. 1936 heiratete er Franziska, eine junge Frau aus dem Nachbardorf. Beide waren durch ihre Erziehung katholisch geprägt. Aber unter dem Einfluss Franziskas vertiefte Franz seinen Glauben durch intensive Gespräche, Lektüre und Teilnahme am Leben der Kirchengemeinde. Die Ehe, aus der drei Kinder hervorgingen, war sehr glücklich.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich im Frühjahr 1938 wuchs auch in St.Radegund der Druck auf die Bevölkerung, das nationalsozialistische neue Regime zu unterstützen. Jägerstätter lehnte die Diktatur von Anfang an ab. Ein Angebot, Bürgermeister zu werden, schlug er aus. Bei Geldsammlungen zugunsten nationalsozialistischer Zwecke gab er nichts, obwohl er sonst immer bereit war, in Notfällen auch finanziell zu helfen. Bei der angeordneten Volksabstimmung zur Bestätigung des Anschlusses Österreichs ans Deutsche Reich stimmte er als Einziger im Dorf mit Nein. In der Folgezeit zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück, um nicht in politische Gespräche im Wirtshaus verwickelt zu werden. Er merkte, dass so mancher im Dorf kein Verständnis für seine Haltung zeigte. Aufmerksam registrierte er, wie in seiner engeren Heimat zahlreiche Priester ins Gefängnis kamen, weil sie in ihren Predigten den Nationalsozialismus kritisiert hatten. Dies alles bestärkte Jägerstätter in seiner ablehnenden Haltung. Während seiner militärischen Grundausbildung, zu der er 1940/41 einrücken musste, lernte er den Alltag unter Befehl und Gehorsam kennen. Dort reifte sein Entschluss, nicht für Hitler in den Krieg zu ziehen. Er sah, dass Deutschland damals einen Angriffskrieg führte - an diesem Unrecht wollte er sich nicht beteiligen. In dieser Zeit notierte Jägerstätter: " Wir sollten aber nicht bloß Katholiken des Gebetes sondern auch der Tat sein... Wenn es auch nicht Sünde sein. sollte, wenn wir Katholiken für den nationalsozialistischen Sieg kämpfen, opfern und arbeiten, so scheint es mir doch eine ganz unmögliche Sache zu sein, dass wir auf unser Beten um den Frieden auch Erhörung finden könnten, wenn wir in der Tat das gerade Gegenteil von dem tun um was wir beten."

Als Jägerstätter im Februar 1943 die Einberufung zum Kriegseinsatz erhielt, war sein Entschluss klar: Er erklärte in der Kaserne seine Kriegsdienstverweigerung. Daraufhin wurde er inhaftiert, zunächst in Linz, später in Berlin. Jägerstätter wäre bereit gewesen, als Sanitäter zu dienen - diese Möglichkeit wollte ihm die Wehrmacht nicht einräumen. So war ihm das Todesurteil sicher. Jägerstätters Aufzeichnungen und Briefe zeigen, dass er sich über die Folgen seines Handelns im Klaren war. Alle Versuche von Verwandten, Priestern, sogar des Bischofs von Linz, schlugen fehl, ihn mit Rücksicht auf seine Familie von seinem Weg abzubringen. In einem Abschiedsbrief schreibt Jägerstätter: "Immer wieder möchte man einem das Gewissen erschweren betreffs Gattin und Kinder. Sollte die Tat, die man begeht, dadurch vielleicht besser sein, weil man verheiratet ist und Kinder hat? Oder ist deswegen die Tat besser oder schlechter, weil es Tausende anderer Katholiken auch tun?... Zu was hat denn Gott alle Menschen mit einem Verstande und freien Willen ausgestattet, wenn es uns, wie so manche sagen, gar nicht einmal zu steht, zu entscheiden, ob dieser Krieg, den Deutschland führt, gerecht oder ungerecht ist? Zu was braucht man dann noch eine Erkenntnis zwischen dem, was Gut oder Böse ist? ".

Franziska Jägerstätter hielt bis zuletzt zu ihrem Ehemann. Sie teilte seine Beweggründe, auch wenn ihr bewusst war, dass mit der alleinigen Verantwortung für drei kleine Kinder und einen Bauernhof auf sie eine schwere Zeit zukommen würde. In den ersten Nachkriegsjahren musste sie noch um eine Hinterbliebenenrente streiten, viele Dorfbewohner traten ihr lange mit Ablehnung gegenüber. Erst im Jahre 1997 war es soweit, dass das Landgericht Berlin das Urteil gegen Franz Jägerstätter formell als Unrechtsurteil aufhob - für die Familie eine späte Genugtuung. Nur wenige deutsche und österreichische Katholiken trafen im Zweiten Weltkrieg die gleiche Entscheidung wie Jägerstätter. Die allermeisten machten den Krieg - teils begeistert, teils widerwillig - mit. Auch die Kirchenleitung konnte sich trotz der feindseligen Haltung der Nationalsozialisten der Kirche gegenüber nirgends dazu entschließen, ihre Gläubigen zu ähnlich konsequentem Handeln aufzurufen. Zu den wenigen, die wie Jägerstätter handelten, gehören der österreichische Pallotinerpater Franz Reinisch sowie die beiden Bauern Michael Lerpscher aus Missen im Allgäu und Josef Ruf aus Hochberg bei Saulgau. Sie alle wurden zum Tode verurteilt und ermordet.

Literaturhinweise:

1. Putz, Erna (Hg.), Gefängnisbriefe und Aufzeichnungen. Franz Jägerstätter verweigert 1943 den Wehrdienst, Veritas Verlag, Linz 1987.

2. Putz, Erna, Franz Jägerstetter: besser die Hände als der Wille gefesselt, Veritas Verlag, Linz, 1985.

Das neue Weißbuch der Bundeswehr vom Herbst 2006 sieht künftige Aufgaben der Bundeswehr in der weltweiten Sicherung des „freien und ungehinderten Welthandel(s) als Grundlage unseres Wohlstands (Weißbuch 1.3)“. Strategiepapiere der NATO sehen die militärische Sicherung unserer Energie- und Rohstoffversorgung als künftige Aufgabe des Bündnisses. Wie aktuell sind solche Szenarien? Drohen uns Kriege um Energie, Rohstoffe und freien Welthandel? Wie ist die aktuelle militärpolitische Diskussion vor dem Hintergrund der christlichen Friedensethik zu beurteilen? Stellen solche Militäreinsätze eine Bekenntnisfrage für den christlichen Glauben dar? Das von der deutschen Sektion und der Bistumsstelle Rottenburg-Stuttgart in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Stuttgart veranstaltete Seminar möchte diesen Fragen nachgehen.

Konsultationstage vom 21./22. September 2007 in Stuttgart

Programm:

Freitag, 21.9.: 19.30 Uhr:

Beginn mit einem Imbiss ab 18.30: Andreas Zumach, Journalist und Autor: „Die kommenden Kriege – der weltweite Kampf um Rohstoffe und Öl“ - Vortrag und Diskussion

Samstag, 22.9.: 9.00 Uhr:

Dipl. theol. Peter Bürger, Publizist, und NN: „Treue zum Evangelium und Bekenntnis zum Gott des Friedens“ – Die Ökumenische Erklärung von Christinnen und Christen zu Mili-tärdoktrinen im Dienste nationaler Wirtschaftsinteressen - Impulse und Podiumsdiskussion

Samstag, 22.9.: 14.00 - 17.00 Uhr:

Pax Christi – Konsultation: Konsequenzen für Pax Christi? Zum Verhältnis der „Pax Christi“ (des „Friedens Christi“) und militärischen Aktionen zum „Schutz“ der Energie- und Rohstoffversorgung? - Sind Rohstoffkriege für Pax Christi eine Bekenntnisfrage?


Ort:

Gemeindehaus St. Georg, Heilbronner Str. 135, 70191 Stuttgart, Tel.: 0711 – 2535936 www.st-georg-stuttgart.de

Eintritt: Gesamttagung: 35 € (incl. Mahlzeiten am Freitagabend und Samstag). Für Pax Christi-Mitglieder 30 €

Anmeldeschluss für die Gesamttagung: 17.09.2007


Veranstalter: pax christi Bistumsstelle Rottenburg-Stuttgart / pax christi Deutschen Sektion / Kath. Bildungswerk Stutt-gart

Information und formlose Anmeldung bei: Pax Christi Bistumsstelle Rottenburg-Stuttgart, Postfach 700137, 70571 Stuttgart, Tel.: 0711 – 9791 216, Fax: 0711 – 9791 159, E-Mail: paxchristi.rs@gaia.de

Alle großen Weltreligionen scheinen ein Doppelgesicht von Gewaltneigung und Gewaltfreiheit zu haben. Das belegen die beiden ersten Studien zu dieser Frage, die - auf Anregung von pax christi - in der Arbeitsgruppe „Gerechter Friede“ der katholischen Kommission Justitia et Pax erstellt wurden. Sie erschienen in deren Schriftenreihe "Gerechtigkeit und Frieden". Diese Kommission wird gemeinsam von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gebildet.

Ein von pax christi angeregtes Projekt von Justitia et Pax trägt Früchte

Die Studie „Gewaltpotentiale im Hinduismus“ von Annette Meuthrath erschien kürzlich in der Schriftenreihe "Gerechtigkeit und Frieden" der Kommission (Juni 2007; Nr. 112; 44 S.). Nach einer Begriffsklärung („Was ist Hinduismus?“) und einem historischen Teil zum „Hindu-Fundamentalismus“ geht die Autorin ausführlich ein auf „Denkmuster, Begriffe und Symbole zur Förderung eines Gewalt- und eines Friedenspotentials im Hinduismus“ und beschreibt deren „ambivalente Auswirkungen“ im Ost-West-Kontext.

Vor einem Jahr erschien eine vergleichende Literaturstudie zu Islam und Christentum von Axel Heinrich unter dem Titel: „Denkmuster zur Eindämmung und zur Legitimation von Gewalt im Christentum und im Islam“ (Juni 2006; Nr. 109; 78 S.).

Beide Studien sind für je 3 Euro plus Porto bei der Kommission zu bestellen: Geschäftsstelle der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Kaiserstr. 161, 53113 Bonn, Tel. 0228 – 103 217; Email: justitia-et-pax@dbk.de

Mit 60 Mahnwachen, Kundgebungen und Diskussionsveranstaltungen fordern Friedensgruppen zum 62. Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima die Ächtung der Atomwaffen und das Ende der sog. "nuklearen Teilhabe" der Bundeswehr. pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß schreibt der Wiener Friedensbewegung eine Grußadresse zum Hiroshimagedenken.

Am heutigen Hiroshima-Jahrestag gibt es nach Informationen der Friedenskooperative Bonn Aktionen in Berlin, Bonn, Bremen, am letzten Atomwaffenstandort in der Bundesrepublik Büchel, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Fürth, Hannover, Heilbronn, Karlsruhe, Kiel, Köln, Mannheim, München, Nürnberg, Nottuln, Oberhausen, Oldenburg, Wuppertal und anderen Orten. Auch in den Niederlanden, Belgien. Großbritannien und Österreich finden Aktionen zum Gedenken an die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki statt.

Am Freitag (3.8.07) hat die Weltkonferenz gegen A- und H-Bomben in Hiroshima begonnen. Die deutschen Friedensinitiativen unterstützen die weltweite Bewegung der Bürgermeister für den Frieden ("Mayors for Peace"). Am Wochenende fanden in der Bundesrepublik zahlreiche Mahnwachen, Demonstrationen, Konzerte, Kundgebungen und Lichteraktionen statt, u.a. in Berlin, Cochem, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Hamburg, Hannover, Heilbronn, Kiel, Krefeld, Lüdenscheid, Ramstein und Ulm.

Der dritte "Pacemakers"-Radmarathon für eine Welt ohne Atomwaffen führte am Samstag (4.8.07) über 340 km von Heilbronn nach Ludwigsburg und bildete den Auftakt zur längerfristigen Kampagne "unsere zukunft atomwaffenfrei". 40 Organisationen, darunter die deutsche Sektion von pax christi, wollen erreichen, dass Deutschland bei der Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages im Jahr 2010 vor den Vereinten Nationen verkündet: "Deutschland ist atomwaffenfrei: Wir haben die nukleare Teilhabe beendet, als Schritt zu einer atomwaffenfreien Welt."

In Köln wurde am Sonntag (5.8.07) das Mahnmal "Atomwaffen abschaffen" im Hiroshima-Park enthüllt. Auch die traditionellen monatlichen Protestaktionen gegen die militärische Nutzung der Colbitz-Letzlinger und der Kyritz-Ruppiner Heide (Bombodrom) setzen den Schwerpunkt auf die Ächtung der Atomwaffen.

(Informationen nach einer Presseerklärung des Bonner Netzwerks Friedenskooperative vom 3.8.07)

Seit über 60 Jahren gedenken wir alljährlich des schrecklichen Menetekels des 20 Jahrhunderts, der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945. Das Präsidium von pax christi hat vor zwei Jahren zum 60. Jahrestag angesichts der verheerenden Zerstörungskraft dieser Waffen betont, dass eine weitere Strategie der Abschreckung mit ihnen moralisch zu verurteilen ist, weil dieser Rüstungswettlauf „eines Tages all das tödliche Unheil bringt, wozu er schon jetzt die Mittel bereitstellt.“ (II. Vatikanum, Gaudium et Spes, 81). Es gilt vielmehr, diese Waffen auf dem Weg konsequenter Abrüstungsgespräche Schritt für Schritt ganz abzuschaffen.

Stellungnahme des Präsidenten der deutschen Sektion von pax christi, Bischof Heinz Josef Algermissen, zum Hiroshima-Jahrestag

Mittlerweile ist in der internationalen Politik eher das Gegenteil festzustellen: Atomwaffen werden „modernisiert“, mit ihrer Entwicklung und ihrem Einsatz wird gedroht, ihr Besitz wird zur Prestige- und angeblichem Sicherheitsfrage für immer mehr Staaten, während keinerlei Abrüstungswillen bei den Atomwaffenstaaten festzustellen ist. Der gerade erfolgte Abzug von 130 US-Atomwaffen aus Ramstein ist zu begrüßen, dem die verbliebenen 20 Atomwaffen im pfälzischen Büchel bald folgen sollten. Damit dieser Abzug aber nicht nur taktischen Charakter hat, muss die sog. „atomare Teilhabe“ der Bundesrepublik nunmehr ebenfalls bald beendet werden. Damit könnte Deutschland der Welt ein glaubhaftes Zeichen geben, sich nicht länger auf den „Schutz“ dieser Waffen zu verlassen.

Stattdessen sind alle Bemühungen zur Ächtung und Abrüstung der atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungsmittel zu unterstützen, um durch die gemeinsame Erinnerung an die Erfahrung von deren schrecklicher Zerstörungskraft dazu beizutragen, die Welt von ihnen zu befreien und so einem dauerhaften Weltfrieden näher zu kommen. Die weltweite Bewegung der Bürgermeister für den Frieden („Mayors for Peace“) verdient in diesem Zusammenhang besondere Unterstützung, ebenso wie die aktuelle von pax christi mit getragene Kampagne „Unsere Zukunft – atomwaffenfrei“.

Fulda / Bad Vilbel, den 2. August 2007

Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß warnte heute in einem Interview mit dem Kölner Domradio vor einer weiteren Erhöhung von Rüstungslieferungen in den Nahen und Mittleren Osten und damit der Anheizung eines neuen Rüstungswettlaufes dort. Stattdessen müssten Rüstungslieferungen in Spannungsgebiete eingestellt werden. US-Präsident Bush hatte eine massive Aufrüstung „befreundeter Staaten“ in dieser Region angekündigt. Voß drückte seine Hoffnung aus, dass der US-Kongress diesen Plänen einen Riegel vorschieben werde und dass es eine Strategiewechsel mit dem Ziel einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen und Mittleren Osten geben werde.

pax christi-Kritik an den Plänen der US-Regierung, den Nahen Osten weiter hochzurüsten

Voß sagte u.a.: „Man kann gar nicht sagen, welche Regime dort stabil sind. Ich denke an Pakistan: niemand weiß, ob die USA dort nicht auf eine Karte setzen, die sich gegen sie wendet. Das gilt für viele Staaen dieser Region. In dem Maße wie man Aufrüstung betreibt für instabile Regime, muss man damit rechnen, dass diese sich auch gegen einen selbst wendet. Der Iran weiß das und er wird sicherlich mit diplomatischen und militärischen Mitteln reagieren.

Was fehlt, ist jetzt tatsächlich ein Dialogkonzept. Die USA haben den Iran aufgerüstet gegen den Iran, sie haben die Taliban aufgerüstet gegen die Sowjets in Afghanistan, Also: sie haben immer darauf gesetzt, eine Opposition stark zu machen, nach dem Motto „Der Gegner meines Feindes ist mein Freund“ – und das hat sie jedes Mal letztlich in eine Katastrophe geführt, dass ihre „Freunde“ ihnen weggelaufen sind und sie dann gegen diese Krieg führen müssen – wie jetzt in Afghanistan und Irak.

Ich glaube, die USA haben eine Angst davor, Einfluss zu verlieren und setzten einfach einseitig auf Gewalt. Sie haben ein einseitiges militärisches Strategieverständnis und vielleicht muss man sogar sagen: da ist eine Arroganz der Macht, die mittlerweile auch in eine Einsamkeit der Supermacht führt.

Ich habe mich gefreut, dass Ruprecht Polenz (CDU), der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, jetzt ganz klar gesagt hat: wir brauchen auch im Mittleren und Nahen Osten eine Konferenz, ähnlich wie wir sie in Europa hatten: die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Das ist eine Forderung, die die Friedensbewegung seit langem und pax christi insbesondere in den letzten fünf Jahren immer wieder erhoben hat. Das ist wirklich das einzige Gegenkonzept, was ich sehe. Und zweitens müssen wir - auch die Deutschen- endlich klar machen, dass wir mit den Rüstungslieferungen in Spannungsgebiete seit einigen Jahren einen Weg begangen haben, der sehr problematisch ist. In dem Kirchenreport zu deutschen Rüstungsexporten vom Dezember 2006 heißt es:

„Mittlerweile werden Rüstungsexporte in den Nahen und Mittleren Osten ebenso genehmigt wie nach Südasien, Südostasien und in den Fernen Osten, eine offenkundige Abkehr von dem Grundsatz, keine Waffen in Spannungsgebiete zu liefern.“

pax christi-Vizepräsident Johannes Schnettler gratuliert im Namen der deutschen Sektion in einem Glückwunschschreiben dem ehemaligen geistlichen Beirat von pax christi, P. Paulus Engelhardt OP, zu seinem 60-jährigen Priesterjubiläum am heutigen Tage. Pater Paulus feiert im Kreise seiner Mitbrüder im Dominikanerkloster in seinem Wohnort Düsseldorf. Am Sonntag hat er zu einem Gottesdienst mit Empfang eingeladen, an dem auch Johannes Schnettler teilnehmen wird.

Die deutsche Sektion von pax christi gratuliert herzlich zum 60-jährigen Priesterjubiläum

Statt eventuell beabsichtigter Geschenke bittet P. Paulus um eine Spende für die Bruno-Hussar-Stiftung, die das nach dem französischen Dominikaner benannte Friedensdorf Neve Schalom/Wahat al Salam und die von ihm ausgehende friedenspädagogische Arbeit unterstützt. P. Paulus war mit P. Bruno freundschaftlich verbunden und hat ihn oft besucht.
In der jetzigen Situation in Israel/Palästina kommt seinem Vermächtnis besondere Bedeutung zu.

Spenden bitte an: Bruno-Hussar-Stiftung, Konto 32012296 Kreissparkasse Köln, BLZ 37050299, Stichwort: "P.Paulus".

Das Glückwunschschreiben des Vizepräsidenten an den Jubilar geben wir hier wieder:

Lieber Paulus,

im Namen der deutschen Sektion der internationalen Friedensbewegung pax christi gratuliere ich dir herzlich zu deinem 60-jährigen Priesterjubiläum. Deine Entscheidung für das Priesteramt hast du in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Terrors des Nationalsozialismus getroffen. Es war eine Entscheidung für die Menschen, für Gerechtigkeit und Frieden - eine Entscheidung für Gott als den Schöpfer allen Lebens. Im Dienst der Verkündigung des Reiches Gottes und der Nachfolge Jesu Christi bist du in den Jahrzehnten deines priesterlichen Dienstes bis in die Gegenwart hinein segensreich tätig.

Es ist kein Zufall, dass die nun bald 60-jährige Geschichte von pax christi so eng mit deinem priesterlichen Wirken verbunden ist. Die Suche nach dem Frieden Christi verbindet uns. Du hast die Friedensarbeit von pax christi mitgeprägt. Die geistliche Dimension der christlichen Friedensbotschaft hat für dich bis heute immer einen politischen Bezug. Du bist stets dafür eingestanden, dass der Frieden Jesu Christi in der Geschichte der Menschen anfanghaft sichtbar werden soll. Und du bist über alle Auseinandersetzungen hinweg immer Gesprächspartner für die Menschen in pax christi geblieben. So wurdest du für uns Seelsorger und Impulsgeber, wissenschaftlicher Berater und treuer Freund. Auf diese Weise konntest du nach Pater Manfred Hörhammer der erste Geistliche Beirat der deutschen Sektion von pax christi werden. Wir sind dankbar, dass du mit deinem priesterlichen Wirken die Friedensarbeit von pax christi bis heute förderst und bereicherst.

 Möge dir weiterhin Gesundheit, Lebensfreude und Schaffenskraft beschieden sein.

Herzliche Glückwünsche

Johannes Schnettler

Das Ökumenische Begleitprogramm in Israel und Palästina (ÖFPI/EAPPI) ist ein Programm des Ökumenischen Rats der Kirchen, das Menschen auf beiden Seiten unterstützen will. Mitgliedskirchen und Organisationen, die ihnen verbunden sind, darunter auch pax christi, entsenden seit 5 Jahren Freiwillige in die Region. Aus Anlass des 31. Evangelischen Kirchentags im Juni sowie zum 40. Jahrestag der israelischen Besatzung palästinensischer Gebiete ist eine deutsche Sonderausgabe des Magazins des EAPPI "Chain Reaction" erschienen, in der ökumenische BegleiterInnen von ihren Erfahrungen und Aktivitäten berichten.

Im Vorwort heißt es: "Die Berichte der ökumenischen BegleiterInnen zeigen, dass es möglich ist, etwas zu tun, mögen es manchmal auch nur kleine Schritte im Hinblick auf einen gerechten Frieden im Nahen Osten sein. Wir hoffen, dass diese Beispiele eine Kettenreaktion der eigenen Art auslösen und viele Menschen dazu anstiften für Frieden und das Ende der israelischen Besatzung aktiv zu werden."

Die Broschüre mit dem Titel Gewaltfrei gegen die israelische Besatzung kann gegen eine Versandkostenpauschale von 2,00 Euro im pax christi-Sekretariat bestellt werden.

Zur Bestell-Seite: http://www.paxchristi.de/material/material.material/index.html

Bitte beachten Sie hierzu auch die Kurzmeldungen vom 5. und 8. Juli auf unserer Homepage.

Die diesjährige Ökumenische FriedensDekade, in deren Trägergruppe pax christi Mitglied ist, steht unter dem Motto "andere achten". Sebastian Krummbiegel, Sänger der Popgruppe "Die Prinzen" und dieses Jahr Schirmherr der FriedensDekade, ruft Gruppen und Gemeinden auf, sich zu beteiligen und mit Menschen aus fremden Ländern zu reden und sich für deren Kulturen zu interessieren. Ein 60-seitiges Materialheft liefert Ideen und Anregungen dazu.

Materialien zur Ökumenischen FriedensDekade vom 11.-21. November 2007: jetzt bestellen!

Das Heft sowie weitere Materialien können bestellt werden über www.friedensdekade.de. Die Auslieferung beginnt Ende Juli.

Ursel Kammann ist als pax christi-Freiwillige im Ökumenischen Begleitprogramm für Palästina und Israel (ÖFPI). Durch den Bau des „Sicherheitszaunes“ im Jahr 2003 hat das Dorf Jayyous 75% seines Farmlandes verloren, der Zaun verläuft 6 km innerhalb der grünen Linie. 60 % der Bauern dürfen ihr Land betreten, 40 % haben keine Genehmigung erhalten. Die Arbeitslosigkeit hat sich dadurch drastisch erhöht –ca.40%- und auch der Einkommensverlust durch fehlende Absatzmärkte. Das Foto zeigt eine schwedische ÖFPI-Freiwillige im Gepräch mit einem israelischen Soldaten.

Heute Morgen hatte ich „Dienst“ am Nordtor von Jayyous, einem der beiden Tore, die die Farmer mit einer speziellen Erlaubnis benutzen dürfen, um auf ihrem Land zu arbeiten. Für mich heißt es kurz nach 5 h aufstehen um nach einem Fußweg von 15 min. um 5.45 am Tor zu sein, das bis 7.15 h geöffnet ist.
Heute tut eine neue Einheit Dienst, vier Reservisten, die für drei bis vier Wochen diesem Tor zugewiesen sind. Sie kommen ohne besondere Vorbereitung und man sieht ihnen manchmal an, wie unsicher sie sind, häufig haben sie dann das Gewehr ständig schussbereit.
Die Soldaten heute sind ziemlich entspannt, sie haben zwar die Gewehre auch schussbereit, fertigen die Farmer und Farmarbeiter jedoch zügig ab. Das heißt, die IDs (Ausweise) und die besondere Erlaubnis werden geprüft, die Nummern registriert, weil am Abend überprüft wird, ob auch alle wieder zurückgekommen sind. Auf dem Farmland zu übernachten ist streng verboten und kostet zumindest die Erlaubnis. Die Farmer kommen auf Eseln, mit Eselskarren, mit Traktoren, die bei uns als Oldtimer wertvoll wären, zu Fuß, Männer, einige Frauen und Kinder. Die Kontrolle ist einfach diesmal, sie müssen ihre Verpflegungspakete nicht öffnen, keiner schaut in den Motorraum oder unter die Fahrzeuge.
Ich habe mir vorgenommen, mit so vielen Soldaten wie möglich zu sprechen um mehr darüber zu erfahren, wie sie denken. Die heute sind nicht besonders am Gespräch interessiert, vielleicht wird es nach ein paar Tagen anders, vielleicht entsteht Vertrauen.

Auf dem Rückweg spreche ich noch mit Muhammad, einem Ladenbesitzer, der leidlich Englisch spricht. Wie immer sitzt er vor seinem Laden und wartet auf die spärlichen Kunden. Er ist einer von denen, die ihr Land nicht mehr betreten dürfen. Darum hat er seinen kleinen Laden eröffnet. Er erzählt mir, dass er vier Söhne und eine Tochter hat und nicht das Geld, um ihnen Kleidung zu kaufen, schon gar nicht, um sie studieren zu lassen. Bildung hat einen hohen Stellenwert in Palästina und ist das einzige, das Eltern ihren Kindern mitgeben können. Seine Kunden können meist nicht mehr bezahlen, seit kein Geld mehr in die Westbank fließt. Seit fast zwölf Monaten haben Staatsbedienstete nur teilweise oder gar keine Gehälter mehr bekommen, sie lassen anschreiben. Er kann seine Lieferungen nicht mehr bezahlen. Er leidet sichtlich darunter, dass er seinen Kindern nicht das zukommen lassen kann, was ein guter Vater zu tun hat. Immer wieder fährt er sich mit der Hand über den Kopf.
Seine Tochter möchte ab August studieren, die Semestergebühren betragen 7.200 Shekel, er hat das Geld einfach nicht. „Ich bin von morgens um sechs bis abends um elf im Laden,“ sagt er, „und wenn ich nach Hause komme und alleine bin, dann weine ich. Ich kann meinen Kindern nichts geben, nicht einmal neue Jeans kann ich ihnen kaufen. Ich wünsche, ich könnte sterben.“ Ich sage ihm, dass ich glaube, er ist ein guter Vater, es tröstet ihn nicht. Er quält sich, weil er ihnen nicht mehr ermöglichen kann. Väter verwöhnen ihre Kinder. Ihn quält auch die Ungewissheit über sein Schicksal.
Das Gespenst des Transfers, die Ausweisung der palästinensischen Bevölkerung, bedroht ihn. „Wir wissen nicht, was die Israelis mit uns machen. Ich bin hier geboren, es ist mein Land, und ich darf nicht hingehen,“ klagt er. „Wenn ich von hier weg muss habe ich gar nichts mehr, kein Haus, kein Land, kein Geld. Wen das geschieht, dann wünsche ich mir, dass die Soldaten mich erschießen und ich sterben kann, hier in meinem Haus, mit meiner Familie.“ Und dann steht er auf und geht in den Laden und ich sehe, dass er Tränen in den Augen hat.

Gegen Mittag erwarten wir Besuch, ein Projektteam mit einem Kameramann hat sich angemeldet. Sie wollen einen Film drehen über eine Beduinenfamilie. Deren Haus ist durch den Zaun vom Dorf abgetrennt und liegt nun in israelischem Gebiet. Die Familie kann nur zu den festgelegten Öffnungszeiten des Südtores, dreimal am Tag 15 min., in das Dorf und zurück. Schulbesuch, Arztbesuche, Einkaufen - alles ist durch die Öffnungszeiten bestimmt. Sie können morgens ins Dorf und mittags oder abends zurück. Die Teammitglieder sind Palästinenser, der Kameramann, Alexi, ist Engländer, hat einen Presseausweis und die Erlaubnis, sich überall frei zu bewegen. Die Familie ist informiert.
Wir gehen zum Tor, das von 13.45 Uhr bis 14.00 Uhr geöffnet wird. Dort treffen wir den ältesten Sohn der Familie auf „unserer“ Seite des Zaunes und gehen mit ihm zu einer kleinen Anhöhe, von dort aus kann man das Haus auf der anderen Seite sehen. Als die Soldaten kommen und das Tor öffnen, erklären wir Ihnen worum es geht. Alexi fragt, ob er filmen darf und erhält die Erlaubnis. Dann beginnen die Verhandlungen.
Wir EAs hoffen, bei dieser Gelegenheit auch einmal auf die andere Seite des Zaunes zu kommen, außerdem wäre es gut, wenn einer der Palästinenser als Übersetzer mitgehen könnte. Die Soldaten sind höflich, einer unterhält sich sehr interessiert mit uns, sie telefonieren und wir erfahren, dass der Einsatzleiter kommen wird, um den Fall zu prüfen. Er kommt an, kurz bevor das Tor wieder geschlossen wird. Er ist ausnehmend höflich, teilt uns jedoch mit, dass wir alle nicht hinüber dürfen, Alexi müsse seinen Fall mit der vorgesetzten Militärbehörde koordinieren, er wäre bereit, solange mit dem Schließen des Tores zu warten. Presseausweis, besondere Genehmigung und internationaler Pass nützen nichts. Alexi erfährt, dass er seinen Besuch mit der Pressestelle in Jerusalem absprechen muss, heute kommt er auf keinen Fall hinüber. Während wir warten werden wir aufgefordert, das Gebiet des Tores zu verlassen. Dann wird das Tor von den Soldaten geschlossen und gesichert. Alexi ist derjenige, der am wenigsten betroffen ist, während wir alle ziemlich betrübt im Schatten eines Olivenbaumes sitzen.
So ist das eben, keiner trifft eine Entscheidung, jeder verweist einen an den nächsten und am Ende kriegt man eine Absage von einem Unbekannten am Telefon. Die Militärgewalt hat kein Gesicht und wir erleben unsere Machtlosigkeit.

Jayyous, Juli 2007

Brigitta Böckmann, derzeit für drei Monate als pax christi-Freiwillige im Ökumenischen Friedensdienst in Palästina und Israel ( ÖFPI ), berichtet sehr persönlich über die Umstände an den Checkpoints und über die besonderen Probleme, die alte und kranke Menschen dort erdulden müssen. Sie erzählt von einer kranken Frau, deren Behandlung am Checkpoint ihr Ende Juni die Tränen in die Augen trieb. Das Foto zeigt den Eingang zum Checkpoint früh am Morgen - die Warteschlange und zwei ÖFPI-Freiwillige mit ihren Westen.

Eigentlich widerstrebt es mir, Schauergeschichten nach Hause zu schicken. Es macht oft einen sensationslüsternen Eindruck, von dem ich mich ausdrücklich distanzieren möchte. Aber es passieren hier nun einmal Dinge, bei denen ich einfach nicht schweigen kann und auch nicht sollte, und diese Ereignisse erscheinen leider kaum in den Medien.
Der wichtigste Übergang von Bethlehem nach Jerusalem, der Checkpoint 300, wie er offiziell heißt, bedeutet für alle Einheimischen eine große Erschwernis und mitunter ein unüberwindbares Hindernis. Besonders betroffen davon sind allerdings vor allem kranke, alte oder behinderte Menschen, Mütter mit Babies und kleinen Kindern, eben all diejenigen, die der Hilfe am meisten bedürfen.
Ich erlebte, dass Patienten mit gültigen Papieren, mit ärztlichem Attest oder mit einer Überweisung in ein Jerusalemer Krankenhaus der Übergang verweigert wurde. Ich erlebte, dass nur den Patienten selbst der Übergang erlaubt wurde, nicht aber dem oder den sie begleitenden Angehörigen. Ich erlebte, dass aus diesem Grunde Menschen resigniert auf einen Check Up oder eine Behandlung an einem bestimmten Tag verzichteten und nach Hause in teilweise weit entfernte Orte zurückkehrten, um es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen - in der Hoffnung, dann auf freundlichere Soldaten zu treffen. Ich machte dabei die Erfahrung, dass es häufig von der Laune der Dienst habenden Soldaten abhängt, ob Menschen durchgelassen werden und wie sich das Procedere gestaltet. Aber selbst wenn alles ohne zusätzliche Schikanen ablaufen würde, denn dieser Checkpoint ist ohnehin eine nicht zu tolerierende Schikane, bedeutet der Durchgang für die sichtbar Schwerkranken eine unzumutbare Belastung.

Am Montag, dem 25. Juni 2007, erlebte ich morgens gegen sieben Uhr eine besonders unsensible und menschenunwürdige Behandlung:
Von Bethlehem aus gesehen an Ende des "Kuhstallgangs", wie ich den mit Eisen umzäunten ca. 100 m langen Aufgang zum Durchlass durch die Trennungsmauer nenne, wartete in der Menschenschlange eine sichtbar schwerkranke Frau, schätzungsweise 50 Jahre alt, mit ihrem erwachsenen Sohn auf Einlass. Die Drehtür war wieder einmal zu, wie so oft zwischendurch, wurde aber von dem Soldaten im Schalterhäuschen sofort geöffnet, als ich mich von innen näherte. Die Frau schien gehbehindert, sie schaffte es nur mit Mühe allein durch diese Drehtür, die immer nur eine Person durchlässt, sodass der Sohn ihr nicht helfen konnte. Ich nahm sie in Empfang, stützte und begleitete sie auf ihrem weiteren Weg durch das Terminal. Diese Frau war auf dem Weg zur stationären Aufnahme in das St. John's Hospital, einer Augenklinik in Ost- Jerusalem. Wie der Sohn mir erklärte, litt sie an einem bösartigen Tumor im Kopf. Vielleicht wegen des Tumors, vielleicht hervorgerufen durch die Medikamente, ich weiß es nicht, sie zeigte jedenfalls Lähmungserscheinungen in den Beinen und konnte außerden nur mit Mühe sprechen.
Vom Sohn und mir gestützt meisterten wir langsam den Weg über den Hof in das Innere des Terminals, vorbei an und durch die Menschenmassen der dort auf Abfertigung Wartenden zu dem wiederum durch eine Drehtür abgesperrten kleinen Bereich mit dem Metalldetektordurchgang, dem Laufband mit Rhöntgengerät für Gepäck etc. Dort aber begann die eigentliche Tortur: Es piepte, als sie sich da durch quälte, und sie wurde von der Soldatin im mit Panzerglas gesicherten Kabuff per schnarrendem Lautsprecher aufgefordert, wieder zurück zu gehen. Der Sohn und sie selbst waren verwirrt, wo war Metall verborgen? Ihre Habseligkeiten für den Krankenhausaufenthalt hatte der Sohn bereits auf das Laufband gelegt. Die Frau entfernte die Sicherheitsnadel, die ihr Kopftuch festhielt und gab sie mir. Doch wiederum piepte es beim Durchgehen. Die Soldatin wurde ungeduldig und brüllte durch den Lautsprecher, der natürlich in der ganzen Halle zu hören war und die wartenden Männer, die es eilig hatten, pünktlich zu ihrer Arbeit zu kommen, ebenfalls ärgerlich und ungeduldig machte .Wir zogen ihr die Schuhe aus und legten sie auf das Laufband, doch erneut piepte es. Unsicherheit und Verwirrung verstärkten sich, ebenso die Lautstärke der Menschenschlange.
Der Sohn wurde unmissverständlich aufgefordert, wieder zurück hinter die Drehtür in die wartende Menge zu gehen. Mein und sein Einwand, dass seine Hilfe bei dieser Prozedur unverzichtbar sei, nützten nichts. Die wartende Menge in der Halle wurde noch lauter, unruhiger und der Sohn hatte das auszuhalten. Es piepte weiter. Da sah ich die vermeintliche Ursache; es mussten die kleinen Pailletten sein, die als Schmuck am Halsausschnitt und Oberteil des traditionellen Kleides der Frau aufgestickt waren. Ich wies die Soldatin darauf hin, doch es half nichts. Im Gegenteil, ich selbst sollte zurückgehen.
Ich widersetzte mich dickköpfig diesem Befehl, stützte die Kranke weiterhin, nahm mein Mobiltelefon und rief die Humanitarian Hotline an, eine Möglichkeit für uns Beobachter in solchen Fällen oder in anderen unklaren oder strittigen Situationen. Doch auch das nützte nicht viel. Obwohl diese Soldatin, wie ich dann sah, wahrscheinlich einen Anruf von dort bekam, schickte sie diese Frau noch zweimal durch den Metalldetektor mit dem entsprechenden piependen Ergebnis, kam dann aus ihrem Kabuff heraus und zwang die Frau doch tatsächlich, ihr Kleid bis zu den Schultern hochzuheben und ihren BH ebenfalls. Da stand sie nun halb nackt in diesem öffentlichen Raum, nur mit ihrer Unterhose bekleidet, schwankend und von mir gehalten.
Meine Gefühle in diesem Augenblick kann ich kaum beschreiben: Entsetzliche Wut packte mich und mixte sich mit Traurigkeit, Scham, Hilflosigkeit. Ich konnte kaum an mich halten, ich hätte schreien, treten, um mich schlagen, am liebsten diese Soldatin ohrfeigen mögen wegen ihres niederträchtigen, unmenschlichen Verhaltens - statt dessen quollen mir nur die Tränen aus den Augen. Ich ließ es geschehen, half beim Ankleiden. Der Sohn kam danach auch, wir gingen weiter durch die nächsteund letzte Kontrolle, dem Identitätscheck mit der Abnahme des Fingerabdrucks.
Ich begleite die beiden weiter bis auf die Jerusalemer Seite und brachte sie zum Taxistand. Beim Einsteigen war die Frau so geschwächt, dass sie ihre Beine kaum noch bewegen konnte, es brauchte vier Männer, um sie ins Taxi zu setzen.
Immer noch heulend ging ich zurück und schämte mich meiner Tränen nicht.

Bethlehem, Juli 2007

pax christi begrüßt, dass die UN-Generalversammlung Gandhis Geburtstag zum Internationalen Tag der Gewaltfreiheit bestimmt hat. Auf einer internationalen Konferenz in Neu Delhi im Januar 2007 mit dem Titel: “Peace, Non- Violence and Empowerment – Gandhian Philosophy in the 21st Century” war die Idee entstanden, eine Resolution einzubringen, um Mahatma Gandhis Geburtstagsjubiläum zum Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit zu erklären. Mohandas Karamchand Gandhi wurde am 2. Oktober 1869 in Indien geboren. Die Generalversammlung entschied Mitte Juni 2007, künftig den 2. Oktober als Jahrestag in diesem Sinne zu begehen.

UN-Generalversammlung wählt Gandhis Geburtstag zum "International Day of Non-Violence".

In der Presserklärung der Vereinten Nationen vom 15.Juni 2007 heißt es:

UN declares 2 October, Gandhi’s birthday, as International Day of Non-Violence.

"The United Nations General Assembly today decided to observe the International Day of Non-Violence each year on 2 October – the birth anniversary of Mahatma Gandhi, who helped lead India to independence and inspired movements for civil rights and freedom across the world.

Introducing the resolution adopted by the 192-member body, Anand Sharma, India’s Minister of State for External Relations, said the idea originated at an international conference on “Peace, Non-Violence and Empowerment – Gandhian Philosophy in the 21st Century” convened in New Delhi in January this year.

The late leader’s “novel mode of mass mobilization and non-violent action” brought down colonialism, strengthened the roots of popular sovereignty, of civil, political and economic rights, and greatly influenced many a freedom struggle and inspired leaders like Nelson Mandela and Martin Luther King Jr., Mr. Sharma stated.

The Assembly, “desiring to secure a culture of peace, tolerance, understanding and non-violence,” invited States, UN bodies, regional and non-governmental organizations (NGOs) and individuals to commemorate the Day, including through education and public awareness.”

In der gerade erscheinenden Juni-Ausgabe des Kleinwaffen-Newsletters finden Sie unter anderem einen detaillierten Artikel des Historikers Roman Deckert zu deutschen Waffenlieferungen in den Sudan und in die Region Horn von Afrika. Außerdem gibt es einen Hinweis auf eine neue Materialliste zu Kleinwaffen, die von Ohne Rüstung Leben herausgegeben wurde. Die Munitionsrubrik befasst sich in diesem Monat mit dem NATO-Standardkaliber und dessen völkerrechtlich bedenklicher Wirkungsweise. Jürgen Grässlin und Stephan Möhrle stellen ihre neu entwickelte Unterrichtseinheit zu "PC-Killerspielen" vor, die z.B. für Schulstunden gedacht ist.

pax christi beteiligt sich am DAKS (Deutsches Aktionsnetzwerk Kleinwaffen Stoppen)

Der Kleinwaffen-Newsletter des Deutschen Aktionsnetzes Kleinwaffen Stoppen (DAKS) wird gefördert von: DAKS-Fonds "Gerechtigkeit für Kleinwaffenopfer" (angesiedelt beim RüstungsInformationsBüro), Friedenszentrum Braunschweig, deutsche Sektion von pax christi, Kampagne gegen Rüstungsexport bei Ohne Rüstung Leben, Oxfam Deutschland e.V., Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und von allen Mitgliedern des DAKS. Herzlichen Dank an unsere Unterstützer!

Zum Weiterempfehlen: Wenn Sie den Kleinwaffen-Newsletter abonnieren wollen (als kostenlose E-Mail), senden Sie einfach eine Mail mit dem Stichwort "Kleinwaffen-Newsletter" an: rib.freiburg@gmx.de

Auf der Internetseite des RIB-Archivs können Sie frühere Newsletter nachlesen: http://www.rib-ev.de/daks/newsletter.htm Hier erfahren Sie auch mehr über unsere Unterstützer-Organisationen.

(André Maertens, Koordinator des Deutschen Aktionsnetzes Kleinwaffen Stoppen - DAKS)

In Ammann, Jordanien, fand vom 18.-20.5.2007 eine Internationale Friedenskonferenz statt, bei der auch das „Ökumenische Forum Palästina Israel“ gegründet wurde. Dadurch soll die ökumenische Zusammenarbeit in dieser Krisenregion erweitert und gestärkt werden, um den Frieden dort zu fördern. Pax Christi International (PCI) war vertreten durch ihren internationalen Präsidenten, den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, S.H. Michel Sabbah, den Direktor des „Arab Educational Institute (AEI) in Bethlehem, Dr. Fuad Giacaman, und Fr. Paul Lansu vom Internationalen Sekretariat in Brüssel. 130 Teilnehmende aus Mitgliedskirchen und Kooperationspartner des Ökumenischen Rates der Kirchen – aus sechs Kontinenten - gründeten das neue Forum und verabschiedeten den folgenden „Amman-Aufruf“.

PCI unterstützt Internationale Friedenskonferenz des Weltkirchenrates

Forderungen von Amman

1. Fast 60 Jahre sind vergangen, seitdem die christlichen Kirchen zum ersten Mal mit einer Stimme über den arabisch-israelischen Frieden gesprochen haben. Während der letzten 40 Jahre rufen die christlichen Kirchen nach einem Ende der israelischen Besetzung von Palästi-na. Genau an dem Ort, wo Jesus Christus über die Erde gegangen ist, trennen jetzt Mauern die Familien, und die Kinder Gottes – Christen, Muslime, Juden – sind gefangen in eine immer tiefer werdende Spirale von Gewalt, Demütigung und Verzweiflung. Die palästinensischen Christen von Gaza bis Jerusalem und Nazareth haben an ihre Brüder und Schwestern in Chris-to einen Hilferuf mit ihren dringenden Anliegen geschickt: „Genug ist genug. Keine Worte mehr ohne Taten. Es ist Zeit zu handeln!“

2. Wir freuen uns über die zeitgerechten und prophetischen Stellungnahmen der Kirchenfüh-rer in Jerusalem. Wir bestätigen, dass „die Kirchen Teil des Konfliktes sind, weil die Kirchen nicht länger schweigen dürfen, wo es noch Leiden gibt. Die Rolle der Kirchen ist es zu heilen und alle Seiten zu einer Versöhnung zu bringen.“ Unser Glaube an Gott verhält uns, „alle Kinder Gottes in allen Religionen und politischen Parteien zu respektieren.“ Wir sichern den Kirchen in Palästina und Israel unsere Gebete, unsere Mitarbeit und unsere Ressourcen zu.

3. So bestätigen wir Vertreter der christlichen Kirchen und kirchennahen Organisationen von „allen Enden der Erde“ in Amman, Jordanien, am 18. – 20. Juni 2007, in den Tagen, in denen sich die Krise in den besetzten palästinensischen Gebieten noch vertieft hat, und während denen auch der Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen bedacht wird, die Entscheidung des Zentralkomitees des Weltkirchenrates und starten das „Ökumenische Forum Palästina – Israel“ als Instrument, „kirchlicher Anwaltschaft für neue und bereits existierende Friedens-bemühungen zu katalysieren und zu koordinieren mit dem Ziel, die illegale Besetzung in Ü-bereinstimmung mit UNO-Resolutionen zu beenden, und ihrer Verpflichtung zu interreligiö-sem Handeln für Frieden und Gerechtigkeit nachzukommen, was allen Völkern der Region dient.“

4. Diese Aktion ist die Antwort auf drei fundamentale Forderungen, die uns zum Handeln aufrufen:

- Die ethische und theologische Forderung nach einem gerechten Frieden.

- Die ökumenische Forderung nach Einheit in der Aktion.

- Die Forderung aus dem Evangelium nach kostbarer Solidarität.

5. Die Voraussetzungen für dieses Handeln sind die folgenden:

5.1 Dass die UNO-Resolutionen die Basis für den Frieden sind und die Genfer Konventionen anwendbar sind für die Rechte und Verantwortlichkeiten des betroffenen Volkes.

5.2 Dass die Palästinenser das Recht auf Selbstbestimmung haben und das Recht auf Rück-kehr.

5.3 Dass die Zwei-Staaten-Lösung politisch, geografisch, ökonomisch und sozial lebensfähig ist.

5.4 Dass Jerusalem für die beiden Völker und drei Religionen eine offene, zugängliche, in-klusive und teilbare Stadt ist.

5.5 Dass sowohl Palästinenser wie auch Israelis legitime Bedürfnisse nach Sicherheit haben.

5.6 Dass die israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten illegal sind und ein Hindernis für den Frieden darstellen.

5.7 Dass die „Trennungsmauer“, die Israel in den besetzten palästinensischen Gebieten er-richtet, ein schwerer Bruch internationalen Rechts ist und aus den besetzten Gebieten ent-fernt werden muss.

5.8 Dass es für diesen Konflikt keine militärische Lösung gibt. Gewalt in allen ihren Formen kann nicht gerechtfertigt werden, ob die Übertretung seitens der Israelis oder der Palästi-nenser geschieht.

5.9 Dass ein umfassender regionaler Friede nicht abzutrennen ist von einem gerechten Frie-den in Israel und Palästina.

5.10 Dass das Leben und Zeugnis der lokalen Kirchen im Zentrum der weltweiten kirchlichen Anwaltschaft für einen gerechten Frieden steht.

6. Wir verstehen das Mandat des Ökumenischen Forums Palästina-Israel als einen Raum, wo wir umfassende strategische Zugänge zu den beiden Prozessen des Frieden-Machens und Frieden-Aufbauens entwickeln wollen. Eine inklusive Kerngruppe, die vom Weltkirchenrat dringend einberufen wird, sollte beauftragt werden, dieses zu fördern und eine verbesserte Koordination zwischen allen Akteuren sicher zu stellen. Die Kerngruppe wird durch die Be-richte der Arbeitsgruppen der Amman-Konferenz informiert, und ihre Zusammensetzung und ihr Mechanismus sollen vom Weltkirchenrat bezeichnet und angekündigt werden.

7. Frieden A ufbauen wird folgende Punkte enthalten:

7.1 Theologische und biblische Perspektiven und christliche Erziehungsgrundlagen rund um die Streitfragen, die im Zentrum des Konflikts liegen, sollen hervorgehoben werden.

7.2 Strategien sollen entwickelt werden, die die Prozesse von Gerechtigkeit und Versöhnung tragen, einschließlich interreligiösem Dialog und Zusammenarbeit.

7.3 Verstärken der Reaktion der Kirchen auf die Besetzung.

7.4 Alle Bemühungen der israelischen und der palästinensischen Zivilgesellschaft, die mit der Vision und den Zielen des Ökumenischen Forums Palästina Israel (PIEF) im Einklang sind, erkennen, ermutigen und mit diesen zusammenarbeiten.

8. Frieden Schaffen wird folgendes einschließen:

8.1 Maßnahmen definieren und benennen – einschließlich ökonomische – die helfen könnten, die Besetzung zu beenden und nachhaltiges Wachstum und Entwicklung zu steigern.

8.2 Bestehende Bemühungen verstärken und neue Modelle von Solidarität der Kirche in Ak-tion herausfinden. Lokale Kirchen und kirchenverwandte Organisationen nicht nur beim Überleben und der Weiterführung ihres kräftigen Einsatzes, einschließlich Erziehungs-, Gesundheits-, kulturelle und soziale Dienste unterstützen, sondern auch ihr Gedeihen und ihr Zeugnis der Hoffnung fördern.

8.3 Eine langfristige Strategie der Anwaltschaft entwickeln, um alle unsere Anhänger zu mo-bilisieren und einen Wechsel zu beeinflussen.

Herausforderungen von Amman

9. Wir haben die Stimmen der christlichen Kirchen von Palästina und Israel gehört, die fol-gendes von uns gefordert haben:

9.1 Handelt mit uns, um alle Völker dieses Landes von der Logik des Hasses, der gegenseiti-gen Zurückweisung und des Todes zu befreien, so dass sie im Anderen das Gesicht und die Würde Gottes sehen.

9.2 Betet mit uns in unserem Bemühen, dem Bösen zu widerstehen in allen seinen Verklei-dungen.

9.3 Erhebt eure Stimmen mit uns, wenn wir sprechen „der Wahrheit Kraft“ und mutig die Ungerechtigkeiten benennen, die wir sehen und erfahren. Die illegale Besetzung hat zwei Generationen an diesem gefolterten Ort das Leben gestohlen, und sie bedroht die nächste mit Hoffnungslosigkeit und Wut.

9.4 Riskiert die Flüche und Verleumdungen, die sie euch nachwerfen und steht in Solidarität mit uns und mit unseren palästinensischen Schwestern und Brüdern aller Glaubens-richtungen, wenn wir trotzig die Möglichkeit von uns weisen, dass die Besetzung andau-ern wird.

9.5 Helft uns, Mauern einzureißen und Brücken zwischen allen Völkern der Region zu bauen oder wieder aufzubauen. Extremismus von allen Seiten produziert Chaos. Er droht, uns zu spalten und die Brücken zwischen den Völkern, die zu Versöhnung und Frieden füh-ren, zu zerstören.

9.6 Gebt eure Hoffnung zu unserer in dem Wissen, dass das Böse und die Verzweiflung durch den Tod unseres Herrn am Kreuz und durch seine Auferstehung überwunden sind.

9.7 Besteht mit uns darauf, dass alle Enteigneten, alle Flüchtlinge das Recht haben zurück zu kehren.

9.8 Werdet unsere PartnerInnen, wenn wir den Frieden suchen und diesen Weg gehen. Friede ist möglich. Christen, Muslime und Juden haben einander verstanden, können und wollen miteinander als Nachbarn leben.

10. Und wir VertreterInnen der christlichen Kirchen und kirchennahen Organisationen von allen Enden dieser Erde, antworten darauf:

11. Ja, wir wollen. Wir wollen miteinander handeln und beten, sprechen und arbeiten, und unseren guten Ruf und unser Leben riskieren, um mit euch Brücken für einen anhaltenden Frieden zwischen den Völkern dieses gefolterten und wunderbaren Stückes Erde – Palästina und Israel – zu bauen, um diese Dekaden der Ungerechtigkeit, der Demütigung und Unsicher-heit zu beenden, um die Dekaden des Lebens als Flüchtlinge und unter Besetzung zu beenden. Wir wollen mit euch arbeiten, um den Frieden zu suchen und danach zu streben. Wir haben es zugelassen, dass zu viel Zeit verstreicht. Die Zeit hat dem Anliegen des Friedens nicht geholfen, sondern dem Anliegen des Extremismus. Das ist unser dringendes Anliegen, das kann nicht warten.

Amman, 21. Juni 2007

(Übers.: Gerhilde Merz, Pax Christi Österreich)

In der Nacht zum Samstag wurde nach langem zähem Ringen und vielen gegenseitigen Zugeständnissen der EU-Staatschefs in Brüssel die Basis für einen neuen Grundlagenvertrag der EU gelegt, der in einer baldigen Regierungskonferenz beschlossen werden soll. Alles was an „Verfassung“ erinnert, wurde gestrichen, die Grundrechte-Charta in ihrer Verpflichtung für die Staaten relativiert – und damit in ihrer Glaubwürdigkeit beschädigt -, gleichwohl ein Großteil der institutionellen Veränderungen des bisherigen Verfassungsvertrages durchgesetzt. Man sei „aus der Erstarrung herausgekommen“, sagte Bundeskanzlerin Merkel am Morgen nach der Einigung mit Polen in der Nacht zum Samstag.

Die gestärkte Rolle des Außenbeauftragten, der nicht Außenminister heißen darf, der nicht in Frage gestellte Ausbau der Rüstungs/Verteidigungsagentur und die Ignoranz gegenüber Vorschlägen der Zivilgesellschaft – auch von pax christi - für eine Agentur zur Zivilen Konfliktbearbeitung führen dazu, dass sich pax christi in ihrer Skepsis bestätigt sieht: die EU als neuer Machtblock hat starke demokratische, zivile und soziale Defizite und es braucht weiterhin Zeit, Geduld und gegenseitige Achtung, um wirklich die Grundlagen für eine demokratisch legitimierte und akzeptierte „Verfassung“ zu entwickeln, die diesen Namen verdient.

Dazu wird pax christi auf der Basis ihres Memorandums „Europa eine Seele geben“ weiter arbeiten – für ein demokratisches, soziales und ziviles Europa mit transparenter und dialogischer Praxis.

(Reinhard J. Voß, Generalsekretär, Bad Vilbel, den 23.6.2007)

Als hilfreich angesehen werden dazu die 10 Punkte von ATTAC EUROPA:

1) Ein neuer Konvent muss demokratisch von den EU-BürgerInnen gewählt und ein neuer Vertrag durch Referenda in allen Mitgliedsstaaten legitimiert werden.

2) Das Europäische Parlament muss das Gesetzesvorschlags- und Mitentscheidungsrecht in allen Politikfeldern erhalten sowie das Recht, die Kommissionsmitglieder einzeln zu wählen und abzuwählen.

3) Alle Sitzungen und Arbeitsgruppen des Rates und der ständigen VertreterInnen müssen öffentlich sein. LobbyistInnen, Mitglieder des Parlaments sowie der Kommission müssen ihre Finanzierung offen legen.

4) Der Bevölkerung soll nicht nur ein Vorschlagsrecht für Gesetze und das Instrument des Volksbegehrens gegeben werden, sondern auch das Instrument des Volksentscheids.

5) Die fortschrittlichsten Grundrechte müssen einklagbar verankert werden. Die EU muss der Europäischen Menschenrechtskonvention beitreten.

6) Demokratische Errungenschaften müssen geschützt und ausgebaut werden. Umwelt-, Sozial- und Arbeitsstandards müssen in Kooperation erhöht werden.

7) Ein Vertrag darf kein bestimmtes Wirtschaftsmodell festlegen und muss auf allen Ebenen alternative Entscheidungen zulassen. Der "freie" Wettbewerb darf kein allem übergeordnetes Prinzip der EU sein.

8) Ein Vertrag muss Ziele, nicht deren Mittel definieren: Ökologische Nachhaltigkeit muss den Binnenmarktfreiheiten übergeordnet werden. In der Geldpolitik ist Vollbeschäftigung wichtiger als "Preisstabilität". In der Verkehrspolitik ist nachhaltige Mobilität wichtiger als Autobahnen. In der Agrarpolitik sind kleinbäuerliche Strukturen und gesunde Lebensmittel wichtiger als "Produktivitätssteigerung".

9) Das Steuer-, Sozial-, Lohn- und Umweltdumping muss in eine Aufwärtsspirale gewendet werden - durch ehrgeizige Mindeststandards, Korridore oder das Vorausgehen von Ländergruppen.

10) Ein Vertrag muss eine Friedens- statt Aufrüstungspflicht festschreiben.

„Am Beispiel deutscher Unternehmen in der DR Kongo wird gezeigt, mit welchen Herausforderungen Unternehmer in einem Krisenland konfrontiert werden und unter welchen Rahmenbedingungen sie ihre Entscheidungen treffen. Das Forum Menschenrechte und das Ökumenische Netz Zentralafrika (ÖNZ) möchten mit dieser Studie die unternehmerische Verantwortung im Überhang von Gewalt- zu Friedensökonomie darstellen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der menschenrechtlichen Verantwortung von Unternehmen.“ (Fazit der Einleitung, S.21)

Deutsche Unternehmen in der Demokratischen Republik Kongo vorgestellt

Vorgestellt werden Beispiele aus den Bereichen Tropenholz/Siforco, Banken/ProCredit, Medikamente/Pharmakina, Bergbau/Somikivu und Energie/Inga-Damm und Kivu-See. In den Schlussfolgerungen der Zusammenfassung heißt es, dass es um verstärkte Kooperation von Entwicklungszusammenarbeit und deutschen Privatinvestitionen geht, um „eine Synergie zwischen privaten und öffentlichen Initiativen aus Deutschland in der DR Kongo. (…) Die konzeptionelle Zusammenarbeit sollte insbesondere in der Entwicklungs-, Energie- und Klimapolitik ausgebaut und auf die Förderung nachhaltiger Entwicklung in den Entwicklungsländern ausgeweitet werden.“

Hauptautor ist der als TAZ-Korrespondent bekannte Dominic Johnson. MitautorInnen sind Cornelia Heydenreich (Germanwatch), Michael Krennerich (Nürnberger Menschenrechtszentrum), Jochen Motte (VEM), Karin Müller (ÖNZ) und Katarina Spiess (ai) sowie Jean Claude Katende und Mabiala Mantuba-Ngoma. Bei der inhaltlichen Beratung arbeitete von pax christi Dr. Heinz Werner Wessler aus der Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“ mit. Das Grußwort schrieb der frühere Bundesinnenminister Gerhart R. Baum.

pax christi als Mitglied im ÖNZ und im Forum Menschenrechte empfiehlt diese Broschüre (120 S.) als politisches Hintergrund- und Aktionsmaterial. Die Hefte sind gegen Bearbeitungs- bzw. Portogebühr zu erhalten.

Information und Bestellung: ÖNZ, Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin. Tel. 030 -48 62 57 00 – office@oenz.de

Eine kurze Inhalts-Übersicht:

Grußwort

Vorwort

Zusammenfassung

Einleitung

Menschenrechtliche Verantwortung von Unternehmen

Deutsche Unternehmen und der Übergang von Kriegs- zu Friedenswirtschaft

Deutsche Unternehmen in der DRK – Tropenholz, Banken, Medikamente, Bergbau, Energie

Die Zivilgesellschaft in der DRK – Kampf, Aktivitäten und Ambitionen

Für einen konstruktiven Dialog zwischen der Zivilgesellschaft und den Unternehmen in der DRK

Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Anmerkungen

Weiterführende Links

Uri Avnery (Gush Shalom/Friedensblock) sieht in Israel „Krokodilstränen“ und Mustafa Barguti (ehemaliger Informationsminister Palästinas) nennt die westlichen Reaktionen „inhuman und politisch kurzsichtig“.

Stimmen von Uri Avnery (Israel) und Mustafa Barguti (Palästina)

Mustafa Barguti aus Ramallah, ehemaliger Präsidentschaftskonkurrent von Mahmud Abbas, Vertreter der palästinensischen Zivilgesellschaft und Informationsminister der aufgelösten Einheitsregierung, fordert Neuwahlen für Palästina und sagt zum plötzlichen Geldsegen des Westens für die Fatah-Notstandsregierung in der Westbank bei gleichzeitiger Isolation von Gaza (im FR-Interview am 20.6.2007):

„Ein schreckliches Konzept. Es ist inhuman und politisch kurzsichtig. Unter der Gaza-Isolation wird nicht die Hamas leiden, die sich immer ihr Geld besorgt hat. Die Menschen dort werden auch nicht verstehen, weshalb sie das alles ausbaden sollen. In der Westbank wiederum ist nicht der Mangel an Geld das Hauptproblem, sondern die Besatzung, die Checkpoints, die Sperrmauer. Wird man das alles angehen? Nein. Die Leute in der Westbank werden für drei Monate zufrieden sein, weil sie ihre Gehälter wieder bekommen, bis ihnen klar wird, dass sich an ihrer Lage nichts verbessert hat.“

Uri Avnery, Urgestein der israelischen Friedensbewegung, sieht die Entwicklung ebenso kritisch aus israelischer Sicht:

WAS GESCHIEHT, wenn anderthalb Millionen Menschen auf einem winzigen, unfruchtbaren Streifen Land eingesperrt sind, abgeschnitten von ihren Landsleuten und jedem Kontakt zur Außenwelt, Opfer einer wirtschaftlichen Blockade und nicht mehr in der Lage, ihre Familien zu ernähren? Vor einigen Monaten beschrieb ich diese Situation als ein soziologisches Experiment Israels, der USA und der EU. Die Bevölkerung des Gazastreifens diente als Versuchskaninchen.

In dieser Woche zeigte das Experiment Ergebnisse. Sie beweisen, dass menschliche Wesen genau wie andere Lebewesen reagieren: wenn zu viele von ihnen in einem kleinen Gebiet unter miserablen Bedingungen zusammengepfercht sind, werden sie aggressiv und sogar mörderisch. Die Organisatoren des Experimentes in Jerusalem, Washington, Berlin, Oslo, Toronto und anderen Hauptstädten konnten nun befriedigend ihre Hände reiben. Die Opfer des Experimentes reagierten, wie vorauszusehen war. Viele von ihnen starben sogar.

Aber das Experiment ist noch nicht zu Ende. Die Forscher wollen genau wissen, was geschieht, wenn die Blockade noch strenger durchgeführt wird.

WAS HAT die gegenwärtige Explosion im Gazastreifen verursacht?

Der Zeitpunkt, an dem Hamas die Entscheidung traf, den Gazastreifen mit Gewalt zu übernehmen, war nicht zufällig. Die Hamas hat gute Gründe, dies zu vermeiden. Die Organisation ist nicht in der Lage, die Bevölkerung zu ernähren. Sie hat kein Interesse daran, das ägyptische Regime zu provozieren, das gerade dabei ist, die Muslimbrüder, die Mutterorganisation von Hamas, zu bekämpfen. Die Organisation hat auch kein Interesse daran, Israel einen Vorwand zu liefern, die Blockade noch enger zu gestalten.

Doch die Hamasführer entschieden, dass sie keine Alternative hätten, als die bewaffneten Organisationen zu zerstören, die mit der Fatah liiert sind und Präsident Mahmoud Abbas unterstehen. Die USA hatte Israel empfohlen, diese Organisationen mit einer Menge Waffen auszurüsten, damit sie gegen die Hamas kämpfen könnte. Die israelische Armee war von dieser Idee nicht begeistert und fürchtete, dass die Waffen schließlich in die Hände der Hamas fallen könnten (wie es tatsächlich auch schon geschehen ist). Aber unsere Regierung gehorchte -- wie immer - den amerikanischen Befehlen.

Das amerikanische Ziel ist eindeutig. Präsident Bush hat für jedes islamische Land einen lokalen Führer ausgesucht, der unter amerikanischem Schutz herrschen und amerikanischen Befehlen folgen sollte: Im Irak, im Libanon und nun auch in Palästina.

Hamas ist davon überzeugt, dass der für diesen Job auserwählte Mann im Gazastreifen Mohammed Dahlan ist. Seit Jahren sah es danach aus, als ob er genau für diese Position vorbereitet würde. Die amerikanischen und israelischen Medien sangen ein Loblied auf ihn und beschrieben ihn als starken, entschiedenen Führer, "moderat" ( d.h. den amerikanischen Befehlen gehorchend) und "pragmatisch" ( d.h. den israelischen Befehlen gehorchend). Und je mehr die Amerikaner und Israelis Dahlan lobten, um so mehr untergruben sie seinen Ruf unter den Palästinensern. Besonders als Dahlan sich in Kairo aufhielt, als ob er auf die für seine Männer versprochenen Waffen wartete.

In den Augen der Hamas ist der Angriff auf die Stellungen der Fatah im Gazastreifen ein Präventivkrieg. Die Organisationen von Abbas und Dahlan schmolzen wie Schnee in der palästinensischen Sonne dahin. Die Hamas hat problemlos den ganzen Gazastreifen übernehmen können.

Wie konnten sich die amerikanischen und israelischen Generäle noch einmal so sehr verkalkulieren? Sie sind nur in der Lage, nach streng militärischen Begriffen zu denken: so und so viele Soldaten, so und so viele Maschinengewehre. Aber bei internen Kämpfen sind quantitative Berechnungen zweitrangig. Die Moral der Kämpfer und die allgemeine Stimmung sind weit wichtiger. Die Mitglieder der Fatah wissen nicht, wofür sie kämpfen. Die Bevölkerung von Gaza unterstützt Hamas, weil sie glaubt, sie kämpfe gegen die israelischen Besatzer. Ihre Gegner werden als Kollaborateure der Besatzung angesehen. Das amerikanische Statement über ihre Absicht, sie mit israelischen Waffen auszurüsten, hat sie endgültig verurteilt.

Das hat nichts mit islamischem Fundamentalismus zu tun. Diesbezüglich sind alle Nationen gleich : sie hassen Leute, von denen sie annehmen, dass sie mit dem fremden Besatzer kollaborieren -- ob sie nun Norweger (Quisling), Franzosen (Petain) oder Palästinenser sind.

IN WASHINGTON und Jerusalem beklagen die Politiker die "Schwäche von Mahmoud Abbas".

Nun sehen sie, dass die einzige Person, die eine Anarchie im Gazastreifen und auf der Westbank hätte verhindern können, Yasser Arafat gewesen wäre. Er hatte natürliche Autorität. Die Massen verehrten ihn. Selbst seine Gegner wie die Hamas respektierten ihn. Er baute mehrere Sicherheitsapparate auf, die mit einander im Wettstreit lagen, um einen einzigen Apparat zu verhindern, der einen Staatsstreich hätte ausführen können -- wie es jetzt im Gazastreifen geschehen ist. Arafat war in der Lage, zu verhandeln, ein Friedensabkommen zu unterzeichnen und sein Volk dahin zu bringen, dieses zu akzeptieren.

Aber Arafat wurde von Israel als Monster angeprangert, in die Mukatah eingesperrt und am Ende umgebracht. Die Palästinenser wählten Mahmoud Abbas zu seinem Nachfolger, da sie hofften, er würde von den Amerikanern und Israelis das erhalten, was sie Arafat zu geben sich weigerten.

Wenn die Führer in Washington und Jerusalem tatsächlich an Frieden interessiert gewesen wären, hätten sie sich beeilt, mit Abbas ein Friedensabkommen zu unterzeichnen. Er hatte erklärt, er wäre bereit, dieselben weitreichenden Kompromisse zu machen wie Arafat. Die Amerikaner und Israelis überhäuften ihn mit allem erdenklichen Lob -- wiesen ihn aber bei jeder konkreten Sache schroff zurück..

Sie machten Abbas nicht die geringsten Zugeständnisse. Ariel Sharon rupfte ihm die Federn aus und verkündete dann, Abbas sei wie "ein gerupftes Huhn". Nachdem die Palästinenser geduldig aber vergeblich darauf gewartet hatten, Bush werde sich bewegen, stimmten sie für die Hamas, um mit verzweifelter Hoffnung durch Gewalt das zu erlangen, was Abbas nicht auf diplomatischem Wege erreichte.

Die israelischen Führer -- die militärischen wie auch die politischen -- waren überglücklich. Sie waren daran interessiert, Abbas' Autorität zu schwächen, weil er Bushs Vertrauen hatte. Sie taten alles, um die Fatah zu demolieren. Um sicher zu gehen, verhafteten sie Marwan Barghouti, die einzig fähige Person, die Fatah wenigsten in der Westbank aufrecht zu halten.

Der Sieg der Hamas passte vollkommen zu ihren Zielen. Mit der Hamas muss man nicht reden, auch nicht den Rückzug aus den besetzten Gebieten anbieten oder gar die Auflösung der Siedlungen. Die Hamas ist das Monster unserer Zeit, eine "Terroristenorganisation" -- und mit Terroristen verhandelt man nicht.

WARUM ALSO waren die Leute in Jerusalem in dieser Woche nicht zufrieden? Und warum entschieden sie, nicht "dazwischen zu gehen"?

Die Medien und die Politiker, die zwar seit Jahren mitgeholfen hatten, die palästinensischen Organisationen gegen einander zu hetzen, zeigten sich befriedigt und rühmten sich mit " Genau das sagten wir doch!". Schaut, wie die Araber sich nun gegenseitig umbringen. Ehud Barak hatte recht, als er vor Jahren sagte, dass unser Land wie "eine Villa mitten im Dschungel" ist.

Aber hinter den Kulissen konnte man Stimmen der Beunruhigung und Angst vernehmen.

Die Verwandlung des Gazastreifens in ein Hamastan hat eine Situation geschaffen, für die unsere Führer nicht vorbereitet waren. Was muss jetzt getan werden? Den Gazastreifen völlig abschneiden und die Menschen dort verhungern lassen? Mit der Hamas Kontakt aufnehmen? Den Gazastreifen noch einmal besetzen - nun, wo es zu einer großen Panzerfalle geworden ist? Die UN zu bitten, dort eine internationale Truppe zu stationieren -- und wenn ja, welches Land wäre so wahnsinnig, seine Soldaten in diese Hölle zu senden?

Unsere Regierung hat jahrelang daran gearbeitet, die Fatah zu zerstören, um über kein Abkommen verhandeln zu müssen, das zum Rückzug aus den besetzten Gebieten und zur Auflösung der Siedlungen dort führen würde. Jetzt, wo genau dieses Ziel scheinbar erreicht worden ist, haben sie keine Idee, wie man sich gegenüber dem Hamassieg verhalten soll.

Sie beruhigen sich mit dem Gedanken, dass dies in der Westbank nicht geschehen würde. Dort herrscht die Fatah. Dort hat die Hamas keinen Rückhalt. Dort hat unsere Armee schon die meisten politischen Hamasführer verhaftet. Dort hat Abbas noch überlebt.

So reden Generäle -- mit der Logik der Generäle. Aber auch in der Westbank hat die Hamas bei den letzten Wahlen die Mehrheit der Stimmen erhalten. Auch dort ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Bevölkerung ihre Geduld verliert. Sie sieht die Expansion der Siedlungen, die Mauer, erlebt die Überfälle unserer Armee, die gezielten Tötungen, die täglichen Verhaftungen. Sie wird irgendwann auch explodieren.

Die auf einander folgenden israelischen Regierungen haben die Fatah systematisch zerstört, ständig Abbas' Autorität beschnitten und für die Hamas den Weg gepflastert. Nun vergießen sie Krokodilstränen.

WAS SOLLTE nun getan werden? Soll Abbas boykottiert werden oder soll man ihn mit Waffen ausrüsten, um ihn in die Lage zu versetzen für uns gegen die Hamas zu kämpfen? Soll man ihn auch weiterhin daran hindern, irgendein politisches Ziel zu erreichen oder ihm wenigstens ein paar Brosamen hinwerfen? Und wenn ja -- ist es nicht viel zu spät?

(An der syrischen Front: weiter Lippenbekenntnisse abgeben und alle Bemühungen Bashar Assads, mit Verhandlungen zu beginnen, sabotieren? Im Geheimen verhandeln, trotz amerikanischer Einwände? Oder weiterhin einfach gar nichts tun?)

Im Augenblick gibt es keine Politik und keine Regierung, die politische Entscheidungen trifft.

Wer wird uns also retten? Ehud Barak?

Baraks Sieg bei den Vorwahlen der Laborpartei hat ihn fast automatisch zum nächsten Verteidigungsminister gemacht. Seine starke Persönlichkeit und seine Erfahrung als Generalsstabschef und Ministerpräsident sichert ihm eine beherrschende Position in der neu aufgestellten Regierung. Olmert wird sich mit Angelegenheiten befassen, in denen er ein unübertrefflich ist -- in Parteiintrigen. Aber Barak wird den entscheidenden Einfluss auf die Politik haben.

In den Regierungen der beiden Ehuds, wird Ehud Barak über Krieg und Frieden entscheiden. Bis jetzt waren praktisch all seine Entscheidungen vpn negativen Ergebnissen geprägt. Er hatte mit Assad, dem Vater, schon fast ein Abkommen erreicht und im letzten Augenblick wieder aufgegeben. Er hat die israelische Armee aus dem Südlibanon herausgezogen, ohne mit der Hisbollah zu reden, die dann den Südlibanon übernahm. Er zwang Arafat nach Camp David zu kommen, beleidigte ihn dort und erklärte, wir haben keinen Partner für den Frieden. Dies bedeutete den Todesschlag für Friedensaussichten -- es war ein Schlag, nach dem die israelische Gemeinschaft noch immer wie gelähmt ist. Er rühmte sich, seine wirkliche Absicht sei die gewesen, Arafat zu entlarven. Er war eher ein gescheiterter Napoleon als ein israelischer De Gaulle.

Wird ein Äthiopier seine Haut, ein Leopard seine Flecken ändern? Wohl kaum.

IN WILLIAM Shakespeares Dramen gibt es häufig in spannenden Momenten ein komisches Zwischenspiel. Und nicht nur dort.

Shimon Peres, der Person, die in 55 Jahren politischer Tätigkeit bei keiner Wahl gewonnen hat, gelang in dieser Woche Unmögliches: Er wurde zum Präsidenten Israels gewählt.

Vor vielen Jahren schrieb ich einen Artikel mit der Überschrift: "Herr Sisyphus", weil er immer wieder fast die Schwelle des Erfolgs erreicht hatte -- doch der Erfolg blieb aus. Nun hat er das Urteil der Götter durchbrochen und den Gipfel erreicht - aber leider ohne den Felsblock. Das Amt des Präsidenten ist ohne Inhalt und ohne Zuständigkeit. Ein nichtssagender Politiker hat eine nichtssagende Position gewonnen.

Nun erwartet jeder im Präsidentenpalast einen Wirbel von Aktivitäten. Da wird es sicher Friedenskonferenzen, Treffen von hochstehenden Persönlichkeiten, hochtönende Erklärungen und erhabene Pläne geben. Kurz -- viel Lärm um nichts.

Das tatsächliche Ergebnis ist, dass Olmerts Position gestärkt worden ist. Ihm gelang es, Peres ins Amt des Präsidenten zu hieven und Barak ins Verteidigungsministerium. Für die nächste Zukunft ist Olmerts Position gesichert.

Und in der Zwischenzeit läuft das Experiment im Gazastreifen weiter, der von der Hamas übernommen wurde, und das Trio Ehud 1 und Ehud 2 und Shimon Peres vergießen Krokodilstränen.


Quelle: uri-avnery.de / ZNet Deutschland 16.06.2007 (Übersetzung: Ellen Rohlfs)

Ursel Kammann, pax christi-Freiwillige im Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel, berichtet über ihre Eindrücke angesichts des Bürgerkrieges im Gazastreifen: ”Gestern war ein schwarzer Tag für uns Palästinenser” - damit beschreibt meine Freundin die Ereignisse in Gaza. Sie ist übermüdet, weil sie bis vier Uhr morgens die Nachrichten im Fernsehen verfolgt hat. Und auch während meines Besuches werden wieder Nachrichten und Kommentare verfolgt. Die wichtigsten Inhalte werden für mich übersetzt. Es ist eine Sendung von Al Dschasira, die Interviews mit Bürgern und Politikern überträgt. Den Stimmen ist die Erregung anzuhören, zwei der Befragten weinen verzweifelt. ”Was ist das für eine Religion, was ist das für ein Islam, der den Bruder tötet?” sagt der eine. ”Wie will Haniye das vor Gott verantworten?” fragt ein anderer. Meine Freundin ist fassunglos: "Sie haben sie kaltblütig abgeknallt", sagt sie mehrmals. Es ist schrecklich mit den fanatischen Moslems.

Während mein Gastgeber die Sendung übersetzt, hat er Tränen in den Augen und bei einem der Beiträge ist auch die Moderatorin sichtlich um Fassung bemüht.
Die Menschen fragen, wo die guten Vertreter von Hamas sind und warum nicht die anderen Parteien den Mund aufmachen und diesem Handeln Einhalt gebieten. Es sind schlechte Menschen, heisst es, sie sagen, sie seien Hamasanhänger, aber sie folgen der Parteilinie nicht mehr.
Die Menschen haben grosse Angst, dass auch die Situation in der Westbank eskaliert. Wir sind doch Palästinenser, wir sind Brüder, wir müssen für Freiheit in unserem Land kämpfen. Damit kommt die Sprache auch auf Israel und seine Verantwortung für den jetzigen Konflikt. Israel hat den Konflikt mitbegründet, heisst es. Durch die Stärkung der Fatah hat es die Angst bei Hamas geschürt und gleichzeitig durch seine Politik die Stellung von Abu Masen geschwächt.
Aber wir hassen sie nicht, sagt der Gastgeber, wir wollen nur in Frieden leben und in Würde. Diese Bemerkung habe ich schon in so vielen Situationen gehört, und sie erstaunt mich immer wieder aus dem Mund eines Palästinensers.

Nach den Nachrichten werden Bilder gezeigt aus der Zeit, als Fatah die grosse Freiheitsbewegung war. So, als wolle man die Menschen an die guten Ziele erinnern. Ein Kinderchor singt, was die Kinder Palästinas wollen, leben wie alle anderen Kinder, mit der Freiheit zu lernen, sich überall im Land zu bewegen, ihre Rechte als Kinder und Menschen garantiert haben, mehr Krankenhäuser und Fürsorge, über ihre Geschichte lernen und mit der Aussicht, einen Staat aufbauen zu dürfen.
Wie die Situation sich weiterentwickelt, wird sich nach dem Freitagsgebet entscheiden, in der Westbank ist die Situation bisher erstaunlich ruhig geblieben.

Bethlehem, 17. Juni 2007

Der Vatikan hat am Freitag, 1. Juni 2007 offiziell das Martyrium des österreichischen Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter (1907-43) bestätigt. Das bedeutet, dass nun die Seligsprechung von Franz Jägerstätter geplant werden kann. Sobald das päpstliche Dekret der Seligsprechung beim Ordinariat der Diözese Linz (Österreich) angekommen ist, wird Bischof Dr. Ludwig Schwarz alle weiteren Details bezüglich Seligsprechungsfeierlichkeiten bekannt geben.

Der österreichische Pax Christi-Präsident Bischof Scheuer nannte Jägerstätter einen "einsamen Zeugen des Gewissens und einen Propheten mit Weitblick und Durchblick".

Bei einer Audienz für den Präfekten der Heiligsprechungs-Kongregation, Kardinal Jose Saraiva Martins, genehmigte Papst Benedikt XVI. die Veröffentlichung eines entsprechenden Dekrets zum Martyrium. Jägerstätter war von den Nationalsozialisten am 9. August 1943 in Brandenburg/Havel hingerichtet worden. Er hatte sich aus religiösen Gründen geweigert, mit der Waffe für Hitler in den Krieg zu ziehen. Bischof Dr. Ludwig Schwarz sagte in einer ersten Stellungnahme auf der fahrt von Zagreb nach Linz am Telefon: "In der Diözese wird diese Meldung mit großer Freude aufgenommen. Wir freuen uns, dass die nächsten Schritte zur Seligsprechung nun konkret geplant werden können." Gegenüber der APA betonte Bischof Schwarz weiters: "Jägerstätter hat uns auch heute viel zu sagen".
Die Grundhaltung des hingerichteten Wehrdienstverweigerers aus Gewissensgründen sei zeitlos. Er habe sein Handeln an seinem Gewissen und den Geboten Gottes in der schwierigen Zeit des Nationalsozialismus ausgerichtet. Er habe alle Konsequenzen bis hin zum Martyrium getragen. Er sei entschieden den Weg des Glaubens gegangen. Die Unterschrift des Papstes unter das Dekret sei die offizielle Anerkennung, dass Jägerstätter ein Märtyrer und ein Seliger sei, so Schwarz. Das sei etwas Großes für die Diözese.
Der Bischof machte darauf aufmerksam, dass nicht mehr der Papst in Rom die Seligsprechung vornehme, sondern dass diese in der jeweiligen Diözese erfolge. Er werde nun Kontakt mit dem Staatssekretariat aufnehmen. Drei Fragen seien zu klären: Wann, wo und wer im Auftrag des Papstes werde die Seligsprechung erklären.

Mit der Veröffentlichung des Dekrets ist das Seligsprechungsverfahren für Franz Jägerstätter abgeschlossen. Nun müssen noch Datum und Ort der Seligsprechung festgelegt und der bevollmächtigte Vertreter des Papstes bestimmt werden, der den feierlichen Akt der Kanonisation im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes vornimmt. Laut den im Vorjahr promulgierten neuen Normen für Seligsprechungen erfolgen diese normalerweise in den jeweiligen Diözesen "oder an einem anderen geeigneten Ort".
Der Seligsprechungsprozess für Franz Jägerstätter hatte offiziell vor zehn Jahren begonnen. Bereits im Jahr 1989 waren im Auftrag des damaligen Linzer Diözesanbischofs Maximilian Aichern zur Einleitung eines Seligsprechungsverfahrens Zeugen einvernommen worden, die Franz Jägerstätter gekannt hatten. Nach unterstützenden Voten der Österreichischen Bischofskonferenz, einer historisch-theologischen Kommission und des Linzer Domkapitels wurde 1997 offiziell der Seligsprechungsprozess für Franz Jägerstätter eröffnet. Am 21. Juni 2001 wurde es auf diözesaner Ebene abgeschlossen, die Akten wurden der Selig- und Heiligsprechungskongregation übergeben. Wichtig für diesen Prozess war die theologische Arbeit des heutigen Innsbrucker Diözesanbischofs Manfred Scheuer (er war Postulator des diözesanen Seligsprechungsverfahrens) über das Martyrium Jägerstätters.
Am 4. November 2005 brachte Kardinal Christoph Schönborn gemeinsam mit weiteren österreichischen Bischöfen und unter Beisein einer Delegation aus St. Radegund und Ostermiething einen Originalbrief Jägerstätters in die Kirche San Bartolomeo in Rom, die Papst Johannes Paul II. dem Gedenken an den Märtyrer des 20. Jahrhunderts gewidmet hat. Bischof Scheuer nannte Jägerstätter bei seiner Predigt in San Bartolomeo einen "einsamen Zeugen des Gewissens und einen Propheten mit Weitblick und Durchblick".

Jägerstätters Bischof Scheuer bekundete in einer ersten Reaktion große Freude über das grüne Licht für die Seligsprechung Jägerstätters. Er wolle bei dieser Gelegenheit vor allem jenen danken, die bereits unmittelbar nach dem Krieg begonnen haben, die Erinnerung an der Kriegsdienstverweigerer und sein wichtiges Zeugnis mit großer Beharrlichkeit wach zu halten. Neben Jägerstätters Witwe Franziska sei vor allem Erna Putz namentlich zu nennen, so Scheuer am Freitag gegenüber "Kathpress". Dass es zur Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens gekommen ist, dafür sei diese "nichtinstitutionelle Bewegung" wichtig gewesen, "die Verehrung, die schon da war". Das Hauptverdienst liege "bei den Menschen, denen Franz Jägerstätter wichtig gewesen und geworden ist", hob der Bischof hervor.
Nach Scheuers Worten war auch die öffentliche Auseinandersetzung mit Jägerstätter und seiner Entscheidung, den Kriegsdienst zu verweigern, wichtig, "weil sich herauskristallisierte, dass es um seinen Glauben ging und geht". Jägerstätter werde als Märtyrer selig gesprochen, dessen Einschätzung von Recht und Unrecht und dessen Widerstand gegen das NS-Regime tief im Glauben verwurzelt war und der für diese Entscheidung aus dem Glauben in den Tod ging. Er - Scheuer - erwarte nicht, dass mit der Seligsprechung die Debatten um Person und Handeln Jägerstätters beendet sind. Der NS-Märtyrer werde "ein für die Kirche nicht ganz bequemer Seliger" sein, auch wenn sich Themen, um die heute gerungen wird, geändert hätten. Der Bischof betonte, mit der Seligsprechung des Kriegsdienstverweigerers sei auch kein "Urteil" über jene gesprochen, die als Soldaten am Zweiten Weltkrieg teilnahmen. Viele von ihnen seien gegen ihren Willen eingezogen und um ihre Jugend betrogen worden. Die Seligsprechung könne diesen Menschen ihre eigene Lebensgeschichte "in einem anderen Licht erscheinen" lassen.

(Quelle: Kathpress unter Berufung auf Veröffentlichung des Vatikan vom 1.6.2007)

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) organisiert vom 17.-21. Juni in Jordanien eine internationale Konferenz unter dem Motto "Kirchen gemeinsam für Frieden mit Gerechtigkeit im Nahen Osten". Die Tagung wird sich mit den Perspektiven für Frieden in Israel/Palästina beschäftigen und ein neues kirchliches Fürspracheforum starten. Als Redner werden u. a. der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem und ganz Palästina, Theophilos III., der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, und andere Verantwortliche von Kirchen aus dem Nahen Osten auftreten.

Anlässlich des Treffens in Amman, Jordanien, werden kirchliche Führungspersönlichkeiten aus dem Nahen Osten ihre Erwartungen an einen gerechten Frieden und ihre Erfahrungen mit Konflikten, insbesondere dem israelisch-palästinensischen Konflikt, vorstellen. Der ÖRK-Generalsekretär, Pfr. Dr. Samuel Kobia, wird an der Konferenz teilnehmen und sie eröffnen. Zudem werden ca. 130 Vertreter und Vertreterinnen aus ÖRK-Mitgliedskirchen und kirchlichen Organisationen aus dem Nahen Osten, Europa, Afrika, Asien sowie aus Nord-, Mittel- und Südamerika teilnehmen.

Auf die Erfahrungen aus dem Nahen Osten folgen Berichte von Kirchen aus anderen Weltregionen über die Lektionen, die sie aus tief wurzelnden Konflikten in ihren Ländern, z. B. Südafrika, Sudan, Kolumbien und Sri Lanka, gelernt haben. Der Hauptfokus soll dabei der Rolle der Kirchen bei der Friedensschaffung und der Aufrechterhaltung des Friedens nach Beendigung des Konflikts zukommen.

Am Schluss der Veranstaltung wird eine internationale, zwischenkirchliche Fürspracheinitiative gestartet: das Ökumenische Forum für Palästina/Israel. Das Forum ermöglicht eine engere Zusammenarbeit der Kirchen weltweit in ihrer Fürsprachearbeit für Frieden mit Gerechtigkeit im Nahen Osten; es soll die bereits bestehende Fürsprachearbeit koordinieren und neue gemeinsame Friedensbemühungen fördern. Die Initiative wurde letzten September vom ÖRK-Zentralausschuss gebilligt. Seither haben bereits zwei Vorbereitungstreffen stattgefunden.

Jordanien als Konferenzort ermöglicht den Beginn einer weltweiten kirchlichen Initiative mit dem Fokus Naher Osten, in engem Kontakt zu den Kirchen dieser Region.

Die Veranstaltung findet während eines Monats statt, in dem Kirchen und kirchliche Organisationen weltweit an die 40 Jahre israelischer Besatzung Ostjerusalems, des Westjordanlands, des Gazastreifens und der Golanhöhen erinnern.

Obwohl sie ihre Wurzeln in der Region bis in biblische Zeiten zurückverfolgen können, verbinden die ÖRK-Mitgliedskirchen im Nahen Osten die Zukunft der christlichen Gemeinden in der Region immer stärker mit einer gerechten und dauerhaften Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts. In den 59 Jahren seit die Mitgliedskirchen 1948 einen arabisch-israelischen Frieden zum ersten Mal auf die politische Agenda des ÖRK setzten, hat zudem die Besorgnis innerhalb der Schwesterkirchen weltweit zugenommen.

(ÖRK-Ökumenischer Rat der Kirchen,Genf, Pressemeldung vom 12.6.2007)

Der Totale Kriegsdienstverweigerer Jonas Grote wurde am gestrigen Nachmittag erneut für 21 Tage bei der Bundeswehr inhaftiert. Bereits vom 23. Mai bis zum 12. Juni war der 19-Jährige bei der Heeresfliegerstaffel 269 in Roth bei Nürnberg wegen seiner konsequenten Ablehnung der Wehrpflicht und der Verweigerung aller Befehle mit Arrest bestraft worden.

KDV-Organisationen fordern Beachtung der Gewissensfreiheit und sofortige Beendigung des Arrestes

Jonas Grote verweigert aus Gewissensgründen, die in seiner christlichen Überzeugung wurzeln, jeden Kriegsdienst und lehnt deshalb auch die Wehrpflicht und die sich aus ihr ergebenden Folgen - Grundwehrdienst und Zivildienst - ab. Während die Bundeswehr solche Verweigerer, die ihre Überzeugung im Vorfeld klar bekundet haben, in den letzten Jahren üblicherweise gar nicht mehr einberufen hatte, verfährt sie bei Grote anders. Obwohl er im Frühjahr 2006 bereits die Musterung verweigert und dabei seine Gründe offen dargelegt hatte, wurde er zum 1. April 2007 zum Militärdienst einberufen. Dieser Einberufung folgte er nicht, sondern stellte sich im Rahmen einer öffentlichen Aktion am 15. Mai, dem Internationalen Tag zur Kriegsdienstverweigerung, vor eine Karlsruher Kaserne.

"Dieses Vorgehen ist ein Rückfall in die Zeiten des Kalten Krieges", sagt die Rechtsanwältin Barbara Kramer, Vorsitzende der Zentralstelle KDV, zur Einberufung und Inhaftierung Grotes. "Obwohl die Bundeswehr aus 400.000 jungen Männern pro Jahrgang mittlerweile nur noch 35.000 Dienstposten für Grundwehrdienstleistende besetzen muss, zieht sie ausgerechnet jemand ein, der aus Gewissensgründen jeden Dienst verweigert. Die fortgesetzte Inhaftierung von Jonas Grote ist der gegen die Verfassung verstoßende Versuch, sein Gewissen zu brechen."

Jürgen Grässlin, Bundessprecher der DFG-VK, bezeichnet die fortgesetzte Inhaftierung des Totalverweigerers als Skandal und fordert den Militärminister Franz-Josef Jung auf: "Entlassen Sie Jonas Grote sofort aus der Haft! Wenn Sie der Ansicht sind, dass er sich mit seiner Verweigerung strafbar gemacht hat, dann muss diese Frage ein ordentliches Gericht klären."

Michael Behrendt, Sprecher der Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär, verweist auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21. Juni 2005, das einen Bundeswehrmajor wegen seiner Verweigerung der Beteiligung am Irak-Krieg freigesprochen hatte: "Das Bundesverwaltungsgericht hat festgestellt, dass die Bundeswehr Gewissensentscheidungen zu achten hat. Deshalb muss die Bundeswehr Soldaten, die aus Gewissensgründen bestimmte Befehle verweigern, eine Gewissen schonende diskriminierungsfreie Handlungsalternative bereit stellen. Im Falle von Totalen Kriegsdienstverweigerern kann diese bloß in der Entlassung aus der Bundeswehr bestehen."

Nach Informationen der drei KDV-Organisationen wird es, wie bereits während des ersten Disziplinararrestes von Jonas Grote, auch in den kommenden Wochen zu Protestveranstaltungen örtlicher Friedensgruppen vor der Kaserne in Roth kommen.


Quelle: Gemeinsame Presseerklärung (14.6.2007) von Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen e.V. (Zentralstelle KDV), Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen e.V (DFG-VK) und Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär

pax christi – deutsche Sektion ist Mitglied der Zentralstelle KDV.

Für Rückfragen und weitere Informationen: Stefan Philipp (Zentralstelle KDV / DFG-VK): Telefon 0177-6361276; Michael Behrendt (Kampagne gegen Wehrpflicht): Telefon 030-44013014

Ursel Kamman, pax christi-Freiwillige im Ökumenischen Begleitprogramm für Palästina und Israel, berichtet aus dem Dorf Jayyous in der Westbank, nahe Qalqiliya. Sie hat - gemeinsam mit einem internationalen Team von Freiwilligen, dort vor allem die Aufgabe, zwei Durchgänge im israelischen Sperrzaun zu beobachten, den die Bauern aus Jayyous passieren müssen, um auf ihre Felder zu gelangen. Das Foto zeigt die tägliche Kontrolle am Falamiya Gate, einem der Durchgänge.

Jayyous ist ein Dorf mit ca. 3.500 Einwohnern, die Bevölkerung lebte zum größten Teil von Landwirtschaft. Fast jeder hatte eigenes Land und arbeitete dort entweder voll oder hatte eine andere Arbeit und bearbeitete zusäzlich Land.
Durch den Bau der Sperranlage hat sich die Situation im Dorf dramatisch verschlechtert. Im Bereich von Jayyous ist es ein Zaun, durch den 75 Prozent des landwirtschaftlichen Gebietes vom Dorf abgetrennt sind, sechs der sieben Brunnen liegen nun auf israelischem Gebiet. Der Zaun zieht sich durch die Olivenhaine, die landwirtschaftlichen Wege enden an aufgehäuften Erdwällen, die die Natur freundlich überwuchert. Immer wieder sieht man die endlose Trasse auftauchen, der Zaun scheint überall zu sein. Er verläuft hier bis 6 km östlich der Grünen Linie auf dem Gebiet der Palästinenser.
Wenn ich den Terminus „Sicherheitszaun“ in diesem Zusammenhang benutze, dann um zu beschreiben, wie gut dieser Zaun gesichert ist: mit elektronischen Überwachungskameras und Sensoren, die jede Berührung - auch Steinwürfe - sofort registrieren und an eine Zentrale melden. Jeder Abschnitt wird kontrolliert. Die IDF (israelisches Militär) ist sofort zur Überprüfung zur Stelle.
Um auf ihren Feldern zu arbeiten brauchen die Farmer Genehmigungen, das Farmland, erreichen sie zur Zeit durch drei Tore (Gates), zwei im Bereich von Jayyous und eines im Nachbarort Falamya. Zwei Tore sind nur zu bestimmten Zeiten dreimal am Tag geöffnet, eines den ganzen Tag, von 6.00 bis 19.00 Uhr. Das bedeutet dann allerdings zwingend, dass die Farmer vor 19.00 Uhr zurück sein müssen, da es ist verboten ist, auf dem Farmland zu übernachten.
Unsere Aufgabe ist es u.a., an diesen Toren anwesend zu sein, um bei Problemen - meist Willkürakten einzelner Soldaten - die Palästinenser zu unterstützen, indem wir z.B. mit vorgesetzten Dienststellen Kontakt aufnehmen oder mit den Soldaten verhandeln. Wenn es dabei einen Erfolg zu verzeichnen gibt, z.B. die Erlaubnis für einen Traktor, doch passieren zu dürfen, weiß ich, dass wir doch etwas ändern können: Ganz winzige Dinge, aber auf die kommt es an.
Wir betreuen die Tore möglichst täglich morgens. Das heißt um 4.45 bzw. 5.00 Uhr aufstehen mit einem Fußweg von 15 bzw. 45 min zum jeweiligen Tor. Häufig erleben wir dabei auch schöne Sonnenaufgänge.
Bei unserer Ankunft hier war die Situation an den Toren sehr gespannt, es kam fast täglich zu Konfrontationen mit den Soldaten. Mir graute vor dieser Aufgabe. Glücklicherweise wechseln die Soldaten häufig und wir haben bisher keine größeren Schwierigkeiten erlebt.
Dennoch erinnere ich mich noch genau daran, wie mir die Haare im Nacken aufstanden, als ich das erste Mal eingreifen musste: Es gibt Linien zwischen den Toren, die man nicht überschreiten darf und gegenüber stehen immer vier Soldaten, meist mit den Gewehren im Anschlag. Ich habe die Linie einfach überschritten, um einem palästinensischen Farmer beizustehen. Dabe habe ich festgestellt, dass die Soldaten auch hilflos sein können, wenn man nicht auf ihre Zeichen reagiert. Der Konflikt wurde dann zugunsten des palästinensischen Farmers beigelegt und ich bin mittlerweile viel mutiger geworden. Bei meiner Ankunft morgens überschreite ich diese Linien immer, ein kleines Machtspiel, und sei es nur um Guten Morgen zu sagen.
Eigentlich ist es erschreckend, wie schnell ich mich an die Waffen an den Checkpoints und den Toren gewöhnt habe und auch, wie leichtfertig sie immer auf die Menschen gerichtet sind.
Eines meiner Ziele ist es, so viel wie möglich mit den Soldaten zu reden, um mehr über ihre Einstellungen und Beweggründe zu erfahren und sie dabei immer als Menschen zu sehen. Das war bisher glücklicherweise einfach, sie sind bereit zu sprechen, sie wollen uns auch kennen lernen. Etliche haben uns auch rundheraus gesagt, dass sie nicht einverstanden sind mit dem, was sie hier am Zaun tun müssen, und man merkt es dann daran, dass sie die Kontrolle leicht machen. Das gibt mir die Hoffnung, dass die Situation sich ändern kann.

Neben der Arbeit am Zaun bieten wir Englisch an, als Konversationsgruppen bei den jungen Frauen im Dorf, in den Ferien als Aktivität in der Mädchenschule, und an der Al Quds Open Univerity in Qalqiliya. Bildung wird hier sehr hoch geschätzt und die jungen Menschen sind an Sprachen sehr interessiert. Allerdings hören wir von den jungen Menschen immer wieder, dass sie nicht studieren können, weil die Eltern kein Geld mehr haben. Wir selbst nehmen Arabischunterricht bei zwei jungen Leuten im Dorf, Noor und Maii, die sich damit Geld für ihr Studium verdienen.

Ursel Kammann, Yayyous, im Juni 2007

Einen der Schwerpunkte der pax christi-Zeitschrift, die vergangene Woche zeitnah zum G 8-Gipfel erschienen ist, bildet das Thema "Sozialer Friede". So trägt ein Artikel, der sich damit beschäftigt, wie Christen sich hierzu einbringen können, den Titel "G (ebt) Acht! Ihr könnnt nicht Gott dienen und dem Kapital". Perspektiven für eine solidarische und umweltgerechte Ökonomie zeigt das "Wort aus Meißen" auf, das an die Kirchen und die Politik in unserem Land gerichtet ist.

pax zeit 2/2007 ist erschienen

Auch die Friedenspolitik, der christlich-islamische Dialog und Eindrücke von der Arbeit in Afrika für Gewaltfreiheit und Menschenrechte werden thematisiert.

Unten können Sie einen Einblick in ausgewählte Artikel der pax zeit 2/2007 erhalten.

Falls Sie weiteres Interesse an der pax zeit haben, besteht auch die Möglichkeit, ein kostenloses Probeexemplar zu bestellen oder die Zeitschrift zu abonnieren.
Näheres dazu finden Sie auf dem zweiten Link!

Brigitta Böckmann, pax christi-Freiwillige im Ökumenischen Begleitprogramm für Palästina und Israel, berichtet aus der Region Bethlehem - aus Husan, einem kleinen Bergdorf recht nahe an der Grenze zu Israel an der sogenannten Grünen Linie. Es liegt in Area B, einem Gebiet in der Westbank, in dem Israel die militärische Oberhoheit besitzt und den Palästinensern nur die zivile Verwaltung erlaubt. Nach den jüngsten Plänen der israelischen Regierung zum Weiterbau und Abschluss der acht Meter hohen Betonnmauer zwischen Israel und den Palästinensischen Gebieten wird Husan, wie ebenfalls die benachbarten Dörfer Battir, Nahhalin, Wadi Fukin und Al Jab'a bald vollständig davon umschlossen sein, mit nur einem einzigen Ausgang Richtung Bethlehem. Das bedeutet, dass diese Dörfer bald völlig unter israelischer Kontrolle stehen und der Willkür israelischer Streitkräfte ausgeliefert sein werden, die nach Belieben, zu jeder Zeit und mit welcher Begründung auch immer, diesen einen Zugang entweder schließen oder öffnen können.

"Husan hat etwa 6.000 Einwohner und unterhält mehrere Schulen für Mädchen sowie für Jungen. Auf Einladung eines Lehrers der Husan Basic School for Boys besuchten meine beiden Kollegen und ich diese Schule am Samstag, dem 2. Juni 2007. Schulleiter und Lehrer berichteten uns, dass israelische Jeeps täglich in Dorf Streife führen und besonders morgens zum Schulanfang, während der großen Pause und mittags bei Schulschluss dauernd langsam das Schulgelände umkreisten mit dem augenscheinlichen Ziel, die Schulkinder zu provozieren und Reaktionen auszulösen. Wenn sich die Jungen dann dazu hinreißen ließen, mit Steinen zu werfen, den Soldaten hinterher zu rufen oder auch nur zu pfeifen, sei die unweigerliche Antwort des Militärs, Tränengasgranaten in den Schulhof und durch die Fenster in die Klassenräume abzufeuern. Viele ganz normale Spielsituationen und kleinere Raufereien der Schuljungen würden von den Solda-ten als Angriff gedeutet und entsprechend beantwortet, und wenn es auch nur der Fußball ist, der über die Mauer auf die Strasse springe. Der Schulleiter holte als Beweis Relikte von Tränengasgranaten aus seinem Schrank, und wir sahen zudem, dass an der Seite des Schulgebäudes, das an den Schulhof und die davor liegende Strasse grenzt, die eisernen Fensterläden geschlossen waren, um die Kinder vor dem Eindringen des Gases zu schützen.

Die Lehrer berichteten uns ebenfalls, dass die Soldaten wiederholt mit ihren Jeeps das große eiserne Tor, den Haupteingang zur Schule, gerammt und zerstört hätten und dieser nun geschlossen sei, und dass Schüler und Lehrer seitdem nur jenen einen kleinen, engen Seiteneingang benutzen würden, durch den auch wir in die Schule gelangten. Außerdem hat man die Begrenzungsmauer um Schulhof und Schulgebäude herum nun um einen weiteren Meter erhöht auf insgesamt dreieinhalb Meter, um Provokationen von beiden Seiten zu erschweren und Gefahren abzuwenden. In der Tat, das sah alles mehr nach einem Gefängnis als nach einer Schule aus.

Den Lehrern bereitet diese Entwicklung große Sorgen und dass nicht allein aus Gründen der Sicher-heit. Sie sehen, dass der Bewegungsrahmen der Kinder mehr und mehr eingeschränkt wird; es gibt bald kein Refugium mehr, in dem sie sich unbeschwert aufhalten und austoben können. Sie erleben mehr und mehr Mauern, Begrenzungen, Restriktionen: das Schulgelände wirkt wie ein Gefängnis, der israelische Sielderblock Betar Illit weitet sich aus und rückt auf das Dorf zu, ihren Lebensraum und den ihrer Familien weiter einengend, und wenn dann in naher Zukunft auch noch die Trennungsmauer das Dorf umschließt...........

Die Lehrer fragen sich, wie sollen unter solchen Bedingungen gesunde, fröhliche, Kinder heranwachsen, die einmal das Rückgrat der Gesellschaft bilden werden? Wie können sie als Erzieher es schaffen, sie dennoch zu eigenverantwortlichen, selbstbewussten, in sich ruhenden Persönlichkeiten heran zu bilden?

Bethlehem, 10. Juni 2007

Brigitta Böckmann

im Ökumenischen Friedensdienst inPalästina und Israel (ÖFPI ) - ein Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt

Am heutigen 11. Juni startet ICAHD (Israelisches Komitee gegen Hauszerstörungen) eine Kampagne, in der jedes palästinensische Haus wieder aufgebaut wird, das von Israel in den besetzten Gebieten in diesem Jahr, dem 40. Jahr der Besatzung, zerstört wird - rund 300 Häuser insgesamt.

40 Jahre lang hat die israelische Besatzung der Westbank, Ostjerusalems und des Gazastreifens Palästinensern und Israelis nichts als Elend, Tod und Zerstörung gebracht. In diesem Zeitraum hat Israel 18.000 palästinensische Häuser in den besetzten Gebieten zerstört – 95 Prozent standen in keinerlei Zusammenhang mit Terrorismus oder Sicherheit. Die deutsche Sektion von pax christi fordert gemeinsam mit dem ICAHD das sofortige Ende der Besatzung. Nur dann werden Israelis und Palästinenser einen gerechten Frieden erreichen können, nach dem sich beide Völker sehnen.

Am 9. Juni 2007 versuchen Bundeskanzlerin und Bundespräsident auf dem Kirchentag in Köln Brückenschläge aus ihrer Sicht zwischen Gipfelpolitik und Kirchenpolitik. Manche kritischen Brückenschläge aus Kirchenkreisen gab es schon, so die Botschaft des Evangelischen Kirchentages an den G8-Gipfel zur Achtung der Menschenrechte und die Direktschaltung des Kirchentagspräsidenten Höppner zum „Rockgipfel“ der 70.000 am Donnerstag, 8.5. sowie eine hier dokumentierte prophetische Predigt von Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter (Lübeck) in Bad Doberan am 3.6.2007.

Evangelische Brückenschläge

Kirchentagspräsident Reinhard Höppner sagte den überwiegend jugendlichen Besuchern des Rockkonzertes „Deine Stimme gegen Armut“ laut FAZ vom 8.6. in der Liveschaltung nach Rostock: „Lasst nicht Geld die Welt regieren. Setzt nicht auf Wachstum, das die Würde des Menschen verletzt. Reißt die Mauern ab zwischen denen, die entscheiden und denen, die von diesen Entscheidungen betroffen sind. (… Der Irakkrieg war) ein schreckliches Beispiel, wie Chaos entsteht, wenn Betroffene nicht rechtzeitig mitreden können.“

Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter (Lübeck) hob die Notwendigkeit prophetischen gewaltfreien Protests gegen die ungerechte Weltwirtschaftsordnung in ihrer Predigt hervor, die sie vor dem G 8 Gipfel in Bad Doberan im Gottesdienst am Sonntag, dem 3. Juni 2007 hielt. Hier ist ihre Manuskriptfassung.

I.

Einen Vogelflug weit weg von hier, an der Ostsee, werden in den nächsten Tagen die acht mächtigsten Regierungschefs der Welt an einem Tisch sitzen und Weltpolitik machen. Was sie beraten, wird das Leben von Millionen von Menschen in Europa und allen Teilen der Welt berühren: Handel, Sicherheit, militärische Strategien, Finanzen und Klima. Seltsam genug, tun sie dies an einem Ort, der das Heilige im Namen trägt, Heiligen Damm.

Als gewählte Demokraten werden sie sich vor den Parlamenten ihrer Länder verantworten. Aber kein Parlament der Völker, keine UNO, hat ihnen diese Art von Weltherrschaft übertragen. Was für unsere Nationen wichtig ist und uns nützt, was den Regierenden einleuchtet, ja auch was ihnen „heilig“ ist, entscheidet in diesen Tagen über die Zukunft der Kinder von Manila, Soweto bis Recife. Sie werden nicht gefragt.

Heiligen Damm. Zum Schutz des Treffens wurde ein Zaun errichtet. Ihn zu sehen weckt Assoziationen und Erinnerungen, die wehtun. Seine traurige Plausibilität steigt mit jeder Tat unakzeptabler Gewalt, die sich hier Bahn bricht.

Wir feiern heute im Münster zu Bad Doberan, vor dem Zaun von Heiligen Damm, einen Gottesdienst. Es ist unser Weg, dem Frieden zu dienen. Wir tun es in der Zeit von Pfingsten.

Pfingsten! Erinnern wir uns: Da kam ein heiliges Feuer über die ersten ChristInnen in Jerusalem, eine Begeisterung, die fremde Menschen über alle Sprachgrenzen zu Freunden machte. Frauen und Männer hatten eine Vision von der Zukunft und dazu gehörte, Hab und Gut miteinander zu teilen. Und sie taten es.

Diesen pfingstlichen Geist erbitten wir heute für das Treffen der Regierenden, für die Menschen, die sie schützen, für die KritikerInnen, Engagierte und Künstler. Wir rufen diesen Geist insonderheit angesichts der gewaltbereiten Wut, die die Anliegen einer gerechten Globalisierung und des friedlichen Protestes so total in Verruf bringt. Wir erbitten diesen Geist für die Gemeinden, die für diesen Gipfel beten, für uns alle: „ O komm du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.“

Komm Heilige Geistkraft Gottes, die aus Unheiligem Heiliges macht, aus der Selbstsucht der Nationen weltweite Gerechtigkeit.

Komm Heiliger Geist, Du lehrst uns gerecht, barmherzig und gewaltlos zu sein. Lehre uns alle, Regierende und Regierte, die Leidenschaft für das gerechte Leben auf der Erde.

Komm Heiliger Geist zu dieser versammelten Gemeinde. Mache aus uns Werkzeuge des Friedens. Stärke unsere Stimmen zum Reden; unseren Geist zum Begreifen, unsere Hände zum Handeln, unsere Füße zur Standfestigkeit. Wir tun, was der Apostel Paulus rät: „Bringt eure Körper als lebendige und heilige Gabe dar, an der Gott Wohlgefallen hat. Das ist euer vernünftiger Gottesdienst“. (Röm.12,1 BigS).

Beten und Singen, Glockenläuten und Kerzen sollen ein Schutz-Wall, ein Heiliger Damm sein für alle, deren Schicksal von den Entscheidungen des G 8 Gipfels berührt wird. Die keine Stimme haben. Die niemand sieht. Die sich nicht wehren können gegen das, was andere über sie beschließen. Auch die schutzlosen Pflanzen und Tiere, deren Lebensraum gnadenlos vermarktet wird. Heiliger Geist, gib Du den Stummen eine Stimme. Mach uns zu ihrer Stimme.

Das ist eine Wirkung des Pfingstfestes. Der Heilige Geist hilft unserer Schwachheit auf, wenn wir nicht wissen, wie wir sagen sollen, was zu sagen so schwer ist, und doch gesagt sein muss, schlichte plausible Sätze, etwa: Auf einer endlichen Erde kann es kein unendliches Wachstum geben.“ Und: „Die Welt ist keine Ware.“ Es geht um das Leben auf dem blauen Planeten. Es geht um die Wahrheit der Opfer.

II.

Liebe Gemeinde! Den Mut, den wir in dieser Sache brauchen, lernen wir von Menschen der Bibel wie dem Propheten Jeremia.

Jeremia musste vor 2600 Jahren seinen Zeitgenossen schwer zu hörende Dinge sagen. Ein Prophet, kein Hellseher, vielmehr ein Menschen, der die Stimme Gottes deutlicher hört und schärfer das formuliert, was gegen Gottes Weisung geschieht, jede Entheiligung des Lebens. Sein Zorn entspringt seiner Liebe zum Leben. ProphetInnen rufen und warnen, denn allein die gerechten Weisungen und der Segen Gottes werden das Weiterleben auf der Erde möglich machen.

Jeremia schreit durch die Geschichte: „Dies ist Gottes Name, mit dem man ihn nennen wird: Der Gott unserer Gerechtigkeit.“(23,6) Wer die Bibel liest, kann wissen, dass die Globalisierung etwas mit Gott zu tun hat.

Jeremias starke Worte galten auch den Frommen seiner Zeit. So ruft er auch heute vor unserer Tür: „Ich höre, dass sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre. Sie gieren alle, klein und groß, nach unrechtem Gewinn, Príester und Propheten gehen mit Lüge um. Und heilen den Schaden meines Volkes nur obenhin, indem sie sagen „Friede! Friede! Und ist doch kein Friede.“ (8,6,10-11)

Nein, es ist kein Friede, solange Kinder verhungern.

Deutliche Worte. Was wäre dem heute hinzuzufügen?

Dass es in unserer reichen Welt ein Schweigen gibt, das wortwörtlich „zum Himmel schreit“. Es schweigt von den würdigen Zielen für unser Leben, Ziele, für die es sich zu leben lohnt, die mehr sind als Fußball, Leistung und Rendite. Gott gibt die Ziele: Menschenwürde, Nächstenliebe, Befreiung. Junge Menschen, mit und ohne Springerstiefeln schreien auf unseren Straßen nach Sinn und Zukunft. Aber alles, was ihnen geboten wird, ist Pragmatismus.

Die Angst geht um, ob es noch genügend Luft, Tiere und Pflanzen, natürliche Nahrung, Wasser, Gletscher, geben wird für die nächsten Generationen und sie treibt die Menschen in die Arme der Heilspropheten, die sagen: „Hört nicht auf die Schwarzseher, nicht auf die Stimme des Protestes. Die Wirtschaft boomt wieder. Das kriegen wir in den Griff. Der Markt wird es richten. Selbst in Afrika ist die Wirtschaft gewachsen in diesem Jahr, um ganze um 6 %. Was wollt ihr denn?

Aber wer sieht und nennt die wachsende Zahl der Verelendeten, die mit weniger als einem Dollar am Tag leben müssen?

Die Stimme Gottes aus dem Munde Jeremias. Sie nicht zu hören und der Gleichgültigkeit in und um uns nicht entgegen zu treten, macht uns krank. Denn die Gleichgültigkeit ist eine Form von Gewalt gegen die Armen, eine stumme Gewalt. Sie speist die Armen mit Notprogrammen ab statt mit gerechtem, strukturellem Wandel, mit Schuldenerlass und Schonung der Erde. „Friede, Friede, und ist doch kein Friede.“

Vor 30 Jahren schrieb Erich Fried ein Gedicht, das so aktuell ist wie damals

Kind in Peru

Weil es den Kopf schief hält - weil es nicht schreit - Weil es stinkt - Weil es zu schwach ist - Um leben zu bleiben - Soll auch die Ordnung - Die daran schuld ist - Nicht leben bleiben

Weil es den Kopf schief hält - Sind eure Erklärungen schief - Weil es nicht schreit - Könnt ihr es nicht niederschreien - Weil es stinkt - Stinkt eure ganze Ordnung - Zu stark um leben zu bleiben - Zum Himmel in den es nicht kommt.

Gottes Stimme in Zeiten der Globalisierung öffnet uns die Augen für die Wirklichkeit, wie sie von ganz unter aussieht. Immer mehr Kinder werden, wie in Jeremias Zeit, dem Baal, dem alles fressenden Lebenszerstörer, geopfert. Jeremia rief empört „Man findet an ihren Kleidern Blut von Armen und Unschuldigen.“ (2,34).

Wir schlagen beim Frühstück die Zeitung auf und lesen von dem Neugeborenen, das im Mülleimer entsorgt wurde, von den Mädchen, verkauft für Kinderpornos, von dem im 7. Stock eines Mietshauses verhungerten Kind. Und wir reden so eloquent von all den Kindern, die gar nicht erst gezeugt werden.

Liebe Gemeinde, solche Zornesworte sind schwer zu ertragen. Jeremia sah ein schlimmes Ende und wollte und will sein Volk im Auftrag Gottes retten. Auch uns. Stopp des Klimawandels, Brot für alle, eine gerechte Welt, sind möglich.

Gott spricht zu uns heute: Hier stehe ich, bei den Armen. Sucht mich nicht anderswo. Gerechtigkeit wollen sie, sie wollen mich. Es gibt auf Dauer keine globalisierte Erde ohne den Gott der Gerechtigkeit. Durch Unrecht wird Gewalt entfacht. In der Bibel heißt es: „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten. Was der Mensch sät, wird er ernten.“ (Gal.6,7)

Haltet die Schöpfung in Ehren. Sie ist das göttliche Kleid. Sie ist heilig. Wenn ihr das Netz des Lebens zerreißt, gibt es keine Zukunft, nur Ersticken, Verdursten, Verhungern. Werdet in Demut Mitgeschöpfe mit Pflanzen und Tieren, dem Wasser, den Winden, werdet ihre Beschützer, nicht ihre Beherrscher. Umkehr heißt Leben.


Jeremias Zornesworte weisen noch immer die Richtung, den Regierenden in Heiligen Damm, zu wissen: Gerechtigkeit ist Gottes Name. Wir beten um ihren Weitblick, ihren Mut, ihren Gerechtigkeitssinn und ihre Schöpfungsverantwortung.

Aber auch auf dieser Seite des Zaunes braucht es Umkehr: Mit jedem aufrichtigen Gebet, jedem mutigen Wort, jeder gerechten Tat, knien wir inständig vor Gott. Die Parolen vieler Plakate gelten uns selbst, sind zugleich wie ein Schrei zum Himmel. In ihnen liegt offen oder tief versteckt etwas von Gott, von der Leidenschaft für das Leben. Mit diesen Parolen singen Menschen auf skurrile Weise Kyries und Magnifikats. Manche zeigen auch die fröhliche Seite des Protestes, ein Schneemann gegen die Klimaerwärmung, G 8 gib acht – auf das Leben. Den Patrioten galt wohl das Plakat einer sehr kleinen Aktionsgruppe: Wer seinen Hund liebt, muss auch seine Flöhe lieben.“ Es soll eine Ermutigung sein: Ihr könnt einfacher leben, damit andere einfach leben können.

III.

Woher aber nehmen wir die Kraft zu solcher Umkehr? Wir sind hier in der Kirche von Bad Doberan. Christus blickt uns an. Sein Kreuz, unübersehbar groß, ist ein Lebensbaum; es grünt und trägt Leben.

Es gibt keinen besseren Ort für Neuanfänge als einen solchen Ort, eine Kirche, Ort der Buße, der Umkehr. Ort der Vergebung. Immer schon Ort des Hoffens gegen allen Augenschein.

Die Stimme der Stummen wird gehört werden. Die Solidaritätsbewegung artikuliert mit an den Ergebnissen des G 8 Gipfels: die globalen sozialen Rechte, der Schuldenerlass, 0,7% BSP für Entwicklungshilfe, energische Klimaziele, gerechte, gemeinsam verhandelte Weltwirtschaft werden durchgesetzt werden. Die Regierenden werden den Hoffnungsschrei hören. Dazu macht uns das grüne Kreuz Mut. Der Auferstandene steht auf für das Leben ohne Unrecht und Tod.

Wir stärken uns für den neuen Weg, auf den Gott uns weist und wir schließen neue Bündnisse für das Leben. Wir teilen das Brot, am Altar und im Alltag. Wir machen uns gegenseitig Mut und singen:

Sonne der Gerechtigkeit - Gehe auf zu unserer Zeit Brich in deiner Kirche an, - Daß die Welt es sehen kann - Erbarm dich Gott.

Weck die tote Christenheit - Aus dem Schlaf der Sicherheit - Daß sie deine Stimme hört - Sich zu deinem Wort bekehrt - Erbarm dich Gott.

Lass uns deine Herrlichkeit - Sehen auch in dieser Zeit - Und mit unserer kleinen Kraft - Suchen, was den Frieden schafft Erbarm dich Gott.

Erbarme dich und mach aus Heiligen Damm einen Ort, der seinen Namen verdient. Amen

pax christi protestiert gegen die am 7. Juni erfolgte Deportation von hunderten von Tamilen aus der Hauptstadt Colombo. Die Aktion basiert auf einem Erlass vom 1. Juni, nach dem Tamilen aus dem Norden und Osten sich nur mit "guten Gründen" in Colombo aufhalten dürfen. Die Verfassung Sri Lankas garantiert jedoch jedem Bürger und jeder Bürgerin die freie Wahl des Wohnortes. Die betroffenen tamilische Männer, Frauen und Kinder stammen aus dem Norden und Osten des Landes. Sie haben aus unterschiedlichen Gründen in Colombo gelebt - untergekommen waren sie in sog. "Lodges", privat betriebene Wohnheime. Polizei und Armee zwang die Menschen, innerhalb 1/2 Stunde ihre Habe zu packen, lud sie in Busse und fuhr sie in zwei große Städte des nördlichen und östlichen Tamilengebietes. Wir zitieren aus einem offenen Brief verschiedener Menschenrechtsgruppen an den Präsidenten Mahinda Rajapakse:

"Hunderte von Tamilen aus den nördlichen und östlichen Provinzen, die sich aus unterschiedlichesten Gründen in Colombo aufhielten, wurden gezwungen Busse zu besteigen. ... Parteienvertretern im Parlament wurde mitgeteilt, dass 6 Busse nach Vavuniya und je 1 Bus nach Batticaloa und Trincomalee fuhren. Ca. 60 Personen sollen von Trincomalee aus mit dem Schiff nach Jaffna gebracht werden. ... Es gibt keine bestätigte Zahl und keine Namensliste der Betroffenen. ...

Die Kriterien von Polizei und MIlitär für die Ausweisung scheinen von Willkür bestimmt. Selbst denjenigen, in der Lage waren gute Gründe vorzuweisen, wurde erklärt, dass Tamilen ohne festen Wohnsitz in Colombo kein Recht auf Aufenthalt in der Hauptstadtt haben. ... 
Wir sind davon überzeugt, dass dieses Vorgehen nicht dazu geeignet ist Sicherheit herzustellen. Im Gegenteil, es wird eine weitere Polarisierung zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen hervorrufen, die sich diese Insel als Lebensraum teilen. Und es wird das Gefühl der Marginalisierung und Entfremdung von Tamilen in diesem Land erhöhen. 
Wir betonen das Verfassungsprinzip der freien Wahl des Wohnortes, das allen Sri Lankanern garantiert, ihren Aufenthalt kurzfristig oder dauerhaft selbst zu wählen. ... Was heute in Colombo geschah ist eine ungeheuerliche Verletzung diese Prinzips. 
Wir forden Sie als Staatsoberhaupt auf, alle erdenklichen Maßnahmen zu ergreifen um diese Praxis sofort zu stoppen und allen betroffenen die Rückkehr nach Colombo zu ermöglichen. 

Unterzeichner: 
Center for Human Rights and Develpmentt (CHRD) 
Center for Policy Alternatives (CPA) 
Free Media Movement (FMM)
INFORM Human Rights Documentation Center Institute of Human Rights 
International Movement against All forms of Racial Discrimination
Law & Societiy Trust 
Rigths Now

Colombo, 7. Juni 2007"

Die pax christi-Kommission „Globalisierung und soziale Gerechtigkeit“ beteiligt sich auf vielfältige Weise an Aktionen und Veranstaltungen auf dem Alternativ-Gipfel. Am Mittwoch, 6. Juni, führt sie von 15-18 Uhr einen Workshop durch. Er findet im Gemeindesaal der Christusgemeinde in Rostock (Häktweg 4-6) statt. Thema: Macht und Gegenmacht im neoliberalen Kapitalismus. Antikapitalismus aus jüdisch-christlicher Tradition?

Dazu schreibt der Sprecher der Kommission, Stefan Leibold:

„Inhaltlich soll es um die (veränderte) Rolle des Staates in der heutigen Welt gehen. Was lässt sich aus dem Gipfel und der Politik der G8 für die Rolle und Aufgaben des Staates im globalisierten Kapitalismus schließen? Wie können wir in diesem Zusammenhang biblische Traditionen fruchtbar machen? Wir werden mit den Teilnehmenden die Tempelreinigung bei Markus und/oder die Kritik des Imperiums in der Offenbarung des Johannes lesen, besprechen und überlegen, was daraus für uns als Christen in der heutigen Zeit folgt - gerade im Verhältnis zum kapitalistischen Staat. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!“

Ein inhaltlicher Beitrag dazu erscheint in der pax christi-Zeitschrift „pax zeit“ Nr. 2-07 (Juni) von Kommissionsmitglied Heribert Böttcher.

Die deutsche Sektion von pax christi ist beim DEKT über verschiedene Zusammenschlüsse vertreten, denen sie angehört, z.B. Forum Ziviler Friedensdienst, Oekumenischer Dienst Schalomdiakonat, AGEH, Ökumenisches Netz in Deutschland und Attac. Deren Stände sind alle auf dem Markt der Möglichkeiten im Marktbereich 3 („Welt“) unter 2.1 zu finden. Außerdem sei hingewiesen auf eine aktuelle Demonstration zum G8-Gipfel am Donnerstagabend, den Liturgischen Tag „Gewalt überwinden“ am Freitag in Messehalle 1 und auf das dreitätige „Zentrum Gewaltfrei leben und handeln – hier und in Nah-Ost“, das „aus Anlass des Kirchentages“ stattfindet - am Samstag z.B. mit dem „Plädoyer für eine Umkehr zu einer friedlichen Politik im Nahen Osten“ von Prof. Rolf Verleger, Direktoriumsmitglied im Zentralrat der Juden (Lübeck) am Samstag um 11 Uhr im Gemeindezentrum St. Marien.

pax christi-Hinweise zu Teilnahme und Begegnung

Die Demonstration zum G8-Gipfel auf dem Kirchentag „Kirche Gib 8!“ beginnt am Donnerstag, 7. Juni, um 18.15 Uhr am Ausgang Messe Süd und führt von dort über die Deutzer Brücke zum Kölner Dom, vor dem um 19.30 Uhr auf der Kundgebung u.a. Ulrich Duchrow, Kairos Europa) spricht. Veranstalter sind: Attac Deutschland; Evangelische StudentInnengemeinde in der Bundesrepublik Deutschland ESG; Ökumenisches Netzwerk »Initiative Kirche von unten« IKvu

Am Freitag, 8.Juni, findet in Halle 1 auf dem Messegelände der „Liturgische Tag Gewalt überwinden“ statt. Am Vormittag zum Thema „Zwischen Kreuz und heiliger Gewalt“ u.a. mit Erzbischof Tutu aus Südafrika – er hält auch die Bibelarbeit vorher -, Landesbischöfin Dr. Margot Kässmann (Hannover), dem Rechtsanwalt des Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz, Bernhard Docke (Bremen), und Jugendlichen aus Herne und Braunschweig. Am Nachmittag kommen u.a. Verteidigungsminister Jung und der Koordinator des auch von pax christi mit getragenen „Ökumenischen Begleitprogramms für Israel und Palästina, Rifat Kassis (Beit Sahour), ins Gespräch.

Das „Plädoyer für eine Umkehr zu einer friedlichen Politik im Nahen Osten“ hält Prof. Rolf Verleger, der kürzlich auch am pax christi-Kongerss zu Nahost in Bad Boll teilnahm, am Samstag um 11 Uhr im Gemeindezentrum St. Marien, Kapellenstr. 3, im Rahmen des dreitägigen „Zentrums Gewaltfrei leben und handeln – hier und in Nah-Ost“, das u.a. vom Versöhnungsbund verantwortet wird.


Folgende Stände sind von Organisationen eingerichtet, denen pax christi (deutsche Sektion) angehört:

Forum Ziviler Friedensdienst: 2.1 C23 (zusammen mit der Ev. AG zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer)

Qualifizierungsverbund für zivile, gewaltfreie Konfliktbearbeitung: 2.1 C17

Oekumenischer Dienst Schalomdiakonat: 2.1 C19

Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH): 2.1 F04

Attac: 2.1 C02

Ökumenisches Netz in Deutschland – in Kooperation mit Kairos Europa: 2.1 A07


Mit folgenden Organisationen (u.a.) arbeitet pax christi eng zusammen (hier mit den Stand-Nummern beim DEKT):

97. deutscher Katholikentag Osnabrück 2008: 5.1 C06

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK): 5.1 A04

Bischöfliches Hilfswerk Misereor: 2.1 G07

Evangelische Missionswerke - Ökumenische Koje Weltmission: 2.1 H08 (mehrere Missionswerke sind wie pax christi am Ökumenischen Begleitprogramm in Israel und Palästina beteiligt)

Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF): 2.1 C15

IPPNW (Ärzte gegen Atomkrieg): 2.1 G08

Europäisches friedenskirchliches Netzwerk Church and Peace: 2.1 C13

„Wethen“ – Laurentiuskonvent, Ökumenische Gemeinschaft Wethen und Zukunftswerkstatt Ökumene: 5.1 D07; Ökumenische Initiative Eine Welt: 2.1 B06

Ökumenischer Rat der Kirchen: 5.1 A11

Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche: 2.1 G10

Erlassjahr.de: 2.1 E06

Am 5. Juni 1967 begann Israel den 6-Tage-Krieg. Die Sinai-Halbinsel, der Gazastreifen, die Westbank mit der historischen Altstadt von Jerusalem sowie die Golanhöhen wurden besetzt. Bis heute wurde lediglich die Sinai-Halbinsel an Ägypten zurückgegeben. Die deutsche Sektion von pax christi trägt ein Statement zum 40. Jahrestag der Besatzung mit, das auf Initiative von CIDSE-Mitgliederorganisationen (Internationale Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Solidarität) zustande kam. Es wurde u.a. unterzeichnet von Pax Christi International und von Misereor. Das Statement richtet Forderungen und Empfehlungen vor allem an die EU und ihre Mitgliedstaaten.

"Unter lang andauernder Besatzung ist Entwicklung eine Herausforderung. Unsere Partnerorganisationen in Israel und den Palästinensischen Territorien haben der Frustration nicht nachgegeben. Sie fahren fort, Menschen unter schwierigen Bedingungen dabei zu helfen, ein Leben in Würde zu führen.
Entwicklung unter lang andauernder Besatzung ist auch eine besondere Herausforderung für unsere eigene Arbeit als kirchliche Entwicklungs- und Friedensorganisationen in Europa. Insbesondere da die Besatzung der palästinensischen Territorien durch eine Politik gekennzeichnet ist, die gegen grundsätzliche Prinzipien von internationalem Humanitären Recht verstoßen. Vierzig Jahre sind eine lange Zeit. Es ist jetzt an der Zeit für die Europäische Gemeinschaft, zu handeln und ihre Verantwortung zu erfüllen.

Empfehlungen an die EU und ihre Mitgliedstaaten

  • 40 Jahre rechtswidrige Besatzungspolitik: Wir fordern die EU auf, Israel zu drängen, die Siedlungen, internen Kontrollpunkte, Mauern und Zäune zu abzubauen, die Konfiszierung von Land zu unterlassen und die Zerstörung von Häusern zu stoppen, damit die Bedingungen für einen gerechten Frieden und eine lebensfähige Zwei-Staaten-Lösung wieder hergestellt sind und die Besatzung beendet ist.
  • 40 Jahre Verstöße gegen Völkerrecht: Wir fordern die EU auf, sich Israels Achtung für internationales humanitäres Recht und die Menschenrechte zu versichern. Die EU kann dieser rechtswidrigen Politik nicht länger entgegenkommen. Sie sollte sich Israels Achtung für internationales Recht in ihren bilateralen Beziehungen versichern und so den Spielraum Israels, Regeln zu verletzen, die Zivilisten schützen, einschränken und so die eigenen Gesetze der Union achten.
  • 40 Jahre kostspielige Besatzung: Wir appellieren an die EU, ihre Verpflichtungen an internationales humanitäres Recht, an ihre Richtlinien für humanitäre Hilfe und an ihre politischen Ziele zu knüpfen. Die EU muss garantieren, dass ihre Hilfe Israel nicht von der Verpflichtung befreit, die Besatzungskosten zu tragen, und nicht dazu benutzt wird, um seine rechtswidrige Besatzungspolitik zu verstärken, um damit die Aussichten für regionale Stabilität zu beeinflussen und eins der Schlüsselziele der Europäischen Nachbarschafts-Politik zu unterminieren.
  • 40 Jahre erfolglose internationale Diplomatie: Wir fordern die EU auf, seine rechtliche Verantwortung zu erfüllen und dazu beizutragen, die Wirkungen von Rechtswidrigkeit in der Region umzukehren. Die EU sollte handeln, um die Grundlage für einen wirksamen Friedensprozess zu wiederherzustellen, der die Notwendigkeit für Verhandlungen erneut deutlich macht."

 Den vollen Text und alle unterzeichnenden Organisationen können Sie als pdf-Datei herunter laden.

Nach meiner Teilnahme an der Großdemonstration möchte ich Folgendes festhalten: Die Internationale Großdemonstration in Rostock am 2.Juni war ein eindrucksvoller Bürgerprotest für eine andere, gerechte, friedliche und solidarische Welt. pax christi hat in dem enorm breiten Bündnis für das christliche Spektrum neben Ordensleuten, der Welthandels- und der Entschuldungskampagne bewusst daran teilgenommen – ebenso als Mitglied von Attac. Die Bevölkerung in Rostock zeigte ihre breite Sympathie während der beiden Demonstrationszüge zur Kundgebung am Hafen, und der Rostocker Oberbürgermeister Methling lobte laut Phoenix ausdrücklich deren friedlichen Verlauf. Trotz bei der Kundgebung ausbrechender Gewalt am Rande funktionierten Deeskalation und Absprachen zwischen Demo-Organisatoren und Polizei.

Persönliche Eindrücke und Einschätzung von Generalsekretär Reinhard Voß zu den Krawallen in der Nacht zum 3.Juni 2007

Die schlimmen und strikt zu verurteilenden Ereignisse der Nacht mit Hunderten Verletzten auf beiden Seiten sind hingegen ein bedrückendes Zeugnis dafür, dass viele Hunderte Gewaltbereite den friedlichen Protest zu diskreditieren versuchen und bewusst die Krawalle mit der Polizei suchen. Dass die Polizei ihrerseits durch ihr massives und teils martialisches Auftreten im Vor- und Umfeld oft nicht zur Deeskalation beitrug, muss ebenfalls im Rahmen der politischen Aufarbeitung über „Sicherheitsmaßnahmen“ künftig diskutiert werden.

Aber heute gilt es festzustellen, dass in der nächsten Woche alle Aktionen um den monströsen Zaun von Heiligendamm in der Gefahr stehen, genau diese Konfrontation fortzusetzen. Ich empfehle, nach diesem eindrucksvollen Rostocker Zeugnis eines breiten Bürgerwillens für Gerechtigkeit und Frieden weiterhin den friedlichen Protest in dieser Stadt im Rahmen des Alternativgipfels auszudrücken statt sich in eine unfruchtbare und gefährliche, der Sache nicht dienende Konfrontation am Zaun hineinziehen zu lassen.



ATTAC hat direkt nach der Demonstration in der Nacht zum Sonntag Folgendes berichtet:

03.06.2007 Trotz einer friedlichen und erfolgreichen Demonstration ist es am Rande der Proteste zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Anlass für die Eskalation nach Ende der Demonstration war nach derzeitigem Kenntnisstand der Angriff einer kleinen Gruppe Demonstranten auf einen am Kundgebungsplatz geparkten Polizeiwagen. Dabei sind offenbar zwei Polizisten verletzt worden. Danach eskalierte die Situation. An der Eskalation waren beide Seiten beteiligt. Dabei hat insbesondere die Polizei mit gezielten Übergriffen auch auf friedliche Teilnehmer der Kundgebung unverhältnismäßig reagiert. Eine Beruhigung der Lage erfolgte nach aktivem Bemühen um Deeskalation durch die Veranstalter und intensiven Kontakten zwischen Demo-Leitung und Polizei. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilt scharf den tätlichen Angriff auf die beiden Polizeibeamten. "Auch das wiederholte Nachsetzen einiger Protestteilnehmer auf die sich zeitweise zurückziehende Polizei war vollkommen verantwortungslos", sagte Werner Rätz vom Attac-Koodinierungskreis.

Peter Wahl, ebenfalls Mitglied des Attac-Koordinierungskreises, betonte den zuvor friedlichen Verlauf der Demonstration. "In Rostock haben heute 80 000 Menschen ihren demokratischen Protest gegen die unmenschliche Politik der G8 gewaltfrei und phantasievoll zum Ausdruck gebracht." Während der Demonstration hätten die Absprachen zwischen den Organisatoren und der Polizei funktioniert. Die internationale Großdemonstration wurde von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis getragen, das von der Interventionistischen Linken über Attac bis zu Greenpeace reicht. Alle Partner haben sich an die Vereinbarung über den friedlichen Charakter der Demonstration gehalten. "Dies war ein großer Erfolg der Monate langen Mobilisierung. Und den lassen wir uns nicht kaputt machen", ergänzte Pedram Shahyar, ebenfalls vom Attac-Koordinierungskreis.

"Wir hoffen, dass trotz der heutigen Vorfälle in den kommenden Tagen das politische Klima friedliche, demokratische Proteste gegen die Politik der G8 möglich macht", appellierte Peter Wahl an alle Beteiligten.


In einer Pressemeldung vom 29. Mai 2007 (Bonn/Rostock) ermuntert das Netzwerk Friedenskooperative als Mitveranstalter der Großdemonstration zum G8-Gipfel am kommenden Samstag in Rostock zur Teilnahme. Kritisiert wird das martialische Auftreten der Hamburger Polizei bei der Demonstration gegen den ASEM-Gipfel am Pfingstmontag. Mit solchen Bildern werde Angst vor der Teilnahme an G8-Protesten geschürt. Dies werde sich aber so in Rostock nicht wiederholen, erklärt Netzwerk- Geschäftsführer und Mitglied der Demonstrationsleitung, Manfred Stenner.

"Hamburg" war nicht die Generalprobe für die Großdemonstration am 2.6.

"Wandernde Polizeikessel und solch rabiates Auftreten der Polizei wird es während der Rostocker Demonstration nicht geben", so Stenner. "Nach wie vor gehen die Polizeibehörde 'Kavala' und die Veranstalter von einer bunten und fröhlich-kämpferischen Demonstration aus. In monatelangen Gesprächen wurden mit der Polizei und der Hansestadt Voraussetzungen für einen Ablauf geschaffen, zu dem wir mit gutem Gewissen Familien mit Kindern einladen können".

Die Veranstalter befürchten, dass sich durch die allgemeine Sicherheitshysterie etliche Menschen aus Furcht vor der Polizei von ihrem grundrechtlich verbrieften Recht auf Versammlungsfreiheit abschrecken lassen. Hierfür werden die Razzien zur Ausspähung der linken Szene, Äußerungen von Bundesanwaltschaft, BKA, Verfassungsschutz und Innenminister Schäuble verantwortlich gemacht, die den legitimen Protest gegen eine menschenverachtende Politik der G8 in die Nähe von Terrorismus rückten. Auch die Allgemeinverfügung der mecklenburg-vorpommerschen Landespolizei mit weiträumigen Demonstrationsverboten während der Gipfeltage habe dazu beigetragen.

Gemäßigtere Äußerungen von Kanzlerin Merkel und später des Innenministers könnten den angerichteten Schaden für die Demokratie nicht wieder gut machen. Notwendig sei eine ausdrückliche Aufforderung der Bundesregierung zu einem deeskalierenden Verhalten der Polizeibehörden.

Die Friedenskooperative ermutigt nochmals zur Reise nach Rostock und Heiligendamm. "Je mehr wir sind, desto einfacher klappt auch der gewünschte Ablauf", betont Stenner, der schon in den achtziger Jahren die großen Friedensdemonstrationen auf dem Bonner Hofgarten mit organisiert hat.

Sorge bereiten den Veranstaltern die angekündigten Grenzkontrollen, die die rechtzeitige Ankunft der ausländischen Gäste gefährden. "Wenn Schäuble seine jüngsten Bekenntnisse zum Demonstrationsrecht ernst meint, muss er die Kontrollen zurücknehmen und auch die geplante provokante Begleitung der Sonderzüge - z.B. aus Basel - durch die Bundespolizei stoppen" fordert das Friedensnetzwerk.

Allen mit PKW Anreisenden wird von den Veranstaltern dringend die Anreise bereits am Freitag angeraten. Am 1.6. gibt es bereits um 19 Uhr eine Begrüßungskundgebung im Rostocker Stadthafen.

Kontakt: Netzwerk Friedenskooperative, Römerstr. 88, 53111 Bonn Tel. 0228/692904, Fax: 0228/692906, heiligendamm2007@friedenskooperative.de

Ende April sind Ursel Kamman und Brigitta Böckmann für drei Monate als pax christi-Freiwillige ausgereist. Brigitta Böckmann schildert ihre ersten Eindrücke. Weitere Berichte werden folgen. Das Foto zeigt das beschriebene Drehkreuz am Checkpoint 300 bei Bethlehm.

"Seit dem 30. April 2007 bin ich hier in Palästina, um ein weiteres Mal drei Monate lang im Begleitprogramm des Weltkirchenrates zu arbeiten. Nach einer zehntägigen Einführungsphase in Jerusalem bin ich nun meinem Einsatzort Bethlehem, im Team zusammen mit drei anderen Internationalen.
Seit meinem letzten Besuch hier vor einem Jahr hat sich einiges verändert, und das leider nicht im positiven Sinne: Die 8-9m hohe Trennnungsmauer um Bethlehem herum ist weiter gewachsen, der sogenannte Checkpoint 300, der die Hauptverkehrsader von Bethlehem nach Jerusalem durchschneidet, hat sich zu einem grossen Terminal mit einem raffinierten Kontrollsystem entwickelt, der jedes Passieren enorm erschwert, seien es nun Einheimische oder Internationale, Touristen oder Arbeitende.
Und hat man dann, von Jerusalem kommend, nach den Kontrollen und absperrrenden Drehtüren endlich den Durchlass der Mauer erreicht, prangt dort beim Eintritt in die Stadt Bethlehem bunt und in riesigen Lettern der auf mich zynisch wirkende Wilkommensgruss des Israelischen Tourismus-Ministeriums: "Peace be with you", Friede sei mit Euch. Wie dieser Gruss auf die palästinenischen Arbeiter wirken mag, die abends müde wieder nach Hause wollen, obwohl sie sich zu den Glücklichen zählen können, die überhaupt eine Arbeitsstelle in Israel und einen (kostenpflichtigen) Passierschein bekommen haben, mag ich mir nicht ausmalen.
Eben diese Leute müssen früh morgens auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle von Bethlehem kommend noch wesentlich mehr Kontrollen, Schwierigkeiten und oft noch Schikanen über sich ergehen lassen, um zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen - nie wissend, was sie am Checkpoint erwartet, wie lange die Prozedur dauern wird und ob sie überhaupt durchgelassen werden. Es sind viele, die die halbe Nacht dort verbringen aus Angst, ihre Arbeitsstelle nicht pünktlich erreichen zu können. Sie kommen aus den Dörfern um Bethlehem herum, den Städten wie Hebron und noch von weiter her, aus der ganzen südlichen Westbank. Manche verlassen ihr Zuhause oft kurz nach Mitternacht, erreichen den Checkpoint um etwa ein oder zwei Uhr, wo sie unter freiem Himmel, Wind und Regen schutzlos ausgesetzt, auf auseinander gefalteten Pappkartons sitzend oder liegend, schlafend oder wachend, die Öffnung um fünf Uhr erwarten. Das geschieht in den meisten Fällen nicht pünktlich, sondern mit teilweise halbstündiger Verspätung.
Einen wesentlichen Teil unserer Zeit in Bethlehem wird unser Team an eben diesem Checkpoint verbringen. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, hier präsent zu sein, vor allem früh morgens, wenn der Checkpoint geöffnet wird.
Wir begleiten diese Menschen um ihnen den Übergang so gut es eben geht zu erleichtern. Wir geben Hilfestellung, versuchen, durch unsere Anwesenheit Schikanen seitens der israelischen Soldaten oder der Grenzpolizei abzumildern oder zu verhindern. Dazu werden wir wachsam die jeweilige Lage beobachten, Schikanen und Menschenrechtsverletzungen dokumentieren und weiter leiten."

 

Die Anschläge auf deutsche Soldaten und afghanische Zivilisten vom letzten Wochenende haben mit Recht tiefe Betroffenheit und Bestürzung hervorgerufen. pax christi spricht den Angehörigen der getöteten Soldaten ihr Beileid aus. Der Anschlag in Kunduz auf Soldaten, die sich offen und vertrauensvoll zwischen der Bevölkerung aufhalten, ist besonders tragisch, weil die Soldaten in einem Einsatz für den nationalen Wiederaufbau (ISAF) engagiert sind. Der Anschlag zeigt aber vor allem, dass sich die tödliche Spirale der Gewalt immer schneller dreht und ausweitet. Deshalb ist die Frage nach dem Sinn dieses Einsatzes neu aufgeworfen.

pax christi-Generalsekretär Reinhard Voß zur aktuellen Situation in Afghanistan

Genau davor hat pax christi seit Anfang dieses Jahres gewarnt und deshalb auch den Tornadoeinsatz klar abgelehnt. Die Trennung zwischen der Aufbaumission ISAF und dem seit 2001 anhaltenden Krieg im Rahmen der US-geführten „Operation Enduring Freedom“ (OEF) kann - so sagen es immer mehr deutsche Politiker offen - nicht länger aufrechterhalten werden. Auch politisch engagierte Soldaten (etwa der Arbeitskreis Darmstädter Signal) warnten schon lange vor einer weiteren Eskalation und Vermischung: „Die politisch getrennten Ziele des Wiederaufbaus Afghanistans und die Bekämpfung regierungsfeindlicher Organisationen und Gruppen, auf die die Bundesregierung bisher zu Recht Wert gelegt hat, sind bereits so weit vermischt, dass sich schon jetzt die Sicherheitslage in Kabul wie auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden drastisch verschlechtert hat.“ Und nach dem Attentat dieser Woche fragt auch der Bundeswehrverband deutlicher nach dem Sinn des Einsatzes.

pax christi erinnert daran: Der deutsche Auslandseinsatz in Afghanistan ist verfassungsrechtlich umstritten, politisch fragwürdig und finanziell unverhältnismäßig: allein der Tornadoeinsatz wird nach Expertenschätzung in 6 Monaten 50 Mio Euro betragen, während für die zivile Aufbauhilfe jährlich nur 80 Mio Euro pro Jahr von Deutschland für Afghanistan aufgebracht werden.

Hier wird eine Fortentwicklung des Nato-Vertrags vorangetrieben, die nicht mehr von der einstigen Zustimmung des Bundestages gedeckt ist. Die Nato beteiligt sich an einem militärischen Einsatz, der keinen Bezug mehr zur Sicherheit im euro-atlantischen Raum aufzeigt. Der deutsche Einsatz in Afghanistan ist nur noch zu verantworten, wenn die Trennung beider Mandate (ISAF und OEF) klar aufrechterhalten wird. Derzeit ist deutlich spürbar, dass der Rückhalt in der afghanischen Bevölkerung für den internationalen Einsatz schwindet, da die Koalitionstruppen den Schutz der Zivilbevölkerung nicht mehr glaubwürdig garantieren und im Gegenteil immer mehr Zivilisten bei Bombardements und Militäreinsätzen umkommen. Die „korrupte Karsai-Regierung“ (General Reinhardt in der Phoenix-Runde am 23.5.2007) treibt den zivilen Aufbau ungenügend voran und tastet den Drogenanbau nicht an. Besonders die Unterminierung der Glaubwürdigkeit zivilgesellschaftlicher Wiederaufbauhilfe und Entwicklungsarbeit durch militärische Ziele („zivil-militärische Zusammenarbeit“) wird zunehmend als Problem erkannt.

Was Afghanistan stattdessen braucht, ist ein tragfähiges Konzept für friedliche Entwicklung und Wiederaufbau, für nationale Verhandlungen unter Einschluss aller Kräfte - auch der Taliban und Warlords, für eine Reduzierung des Drogenanbaus und seine Umstellung auf rein medizinische Zwecke, für die Förderung von Ökonomie und Bildung statt Granaten und Bomben. In Deutschland ist ein grundlegendes Überdenken des militärischen Sicherheitsbegriffs und solcher Auslandseinsätze nötig. Es fehlen ein politischer Zielkatalog und ein Abzugsplan für das Militär. Deutschland verstrickt sich mit einem pervertierten Glaubwürdigkeitspathos ab sofort immer tiefer in den militärischen Konflikt. Das Parlament muss im Herbst 2007 den KSK-Einsatz und die Tornado-Flüge im Rahmen der OEF beenden und sollte das ISAF-Mandat nur verlängern, wenn eine völlige Trennung von der Operation Enduring Freedom garantiert werden kann.

Bad Vilbel, den 24.5.2007

Anfang Juni treffen sich die Regierungschefs der sieben mächtigsten Industrieländer und Russlands zum G8-Gipfel im Ostseebad Heiligendamm. Die Protestaktionen kritisieren deren Verantwortung für zunehmende weltweite Armut, Klimakatastrophe und eine neue Phase kriegerischer Auseinandersetzungen und wollen die Alternativen für eine bessere Welt aufzeigen. pax christi Deutschland ist an den Vorbereitungen von Demonstration und Alternativgipfel beteiligt durch ihre Kommission "Globalisierung und soziale Gerechtigkeit". Kontakt zur pax christi-Kommission über deren Sprecher Stefan Leibold: leibold@uni-muenster.de

pax christi Deutschland unterstützt die gewaltfreien Protestaktivitäten

Ein zentraler Aktionspunkt wird die Großdemo am 2. Juni in Rostock sein. Die öffentliche Auseinandersetzung nach den Razzien der Polizei ebenfalls. pax christi-Generalsekretär Reinhard J. Voß hat danach vor einer Kriminalisierung der G8-Demonstranten gewarnt. Die Unterstützungen für den Aufruf haben weiter zugenommen (abzurufen und auch zu unterzeichnen unter http://www.heiligendamm2007.de)

Viele vorbereitende Veranstaltungen können unter http://www.friedenskooperative.de/g8_2007.htm beworben bzw. dort auch in die Liste neu eingetragen werden.

Die Organisation von Bussen aus jeder Stadt nach Rostock wird koordiniert von der organisierenden Arbeitsgruppe unter office@heiligendamm2007.de.

ATTAC hat drei Sonderzüge für die Hinfahrt bestellt, die ab Basel, Bonn und Salzburg fahren. Näheres unter www.attac.de/sonderzug

Am 20. Mai 2007 feiert St. Radegund in Oberösterreich den 100. Geburtstag von Franz Jägerstätter. Er war einer der wenigen katholischen Kriegsdienstverweigerer im 2. Weltkrieg. Obwohl sein Pfarrer und sein Bischof ihm davon abrieten, verweigerte er den Kriegsdienst unter Hitler, weil er erkannte, dass der Krieg ein "Raubzug" war, um an Erze, Ölquellen und Getreide in Russland und anderen Ländern zu gelangen. Er will ein gottloses Regime nicht unterstützen. Am 9. August 1943 wird er in Brandenburg/Havel hingerichtet. Dieses Jahr wird seine Seligsprechung erwartet.

Pax Christi International ehrt ihn in einem Brief an seine Witwe Franziska zu seinem 100. Geburtstag

Seit 1983 wird jährlich an seinem Todestag ein Treffen in Ostermiething/St. Radegund veranstaltet, zu dem jedes Jahr mehr Menschen kommen, darunter pax christi-Mitglieder aus vielen Länden, auch aus den USA.

Am Samstag, dem 19. Mai 2007 veranstaltet die Katholische Männerbewegung eine Sternwallfahrt nach St. Radegund, die mit einem Gottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer, Pax Christi-Präsident Österreichs, endet.

Am Sonntag, dem 100. Geburtstag, ist ein Festgottesdienst mit Bischof Schwarz und ein Festakt mit Landeshauptmann Dr. Pühringer geplant.

„Die Art und Weise, in der Jägerstätter sein Gewissen formte, und die innere Freiheit, mit der er in den Tod gegangen ist, haben einen hohen prophetischen Rang und Wert, gerade auch weil er seiner Zeit in Bezug auf die Formulierung der kirchlichen Lehre beispielgebend vorauseilte.“ (Bernhard Häring am 20.5.1997)

Der diesjährige Kongress von pax christi in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Bad Boll zum Israel-Palästina-Konflikt fand mit 120 Teilnehmenden ein großes Interesse. Leidenschaftlich suchte man an diesem Wochenende nach Möglichkeiten deutschen und europäischen Engagements für Auswege aus der dortigen Krise. Dabei stand im Mittelpunkt die Frage, inwieweit Deutschlands „besondere Beziehungen“ nach Israel dessen Besatzungspolitik in Palästina nach nunmehr genau 40 Jahren weiter faktisch unterstützen und rechtfertigen dürfen. Stattdessen forderten viele Referenten eine konsequente Ausrichtung an Menschen- und Völkerrechtsnormen. Prof. Rolf Verleger, Gründer der Initiative Schalom 5767, brachte es auf die Formel: das israelische Gerechtigkeitsbedürfnis müsse stärker werden als sein Sicherheitsbedürfnis, denn eine gerechte Lösung für die Palästinenser würde auch die ersehnte Sicherheit für beide Seiten bringen.

Leidenschaftliche Suche nach Frieden in Nahost beim pax christi-Kongress

Prof. Meggle hatte als Mitautor am Freitagabend das Manifest der 25“ (Professoren) vorgestellt, das die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel betont, ihnen aber künftig den Charakter des „Besonderen“ abspricht. Kein Kritiker hatte gewonnen werden können, um mit ihm zu debattieren.

Am Samstagvormittag brachten zwei Referenten aus Israel und Palästina die Wirklichkeit in den Saal: Dr. Husam Al Najar aus Gaza stellte die wirtschaftliche, politische und soziale Katastrophe in Palästina eindruckvoll dar und Prof. Jeff Halper aus Israel vom Komitee gegen Hauszerstörungen kritisierte das Besatzungsunrecht und warnte vor einer Politik der Apartheid und der Verwandlung Palästinas in „Bantustans“, die dann der Welt, vielleicht schon bald, als Staatenlösung verkauft werde.

In sieben Arbeitsgruppen wurden politische Forderungen erarbeitet, die am Sonntag dann den vier VertreterInnen der Parteien vorgelegt und mitgegeben wurden. Die CDU/CSU-Bundestagstagsfraktion hatte niemanden delegiert. Anwesend waren von der SPD der verteidigungspolitische Sprecher Rainer Arnold MdB, von Bündnis 90/Grünen Frau Birgitt Bender MdB, von der Linksfraktion Prof. Norman Paech MdB und von der FDP Prof. Berthold Meyer, Mitglied im Bundesfachausschuss für internationale Politik der Partei. Diese Forderungen fanden bei diesen, wie zu erwarten, ein sehr unterschiedliches Echo, von Zustimmung bei Paech über Differenzierung bei Meyer und Arnold bis zu weitgehenden Ablehnung durch Frau Bender.

Die Forderungen betrafen die sofortige Aufgabe der israelischen Besatzung und Anerkennung eines palästinensischen Staates; den Ausbau von Zivilen Friedens- und Beobachtungsdiensten vor Ort; die Förderung von Reisen nach Israel und besonders auch nach Palästina zur moralischen und ökonomischen Stützung; den Stopp deutscher Rüstungsexporte in dieses Spannungsgebiet; konsequente Kennzeichnungspflicht und Kaufboykott von Produkten aus den besetzten Gebieten sowie Kritik an Mauer und besonders dem Mauerverlauf auf palästinensischem Gebiet.

pax christi wird die Ergebnisse der Arbeitsgruppen in die weitere politische und kirchliche Debatte einbringen.


In seinem Schlusswort der Tagung zog Vizepräsident Johannes Schnettler eine erste Bilanz: „Frieden im Diesseits des Nahen Ostens. Was ist von uns zu tun?“

Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens in Nah-Ost, In diesen drei Tagen haben wir uns über vier Schritte verständigt, die das Engagement für den Frieden in Nah-Ost prägen.

Vergewissern. Unser Engagement muss Auskunft geben können auf die Fragen: Woher kommen wir? Warum ist uns unser Engagement für den Frieden in Israel und Palästina so wichtig? Orientierungen haben wir gehört, z.B. von Prof. Meggle in Reflexion auf das „Manifest der 25“. „Es ist an der Zeit, die moralische Verantwortung gegenüber Israel und Palästina auf eine breitere Basis als die im Holocaust begründete Moral zu stützen.“ Und Dr. Husam Al Najar ergänzte: „So wie Israel sein kollektives Gedächtnis bewahrt, so bewahrt auch das palästinensische Volk sein kollektives Gedächtnis“. Bei einer derartigen Vergewisserung unseres Engagements gilt die Feststellung von Petra Mendelsohn: „Kritik an der Politik des Staates Israels hat nichts mit Antisemitismus zu tun“.

Hören und Sehen. „Wer einmal hinter die Mauer geschaut hat, darf nicht schweigen“, hat uns Pater Rainer Fielenbach (OCarm) zugerufen. Wir haben den Blick auf die Bilder der zerstörten Brücken Palästinas gerichtet, die Dr. Husam Al Najar gezeigt hat und zugehört, was er über die ökonomische und soziale Katastrophe in Palästina erzählt hat. Gehört haben wir auch von Prof. Jeff Halper von der „Matrix der Kontrolle“ über die Palästinenser im West-Jordanland, die sich von der Zersiedlung des Territoriums über die ökonomische Beeinträchtigung bis hin zu Mauer erstreckt. Wir haben aber auch von den Ängsten und Sorgen der Menschen in Israel um Ihre Sicherheit gehört, Wir wissen. Alle Stimmen in Israel und Palästina sind zu hören, weil sie uns etwas zu sagen haben.

Bewerten. Das Existenzrecht Israels. Es muss gewährleistet sein. - Der Gaza-Streifen. Es ist weniger autonomes Gebiet als vielmehr Gefängnis für die Palästinenser. - Das West-Jordanland. Das zerstückelte Territorium ist weniger Staatsgebiet als ein Bantustan. Die Zwei-Staaten-Lösung. Politische Perspektive oder eine vertane Chance? - Die Politik der deutschen Bundesregierung. Bei Verstößen gegen das Völkerrecht und Unrecht verlangen die besonderen Beziehungen eine deutliche Kritik. - Die Gewalt. Es ist zwischen dem Recht auf Widerstand eines Volkes und terroristischen Gewaltakten zu unterscheiden. - Positionen. Es geht um Entschiedenheit. Gleichgültigkeit oder Neutralität schwächt die Friedengruppen sowohl in Palästina als auch in Israel.

Handeln Wir stehen alle schon in einem langen politischen Engagement. Nach wie vor gilt es, Öffentlichkeit herzustellen für unsere Forderungen, die wir gestern und heute zusammengetragen haben. Es geht aber auch um den Dialog aller Akteure vor Ort und Engagierten dort und bei uns. Und schließlich: Unser Handeln basiert auf der „Anwaltschaft voll Liebe für beide Völker, für das palästinensische und das israelische“, wie Veronika Hüning zur Eröffnung der Tagung es forderte. Prof. Jeff Halper hat diese Anwaltschaft in diese Kurzform zusammengefasst: „Israel: wir lieben dich. Israel: wir garantieren deine Sicherheit. Israel: du musst die Besatzung aufgeben.“

Setzen wir in diesem Geiste unser Engagement für den Frieden in Nah-Ost fort.

Die gestrige Durchsuchungsaktion der Büros linker Gruppierungen, Buchläden und Kulturzentren durch fast eintausend Polizisten im Auftrag der Bundesanwaltschaft nach § 129 a – Bildung einer terroristischen Vereinigung – ist nach Umfang und Begründung eine Überreaktion und Einschüchterung des Staates im Vorfeld der geplanten breiten Proteste.

pax christi-Generalsekretär warnt vor Überreaktionen des Staates

pax christi distanziert sich von allen Formen der Gewaltanwendung zur Durchsetzung politischer Ziele. Die Bundesanwaltschaft verfolgt mit Recht rund 40 Anschläge zwischen 2005 und 2007. Aber wir fragen nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel und haben Sorge, dass hier mit der Keule des Terrorismusvorwurfs die gesamte Protestbewegung getroffen werden soll.

pax christi befürchtet, dass über solche Einschüchterung, Diffamierung und Kriminalisierung der Proteste eher weitere Gewalt provoziert als eingedämmt wird.

pax christi unterstützt die Demonstration am 2.6.2007 und den Alternativgipfel in der anschließenden Woche anlässlich des Treffens der sog. G 8, weil dieses Treffen der Staatschefs der mächtigsten Industriestaaten – und nicht zuletzt auch die durch den absurden Zaun um Heiligendamm herum dokumentierte Machtdemonstration - Widerspruch und Ansporn zu einer gerechteren Weltpolitik braucht.

Als Friedensbewegung sehen wir, dass die ungleiche Macht-, Ressourcen- und Reichtumsverteilung weltweit den Frieden zunehmend gefährdet und unterstützen deshalb durch die pax christi-Kommission „Globalisierung und Weltwirtschaft“ die gewaltfreien Proteste sowie die Suche nach Alternativen.

Dr. Reinhard J. Voß, Generalsekretär

Bad Vilbel, den 10.5.2007

Der diesjährige pax christi-Kongress in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Bad Boll am nächsten Wochenende findet ein starkes Echo: etwa 110 TeilnehmerInnen und ReferentInnen werden am nächsten Wochenende die Frage des deutschen und europäischen Engagements im Israel-Palästina-Konflikt diskutieren. Die Teilnehmenden sind etwa zur Hälfte pax christi-Mitglieder. Es sind außerdem viele Fachleute aus Nahost-Bewegungen, -Medien und -Institutionen sowie eine Reihe Interessierter angemeldet.

Deutsches Engagement im Israel-Palästina-Konflikt wird diskutiert

Einige wenige Programm-Änderungen sind nötig:

Erfreulich ist, dass alle Arbeitsgruppen zustande kommen. Aber es fand sich trotz langer Suche und vielen Anfragen kein Kontrahent für Prof. Meggle von der Gruppe des „Manifests der 25“; so werden die schon anwesenden Fach-Referenten der Arbeitsgruppen vom Samstagnachmittag die Diskussion mit ihm bestreiten.

Leider musste Brigitte Herremans von pax christi Flandern absagen, so dass die Rolle Deutschlands und der EU nun allein von Dr. Christina Pfestroff thematisiert wird und mehr Zeit für Diskussion dazu bleibt.

Schließlich bekamen wir von den Bundestagsfraktionen der CDU/CSU und der FDP keine Zusage; Prof. Berthold Meyer von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) wird als FDP-Mitglied und Friedensforscher die Politikerrunde auffüllen.


In der Einladung hieß es zum Ziel des Kongresses:

„Aktuelle Gewalttätigkeiten in Israel und in den von Israel besetzten Gebieten verstellen manchmal den Blick auf den Konflikt, auf die in diesem Jahr schon 40 Jahre dauernde Besatzung, auf die völkerrechtswidrig errichteten Siedlungen und die Mauer.

Gruppen der israelischen Friedensbewegung treten seit Jahren für ein Ende der Besatzung ein. Sie fordern die europäischen Länder auf, sich ebenfalls dafür stark zu machen. In Deutschland hat diese Forderung neu Gehör gefunden. Im „Manifest der 25“ wird darauf hingewiesen, dass die deutsche Israel-Politik nicht auf die Einhaltung der Menschenrechte und des Völkerrechts drängt.

Die Veranstalterinnen, Evangelische Akademie Bad Boll und pax christi Bewegung, wollen mit dieser Tagung Menschen erreichen, die den gesellschaftlichen Diskurs über die deutsch-israelisch-palästinensischen Beziehungen mitgestalten möchten oder selber politisch aktiv sind. Deshalb soll das Gespräch untereinander und in Arbeitsgruppen nicht zu kurz kommen. Aber auch die aktuelle Lage in Israel und Palästina soll auf dieser Tagung vorkommen, mit einem Bericht aus Gaza und einer Einschätzung aus Israel.“

Am letzten Wochenende haben sowohl das Forum Menschenrechte, in dem pax christi Mitglied ist, als auch das Deutsche Institut für Menschenrechte detaillierte Stellungnahmen gegen die nach der ersten Lesung im Bundestag am 26.4.2007 zu befürchtenden Verschärfungen des Asyl- und Ausländerrechts veröffentlicht. Insbesondere wurde an drei Bundestags-Ausschüsse in diesem Sinne appelliert: Innen-, Menschenrechts- und Rechtsausschuss. pax christi unterstützt diese Voten ausdrücklich.

Menschrechtsstandards werden unterschritten

Das Forum Menschenrechte - ein Netzwerk von mehr als 40 deutschen Nichtregierungsorganisationen, die sich für einen verbesserten, umfassenden Menschenrechtschutz einsetzen - kritisiert, dass bei der geplanten Umsetzung der aufenthalts- und asylrechtlichen EU-Richtlinien Menschenrechtsstandards unterschritten werden. Statt europäische Mindeststandards ins nationale Recht umzusetzen, plant die Bundesregierung zahlreiche Verschärfungen im Asyl- und Ausländerrecht, die sowohl mit dem Verfassungsrecht als auch mit der Europäischen Menschenrechtskonvention nicht vereinbar sind.

Die Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“ der deutschen Sektion von pax christi hat eine Stellungnahme zum Rohstoffexport aus der Demokratischen Republik Kongo erarbeitet. Sie fordert darin eine Initiative der Bundesregierung zur Zertifizierung von Rohstoffexporten.

Eine Stellungnahme der Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“

UN-Berichte über den Rohstoffexport sprechen im Zusammenhang mit der DR Kongo vom „illegalen Abbau von Rohstoffen“. Deutsche Investoren spielen im Kongo eine wichtige Rolle. Seriöse Investoren machen aber auch deutlich, dass ihnen im Interesse der Investitionssicherheit durchaus an transparenten Marktbedingungen ohne Schmiergeldzahlungen gelegen ist.

Der Frieden im Kongo ist von neuem gefährdet. Die Bundesregierung muss ihre Verantwortung während der G8- und auch der EU-Präsidentschaft nutzen, um den Handlungsbedarf im Rohstoffsektor mit politischem Handeln aufzufüllen. Die rasche Einsetzung von Mechanismen zur Zertifizierung von Rohstoffen ist dafür ein gangbarer Weg, der schon längst hätte beschritten werden müssen. Der Kimberley-Prozess zur Vermeidung des Handels mit „Blutdiamanten“ kann unterm Strich als Vorbild für die Zertifizierung auch von Rohstoffen wie etwa Coltan gelten.

Anstelle von ad-hoc Embargos, wie von den Vereinten Nationen bei akuten menschenrechtlichen Krisen wie in Kambodscha oder in Liberia (erst vor wenigen Tagen aufgehoben) ausgesprochen, müssen längerfristig angelegte Politikansätze wirksam werden.

Die bisherigen Vizepräsidenten Erzbischof Laurent Monsengwo (RD KONGO) und Marie Dennis (USA) wurden als neue Präsidenten von Pax Christi International (PCI) bei der diesjährigen Jährlichen Generalversammlung in Antwerpen am 28.April 2007 gewählt. Es ist dies die erste Doppelspitze und eine deutliche Verschiebung hin zum „Globalen Süden“.

Ihr Dreijahresmandat beginnt bei der alle drei Jahre stattfindenden Weltversammlung von PCI, die vom 20.10. bis 4.11.2007 in Torhout / Brügge (Belgien) stattfindet. Bis zum 3.11.2007 bleibt der bisherige Internationale Präsident Michel Sabbah, der Lateinische Patriarch von Jerusalem, im Amt.

Msgr. Laurent Monsengwo Pasynia ist Erzbischof von Kisangani, Präsident der Katholischen Bischofskonferenz in der DR Kongo und Mitglied des dortigen Bischöflichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Marie Dennis ist Direktorin des Maryknoll-Büros für Globale Fragen in den USA und bringt dort ihre weltweite Perspektive und die Anliegen und Erfahrungen des Maryknoll-Ordens in die politische Debatte ein.

ZFD-Projekt von pax christi in Sri Lanka geht - trotz Kriegszustand im Norden und Osten des Landes - in die letzte Phase. Das Foto zeigt eine Straßenszene in Jaffna.

Das Friedenszentrum in Jaffna arbeitet trotz Kriegszustand - die pax christi-Fachkraft Alfons Schabarum ist unterstütztend von Colombo aus tätig

Im Februar ist das Waffenstillstandsabkommen zwischen der Regierung Sri Lankas und der LTTE (Befreiungstiger von Tamil Eelam) nach fünf Jahren ausgelaufen. Zu den erhofften Verhandlungen über eine dauerhafte Friedenslösung ist es in der Zeit leider nicht gekommen. In den vergangenen Monaten gibt es immer wieder heftige Kämpfe zwischen Regierungsarmee und der LTTE. Viele Zivilisten sterben zwischen den Fronten. Insbesondere im Osten des Landes sind Zehntausende auf der Flucht und leben unter unmenschlichen Bedingungen.

Die Halbinsel Jaffna im Norden – Standort des pax christi-Projektes – ist durch das Militär seit 11. August 2006 vom Rest des Landes isoliert. Derzeit wächst der Druck auf die Regierung, ernsthafte Verhandlungen mit der LTTE zu beginnen. Der Vatikan, der Weltrat der Kirchen in Genf und zahlreiche Hilfsorganisationen haben im April ihre Sorge über die humanitäre Situation vor allem der tamilischen Bevölkerung zum Ausdruck gebracht und prangern die zahllosen Menschenrechtsverletzungen an.

Vor diesem Hintergrund geht das ZFD-Projekt der deutschen Sektion in Sri Lanka in seine letzte Phase. Der Vertrag von Alfons Schabarum endet im Februar 2008. Deutlich ist, dass Alfons Schabarum bis zum Ende der Vertragszeit seinen Arbeitsschwerpunkt in Colombo haben wird – Arbeiten in Jaffna ist für ihn als Ausländer nur ab und zu möglich.

Das Centre for Peace and Reconciliation (Zentrum für Frieden und Versöhnung) in Jaffna arbeitet trotz des anhaltenden Kriegszustandes mit sehr engagiertem lokalem Personal weiter. Auf der Agenda stehen u.a. die Einführung von Friedenserziehung in Grundschulen, Weiterbildung in Gewaltfreier Kommunikation und Konfliktlösung, Ausbau der Friedensbibliothek sowie Aufbau von Friedensgruppen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen der Halbinsel Jaffna. Die Menschenrechtsarbeit musste aus Sicherheitsgründen jedoch zurück gestellt werden.

 Als zentrale Aufgaben für die Schlussphase des ZFD-Projektes haben wir mit den Partnern, den Oblates of Mary Immaculate in Jaffna, und mit Alfons Schabarum festgelegt:

  • Das Centre in Jaffna soll nach Ende des Projekts in der Lage sein, selbständig weiter zu arbeiten. Dazu gehört vor allem die Sicherstellung der Finanzen für die Kernaufgaben. Jetzt werden Anträge erarbeitet und erstellt. 
  • Eine Website des Centre ist in Arbeit und soll bald fertig gestellt werden. 
  • Nachdem es Alfons Schabarum im Februar gelungen war, einen erfolgreichen Solidaritätsbesuch von drei Bischöfen aus dem singhalesischen Süden und dem nationalen Caritasdirektor in das tamilische Jaffna zu organisieren sind nun weitere Aktionen geplant mit dem Ziel, die unterbrochene Kommunikation zwischen Norden und Süden wieder aufzunehmen und zur Versachlichung des Gesprächs beizutragen. 
  • Es wird versucht, Kontakte zwischen jungen Leuten in Jaffna und dem Süden Sri Lankas, aber auch nach Europa hin zu ermöglichen. 
  • Alfons Schabarum beteiligt sich als Trainer an der Durchführung von vier dreiwöchigen Trainings für junge Führungskräfte in Organisationen der Zivilgesellschaft. Stattfinden werden die Kurse in einem neuen, von der Deutschen Welthungerhilfe finanzierten, Bildungszentrum in Anuradhapura. Er will dazu beitragen, dass Tamilen aus dem Norden bzw. Osten teilnehmen können und das Verhältnis zwischen Männern und Frauen sowie Angehörigen aller Religionsgruppen und Ethnien ausgewogen ist.

Eine erfolgreiche Schlussphase wird nur möglich sein, wenn es nicht zu einer weiteren Eskalation des Krieges kommt. Wir hoffen mit den Menschen in Sri Lanka, dass die Konfliktparteien endlich den Weg zum Frieden einschlagen.

Dr. Tilman Evers, Vorsitzender des Forums Ziviler Friedensdienst, eines der beiden deutschen Gastgeber der Konferenz, bilanziert: „Die Einrichtung eines Zivilen Friedensdienstes in Deutschland hat ähnliche Entwicklungen in vielen anderen europäischen Ländern mit angestoßen. Die Arbeit von Friedensfachkräften wird bald ebenso selbstverständlich sein wie die von Entwicklungshelfern.“

50 Vertreter-innen von Friedensorganisationen aus allen Teilen Europas auf der Konferenz

In einer Folgekonferenz am 26. April diskutieren die Tagungsteilnehmer mit anderen Akteuren der zivilen Konfliktbearbeitung im staatlichen und nicht-staatlichen Bereich sowie auf EU-Ebene. Es geht dabei um Austausch und Ergänzung untereinander, aber auch um die gemeinsame Außendarstellung eines entstehenden neuen Politikfeldes. Dieses muss immer noch um Aufmerksamkeit und Ressourcen für seine großen Möglichkeiten ringen. „Das Erreichte reicht nicht“, fasst Dr. Ute Finckh, Vorsitzende des zweiten Gastgebers Bund für Soziale Verteidigung zusammen. „Auch in Deutschland werden noch Unsummen für Rüstung und fragwürdige Militäreinsätze ausgegeben, statt auf die nachhaltigeren zivilen Instrumente zu setzen. Zivilen Formen der Konfliktbearbeitung muss politisch wie finanziell Vorrang gegenüber Militäreinsätzen und Rüstungsausgaben eingeräumt werden.“

Um dieses zu unterstreichen, werden am 25.April 2007 300 Luftballons mit der Aufschrift „Vorfahrt für Zivil!“ vom Hauptbahnhof Richtung Regierungsviertel steigen.

Bischof Heinz Josef Algermissen (Fulda) berichtete in der Präsidiumssitzung am letzten Wochenende in Fulda ausführlich über seine subjektiven Eindrücke von der Reise der deutschen Bischöfe ins Heilige Land, die sie je drei Tage nach Galiläa und Jerusalem/Bethlehem führte. Dabei überreichte er der deutschen Sektion ein „Friedenslicht aus dem Heiligen Land“ in Form einer Taube. Dies ist ein Projekt der 2001 vom lateinischen Gemeindepfarrer in Taybeh gegründeten „Olivenzweig-Stiftung“: peacelamp@latinpat.org – www.taybeh.info. Es soll beim deutschen Sekretariat für die Bewegung verfügbar sein und wird auf dem Nahostkongress von Bad Boll am 11.-13.Mai 2007 leuchten.

Diese Reise, die erstmals alle Diözesanbischöfe gemeinsam neben den üblichen Sitzungen zusammen führte, war voll persönlicher Eindrücke. Als besondere Begegnungen hob Bischof Algermissen die folgenden hervor:

den Vortrag des früheren Botschafters Israels in Deutschland, Avi Primor, und das Gespräch mit Shimon Perez; die Begegnung im jüdischen Oberrabinat und die „dichtesten Erfahrungen“ in der Gedenkstätte Yad Vashem, wo er zum 4. Mal und diesmal von der Neukonzeption beeindruckt war; das Gespräch mit Palästinenserpräsident Mahmut Abbas in Ramallah und der Besuch Bethlehems, das man als „abgewürgte Stadt“ erlebt habe. Dort sei auch die Kritik an der unmenschlichen Mauer erfolgt. Die Auswirkungen dieser Kritik in der Öffentlichkeit sollen von der Deutschen Kommission Justitia et Pax bearbeitet werden.

Seit Mittwoch vergangener Woche ist Agustin Aguayo frei. Der US-amerikanische Soldat hatte nach einem einjährigen Einsatz im Irak fast 3 Jahre lang vergeblich versucht, als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen anerkannt zu werden. Als seine Einheit im Anfang September vergangenen Jahres wieder in den Irak verlegt werden sollte, sprang er, als ihn ein Vorgesetzter dazu in Schweinfurt von zu Hause abholen sollte, aus dem Fenster und floh, stellte sich aber Ende September der Militärpolizei. Am am 6. März wurde er in Würzburg wegen Desertion zu 8 Monaten Gefängnis und zur uneherenhaften Entlassung aus der amerikanischen Armee verurteilt. Die pax christi-Bistumsstelle Würzburg hatte an einer Mahnwache vor der Kaserne, in der der Prozess stattfand, teilgenommen (siehe Foto), eine Prozessbeobachterin gestellt, und während des Prozesses und in den Tagen darauf Angehörige der Familie Agyayo und Abgeordnete von amerikanischen Friedensgruppen menschlich betreut.

„Je mehr Zeit ich im Irak verbrachte, umso klarer wurde mir, daß alle Kriege falsch sind. Wie kann ich ein Ausführer, Vorbereiter oder Ermöglicher dieser Operationen sein? Ich kann es nicht und werde es nicht sein…“ (Agustin Aguayo)

Außerdem hat sie ihre Beobachtungen sowie die Adressen von Organisationen, die amerikanischen Soldaten helfen aus der Armee herauszukommen, an Pax Christi Italien und an Bischof Louis Sako der chaldäischen Kirche im Irak weitergegeben. (Barbara Häußler)

Der aktuelle Stand ist nun, dass Agustin Aguayo zwar aus dem Gefängnis frei ist, aber noch nicht aus der Armee entlassen wurde. Es droht ihm immer noch eine Entsendung in den Irak. Die Anklage wird in Berufung gehen, Agustin Aguayo kann also immer noch zu bis zu sieben Jahre Haft verurteilt werden.

Die pax christi-Bistumsstelle Würzburg und die anderen Prozessbegleiter/-innen beobachten den Fall auch in Zukunft genau.


Menschenrechtsverletzungen an Flüchtlingen und an Menschen ohne Aufenthaltsstatus

pax christi nimmt Stellung zum 5. Staatenbericht der Bundesrepublik Deutschland nach Art. 16 und 17 des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte 2006. Eine englische Langfassung des hier dokumentierten Berichtes wurde dem Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen in Genf über Pax Christi International zugeleitet.

Im von der Kommission Asyl verfaßten Bericht heißt es:

"Mit unserer Stellungnahme zum 5. Staatenbericht der Bundesrepublik Deutschland wol-len wir auf gravierende Missstände in der Situation von „geduldeten“ Flüchtlingen und Menschen ohne Aufenthaltsstatus, sog. „Illegale“, hinweisen. Wir beschränken uns dabei auf die Artikel 6, 7, 11, 12 und 13 des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, da sie uns für deren Situation besonders relevant erscheinen.
Die Rechte, die der Internationale Sozialpakt gewährleistet, gelten für alle Menschen, unabhängig von ihrer Nationalität und ihrem Aufenthaltsstatus. Das beinhaltet das Diskriminierungsverbot in Art. 2. Gegen das Diskriminierungsverbot des Paktes verstößt Deutschland mit allen Einschränkungen, die Flüchtlingen seit Verschärfung der Asylgesetze 1993 auferlegt wurden und der Nichtanerkennung grundlegender wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte für Menschen ohne Aufenthaltsstatus."

Den vollständigen Bericht finden Sie in der Anlage als pdf-Datei.

 

Am letzten Wochenende luden der Beauftrage des Weltkirchenrates für die Konvokation 2011, Geiko Müller Fahrenholz, und der Sprecher des Ökumenischen Netzes in Deutschland, Michael Held, zu einem ersten Beratungstreffen ein. Etwa 20 langjährig im Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung Engagierte waren gekommen – und ebenso viele ließen sich entschuldigen. Nach Aussage von Müller-Fahrenholz war das Treffen in dieser Form und Zusammensetzung bisher einmalig. Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß nahm am Samstag für pax christi teil.

Erstes Vorbereitungstreffen zur Internationale Ökumenischen Friedenskonvokation 2011

Er hatte den Eindruck, dass diese Konvokation als Abschluss der Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt ein wichtiger Meilenstein für die Kirchen und christlichen Bewegungen sein wird und die Vorbereitung schon im Vorfeld eine eigene Dynamik entfalten kann.

Die Pressemitteilung vom 17.4.07 fasst die Vorbereitungsimpulse zusammen.

Imshausen/Bad Hersfeld/Genf, 17.4.2007

Viel Interesse für die Internationale ökumenische Friedenskonvokation

Auf großes Interesse stößt die ökumenische Friedenskonvokation, die der Ökumenische Rat der Kirchen in vier Jahren, Anfang Mai 2011, durchführen will. Sie soll das „Erntefest“ der Dekade zur Überwindung von Gewalt werden und zugleich neue theologische, spirituelle und ethische Initiativen freisetzen. Es ist geplant, dass die Konvokation eine ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden verabschieden soll.

Am 13./14. April 2007 trafen sich in der Adam-von-Trott-Stiftung Imshausen (bei Bebra) Vertreterinnen und Vertreter von Basisgruppen und Friedensorganisationen, die sich im Ökumenischen Netz in Deutschland (ÖNiD) zusammengeschlossen haben. Geiko Müller-Fahrenholz, der Koordinator der Friedenskonvokation, berichtete über den Stand der Planungen. Unter dem Motto „Ehre sei Gott und Friede auf Erde“ sollen Kirchengemeinden, lokale Arbeitskreise sowie theologische Ausbildungsstätten gebeten werden, ihre Überzeugungen zum Thema Gerechtigkeit und Friede zu erarbeiten und über die Internet-Seite des Ökumenischen Rates in das ökumenische Gespräch einzubringen. Daneben sollen bis Ende 2010 rund 50 Team-Besuche durchgeführt werden. Gedacht ist an Gruppen von 5 Personen, welche die Mitgliedskirchen des ÖRK in den verschiedenen Ländern besuchen und dadurch die Auseinandersetzung mit dem Thema der Konvokation intensivieren werden. Außerdem werden in einer Reihe von Fachkonsultationen einzelne Aspekte des Thema geklärt werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung in Imshausen verpflichteten sich, die Konvokation zu ihrer eigenen Sache zu machen. Sie wollen insbesondere folgende Fragen behandeln: Welches sind unsere Alternativen zur Gewalt in den Medien? Welche Schritte sind für eine Ökonomie im Sinne einer gerechten und lebensfähigen Welt nötig? Wie können wir einander helfen, zu einer Spiritualität des Friedens zu gelangen, die sich von der Massivität der Gewalt nicht unterkriegen lässt?

Die Mitglieder der Imshausener Tagung betrachten die Friedenskonvokation als eine Möglichkeit, dass die ökumenische Christenheit sich angesichts grassierender Gewalt und Verelendung auf das Zentrum ihrer Botschaft besinnt und für den Frieden Gottes öffentlich und resolut eintritt.

Die Koperation für den Frieden, in der pax christi mit über 40 verwandten Friedensorganisationen seit mehreren Jahren zusammenarbeitet, hat ihre Homepage völlig neu eingerichtet. Sie gibt einen anschaulichen und informativen Einblick in die Aktivitäten dieses breiten Bündnisses. Die Kooperation arbeitet auf der Basis folgender Grundsatzerklärung zusammen:

Grundsatzerklärung Krieg ist alltägliche Realität für Millionen von Menschen. Durchschnittlich 40 bewaffnete Konflikte und Kriege im Jahr bedrohen sie in ihrer Existenz und hindern sie an einem menschenwürdigen Leben.

Krieg und Gewalt bilden einen Teufelskreis mit den anderen Bedrohungen unter denen die Menschheit leidet: Armut, globale Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung und Verschwendung von Rohstoffen. Wir, die Unterzeicherinnen und Unterzeichner dieser Erklärung, schließen uns in Deutschland zur Kooperation für den Frieden zusammen, um mitzuhelfen diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Als verbindliche Grundsätze unseres gemeinsamen Handelns treten wir dafür ein,

- dass Krieg als Mittel der Politik geächtet wird,

- dass das Völkerrecht als einziges legitimes Instrument zur Regelung zwischenstaatlicher Konflikte gestärkt und weiterentwickelt wird,

- dass kriegerische Gewalt als Mittel der Politik ersetzt wird durch Methoden der Krisenprävention und der zivilen Konfliktbearbeitung,

- dass umfassend abgerüstet wird,

- dass Kriegsursachen und -folgen, wie Armut, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung energisch bekämpft werden,

- dass Menschenrechte und Demokratie weltweit mit gewaltfreien Mitteln erkämpft und verteidigt werden.

Für diese Grundsätze werden wir gewaltfrei und energisch eintreten. Jede Initiative, Gruppe und Organisation, die sich diesen Grundsätzen anschließen will, laden wir ein zur Mitarbeit an unserer Kooperation.

Pax Christi International (PCI) ruft zu Gebet und Aktion für Zimbabwe auf - Aktionstag am Samstag, den 14. April 2007

Angesichts der tiefgreifenden politischen Krise in Zimbabwe unterstützt PCI einen Aufruf der Bischöfe des südlichen Afrika, sich mit den Menschen in Zimbabwe zu solidarisieren und für sie zu beten. Wir dokumentieren den Aufruf von PCI, einen Hirtenbrief der Bischofskonferenz von Zimbabwe sowie eine Erklärung der Bischöfe des südlichen Afrika. Sie können online einen Solidaritätsbrief unterzeichnen.

Pax Christi International Calls for Prayer and Action for Zimbabwe

In solidarity with an appeal for prayer from Catholic bishops in Zimbabwe and the Southern African Catholic Bishops Conference, Pax Christi International is calling for prayer and action for the people of Zimbabwe on Saturday 14 April 2007.

The Zimbabwean crisis is growing ever more serious, according to the Catholic Bishops, as the suffering population becomes more insistent, generating more and more pressure through boycotts, strikes, demonstrations and uprisings, the State responds with ever harsher oppression through arrests, detentions, banning orders, beatings and torture. ...the situation is extremely volatile.

President Robert Mugabe also faces deepening opposition within his own party ZANU-PF. Nonetheless, there are no signs of the 83-year-old leader relinquishing power, despite mounting pressures at home and abroad. African leaders have requested South Africa`s President Thabo Mbeki to assist in mediating the country`s political crisis. Zimbabwean Archbishop Pius Ncube of Bulawayo has also urged the people to stage peaceful demonstrations to call for the president`s resignation. A recent pastoral letter issued by the Zimbabwean bishops` conference calls for "concrete action" to inspire hope and proposes that Saturday 14 April be observed as a Day of Prayer and Fasting for Zimbabwe.

Pax Christi International has likewise appealed for prayer and action throughout its worldwide networks on behalf of the people of Zimbabwe, calling for:

  • Gatherings of prayer and actions of solidarity with Zimbabwe on Saturday 14 April;
  • Letters and telephone calls of appeal to Embassies of Zimbabwe in countries where Pax Christi Member Organisations are present, urging an end to the violent repression of the country`s opposition and a commitment to peaceful and democratic change; and
  • Signing the Letter of Solidarity and Peace to our Brothers and Sisters of Zimbabwe, to be published in cooperation with the Maryknoll Office on Global Concerns, a member organisation of Pax Christi International.
  • Go to and sign online a solidarity letter

Bishops of the Southern African Catholic Bishops` Conference have also issued a pastoral message in respect to the crisis in Zimbabwe. Contact is also very important with African governments to get them to keep pressure on Zimbabwe.

Brussels, 10 April 2007

Der langjährige Vorsitzende der Statutenkommission, Andreas Schillo, verstarb in der Osternacht. Die Exequien finden am Freitag den 13.4. um 11:15 Uhr in der Kirche St. Servatius in Bonn-Friesdorf (Annaberger Str.) statt, die Beisetzung anschließend um 12 Uhr auf dem Friesdorfer Friedhof (Bernkasteler Str.). Andreas Schillo wurde 86 Jahre alt. Trotz schwer Krankheit war er bis wenige Tage vor seinem Tod für pax christi aktiv. Zuletzt galt sein Engagement der Friedens- und Versöhnungsarbeit in der Region der großen Seen in Zentral-Afrika.

Andreas Schillo engagierte sich seit Gründung der deutschen Sektion im Jahre 1948 in der Bonner pax christi Gruppe, der Bistumsstelle Köln, der deutschen Sektion und bei pax christi international. Als Vorsitzender der Statutenkommission gehörte Andreas Schillo auch mehrere Jahre dem Präsidiums der dt. Sektion von pax christi an. Seinem unermüdlichen Engagement für Frieden und Gerechtigkeit verdankt pax christi zahlreiche Initiativen, darunter die Gründung des Solidaritätsfonds Lateinamerika, der über seinen Tod hinaus Bestand hat. Vielen Menschen in pax christi ist Andreas Schillo durch seine aktive und engagierte Teilnahme bei Delegiertenversammlungen, Kongressen und Seminaren bekannt. pax christi ist Andreas Schillo zu großem Dank verpflichtet und wird sein Andenken ehren. Dr. Heinz Werner Weßler, Mitglied der Kommission Solidarität mit Zentralafrika und sein Wegbegleiter in den letzten Jahren, würdigt in einem Nachruf das Wirken von Andreas Schillo. Ein Interview aus dem Jahre 2001 anlässlich seines 80. Geburtstages vermittelt einen weiteren Blick auf das Friedensengagement von Andreas Schillo.

Morgen, liebe Freundinnen und Freunde von pax christi, werden wir Ostern feiern. Ostern – das Fest, in dem uns jedes Jahr neu aufscheint: Unser Gott ist der Gott des Lebens. Doch zuvor müssen wir durch das Dunkel der Kartage hindurch. Es war der verratene, gefolterte, hingerichtete und begrabene Jesus, den Gott am Ostermorgen in ein neues Leben rief.

Ein Ostergruß der pax christi-Vizepräsidentin Veronika Hüning

Oftmals ängstigt uns, die wir im Namen dieses Jesus Christus Friedensarbeit machen, das Dunkel unserer Welt und Zeit. Es erdrückt uns schier. Während ich diese Worte schreibe, verbreitet sich Gewalt im Umland von Bagdad, liefern sich in Mogadischu Aufständische und Regierungstruppen schwere Gefechte, stürzt ein Machtkampf die Ukraine in eine Krise. „Psycho-Krieg um deutsche Irak-Geiseln“, lautet eine andere Schlagzeile in der heutigen Zeitung. Und während eine neue Klassengesellschaft in der Pflegevorsorge „wissenschaftlich“ begründet wird, tun manche die Empörung über skandalös hohe Managergehälter als „Neid“ ab.

Wenn wir nicht im Dunkel stecken bleiben und verzweifeln wollen, müssen wir weitergehen, Schritt für Schritt. Auf diesem Weg auf Ostern zu brauchen wir immer wieder „Fingerzeige“, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben, „dass das Leben siegt“. Und es gibt diese Fingerzeige: Wenn sich israelische Organisationen für die Rechte der Palästinenser einsetzen. Wenn palästinensische Familien trotz Mauer und „Freiluftgefängnis“ ihren Lebensmut nicht aufgeben und durch das Arab Educational Institute ihre Kontakte stärken. Wenn, wie im letzten Jahr, M. Junus und die Grameen Bank den Friedensnobelpreis erhalten, für die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung von unten. Wenn junge Leute von fünf Schulen in Münster eine Benefizveranstaltung auf die Beine stellen, um Schulprojekte zur Gewaltprävention zu fördern. Und überall dort, wo Menschen nicht auf starren Positionen beharren, sondern gemeinsam einen Fortschritt durch Respekt und Dialog zu erreichen versuchen. Wir haben diese Fingerzeige erlebt, auch in pax christi.

Unsere Friedensarbeit ist Nachfolge Christi, der alle Todesmächte überwunden hat. Wir wollen tun, was wir tun können, den Todesmächten von heute Widerstand entgegen zu stellen: Machtgier, Fanatismus, Waffengewalt, Umweltzerstörung und Vergötzung des Geldes. „Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben!“, heißt es in Deuteronomium 30,19. Manchmal haben wir keine Wahl, etwa wenn ein lieber Mensch aus unserer Mitte gerissen wird. Aber wenn wir entscheiden können, wollen wir das Leben wählen: Gewaltverzicht, Abrüstung, Wiederaufbau und Versöhnung. Wenn das Leben siegt, wird keine unserer Mühen nutzlos gewesen sein. Und weil das Leben siegt, werden wir für immer mit den Menschen verbunden sein, von denen wir Abschied nehmen mussten, in diesem Jahr zuletzt von unserem ehemaligen Generalsekretär Ansgar Koschel und vor wenigen Tagen von Maria Julia Hernández aus dem Exekutivkomitee von Pax Christi International. So wie Herbert Froehlich, Bischof Spital und unsere anderen verstorbenen Mitstreiter sind sie schon in der Nähe Gottes geborgen, beim Gott des Lebens und des Friedens.

Liebe Freundinnen und Freunde, lasst uns aufmerksam bleiben für die Fingerzeige, dass das Leben siegt! Ich wünsche euch den Segen des Auferstandenen und sende euch einen frohen und herzlichen Ostergruß.

Veronika Hüning

Hoffnung und Mitgefühl der deutschen Sektion von pax christi gelten in dieser Karwoche und besonders am Karfreitag den kleinen Organisationen, die auf Graswurzelniveau versuchen, Schuld und Versagen aufzuarbeiten und die Grundlagen für echte Versöhnung in den Herzen der Menschen aufzubauen. Wir denken dabei insbesondere an die ruandischen Mitgliedsorganisationen im Netzwerk Große Seen von Pax Christi International. Möge doch das Unwahrscheinliche geschehen und Ruanda seine innere Versöhnung geschenkt werden. Am 6. April 1994 wurde ein Flugzeug mit den damaligen Präsidenten von Ruanda und Burundi an Bord beim Anflug auf den Flughafen von Kigali (Ruanda) mit einer Rakete beschossen und zum Absturz gebracht.

Solidarisches Gedenken der deutschen Sektion von pax christi in dieser Karwoche

Alle Insassen kamen ums Leben. In der damaligen politisch und militärisch extrem aufgeheizten Lage in Ruanda war damit zu rechnen, dass ein solches Verbrechen einen extremen Radikalisierungsschub auslösen würde. Diese zynische Kalkulation ging auf. Wenige Stunden später begann das große Morden an der Minderheit der ruandischen Tutsis und an gemäßigten Hutus, dem bis zu 1,2 Millionen Menschen innerhalb von 100 Tagen zum Opfer fielen.

Ruanda ist ein Land voll von sichtbaren und unsichtbaren Gräbern. Mögen die Toten in Frieden ruhen. Die Völkermord in Ruanda von 1994, eine der ganz großen Katastrophen der Menschheit, schreit noch heute zum Himmel. Er ist ein Menetekel, ein Abgrund des Bösen, ein Schiffbruch der Humanität, ein totales Versagen auch der internationalen Gemeinschaft, ein Untergang des Gewissens und der Zivilisation. Ein Kreuz, das nicht nur auf den Schultern des geplagten Landes in der Region der Großen Seen in Afrika lastet, das bis zum Ersten Weltkrieg einmal eine deutsche Kolonie war. Ein Kreuz, das der ganzen Menschheit auf die Schultern gelegt ist.

In den vielen abgründigen Berichten der Überlebenden und in ihren Gesichtern, in den Film- und Bilddokumenten aus dieser Zeit, den entsetzlichen Erinnerungsorten wie der Kirche in Nyamata wird eine unerträgliche Abwesenheit der Liebe deutlich. Die Skrupellosigkeit der Täter ist nicht zu überbieten - auch nicht die der Verantwortlichen für den Flugzeugabschuss am 6. April. Und auch in der Ignoranz der Weltgemeinschaft bei den Vorbereitungen und während des Mordens in Ruanda 1994 steckt eine unbegreifliche, strukturelle Skrupellosigkeit.

Noch wenige Monate vor dieser unwahrscheinlichen, bis heute noch lange nicht verarbeiteten, Katastrophe in der ruandischen Geschichte hatte es in Ruanda Versöhnungsmärsche gegeben, organisiert von Menschen, die mit Pax Christi in Kontakt standen und die das heraufziehende Unheil erahnten. Viele von ihnen sind heute ermordet oder immer noch im Exil.

Und es gab seitens der muslimischen Minderheit im Land schon seit 1991 systematische Warnungen vor staatlicher Hasspropaganda und eine kollektive Gewaltverweigerung, ja sogar organisierten gewaltfreien Widerstand gegen das Abschlachten von Menschen – eine bleibende Mahnung an die Christen und Kirchen im Land! Obwohl es erwiesen ist, dass die muslimische Gemeinschaft nach Kräften die Verfolgten zu schützen suchte, wird diese Erinnerung weitgehend verdrängt: Im offiziellen Memorial in Kigali ist sie nicht erwähnt.

(Dr. Reinhard J. Voß / Dr. Heinz Werner Wessler)

Die Ostermärsche wenden sich gegen die Auslandseinsätze der Bundeswehr und rufen zu den G8-Protesten nach Heiligendamm. Gefordert wird der Truppen-Abzug aus Afghanistan und Irak, der massive Anstrengungen für politische Lösungen und Verstärkung der zivilen und wirtschaftlichen Unterstützung beinhalten soll. Auf massiven Protest stößt deshalb die beschlossene Entsendung der deutschen Tornados nach Afghanistan, die eine unmittelbare Einbindung des deutschen ISAF-Kontingents in die "Enduring Freedom"- Kampfeinsätze der US-Alliierten zur Folge hat und zur weiteren "Irakisierung" Afghanistans beiträgt.

Friedensgruppen rufen zum G8-Protest nach Heiligendamm

Eine der größten Demonstrationen dürfte der Ostermarsch für die FreiE HeidE am "Bombodrom" in der Kyritz-Ruppiner Heide werden, wo am Ostersonntag u.a. der Theologe Eugen Drewermann, Ministerpräsident Matthias Platzeck und Major Florian Pfaff beteiligt sind. Die meisten Aktionen im Bundesgebiet starten am Ostersamstag. Der Ostermarsch Ruhr führt in drei Tagen von Duisburg nach Dortmund. Bereits am So., 1. April führt der vorgezogene Potsdamer Ostermarsch zum "Deserteurs-DenkMal" auf dem Platz der Einheit. Abgeschlossen werden die Ostermärsche traditionell mit größeren regionalen Kundgebungen am Ostermontag u.a. in Berlin, Dortmund, Frankfurt, Hamburg, Kassel und Nürnberg. Auch der Ostermarsch Sachsen-Anhalt führt am Ostermontag zum Militärgelände Colbitz-Letzinger Heide.

Weitere Infos, Aufrufe der regionalen Veranstalter, Infos zu RednerInnen und Rednern sind auf den Websiten des "Netzwerk Friedenskooperative" zu finden..

"Wir müssen endlich dafür sorgen, dass Streumunition weltweit geächtet wird. Die Produktion, der Handel und vor allem die Verwendung dieser schrecklichen Waffen gehören verboten", erklärte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul nach einem Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern von "Handicap International" und dem "Aktionsbündnis Landmine.de". Handicap International ist in rund 60 Ländern der Welt tätig, um Opfern von Streumunition und Minen zu helfen und bisher nicht explodierte Sprengkörper unschädlich zu machen.

Bundesentwicklungsministerin unterstützt Forderungen des von pax christi mit getragenen „Aktionsbündnis Landmine.de“

Das Aktionsbündnis Landmine.de ist ein Zusammenschluss von 17 deutschen Nichtregierungsorganisationen, zu denen auch Handicap International gehört, und engagiert sich für ein Verbot aller Landminen und Streumunitionen.

"Es ist eine besonders wichtige Arbeit, die die Nichtregierungsorganisationen im Kampf gegen Streumunition und Landminen leisten. Wir werden sie dabei aktiv unterstützen."

Streumunition trifft vor allem die Zivilbevölkerung. Blindgänger gefährden insbesondere Kinder, die sie aufgrund ihrer leuchtenden Farbe oft für Spielzeug halten. Gerade in Entwicklungsländern gibt es immer wieder ganze Regionen, in denen die Bevölkerung aufgrund von Blindgängern an der Arbeit auf den Feldern und an der Nutzung von Wegen, Häusern und Wasserstellen gehindert wird. In vielen Nachkriegsgebieten behindert Streumunition die wirtschaftliche Entwicklung massiv. Es ist gut, dass nach der jüngsten Konferenz zum Verbot von Streumunition in Oslo ein internationaler Prozess zur Ächtung dieser Waffen in Gang gekommen ist. Dieser muss jetzt mit deutscher Unterstützung zum Ziel geführt werden. Belgien, das Streumunition bereits per Gesetz verboten hat, sollte für Deutschland auf nationaler Ebene Vorbild sein", so die Ministerin. (aus einer BMZ-Mitteilung vom 21.03.2007)

Kontakt: Thomas Küchenmeister Leiter Aktionsbündnis Landmine.de Rykestr. 13 10405 Berlin Tel +49 (0)30 32661681 FAX +49 (0)30 42801688 MOBILE +49 (0)175 4964 082

Pax Christi International hat zusammen mit anderen christlichen Organisationen ihre vor Wochen eingereichte schriftliche Eingabe am 22.März 20007 vor dem derzeit in Genf tagenden UN-Menschenrechtsausschuss erläutert. In einer PCI-Presseerklärung vom 23.3.2007 heißt es, dass derzeit schätzungsweise jeden Monat etwa 100.000 Iraker ihr Land verlassen und dass seit der US-geführten Invasion von 2003 ungefährt 2 Mio Iraker ins Ausland geflüchtet sind. Hinzu kämen 1,8 interne Flüchtlinge im Irak selbst.

Pax Christi International trägt das Problem vor den UN-Menschenrechtsausschuss

Die englische Fassung der PCI-Presseerklärung lautet:

The Situation of Iraqi Refugees and Displaced Persons

Brussels – 23 March 2007- The oral statement on the situation of Iraqi refuges and displaced persons was delivered on 22 March 2007, at the session of the United Nations Human Rights Council, in Geneva. An estimated 100,000 Iraqis leave their country each month, including many of Iraq’s best-educated professionals. Approximately 2,000,000 Iraqis have fled since the 2003 invasion and about 1,800,000 Iraqis are internally displaced. The statement was given by Dominicans for Justice and Peace, Pax Christi International and 4 more partner organizations. Read the oral statement (in 07-0271) which highlights key elements of the written statement (A/HRC/4NGO/20 and 07-0165) that had been distributed previously to all member states of the United Nations and which appears on the UN web site at: www.unhchr.ch/



Elemente eines weltoffenen Europas: In der wechselvollen und komplexen Geschichte Europas ist deutlich geworden: Europa hat zahlreiche unterschiedliche Wurzeln, war immer multireligiös und ein Ort, an dem sich Menschen begegneten, unterschiedliche Kulturen aufeinander trafen und sich miteinander auseinander setzen mussten. Europa hat nur dann eine Zukunft, wenn wir Europa als ein „offenes Haus“ begreifen, das sich nicht an den Grenzen abschotten kann oder muss gegenüber „den Fremden“ jenseits der Grenzen und im Innern, sondern offen ist für die Welt, ihre Menschen und ihre Bedürfnisse. Unser Leitbild für ein zukunftsfähiges Europa ist daher ein offenes Haus Europa, das sich an der Menschenwürde und an den Menschenrechten für alle orientiert. Dazu verpflichten uns sowohl die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als auch unsere jüdisch-christliche Tradition mit dem Glauben an einen Gott, der den Menschen als sein Ebenbild geschaffen hat und damit jedem einzelnen Menschen eine einzigartige und unveräußerliche Würde verleiht.

Auszüge aus dem pax christi Memorandum „Europa eine Seele geben“

Einordnung unserer Vorstellungen in das kirchliche bzw. katholische „Milieu“

Legt man die dargestellte Vision eines im vielfältigen Sinne „Offenen Europa“ an gängige Vorstellungen des kirchlichen und besonders des katholischen Milieus an, so erscheint diese einerseits gut kompatibel mit der Vorstellung eines abendländischen Europas im Rahmen einer weltweit denkenden und handelnden Kirche – in der die europäische Provinz eher eine in ihrem Einfluss zurück gehende Erscheinung darstellt -, andererseits aber stößt man bei diesem Vergleich auf tief sitzende Vorbehalte, Europa anders denn als „christliches Europa“ zu akzeptieren. Schon der Verweis auf die jüdischen und muslimischen Quellen europäischer Rechts-, Religions- und Staatstraditionen verunsichert diejenigen, die als entscheidende Quellen Europas die griechische Philosophie, das römische Recht und die christliche Botschaft sehen.

pax christi wendet sich – so auch der pax christi-Kongress 2006 über Europas friedenspolitische und soziale Herausforderungen - grundsätzlich gegen eine solche Engführung, die die historischen Wurzeln und Entwicklungen verkürzt wahrnimmt. Nur durch eine weitere Sicht wird es möglich, die aktuellen Spannungen sowie die nötigen politischen, kulturellen, sozialen und friedenspolitischen Perspektiven ange¬messen entwickeln zu können. (…)

Europa ist mehr als die EU

Europa ist mehr als die EU – diese Erkenntnis setzt sich allmählich nach der Ablehnung des Verfassungsentwurfs in Frankreich und den Niederlanden durch. In Polen wäre sie vermutlich auch abgelehnt worden. Die Verfassung zielte auf eine Kodifizierung von Recht, Wirtschaft und Militär in einem Gebilde, das sich „Europäische Union“ nennt, aber bisher im Wesentlichen nur eine effiziente Wirtschaftsgemeinschaft war. Es wäre also zu fragen, wieso ein Verfassungsentwurf nicht im Rahmen des viel breiteren Europa-Rates entworfen wurde und weiter entwickelt wird. Länder wie die Ukraine fühlen sich seit jeher als europäisch und fragen mit Recht, warum sie nicht in die EU aufgenommen werden. Die Türkei und Weißrussland stehen vor der Tür und fühlen sich „draußen“. Es keimt aber die Einsicht: „Europa und die EU sind eben nicht identisch.“ Diese Einsicht öffnet neue Perspektiven, die durch die Engführung auf den EU-Verfassungs-Entwurf verschüttet wurden.

Gegen eine Festung Europa

pax christi erinnert an die Erste Europäische Ökumenische Versammlung 1989 in Basel, die in ihrem Schlussdokument für das „gemeinsame Haus Europa“ formuliert hat: „In einem gemeinsamen Haus wird das Leben vom Geist der Zusammenarbeit und nicht der Konfrontation bestimmt.“ Als Teil der Einen Welt steht dieses Haus Europa in der Verantwortung, eine menschenwürdige Zukunft und gerechte Teilhabe an den Gütern der Erde für alle zu ermöglichen. Die Opfer der derzeitigen ungerechten Weltwirtschaftsordnung mit ihrer Trennung in Arme und Reiche, in Sieger und Verlierer drängen uns zur Parteinahme für die Opfer und rufen uns in die Verantwortung, diese ungerechten Strukturen zu überwinden und der neoliberalen Globalisierung eine sozial gerechte und menschenwürdige Alternative entgegenzusetzen, in der die gemeinsamen Ressourcen geteilt werden.

Flüchtlinge und Asylbewerber/innen gehören zu den Opfern der ungerechten Verhältnisse in der Einen Welt. (…) Migration ist eine Herausforderung, aber keine Bedrohung. „Das europäische Haus sollte ein offenes Haus sein, ein Ort der Zuflucht und des Schutzes, ein Ort des Willkommens und der Gastfreundlichkeit, wo Gäste nicht diskriminiert, sondern als Mitglieder der Familie behandelt werden.“

Für die Akzeptanz von Verschiedenheit

Die ethnische, sprachliche, kulturelle und religiöse Vielfalt Europas, die Vielfalt unterschiedlicher Erfahrungen, Lebensentwürfe und Biographien ist Ausdruck der Pluralität menschlichen Lebens und damit eine nicht zu ändernde Tatsache. Diese „Buntheit“ Europas ist keine Bedrohung, sondern eine Chance, die zu gestalten ist. Es geht daher nicht um das Ob, sondern um das Wie von gesellschaftlichem Zusammenleben unterschiedlicher Menschen. In der Begegnung miteinander müssen sowohl Verschiedenheiten als auch Gemeinsamkeiten wahrgenommen und zugelassen werden.

Die Forderung nach einer „Leitkultur“ stellt meist eine Kultur über andere und führt somit zu Ausgrenzung und Grenzziehungen zwischen unterschiedlichen Kulturen. (…) Stattdessen sind Grenzüberschreitungen zwischen verschiedenen Lebenswegen und Kulturen zu ermöglichen und zu fördern. Notwendig ist eine grundsätzliche Bereitschaft der Gesellschaft, dem Anderen die Möglichkeit zu geben, ohne Angst seine Verschiedenheit zu leben. Unsere Zukunft kann nur in einem friedlichen und gleichberechtigten Miteinander liegen, in dem Fremdsein und Andersartigkeit akzeptiert und als Bereicherung anerkannt werden. (…) Die Ängste und Bedrohungsgefühle, die sich in den Debatten um Leitkulturen oder Parallelgesellschaften zeigen, müssen ernst genommen werden. Wir wehren uns jedoch gegen eine Vereinnahmung dieser Ängste und gegen eine Instrumentalisierung gesellschaftlicher Konflikte für politische Zwecke. Stattdessen sind alle aufgerufen, gewaltfreie Austragungsformen für die gesellschaftlichen Konflikte und Debatten zu nutzen und zu fördern.

Für zivile Konfliktprävention und aktive Friedenspolitik

Krisenherde wie der Balkan, das Baskenland oder Nordirland zeigen uns: Auch in Europa selbst haben wir noch keinen dauerhaften Frieden erreicht. Wir Europäer/innen sind daher herausgefordert, unsere Konflikte im Innern mit gewaltfreien Mitteln zu lösen und dauerhafte Strukturen für eine zivile Konfliktprävention in Europa zu schaffen.

Nur der Aufbau einer offenen und demokratischen Zivilgesellschaft kann den Frieden fördern und garantieren, nur die Achtung von Menschenrechten und Völkerrecht kann „Sicherheit“ schaffen. Dazu benötigt Europa Strukturen und Instrumente für zivile, gewaltfreie Konfliktbearbeitung und Prävention.

Europa steht in der Verantwortung für die Eine Welt. Deshalb muss es Ziel europäischer Politik sein, ein menschenwürdiges Leben in Frieden und Freiheit für alle Menschen auf der Erde zu ermöglichen. Dazu gehört eine Weltwirtschaftsordnung, die allen Beteiligten, den Völkern und den einzelnen Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht und nicht die Spaltung zwischen Arm und Reich weiter vertieft. Nur so können auch die Wurzeln des Terrorismus ausgerottet werden. Mit militärischer Gewalt wird die terroristische Gewalt nur noch mehr gefördert.

Der christliche Beitrag zur „Seele Europas“ in einem Offenen Haus Europa

Wie ist letztlich der Anspruch von Menschenrecht und Menschenwürde eines jeden Menschen so zu begründen, dass sie vor Anspruch geopolitischer und wirtschaftlicher Interessen Bestand haben können? Hier könnten die christlichen Kirchen, wenn sie nicht als Lehrmeisterinnen der Völker auftreten, sondern um die Fehlerhaftigkeit ihrer eigenen Geschichte wissen, ihren demütigen Dienst anbieten. Gesellschaft, Wirtschaft und Demokratie leben letztlich von Voraussetzungen, die sie selbst nicht schaffen und begründen können. Die letzten Begründung für die Einmaligkeit und Würde eines jeden Menschen liegt für die jüdisch-christliche Tradition in dem Schöpfungswillen Gottes begründet: Er schuf den Menschen nach seinem Bild! Auch liberale Denker respektieren diese letzte Begründung aus dem Glauben. Dieses Menschenbild gehört zur „Seele“ Europas – das gilt trotz allen Versagens des Christentums in der Geschichte.

Anmerkung: Das Memorandum „Europa eine Seele geben“ wurde vom pax christi-Präsidium im September 2006 verabschiedet und in die Vorbereitung der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (Sept. 2007) in Sibiu/Rumänien eingebracht. Diese Auszüge (ohne Anmerkungen) wurden dem Teil 3 „Offenes Haus Europa“ entnommen.

Als einer der 42 Kooperationspartner im Interkulturellen Rat unterstützt pax christi Deutschland die Internationale Woche gegen Rassismus vom 17.-25.3.2007. Mehr Menschen und Initiativen als jemals zuvor beteiligen sich an der Internationalen Woche gegen Rassismus. Die bundesweit fast 500 geplanten Aktionen machen deutlich, dass viele Menschen vor Ort nicht gewillt sind, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ohne Widerspruch hinzunehmen. Diese Bereitschaft zum Engagement ist ein wichtiges und ermutigendes Zeichen angesichts des kontinuierlichen Anstiegs politisch rechts motivierter Straftaten und des Vordringens rassistischer und fremdenfeindlicher Einstellungen bis in die Mitte der Gesellschaft hinein.

Die Internationale Woche gegen Rassismus findet vom 17.-25.März 2007 statt.

Die große Bereitschaft vor allem junger Menschen, sich für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft zu engagieren, ist ein eindrucksvolles und eindrückliches Signal an die Politik. Sie ist aktuell aufgefordert, durch die Bereitstellung ausreichender Finanzmittel das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Rassismus dauerhaft zu unterstützen, alles zu unterlassen, was die rechtliche und soziale Situation von Flüchtlingen und Migranten weiter verschlechtert und die Integrationshindernisse anzusprechen, die von der so genannten Mehrheitsgesellschaft ausgehen.

Wenn Politiker und Parteien verbreitete Vorurteile und ablehnende Haltungen gegen Migranten und Flüchtlinge bewusst bedienen und mit ihren Entscheidungen dazu beitragen, sie auszugrenzen und zu marginalisieren, spielen sie mit dem Feuer. Denn sie leisten damit dem Anwachsen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit Vorschub und legitimieren aus der Sicht der Täter auch gewalttätige Angriffe auf Migranten und Flüchtlinge. Das mit der Internationalen Woche verbundene Bekenntnis, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung nicht ohne Widerspruch und ohne Widerstand hinnehmen zu wollen, verpflichtet nicht nur die Zivilgesellschaft.

In ganz Deutschland beteiligen sich Schulen, Sportvereine und Sportverbände, Theater, Museen, Betriebe, Gewerkschaften, Medien, Religionsgemeinschaften und andere Einrichtungen an der Aktionswoche. Der Deutsche Fußballbund, die Deutsche Fußball-Liga und die Landesverbände des DFB unterstützen die Internationale Woche gegen Rassismus mit Stadiondurchsagen, Pressemitteilungen und Artikeln in den Stadionzeitungen. Viele Vereine der Bundes- und Regionalligen und einige Landesverbände haben besondere Aktionen vorbereitet. Die Palette der weiteren Veranstaltungen reicht von Projekttagen in Schulen über Film- und Theatervorführungen und Informationsstände in Fußgängerzonen bis hin zu internationalen Stadteilfesten. Gesicht Zeigen! und Interkultureller Rat haben einen detaillierten Veranstaltungskalender erarbeitet, der die Vielfalt und Kreativität der Aktivitäten deutlich macht.

Das Aktionsplakat, ein Leporello und das Materialheft zur Internationalen Woche gegen Rassismus 2007 (17. bis 25. März) liegen auch in gedruckter Form vor und können kostenlos über die Geschäftsstelle des Interkulturellen Rates bezogen werden. Wegen knapper Bestände wird jedoch empfohlen, die Materialien downzuloaden.

(aus: Gemeinsame Pressemitteilung Interkultureller Rat / Gesicht Zeigen! Vom 16. März 2007)

pax christi ist Mitglied der Kampagne gegen Landminen und der Ökumenischen Friedensdekade. Beide Netzwerke arbeiten eng zusammen, wie dieses aktuelle Beispiel zeigt: In weniger als drei Monaten hat die Ökumenische FriedensDekade über 10.000 Unterschriften gegen Landminen und Streubomben gesammelt. Die Unterschriftenlisten wurden am 13.3.2007 in Berlin von Sebastian Krumbiegel, Sänger bei den Prinzen, einer der bekanntesten deutschen Popbands, und dem Geschäftsführer der Ökumenischen FriedensDekade, Jan Gildemeister, an das Aktionsbündnis Landmine.de übergeben. Sebastian Krumbiegel hat in diesem Jahr die Schirmherrschaft für die Ökumenische FriedensDekade übernommen. Ulrike Folkerts, die beliebte Tatort-Kommissarin, nahm die Unterschriftenlisten in ihrer Funktion als Schirmherrin der Landminen-Kampagne entgegen.

TV-Kommissarin Ulrike Folkerts und Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel gemeinsam gegen Landminen und Streubomben

„Diese Unterstützung durch die Ökumenische FriedensDekade ist eine große Hilfe, dem Ziel der Sammlung von 1 Million Unterschriften gegen Landminen und Streubomben näher zu kommen“, sagt Thomas Küchenmeister vom Aktionsbündnis Landmine.de. Mit den Unterschriften der FriedensDekade liegt die Anzahl der gesammelten Unterschriften jetzt bei über 900.000. „Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, jetzt mitzuhelfen und sich an der Unterschriftenaktion zu beteiligen, damit 1 Million Unterschriften erreicht werden“, waren sich Ulrike Folkerts und Sebastian Krumbiegel einig. „Damit können wir ein wichtiges politisches Signal setzen, damit das Morden und Verstümmeln durch Landminen endlich ein Ende haben“, so die Schauspielerin und der Musiker.

Im Rahmen der Ökumenischen Friedensdekade, an der sich jeweils im November jeden Jahres vor dem Buß- und Bettag über 2.000 Kirchengemeinden und Aktionsgruppen in Gottesdiensten, Friedensgebeten und Informationsveranstaltungen mit Fragen von Frieden und Gerechtigkeit beschäftigen, war im vergangenen Jahr zur Unterstützung der Unterschriftenaktion „1 Million Unterschriften für das Verbot aller Landminen“ aufgerufen worden.

In seinem Brief vom 7.2.2007 übermittelte pax christi-Präsident Bischof Heinz Josef Algermissen (Fulda) seine Bedenken gegen die Entsendung von Tornados nach Afghanistan. Die Antwort von Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung traf am Tag der höchst umstrittenen Entscheidung des Bundestages am 9.3.2007 ein, der die von pax christi heftig kritisierte Entsendung mehrheitlich beschloss. Der Brief des Bischofs lautete:

Bischof Algermissen hatte Bedenken gegen die Entsendung von Tornados nach Afghanistan geltend gemacht.

„Sehr geehrter Herr Verteidigungsminister Dr. Jung!

Als Präsident der katholischen Friedensbewegung pax christi Deutschland möchte ich nach den Beratungen im Präsidium von pax christi am letzten Freitag und Samstag hier in Fulda den Brief unseres Generalsekretärs Dr. Reinhard J. Voß unterstützen, den er am 23. Januar im Namen der Pax Christi-Bewegung und des Präsidiums an die Bundeskanzlerin mit Kopie an Sie und die Bundestagsfraktionen richtete. In diesem Offenen Brief heißt es:

"Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

die von Ihnen geplante Entsendung von deutschen Tornado-Flugzeugen nach Süd-Afghanistan beunruhigt die katholische Friedensbewegung pax christi außerordentlich…

pax christi hält diese Entsendung für den Einstieg Deutschlands in direkte Kampfhandlungen, denn Aufklärungsarbeit aus der Luft für die Operation Enduring Freedom ist in diesem Falle als Teil des fehlgeschlagenen unsinnigen „Kriegs gegen den Terror“ zu werten. Damit verlässt Deutschland in einem entscheidenden Schritt den bisherigen breiten Konsens, in Afghanistan ausschließlich Stabilisierungs- und Aufbauarbeit im Rahmen des Mandates der ISAF zu leisten…

Aus Respekt vor der Menschenwürde ist der Kampf gegen Taliban und El-Kaida nicht durch Bombenkrieg mit unvermeidlichen großen Zivilopfern zu führen. pax christi begrüßt, dass Sie den Bundestag mit der aktuellen Mandats-Auswei¬tung befassen werden und fordert eine neue Debatte des Bundestages sowohl über die Frage, ob ein solcher Einsatz noch UN-mandatskonform ist, als auch über eine konkrete Exitstrategie der Bundeswehr aus Afghanistan in nächster Zeit.

Statt eines weiteren Ausbaus der militärischen Aktivitäten unterstützt und fordert pax christi die Fortführung aller Anstrengungen zum zivilen Aufbau des Landes, bei dem sich Deutschland Respekt verschafft hat; dieser wäre entscheidend gefährdet durch den von Ihnen geplanten Schritt!“

Ich füge außerdem als Bekräftigung unserer Bedenken den Beitrag des Friedensforschers Prof. Berthold Meyer (HSFK Frankfurt) bei, den wir um Rat fragten und dessen Beitrag unsere Zeitschrift „pax zeit“ in Nr. 1-2007 abdrucken wird.

Wir bitten Sie, dies zu bedenken und bei Ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Mit den besten Grüßen aus Fulda!“

Vom 9.-11.März trafen sich in Münster auf Einladung der dortigen Bistumsstellen von pax christi VertreterInnen von über 20 pax christi-Bistums- und Regionalstellen zum Erfahrungsaustausch und zu Beratungen über die künftige Arbeit und Struktur. In der Mittagszeit demonstrierten alle Teilnehmenden vor der Lambertikirche gegen die laufende Asylpolitik mit dem "Unwörtern des Jahres", die sich seit 1992 ein halbes Dutzend mal auf die schäbige Politik gegenüber den Flüchtlingen in unserem Land bezogen, mit Beschönigungen wie etwa "Ausreisezentren" für die Abschiebegefängnisse.

Engagiertes pax christi-„Bistumsstellentreffen“

Die Beratungen konzentrierten sich neben einem ausführlichen Erfahrungsaustausch zur aktuellen Friedensarbeit auf Fragen der Verbesserung der Kommunikation und Abstimmung auf Regional- und Bundesebene. Inhaltliche Schwerpunkte waren Friedens-Spiritualität , Flüchtlings- und Erinnerungsarbeit, EU-Verfassungs- und G 8-Aktivitäten, Interreligiöser Dialog und Mitgliederwerbung. Auch wurde über die Zukunft der Friedensdienste und die pax christi-Arbeit in Afrika und Nahost nachgedacht. Ein geselliger Abend mit Geschichtenerzähler und Kabarettist öffnete das Programm ebenso wie der Vorabend-Gottesdienst.

Ein weiterer Schwerpunkt waren Überlegungen zum 60. Jubiläumsjahr von pax christi Deutschland 2008. Es wird u.a. einen großen Kongress am ersten Aprilwochenende in Berlin geben – und in dessen Vorfeld verschiedene Routen unter Einbeziehung von Orten der Erinnerung und des Gründungsortes Kevelaer.

Ein Höhepunkt des Treffens war der Empfang im Rathaus durch die Bürgermeisterin von Münster im Historischen Friedenssaal, einem der beiden Orte des „Westfälischen Friedens“ von 1648, der nach dem 30jährigen Krieg zusammen mit dem zweiten, (damals) „protestantischen“, Friedenssaal im 50 km entfernten Osnabrück als der Friede von Münster und Osnabrück in die Geschichte einging. Zwischen Münster und Osnabrück ist der Reiterweg der Kuriere des Westfälischen Friedens heute noch begehbar; und so soll denn auch ein Zeichen der Erinnerung und des Friedenswillens beim Katholikentag 2008 von pax christi gesetzt werden.

Liebe Margret, liebe Familie Koschel, verehrte Weggefährten von Ansgar, „Da müssen wir Ansgar fragen“, so haben wir nicht nur einmal im Präsidium von pax christi gesagt. Der Satz spiegelt sehr anschaulich die Bedeutung und Stellung wieder, die Ansgar Koschel sich in pax christi erworben hatte: durch sein Wirken als Generalsekretär, als einfaches Mitglied von pax christi, als Freund und Weggefährte. Ansgar besaß Autorität. Eine wirkliche Autorität. Sie kam ihm zu aufgrund seiner Persönlichkeit, seines Wissens und seines Engagements; jenseits von Funktionen, Titel und Ämtern. Sein Wort hatte Gewicht, seine Beiträge orientierten in verfahrenen Debatten, seine Art konnte Gegensätze versöhnen.

Vizepräsident Johannes Schnettler verabschiedet sich im Namen der pax christi-Bewegung von Ansgar Koschel beim Requiem in Steinbach/Ts. am 9.3.2007

Wir blicken zurück auf Ansgar, den Generalsekretär. Es ist das Verdienst des Generalsekretärs Ansgar Koschel, dass er die soziale Bewegung mit ihrer Kultur des Protestes und der Basisdemokratie in die Arbeit der etablierten pax christi Bewegung integrierte. Bei den katholischen Bischöfen warb er um das Vertrauen in diese sich ändernde Friedensbewegung. Es gelang ihm, weil seine Art der Zusammenarbeit mit dem damaligen Präsidenten der pax christi Bewegung, dem Limburger Weihbischof Kampe und später mit Bischof Spital dies Vertrauen wachsen ließ.

Aus seinem vielfältigen und tatkräftigen Wirken als Generalsekretär ragen sein Engagement für die Gewissensfreiheit der Kriegsdienstverweigerer, sein Einsatz für die Versöhnung mit dem polnischen Volk und den Juden, sein Zusammenarbeit mit dem Maximilian Kolbe Werk und seine Kuratoriumsarbeit für Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, seine Begegnungen mit den verschiedenen Kirchen und Christen in der vormaligen DDR heraus.

Wir sehen Ansgar, das Mitglied. Nach Ende seiner Zeit als Generalsekretär war Ansgar ehrenamtlich tätig in der pax christi-Basisgruppe Bad Homburg, in der Bistumsstelle Limburg, auf Ebene der deutschen Sektion. Er engagierte sich bei den Besuchen ehemaliger kirchlicher Zwangsarbeiter, für die Ausstellung »Zwangsarbeit in der Kirche«; er war häufiger Besucher der Friedensgottesdienste in Idstein. Er nahm weiterhin an vielen Delegiertenversammlungen und Kongressen der deutschen Sektion teil, engagierte sich als Redner zu bestimmten Anlässen. Bei seiner letzten großen Rede vor wenigen Wochen zum Nationalen Gedenktag der Opfer des Holocaust beschrieb er, wofür pax christi steht: „Versöhnung, Ent-feindung, für neuen Anfang, der die Opfer nicht übersieht, ihrer vielmehr gedenkt und lernt, dass Versöhnung / Entfeindung nicht auf Kosten anderer geschehen darf.“ Heute dürfen wir sagen, für diesen Auftrag hat Ansgar Koschel aus ganzem Herzen und mit ganzer Leidenschaft gelebt. Aus dieser Programmatik heraus hat er für pax christi gewirkt.

Und so fällt unser Blick auf Ansgar, den Freund, den Weggefährten. Wir alle haben seine gewinnende Art, seine Aufgeschlossenheit, seine Wärme und seine Klugheit schätzen und lieben gelernt. Deshalb ist die Betroffenheit über seinen Tod bei vielen Mitgliedern groß.

Jetzt müssen wir von Ansgar Abschied nehmen. Wir können ihn nicht mehr um Rat fragen. Aber wir erkennen seine Spuren der Friedens- und Versöhnungsarbeit in und außerhalb von pax christi. Uns so sagen wir: Danke, Ansgar, dass du bei uns warst. Du hast viel für uns getan. Wir wollen dich nicht vergessen und sind im Gebet und der Feier des Eucharistie mit dir verbunden.

„Gottes Tore öffnen sich immer neu, auch das Tor vom Tod zum Leben“, heißt es. Das erbitten wir für dich, Ansgar. Und das sagen wir als Trost in der Stunde der Trauer dir und deinen Kindern, liebe Margret.

Pax et bonum

Johannes Schnettler

Das Urteil des US-Militärgerichts in den Würzburger Leighton Barracks gegen den US-Kriegsdienstverweigerer Agustín Aguayo am 6. März 2007 bringt diesem acht Monate Haft, die „unehrenhafte Entlassung“ aus dem Militär und den Verlust aller Bezüge. Es war allerdings eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren befürchtet worden. Ein Pressevertreter von pax christi konnte den Verlauf des Prozesses beobachten und die Argumentation von Anklage und Verteidigung genau verfolgen.

Stellungnahme des Generalsekretärs der deutschen Sektion von pax christi, Dr. Reinhard J. Voß, zum Urteil gegen den US-Kriegsdienstverweigerer Augustin Aguayo

In der an die Pressevertreter verteilten Einführung ins amerikanische Militärgerichtswesen steht: „Das Ziel der Militärgesetzgebung besteht darin, die Effizienz und Effektivität der Militäreinrichtung vorwärts zu bringen, und so die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten zu stärken“. Die im Rahmen der amerikanischen Militärgesetzgebung sehr milde Strafe von Richter Colonel Peter Masterton zeigt, dass dieser bei der Urteilsfindung selbst seinem Gewissen gefolgt ist und dass die Worte des zivilen Verteidigers David Court bei ihm auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Leider ist das Urteil noch nicht rechtskräftig; es wird in die nächste Instanz vor ein Militärgericht in Washington gehen. Für die Friedensbewegung bedeutet dies – einerseits die Verpflichtung bekannt zu machen, dass auch innerhalb eines militärischen Rahmens wenn auch sehr geringe Räume für das persönliche Gewissen des einzelnen Soldaten, bleiben – sei es nun ein einzelner Soldat, der erst im Krieg selbst erkennt, dass er aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigern muss, sei es eines Richters, der über ihn zu urteilen hat. Für die Friedensbewegung kann es nicht nur darum gehen präventiv zu wirken, Krieg zu ächten und für eine zivile Beilegung von Konflikten zu kämpfen, sondern auch darum, innerhalb militärischer Strukturen selbst Räume der Menschlichkeit zu entdecken und diese möglichst zu erweitern. Es geht darum, das Gewissen der Soldaten zu wecken und zu stärken. Hätten alle Soldaten im Krieg ein Gewissen wie Agustin Aguayo, so könnte Krieg kein Mittel der Politik mehr sein. Während die Vereinigten Staaten im Irak ihre Truppenstärke ständig noch zu erhöhen suchen, verschlechtert sich tagtäglich die Lage der Menschen in diesem Land. Wir wissen über direkte Kontakte von Pax Christi Italien zur chaldäischen Kirche in Bagdad und Kirkuk nicht nur, wie sehr die Zivilbevölkerung unter dem Krieg leidet. Die Präsenz der amerikanischen Truppen hatte eine ungeheure Radikalisierung muslimischer Bevölkerungsgruppen zur Folge. Wir hören von dort: Inzwischen komme es zu einer regelrechten Christenverfolgung. Christliche Frauen könnten z.B. nicht mehr unverschleiert das Haus verlassen. Priester würden immer wieder entführt, gefoltert und getötet. Nicht eine Vergrößerung der Truppenstärke im Irak ist unserer Meinung nach ein Schritt in Richtung auf Frieden in diesem Land, sondern der Nachweis, dass die Vereinigten Staaten von Amerika selbst die Freiheit einer Gewissensentscheidung wie der von Agustin Aguayo respektieren! Bad Vilbel, den 9. März 2007 Nähere Auskünfte über die pax christi Bistumsstelle Würzburg, Sprecherin Barbara Häußler, Frankenstraße 2, 97228 Rottendorf (Tel.09302-3664) und Sprecher Dr. Stefan Silber, Sodenackerstraße 6, 63877 Sailauf (Tel. 06093 – 993 567)


Anlage zur Stellungnahme von Dr. Reinhard J. Voß, Bad Vilbel, 9.3.2007: Zur Einschätzung des Prozesses durch die Würzburger pax christi-Bistumsstelle


pax christi war durch die Bistumsstelle Würzburg als Prozessbeobachter vertreten und wird die Bischöfe Warduni von Bagdad und Louis Sako von Kirkuk über den Prozessverlauf und Ausgang ebenso informieren wie Pax Christi USA und Pax Christi International. Sie wird die Kontaktadressen der internationalen Organisationen weitergeben, die Agustin Aguayo und seine Familie im Augenblick betreuen. So können die Sektionen, in denen amerikanische Soldaten stationiert sind, aktiv werden können, sollte dort ebenfalls ein ähnlicher Prozess stattfinden. Nach Einschätzung von pax christi Würzburg waren es nicht allein die Demonstranten vor dem Tor der Leighton Barracks und die Anwesenheit der Presse, die zu diesem ermutigenden Urteil führten, sondern die persönliche Unterstützung und Begleitung des Angeklagten während seines schwierigen persönlichen Weges vor allem durch die mennonitische Friedenskirche und andere Beratungsdienste und vor allem David Courts flammender Appell an das Gewissen der für diesen Prozess Verantwortlichen. So ist es erfreulich, dass Aguayo aufgrund des verhängten Strafmaßes und der bereits absolvierten Untersuchungshaft bald in Freiheit kommen wird. Andererseits macht das Militärgerichtsverfahren deutlich, wie schwierig es auch in einem demokratischen Staat sein kann, die Gewissensentscheidung eines Einzelnen gegen die militärischen Interessen einer Regierung durchzusetzen. Trotz dieser ungerechten strukturellen Vorgaben ist es jedoch erfreulich, dass David Court, der zivile Verteidiger Aguayos, die Bedeutung der Gewissensfreiheit auch eines Soldaten in den Mittelpunkt stellen konnte und dass der Richter dies auch mit einem maßvollen Strafmaß würdigte. Wir verurteilen jedoch die Tatsache, dass es Aguayo im Vorfeld dieses Verfahrens nicht möglich war, sein Recht auf Kriegsdienstverweigerung geltend zu machen. Dem Angeklagten wurde Desertion vorgeworfen. Ein Ziel der Gerichtsverhandlung bestand darin, heraus zu finden, ob Aguayo desertiert ist, oder ob er nur die Verlegung seiner Truppe verpasst hat (missing mouvement). Desertion bedeutet, in einem besonders schwer wiegenden Fall die Verlegung der Truppe zu verpassen – und kann mit bis zu 7 Jahren Gefängnis geahndet werden. Aguayo wurde von der Anklage vorgeworfen, mit seinem Entfernen von der Einheit habe er sich geweigert, seinen Kameraden im Irak medizinische Hilfe zu leisten. Das sei ein besonders schwerer Fall von „missing mouvement“ und damit als Desertion zu werten. Militärrichter Colonel R. Peter Masterton befand Agustin Aguayo in allen Punkten der Anklage - das heißt auch der Desertion - für schuldig. Vor dem Hintergrund dieses Schuldspruches überraschte das sehr geringe Strafmaß. Mit diesem Strafmaß zeigte der Richter, wie stark er die Position des zivilen Verteidigers David Court berücksichtigte. Dieser argumentierte, dass im amerikanischen Militärrecht die Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen gar nicht vorgesehen sei. Agustin Aguayo habe sich seit seinem ersten Irakeinsatz stets geweigert eine Waffe zu tragen. Er habe während des Krieges erkannt, dass er nicht töten könne. Mehrere der Vorgesetzen Aguayos bestätigten dies als Zeugen. Ansonsten habe er allen Befehlen gehorcht. Aguayo selbst bekannte sich schuldig im Sinne der Anklage, sagte aber auch, er habe nicht nur erkannt, dass er selbst nicht töten könnte, sondern auch, dass er das Klima der Gewalt in der Armee selbst nicht mehr ausgehalten habe. Und dass er im Augenblick und auch in Zukunft nicht anders könne, als den Dienst in der Armee aus Gewissensgründen zu verweigern. Wörtlich sagte er am Ende seiner Ausführungen: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Verteidiger Court fragte dann auch nach dem Sinn der Strafe: Solle jemand dafür bestraft werden, dass er seinem Gewissen folge? Was wolle die Armee, dass Aguayo seine Überzeugung aufgebe? Und was sei, wenn eine harte Strafe das nicht erreiche? Was wolle die Armee mit einem Soldaten, der sich weigere, ein Gewehr zu tragen und der deshalb zu einer Gefahr für seine Kameraden werden könne? Ziel der Strafe sei die Rehabilitation. Eine solche sei im Falle Aguayos nur im zivilen Leben möglich. Auch dort könnten Menschen mit starken Prinzipien ihrem Land dienen. Welche Botschaft ginge von einer harten Bestrafung aus? Verlange die Regierung durch eine harte Bestrafung von einem Verweigerer aus Gewissensgründen nicht, er solle seine persönliche Überzeugung und sein Gewissen verleugnen? (Würzburg, 8.3.2007)

Mit großer Betroffenheit und tiefer Trauer haben wir die Nachricht vom plötzlichen Tod des langjährigen Generalsekretärs der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung entgegen genommen. Noch vor fünf Wochen hat Ansgar Koschel bei einer Feierstunde in Speyer aus Anlass des nationalen Gedenktages für die Opfer des Holocaust Zeugnis abgelegt von seinem Weg der Friedens- und Versöhnungsarbeit. Die Erinnerungsarbeit, so sagte Ansgar Koschel am 27. Januar 2007 in Speyer, „ gehört zu dem, wofür pax christi steht: Versöhnung, Ent-feindung, für neuen Anfang, der die Opfer nicht übersieht, ihrer vielmehr gedenkt und lernt, dass Versöhnung / Entfeindung nicht auf Kosten anderer geschehen darf.“ Heute dürfen wir sagen, für diesen Auftrag hat Ansgar Koschel aus ganzem Herzen und mit ganzer Leidenschaft gelebt. Aus dieser Programmatik heraus hat er für pax christi gewirkt.

pax christi trauert um den ehemaligen Generalsekretär Dr. Ansgar Koschel

In der Nacht zum 5. März 2007 ist Dr. Ansgar Koschel gestorben. Nach Herzbeschwerden in den letzten Monaten, die erfolgreich behandelt worden waren, hatte er sich in der Kurklinik Bad Nauheim gut erholt und war auf dem Weg der Genesung. Nun starb er völlig unerwartet an einer Hirnblutung im Krankenhaus in Friedberg. Der Geistliche Beirat der heimischen Bistumsstelle Limburg, Pfr. Rolf Glaser, hat ihm dort noch die Sterbesakramente gespendet.

In einer Feierstunde im neuen "Haus am Dom" in Frankfurt a.M. wurde Ansgar Koschel am 30.11.2006 in den „Ruhegang“ (wie er selbst die neue Phase seines Lebens bezeichnete) verabschiedet und vielfach gewürdigt. Bischof Kamphaus aus Limburg beschrieb in seiner Festrede manche gemeinsame Lebensstation, die ihn mit Koschel verband, und verstand es, dessen Lebensleistung als Werk für Frieden und Verständigung hervor zu heben.

Seelenamt und Trauerfeier finden statt am Freitag, dem 9.3.2007 ab 10 Uhr in der katholischen Kirche St. Bonifatius in Steinbach/Ts., Untergasse 27, mit anschließender Beerdigung auf dem Steinbacher Friedhof. Die Traueradresse ist: Koschel, Rossertstr. 38, 61449 Steinbach.

Vom 15.-18.2.2007 tagten in Wittenberg etwa 150 Delegierte aus 44 Ländern Europas, aus katholischen, protestantischen und orthodoxen Kirchen, zur Vorbereitung der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu/Hermannstadt, Rumänien. Diese Versammlung ist die dritte ihrer Art im Rahmen des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung - nach Basel 1989 und Graz 1997. Sie wird vom 4.-8. September 2007 mit weit über 2000 Delegierten unter dem Motto „Das Licht Christi scheint auf alle“ stattfinden. pax christi Deutschland wird durch Vizepräsidentin Veronika Hüning und Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß vertreten sein. Veronika Hüning berichtet über ihre Eindrücke vom Vorbereitungstreffen in Wittenberg:

Vizepräsidentin Veronika Hüning vertrat Pax Christi International in Wittenberg und berichtet

"Beeindruckend war es für mich, die Vielfalt der christlichen Kirchen in Wittenberg zu erleben, auch und gerade in Gebet und Gottesdienst. Ebenso deutlich wurde mir die "gegenseitige Zumutung", die in den - auch kulturell bedingten - Unterschieden liegt. Der Weg zur sichtbaren Einheit ist offensichtlich noch weit, auch im Ringen um eine gemeinsame Sprache und wirkliches Verstehen!

Wittenberg war geprägt von (zu) vielen Präsentationen, die inhaltlich teilweise wirklich gut waren. Aber das Treffen war nicht als "Workshop" oder "Open Space" gestaltet, bei dem VertreterInnen der Basis sich intensiv hätten beteiligen und tatsächlich Einfluss auf das Programm von Sibiu hätten nehmen können.

Was die Frage der Einheit der Kirchen betrifft, wurde eine Vorentscheidung für das entsprechende Forum in Sibiu getroffen. Geplant ist: 1. mit Nachdruck zu fordern, dass die bisherigen gegenseitigen Vereinbarungen zwischen den christlichen Kirchen anerkannt und eingehalten werden; 2. die geistliche Gemeinschaft der Kirchen zu fördern, u.a. mit dem konkreten Vorschlag, an einem Tag in jeder Woche für die Einheit der Christenheit zu beten; 3. eine Verknüpfung zu schaffen zwischen der Reflexion über die Einheit der Lehre und über die Einheit der Praxis.

Was das Gespräch mit den anderen Religionen betrifft, wurde reflektiert, wie das Motto von Sibiu ("Das Licht Christi scheint auf alle") wohl auf Moslems u.a. wirkt. In Sibiu soll thematisiert werden, welche Rolle die anderen Religionen in der jeweiligen Theologie der christlichen Kirchen spielen. Außerdem soll der Erfahrungsaustausch im Dialog mit den anderen Religionen verstärkt werden.

Zum Thema Frieden: Der Fokus wird "Versöhnung in Europa" sein. Fragestellung: Was war und ist die Rolle der Kirchen in Versöhnungsprozessen? Zeugen und gute Beispiele sollen präsentiert und Empfehlungen weitergegeben werden. Hier können wir noch gezielt Vorschläge einbringen. (Ansprechpartner ist Jörg Luer.)

Vom Verständnis des Konziliaren Prozesses her sind m.E. drei Schwerpunkte für Sibiu sichtbar geworden: die "Totalökonomisierung" des Lebens durch die unkontrollierte Globalisierung, Migration und Klimawandel (hier mit den konkretesten Vorschlägen und Initiativen für Sibiu).

Erneut wurde in Wittenberg die "Ungleichzeitigkeit" auf dem Weg zu einer geschwisterlichen Kirche sehr greifbar für mich. Dominant waren insgesamt - wieder einmal - die Männer gegenüber den Frauen, die Kleriker gegenüber den sog. Laien und die Alten gegenüber den Jungen. Dazu tragen sehr stark die Medien bei, die sich z.B. mit ihren Kameras auf die Würdenträger mit den exotischen Gewändern stürzen.

Doch im Kontrast dazu wurde auch immer wieder gefordert, nicht so sehr auf die Suprastrukturen zu setzen, sondern die Bewegung zur Einheit der Christenheit und die Anstrengungen für mehr Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in den Ortsgemeinden zu verankern." (Veronika Hüning)

In einer Feierstunde mit Gottesdienst am 27. Januar 2007 in Speyer erhielt ein Kästchen mit Erde aus Auschwitz-Birkenau in der pax christi-Kapelle Speyer einen öffentlichen Platz. Das Kästchen war im Jahr 1984 ein Geschenk polnischer Freundinnen und Freunde an pax christi, das sie als Zeichen der Versöhnung Teilnehmer/-innen einer Sühnewallfahrt nach Auschwitz als Geschenk überreichten. Die Reden, die im Rahmen der Feierstunde gehalten wurde, die Predigt von Bischof Algermissen während des Gottesdienstes sowie das Totengedenken der Vizepräsidentin von pax christi, Veronika Hüning, nach der Niederlegung des Kästchens sind in der Publikation IMPULSE 14 dokumentiert. Die Broschüre kann ab sofort im pax christi-Sekretariat bestellt werden.

Neue Publikation in der Reihe IMPULSE erschienen

Der Preis beträgt 1,00 Euro zzgl. Versandkosten.

Einzelne Texte können Sie sich auch auf der Website "Erinnern für die Gegenwart" herunterladen

In einer feierlichen Schlusssitzung unter Leitung von PCI-Vizepräsident Erzbishof Monsengwo aus Kisangani (DR Kongo) und der designierten PCI-Generalsekretaerin Claudette Werleigh (Haiti/Schweden) ging die 4. Regionalkonsultation von Pax Christi Große Seen am 22.2. zu Ende. Die Teilnehmenden aus Ruanda, Burundi, DRKongo und Europa reisten mit dem Gefühl wieder ab, eine gute Basis für die Friedensarbeit der nächsten Jahre gelegt zu haben.

Deklaration und Aktionsplan 2007-2010 in Kigali verabschiedet

Ihre "Deklaration von Kigali" ist überschrieben: "Die Region der Grossen Seen engagiert sich für Demokatie und Frieden mit dem Ziel einer dauerhafen Entwicklung". Sie beginnt mit einer aktuellen Analyse der politischen und gesellschaftlichen Lage in den drei Ländern mit positivem Grundton und unterstützt den "Pakt über Sicherheit, Stablität und Entwicklung in der Region der Großen Seen", der am 15.12.2006 unter UN-Regie von elf Staatschefs der Region geschlossen wurde und nach Ansicht der Delegierten bald ratifiziert werden sollte.

Sie versprechen in ihrer Erklärung, "die Werte der Gerechtigkeit und des Friedens, der Wahrheit und Liebe, der Verzeihung und Versöhnung" zu verbreiten. Dem soll der ebenfalls verabschiedete Aktionsplan 2007-2010 dienen. Sie wenden sich mit entsprechend konkreten Forderungen an die Regierungen, politischen Parteien, die Zivilgesellschaft und die internationale Gemeinschaft. Von letzterer fordern sie' "die internen Prozesse der Demokratisierug und die wirksame Umsetzung des Stabilitaetspaktes zu begleiten: auf die Umsetzung von Mechanismen der Fruewarnsysteme und schnellen Reaktion zu achten, die im Stabilitätspakt vorgesehen sind, und die finanzielle und technische Unterstützung der Friedens- und Entwicklungsanstrengungen in der Region fortzusetzen". Der Aktionsplan wurde mit den schon im letzten Bericht erwähnten Schwerpunkten verabschiedet.

Generalsekretär Reinhard Voss besucht im Anschluss zusammen mit dem Afrikareferenten Marc Barwick von Pax Christi International Friedensorganisationen und Guppen des Pax Christi-Netzwerks in folgenden Städten: Ruangheri (Ruanda), Goma, Bukavu, Uvira (alle RD Kongo), Bujumbura (Burundi) und Butare (Ruanda).

pax christi ruft dazu auf, mögliche Betroffene auf die Frist aufmerksam zu machen. Dabei muss vor falschen Hoffnungen gewarnt werden - Chancen dürfen jedoch auch nicht übersehen werden.

Die pax christi-Kommission Asyl weist drauf hin, dass die Antragsfrist für ein Bleiberecht von lange in Deutschland geduldeten Menschen am 17. Mai ausläuft. Offenbar kennen viele der Betroffenen díe Bedingungen nicht.


Die Betroffenen selbst sollten möglichst umgehend eine Beratungsstelle oder eine/n Anwalt / Anwältin aufsuchen.

Informationen über die Erlasse der einzelnen Bundesländer zum Bleiberecht finden sich auf der Website www.bleiberechtsbuero.de

Sollten Sie Interesse haben, vor Ort eine Informationsveranstaltung für Betroffenen zu organisieren, berät sie gerne die Kommission Asyl. Kontakt: asyl@paxchristi.de

Die 4. Regionalkonsultation von "Pax Christi Grosse Seen" und Pax Christi International (PCI) findet vom 17. bis 22 Februar 2007 in Kigali, der Hauptstadt Ruandas statt. Sie führt etwa 60 Delegierte aus Ruanda, Burundi und der DR Kongo zusammen sowie einige Internationale von PCI, darunter Dr. Reinhard J. Voss, Generalsekretär der deutschen Sektion. Wir veröffentlichen hier seinen Bericht.

Deutsche Sektion ist durch ihren Generalsekretär vertreten

Das Netzwerk Grosse Seen von PCI hat sich seit 2003 drei Mal in Bukavu, Kinshasa und Bujumbura (Burundi) getroffen und sich zum Ziel gesetzt, eine Kultur dauerhaften Friedens, eine Spiritualität und Praxis der Gewaltfreiheit sowie einen Versöhnungsprozess zwischen den drei Ländern voran zu bringen.

Die 4. Regionalkonsultation wurde am Sonntag, dem 18.2. mit einem Besuch im zentralen Gedächtnisstätte des Völkermordes in Kigali mit einem anschließenden feierlichen Gottesdienst in der Kathedrale unter Leitung von Pax Christi-Vizepräsident Erzbischof Monsegwo aus der DR Kongo (Diözese Kisangani) eröffnet. Dies war ein starkes Zeichen des Versöhnungsprozesses, der in der vollbesetzten Kirche mit großem Beifall bedacht wurde. Teilnehmende sind vor allem VertreterInnen aus den drei Ländern des französischsprachigen Zentralafrika. Die vorangegangene Periode der Kriege brachte der Region mehr als 4 Millionen Tote und weiteren Millionen Flüchtlinge.

Am Montag startete die Konferenz mit einer Debatte der vorliegenden "Erklärung von Kigali". Darin wird die Situation in der Region als relativ hoffnungsvoll beschrieben im Hinblick auf Demokratisierungs- und Versöhnungschancen sowie die regionale Stabilität. Diese kann aufbauen auf einem internationalen Stabilitätspakt, der zwischen den Ländern ganz Zentralafrikas vor kurzem unter UN-Regie zustande kam. Die Teilnehmenden sind sich aber auch der ungeheuren Probleme aller drei Länder beim Aufbau von Wirtschaft, Demokratie, Rechtssystem, Sicherheitskräften und der Reintegration von Flüchtlingen sowie früherer Milizen bewusst.

PCI und das Netzwerk Grosse Seen fordern und erhoffen sich deshalb von den Regierungen Anstrengungen in Richtung Frieden und Stabilität, Demokratie und gute Regierungsführung, regionale Integration sowie im sozialen und humanitären Bereich. Ein Aktionsplan 2007-2010 wird im Laufe der Konsultation erarbeitet, der u.a. folgende Schwerpunkte für die Arbeit von Pax Christi in der Region setzt: Politische und staatsbürgerliche Bildungsarbeit, Versöhnungsanstrengungen und Friedensaufbau, Hilfen bei der Demobilisierung und Wiedereingliederung, Friedenserziehung und Engagement für die Menschenrechte sowie insbesondere auch die Gleichstellung von Frauen. Getragen wird er Aktionsplan von mehreren Dutzend Pax Christi-Gruppen und befreundeten Organisationen.

Die Konsultation endet am Donnerstag, den 22. Februar 2007. Reinhard Voß wird anschließend noch die Gelegenheit haben, einige Gruppen in den drei Ländern zu besuchen. Im Mittelpunkt steht die Beratung über eine Projektunterstützung in der Stadt und Region von Bukavu im kongolesischen Suedkivu an der Grenze zu Ruanda und Burundi.

"Deutsche Rüstungsexporte und Europa" ist der Titel der Broschüre, die seit heute im pax christi-Sekretariat erhältlich ist. Autor ist Fabian Sieber, pax christi-Mitglied aus Freiburg. Das Heft beschäftigt sich u.a. mit der Entstehung des europäischen Marktes für Rüstungsgüter, der Europäischen Verteidigungsagentur, dem europäischen Binnenmarkt und Zulieferungen für die Rüstungsindustrie sowie mit dem deutschen Rüstungskontrollsystem.

Bestellen Sie jetzt das IMPULSE-Heft!

Hervorgegangen ist der Text aus dem Seminar "Rüstungsproduktion und - export in der Europäischen Union", das vom 22.-23.9.2006 in Stuttgart von Ohne Rüstung Leben und pax christi durchgeführt wurde.

Keine Vorbereitung eines Angriffskrieges gegen den Iran! pax christi fordert Deeskalation und Direktverhandlungen

Erklärung des Präsidiums der deutschen Sektion von pax christi

Im Januar 2007 haben sich die Hinweise verdichtet, dass die US-Regierung sehr konkrete kriegerische Angriffe auf den Iran plant. Die Neokonservativen um Präsident George W. Bush versuchen offenbar dessen restliche Amtszeit zu nutzen, den Konflikt um das iranische Atomprogramm weiter zu eskalieren und den wachsenden iranischen Einfluss im Nahen Osten zu brechen. Diese Machtpolitik der USA kommt den Interessen der israelischen Regierung entgegen, die ihrerseits den Iran und Syrien als Bedrohung betrachtet und gegen sie rüstet.

Der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates verteidigte bei seinem Antrittsbesuch in der Brüsseler NATO-Zentrale die Stationierung von „Patriot“-Abwehrraketen in der Golfregion und die Entsendung eines zweiten Flugzeugträgers mit „der Bedeutung dieser Region für die USA“. Da diese Waffensysteme nicht für den Bodenkrieg im Irak geeignet sind, muss davon ausgegangen werden, dass sie Vorbereitungen für eine Kriegsführung gegen den Iran bzw. Syrien sind. Gleichzeitig drohte Präsident Bush in seiner Rede für eine neue Irak-Strategie damit, „Angriffe aus dem Iran und Syrien gegen US-Truppen zu unterbinden“ und „Waffenlieferungen aus diesen Ländern zu stoppen“.

Seriöse wissenschaftliche und journalistische US-Beobachter und Kenner der Regierungspläne verweisen darauf, dass die US-Administration unter George W. Bush für den Fall eines Angriffs auf iranische Atomanlagen weit mehr als begrenzte Militärschläge plant, ja sogar einen neuen Krieg riskiert, um eine Vormachtstellung des Iran im Nahen Osten zu verhindern. Die Strategie des iranischen Präsidenten seinerseits im Kampf um die Einfluss-Sphäre Golfregion ist innerhalb der Führung des Landes umstritten. Es gibt durchaus Signale, aus der Eskalationsspirale heraus- und in Verhandlungen einzutreten – im Interesse einer größeren eigenen Sicherheit angesichts der Präsenz von US-Truppen in Afghanistan, im Irak und in der übrigen Region.

Entgegen den Ratschlägen der Baker-Hamilton-Kommission setzt die US-Regierung statt auf Gespräche auf verstärkte Konfrontation; sie bereitet trotz aller Dementis gegenwärtig das Szenario für eine regionale Eskalation und Kriegsführung gegen den Iran vor. Offenbar scheut die Mehrheit der oppositio-nellen Demokraten im US-Kongress eine zu starke Konfrontation mit der US-Regierung, um nicht für deren offensichtliches Scheitern im Irak verantwortlich gemacht zu werden. Aber sie erhebt deutlich ihre Stimme gegen eine weitere Truppen-Verstärkung im Irak und für eine Wende.

· pax christi ist äußerst besorgt über die erneuten Vorbereitungen eines Angriffskrieges gegen ein weiteres Land im Nahen Osten. Wir fordern die Bundesregierung eindringlich auf, sich deutlich und öffentlich von diesem US-Bedrohungsszenario gegen den Iran abzusetzen, solange es noch Zeit ist. Es müssen alle diplomatischen Mittel ergriffen werden, um eine Eskalation der Gewalt im Nahen Osten zu verhindern. Dazu gehört auch ein Festhalten am Verhandlungsweg der EU, ohne sich von den USA in ein Bedrohungsszenario einbeziehen zu lassen, das unweigerlich in einen Angriffskrieg gegen ein Land und Volk münden könnte. Auch sollten die Signale aus dem Iran aufgegriffen werden, die Bewegung in Richtung Verhandlungsbereitschaft zeigen.

· pax christi hält Verhandlungen mit dem Ziel von Nichtangriffsgarantien und einer Atomwaffenfreien Zone im Nahen Osten für notwendig, um dort einen wirklichen Frieden zu erreichen. Dazu gehören auch die Abrüstung von israelischen Atomwaffen und ein Rückzug der US-Truppen aus der Region. Krieg ist, wie man im Irak sehen kann, kein geeignetes Mittel um Frieden zu erreichen. Er wird nur eine weitere Radikalisierung im Islam bringen.

· pax christi fordert die deutsche Regierung auf, sich von einer Militarisierung der deutschen Außenpolitik im Sog der US-Politik abzuwenden. Auch heute gilt: Waffenlieferungen in Krisenregionen laufen dem Versprechen nach dem Zweiten Weltkrieg zuwider, dass von deutschem Boden nie mehr Krieg ausgehen solle. Alle Waffenlieferungen nach Nahost müssen gestoppt werden, auch die zugesagte Lieferung zweier atomar ausrüstbarer U-Boote an Israel.


Fulda / Bad Vilbel, 3. Februar 2007

Die Bundesregierung hat ihre Entscheidung zum Einsatz der Tornado-Aufklärungsflugzeuge im Süden Afghanistans auf den 7.2.2007 verschoben und der Bundestag wird sich wohl im März mit dieser Frage abschließend befassen. In einem Beitrag für die Zeitschrift der deutschen Sektion „pax zeit“ (Nr. 1-2007) schreibt Prof. Berthold Meyer, dieser Einsatz würde die „geltende Trennung zwischen der auf den Wiederaufbau gerichteten ISAF und den Antiterror-Kampftruppen der OEF völlig verwischen.“ Prof. Meyer ist Projektleiter in der Forschungsgruppe Rüstungskontrolle und Abrüstung bei der HSFK in Frankfurt/Main (www.hsfk.de).

Der Friedensforscher Prof. Berthold Meyer von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung unterstützt pax christi in ihrer Ablehnung.

Am Schluss des Beitrags von Prof. Berthold Meyer heißt es zur aktuellen politischen Entscheidungslage:

„Im Vorfeld des NATO-Gipfels von Riga Ende November 2006 forderten sie (sc. Die NATO-Alliierten), Deutschland solle mehr Soldaten in den unruhigen Süden senden. Das lehnt die Bundesregierung jedoch außer für Notfälle ab und begründet es damit, dass sonst die unter maßgeblicher deutscher Beteiligung relativ stabil gehaltene Lage im Norden gefährdet würde. Trotzdem kam es Anfang Januar 2007 zu einer Anfrage der NATO, sechs Tornado-Aufklärungsflugzeuge im Süden Afghanistans einzusetzen. Dies schien führenden Sicherheitspolitikern wie dem ehemaligen SPD-Verteidigungsminister Struck unproblematisch, ja sogar zunächst ohne ein neues Mandat des Bundestages möglich. Doch die drei Oppositionsparteien FDP, Bündnis 90/Grüne und Linke machten am 19. Januar im Plenum des Bundestages deutlich, dass sie das anders sehen.

In der Tat würde eine Ausweitung des Mandates auf den Einsatz von Aufklärungsflugzeugen die bisherige wenigstens noch für das deutsche Kontingent geltende Trennung zwischen der auf den Wiederaufbau gerichteten ISAF und den Antiterror-Kampftruppen der OEF völlig verwischen. Es ist klar, dass die Luftaufnahmen der deutschen Tornados unmittelbar dazu dienen würden, Einsätze gegen Ortschaften, in denen sich Aufständische aufhalten, leichter führen zu können. Das mag zwar in dem einen oder anderen Fall bedeuten, dass durch präzisere Angriffe weniger unbeteiligte Zivilpersonen zu Schaden kommen. Da jedoch alle Aufständischen in der typischen Landestracht und nicht in Uniformen herumlaufen, wäre eine Unterscheidung zwischen ihnen und Unbeteiligten in den meisten Fällen unmöglich. Wenn aber aufgrund von Zieldaten, die von deutschen Flugzeugen geliefert würden, Unbeteiligte zu Tode kämen, würde sich das in ganz Afghanistan wie ein Lauffeuer verbreiten und der gute Ruf, den die Deutschen generell und die Bundeswehrsoldaten bisher noch genießen, wäre dahin. Dies kann und darf weder der Bundestag noch die Bundesregierung verantworten. Bündnissolidarität darf nicht dazu führen, die bisherige Wiederaufbauhilfe der Bundeswehr zu konterkarieren.“

Bei der Strategiekonferenz am 20.-21.1.2007 in Bielefeld näherten sich die drei Arbeitsgruppen dem Thema sehr unterschiedlich, aber sehr konkret. Die Kritik am Weißbuch der Bundeswehr und an den Aspekten der Militarisierung im EU-Verfassungsentwurf führte zu unterschiedlichen Aktionsvorschlägen: eine vom BSV getragene Kampagne „Vorrang für zivile Konfliktbearbeitung“, eine von der IPPNW forcierte Plakataktion für eine Energiewende („Wer Frieden will, muss energiepolitisch umsteuern“) und eine von pax christi angekündigte Öffentlichkeitsoffensive, die die Ablehnung einer Wohlstandssicherung durch Militär zur Glaubensfrage erhebt.

Strategiekonferenz der Kooperation für den Frieden zur Militarisierung der deutschen Außenpolitik

Konkrete Vorschläge zur Unterstützung der Proteste gegen den G8-Gipfel standen im Mittelpunkt der Beratungen der zweiten Arbeitsgruppe, während die dritte themenunabhängig nach generellen Verbesserungen der Techniken der Öffentlichkeitsarbeit und einer stärkeren Professionalisierung suchte. Die Anregung zu einem gemeinsamen Pressedienst der Kooperation für den Frieden und ihrer Mitwirkenden, gehörte ebenso dazu wie eine Verbesserung und Ausweitung des Internetauftrittes.

Weitere Informationen aus dem ausführlichen Bericht der Sprechergruppe:

Wie erreichen wir mit unseren guten Argumenten wirksam die Öffentlichkeit?

Eine Strategiekonferenz der Friedensbewegung, die sich ausschließlich mit Fragen der Öffentlichkeitsarbeit beschäftigte, die musste sehr unterschiedliche Erwartungen wecken, Hoffnungen auf schnelle Lösungen für die Arbeit an aktuell brennenden Themen gehörten ebenso dazu wie die Bereitschaft nach Ansätzen für eine Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit der Kooperation und ihrer Mitgliedsorganisationen zu suchen.

Dass auf der anderen Seite, bei der Bundeswehr professionell gearbeitet wird, um die Öffentlichkeit in ihrem Sinne zu beeinflussen, machte der PR-Experte Peer Heinelt in seinem Vortrag zu Beginn der Konferenz deutlich. Heinelt zeigte auf, dass diese Art von Public Relation keineswegs bei sachlicher Information und deutlich ausgewiesener Meinungsäußerung bleibt, sondern dass vielfältigste Methoden der Beeinflussung gewählt werden: von der Ausforschung der öffentlichen Meinung mit quasi-nachrichtendienstlichen Mitteln bis zur gezielten Einflussnahme auf Multiplikatoren und dem Versuch in ihrem Sinne geeignete Presseveröffentlichungen zu lancieren, bei den Auftraggeber und Quelle im Dunklen bleiben – ein vorgeblicher „Dialog mit der Gesellschaft“, der keine partizipativen Ansätze enthält, sondern der Überredung im Sinne der bundeswehreigenen Ziele dient. Millionen von Euro werden jährlich für diese Art von gezielter Manipulation ausgegeben.

Klar, dass die Friedensbewegung diesen Weg nicht gehen kann, und das nicht nur, weil ihr dazu die finanziellen Mittel fehlen. In der anschließenden Diskussion wurde schnell deutlich, dass diese Methoden kaum dazu geeignet sind, dass die Friedensbewegung aus ihnen lernen kann. Positive Erfahrungen der Friedensbewegung sehen anders aus, wie Manni Stenner vom Netzwerk Friedenskooperative aus eigenem Erleben zu berichten weiß. Von den Großdemonstrationen der 80er Jahre im Bonner Hofgarten und den Blockaden in Mutlangen bis heute reicht dabei sein Blick. Auf 25 Jahre erfolgreiche lokale Pressearbeit kann auch Robert Hülsbusch von der Friedensinitiative Nottuln zurückblicken. Mehr als 6000 Artikel hortet er in seinem Archiv, fast wöchentlich kommt ein neuer dazu. Die Lokalredaktionen wissen die journalistische Qualität seiner Berichte zu schätzen. Ein herausragendes aktuelles Beispiel liefert der Verein Aachener Friedenspreis. Über seine Strafanzeige gegen die Kanzlerin und ihren Verteidigungsminister wegen Vorbereitung von Angriffskriegen berichteten zahlreiche Zeitungen in allen Teilen Deutschlands, Radiosender brachten ausführliche Interviews und weit über die Grenzen hinaus informierten Medien in Frankreich, der Türkei und Iran über dieses öffentlichkeitswirksame Vorgehen. Stärker aktionsbezogen ist das Beispiel, das Jutta Sundermann von attac referierte. Eine gelungene spektakuläre Aktion gegen die Handelspraktiken von Lidl bereitet über Monate hinweg der Presseabteilung des Discounters gewaltige Sorgen, die sich schließlich in drastisch verstärkten Werbekampagnen und kleinen Zugeständnissen an die Forderungen der attac-Aktivisten manifestieren.


Drei Arbeitsgruppen näherten sich dem Thema unter unterschiedlichen Aspekten. (...)

Andreas Buro sprach sich in seiner Zusammenfassung der Strategiekonferenz nachdrücklich für die Revitalisierung der lokalen Friedensgruppen als unverzichtbare Grundlage für ein wirkungsvolles Auftreten in der Öffentlichkeit aus. In dem vorgeschlagenen Pressedienst, ergänzt um eine Arbeitsgruppe als Supervisionsgruppe für die Öffentlichkeitsarbeit der Mitgliedsverbände sah er das zentrale Element der Strategiekonferenz. Sinnvolle Ergänzungen seien der Aufbau eines Korrespondentennetzes für Leserbriefe, die stärkere Einbeziehung der Friedensforschung sowie die Ausbildung von Journalisten in die Methodik der zivilen Konfliktbearbeitung.

Mit einer gut besuchten, würdigen Feierstunde und einem Gottesdienst mit pax christi-Präsident Bischof Heinz Josef Algermissen aus Fulda beging die deutsche Sektion von pax christi den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Speyer (siehe die Meldung vom Vortag). Zum Abschluss wurde ein polnisches Geschenk der Versöhnung von 1984, ein Gefäß mit Erde aus Auschwitz-Birkenau, neben Vitrinen mit Erde aus Hiroshima, Lourdes und anderen Orten des Gedenkens in der Wand der pax christi-Kapelle unter der Kirche St. Bernhard eingefügt. Mit eindringlichen Worten mahnten alle RednerInnen die bleibend aktuelle Notwendigkeit kritischen Gedenkens an.

Großer Zuspruch und eindrucksvolle Reden bei der zentralen Veranstaltung von pax christi

In ihren „Worten des Gedenkens“ betonte Vizepräsidenten Veronika Hüning: „In diesem Akt erinnern wir uns an die Bedeutung des Ortes Auschwitz-Birkenau, an den Bruch der Zivilisation, an den Massenmord, verübt von Deutschen, an das unvorstellbare Grauen und Leiden, das dort geschah. Wir gedenken aller Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. (…) Wir gedenken jedes Einzelnen, weil es ihm gebührt, als Menschen – auf dass er nicht ein Opfer des „zweiten Todes“ werde, des Vergessens. (…) Die Erde dieses Ortes Auschwitz-Birkenau sei hier – in der pax christi-Kapelle zu Speyer – allzeit ein „Aufschrei der Verzweiflung“. Denn unheilbar ist die Verzweiflung der vielen, die hier litten und ermordet wurden. Die Erinnerung an sie ist uns aufgegeben, für immer.“

Ganz ähnlich betonte der Erzbischof von Krakau, Stanislaw Kardinal Dziwisz, in seinem Grußwort: „Dieses Geschenk aus Auschwitz Birkenau erinnert uns an das Geschick von unzähligen Menschen. Sie rüttelt unser Gedächtnis und unser Herz auf.“

Der frühere Generalsekretär Dr. Ansgar Koschel und Vizepräsident Johannes Schnettler gingen auf die Vorgeschichte des Geschenkes ein.

Johannes Schnettler schilderte die lange Suche nach einem geeigneten Ort und würdigte die pax christi-Kapelle in Speyer als Zeichen der Versöhnung und der Mahnung gegen Krieg und Gewalt, als Ort des Gebets, der Besinnung und der Begegnung: „Der Ort spiegelt die Anfänge der Geschichte der pax christi-Bewegung wieder. Mit der Erde aus Auschwitz-Birkenau an diesem Ort verbinden sich erstmals auch sichtbar die beiden großen Versöhnungstraditionen, die die pax christi-Bewegung in Deutschland kennzeichnet: Die Versöhnung mit dem französischen und dem polnischem Volke.“

Ansgar Koschel schilderte, wie 1984 die pax christi-Wallfahrer das Geschenk in der Maximilian-Kolbe-Kirche in Oswiecim überreicht bekamen: „Diese Gegen-Gabe berührte uns sehr; ja, sie machte uns stumm. (…) Uns traf dieses starke Symbol unvorbereitet. Scheu nahmen wir das Kästchen entgegen, betroffen von dieser Ausdrucksstärke. Aber es ist ein österlich-pfingstliches Zeichen. Man vertraute uns 20 Jahre nach der Sühnewallfahrt ein solches Kästchen an, dass wir es mitnahmen als Zeichen der Verbundenheit im Glauben an die mögliche Überwindung des Bösen, auch und gerade zwischen Polen und Deutschen, zwischen Nachbarn des Volkes der Opfer und der Täter und Mitläufer.“

Den „symbolischen Charakter des Geschenkes“ würdigte in seinem Festvortrag der Münchner Theologe und Publizist Dr. Norbert Reck („Concilium“).

Seine Predigt (über Hiob 30 und Mt 27) schloss Bischof Algermissen mit einem aktuellen Aufruf:

„Wenn wir nun heute, liebe Schwestern und Brüder von pax christi, Erde aus Auschwitz-Birkenau als Zeichen gegen das Vergessen in die pax christi-Kapelle in Speyer bringen, ist das für mich nicht nur eine Mahnung zur permanenten Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit, sondern ebenso eine deutliche Frage, wie nachhaltig Deutschland und Europa aus der alle Maßen übersteigenden Katastrophe gelernt haben. Immer wieder flackert der Antisemitismus auf. Auch in unserem Land wird er wieder sichtbarer. So liegt weiterhin ein langer Weg der Läuterung und der Auseinandersetzung vor uns. Gehen wir ihn miteinander! Aus der Tiefe des Schmerzes und des Leides ruft das Herz der Gläubigen: „Ich aber, Herr, ich vertraue auf dich, ich sage: Du bist mein Gott.“ (Ps 31, 14). Amen.“

Alle Rede-Manuskripte sind dieser Meldung im Wortlaut beigefügt.

Hinweis: In diesem Jahr jährt sich am 27. Januar zum 62. Mal der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Seit 1996 ist dieser Tag bundesdeutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im November 2005 bestimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 60/7 den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Nach der Annahme der Resolution bezeichnete der damalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan den Holocaust als „ein beispielloses Verbrechen, das nicht einfach der Vergangenheit zugeschrieben und vergessen werden kann.“

Der Gedenktag wird von zahlreichen pax christi-Gruppen vor Ort begangen; so lädt beispielsweise die pax christi-Regionalstelle Osnabrück-Hamburg ein zu Gedenkveranstaltungen der pax christi-Gruppen in Bremen, Norderstedt, Neumünster und Osnabrück.

Am 27. Januar 2007, dem deutschen Gedenktag für die Opfer des National­sozialismus, wird pax christi einem Gefäß mit Erde aus Auschwitz-Birkenau in der pax christi-Kapelle der Kirche des Hl. Bernhard von Clairvaux in Speyer einen öffentlichen Platz geben. Dieses ist ein Geschenk polnischer Freundinnen und Freunde, das sie anlässlich einer Sühnefahrt nach Auschwitz im Jahre 1984 als Zeichen der Versöhnung an pax christi überreichten. pax christi sieht heute die Zeit gekommen, die damalige Geste der Versöhnung öffentlich zu würdigen und mit einem dauerhaften Ort für die Erde aus Auschwitz-Birkenau ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Im Rahmen einer Feierstunde und eines Gottesdienstes mit dem Präsidenten der deutschen Sektion von pax christi, Bischof Heinz Josef Algemissen aus Fulda, wird dem Geschenk der Versöhnung dieser öffentliche Platz gegeben. Die Feier beginnt am Samstag, dem 27.1.2007, um 14.30 Uhr im Bistumshaus St. Ludwg am Dom zu Speyer.

Erde aus Auschwitz-Birkenau erhält am Holocaust-Gedenktag in der pax christi-Kapelle Speyer einen öffentlichen Ort

Dort werden beide Vizepräsidenten von pax christi, Johannes Schnettler und Veronika Hüning, der frühere Generalsekretär von pax christi, Dr. Ansgar Koschel, und der Theologe Dr. Norbert Reck aus München zur Bedeutung des Versöhnungsgeschenks und zu den daraus folgenden Perspektiven sprechen. Polnische Gäste werden anwesend sein.

Der Erzbischof von Krakau, Stanislaw Kardinal Dziwisz, würdigt in einem schriftlich zu verlesenden Grußwort das Ereignis. Darin heißt es: "Diese Erde aus Auschwitz-Birkenau erinnert uns an das Geschick von unzähligen Menschen. Sie rüttelt unser Gedächtnis und unser Herz auf. Sie will uns nicht zum Hass bringen, sondern zur Einsicht, dass Böses als Böses erkannt und verneint wird. Sie will den Mut zum Guten, zum Widerstand gegen das Böse in uns wecken."

Um 17 Uhr findet in der Kirche St. Bernhard der Gottesdienst mit Bischof Algermissen statt. Am Schluss des Gottesdienstes wird das Gefäß mit der Auschwitz-Erde in der pax christi-Kapelle in eine Wandfach gesetzt, neben weiteren Wandfächern mit Erde aus anderen Orten des Gedenkens (wie Hiroshima und Lourdes).

Die eingravierte Inschrift weist die Besucher auf die Bedeutung des Ortes hin:

„Hier wird Erde aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau aufbewahrt. Zwischen 1940 und 1945 ermordeten die Nationalsozialisten dort etwa anderthalb Millionen Menschen. Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas. Anlässlich einer Sühnefahrt im Jahre 1984 überreichten die polnischen Gastgeber diese Erde an pax christi als Zeichen der Versöhnung. Hier sei die Erde dieses Ortes „allzeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit“, wie es auf der Gedenktafel von Birkenau heißt.“

Hinweis zur pax christi-Kapelle in Speyer:

Seit ihrer Gründung im Jahre 1953 ist die pax christi Kapelle in Speyer ein Ort der Mahnung gegen den Krieg und zugleich Ort des Gebets und der Begeg­nung. Gemeinsam erbauten Franzosen und Deutsche Kapelle und Kirche. Die Kapelle ist so selbst steingewordenes Zeugnis der Versöhnung zwischen ehe­mals verfeindeten Ländern. Mit der Erde aus Auschwitz-Birkenau an diesem Ort wird der Blick geweitet: auf die polnischen und vor allem die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und die Schritte der Versöhnung, die bis heute möglich wurden. Die pax christi Kapelle soll durch diese Feier noch mehr zu einem Ort des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und der Mahnung werden, die Erinnerung an Auschwitz wach zu halten und für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden weltweit einzustehen.

Informationen, auch am Tag selbst, über Dr. Reinhard J. Voß, Handy: 0160 - 15 17 246

Dr. Reinhard J. Voß Generalsekretär von pax christi / deutsche Sektion Postfach 13 45 61103 Bad Vilbel Tel 06101 / 2073 Fax 06101 / 65 1 65 eMail: r.voss@paxchristi.de oder sekretariat@paxchristi.de www.paxchristi.de

Der Offene Brief von Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß an Bundeskanzlerin Merkel, der gleich lautend auch an Verteidigungsminister Jung ging und den Fraktionsvorsitzenden aller Bundestagsparteien sowie der Presse bekannt gemacht wurde, hat folgenden Wortlaut:

Die katholische Friedensbewegung pax christi ist außerordentlich beunruhigt.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

die von Ihnen geplante Entsendung von deutschen Tornado-Flugzeugen nach Süd-Afghanistan beunruhigt die katholische Friedensbewegung pax christi außerordentlich. Schon am 31. Januar will Ihre Regierung über den entsprechenden, für den 26.1.2007 erwarteten, NATO-Antrag entscheiden und diese Entscheidung anschließend dem Bundestag vorlegen.

pax christi hält diese Entsendung für den Einstieg Deutschlands in direkte Kampfhandlungen, denn Aufklärungsarbeit aus der Luft für die Operation Enduring Freedom ist in diesem Falle als Teil des fehlgeschlagenen unsinnigen „Kriegs gegen den Terror“ zu werten. Damit verlässt Deutschland in einem entscheidenden Schritt den bisherigen breiten Konsens, in Afghanistan ausschließlich Stabilisierungs- und Aufbauarbeit im Rahmen des Mandates der ISAF zu leisten. Und damit rücken Sie von dem seitens Ihrer Regierung noch vor wenigen Wochen in Riga abgelehnten Einsatz deutscher Soldaten in Kampfeinsätzen in Süd-Afghanistan ab und verwickeln unser Land immer stärker in die dortigen Kriegshandlungen im Rahmen der OEF.

Aus Respekt vor der Menschenwürde ist der Kampf gegen Taliban und El-Kaida nicht durch Bombenkrieg mit unvermeidlichen großen Zivilopfern zu führen. pax christi begrüßt, dass Sie den Bundestag mit der aktuellen Mandats-Ausweitung befassen werden und fordert eine neue Debatte des Bundestages sowohl über die Frage, ob ein solcher Einsatz noch UN-Mandatskonform ist als auch über eine konkrete Exitstrategie der Bundeswehr aus Afghanistan in nächster Zeit.

Statt eines weiteren Ausbaus der militärischen Aktivitäten unterstützt und fordert pax christi die Fortführung aller Anstrengungen zum zivilen Aufbau des Landes, bei dem sich Deutschland Respekt verschafft hat; dieser wäre entscheidend gefährdet durch den von Ihnen geplanten Schritt!

Mit freundlichen, besorgten Grüßen

Dr. Reinhard J. Voß (Generalsekretär)

Zum Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar 2007, lädt die deutsche Sektion von pax christi herzlich nach Speyer ein, um dem Geschenk der polnischen Kirche an pax christi aus dem Jahre 1984 mit Erde aus Auschwitz-Birkenau seinen bleibenden Platz in der dortigen pax christi-Kapelle zu geben. Dies geschieht im Rahmen einer Feierstunde und eines Gottedienstes - mit Gästen aus Polen und Frankreich. Unser pax christi-Präsident, Bischof Heinz Josef Algermissen aus Fulda, wird an der Feierstunde teilnehmen, mit uns den Gottesdienst feiern und die Zeremonie leiten.

Ort der Veranstaltung sind das Bistumshaus St. Ludwig, Johannesstr. 8 und die pax christi-Kapelle in der Kirche St. Bernhard, Hirschgraben 3

Weitere Einzelheiten können Sie den unten stehenden Links entnehmen.

Eine formlose Anmeldung bis zum 15. Januar ist erwünscht.

Für Nachfragen steht der Generalsekretär der deutschen Sektion, Dr. Reinhard Voß gern zur Verfügung.

E-Mail: sekretariat@paxchristi.de

Am 17. Januar fand die Beisetzung des am Abend des 10. Januar 2007 verstorbenen ehemaligen Präsidenten der deutschen Sektion von pax christi, Dr. Hermann Josef Spital, statt. Der Sarg des Alt-Bischofs von Trier wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und in Anwesenheit vieler Prominenter aus Kirche, Gesellschaft und Staat von der Jesuitenkirche aus durch die Stadt zum Dom geführt.

In einem feierlichen Gottesdienst würdigte der Trierer Bischof Reinhard Marx den Verstorbenen, der dessen "persönliche Christusfreundschaft" und seinen Glauben an den dreifaltigen Gott hervor hob. Kardinal Karl Lehmann, unterstrich dies als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ebenfalls am Ende des Gottesdienstes und würdigte auch die Arbeit Bischof Hermann Josef Spitals als früherer Präsident der deutschen Sektion von pax christi. Die Sektion wurde vertreten durch ihren Vizepräsidenten Johannes Schnettler, Vorstandsmitglied Georg Hörnschemeyer und Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß. Die Vorgänger von Schnettler und Voß, Prof. Karlheinz Koppe und Joachim Garstecki, waren ebenfalls anwesend - ebenso viele Verantwortliche der pax christi-Bistumsstelle Trier und weitere Mitglieder der Bewegung.

Weitere Hinweise finden Sie auf den Webseiten des Bistums Trier. Dort besteht auch die Möglichkeit, in einem "virtuellen Kondolenzbuch" Mit-Trauer, Beileid, Erfahrungen mit Bischof Hermann Josef einzutragen.

Die öffentliche Wirkung der Friedensbewegung ist von besonderer Bedeutung, da Rüstungs- und Kriegspolitik immer auch auf die Akzeptanz in der Bevölkerung angewiesen ist. Deshalb stellt sich die öffentliche Konferenz folgenden Fragen: Wer ist eigentlich „die Öffentlichkeit“, die wir ansprechen wollen? Welche verschiedenen Öffentlichkeiten können wir identifizieren und mit welchen Mitteln erreichen wir sie? Wie können wir mehr Menschen motivieren und aktivieren? Wie gewinnen wir eine breitere Öffentlichkeit für unsere friedenspolitischen Alternativen?

pax christi lädt mit ein zur 4. Strategiekonferenz der Kooperation für den Frieden in Bielefeld am nächsten Wochenende vom 20./21.2.2007

Diese Strategiekonferenz der Kooperation für den Frieden will dazu beitragen, mit gemeinsamen Strategien handlungsfähiger zu werden. In drei Arbeitsgruppen werden die Fragen vertieft und zugespitzt:

AG 1) Die Militarisierung der deutschen Außenpolitik und der EU AG 2) Militärische Absicherung neoliberaler Politik AG 3) Öffentlichkeitsarbeit praktisch

Anmeldungen sind noch diese Woche möglich unter info@koop-frieden.de !

Die katholischen Verbände haben zum Weltfriedenstag (1.1.2007) für ihre Gemeinsame Gebetsstunde am Freitag, dem 12.1.2007, das Motto gewählt: „menschenwürdig leben - friedensfähig werden“. Die heutige Gebetsstunde wird eröffnet mit den Worten: „Unser persönlicher, kirchlicher, gesellschaftlicher und politischer Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden findet seinen Glaubwürdigkeitstest, seinen „Eignungstest“ in unserer eigenen Person. Wir wollen von Herzen den Frieden suchen, ja, wie Paulus sagt, ihm „nachjagen“…“

pax christi ruft zum Gebet für den Weltfrieden auf - zusammen mit anderen katholischen Verbänden

Dazu wurde eine eigene Arbeitshilfe mit einem vierseitigen direkt umsetzbaren Vorschlag zur Gebetsstunde ausgearbeitet. Gedanken, Initiativen und Materialien zu diesem Doppelthema ergänzen das Heft. Die 8-seitige „Arbeitshilfe Gemeinsame Gebetsstunde zum Weltfriedenstag 2007“ ist auch noch nachträglich erhältlich über: verkauf-verlag@jugendhaus-duesseldorf.de (ab 10 Ex. à 25 Cent, ab 100 Ex. á 20 Cent)

Der Weltfriedenstag, zu dem der Papst zu Beginn jedes neuen Jahres einlädt, jährt sich 2007 zum vierzigsten Male. Papst Benedikt XVI. stellte ihn diesmal unter das Motto „Die menschliche Person – Herzmitte des Friedens“. Er ruft dazu auf, „dass jeder Christ sich verpflichtet fühlen möge, unermüdlicher Friedensstifter und mutiger Verteidiger der Würde des Menschen und seiner unveräußerlichen Rechte zu sein“. (Absatz 16) Er wendet sich nicht nur sehr deutlich gegen die „Nicht-Verbreitung von Nuklearwaffen“, sondern betont das „Bemühen, mit Entschiedenheit ihre Verminderung und ihren endgültigen Abbau zu verfolgen. Man lasse nichts unversucht, um auf dem Verhandlungswege diese Ziele zu erreichen! Das Schicksal der gesamten Menschheitsfamilie steht auf dem Spiel!“ (Absatz 15) Seine Friedens-Botschaft ist auf der Homepage des Vatikan sehr leicht unter dem „Focus Botschaft für den Frieden 2007“ abzurufen.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat unter dem offiziellen päpstlichen Motto zum Welttag des Friedens ihre „Arbeitshilfe Nr. 204“ veröffentlicht, worin die Gebetstunde der Verbände aufgenommen worden ist. Gratis-Bestellungen per E-Mail: broschueren@dbk.de oder per Tel. 0228 / 103-205

Der Trierer Altbischof Dr. Hermann Josef Spital ist am Abend des 10. Januar im Alter von 81 Jahren in Münster verstorben. 20 Jahre lang, von 1981 bis 2001, war er Bischof von Trier. Die Beisetzungsfeierlichkeiten beginnen am Mittwoch, 17. Januar um 10 Uhr in der Jesuitenkirche. Von hier führt das Trauergeleit in den Trierer Dom zum Pontifikalrequiem. Danach findet die Beisetzung in der Krypta statt. pax christi würdigt ihn mit diesem Nachruf.

pax christi trauert um ihren gestern Abend verstorbenen ehemaligen Präsidenten, Altbischof Dr. Hermann Josef Spital

Bischof Dr. Hermann Josef Spital war von 1989 bis 2002 Präsident der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi. Zuvor war er drei Jahre lang Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für pax christi. Solange es seine Kräfte zuließen, blieb er über diese Amtszeiten hinaus der pax christi-Bewegung verbunden. In dieser Zeit haben wir Bischof Spital als einen wahren Brückenbauer erlebt, der die Offenheit der Begegnung, die Bereitschaft und Fähigkeit zum Dialog und das Unterwegssein mit uns lebte.

Als Beauftragter der Bischofskonferenz stellte er sich unmittelbar der Auseinandersetzung um die Weltverantwortung der Christen und trat ein in einen Dialog mit der Bewegung über die Wege der Gewaltfreiheit. Für Bischof Spital war die Ernsthaftigkeit des Bemühens in pax christi, Wege aus der Gefahr des atomaren Wettrüstens zu finden, das Schlüsselerlebnis, das ihm die Tür zur Präsidentschaft öffnete. pax christi hatte einen Präsidenten gesucht und fand einen Freund.

In die Zeit seiner Präsidentschaft fallen u.a. das Ende der atomaren militärischen Abschreckung zwischen Ost und West, die Kriege auf dem Balkan, die militärischen Interventionen des Westens und die Anschläge des 11. September 2001. In diesen Zeiten des Umbruchs und der Verunsicherung war Bischof Spital stets ein aufmerksamer Beobachter der Entwicklungen, ein besonnener Ratgeber und ein entscheidender Impulsgeber. Die Errichtung des Zivilen Friedensdienstes geht wesentlich auf seinen Einsatz zurück. Bischof Spital lehnte militärische Interventionen nicht grundsätzlich ab, aber er sah die Defizite kriegerischer Konfliktlösung und setzte sich vehement für die Ausbildung und Entsendung von Fachkräften ein, die die Wunden von Hass und Gewalt heilen helfen. Bischof Spital verstand die Gewaltfreiheit des Evangeliums als bleibenden, stets aktuellen Stachel für Politik, Gesellschaft und Kirche.

Bischof Spital lebte aus dem Geist Jesu Christi. „Wer“, so fragte er in der Predigt zum 50- jährigen Bestehen der pax christi Bewegung, „könnte anders in der Mitte dieser heiligen Messe stehen als der, der uns mit Gott versöhnt hat – und der dadurch dem Frieden unter den Menschen ein ganz neues Fundament gegeben hat?“ Bischof Spital hat in Wort und Tat Zeugnis von diesem Friedenshandeln abgelegt. Er ist zu einem Bischof im Dienst am Frieden geworden. Hierfür gebührt ihm unser Dank über seinen Tod hinaus. Möge er ruhen in Gottes ewigem Frieden.

Fulda / Hamburg / Bad Vilbel, den 11. Januar 2007

+ Heinz-Josef Algermissen, Bischof von Fulda, Präsident

Gisela Wiese, Ehrenpräsidentin

Johannes Schnettler, Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstandes

pax christi begrüßt grundsätzlich die Bemühungen um eine EU-Verfassung als politischer Grundlage unseres vereinten, weltweit Frieden und Gerechtigkeit fördernden Kontinents. Der Jahreskongress der deutschen Sektion im Mai 2006 „Europas Friedenspflicht und soziale Verantwortung: Welches Europa wollen wir?“ formulierte die beiden anstehenden „Grundfragen“ so:

pax christi ermutigt die deutsche EU-Ratspräsidentschaft zu einem Neuansatz beim EU-Verfassungsvertrag.

„Liegt Europa auf Eis? - Der Einigungsprozess Europas ist an einer entscheidenden Stelle ins Stocken geraten, nachdem die Plebiszite in Frankreich und den Niederlanden scheiterten. Gerade auch überzeugte Europäer hatten ihr Unbehagen zum Vertragstext geäußert. Wir haben die verordnete „Denkpause“ als Pause zum Denken verstanden, denn die strittigen Themen gehören auf den Tisch: 1. Wird in der gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik durch die Dominanz militärischer Strukturen die Verpflichtung zum Frieden ausgetrocknet? Oder entwickelt Europa ein breites Instrumentarium für zivile Konfliktlösung? 2. Beugt sich Europa den ökonomischen Zwängen der Kapitalisierung aller Lebensbereiche? Oder verteidigt es soziale und ökologische Standards?“


Wir haben uns als katholische Friedensbewegung deshalb seit Jahren kritisch mit den ersten beiden Entwürfen für einen Verfassungsvertrag befasst und insbesondere die Aspekte militärischer Aufrüstung, sozialer Unausgewogenheit und mangelnder demokratischer Legitimität kritisiert. Dazu sind drei Impulse-Hefte im Sekretariat der deutschen Sektion (à 1 Euro) verfügbar: eine Kritik des ersten Entwurfs des EU-Verfassungsvertrages mit diesen drei Schwerpunkten und ein „Leitlinien für eine EU-Verfassung“ – ergänzt durch eine aktuelle Grundsatzkritik des in Frankreich und den Niederlanden abgelehnten zweiten Entwurfs. Schließlich formuliert das Memorandum des Präsidiums vom September 2006 eine Vision Europas: „Europa eine Seele geben“.

Die deutsche Sektion von pax christi wünscht Ihnen allen ein gesegnetes, friedliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. Das pax christi-Sekretariat ist geschlossen vom 21. Dezember bis einschließlich 2. Januar 2007. Ab Mittwoch, dem 3. Januar, ist das Büro wieder besetzt.

Nutzen Sie die Zeit zwischen den Jahren zum Innehalten und schauen Sie sich mal auf unseren Internetseiten in Ruhe um!

Bitte beachten Sie auch unsere Kurzmeldung vom 18. Dezember, in der um Advents- und Weihnachtsgrüße nach Bethlehem gebeten wird. Die Menschen in Bethlehem wissen auch nach Weihnachten noch Wünsche, Grüße und Solidaritätsbekundungen zu schätzen und freuen sich darüber.

Als „enttäuschend“ bewertet die katholische Kirche, dass der jüngste Beschluss der Innenminister der Länder zum Bleiberecht für langjährig geduldete Flüchtlinge die humanitären Aspekte „insgesamt nur unzureichend berücksichtigt“ habe. Der Beschluss bleibe weit hinter den „berechtigten Erwartungen“ der Kirchen zurück, kritisiert Weihbischof Josef Voß aus Münster, der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz. Die jetzt getroffene Reglung greife ein seit Jahren drängendes Problem „endlich“ auf, sie könne aber nur ein erster Schritt sein: „Entscheidende Probleme bleiben offen.“

Katholische Kirche: „Humanitäre Aspekte insgesamt nur unzureichend berücksichtigt“

Weihbischof Voß kritisiert insbesondere die direkte Kopplung des Bleiberechtes an ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis. Dies werde der Realität nicht gerecht: „Die Bedingung können nicht einmal alle deutschen Bürger erfüllen.“ Die von den Innenministern gesetzte Frist für den Nachweis eines Arbeitsplatzes bis September 2007 sei unrealistisch und zu kurz bemessen. Einen Widerspruch sieht Voß darin, dass in der Zuwanderungspolitik einerseits vom „Kampf um die besten Köpfe“ gesprochen werde, aber andererseits langjährig Geduldete abgeschoben würden, die nachweislich ihre Bereitschaft zur Integration gezeigt hätten und deren Kinder in der Schule zum Teil beste Abschlüsse vorweisen könnten. „Das ist nicht mehr nachvollziehbar und nicht vermittelbar“, verdeutlicht der Weihbischof nach Angaben der Bischöflichen Pressestelle Münster. Unrealistisch sei auch, dass behinderte oder kranke Menschen ihren Lebensunterhalt nur sehr schwer dauerhaft und vollständig allein bestreiten könnten. Hier müssten angemessene Ausnahmeregelungen gefunden werden. Der „Migrationsbischof“ der Deutschen Bischofskonferenz erkennt an, dass der Innenministerbeschluss der Situation ausländischer Staatsangehöriger Rechnung trägt, die ein oder mehrere minderjährige Kinder haben, welche Kindergarten oder Schule besuchen und seit sechs Jahren in Deutschland leben. Mit diesen Grenzen müsse aber flexibel umgegangen werden, fordert Voß. Zu starre Grenzen bei der erforderlichen Aufenthaltsdauer verhinderten gerechte Lösungen. Es könne nicht angehen, dass es sich in einem demokratischen, sozialen Rechtsstaat nachteilig auswirke, wenn Betroffene in ihrem Asylverfahren die vorgesehenen Rechtsmittel ausschöpfen. Die zentrale Sorge der Kirche, die „nicht zur Disposition steht“, gelte dem Schutz von Ehe und Familie. Familien bräuchten eine Lebensperspektive. Deswegen dürften nicht ganze Familien vom Bleiberecht ausgeschlossen werden, wenn ein einzelnes Familienmitglied wegen Straffälligkeit nicht in den Genuss der Regelung komme. Voß warnt davor, Entscheidungen nur nach Nützlichkeitserwägungen zu treffen, so dass die Betroffenen aus dem Blick gerieten. Gerade bei Menschen, die lange in Deutschland lebten, deren Kinder hier geboren seien und aufwüchsen, die sich in diesem Land integrieren wollten und hier ihre Heimat hätten, müsse man fragen: „Darf man ihnen eine Abschiebung in eine völlig unsichere Zukunft zumuten?“ Erfahrungen aus den Gemeinden vor Ort zeigten, dass „die Abschiebepraxis bei langjährig Geduldeten eine Grenze erreicht, die menschlich nicht mehr zumutbar ist“, kritisiert Voß, der Regionalbischof für die Bistumsregion Coesfeld-Recklinghausen ist. Wer sich auf das christliche Menschenbild berufe, dürfe die Frage nicht ausklammern, was denn dem Menschen zugemutet werden könne: Das Gesetz ist für den Menschen da und nicht der Mensch für das Gesetz.“ (aus dem Pressedienst des Bistums Münster Nr. 50 vom 13.12.2006)

Als unglaubwürdig betrachtet die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) den Anspruch der Bundesregierung, eine restriktive Rüstungsexportpolitik zu verfolgen.“Wir halten die Politik für expansiv“, erklärte der Evangelische Vorsitzende der ökumenischen Organisation, Prälat Stephan Reimers, bei der Vorstellung des Rüstungsexportberichts der GKKE am Montag in Berlin. Basis für diese Einschätzung der GKKE sei der steile Anstieg des Werts der exportierten Kriegswaffen um mehr als 40 Prozent auf 1,65 Milliarden € im Jahr 2005 gegenüber 1,13 Milliarden € im Vorjahr. Auch bei den Rüstungsgütern gibt es nach den von der Bundesregierung vorgelegten Zahlen einen Anstieg von 3, 8 Milliarden € auf 4,2 Milliarden €.

Kirchen kritisieren Lieferungen in Spannungsgebiete

Die besondere Kritik der GKKE gilt den hohen Ausfuhren in Entwicklungsländer, die zugleich Empfänger öffentlicher Entwicklungshilfe sind. Sie erhielten 2005 Rüstungsgüter im Wert von 1,65 Milliarden €. Die Lieferungen in Länder der Krisenregion des Nahen und Mittleren Ostens kritisiert die GKKE als „Abkehr vom Grundsatz, Waffen nicht in Spannungsgebiete zu liefern“. Bernhard Moltmann, Vorsitzender der Fachgruppe der GKKE, die den Bericht erstellt hat, bemängelte die geringe Bindungskraft von politischen Selbstverpflichtungen. Obwohl Deutschland den EU-Verhaltenskodex für Rüstungsausfuhren übernommen hat, wurden in 46 Fällen Ausfuhrgenehmigungen erteilt, ohne dass wesentliche Kriterien des Kodex wie die Achtung der Menschenrechte oder die Abwesenheit interner Gewaltkonflikte erfüllt waren. Die GKKE äußerte die Erwartung, dass die Bundesregierung ihre EU-Präsidentschaft zu einer Aufwertung des Verhaltenskodex zu einer verbindlichen EURegelung nutzt.

Der katholische GKKE-Vorsitzende, Prälat Karl Jüsten, kritisierte Ausführungen des Weißbuchs der Bundesregierung zur Sicherheitspolitik, die der Rüstungsindustrie Unterstützung bei ihren Bemühen um Exporte und Kapazitätsauslastung zusagen und damit einer weiteren Steigerung der Ausfuhren Vorschub leisten können. Er mahnte einen sorgfältigen Umgang mit den ehtischen Implikationen von Waffenexporten an, bei denen „es nicht nur Sach-, sondern auch um Wertentscheidungen geht“.

Für pax christi arbeitet Rechtsanwalt Dr. Holger Rothbauer (Tübingen) in der Arbeitsgruppe der GKKE mit.

Wie jedes Jahr im Dezember lädt Pax Christi International (PCI) mit befreundeten Organisationen dazu ein, Advents- und Weihnachtsbriefe, Wünsche und Gebete an die Menschen in Bethlehem zu schreiben. "Einen Wunsch oder ein Gebet mittels E-Mail zu senden ist ein wichtiger Weg zur Kommunikation mit vielen Menschen, die sich nach einem Wort der Hoffnung sehnen. Unsere Partner in Bethlehem sind sehr froh über Wünsche und Gebete von Menschen von außerhalb der Region, sowohl als persönliche wie auch als geistliche Zeichen der Verbundenheit und Hoffnung in der Weihnachtszeit.", heißt es in dem Aufruf von PCI.

Die Botschaften können per  E-Mail in Englisch oder auch in Deutsch  peace-message@paxchrist.net geschickt werden; dies ist eine Unter-Adresse von Pax Christi International (PCI). Von dort werden die Briefe zu Weihnachten weitergeleitet und oftmals auch vor Ort vorgelesen. Sie werden auf jeden Fall intensiv als christliche Solidaritätszeichen wahrgenommen.

„Die deutsche Sektion befasst sich im kommenden Jahr mit den Konzepten von Rohstoffsicherung als neuer Aufgabe der Bundeswehr im Weißbuch der Bundesregierung. Wir bewerten diese Überlegungen als Bruch des Grundgesetzes und als Aufkündigung des Konsenses, dass zur Durchsetzung wirtschaft¬licher Interessen und zur Wohlstandssicherung keine militärische Gewalt angewendet werden darf. Die deutsche Sektion thematisiert diese Frage als Bekenntnisfrage für Christen.“

Beschluss des Präsidiums

Dies hat das Präsidium der deutschen Sektion von pax christi am letzten Wochenende beschlossen. Damit folgte es einem Initiativantrag der Bistumsstelle Rottenburg-Stuttgart bei der Delegiertenversammlung der deutschen Sektion Anfang November in Fulda.


Die Begründung des Antrages lautete:

Die Bundesregierung beschloss vor kurzem ein neues Weißbuch der Bundeswehr, das die Aufgaben der Bundeswehr neu definiert. Es geht von einem erweiterten Sicherheitsbegriff aus, der die Rohstoffsicherung und den freien Welthandel umfasst.

Die Sicherung des „freien und ungehinderten Welthandel(s) als Grundlage unseres Wohlstands“ wird vom neuen Weißbuch als zukünftige Aufgabe der Bundeswehr gesehen. Die Bundesregierung nimmt damit den Bruch des Grundgesetzes bewusst in Kauf, das den Einsatz der Bundeswehr ausdrücklich auf die Territorialverteidigung beschränkt.

Auch die Strategiepapiere der NATO und der Europäischen Union sehen in der Sicherung von Energie- und Rohstofflieferungen eine künftige Aufgabe europäischer Streitkräfte und der NATO.

pax christi-Mitglied Peter Bürger (Düsseldorf) hat in diesem Zusammenhang eine "Ökumenische Erklärung von Christinnen und Christen aller Konfessionen zu Militärdoktrinen im Dienste nationaler Wirtschaftsinteressen" entworfen, die online unterzeichnet werden kann.

Schulklassen und Jugendgruppen sind herzlich dazu eingeladen, an einem Wettbewerb teilzunehmen, der von den deutschen, französischen, britischen und portugiesischen Sektionen von pax christi ausgeschrieben wird. Es soll eine Powerpoint-Präsentation von max. 2 Minuten auf CD erstellt werden, in der dargestellt wird, was ein friedliches Miteinander in Schule und Gruppe ausmacht. Als 1. Preis winkt eine Einladung nach Brüssel im Frühjahr 2007

darüber hinaus noch 5 weitere Reise-Preise, nämlich Besuche an friedensrelevanten Orten, Aktionen und Führungen in einigen Bistumsstellen. Weitere 5 Preise werden die pax christi-Büchlein "Frieden stiften jeden Tag" sein.

Das Anmeldeformular sollte möglichst bis zum 15. Dezember 2006 im pax christi-Sekretariat eingetroffen sein (es werden aber auch noch spätere Anmeldungen akzeptiert), die CD mit der Powerpoint-Präsentation muss bis zum 30. Januar 2007 an das pax christi-Sekretariat geschickt werden.

Die Jury besteht aus folgenden Personen: Michael Rösch (Augsburg), Christiane Paulussen (Aachen), Reinhard J. Voß (Bad Vilbel) und Maik Weelink (Münster).

Das Gewinnerteam wird voraussichtlich in der dritten Märzwoche 2007 für 4-5 Tage nach Brüssel eingeladen.

Am 6.12.2006 hat unter dem Druck von Wahlniederlagen der Republikaner in den USA die sog. Baker-Hamilton-Kommission zum Irakkrieg deutlich gemacht: „Wir empfehlen nicht, den gegenwärtigen Kurs beizubehalten.“ Die überparteiliche Kommission empfiehlt als militärisches Ziel, im ersten Quartal 2008 "alle Kampfbrigaden aus dem Irak abzuziehen", die nicht für notwendige Schutzaufgaben benötigt werden. Statt auf Kampfaufgaben sollten sich die verbleibenden US-Soldaten auf die Ausbildung der irakischen Armee konzentrieren. Auch in der Diplomatie legt die Kommission dem Weißen Haus eine Abkehr von der bisherigen Politik nahe.

Die US-Regierung müsse Gespräche mit den Regionalmächten Syrien und Iran aufnehmen. Beide Länder verfügten "über die Fähigkeit, die Ereignisse im Irak zu beeinflussen". Die Kommission empfiehlt eine Einbeziehung Deutschlands in die diplomatischen Bemühungen im Rahmen einer internationalen Unterstützungsgruppe, die durch eine gemeinsame diplomatische Anstrengung einen Ausweg aus der Krise weisen soll.

Auch wenn noch völlig unklar ist, was die Bush-Regierung davon wirklich umsetzen wird, scheint doch ein Strategiewechsel im Irak von der Besatzung zum wirklich selbstbestimmten Aufbau des irakischen Staates wahrscheinlich. Voraussetzung dafür ist ein Abzug der Kampftruppen aus dem Land und eine breite international abgestimmte Initiative der Diplomatie und des Dialoges.

Das pax christi-Präsidium hat Anfang des Jahres 2006 in seiner Erklärung „Iraks Zukunft muss selbstbestimmt und frei von Terror sein“ auf die sich etablierenden internen Terror-Strukturen im Irak hingewiesen und betont: „Die politische Aufgabe besteht in der doppelten Herausforderung, den Übergang zu einer neuen zivilen Gesellschaft möglichst gewaltarm zu organisieren und zugleich eine Abzugs-Strategie für die ausländischen Truppen zu entwickeln.“

Alle Bemühungen sind nunmehr zu unterstützen, die den „Kampfauftrag“ möglichst rasch beenden, d. h. konkret: die Kampftruppen der USA und der im Irak verbliebenen Nationen abzuziehen, die US-Militärbasen im Irak aufzulösen und überzugehen zur unterstützenden Beratung und Polizeiausbildung sowie zu vielfältigen Hilfen beim zivilgesellschaftlichem Aufbau und bei der Entwicklung und innerer Befriedung des Irak.

Es ist zu hoffen, dass die neue Bereitschaft zum Dialog auch Direktkontakte der USA zu Syrien und zum Iran einschließen wird, denn durch die gegenseitige Stigmatisierung (als „Schurkenstaaten“ und „Teufel“) ist der Frieden in der Region niemals gefördert worden.

pax christi unterstützt die Bundesregierung darin, ihre diplomatischen Kontakte zu den verschiedenen Konfliktparteien im Nahen und Mittleren Osten im Sinne der Befriedung und des Dialoges zu nutzen und auszubauen, damit das „europäische Modell“ ziviler Konfliktbearbeitung und multilateraler Verhandlungen endlich zum Durchbruch kommt. Es gilt den zivilen Aufbau des Landes durch finanzielle und personelle Wirtschaftshilfe sowie Polizeikräfte-Ausbildung zu fördern und die Verbreitung und Anwendung von Methoden ziviler Konfliktbearbeitung zu ermöglichen. Die EU sollte darüber hinaus in enger Abstimmung mit den Partnern innerhalb des Nahost-Quartetts (UN, Russland und USA) als Initiatorin einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Mittleren Osten (KSZ-MO) auftreten und dabei ihre guten Erfahrungen der KSZE einbringen.

pax christi sieht in diesem Prozess auch Chancen und Aufgaben von Kirchen und Religionen - vor Ort und bei internationalem Austausch und gegenseitiger Hilfe - und wird sich weiter darum bemühen, diese zu verstärken.

Bad Vilbel, den 11.12.2006

pax christi erinnert am heutigen 10. Dezember, dem Jahrestag der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die UN im Jahre 1948, an die zahllosen Menschenrechtsverletzungen weltweit und gedenkt der Opfer.

Die deutsche Sektion von pax christi arbeitet zur Zeit zur Zeit u.a. in und zu Sri Lanka, den Philippinen und Nahost - Länder und Regionen, die seit Jahrzehnten von Konflikten und Menschenrechtsverletzungen heimgesucht werden.

Im Inland ist der Umgang mit Flüchtlingen ein zentrales Menschenrechts-Thema von pax christi.

Das Foto zeigt Frau und Tochter von W. V. Vimalathasdes, der im August zusammen mit dem katholischen Priester Father Jim Brown nach einer Straßensperre des Militärs "verschwunden" ist. Beide sind seither nicht wieder aufgetaucht (siehe Link zur Kurzmeldung vom 31.10.2006).

Informieren Sie sich auf den folgenden Seiten weiter über unsere Arbeit:

Herr Rami Khouri und Frau Ogarit Younan werden am 8.12.2006 im Rahmen der Dritten Regionalen Konsultation zum Nahen Osten von Pax Christi International (PCI) in Larnaka, Zypern, geehrt.

Am heutigen Freitag wird der Pax Christi Peace Award 2006 verliehen

Rami Khouri ist ehemaliger Herausgeber, Kolumnist und Reporter und arbeitet derzeit für die englischsprachige libanesische Zeitung „The Daily Star“; außerdem ist er Instituts-Direktor an der Amerikanischen Universität von Beirut.

Ogarit Younan ist Gründungsmitglied der libanesischen Vereinigung für Bürgerrechte, die 2003 gegründet wurde und sich für Bürgerrechte und Gewaltfreiheit einsetzt. Das anspruchsvolle aktuelle Ziel ist es, 100 Häuser der Gewaltfreiheit im Libanon zu gründen.

Dieser Preis wird seit 1988 an Personen oder Organisationen verliehen, die sich um Frieden und Menschenrechte verdient gemacht haben.

Auch im kommenden Jahr ruft pax christi gemeinsam mit anderen katholischen Organisationen auf zur Teilnahme an der Gemeinsamen Gebetsstunde zum Weltfriedenstag. Dazu wurde eine Arbeitshilfe herausgegeben, in der das Papstmotto für den Weltfriedenstag am 1.1.2007 "Die menschliche Person, Herzmitte des Friedens" aufgegriffen und mit dem Titel der Arbeitshilfe interpretiert wurde: "menschenwürdig leben - friedensfähig werden".

Arbeitshilfe zur Gemeinsamen Gebetsstunde am 12. Januar 2007 zum Weltfriedenststag

Die Arbeitshilfe kann in Einzelexemplaren hier im pax christi-Sekretariat gegen Versandkostenerstattung bestellt werden: sekretariat@paxchristi.de

Wer mehr Exemplare braucht, möge sie direkt bestellen (8 S. DIN A 4, Mindestabnahme 10 Ex. à 25 Cent, 100 Ex. à 20 Cent plus Versandkosten) beim

BDKJ
Postfach 32 05 20
40 420 Düsseldorf
jugendpastoral@afj.de
Direktkontakt:
Dr. Hobelsberger
Tel.: 0211/ 48 47 66-18

Am 27. Januar 2007, dem deutschen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird pax christi einem Kästchen mit Erde aus Auschwitz-Birkenau in der pax christi-Kapelle der Kirche des Hl. Bernhard von Clairvaux in Speyer einen öffentlichen Platz geben. Dieses Kästchen ist ein Geschenk polnischer Freundinnen und Freunde, das sie anlässlich einer Sühnefahrt nach Auschwitz im Jahre 1984 als Zeichen der Versöhnung an pax christi überreichten. pax christi sieht heute die Zeit gekommen, die damalige Geste der Versöhnung öffentlich zu würdigen und mit einem dauerhaften Ort für die Erde aus Auschwitz-Birkenau ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.

Einladung zu Feierstunde und Gottesdienst am 27. Januar 2007 in Speyer

Seit ihrer Gründung im Jahre 1953 ist die pax christi-Kapelle in Speyer ein Ort der Mahnung gegen den Krieg und zugleich Ort des Gebets und der Begegnung. Gemeinsam erbauten Franzosen und Deutsche Kapelle und Kirche. Die Kapelle ist so selbst steingewordenes Zeugnis der Versöhnung zwischen ehemals verfeindeten Ländern. Mit der Erde aus Auschwitz-Birkenau an diesem Ort wird der Blick geweitet: auf die polnischen und vor allem die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und die Schritte der Versöhnung, die bis heute möglich wurden. Die pax christi Kapelle möge zu einem Ort des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und der Mahnung werden, die Erinnerung an Auschwitz wach zu halten und für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden weltweit einzustehen. Eine Inschrift soll Besucher auf die Bedeutung des Ortes mit diesen Worten hinweisen:

Hier wird Erde aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau aufbewahrt. Zwischen 1940 und 1945 ermordeten die Nationalsozialisten dort etwa anderthalb Millionen Menschen. Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas. Anlässlich einer Sühnefahrt im Jahre 1984 überreichten die polnischen Gastgeber diese Erde an pax christi als Zeichen der Versöhnung. Hier sei die Erde dieses Ortes „allzeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit“, wie es auf der Gedenktafel von Birkenau heißt.“

 Im Rahmen einer Feierstunde und eines Gottesdienstes mit dem Präsidenten der deutschen Sektion von pax christi, Bischof Heinz Josef Algemissen, Fulda, wollen wir dem Geschenk der Versöhnung diesen öffentlichen Platz geben. Wir möchten Sie und euch herzlich zu diesem Anlass nach Speyer einladen.

Veronika Hüning, Vizepräsidentin

Johannes Schnettler, Vizepräsident

Schlechte Nachrichten aus Jaffna: Der Direktor des von pax christi und dem Oblatenorden getragene Direktor des Centre for Peace and Reconciliation und drei weiterer Personen stehen unter Anklage. Wir werten das Verfahren als Angriff auf die Friedensarbeit vor Ort.

Auslöser für die Anklage war ein Vorfall am Freitag, den 24.11. in Jaffna Stadt. Zwei Jugenliche wurden aus einer Warteschlange für Lebensmittel von Militärs festgenommen, weil sie im Besitz von Postkarten waren, deren Inhalt als "Landesverrat" gewertet wird. Father Bernard und ein zweiter katholischer Priester, Father Francis Xavier Jeyasegaram, setzten sich beim Kommandanten von Jaffna für die Freilassung der Jugendlichen ein. Beide handelten im Auftrag der Commission of Justice and Peace, die direkt dem Bischof von Jaffna untersteht. Die Militärs nahmen auch die beiden Priester fest und beschuldigten sie, die Postkarten verteilt zu haben. Alle vier Festgenommenen wurden gegen Kaution noch am gleichen Tag frei gelassen.

pax christi wertet die haltlose Anklage als ein Versuch der Militärs, jegliche Stimme für Frieden und Gerechtigkeit in Jaffna zum Schweigen zu bringen. Unsere Solidarität gilt den Betroffenen.

Das Foto zeigt Father Bernard im Mai diesen Jahres.

Gerade erst wurde die diesjährige 27. Ökumenische FriedensDekade mit dem Buß- und Bettag abgeschlossen, da hat der Trägerkreis auf seiner Sitzung in Fulda am 27./28.11.2006 schon das Motto für das Jahr 2007 beschlossen. „andere achten“ ist das zentrale Motto im kommenden Jahr, mit dem das Thema politischen, kulturellen und religiösen gegenseitigen Respekts sowie die Forderung nach uneingeschränkter Anerkennung des anders Denkenden ins Zentrum der Friedensarbeit gestellt wird.

Die Ökumenische FriedensDekade legt das Thema für 2007 fest.

Getragen wird die FriedensDekade von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) in Bonn und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Frankfurt. Im Gesprächsforum der FriedensDekade wirken außerdem mit: die katholische Friedensbewegung pax christi – deutsche Sektion, die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej), der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), Pro Asyl u.a.

„Mit dem neuen Motto möchte die FriedensDekade der biblischen Forderung nach der Achtung gegenüber allen Menschen, sei es in unserer eigenen Gesellschaft oder auch im Ausland, sei es anderer Religionen, Weltanschauungen oder Kulturen, Nachdruck verleihen. Menschen werden in vielfältiger Weise missachtet, manchmal im direkten Kontakt, aber auch dadurch, dass die einen die anderen gar nicht erst wahrnehmen“, so Jan Gildemeister, Geschäftsführer der AGDF in Bonn.

pax christi-Generalsekretär Dr. Reinhard J. Voß, der sich auf der Tagung sehr für dieses Motto eingesetzt hatte, sieht in diesem Wort eine „Zeitansage“: „In einer Zeit, in der immer skrupelloser persönlich und politisch – und zunehmend auch militärisch - das Eigeninteresse verfolgt und zum Maßstab gemacht wird, gilt es neu zu betonen, dass nicht nur Toleranz, sondern vielmehr Respekt voreinander die Grundlage für die Entwicklung von Gerechtigkeit, Frieden und Achtung vor der Schöpfung sind.“

Wo und wie dies geschieht, darauf will die nächste Ökumenische FriedensDekade im kommenden Jahr vom 11.-21. November aufmerksam machen. Dabei wird auch die Forderung nach verstärkten zivilen statt militärischen Lösungsansätzen von Konflikten eine Rolle spielen. Der neutestamentarische Text aus dem Philipperbrief (Kapitel 2, Verse 3-4) bildet – zusammen mit Genesis 13 - den biblischen Bezugsrahmen zum Motto. Dort heißt es: „.Nichts geschehe aus Streitsucht oder eitler Ruhmsucht, vielmehr achte in Demut jeder den andern höher als sich selbst. Jeder sei nicht nur auf das Eigene bedacht, sondern auch auf das der Anderen.“

Die Dekade findet traditionell in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag statt, also nächstes Jahr vom 11.-21.11.2007. Wie in diesem Jahr erhoffen sich die Verantwortlichen auch für die Dekade 2007 im ganzen Bundesgebiet die Durchführung von über 2.000 Gottesdiensten, Veranstaltungen und Gebeten für den Frieden. Im Jahr 2006 war das Arbeitsmaterial der Ökumenischen FriedensDekade erneut von unzähligen Kirchengemeinden, Jugendgruppen und Friedensinitiativen aufgegriffen worden. Es liegt zum Evangelischen Kirchentag ein erster Flyer vor; das Material ist dann ab Ende Juli zu bestellen.

Die derzeitige Papstreise unter dem Motto der „pax christi“ betont somit auch die Anliegen der internationalen katholischen Friedensbewegung. Papst Benedikt XVI. hat in der Türkei bei seinem ersten Gottesdienst vor dem Marienheiligtum bei Ephesus zum Frieden, besonders im Nahen Osten, aufgerufen.

Seine Türkeireise steht unter dem Motto „Christus ist unser Friede“

Papst Benedikt XVI. sagte: „Lasst uns von diesem Teil der anatolischen Halbinsel, der natürlichen Brücke der Kontinente, Frieden und Versöhnung vor allem für jene erflehen, die in dem Land leben, das wir heilig nennen!“ Es solle sich das Wort des Propheten Jesaja erfüllen, dass Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden. An historischer Stätte ging er auch auf das dem Epheserbrief entnommene Motto seiner Reise „Christus ist unser Friede“ ein und betonte: „Die Kirche selbst müsse „Zeichen und Werkzeug“ des universalen Friedens sein; sie dürfe sich nicht nur auf dessen Verkündigung beschränken. Angesichts der gemeinsamen Aufgaben für den Weltfrieden werde das Streben nach voller Einheit zwischen allen Christen noch stärker.

Im Atatürk-Mausoleum hatte er ins Gästebuch geschrieben: „Frieden im Land – Frieden in der ganzen Welt.“ Der Papst setzt bei seiner Reise zur Stärkung der in der Türkei lebenden Christen verschiedener Konfessionen (zwischen 100.000 und 150.000) auch deutliche Akzente des interreligiösen Dialoges.

Der argentinische Menschenrechtler Adolfo Perez Esquivel wird am heutigen Sonntag 75 Jahre alt. Er erhielt nach 14monatiger Haft unter der Mlitärdiktatur und weltweiten Protesten, die schließlich zu seiner Freilassung führten, 1980 den Friedensnobelpreis. In Deutschland wurde der Architekt und Künstler breiten Kreisen bekannt durch ein Hungertuch, das er für Misereor schuf. Er war lange Jahre Koordinator von SERPAJ (Servicio Paz y Justicia), einem Ökumenischen Dienst für Frieden und Gerechtigkeit, der heute in 14 Ländern vertreten ist.

pax christi gratuliert dem argentinischen Friedensnobelpreisträger zum 75. Geburtstag

In einer gerade erschienenen Biografie würdigt die Schweizerin Marianne Spiller-Hadorn, eine langjährige Freundin der Familie und in der Menschenrechtsarbeit in Brasilien aktiv, Adolfo Perez Esquivel als gewaltfreien Rebell und argentinischen Gandhi: "Der gewaltfreie Rebell", Orell-Füssli-Verlag, Zürich 2006. Die Herausgeberin hat darin viele Gespräche mit dem Jubilar festgehalten, Teile aus seiner Autobiographie übersetzt, eine Fülle von Fotos und Kunstwerken des Autors abgebildet und manche politischen Beiträge von Esquivel abgedruckt. Es ist die erste umfassende Lebens-Dokumentation des Friedensnobelpreisträgers in deutscher Sprache.

Derzeit bemüht sich der Menschenrechtler, die Täter von damals vor Gericht zu bringen. Amnestiegesetze, die erst im vergangenen Jahr für verfassungswidrig erklärt wurden, hatten dies über Jahrzehnte verhindert. Zuletzt wurden die ersten Angeklagten wegen Folter und Mordes verurteilt. Insgesamt fielen der Militärdiktatur in Argentinien rund 30.000 Menschen zum Opfer. In Deutschland initiierte Perez Esquivel die "Koalition gegen Straflosigkeit", in der auch pax christi mitwirkt. Dort wird u.a. versucht, das Schicksal jener Deutschen zu klären, die in Argentinien während der Diktatur "verschwanden".

Die pax christi-Freiwillige Ursel Kamman berichtet über ihre Erfahrungen im Rahmen des Ökumenischen Begleitdienstes für Palästina und Israel. Ihr Bericht gibt einen Einblick in den Alltag der Menschen in der Westbank.

Im Rahmen des EAPPI Programms bin ich mit drei anderen EAs tätig in Yanoun, ca. 15 km östlich von Nablus. Die wichtigste Aufgabe ist, hier im Dorf Präsenz zu zeigen. Das Dorf hatte jahrelang unter den Angriffen von Siedlern sehr zu leiden, die hier einen Aussenposten der Siedlung Itamar gegründet haben. Die Bewohner hatten das Dorf im Oktober 2002 verlassen, gezwungen von den Siedlern. Unter dem Schutz israelischer und internationaler Gruppen kehrten die Bewohner zurück, seitdem sind ständig internationale Beobachter anwesend, seit 2003 ist das EAPPI Programm zuständig für das Dorf.

Wir gehen ausserdem regelmässig zu Checkpoints, z.B. Huwwara, kurz vor Nablus, besuchen die Kirchen in Nablus und Organisationen, die dort tätig sind, vor allem in Balata, dem grössten Flüchtlingskamp (ca. 22.000 Menschen leben dort auf 2 qkm), und haben jetzt viel bei der Olivenernte geholfen.

Hier im Dorf leben wir zwar spartanisch, jedoch idyllisch mit den Bewohnern und sind gern gesehen. Verlasen wir das Dorf, so erleben wir den Druck und die Spannung, die in der Westbank herrschen. Mein Empfinden ist, dass der Druck ständig zunimmt, anders gesagt, dass das israelische Militär den Druck ständig erhöht. Die Meldungen aus Gaza stehen ja nun auch wieder in der Weltpresse. Was wir hier ausserdem lesen sind die "kleinen" Meldungen aus der hiesigen Presse: ständig, fast jede Nacht, Überfälle in Nablus, besonders im Flüchtlingslager Balata oder im Camp Ain Beit Al Ma, immer Verhaftungen, häufig Tote, oft Frauen und Kinder. Die Begründung ist immer, dass Mitglieder einer terroristischen Vereinigung gesucht werden. In allen Städten der Westbank ist israelisches Militär unterwegs. Ständig werden Menschen verhaftet und getötet. Am 18.10.06 war eine Meldung in Ma'annews, dass die israelische Streitkräfte zwei Brüder im Alter von 12 und 7 Jahren verhaftet haben. Sie durchsuchten das Haus einer Familie, der Gesucht war der Vater Yaser Hanaysheh, und nahmen dann die beiden Kinder mit. So eine Durchsuchung bedeutet meist auch Zerstörung von Mobiliar und Verwüstung des Hauses.

Erfahrungen an einer Straßensperre

Am Sonntag, 5.11. 2006, waren wir mit unserem sehr zuverlässigen Fahrer unterwegs. Die Gegend war voller israelischer Militärfahrzeuge. Er kennt natürlich alle Schleichwege und fuhr uns dann nach Nablus. Wir kreuzten die Hauptverkehrsstrasse von Ramallah nach Jenin, sie war von Militärfahrzeugen blockiert, lange Autoschlangen hatten sich gebildet. Es hiess, es würde ein Verdächtiger gesucht.Wir fuhren zum Teil über Feldwege, um unser Ziel zu erreichen. Auf der Rückfahrt von Nablus bei Dunkelheit standen wir plötzlich einem israelischen Militärfahrzeug gegenüber, die Scheinwerfer voll aufgeblendet, die Strasse gesperrt. Unser Fahrer öffnete sein Fenster und rief hinüber, keine Antwort. Hinter uns bildete sich eine Schlange von Fahrzeugen. Der Fahrer rief nochmal, da stiegen zwei Soldaten aus dem Jeep, der eine maskiert mit dem Gewehr auf unser Fahrzeug gerichtet, der andere kam auf das Taxi zu, trat gegen den Reifen und brüllte auf den Fahrer ein. Die Botschaft war: zurück, die Strasse ist gesperrt. Unser Fahrer fragte etwas und der Soldat kam ans Fenster, beugte sich herein und rempelte den Fahrer wiederholt mit dem Gewicht seines Körpers an und beschimpfte ihn. Ich konnte zwar die Worte nicht verstehen, aber Gestik und Tonfall waren eindeutig. Der andere Soldat hob langsam sein Gewehr höher. Unser Fahrer drehte dann um und brachte uns, wieder über Feldwege, nach Hause. Er erzählte uns später, dass in der Nähe ein Dorf vom Militär durchsucht würde. Der Vorwurf lautete, die Bewohner hätten Schafwolle von einem Haufen genommen, der an der Strasse lag und den Israelis gehörte. Die Schafwolle wird hier von den Schäfern einfach liegen gelassen, weil es sich nicht lohnt, sie zu verarbeiten. So war es offensichtlich nur ein Vorwand, um die Dorfbewohner zu belästigen.

Checkpoint 300 – ein Nadelöhr

Am 3.11.2006 war ich bei der EAPPI Gruppe in Bethlehem zu Besuch und begleitete sie beim morgendlichen Besuch am Checkpoint 300 zwischen Bethlehem und Jerusalem - ein Beispiel für strukturelle Gewalt. Es ist eigentlich der grosse und offizielle Übergang zwischen den beiden Städten und sollte 24 Stunden geöffnet sein. Da er nur von Palästinensern mit einer Sondergenehmigung benutzt werden kann, die nur von 5 Uhr morgens bis 21 Uhr abends gilt, wird der Checkpoint auch erst ab 5 Uhr geöffnet. Als wir um 5 Uhr ankamen warteten etwa 200 Menschen. Erst nach mehreren Anrufen beim Checkpont Officer wurde um 5.25 aufgemacht. Die ganze Prozedur durch den Checkpoint dauert etwa zwei Stunden. Die Soldaten/innen sitzen hinter Panzerglas, Kommunikation nur über Lautsprecher, völlig anonym, und an diesem Morgen war besonders schlimm, dass eine der Soldatinnen nur durchs Mikrofon brüllte und die Menschen, die nur zur Arbeit wollen, herumkommandierte. Die Männer müssen den Gürtel aus der Hose nehmen, die Schuhe ausziehen und die Jacken - alles wird durchleuchtet. Durchsuchung eines Haues Am selben Morgen wurde in der Al Sar Strasse in Bethlehem ein Haus durchsucht, es ging um ein Mitglied der AlAqsa Brigades. Ca. 60 Soldaten und ein Bulldozer kamen, es wurde geschossen. Nach der Erstürmung des Hauses hörte man im Inneren drei Explosionen, das Haus wurde schwer beschädigt. Drei Menschen wurden getötet, der Gesuchte, eine Passantin und ein 17jähriger Junge. Das Haus wurde später zerstört. Als wir später am Nachmittg versuchten den Ort zu erreichen, konnten wir nicht in die Strasse, weil immer noch Militär da war. Wir konnten lediglich die Trümmer des Hauses sehen.

Demonstration gegen die Mauer

Wir waren vorher an der Strasse von Hebron nach Jerusalem beim Checkpoint Beit Jala. Auch dieser Checkpoint wird z.Zt. umgebaut zu einem grossen Terminal. An diesem Tag fand am Checkpoint eine Demostration gegen die Mauer statt, wegen deren Bau viele Bauern ihr Land nicht erreichen können um die Oliven zu ernten. Es gibt zwar eine Verfügung des High Court of Justice vom Juni 2006, die den Palästinensern Zugang zu ihrem Land und Schutz durch Polizei und Militär garantiert – doch diese wird nicht überall eingehalten. Der Demonstrationszug bestand aus ca. 40 Menschen, israelischen Friedensaktivisten, palästinensischen Bauern und Internationalen. Sie kamen mit Körben mit Oliven, Krügen mit Öl, der palästinensischen Fahne und Spruchbändern gegen die Mauer und den Landdiebstahl. In Höhe des Checkpoints wurden sie von Polizei umringt, die versuchte, den Zug zu stoppen, die Demonstranten versuchten weiterzugehen. Es wurde kein Tränengas eingesetzt, jedoch mit starker körperlicher Gewalt agiert. Die Polizisten, alle sehr gross, griffen sich zu vieren oder fünfen einen Teilnehmer, packten den Festgenommenen am Nacken und drückten ihn runter, die Arme wurden auf den Rücken gedreht, oder hielten ihn an Armen und Beinen und schleppten ihn weg. Die Festgenommenen wehrten sich, wurden jedoch unter Anwendung von körperlicher Gewalt jeweils in einen der Polizeiwagen "gestopft". Einer der Männer erlitt entweder einen Schock oder einen Herzanfall, nachdem seine Gegenwehr aufgehört hatte, liessen die Polizisten ihn einfach fallen und er blieb auf der Strasse liegen. Andere kümmerten sich um ihn; als jedoch die Ambulanz kam, umringten die Polizisten ihn und es sah aus, als ob sie verhindern wollten, dass er ins Krankenhaus kam. Nach einigem Gerangel und Protestrufen war es möglich, ihn abzutransportieren. Eine älterer Mann aus unserer Gruppe, so um die siebzig, ging auf einen der Polizisten zu und redete ärgerlich auf ihn ein, plötzlich lag der alte Mann auf dem Boden und der Polizist mit erhobenem Knüppel über ihm. Dadurch, dass eine junge Frau ihren Arm dazwischenhielt, verhinderte sie, dass der Polizist auf den Mann einschlagen konnte. Die ganze Aktion dauerte etwa eine Stunde, war begleitet von Protestrufen, die Oliven waren auf der Strasse verstreut, die Krüge zerbrochen. Mittlerweile war auch die Presse vertreten, u.a. das örtliche Fernsehen von Bethlehem. Soweit ich weiss, wurden vier oder fünf Teilnehmer verhaftet, einer davon Palästinenser. Ihm wurde vorgeworfen, dass er auf dem Weg Blumen an die Siedler verteilt hatte. Die Israelis sollen am nächsten Tag auf freien Fuss gesetzt worden sein, was mit dem palästinensischen Bauern geschehen ist, weiss ich nicht.

Olivenernte in Yanoun

Derweil verlief die Olivenernte im Dorf anscheinend ruhig. Während der ersten Tage tauchten häufig Militärfahrzeuge auf, auch sie zeigten Präsenz. Die Bauern ernteten auch die Oliven von den Bäumen, die höher am Hang und näher an der Siedlung stehen. Gestern mittag klopfte dann ein Nachbar an die Tür und bat uns, mit ihm zu kommen. Sein Onkel wollte auf sein Land, bat aber um Begleitung, weil er vor zwei Wochen von Siedlern bedroht worden war. Sie waren mit ihren Hunden den Hang herunter gekommen und hatten gedroht, ihn zu töten, wenn sie ihn nocheinmal dort sehen sollten. Also fuhren wir mit dorthin um die internationale Präsenz zu demonstrieren. Wir hoffen, dass es die Siedler davon abhält, weiter Schwierigkeiten zu machen, weil sie doch fürchten dass dies dann öffentlich berichtet wird. So leben wir hier täglich im Zwiespalt der trügerischen ländlichen Idylle und dem Bewusstsein der bedrohlichen Situation von aussen, obwohl wir durch unseren Status als Internationale relativ geschützt sind. Ich selbst bin betroffen davon, wie schnell ich mich an die ständige Gegenwart von Militär gewöhnt habe.

Ursel Kammann, EAPPI Team
Yanoun 17. November 2006

Der Bericht gibt die Meinung der Freiwilligen und nicht notwendigerweise die von pax christi bzw. dem ÖFPI-Programm wieder.

In der Presseerklärung der Kooperation vom 22.11.2006 heißt es: "Der Kooperationsrat der Kooperation für den Frieden, der Dachorganisation von 40 Friedensorganisationen in Deutschland, begrüßt die Aktion des Aachener Friedenspreis e.V., der mit seiner Strafanzeige deutlich die Frage der juristischen Zulässigkeit der im "Weißbuch 2000 zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr" verfolgten Militärstrategie aufwirft. Auch uns beunruhigen die dort vertretenen Positionen.

Kooperation für den Frieden begrüßt die Strafanzeige des Aachener Friedenspreis e.V. gegen Kanzlerin und Verteidigungsminister

Wir haben schon in früheren Stellungnahmen deutlich gemacht: "Wir halten die militärische Sicherung von Rohstoffen, Märkten und Transportwegen nicht für einen Akt der Bedrohungsabwehr, sondern für Aggression gegenüber weniger stark gerüsteten Volkswirtschaften." (Friedenspolitische Richtlinien der Kooperation für den Frieden). Das Weißbuch schafft mit dem Hinweis auf die historisch angeblich neuartige "vernetzte Sicherheit" eine Legitimierung der deutschen Armee als weltweiter "Bundeswehr im Einsatz".

Wir fordern die Generalbundesanwältin, Frau Monika Harms, auf, die Strafanzeige des Aachener Friedenspreis e.V. mit aller gebotenen Sorgfalt zu prüfen. Unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens werden wir weiterhin auf der politischen Ebene Widerstand gegen die in diesem Weißbuch formulierte Militärpolitik organisieren.

Der Aachener Friedenspreis e.V. hatte in der vergangenen Woche Strafanzeige gemäß § 80 des Strafgesetzbuches gegen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Bundesverteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung wegen der Vorbereitung von Angriffskriegen gestellt.Der Aachener Friedenspreis e.V. sieht diese Straftat mit der Verabschiedung des neuen Weißbuches der Bundeswehr als gegeben an. Das Weißbuch beschreibt die neue Militärdoktrin der Bundesrepublik Deutschland, in der die Bundeswehr die Rolle einer weltweit einzusetzenden und präventiv tätigen Interventionsarmee übernimmt.

Parallel zu dieser neuen Zielstellung erfolgt die materielle Umrüstung der Bundeswehr mit den entsprechenden Waffensystemen und Transportmitteln. Insofern ist nach Auffassung des Aachener Friedenspreis e.V. sowohl in der Militärdoktrin wie in der Ausrüstung der Truppe die Vorbereitung von Angriffskriegen gegeben."

gezeichnet:

Susanne Grabenhorst (Mönchengladbacher Friedensforum), Sprecherin der Kooperation für den Frieden

Dr. Reinhard J. Voß, Generalsekretär von pax christi / deutsche Sektion

Jan Gildemeister, Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e.V. (AGDF)

Matthias Jochheim, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW)

Manfred Stenner, Netzwerk Friedenskooperative

Peter Bürger, Ökumenisches Friedensnetz Düsseldorfer Christinnen & Christen

Erika Bosch, "Menschen für den Frieden Düsseldorf"

Robert Hülsbusch, FI Nottuln und DFG-VK


Kooperation für den Frieden c/o Netzwerk Friedenskooperative, Römerstr. 88, 53111 Bonn Tel. 0228/692904, Fax: 0228/692906 info@koop-frieden.de

Überall würde man sich über mögliche Sanktionen gegen Israel erregen, monierte Jeff Halper als ein Repräsentant der israelischen Friedensbewegung vor mehr als 200 ZuhörerInnen der Konferenz „Weg mit der Mauer in Palästina“. Doch wer merke auf, wenn Deutschland der Bürgermeisterin von Ramallah, Janet Michael, die Einreise zur Teilnahme an dieser Konferenz der Friedens- und Solidaritätsbewegung verweigert? Da mit der Person Michaels nicht nur sie selbst sondern zugleich ihr Volk boykottiert würde, forderte er ein starkes Zeichen des Protestes.

Konferenz am Samstag, 18. November 2006 in Berlin: Engagierte Initiativen zum Israel-Palästina-Konflikt

Janet Michael selbst drückte in ihrem Grußwort an den Kongress ihre „Verwunderung und ihr Unverständnis“ darüber aus, dass ein Land, von dem sie erwartet hätte, dass es sich für die Rechte eines unterdrückten Volkes einsetze, ihren fristgerechten Einreiseantrag erst ohne Begründung ablehne.

Die Organisatoren der Konferenz werten das „fünf vor Zwölf“ gemachte Angebot einer möglichen Visumerteilung für Frau Michael als politischen Taschenspielertrick, der zur Behauptung führen könne, die Einreise wäre möglich gewesen. Sie akzeptierten mit Bedauern Frau Michaels Reaktion, dieses politische Vorgehen nicht zu akzeptieren. Sie blieben bei ihrer Kritik, dass die Bundesregierung sich mit diesen Vorgängen nicht nur zum Erfüllungsgehilfen der Politik der US-Administration mache, sondern sich zugleich in Europa isoliere. Laut eigenen Erkundigungen würde kein wichtiges europäisches Land einer solchen Visumverweigerung entsprechen. In dieser Kenntnis verstärke die Einreiseablehnung nicht nur die Brüskierung der Bürgermeisterin Michael sondern stoße zugleich alle jene Kräfte des palästinensischen Volkes vor den Kopf, die sich um eine friedliche Konfliktlösung, Demokratisierung und Durchsetzung der Menschenrechte in der Region bemühen.

Angesichts der auf der Konferenz belegten engen Verzahnung der US-, europäischen und der deutschen Politik mit dem Israel-Palästina-Konflikt richtet sich die Entscheidung der deutschen Regierung zugleich gegen alle engagierten Bemühungen von Menschen in Deutschland, in diesem Konflikt mit zivilgesellschaftlichen Mitteln zu intervenieren.

Von der Konferenz ergeht deswegen ein Appell an die deutsche Öffentlichkeit, von der deutschen Regierung in Bezug auf den israelisch-palästinensischen Konflikt einen entschiedenen Politikwechsel hin zu einer neutralen, den Dialog fördernden und Verhärtungen aufweichenden Linie zu fordern. Dazu gehört auch die Förderung nachhaltigen zivilgesellschaftlichen Engagements in Deutschland und Europa hin zu einer Lösung dieses Konfliktes. Der „Koordinationskreis Stoppt die Mauer in Palästina“ wird die praktischen Fragen von Boykott, Investitionsentzug, Sanktionen und politischer Aufklärung in den kommenden Monaten intensiv angehen.

Bei wenigen Enthaltungen verabschiedeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz die unten dokumentierte Erklärung:

Das Präsidium von Pax Christi International (PCI) benannte in seiner Sitzung am 13./14. November 2006 in Brüssel Frau Claudette Antoine Werleigh (Haiti/Uppsala) ab November 2007 als Nachfolgerin von Etienne de Jonghe, der Ende 2007 in Rente geht. Claudette Werleigh hat breite internationale Erfahrung in gewaltfreier Friedens-, Gerechtigkeits- und Versöhnungsarbeit. Sie war Vizepräsidentin und Mitglied des PCI-Präsidiums

Amtsantritt in einem Jahr

von 1992 bis 2001 und nahm an PCI-Missionen nach Wien, Brasilien und Mittelamerika teil. Zwischen 1990 und 1996 bekleidete sie auch hohe politische Ämter in ihrer Heimat Haiti.

Claudette Werleigh ist Juristin, Ökonomin und Erwachsenenbildnerin. Sie arbeitet seit 1999 als Programmdirektorin im „Life and Peace Institute“ im schwedischen Uppsala. In dieser Funktion hat sie Projekte lokaler Friedensinitiativen in kriegsgeschüttelten Regionen gefördert, u.a. am Horn von Afrika und in beiden Kongo-Staaten. Sie hat intensive Kontakte nach Lateinamerika, Asien, Afrika wie auch nach Westeuropa. Sie spricht neben ihren haitianischen und franz